Disclaimer: Wie war das doch gleich? Hat sich etwas geändert? Nein, es liegen die Rechte nach wie vor bei Tolkien und seinen Erben, zu denen ich nicht gehöre. Ich hab es geliehen und verdien nix damit.
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10. Kapitel: Wir retten alles und jeden
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„Das ist doch viel besser als diese schwarzen Eichhörnchen."
Oh ja, solche Sätze hatte er vermisst. Aragorn nagte leicht an seiner Unterlippe. Vermisst war vielleicht der falsche Ausdruck. Äußerungen wie diese aus Elladans Mund konnte man nicht vermissen, sondern nur fürchten. Aber spätestens jetzt war ihm klar, dass er wieder nach Hause gekommen war, in den Kreis der liebenden Familie, deren eines Mitglied soeben wahrscheinlich eine wahnwitzige Idee hatte, die ihm wohl den Hals brechen würde.
Elladan baute sich breitbeinig am Ufer auf und machte eine ausgreifende Bewegung mit beiden Armen. „Estel, du nimmst eine Fähre. Wir anderen schwimmen rüber."
Von Legolas kam ein ersticktes Lachen. Gilnín schüttelte nur stumm, aber äußerst energisch den Kopf.
„Warum sollten wir überhaupt rüberschwimmen?" erkundigte sich Galen liebenswürdig.
„Willst du Leiloss etwa ertrinken lassen?"
Rhûnars bester Heiler deutete kurz mit seinem Kampfstab auf den Anduin hinaus. „Sie ist schon wieder aufgetaucht. Im Gegensatz zu dir, mein lieber Freund, können Ithildrim sehr gut schwimmen."
„Reite nicht immer auf den alten Geschichten rum", empörte sich Elladan. „Und was ist mit Hestia?"
„Was soll mit ihr sein?" war die noch immer sehr liebenswürdige Gegenfrage. „Ich denke nicht, dass ich mich für diese Person in Gefahr begeben werde."
Elladan musterte ihn düster. „Du bist ein kalter Fisch."
„Der auf dem Trockenen bleibt", vollendete Galen gelassen.
„Also gut, dann rettet Gilnín sie vom Boot aus. Ich denke, das würde Erestor eine Freude machen."
„Es freut ihn noch mehr, wenn ich da draußen nicht absaufe", murmelte Gilnín mit überraschender Deutlichkeit.
Hilfe kam aus einer Ecke, aus der es Elladan wohl nicht erwartet hatte. Elrohir räusperte sich nämlich und legte seinen Umhang ab. „Egal, ob Hestia nun absäuft oder nicht. Die Mannschaft wird es und wie es aussieht, wird die ‚Butterblume' gleich geentert. Großvater guckt schon ganz wütend zu uns rüber."
Was auch andere Gründe haben konnte. Aragorn seufzte, schlug aber gleichwohl Gilnín auf die Schulter und trabte mit ihm vor an die Furt, wo ein Teil der Fährboote bereits abgelegt hatte. Als er mit dem nicht gerade begeisterten Heiler an Bord kletterte, stürzten sich die anderen vier mutig in die Fluten. Ein Blick zurück ans Ufer zeigte, dass Elrond wieder dem Vorboten eines Gewittersturms ähnelte. Egal, wie das ausging, sie würden sich allesamt auf etwas gefasst machen können. Nun, Legolas vielleicht nicht, denn Thranduil stand kopfschüttelnd neben Glorfindel und grinste vor sich hin. Nebenbei hielt er Varya am Arm fest. Wohl weniger, um sie zu stützen, weil sie auf einem Bein hopste und dabei versuchte, sich einen Stiefel auszuziehen, sondern eher, um sie davon abzuhalten, sich den elbischen Rettungsschwimmern anzuschließen.
Sechs Beorninger ruderten das schmucklose Fährboot mit kräftigen Schlägen auf die gestrandete ‚Butterblume' zu. Bei jedem Schlag gaben sie eine Art Brummen von sich, das genauso grimmig klang, wie sie selber auch aussahen. Gesteuert wurde das Fährboot durch einen weiteren Beorninger, der wie ein Felsbrocken im Heck an der Ruderpinne hockte und seinen Blick unbeirrbar auf das gestrandete Schiff halb links von ihnen hielt. Er war es auch, der mit ausgestrecktem Arm auf die Oberfläche des Anduin deutete und seinen Männern einen Befehl zurief, woraufhin sie die Geschwindigkeit verringerten.
Aragorn suchte die Wasseroberfläche ab und entdeckte zu seiner Erleichterung, dass Leiloss dort in der Nähe wie ein Korken aufgetaucht war. Sie hatte Hestia am Schlafittchen und hielt ihren Kopf über dem Wasser. Gekonnt ging das Boot neben den beiden längsseits und Aragorn beugte sich weit über den Rand, um Hestia zu packen und an Bord zu ziehen.
„Hallo, Estel", strahlte ihn Leiloss an. Im Wasser verteilten sich ihre silbrigen Haare und umgaben ihr fröhliches Gesicht wie feinste Blütenblätter. Der nette Anblick mutierte zu dem eines nassen Hermelins, als sie Gilnín die Hand reichte und sich hochziehen ließ. „Schön, dich zu sehen."
Er ächzte etwas, das einem Gruß nahe kam. Mochte Leiloss die Situation völlig gelassen nehmen, er hatte damit zu kämpfen, den leblosen Körper von Marsdens früherer Vertrauten hoch zu hieven. Sie war eigentlich nicht weniger zierlich als Leiloss, doch die vollgesogene Kleidung und die Nachgiebigkeit ihres in Bewusstlosigkeit versunkenen Körpers machten das Ganze zu einem schweißtreibenden Unterfangen.
Zufrieden damit, dass man sich um die Schiffbrüchigen kümmerte, gab der Steuermann einen erneuten Befehl und das Fährboot hielt wieder auf die ‚Butterblume' zu. Aragorn zerrte Hestia endgültig an Bord und legte sie auf dem breiten Gang zwischen den Ruderern ab, der gewöhnlich für die Fährgäste und ihr Gepäck reserviert war. Bequemlichkeit war für Beorninger offenbar ein Schimpfwort und mehr als einen freien Platz gestanden sie ihren zahlenden Gästen nicht zu. Besorgt beugte er sich über die leblose Gestalt, die in einer größer werdenden Wasserpfütze liegend noch immer kein Lebenszeichen von sich gab.
Gilnín gesellte sich zu ihm. Interessiert von Aragorn beobachtet, zog Erestors Sohn vorsichtig eines ihrer Augenlider nach oben und nickte zufrieden, als sich im hellen Mondlicht die zuvor geweitete Pupille zusammenzog. „Keine ernstliche Verletzung. Der Aufprall war nur etwas hart. Solange ihr Auge in dieser Form reagiert, ist Schlimmeres eher unwahrscheinlich."
„Sie ist ein Trampel", verkündete Leiloss ungnädig. „Ich weiß gar nicht, warum ich sie gerettet hab."
„Tja", meinte Aragorn, als er sich wieder aufrichtete. „Du hast es aber getan und damit hast du nun die ehrenvolle Aufgabe, dich weiter um sie zu kümmern."
Leiloss machte ein Gesicht, als hätte sie gerade ein akuter Anfall von Seekrankheit überfallen. „Wieso das denn?"
„Ein menschlicher Brauch", verkündete Gilnín mit Grabesstimme. „Ihr Leben lag in deiner Hand. Bis zu deinem Ende – oder ihrem – trägst du nun die Verantwortung."
Aragorn wandte sich lieber wieder dem Schauspiel vor ihnen zu. Man musste Erestor kennen, um in Gilníns obsidianschwarzen Augen dieses boshafte Funkeln zu entdecken, mit dem offenbar alle Mitglieder seiner Familie ihre Form des Humors verrieten. Der Heiler hatte sich in seinen Jahren in Imladris wirklich stark verändert. Aragorn gefiel er jedenfalls so um Längen besser als noch zu Beginn ihrer Bekanntschaft.
„Ihr Ende können wir beschleunigen", nörgelte hinter ihnen Leiloss herum, während sie die immer noch Bewusstlose am rechten Fußgelenk packte und hinter sich her zum Heck zerrte. Am Ende würde Hestia nicht ertrinken, sondern an einem Schädelbruch sterben.
Die ‚Butterblume' war recht unglücklich auf der Sandbank zum Halten gekommen. Ihre Steuerbordseite ragte hoch vor den zu Hilfe eilenden Fährbooten auf, während sich ihre Backbordseite dem Piratenschiff zuneigte, das seinerseits Schlagseite hatte. Beide Schiffe lagen so nah zusammen im flachen Wasser der Sandbänke, dass sie fast wie ein Paar von Verschwörern wirkten, die sich einander zuwandten, um Geheimnisse auszutauschen. Der Hauptmast des Piratenschiffes reichte bis hinüber über das Ruderhaus der ‚Butterblume' und Estel registrierte voller Entsetzen die vielen dunkelhaarigen und ausnehmend finsteren Gestalten, die in der Takelage herumkletterten, um die ‚Butterblume' zu entern.
Die Besatzung des Handelsschiffes drängte sich vorne im Bug zusammen und schrie den Beorningern entgegen, dass sie sich beeilen sollten. Von den Erstgeborenen war niemand zu entdecken. Aragorn nahm an, dass sie sich unterhalb des Mastes des Piratenschiffes versammelt hatten, um den vorwitzigen Angreifern sofort zu Leibe zu rücken.
Ein lauter Befehl klang vom Ufer herüber. Beinahe sofort zogen unzählige Pfeile eine Spur wie ein dunkler Regenbogen über den Nachthimmel und gingen hinter der ‚Butterblume' auf dem havarierten Piratenschiff nieder. Die Besatzung des Handelsschiffes mochte jubeln, doch Aragorn hatte seine Zweifel, dass dies ausreichen würde, die Gefahr zu bannen. Wer immer bereits von den Piraten an Bord der ‚Butterblume' angelangt war, befand sich in Sicherheit vor diesen präzise geschossenen Pfeilen. Selbst Glorfindel würde seine Schützen niemals zwischen Angreifer und Verteidiger gleichermaßen zielen lassen. Auch einem elbischen Bogenschützen waren Grenzen gesetzt, wenn es darum ging, im Gewimmel das richtige Ziel zu treffen und Elrond wäre sicher nicht sonderlich beglückt, wenn er womöglich Celebrians Vater einen Bruchtaler Pfeil aus dem Rücken entfernen müsste.
Zwei der Fährboote hatten bereits bei der ‚Butterblume' festgemacht. Von oben wurden Taue heruntergeworfen und die ersten Schiffbrüchigen ließen sich daran herunter. Alles ging recht ruhig zu, was wohl daran lag, dass am unteren Ende des Taus immer ein Beorninger stand und böse nach oben blickte, wenn das Gedrängel über ihm zu heftig wurde. Auch das Boot mit Aragorn suchte sich nun einen Platz an der hoch über ihnen aufragenden Seitenwand. Direkt neben einem großen Leck in den Holzplanken legte ihr Steuermann an. Trotz der aufgerichteten Lage der ‚Butterblume' war ein Stück des Risses mit den zersplitterten Ende der Planken noch unterhalb der Wasserlinie und Teile der Ladung trieben heraus.
Kein glücklicher Tag für den Kapitän dieses Schiffes, dachte Aragorn voller Bedauern, bevor er sich wieder darauf konzentrierte, das Unglück des Mannes nicht noch größer zu machen, indem er sich mit überflüssigen Dingen beschäftigte, anstatt helfend einzugreifen. Er packte eines der Taue, die prompt von oben herabgelassen wurden und bedeutete den Leuten über ihm, dass er zuerst hochklettern würde, bevor sie es für ihre Flucht benutzen könnten.
„Ich komme mit", zwitscherte Leiloss und stand wie hergezaubert hinter ihm. „Ihr werdet meine Hilfe brauchen."
„Die wird hier viel nötiger gebraucht", widersprach Aragorn mit einem energischen Kopfschütteln. Die Ithildrim hatte ihm zu seinem Glück noch gefehlt.
Leiloss schürzte die Lippen und Widerstand stand ihr ins Gesicht geschrieben.
„Sie kann mir helfen", schlichtete Gilnín. „Dort oben scheinen Verletzte zu sein. Leiloss wird sie sicher auf die Fähren herunterlassen."
Leiloss entschloss sich wohl, besser mit weniger zufrieden zu sein, bevor sie Aragorns Entschlossenheit auf die Probe stellte. Sie hangelte sich hinter Gilnín eines der Taue hinauf und entschwand aus Aragorns Sichtfeld. Er selber sah sich noch einen Moment suchend um, weil es ihn höchst irritierte, von seinen schwimmend aufgebrochenen Freunden nichts entdecken zu können. Ertrunken würden sie nicht sein, aber irgendwie beschlich ihn der Verdacht, dass Elladan kurzfristig eine Planänderung durchgeführt hatte.
Fest entschlossen, lieber nicht länger darüber nachzudenken, kletterte er die Bordwand hinauf. Kaum hatte er die erste Hand auf die Reling gelegt, wurde er am Handgelenk gepackt und hilfreich an Bord gehoben. Verwundert fand er sich einem alten Mann in etwas skurriler grauer Kleidung gegenüber. In seinem langen Bart hingen Ascheflocken das Gesicht war ein wenig von Ruß beschmutzt und darunter von der Zeit gezeichnet. Aber es waren die Augen, die Aragorn gefangen nahmen. So viel Wissen leuchtete in ihnen, gleichzeitig begleitet von großem Gefühl und noch etwas anderem, das ihm noch nie zuvor begegnet war.
„Als ich dich das letzte Mal sah, junger Dúnadan, warst du ein kleines Kind, das sich im Garten herumtrieb und mit einem Holzschwert spielte", schmunzelte der Alte vergnügt. „Ich sehe, du hast deine Waffe gegen etwas Besseres getauscht, das wir hier gut gebrauchen können."
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Der große Wohnraum war vom Feuer des Kamins und einigen Kerzen in Inseln voller Licht inmitten eines Meeres aus Schatten unterteilt. Scharfe Augen, Elbenaugen von blassem Blau, alt und dennoch von einer milden Neugierde auf das Leben erfüllt, betrachteten die vertrauten Einzelheiten, die sich im Schatten abzeichneten. Viele Dinge davon sprachen von der Liebe einer weiblichen Seele zu ihrem Zuhause.
Berelion lächelte unwillkürlich, als sein Blick auf ein besticktes Kissen fiel, das ein wenig verknautscht in einem der beiden Lehnstühle lag, die wiederum die schmalen Enden eines Tisches aus rötlichem Kirschbaumholz zierten. Ohne dieses Kissen in ihrem Rücken hatte sich seine Gemahlin geweigert, sich dort niederzulassen und das Essen mit ihm einzunehmen. Es war lange her, dass sie selber es nun benutzt hatte. Zu sehr hatte der Tod ihres einzigen Sohnes sie mitgenommen. Er erinnerte sich noch gut an ihre Traurigkeit, die sie einfach nicht mehr verlassen wollte. Eines Tages dann war er alleine gewesen und als der Moment kam, ihre Überreste in die Halle der Toten zu tragen, hatte er sich grauenhaft gefühlt. Thranduil hatte sich ihm schweigend angeschlossen. Niemandem sonst erlaubte er, Berelion in seinem allerletzten Dienst an der geliebten Frau zu stören.
Orophers Sohn war ein großartiger König und seine Freundschaft eine wirkliche Auszeichnung. Es war ebenso ein Zeichen seines Vertrauens, dass er ihm die Geschicke des Reiches anvertraut hatte, während er selber an anderem Ort eben diese Geschicke mit all seiner Kraft zu schützen versuchte.
Ein knusperndes Geräusch riss Berelion aus seinen melancholischen Überlegungen. Mit einem entschlossenen Atemzug löste er seinen Blick von dem Kissen und richtete ihn wieder auf den Krieger, der ihm gegenüber an seinem Arbeitstisch schräg vor dem Kamin saß. Gaellas klopfte sich gerade die Krümel einer seiner unzähligen Zwischenmahlzeiten von der Tunika. Geröstetes Honigbrot, schätzte Berelion, nach der klebrigen Hartnäckigkeit der Krümel zu urteilen. Das mochte er abends schon immer am liebsten.
„Fühlst du dich nun gestärkt genug?" erkundigte er sich ironisch, woraufhin sein Neffe mit vollem Mund ein unverständliches Murmeln von sich gab, aber eifrig nickte. „Gut, dann habe ich dich also vorhin bei den Verliesen richtig verstanden, dass unser Ork nun perfekt Sindarin spricht?"
Gaellas hatte bereits einen Becher Wein an den Lippen, blinzelte aber zustimmend.
„Du hast ihn in seiner Zelle gefunden, an der Grenze zur Hysterie, aber mit erstaunlichen neuen Sprachfähigkeiten", wiederholte Berelion den etwas konfusen Bericht seines ewig hungrigen Verwandten. „Er hat dir etwas von Ionnin, den er natürlich nicht wirklich kennt und einem weißen Eichhörnchen vorgestammelt, als er wieder aus seiner Ohnmacht erwachte. Ist dieser Ork wirklich ohnmächtig geworden?"
Gaellas grinste und schob sich eine Weintraube in den Mund. Direkt zu den anderen, die darin schon die Vergänglichkeit aller Existenz im Zyklus von Leben und dessen Ende erwarteten.
„Orks sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren", murmelte Düsterwalds Seneschall und lehnte sich in seinem bequemen Stuhl zurück, um wieder einen Moment zu überlegen. Er betrachtete irritiert die Obstschale auf der linken Seite seines Schreibtisches. Die Weintrauben waren weg. Nur noch der kahle Strunk war übrig. Gaellas aß nicht nur viel, sondern auch noch schnell. „Aber damit nicht genug, behauptet er auch noch, dass seine beiden Besucher geradewegs durch die Wand seines Verlieses marschiert sind. Du hast das natürlich nachgeprüft?"
Zuerst nickte Gaellas eifrig, dann schüttelte er den Kopf.
„Also keine verborgene Tür", übersetzte Berelion die Zeichen seines Neffen, dessen Gesicht aufgrund der vollen Backen wie das eines Erdhörnchens nach erfolgreicher Futtersuche aufgeplustert war. „Jedenfalls keine, die du erkennen konntest."
Ein irritierter Blick traf ihn.
„Es gibt Türen, die nicht jedem zugänglich sind, mein Junge", schmunzelte sein Onkel und seine Gedanken schweiften in die Vergangenheit. König Oropher hatte eine große Leidenschaft aus seiner Heimat Doriath mitgebracht und die drehte sich um geheime Türen. Eine sehr nützliche Einrichtung, wenn man ebenso geheime Gänge schützen wollte, die zum Beispiel zu den Schatzkammern führten oder Fluchtwege vor dem Feind verdeckten. Thingol hatte sein Reich sehr lange damit schützen können und Oropher wäre ein Narr gewesen, dieses besondere Wissen nicht auch für sich und seinen Palast zu nutzen. „Einige kenne ich, andere sind nur unserem König alleine bekannt."
Gaellas dunkle Augenbrauen, die in einem interessanten Kontrast zu seinen hellen Haaren standen und wohl von seiner Mutter an ihn vererbt worden waren, wanderten ein Stück nach oben. Er war verblüfft genug, dass er sogar für einen Moment aufhörte, an dem Apfel weiterzukauen, den er gerade in der Hand hielt.
„Behalte dieses Wissen für dich", wies ihn Berelion streng an. „Auch die Verwicklung dieses Eichhörnchens sollte nicht zum Tagesgespräch unter den Dienern werden. Sie würden es nur ständig suchen und sowieso nicht finden. Ich hatte eigentlich angenommen, dass es den Palast längst verlassen hat."
Zweifelnd wiegte Gaellas den Kopf und kaute dabei wieder auf seinem Apfel herum. Es klang, als wäre das Obst noch so frisch wie an dem Tag im Herbst, als es gepflückt worden war.
Berelion verspürte ein leichtes Hungergefühl. „Thranduil brachte es vor langer Zeit mit. Offenbar ist es ihm einfach gefolgt. Eigentlich hat es sich vor ihm auf seinem Pferd niedergelassen und du kennst unseren König…"
Sein Neffe gluckste.
„Er hat immer behauptet, es besäße Zauberkräfte. Eine davon bestand wohl darin, sich für Jahrhunderte in Luft aufzulösen, kaum war es im Palast angekommen. Ich denke, es wird Thranduil erfreuen, dass du es gesehen hast." Berelion behielt für sich, dass ihn nicht die lange Lebensdauer dieses Geschöpfes beunruhigte, sondern Ort und Zeitpunkt seines Auftauchens. „Was hat es nur damit bezweckt, dem Ork unsere Sprache zu schenken?"
Eine Antwort erwartete er nicht und so war er auch nicht enttäuscht, dass sein Neffe ratlos die Schultern hob.
„Nun ja." Berelion schlug leicht mit der flachen Hand auf den Tisch. „Es hat natürlich auch seine Vorteile, wenn dieser Bursche uns versteht. Für dich ist es jedenfalls einfacher, ihn unter Kontrolle zu halten. Ich nehme an, du hast ihm ein anderes Verlies zugewiesen?"
Empört über diese unnötige Frage krauste Gaellas die Nase und schob sich energisch das letzte Stück des Apfels in den Mund. Den Stiel, der als einziges übrig blieb, hielt er im Mundwinkel. Berelions Bruder hatte mal berichtet, dass sein Sohn schon als kleines Kind fähig war, daraus nur mit der Zunge einen Knoten zu fabrizieren.
Ein zweifelhaftes Talent, überlegte Berelion. Aber zum Glück ist es nicht sein einziges geblieben. Wenn er nicht so ein guter Krieger wäre… „Warten wir also ab, ob dieses Eichhörnchen noch an anderer Stelle auftaucht. Ionnin können wir schließlich schlecht fragen, wo er es gefunden hat."
Gaellas öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Berelion stand nicht mehr der Sinn nach einer Unterhaltung. Er winkte ihn mit einer knappen Geste hinaus und gab sich noch etwas seinen Grübeleien hin. Orks, Zaubereichhörnchen und wer wusste schon, was sonst noch alles so auftauchte, während Thranduil nicht da war. Der Palast war ein Ort voller Überraschungen und vielleicht konnte selbst Berelion nicht lange genug leben, um jemals völlig zu verstehen, was das Haus Oropher alles an altem Zauber in diesen wehrhaften Fels gewoben hatte, als er zum neuen Heim der Vertriebenen auserkoren wurde.
Berelion griff sich spontan den letzten verbliebenen Apfel und biss hinein. Unterhaltungen mit Gaellas machten seltsamerweise immer hungrig.
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Über ihren Köpfen ertönte ein Schrei, dann fiel von ein schwerer Körper herab und landete mit einem lauten Platschen eine Armlänge von ihnen entfernt im Wasser. Galen und Legolas tauschten einen Blick.
„Prächtig", murrte Galen. „Hast du den Pfeil gesehen?"
„In seiner Brust", nickte Legolas und schwang sich auf das große Ruderblatt, das nur noch am unteren Ende schräg ins Wasser ragte. „War einer aus Imladris. Die graubraune Befiederung erkenne ich überall."
Galen kletterte ihm nach. „Sie werden uns versehentlich abschießen."
„Durchaus möglich." Legolas legte den Kopf in den Nacken und betrachtete prüfend das Heck des Piratenschiffes, das sich recht beeindruckend über ihnen erhob. „Elladan und Elrohir müssten am Bug angekommen sein."
„Vorausgesetzt, Elladan ist nicht vorher ertrunken."
„So schlecht schwimmt er nun auch wieder nicht."
„Hah!" machte Galen nur missmutig. Er schob sich hoch zu Legolas auf die andere Seite des Ruderblattes und zerrte seinen Kampfstab aus dem Lederfutteral auf seinem Rücken. Nur Elladans grandiosem Vorhaben, dem Feind sozusagen in den Rücken zu fallen, hatte er es zu verdanken, dass er triefnass hier an dem mächtigen Holzruder hing und sich anschickte, ein Piratenschiff zu entern. Wenn er diese Aktion überlebte – und das war überhaupt nicht sicher – würde er eine Ewigkeit brauchen, seine Kleidung wieder tragbar zu machen. Leder nahm den Kontakt mit Wasser irgendwie übel. Es wurde hart und schrumpelig. Selbst Elbenkleidung hatte da so ihre Schwächen. Nicht jeder konnte ein Fürstensohn mit ganzen Schränken voller Kleidung sein.
„Jetzt komm endlich!" zischelte ihm Legolas zu. Er hatte bereits angefangen, an den Metallbändern, die die einzelnen Teile des Ruderblattes zusammenhielten, nach oben zu klettern.
In Galen dämmerte die Erkenntnis, dass Elladan ihnen natürlich auch wieder das Ende des Schiffes zugewiesen hatte, bei dem ein Aufstieg schwieriger war als am Bug. Das lag daran, dass sich ein weit ausladender Aufbau über das eigentliche Heck des Schiffes schob. Wenige Meter über der Wasseroberfläche mussten sie sich vom Ruder lösen und an der Bordwand selber weiterklettern. Zum Glück hatten die Piraten die Angewohnheit, ihr Schiff opulent, wenn auch nicht gerade ästhetisch zu verzieren. Überall boten sich geschwärzte Metallornamente als Haltegriffe an. Hinzu kamen aus Holz gefertigte Gesichter. Fratzen eher, fand Galen und umklammerte die Hakennase eines unfreundlichen Monstergesichts.
Leise brauchten sie jedenfalls nicht zu sein. Galens Flüche und Beschimpfungen auf seinem Weg nach oben gingen im Kampflärm unter. Die Piraten brüllten unverständliche Befehle durcheinander, die wohl mit dem Entern der ‚Butterblume' zusammenhingen. Dazwischen waren die geknurrten Laute der Orks zu hören und außerdem knirschte das ganze Schiff auf der Sandbank, während es sich noch ein wenig schräger legte.
Als Legolas und Galen endlich oben angekommen waren, kauerten sie sich einen Moment hinter die Reling und versuchten, einen Überblick zu bekommen. Um sie herum herrschte Chaos… oder auch Kampf… oder eigentlich beides. Die Unterschiede waren wohl fließend. Fast die gesamte Besatzung des Schiffes hielt sich an der Steuerbordseite auf. Einige kletterten in der Takelage des dreieckigen, schwarzen Hauptsegels herum, Dolche zwischen den Zähnen, was Galen für eine höchst gefährliche Angelegenheit hielt. Sie beabsichtigten eindeutig, sich auf die ‚Butterblume' zu stürzen und dort einen Kampf noch in Blut zu ertränken, den sie eigentlich angesichts der beiden gestrandeten Schiffe und der vielen Elben am Ostufer schon längst verloren hatten.
Es musste sie in ihrer Wut beflügeln. Die allesamt schwarz gekleideten Männer, die wilde Mähnen mit verfilzten Zöpfen hatten und deren Gesichter durch dunkle Tätowierungen noch bedrohlicher wirkten, wollten wohl im Tod noch das Blut der Elben sehen, die sich auf der ‚Butterblume' aufgebaut hatten und den Rückzug der Besatzung ihres eigenen Schiffes schützten.
„Da oben", raunte Legolas und zeigte mit einer knappen Kopfbewegung hinauf zum Ruder.
Ein Mann, so kompakt wie ein Zwerg und auch nicht viel größer, stand dort mit dem ebenfalls eisenbeschlagenen Steuerrad unbeachtet hinter sich und dirigierte mit wilden Armbewegungen und lauter Stimme seine Männer. In der rechten Hand hielt er eine schwere Axt, deren Klinge so vor Dreck starrte, dass es ein Wunder sein musste, wenn sie überhaupt noch etwas zerschneiden konnte. Von seiner Nasenwurzel über die gesamte Stirn bis zu den Schläfen zogen sich dunkle geometrische Tätowierungen, dessen Sinn wohl nur den Piraten erschlossen war. Die Schräglage des Schiffes schien ihm nichts auszumachen.
„Der Kapitän", erriet Galen und erntete ein Nicken seines Freundes. „Du willst ihn nicht wirklich angreifen?"
Legolas lächelte und ließ sich vorsichtig über die Reling gleiten. Dann ließ er sich auf ein Knie nieder und nahm seinen Bogen vom Rücken. Galen beobachtete unruhig ihre Umgebung. Man hatte sie immer noch nicht bemerkt. Alle konzentrierten sich auf den Angriff steuerbord. Noch mehr Piraten kletterten in die Takelage und nun folgten ihnen auch mindestens ein Dutzend Orks. Dennoch konnte es nicht schaden, sich auf eine Entdeckung vorzubereiten. Galen glitt an Legolas' Seite, nahm den Stab vor sich in beide Hände. Sein linker Daumen ertastete den Auslöser für den Mechanismus in den Stabenden. Währenddessen zog Legolas einen Pfeil aus dem Köcher und legte ihn an. Er schien sich überhaupt nicht dafür zu interessieren, dass um sie herum das Chaos tobte, dass es fürchterlich stank an Bord dieses Schiffes und außerdem verdächtige Kampfgeräusche vom Bug her ertönten, die vorher noch nicht da gewesen waren. Es schien, die Zwillinge waren eingetroffen.
Inmitten der Geräusche war es der bloße Instinkt, der Galen vorwarnte. Sein Kopf zuckte nach rechts und er erhaschte gerade noch den Blick auf eine Art bewegliche dunkle Mauer, die geradewegs auf ihn zukam. Im nächsten Moment prallte sie nicht nur gegen ihn, sondern auch noch gegen Legolas. Der Pfeil auf der Sehne des Waldelben löste sich und bohrte sich harmlos in den Unterbau des Ruderhauses. Der Kapitän blickte alarmiert zu ihnen herüber und fragte sich wohl, warum gerade zwei Elben über sein Deck flogen. Da ging es ihm kaum besser als Galen selbst. Sie landeten relativ weich auf einem kreischenden Piraten, kamen wieder auf die Füße und sahen sich einem Uruk'hai in rostigbrauner Rüstung mit einem schweren Säbel in der Hand gegenüber.
„Wo kommt der her?" fauchte Legolas und tauschte in einer einzigen Bewegung den Bogen gegen seine Langmesser.
„Aus Mordor", vermutete Galen. Er packte seinen Stab fester, ließ die Klingen daran aufspringen und ging leicht in die Knie, damit er nicht nochmals den sicheren Stand verlor.
„Nimm ihn dir vor", befahl Legolas kurzangebunden. „Ich halte uns den Rücken frei."
Nimm ihn dir vor? Galen runzelte die mit Angstschweiß bedeckte Stirn. Sein Freund wurde Thranduil immer ähnlicher. „Oh sicher, ist ja nur ein Uruk'hai."
„Du sagst es."
Galen hatte noch nie einem Uruk'hai im Kampf gegenüber gestanden und er hätte auch in diesem Moment gerne auf die Erfahrung verzichtet. Dummerweise schien sein Gegner sich geradezu darum zu reißen, auf ihn loszugehen.
„Ich töte dich!" brüllte er Galen an. „Und fresse deine Eingeweide."
„Keine Einzelheiten, bitte", murmelte Galen mit zusammengebissenen Zähnen. Er hatte nicht vor zu sterben. Jedenfalls nicht in naher Zukunft und bestimmt nicht durch diesen Uruk'hai. Entschlossen verdrängte er die instinktive Furcht vor diesen Geschöpfen Saurons, die jedem Ork so weit überlegen waren. Er drehte einmal den Stab in der rechten Hand, bis die Mitte unter seinen Unterarm ruhte und einer der Spitzen auf den wandelnden schwarzen Fels vor ihm zeigte.
Das war dann für die nächsten Minuten auch die einzige elegante Kampfhandlung, für die ihm Zeit blieb. Wenn der Uruk'hai über eines im Übermaß verfügte, dann war das Kraft. Die setzte er auch ein, um seinen Säbel mit solcher Wucht immer wieder gegen Galens Stab treffen zu lassen, dass der Ithildrim schließlich beide Hände zu Hilfe nehmen musste, um die Schläge abzufangen. Galens Schnelligkeit nützte ihm nicht viel auf dem schrägen Deck, das von Trümmern und Tauen in eine wahre Landschaft der Hindernisse und Stolperfallen verwandelt worden war. Außerdem war er darauf angewiesen, sich immer in Legolas' Nähe zu halten, um nicht noch von einem Piraten hinterrücks niedergestochen zu werden.
Ermüdet und fast schon mit Bewunderung, wie sein grobschlächtiger Gegner dennoch voller Wendigkeit den Attacken des sonst so verlässlichen Kampfstabes entkam oder sie einfach wegsteckte wie Federstriche, entschloss sich Galen, ihn wenigstens durch überlegene Intelligenz auszumanövrieren. Er streckte eine Hand aus und stellte sich breitbeinig auf, gerade als der Uruk'hai seinen Säbel zu einer neuen Attacke weit über den Kopf gehoben hatte. „Halt!"
Beinahe hätte er den zweiten Teil dieses Vorhabens vergessen, so verblüfft war er, dass diese Kreatur tatsächlich in der Schlagbewegung verharrte. Unter dem mordlustigen Glühen in den roten Augen seines Gegners flackerte eine Spur von Unsicherheit.
„Gibst du auf, Elb?"
„So würde ich es nicht nennen", erklärte Galen höflich. Er bemühte sich, nicht zu sehr auf die Oberarme des Uruk'hai zu starren, die dicker waren als seine eigenen Oberschenkel. Noch waren die Muskeln darin gespannt. „Aber wir kommen irgendwie nicht weiter."
„Galen", ließ sich Legolas hinter ihm vernehmen. „Was treibst du da?"
Er ignorierte ihn und wedelte stattdessen ein wenig mit seinem Stab herum. Selbst für den Uruk'hai war darin kein Angriff zu entdecken. „Du solltest wissen, dass ich eigentlich Heiler bin. Eine sehr ehrenwerte Betätigung, die gewöhnlich Leben erhält."
Der Uruk'hai knurrte. „Aber nicht deines."
„Das gleiche wollte ich gerade zu dir sagen", erklärte Galen mit einem sonnigen Lächeln, das in völligem Gegensatz zu seinem Vorhaben stand. Der Moment war günstig. Der Uruk'hai hatte unwillkürlich die Arme wieder etwas gesenkt. Galen sah, wie sich die Spannung in der linken Hand, die zum Glück nicht in so einem metallenen Handschuh steckte wie die rechte, lockerte. „Geh zu deinen Ahnen und lass dir neue Zähne machen."
Mit diesen Worten verwandelte sich das Herumwedeln des Stabes in eine einzige gezielte Bewegung, die die Klingen direkt in das Gesicht seines Gegenübers führte. Er traf sogar. Galen triumphierte innerlich, bis er feststellen musste, dass er keineswegs so weit gekommen war, wie eigentlich gedacht. Anstatt sich tief in den hässlichen Schädel zu bohren, kam der Stab zu einem abrupten Halt. Der Uruk'hai hatte einfach seinen Säbel fallen lassen und mit beiden Händen das Stabende unterhalb der offenen Hülsen umfasst. Er konnte nicht verhindern, dass die scharfen Klingen sich in seine linke Gesichtshälfte fraßen, aber er riss sie zur Seite weg und zog durch dieses Manöver eigenhändig tiefe Schnitte quer über sein Gesicht bis zur rechten Halsseite.
Das Gebrüll des Uruk'hai war eine Mischung aus fürchterlichen Schmerzen und noch mehr Wut. Außerdem beflügelte es ihn sogar noch. Mit einem unglaublichen Ruck entriss er Galen den Stab und schleuderte ihn über Deck. Galen hatte das Gefühl, ihm würden die Arme gleich mit aus den Schultergelenken gezerrt.
„Galen, komm zum Ende", blaffte Legolas in völliger Fehleinschätzung der Situation. „Ich kann sie nicht mehr lange fernhalten."
„Moment", keuchte Galen, dessen Arme nun leicht taub waren. Er versuchte, sich zu ducken, als der Uruk'hai nach ihm griff und auf einem ebenen Untergrund wäre ihm das sicher auch gelungen, doch hier glitt er mit einem Bein zur Seite aus. Bevor er wieder einen sicheren Stand hatte, wurde er hochgerissen. Wie Eisenklammern legten sich große Pranken um seine Körpermitte und drückten so fest zu, dass er das Gefühl hatte, jeden Moment müssten seine Eingeweide durch die Ohren rauskommen. Dann war er Auge in Auge mit der blutigen, zerfetzten Masse, die einmal die Fratze seines Gegners gewesen war.
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Unschlüssig nahm Forlos seinen Umhang von der Stuhllehne. Eigentlich hatte Haldir bereits da sein wollen, um mit ihm einen Abstecher zu den Übungsplätzen seiner Krieger zu machen. Die beiden Hauptmänner hatten die Zeit dazu nutzen wollen, sich einen genauen Plan auszudenken, wann sie wie viele Krieger aus Lorien abziehen würden und auf die andere Seite des Anduin bringen konnten, um von dort aus mit den anderen Truppen zusammenzutreffen.
Doch Haldir war ferngeblieben. Ein beinahe schon abwegig heiterer Diener hatte zwar unter Forlos' fasziniertem Blick den Tisch mit einem opulenten Frühstück für zwei Anwesende eingedeckt, aber nach nun fast einer Stunde war der Platz des Galadhel immer noch unberührt und Forlos verspürte eine gewisse Unruhe. Haldir hatte sicher einen Grund, wenn er dieser Verabredung fernblieb. War nur zu hoffen, dass keine neuen, natürlich schlechten Nachrichten eingetroffen waren.
Erleichterung überkam den Tawarwaith, als es an der Tür klopfte. Er öffnete sie schwungvoll. „Du bist spät!"
Sein Gegenüber sprang vor Überraschung einen Schritt zurück. Eindeutig nicht Haldir - zu klein, zu weiblich und zu hübsch. Forlos überlief es siedendheiß und er brauchte einen Moment, um seine Fassung wiederzugewinnen. Schließlich verschränkte er ein wenig hilflos die Hände auf dem Rücken und runzelte die Stirn in dem Bemühen, Maedcam nicht ganz so hirnlos anzustarren. „Maedcam…"
„Ja…ich…" Sie lächelte etwas verwirrt. „Störe ich etwa?"
„Ich warte auf Haldir." Sehr gut, Forlos! Jetzt fühlt sie sich doch gleich willkommen. Stürz dich die Brüstung herunter, du bist ein Narr! „Aber er scheint aufgehalten worden zu sein", vollendete er etwas lahm.
„Lady Galadriel wollte mit ihm sprechen." Maedcam gestikulierte hinter sich in Richtung des großen Talans, dessen weiße Silhouette strahlend genug war, um im Licht des Frühlingstages durch das Dämmerlicht der Mellyrn zu schimmern. „Sie hat mich gebeten, Euch dies auszurichten. Es wird wohl noch ein wenig dauern."
„Aha." Forlos grub in seinen Erinnerungen, wie man mit einer Elbin wie dieser eine Unterhaltung führte. Zum ersten Mal bereute er, Düsterwalds Kronprinzen nicht besser im Palast beobachtet zu haben. Legolas beherrschte solche gesellschaftlichen Umgangsformen bis zur Vollendung. „Bedauerlich."
„Ja, das ist es. Ihr habt wichtige Dinge zu regeln, Ihr und Haldir", bestätigte Maedcam nach kurzer Pause und wippte ein wenig auf den Fußballen. „Vielleicht…"
„Ja?" fragte er, weil sie wieder verstummte und ihr Blick unsicher wurde.
„Ich könnte Euch die Stadt zeigen", schlug sie dann zögerlich vor. „Natürlich nur, wenn Ihr wollt. Und wir könnten einen Stoff für das Hemd aussuchen."
Eru, dieses unselige Kleidungsstück. Was Arwen Undomiel sich dabei gedacht hatte, war ihm immer noch nicht klar. Wahrscheinlich hatte die Trennung von Legolas' bestem, aber leider auch sterblichem Freund leicht ihren Verstand getrübt. Maedcam war es wohl ebenso unangenehm wie ihm, dass man ihn ihr aufdrängte. Zumindest hatte sie ein Gesicht gemacht, als würde man sie auffordern, Maß bei einem Ork zu nehmen. Aber sie hatte scheinbar Pflichtgefühl, wenn sie sich der Aufgabe nicht durch Ausreden entzog. Da würde er nicht hinten anstehen. „Das könnten wir. Je eher, desto besser. Dann ist das erledigt."
Einen Augenblick glitt ein Schatten über ihr Gesicht, aber dann deutete sie stumm eine Verbeugung an und übernahm die Führung über die vielen Brücken und Wege hinunter in tiefere Ebenen der Stadt. Forlos fragte sich, was diesen Schatten wohl verursacht hatte. Fast schien es ihm, dass so etwas wie Gekränktheit sich in ihren Augen gespiegelt hatte. Sehr schöne Augen, wie er schon bei ihrem ersten Zusammentreffen festgestellt hatte. Nicht grau, nicht grün, irgendwo dazwischen. Fast wie ein Gletscherbach, der über viele unterschiedliche Schichten Eis dahinfloss. Aber nicht kalt, sicher nicht.
Das Schweigen zwischen ihnen war leider nicht von der angenehmen Natur. Eher lastete es auf ihnen und Forlos kam immer mehr zu der Überzeugung, dass dieser Ausflug in die Stofflager der Galadhrim wohl nicht die beste Idee gewesen war. Maedcam musste es ähnlich gehen. Mit schnellen Schritten führte sie ihn über die Wege, die von den Bewohnern der Stadt belebt wurden. Viele waren mit Körben und Lasten bepackt, dennoch grüßten fast alle die blonde Elbin und manch einer warf auch einen neugierigen Blick auf ihren Begleiter. Forlos nahm sich wenig davon an. Haldir wäre es im Düsterwald ähnlich ergangen. Kleine Gemeinschaften hatten immer Interesse an Besuchern. Es brachte Abwechslung.
Er erhielt eine Schnellführung, um es vorsichtig auszudrücken. Maedcam marschierte über die unterschiedlichen Ebenen, deutete gelegentlich auf einen der Telain und teilte ihm mit wenigen Worten mit, was dort gehandelt wurde. Zumeist war es schon an kunstvollen Bannern zu erkennen, die von den Brüstungen hingen und in Szenen die Tätigkeiten der Talanbewohner darstellten. Gelegentlich waren auch nur die Erzeugnisse zu sehen.
„Die Waffenschmieden sind auf dem Waldboden", erklärte sie, kurz bevor sie diesen dann auch erreichten.
„Wollten wir nicht Stoff begutachten?" erinnerte er sie höflich.
„Ich wollte es", sagte sie und legte dann die Fingerspitzen ihrer linken Hand vor den Mund, als würde sie die Worte bedauern.
Forlos sah sie scharf an. Ihr war unbehaglich, aber irgendwie schien der von ihm angenommene Grund nicht alleine dafür verantwortlich zu sein. Entschlossen fasste er sie am Handgelenk und zog sie einen Mallorn wieder hinauf auf eine kleine Aussichtsplattform heraus aus dem Strom der umtriebigen Galadhrim.
„Ihr seid verärgert", flüsterte sie.
„Ja", knurrte Forlos und unterdrückte einen Fluch, weil sie noch bedrückter zu ihm hochsah. „Nein!"
Jetzt runzelte sie doch die Stirn. „Was denn nun?"
Ja, was denn nun? Forlos strich sich über die Haare. Doch, es wäre sehr nett, wenn er einfach fluchen könnte, aber das machte man in Gegenwart einer anständigen Elbin nun mal nicht. „Ich hatte das Gefühl, Ihr wurdet gedrängt, mir diesen Dienst zu erweisen."
„Das stimmt", rief sie so erleichtert, dass sein Herz sofort sank.
„Dann fühlt Euch nicht länger daran gebunden", sagte er ernst. Es war bedauerlich, denn Maedcam hatte sein wirkliches Interesse geweckt.
Überraschend legte sie ihm die Hand auf den Arm und schüttelte ebenso ernst den Kopf. „Ich wurde zwar gedrängt, aber mir schien, auch Euch blieb kaum eine andere Wahl, Hauptmann Forlos."
„Dann wurden wir wohl beide gedrängt", überlegte er nach kurzem Schweigen, in dem sie beide sich äußerst nachdenklich musterten. „Von Haldir?"
Maedcam krauste die Nase. „Nein, bestimmt nicht von Haldir!"
„Was ist bestimmt nicht von mir?" Mit langen Schritten kam Loriens Elitehauptmann auf sie zu. Äußerst misstrauisch musterte er die beiden Elben, die da vor ihm standen und sich mehr oder weniger an den Händen hielten. „Gibt es irgendwo Nachwuchs, von dem behauptet wird, er sähe mir ähnlich?"
Forlos lachte laut auf und auch Maedcam schüttelte leise kichernd den Kopf. Haldir kam endlich bei ihnen an, verschränkte die Arme vor der Brust und bedachte Forlos mit einem noch misstrauischeren Blick. „Du hältst eine gute Freundin von mir an der Hand."
„Das tue ich", grinste der Tawarwaith und machte keinerlei Anstalten, von Maedcam abzurücken.
„Gibt es einen besonderen Grund dafür?"
„Wir wollten einen Stoff für sein Hemd aussuchen", erklärte Maedcam und leichte Röte kroch ihre Wangen hinauf. Zu Forlos' Bedauern trat sie nun doch den geordneten Rückzug an und schob sich einen Schritt von ihm weg.
„Wolltest du das passende Material an ihm ertasten?" setzte Haldir sein Verhör fort.
„Die Farbe…" Maedcams Stimme erstarb.
Forlos schlug Haldir leicht auf die Schulter. „Seit wann interessierst du dich für die Feinheiten der Nähkunst? Ich überlasse Maedcam einfach Farbe und Stoffauswahl. Und wir beide sollten uns jetzt den Fragen zuwenden, die dein Gespräch mit Lady Galadriel aufgeschoben hat."
Haldir murmelte etwas Unverständliches, drehte sich aber auf dem Absatz um und marschierte davon. Forlos zwinkerte Maedcam noch einmal zu und folgte seinem griesgrämigen Freund dann. Solche Stimmungen kannte er. Es gab auch Momente in seinem Leben, ganz besonders nach Besprechungen mit Thranduil, an dem es einiges bedurfte, seine Laune wieder zu heben.
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Eine Handvoll Elben und ein Zauberer sollten genügen, die Mannschaft eines Piratenschiffes in Schach zu halten. So hatte es Erestor eigentlich immer angenommen, denn die Kampfkunst der Sterblichen war lausig, war sie immer gewesen und in den nächsten tausend Jahren würde sich auch nicht viel daran ändern.
Schlecht gelaunt beförderte er einen der Piraten mit einem Schwerthieb in das unbekannte Nichts, das Iluvatar den Zweitgeborenen vorbehalten hatte. Schräg hinter ihm erklang ein erstickter Laut und als er herumfuhr, war Orophin gerade dabei, seine Klinge aus dem Rücken eines weiteren Angreifers zu ziehen, der schon auf halben Weg zu Erestor gewesen war. Höflich nickte Celeborns Leibwächter Erestor zu, um sich dann über einen neuen Angreifer herzumachen, der sich gerade von oben auf das verwüstete Deck der ‚Butterblume' herabließ.
„Ich sagte doch, man soll niemanden unterschätzen", kommentierte Celeborn, der zu Erestors linker Seite ebenfalls die Aufgabe übernommen hatte, sich um die Angreifer zu kümmern, die sich mit Enterhaken und Seilen vom Deck des Piratenschiffes direkt herüberhangelten. „Besonders niemanden, der gerne Bücher liest."
„Euer Humor wärmt mein Herz", knurrte Erestor.
Eigentlich, befand Erestor nach einem kurzen Rundblick, hatten sie die Lage im Griff. Wie es aussah, wurde die Mannschaft der ‚Butterblume' vorne am Bug bereits evakuiert. Sie drängelten sich jedenfalls dort alle zusammen. Rumil und Gandalf hatten ihren Schutz übernommen. Zusammen mit Erestor und Celeborn hatten die restlichen Elben Stellung am Heck bezogen. Es war ihr Glück, dass die Piraten immer nur in kleiner Anzahl gleichzeitig übersetzen konnten. Unglücklicher für sie waren die Orks, die die letzten Reste der Nacht nutzten, um geschickt wie Spinnen den Mast des Piratenschiffes herauf zu gleiten und sich dann einfach auf das Deck der ‚Butterblume' fallen zu lassen. Die Pfeile vom Ufer hatten einige von ihnen erwischt, aber es waren immer noch genug übrig, die die elbischen Verteidiger in Bewegung hielten. Natürlich hatte es auch einige von Warricks Mannschaft dahingerafft, doch Erestor fand die Verluste erträglich.
„Wen haben wir denn da?" wunderte sich Celeborn plötzlich. Er hatte einem Ork die Waffe weg geschlagen und das keifende Geschöpf mit der Hand an der Kehle gepackt. Jetzt hielt er es ein Stück seitlich von sich weg und außerdem so hoch, dass es den Boden unter Füßen verlor. Zappelnd und zunehmend unter Luftmangel leidend, hing der Ork an Celeborns ausgestrecktem Arm, während der Sinda vorübergehend das Interesse an ihm verloren hatte und stattdessen hinüber zum Piratenschiff blickte.
Erestor schenkte ihm widerwillig seine Aufmerksamkeit. Angesichts der Tatsache, dass sich Bruchtals und Düsterwalds hoffnungsvoller Nachwuchs vor einiger Zeit in die Fluten gestürzt hatte, konnte er sich schon denken, was ihn erwartete.
Wie schön, wenn man nicht enttäuscht wird. Eine steile Falte erschien auf seiner Stirn, kaum hatte er Legolas und Galen entdeckt, die offenbar vorhatten, den Piratenkapitän mit einem Pfeil zu erledigen.
„Ich vermute, sie haben den Uruk'hai nicht entdeckt", überlegte Celeborn und schüttelte den Ork etwas, damit er Ruhe gab. Etwas zu heftig womöglich, denn das Genick seines Gegners knackte kurz und dann hielt Celeborn nur noch einen schlaffen Körper in der Hand. Seufzend warf er ihn über Bord. „Orks sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren."
Erestor fragte sich ernsthaft, wie man einen Uruk'hai übersehen konnte, musste aber leider feststellen, dass sowohl Legolas wie auch Galen dies durchaus zustande brachten. Als nächstes fragte er sich dann, woher Thranduilion das tiefe Vertrauen in die Kampfkünste seines Begleiters nahm, um ihm den Uruk'hai auch noch alleine zu überlassen.
Bedauerlicherweise lenkten ihn und Celeborn einige vorwitzige Piraten ab, um ausgiebig die Vorgänge weiter zu beobachten. Als sie das nächste Mal einen Blick auf das Schiff riskierten, war der Uruk'hai höchst engagiert dabei, den Rhûnar-Heiler in Körpermitte auf den Durchmesser eines Schilfrohres zu verkleinern. Legolas drang auf ihn ein, aber Erestor war schon immer der Auffassung gewesen, dass Langmesser als Waffen nur bedingt tauglich waren.
„Wenn Legolas jetzt etwas zustößt", überlegte Celeborn und schwang sich auf die Reling, „gibt Thranduil natürlich mir die Schuld. Er gibt mir immer die Schuld, wobei er gelegentlich sogar Recht hat."
Erestor hielt wenig von überstürzten Rettungsaktionen. Insbesondere dann nicht, wenn Retter bereits aus anderer Richtung nahten. „Überlasst das Euren Enkeln. Sie sind näher dran, nicht unschuldig an der Situation und außerdem kämen wir ohnehin nicht rechtzeitig."
Und da rauschten sie auch schon heran. Erestor unterdrückte einen Seufzer. Er wusste, warum er bislang darauf verzichtet hatte, die beiden auf einen seiner ‚Ausflüge' mitzunehmen. „Fehlen nur noch die Fanfaren."
„Nicht unseren Freund!" brüllte es vom anderen Schiff. Wie zwei Wahnsinnige im Blutrausch pflügten sich Elladan und Elrohir durch die noch auf dem Schiff verbliebenen Piraten und Orks.
„Von wem haben sie das?" wunderte sich Celeborn. „Jetzt nicht!"
Mit den letzten Worten zerhackte er verärgert einen Piraten, der neben ihm aufgetaucht war. Damit bewies er zumindest Erestor, wessen Erbe nicht unbeträchtlich in den Adern der Zwillinge floss. Gegenüber machte Elladan nämlich fast das gleiche, nur mit einem Ork. Dem letzte Ork, der zwischen ihm und dem Uruk'hai gestanden hatte. Dann war der Weg frei. Erestor zollte Elronds Söhnen unwillkürlich Bewunderung, mit welcher Harmonie sie im Kampf vorgingen. Elrohir erschien wieder an der Seite seines Bruders und sie holten gleichzeitig aus, um ihre Schwerter auf den Unterarm des Uruk'hai niedersausen zu lassen. Die Klingen fanden ihren Weg auch durch die Knochen und das Geschrei des riesigen dunklen Geschöpfs drang bis zur ‚Butterblume' und wohl noch weiter vor. Glorfindels Bemühungen, aus den beiden gute Kämpfer zu machen, waren offenbar nicht vergebens gewesen.
Während Elrohir sich wenigstens um Galen kümmerte, der leicht verkrümmt mitsamt einem Uruk'hai-Arm noch an der Hüfte zu Boden stürzte, sonnte sich Elronds Erbe im Licht seines Erfolges, ein breites Grinsen im Gesicht. Es veränderte sich zu einer Grimasse, als Thranduils Erbe auf ihn zu hechtete und von den Beinen riss. Unmittelbar danach durchschnitt eine große Axt die Luft und verschwand irgendwo weiter hinten im Anduin. Im nächsten Atemzug richtete sich Legolas wieder auf, hielt seinen Bogen in der Hand und der Kapitän des Piratenschiffes starb einen unverdient schnellen Tod mit einem Pfeil in der Brust.
„Der Bursche ist schnell", meinte Celeborn anerkennend. „Sehr schnell. Muss er von Thranduil haben."
„Ein vortrefflicher Schuss", bestätigte Orophin beinahe begeistert.
Gleichzeitig raffte es den Uruk'hai dahin, da sich Galen zwar noch leicht benommen, aber eindeutig wutentbrannt wieder aufgerappelt hatte und das tückische Ende seines Kampfstabes tief im Hals der Kreatur versenkte.
Mit dem Tod sowohl des Uruk'hai als auch des Piratenkapitäns verebbte eindeutig die ohnehin schon in den letzten Zügen liegende Kampflust der Angreifer. So schnell konnte sich Erestor gar nicht umgucken, wie die verbliebenen Piraten sich in den Anduin stürzten. Die letzte Bestätigung, dass der Kampf nun wirklich zu Ende war, erhielt er ausgerechnet durch Celeborns Leibwächter. Der wischte sein Schwert am Rücken eines tot über einer Kiste hängenden Piraten ab, steckte es zurück und zog dann aus einer Falte seiner Jacke ein dünnes Buch. Prüfend wendete er es in den Händen.
„Unbeschädigt", sagte er auf Erestors fragenden Blick hin. „Ich versuche mich an einigen bescheidenen, schlichten Versen."
„Seit fünfhundert Jahren", murmelte Celeborn kaum hörbar.
Erestor hob nur eine Braue. Seinetwegen konnte der Galadhel eine Chronik der Welt erstellen, wenn es ihm Spaß machte. Er sollte nur nicht verlangen, dass Erestor sie auch las. Eigentlich interessierte ihn vielmehr, wie viel sie dieser Kampf gekostet hatte. Wohl deutlich weniger als Warrick. Selbst nach Erestors laienhafter Einschätzung war die ‚Butterblume' nur noch ein Wrack, das die Beorninger wahrscheinlich abfackeln würden, damit es nicht länger die Furt blockierte. Sie würden sich etwas einfallen lassen müssen, um den Sterblichen für seine Hilfe angemessen zu entschädigen. Aber darum konnte sich Elrond Gedanken machen.
Erestors Blick blieb an einer kleinen Gruppe noch nicht auf die Fähren verladener Seeleute hängen. Schräg hinter ihnen erkannte er Leiloss, die neben einer weiteren Gestalt kniete und etwas aufgeregt eine blutige, schlanke Hand tätschelte. Die wiederum gehörte zu einem ebenso blutigen Elb, der ohne große Regung gegen eine Taurolle gelehnt auf dem Boden saß. Einen Lidschlag später stürmte Bruchtals Seneschall über das Deck der ‚Butterblume' und stieß rücksichtslos beiseite, was so unklug war, sich ihm in den Weg zu stellen.
„Nichts passiert, Lord Erestor!" rief ihm Leiloss erschrocken entgegen. „Es war nur ein Unfall! Gilnín geht es gut, ehrlich."
„Ein Unfall?" echote Erestor aufgebracht und ging neben seinem Sohn auf die Knie. Besorgt musterte er den Körper seines Sohnes auf der Suche nach der Wunde, die für diese Blutmengen verantwortlich sein musste. „Gilnín!"
Erst hob sich ein Augenlid, dann das andere und Erestor begegnete sich wie so oft wieder in den schwarzen Augen seines Sohnes. Für die eines Verblutenden waren sie erstaunlich klar. „Geht es dir gut?"
„Das fragst du mich?" war Erestors erstaunte Gegenfrage. „Ich bin jedenfalls unverletzt."
„Er auch", mischte sich Leiloss ein. Sie zupfte Erestor am Ärmel und deutete dann auf einen toten Piraten, nicht weit von ihnen entfernt. „Das Blut ist von ihm. Ich hab ihn an der falschen Stelle erwischt und dann…"
Der Geste nach zu urteilen, war offenbar eine ganze Fontäne über Gilnín unerwartet nieder geregnet und das war eindeutig zu viel für ihn gewesen. Erestor verspürte einen Moment den Drang, vor Erleichterung laut aufzulachen, aber das wollte er seinem Sohn nun doch nicht antun. Er räusperte sich, stand wieder auf und reichte Gilnín die Hand, damit er ihn ebenfalls wieder auf die Füße ziehen konnte.
„Ah, der vielversprechende Nachwuchs", erklang es hinter ihm und Celeborn trat zu ihnen. Prüfend betrachtete er den noch etwas wackligen Heiler und neigte dann den Kopf. „Nehmt es nicht so tragisch, Erestorion. Wir haben alle unsere Schwächen. Meine Gemahlin zum Beispiel hasst Regenwürmer."
„Sie fällt aber nicht in Ohnmacht, wenn sie einen sieht", erinnerte ihn Leiloss und warf ihrem obersten Befehlshaber einen beinahe schon grimmigen Blick zu.
Celeborn lächelte nur und sie ließen eine höchst verunsicherte Ithildrim zurück, als sie sich abwandten, um mit der nächsten Fähre diesen traurigen Überrest eines ehemals blitzsauberen Schiffes zu verlassen.
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Feanen: Ich glaub, Leiloss und Hestia fanden das nicht so lustig +fg+. Mit der langen Laufzeit kenne ich inzwischen. Bei mir ist es eher Zeitmangel. Ich tippe eigentlich recht schnell und auch gerne. Die Diktiersysteme sind noch nicht ganz so der Brüller. Teste sie vorher gründlich.
Annchen: War wieder nix mit der Adresse, aber hat ja weiter oben dann funktioniert. Ich war völlig verrückt auf meinen Führerschein. Bin auch ein bequemer Mensch, hab mich damit also beeilt. Man gewöhnt sich schnell daran, überall hinzukommen zu jeder Zeit.
Gilníns Umhang…ich hab mal so nachgedacht, wie Elben auf Reisen gehen. Es kann ja nicht sein, dass die überhaupt nix bei sich haben, außer ihr tolles Aussehen und die Waffen. Also hab ich meine mit diversen Gürteltaschen und sonstigem ausgestattet. Warum also sollte Gilnín nicht ein paar Taschen in die Tiefen seines Umhangs genäht haben? Elrond hab ich auch eine Tasche verpasst und Varya auch. Ist zwar dann nicht mehr ganz so unbeschwert elegant elbisch, aber irgendwo muss ja die Mordor-Paste schließlich hin +ggg+
Die Con ist in Fulda, im November. Es gibt jede Menge Veranstaltungen, Gaststars sind da und stellen sich Publikumsfragen, hm, das Rahmenprogramm ist sehr nett und ansonsten steht man beisammen und schwatzt ganz ausgiebig und zunehmend alkoholisierter.
Lady Cel+jammer+ kaum werde ich gelobt, häng ich auch schon wieder hinterher. Gilt als Entschuldigung, dass die Kapitel aber auch ungewöhnlich lang sind? Wenn es nur 12 Seiten hätten sein sollen, wäre ich pünktlich gewesen. Celeborn hat übrigens immer noch die Ruhe weg. Ich überleg krampfhaft, wie ich das ändere. Und was Haldir und Forlos angeht…die waren übrigens einer der Gründe, dass ich mich verspäte. Ich wollte sie doch hier drin haben.
Shelley: Ganz meine Meinung, obwohl ich das Schiffchen doch dann gleich ganz geschrottet habe. Aber mal sehen, deine Bemerkung würde ich mir gerne ausleihen. Könnte sein, dass Warrick dann einen Nervenzusammenbruch bekommt.
Frenze: Wer sagt, dass deine Exkursion ein Misserfolg war? Wie mir ein Trupp höchst fröhlicher Waldelben erzählte, der von der üblichen Patrouille zurückkam, konnten sie sich diesmal die Zeit damit vertreiben, interessante Geschöpfe zu beobachten, die vor weißen Plastiktüten in Panik gerieten. So ist das eben: nur weil du keinen Elb siehst, heißt es ja nicht, dass keiner da war.
Die ff hab ich gefunden. Ganz noch nicht gelesen, aber angefangen und breit gegrinst. Sowas lieb ich ja. Lillywhite, ich schrei mich weg. Oder Make-up in Moria…genial. Die les ich weiter. Danke für den Tipp. Und was Priscilla angeht…den kenn ich. Der ist gut, auch wenn er lange Zeit bei mir ebenfalls für seltsame Gedanken bei Elrond gesorgt hat.
Susi: Könnte ich die Störenfriede nicht in deinem Namen vermöbeln+unschuldig guck+. Aber ich gewöhn mich sogar langsam an die dauernden Unterbrechungen. Auch wenn es diesmal wieder unpünktlich war. Dafür hab ich dann auftragsgemäß die beiden Mädels aus dem Wasser gefischt. Die eine mehr, die andere leider weniger taufrisch. Aber sie sind wieder raus.
Kaya Unazuki+am Boden festtacker+ Und hier ein extralanges Kapitel, damit du aufhörst, zu den Dellen auch noch Rillen in den Boden zu machen. Selbst wenn es nur noch +auf Kalender guck+ nur noch 22 Tage bis zu den Prüfungen sind. Die schaffst du. Bruchtal und Lorien vertrauen auf dich!
