Kapitel IX
Vader stiefelte in den Konferenzraum des Todessterns und biss die Zähne zusammen, als eine Art mentale Vorbereitung für seine Zusammenkunft mit Tarkin und dessen Lakaien. Er mochte Tarkin überhaupt nicht. Der Mann war viel zu ehrgeizig und viel zu gefährlich. Vader sehnte sich nach dem Tag, an dem der Mann die Gunst des Imperators verlieren würde, sodass er ihn erwürgen konnte. Langsam.
„Um den Imperialen Senat brauchen wir uns in Zukunft nicht mehr zu kümmern", informierte der Grand Moff seine Männer mit dünner, nasaler Stimme. Vader biss die Zähne noch härter zusammen und hoffte, dass der Mann keine lange Rede geplant hatte. „Ich habe soeben die Nachricht erhalten, dass der Imperator diesen Rat aufgelöst hat. Für immer. Die letzten Überbleibsel der Alten Republik sind damit beseitigt."
Einer der eher lautstarken Offiziere tönte sofort los. Vader bekämpfte den Drang, ihn zu erwürgen. Er würde es seinen Untergebenen niemals gestatten, ihm auf diese Weise zu widersprechen!
„Unmöglich! Wie will der Imperator ohne den bürokratischen Apparat die Kontrolle behalten?"
Das ist nicht schwer für ihn, dachte Vader.
„Die Regionalgouverneure haben jetzt direkte Kontrolle über ihre Territorien. Furcht wird die lokalen Systeme gefügig machen. Die Furcht vor dieser Kampfstation." Tarkin grinste stolz.
Der Offizier öffnete wieder den Mund. „Und die Rebellion?", fragte er. „Falls die Rebellen die vollständigen Pläne dieser Station erbeutet haben, ist es möglich, wenn auch höchst unwahrscheinlich, dass sie eine Schwäche finden und sie ausnutzen."
Wer hat herausposaunt, dass wir die Pläne verloren haben?
„Diese Pläne werden sich bald wieder in unseren Händen befinden", blaffte Vader, der nicht in der Lage war, länger den Mund zu halten.
Ein anderer Offizier sprach los: „Jeder Angriff von Seiten der Rebellen gegen diese Station wäre ein sinnloses Unterfangen, gleich welche technischen Daten sie jetzt haben. Diese Station ist jetzt das absolute Machtinstrument im Universum. Machen wir davon Gebrauch!"
„Seien Sie nicht allzu stolz auf Ihr technologisches Schreckgespenst", warnte Vader. Der bloße Gedanke an den Machtmissbrauch, den diese Station ermöglichte, reizte seine Nerven. „Die Fähigkeit, einen ganzen Planeten zu vernichten, ist nichts gegen die Stärke, die die Macht verleiht."
„Verschonen Sie uns mit Ihrem Kinderschreck von der magischen Macht, Lord Vader." Der Mann besaß die Frechheit, etwas zu erwidern. Vaders Finger zuckten. „Ihre traurige Anhänglichkeit an diese altertümliche Religion hat Ihnen nicht geholfen, die gestohlenen Unterlagen herbeizuzaubern, und Sie ebenso wenig den geheimen Stützpunkt der Rebellen finden lassen..."
Vader lächelte voller Zufriedenheit unter der Maske, als der Mann nach dem Kragen seiner Uniform griff und versuchte, Luft einzuatmen, die es einfach nicht bis zu seinen Lungen schaffte.
„Ich finde Ihren Mangel an Glauben beklagenswert." Er sagte es schadenfroh, aber der Stimmverstärker war nicht dazu gemacht, fröhliche Töne aufzugreifen.
„Schluss jetzt damit!", bellte Tarkin. „Vader, lassen Sie ihn los!"
Das Fehlen des Titels entging Vader nicht und er wusste, dass Tarkin das mit Absicht getan hatte. Wer bist du eigentlich, mir Befehle zu erteilen? Aber der Imperator war jemand, der ihm Befehle erteilen konnte, und Sidious hatte ausdrücklich erklärt, dass sogar Vader sich auf dem Todesstern Tarkins Befehlen beugen musste.
„Wenn Sie es wünschen", sagte er. Es war eine falsche Zurschaustellung von Respekt.
Tarkin presste die Lippen aufeinander.
„Dieses Kräftemessen nützt keinem. Lord Vader wird die Position des Rebellenstützpunktes gefunden haben, bis diese Station voll einsatzbereit ist. Dann werden wir die Rebellion mit einem schnellen Schlag zerschmettern!"
Dieses Mal machte Vader sich nicht die Mühe, das zu kommentieren.
Vader ging hinunter in den Gefängnisblock, mit einem Befragungsdroiden an seiner Seite. Zwei Sturmtruppler öffneten die Tür zur Zelle der Prinzessin, und Vader trat ein.
Im Gesicht der Prinzessin lag eine offene Herausforderung, aber als sie den schwebenden Droiden sah, zeigte sich ein Funken Zweifel und Angst in ihren Augen. Vader lächelte.
„Und jetzt, Hoheit", sagte er so vergnügt, wie die Maske es ihm erlaubte, „unterhalten wir uns über den Standort Eures Rebellenstützpunkts."
Sie zitterte, als er die Spritze von Hand befüllte, und sie zitterte noch stärker, als er ihr Kinn packte, ihren Kopf zur Seite bog und die Seite ihrer Kehle entblößte. Er strich sanft ein paar Strähnen braunen Haares von ihrem Hals. Sie wehrte sich bei jeder Bewegung, die er machte, aber es war leicht für ihn, sie zu bezwingen. Er ignorierte, wie sehr sie seiner verstorbenen Frau ähnelte, und durchstach die weiche Haut ihres Halses mit der Nadel.
Sie schrie, als die Droge, die stärker war als die, die er bei Bria Tharen benutzt hatte, durch ihre Venen kreiste.
„Wie lautet Euer Vorname, Prinzessin?"
„Leia", wimmerte sie.
Leia? Er hatte es immer als Leah ausgesprochen...
Leia... eine weitere Erinnerung tauchte auf, aber er schob sie beiseite, ehe sie ihn völlig aus der Bahn warf.
„Leia." Er ging ein paar Mal hin und her, dann wandte er sich ihr wieder zu. „Es tut weh, nicht wahr, Leia?"
„Ja."
„Es kann aufhören, wisst Ihr. Alles, was Ihr tun müsst, ist den Planeten zu nennen, auf dem sich die Rebellenallianz befindet."
Sie presste die Lippen aufeinander und drehte ihr Gesicht zur Wand.
Han hatte keine Ahnung, warum er sich auf den Weg zum Gefängnisblock gemacht hatte, nachdem Vader von der Befragung der Prinzessin zurückgekehrt war. Er mochte sie nicht einmal. Er hatte wirklich keinen Grund, da hin zu gehen.
Die Tür öffnete sich, und er sah die Prinzessin, die sich in fetaler Position auf der Bank zusammengekauert hatte und die Wand anstarrte. Aus irgendeinem Grund zog sich bei diesem Anblick sein Herz zusammen.
„Prinzessin?", sprach er sie leise an.
Sie drückte sich die Hände auf die Ohren.
„Gehen Sie weg", bettelte sie. „Gehen Sie, gehen Sie, gehen Sie."
Er ging.
Vader brütete in seiner hyperbarischen Kammer vor sich hin, als er ein Klopfen an der Tür hörte. Er runzelte die Stirn. „Kommen Sie rein."
Es war Solo.
„Mylord", sagte er förmlich. „Ich war gerade... also... ich hab mich mal umgesehen, früher mal, einfach so." Er klang verlegen, beinahe wie ein Kind, das gestehen musste, dass es sich einen Extrakeks aus der Dose geklaut hatte. „Und da bin ich über etwas gestolpert... also... was tut diese Kampfstation denn genau?"
Vader wirbelte seinen Stuhl herum, um seinen Piloten anzusehen.
„Nicht besonders viel", gab er zu. „Na ja, nicht besonders viel in dem Sinne, dass sie nur eine einzige Sache machen kann. Aber sie besitzt genug Feuerkraft, um einen Planeten zu zerstören."
Han riss die Augen auf. „Ich hab angenommen, sie könnte ein paar Gebäude mit einem Schluss zustören", sagte er. „Aber ein ganzer Planet..."
„Das ist nichts, worauf man stolz sein kann", unterbrach Vader ihn schnell. „Eine solche Macht kann gefährlich sein, wenn sie in den falschen Händen ist. Und Tarkins Hände sind ganz sicher die falschen."
Han zog eine Grimasse.
„Jaah, um diese Kröte hab ich mir nicht wirklich Gedanken gemacht." Er sah Vader besorgt an. „Werden sie sie benutzen?"
Vader sah ihn mit gerunzelter Stirn an.
„Sie hätten sie nicht gebaut, wenn sie nicht vor hätten, sie auch zu benutzen. Das erste Ziel wird wahrscheinlich die Heimatwelt der Prinzessin sein."
„A-Alderaan?", stotterte Han. „Aber... das ist eine Kernwelt!"
„Das ist bedeutungslos. Der Imperator will eine effektive Demonstration, und die Prinzessin war nicht kooperativ. Nicht einmal ich kann etwas tun, um die Befehle des Imperators zu umgehen."
„Sie war nicht kooperativ?" Han sah zu Boden. „Sie war so außer sich, ich dachte..."
„Sie sind sie besuchen gegangen?", wollte Vader überrascht wissen. „Warum?"
Han zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht recht, Sir."
Vader warf ihm einen finsteren Blick zu.
„Lassen Sie das nicht zu sehr an sich heran, Solo. Ich könnte jeden Tag den Befehl bekommen, sie hinzurichten."
Chewie stand an der Bar der Mos Eisley Cantina und beobachtete all die Wesen verschiedener Spezies, die an den Tresen gingen, um ihre Drinks zu holen, und die sich dann wieder in die Schatten verzogen. Er fühlte sich wohl hier, viel wohler als auf der Executor, und er wollte nicht von hier weggehen. Da die Droiden immer noch nicht gefunden worden waren, hatte er sowieso noch ein bisschen Zeit.
Genau in dem Moment kam es an der Tür zu einem Aufruhr. Ein Farmjunge hatte versucht, mit zwei Droiden hereinzukommen, und war ziemlich energisch dazu aufgefordert worden, sie draußen zu lassen. Chewie erhaschte einen kurzen Blick auf sie und ging in Gedanken die Beschreibung der gesuchten Droiden durch.
Das könnten sie sein, dachte er. Um das genau sagen zu können, musste er ihrer habhaft werden, aber es war durchaus möglich, dass sie es waren.
Der Junge ging zum Tresen, und ein alter Mann näherte sich Chewie von der anderen Seite. Chewie schenkte ihm nicht besonders viel Aufmerksamkeit und zuckte zusammen, als der Mann seinen pelzigen Arm berührte.
„Ich suche nach einem Transportmittel von diesem Planten weg", sagte der Mann leise. „Wissen Sie, wo ich so etwas finden kann?"
Chewie schüttelte den Kopf.
„Ich bin bereit, gut zu bezahlen", drängte der Mann. „Ich weiß, dass Sie ein eigenes Schiff haben. Wir müssen nach Alderaan. Das liegt auf dem Weg nach Kashyyyk, wenn Sie auf dem Heimweg sind."
Chewie knurrte wortlos, und der Mann gab auf und drehte sich um, um den Rest der Leute, die in der Cantina versammelt waren, in Augenschein zu nehmen.
In eben diesem Augenblick kam es zwischen den Wesen neben dem Farmjungen zur Unruhe. Offensichtlich hatten sie Missfallen an dem Menschen gefunden, denn sie bedrohten ihn gerade ziemlich lautstark. Blaster wurden gezogen, aber bevor jemand von einem Schuss getroffen werden konnte, mischte sich der alte Mann ein, der meisterhaft ein blaues Lichtschwert in der Hand schwang.
Chewie riss die Augen auf. Ein Jedi! Er hatte sie immer bewundert, aber das war nur noch ein Grund mehr, den alten Mann nicht nach Alderaan zu bringen. Denn er würde es niemals nach Alderaan schaffen. Wenn Chewie bewusst einen Jedi an Bord des Falken brachte, würde er ihn zum Todesstern und zu Vader bringen müssen. Und Vader würde ihn töten.
Chewie wollte wirklich nicht, dass es soweit kam.
Der alte Mann und der Junge gingen. Chewie folgte ihnen kurz darauf. Der Rauch in der Cantina brannte in seinen Augen. Oder zumindest sagte er sich das so.
Draußen sah er, dass der alte Mann und der Junge bei den zwei Droiden saßen, mit denen der Junge rein gekommen war. Chewie warf ihnen einen verstohlenen Blick zu. Ja, einer war humanoid, der andere hatte drei Räder, worauf die Spuren, die die Soldaten gefunden hatten, hingewiesen hatten. Chewie fragte sich, wie sie es an den Soldaten vorbeigeschafft hatten, die an den Eingängen von Mos Eisley stationiert waren.
Er debattierte heftig mit sich selbst. Wenn das wirklich die Droiden waren, nach denen Vader suchte, dann konnte er sie nicht einfach hier lassen. Er könnte die Sturmtruppler zu sich rufen, aber der Jedi war sehr gut mit dem Lichtschwert und könnte wahrscheinlich die ganze Truppe mit Links besiegen. Wenn Chewie sie als Passagiere an Bord des Falken nahm, würde er den Jedi zu Vader bringen müssen.
Er steckte in einer Zwickmühle.
Chewie hatte bei Han eine Lebensschuld. Er würde tun, was immer Han erledigt haben wollte. Chewie war zwar auf Vaders Befehl hier, aber Han war Vader gegenüber loyal. Han vertrug sich gut mit Vader. Deswegen wollte Han, dass Chewie die Droiden zu Vader brachte.
Chewie seufzte. Das gefiel ihm überhaupt nicht.
Er ging auf die beiden Menschen zu und fragte den alten Mann, ob er immer noch ein Transportmittel nach Alderaan brauchte.
