Zehn: The Duchess


Am folgenden Donnerstag ließ Dudley auf der Couch seine Gedanken abschweifen, während er sich irgendeinen Fernsehfilm ansah. Es war zu heiß, um ihn zu verstehen. Die Woche war gut gewesen – es war traurig zu sagen, aber dass Sarah weg war, machte die Dinge viel unkomplizierter, selbst wenn er nichts dagegen gehabt hätte, sich von ihr einen blasen zu lassen, oder Sex mit ihr zu haben. Sarahs Zungenpiercing hatte sich als mehr als nützlich bewährt.

Stattdessen hatte Dudley Zeit mit seinen Kumpels verbracht, Steine auf Autos geworfen, Kinder verprügelt und so viel Alkohol getrunken wie sie wohl konnten. Das einzig Komische war Piers. Er war seit Tagen nicht im Park gewesen und er hatte nie auf Dudleys letzte E-Mail geantwortet. Und Mel traf sich nun mit Malcom. Dudley glaubte, dass Piers einfach Zeit brauchte, sich abzukühlen.

„DUDLEY! ES IST FÜR DICH", schrie Vernon als wäre er auf einem Schlachtfeld und hielt das Telefon über seinen Kopf wie einen Wurfstern. „DENK AN DEINE SCHUHE!"

Dudley blickte von Bildschirm auf und bemerkte, dass das Küchenspülbecken überlief. Dad stand mittendrin, in einer Hand das Telefon und in der anderen einen Schraubenschlüssel und sah dabei ziemlich gefährlich aus. Dudley kickte seine Schuhe von den Füßen und watete spritzend in die Küche, wo sich das Wasser um den Tisch sammelte wie um eine Insel.

„VERDAMMTE NEUMODISCHE VORRICHTUNG! SCHEISS ABFLUSS-", brüllte Vernon, während er den Abfluß mit dem Schraubenschlüssel schlug und Dudley schnappte sich das Telefon von ihm und tappte mit patschnassen Socken hinaus in den Flur.

„'lo?", fragte er, als er sich die durchnässten Socken von den Füßen schälte. Sie machten ein ersticktes Geräusch.

„Was zur Hölle geht mit deinem Dad ab?", rief Dennis' Stimme unter Gelächter.

„Ich weiß nicht, irgendwas ist mit den Rohren", antwortete Dudley lässig und schüttelte sich Wasser vom einen Fuß.

„Letztes mal als ich angerufen hab, hat euer Teewärmer gebrannt. Passiert solche Scheiße immer bei dir zu Hause?"

„Dad schon. Mum nicht."

Dennis prustete los. „Alles klar. Jedenfalls, wir machen heute Abend bei mir 'ne Party. Hardcore, okay?"

„Sicher", nickte Dudley.

Dennis hielt inne. „Piers ist nicht eingeladen. Ich denk', es ist ohne ihn besser", sagte er, aber sein Tonfall deutete an, dass er auf Dudleys Protest wartete.

„Schön", sagte Dudley achtlos. „Was soll's, ist egal."

Piers würde wahrscheinlich zu Hause viel Spaß dabei haben, die Puppen seiner Mutter abzustauben.

Dudley schüttelte den Kopf als er auflegte. Das war ein gemeiner Gedanke. Piers war nicht so schrecklich, aber er fand es auch nicht so schlimm, dass der Junge nicht kommen würde. Dudley brauchte eine Pause von ihm.

Dennis schmiss im Gegensatz zu Piers die tollsten Parties im Privet Drive. So bald Dudley durch die Tür ging, wurde er von Zigaretten- und Haschdünsten begrüßt. Unter dem Vordach kippten sich gutaussehende Mädchen wegen einer Wette Alkohol hinunter und Damien dealte auf der Treppe mit Marihuana. Laute Rapmusik pulsierte durch das ganze Haus.

„Yo, D!", grüßte Malcom, den Arm um Melanie. „Check das mal! Check das mal!" Melanie rollte mit den Augen.

Dudley grinste; es war offensichtlich, dass Malcom bereits betrunken war.

„Ich werd's machen!", verkündete er und stolperte fast auf den Boden.

„Wenn du dich so aufführst, nicht!", sagte sie schrill und klatschte ihm auf die Stirn.

Dudley lief an ihnen vorbei und hielt an. In der Küche knutschten zwei Mädchen mit langen Haaren und großen Titten. Eine packte der anderen an den Arsch. Er sah ein paar Minuten lang aufmerksam zu und ignorierte den drängenden Ständer, den er bekam. Dennis filmte sie mit der Videokamera seines Bruders.

„Hey Dudley, was geht ab? Heh, Emily, hol Big D die Flasche da drüben-", sagte Dennis mit einem Grinsen, als er sich den Bruchteil einer Sekunde lang von den geilen Lesben wegdrehte. Emily, die Brünette von der Party bei Piers sah sauer aus, machte aber, was ihr gesagt worden war.

„Nett, Dennis", sagte Dudley anerkennend, als Emily ihm einen Viertel Liter Whiskey überreichte.

„Für dich abgekupfert", antwortete der Junge und hielt seinen Daumen nach oben. „Okay, das ist gut, Mädels, warte – kannst du ihre Möpse nochmal anfassen?"

„Was machst du?", fragte Dudley und trank.

„Wir werden das an die Scheißkerle auf Stonewall verkaufen, wenn man betrachtet, dass die zu arm sind, um sich teure Pornos zu kaufen."

Dudley schnaubte. „Was soll's", brummte er, machte es sich aber am Kühlschrank gemütlich, als die beiden Mädchen damit fortfuhren, sich zu begrapschen.

Emily stand neben ihm an die marmorne Theke gelehnt. Sie seufzte und stöhnte immer wieder für sich. Es war sehr verwirrend für Dudley.

Statt davon geil zu werden, das Filmen anzustarren, entschied er sich, dass es weniger unangenehm wäre wegzusehen, da Emily nirgends hinging. Er drehte sich zu ihr. „Also, ich schätze, er hat dich Susan vorgezogen", grunzte er tief.

„Natürlich hat er das", blaffte die Brünette, „sie ist nicht mal halb so hübsch wie ich."

Dudley nahm einen großen Schluck Whiskey und gab ihr einen schmerzerfüllten Gesichtsausdruck. Er trampelte aus dem Zimmer, bevor er irgendetwas sagen könnte, das sie vielleicht beleidigte.

Dudley musste ziemlich dringend pinkeln, aber alle drei Badezimmer waren von Leuten besetzt, die kotzten, also musste er da stehen und warten. Es hatte schon einen Faustkampf zwischen Damien und Darian Rathrum gegeben, weil irgendetwas mit Veronica zwischen den beiden lief. 'So viel zu indischen Mädchen', dachte Dudley amüsiert bei sich, 'jedes Mädchen ist jetzt 'ne Schlampe.'

Außerdem hatte Piers angerufen und gefragt, warum er nicht eingeladen war, was einfach deprimierend war. Dennis hatte in den Hörer geschrien und aufgelegt.

Endlich verschwand das Mädchen aus der Toilette – sie hatte überall Kotze auf ihrem Top; Dudley würgte fast bei ihrem Anblick. Aber er hielt sich die Nase zu, um den Geruch fernzuhalten und urinierte, dieses Mal in die Toilette.

Sobald Dudley herauskam, fielen seine Augen auf Malcom und Melanie.

„Hey D", sagte Malcom, „Sarah ist hier, wegen dir."

„Sie ist zurück?", fragte Dudley mit einem scherzhaften Augenrollen.

Aber Malcom und Mel schauten ernst. „Alter, sie schien richtig verrückt, als wär sie auf irgenwas", warnte ihn Malcom. „Sie schreit immer wieder, dass sie dich sehen will-"

„Ich weiß nicht was mit ihr los ist", wieß Melanie auf. „Sie war die ganze letzte Woche komisch, aber ich wusste nicht warum, ich hab's nicht aus ihr 'rausgekriegt. Sie ist im Wohnzimmer-"

„Scheiße", sagte Dudley. „Ich muss in Schwierigkeiten sein." Er lächelte finster und stapfte die Treppe hinunter. Sobald er um die Ecke kam, sah er sie und wusste auf der Stelle, wovon sie gesprochen hatten.

Sarah sah süß aus, aber zerrauft und war nicht so herausgeputzt wie gewöhnlich. Als sie ihn erblickte, wurden ihre Augen wild. „DUDLEY!", sagte sie mit schriller Stimme.

„Hey, Sarah", antwortete er mit hochgezogenen Augenbrauen. „Wie war--? Was ist los?" In diesem Moment wurde ihm klar, dass dies nicht zum Spaßen war.

„Schau, wir müssen reden", platzte sie heraus und eilte vorwärts. Die Leute starrten sie an. „WIR MÜSSEN SOFORT REDEN! SOFORT!", schrie sie.

„Whoa, sei ruhig", rief er aus. „Du brauchst nicht zu schreien-"

„DUDLEY, ICH WERDE-", sie hielt inne und schwankte- „VERDAMMT NOCH MAL REDEN, WIE ICH WILL."

„Bist du dicht?", grinste er. „Komm schon, wir reden, reg dich nur ab." Er hielt ihr seine Hand hin.

Sie schlug sie weg. „Ich bin nicht BETRUNKEN! ICH BIN NICHT BETRUNKEN! DU BIST BETRUNKEN!" Sie zeigte auf die Flasche, die er immer noch hielt.

„Nein, bin ich nicht", bestritt er. „Kaum."

„WIR MÜSSEN UNTER VIER AUGEN REDEN!", kreischte sie.

Alle starrten sie an und lachten über sie. Die beiden „Lesben" kamen aus der Küche und grinsten affektiert, als ob Sarah verrückt wäre, bei der einen ragte das Dekoltée hervor.

„Klar", sagte er in dem Versuch, was sie sagte herunter zu spielen. Sie musste high sein, wenn die nicht dicht war. „Wo?"

Komm einfach!", brüllte sie und schnappte seine Hand.

„Sarah, reg dich VERDAMMT nochmal ab!", schrie er zurück und versuchte verärgert, ihrem Ton gleich zu kommen. Egal, was sie aufgeregt hatte, es war kein Grund, ihn wie ein schwaches Arschloch, das von seiner Freundin herumkommandiert wurde, aussehen zu lassen.

Er hielt an, als sie im Garten hinter dem Haus waren, aber da war eine Gruppe von Leuten einen Schritt von ihnen entfernt und sie zog ihn weiter.

„Wie privat brauchst du es?", fragte er laut.

„TU NICHT SO, ALS WÄRE ICH 'NE KUH!", sagte sie fest entschlossen mit entflammten Augen. „ICH BIN NICHT NUR IRGENDEINE DUMME-"

„Woah", sagte er erneut, „Sarah, was zur verfickten Hölle ist los?"

Sie atmete zitternd ein und ging auf ihren Absätzen wankend auf und ab.

„Was los ist?", fragte sie gehässig. „SAG DU'S MIR. DU BIST DER EXPERTE."

Dudley starrte sie dümmlich an. „Experte für was?", blaffte er.

Sie lachte bitter und erstickt auf, ein sardonisches, furchtbares Lachen. „Ehrlich, du stellst dich so dumm."

„Ich – Sarah, ehrlich, sag mir einfach, worum es hier geht, ich mag nicht, wie du mit mir redest und ich-"

„Du machst was? Komm schon, schlag mich! Vielleicht werden deine Probleme dann gelöst sein, wenn du mich hart genug schlägst", sagte sie ungehalten. „Oder weißt du was, frag deine Mum, wie sie's gemacht hat-"

WOVON REDEST DU?", schrie Dudley. Sein Magen verdrehte sich langsam zu einem Knoten.

Ich hab meine Periode nicht gekriegt", antwortete sie außer sich.

„Du hast was?"

Sarah schnaubte fies. „Oh mein Gott, ehrlich zur Hölle-"

WAS?"

„ICH HAB MEINE PERIODE NICHT GEKRIEGT!", schrie sie auf. „ICH HAB SIE SCHON ZWEI WOCHEN NICHT, SEIT ICH SIE KRIEGEN SOLLTE, ABER SIE IST NICHT GEKOMMEN!"

Dudley blinzelte. „Na und...?"

„Verdammt, willst du mich verarschen?", blaffte sie.

„Was? Ich – ich weiß nichts über das-"

Sarah stampfte mit dem Fuß auf. „Willst du mich verarschen?", sagte sie erneut. „Du hast gesagt", hauchte sie, „du hast gesagt, es dauert fünf Mal!"

„Fünf Mal...?", verlor er sich.

„FÜNF MAL NACHEINANDER SEX ZU HABEN, UM JEMANDEN ZU SCHWÄNGERN!", schrie sie.

Dudley starrte auf sie hinunter. Seine Kinnlade fiel herunter. „Nein", sagte er schnell. „Nein, du kannst nicht-"

„Du hast das gesagt, Dudley Dursley, aber ich hab meine Periode nicht gekriegt und das ist – das ist eine Art, es zu wissen", sprudelte sie hervor, „Ich war im Urlaub krank – ich dachte, sie würde kommen, aber sie kam nicht und ich hab mich übergeben-"

„Nein", sagte Dudley erneut. Es konnte nicht wahr sein. „Aber wir – wir hatten nie an einem Tag ganz oft Sex!", rief er aus.

„MEINE MUM SAGT, DAS IST EINE LÜGE! MAN BRAUCHT NUR EINMAL!", kreischte Sarah mit scheinbar allem, was ihre Lungen hergeben konnten.

„Deine Mum ist die Lügnerin", verkündete Dudley, aber jetzt war er sich nicht so sicher. Aber er war so überzeugt davon gewesen. Was hatte alles, was sie gerade gesagt hatte, letzten Endes damit zu tun, schwanger zu sein?

Sarah wurde zornig – alles, was vorher so niedlich an ihr gewesen war, war jetzt Furcht erregend; sie war nicht mehr länger ein kleiner Ausrutscher eines Mädchens, sie war eine ernstzunehmende Macht. „Du bist der Lügner. Du hast es mir GESAGT – du hast es mir VERSPROCHEN und ich hab dich GELASSEN! Sie sagt, das ist eine Lüge, sie hat keinen Verdacht, aber ich hab sie gefragt und sie sagt, man braucht nur ein Mal--", spuckte Sarah und deutete anklagend auf ihn. „Du hast mich belogen-"

„Hab ich nicht – ich schwör's – ich – das ist, was ich gehört hab, ich hab das gehört, ich hab gar nichts versprochen-", sagte er verzweifelt. Alles schien sich zu drehen.

„DU HAST ES VERPROCHEN!", kreischte sie, Tränen begannen über ihr Gesicht zu rollen.

„Ich hab gar nichts versprochen", behauptete er erneut mit den Händen gestikulierend, als ob das helfen würde. „Nein ich – ich hätte das niemals – wenn-"

„Oh sei nicht DUMM!", knurrte sie.

Dudleys Augen verengten sich. Dafür hatte er nun einen endgültigen Konter. Hatte Harry es ihm nicht immer gesagt? Hatten es nicht seine Noten, seine Schulfeinde? Die Kinder, die er verspottete?

„VIELLEICHT BIN ICH DUMM!", brüllte er sie an.

Aber Sarah gab ihm eine überraschende, scharfe Erwiderung. „Versuch's nicht mit dieser Scheiße-", blaffte sie, ohne zu blinzeln. „Du bist nicht dumm, du bist schlau, wenn du etwas willst, wirklich schlau, wenn du versucht hast, mich zu ficken oder Hasch von mir zu kriegen, mein Gott, ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht glauben – ICH HAB DICH GELIEBT UND DU HAST MIR DAS ANGETAN!" Ihre schwarze Wimperntusche sammelte sich tropfend wie Tinte unter ihren anklagenden Augen.

„DAS IST NICHT FAIR! DU HAST NIE GESAGT, DASS ICH AUFHÖREN SOLL!", gab Dudley zurück.

„Oh, also ist das alles meine Schuld?"

„Du verrückte Schlampe!", sagte er, wieder seinen Boden zurück gewinnend. „Du Schlampe, wie kannst du es wagen, mir das anzuhängen!"

Ihr Mund klappte auf. „Was?"

„Stehst da, als hättest du überhaupt nichts gemacht, mit deinen verdammten nuttigen Röcken und du hast mich im Park geknutscht und – das erste Mal war es deine Idee!"

WENIGSTENS HATTE ICH KONDOME!", schrie Sarah. „Aber nein, du musstest mich überzeugen – wette, du dachtest, du wärst so nett, als du mich GELECKT hast, damit ich mich von dir OHNE EINEN FICKEN LASSEN WÜRDE!"

Dudley hatte keine Ahnung, was er sagen sollte. Sie könnte nicht wirklich schwanger sein. Sie kann nicht! Es ist unmöglich. In ihm baute sich alles mögliche auf – Wut, Entsetzen, Ahnungslosigkeit. Er schaute sie wortlos an. Was sie gerade gesagt hatte war unbestreitbar wahr.

„Na?", rief sie aus.

Er bemerkte, dass da eine Unmenge Leute an den Fenstern waren und auf sie hinaus starrten. Eine Menge sammelte sich.

„NA?", schrie sie.

„Verschwinde von mir", sagte er ihr passiv.

„WAG ES NICHT-", brüllte Sarah und kam vorwärts, ihre gesamten hundertzweiundsechzig Zentimeter, mit schwingendem Haar. „WAG ES NICHT, SO ZU TUN, ALS WÄRE DAS NICHTS-"

„Ich sagte verschwinde", blaffte Dudley und schubste ihre Schulter. Sie taumelte zur Seite, behielt aber die Füße fest auf dem Boden.

„Jah? Ist das alles, was du heute Nacht hast?", schleuderte sie ihm entgegen.

„Sarah, hör auf damit", flehte er und ging weiter genau an ihr vorbei.

„LAUF NICHT WEG! DU SAGST MIR-"

Er setzte seinen Weg zum Tor fort, sie rannte wie verrückt genau hinter ihm.

„DUDLEY – DU MUSST BEI MIR SEIN, WENN ICH DEN TEST MACHE-"

„Ich will dich nicht sehen. Nie mehr", sagte er ihr scharf. „Halt dich fern von mir." Er öffnete das Tor und lief weiter die Straße hinunter, ließ die Flasche fallen. Sein ganzer Körper zitterte heftig. 'Test?', dachte er verbittert. 'Was für'n Test, der richtige Schlampentest? Denke, DEN hast du selbst bestanden.'

„LAUF NICHT WEG-"

Fick dich", sagte er ihr und ging weiter.

Auf halbem Weg die Straße hinunter hielt sie an und stand auf der Straße. Sie kreischte noch immer, aber er konnte ihre Worte nicht verstehen. Er lief einfach immer weiter, mit hämmerndem Kopf, pochendem Herzen, trockenem Mund.

'Sie kann's nicht sein, das ist Bödsinn, das ist verdammter Blödsinn, Mum und Dad haben ewig gebraucht, aber sie hat gesagt, dass ihre Mum gesagt hat, das wär 'ne Lüge, ich weiß es nicht, in Gesundheitslehre haben die nicht viel darüber gesagt, aber ich schwöre ich hab gehört- Fuck, ich weiß nicht, was ich gehört hab, bin ich einfach absolut dumm? Sie sagte, dass ich nicht dumm bin... wenn ich etwas will, ist das wahr? Mach ich- vielleicht mach ich das selbe mit Mum. Dad? Sie kann nicht schwanger sein, was soll der Quatsch über ihre Periode, was zur Hölle heißt das, warum sollte sie darüber reden – sie kann nicht schwanger sein, wir haben es nur ab und zu ohne Kondom gemacht – ich hab sie nicht nur geleckt, damit sie es mich ihr ohne besorgen lässt, gut, zuerst war's so ähnlich, aber die restlichen Male hab ich nicht nur das gewollt, es war nicht schlau sein zu sein? Ich bin NICHT schlau, ich bin dumm, ich bin nicht schlau, wenn ich etwas will – sie KANN NICHT SCHWANGER SEIN.'

Bis zu dem Zeitpunkt, als Dudley Nummer Vier erreicht hatte, bebten seine Schultern; er zitterte von Kopf bis Fuß. Ein Blick zeite ihm, dass Mum und Dad aus waren, da das Auto weg war. (Jedoch bemerkte er, so aufgebracht wie er war, nicht, dass im Haus das Küchenlicht brannte.)

Er taumelte die Stufen hoch – Sarahs Schreie stachen immer noch in seinen Ohren – er versuchte zu atmen, aber es war alles viel zu schwer. Sobald er ins Haus trat, stürzten alle Emotionen auf ihn ein.

„Sie kann nicht", sagte er zuerst, sich selbst versichernd, dass es dumm war, den Kopf zu verlieren, wenn er aufgebracht war, verhielt er sich wie ein Idiot. Schreien und Kreischen und Theater machen, nun das war Sarahs Art und er war kein schwächliches Weichei, er war Dudley Dursley, er war Big D.

Aber es war zu viel. Er schlug die Tür so brutal hinter sich zu, dass fünf Bilder von der gegenüber liegenden Wand fielen und zerschmetterten.

Dudley atmete ein und aus und schrie so laut er konnte: „DIESE SCHLAMPE! DIESE FOTZE!"

Vielleicht hätte er sich dadurch zu jeder anderen Zeit besser gefühlt. Er hätte auf seinen Boxsack einprügeln und sich abkühlen können und wäre vielleicht in der Lage gewesen, klar über das was geschehen war, nachzudenken. In diesem Moment jedoch, war es sehr unpassend.

„Dudley?", fragte die scharfe Stimme seiner Mutter, als sie um die Ecke kam, wo sie die Küche geputzt hatte. „Dudley, was in der Welt, wer – was ist los – wo hast du das gelernt-" Sie starrte ihn geschockt an, endlich sah sie, sie war in Panik, aufgebracht, ihre rosa Schürtze so kindlich.

Dudleys Magen machte einen Sprung. Er dachte, er wäre allein im Haus. Er dachte, sie wären aus – seine Augen weiteten sich, er war bereit, sich zu verteidigen, wie, wusste er nicht, aber er war mit allen möglichen Lügen bewaffnet, er war noch nicht aus etwas so Schlimmen herausgekommen, aber er war sicher aus vielem herausgekommen und wenn er nur lügen konnte-

Er atmete aus, versuchte zu überlegen, was er sagen sollte. Mum starrte ihn noch immer geschockt an.

Und stattdessen begann Dudley Dursley das erste Mal seit Jahren zu weinen.

Er begann zu schniefen und fühlte wie seine Wangen rosa wurden. Er war mehr als gedemütigt, mehr als in Panik, aber dies ließ ihn nur noch heftiger weinen. Er hämmerte mit der Faust gegen die Tür hinter sich und packte den Türgriff, lehnte sich zurück, seine Mütze hing zur Seite, seine blonden zerzausten Haare über seine Augen. Mit jedem bebenden Schluchzen wurde sein Gesicht pinker und es waren Zeiten wie diese, wo er sich wünschte, sehr klein zu sein.

„Schatz, was in der Welt?", flüsterte Petunia. „Dudley, was ist los?" Sie lief vorwärts, doch mit einer Vorsicht wie sie sie nie zuvor gebraucht hatte und legte ihre Hände auf seine Schultern. „Was-"

Mum", wimmerte er heißer, während Tränen über sein Gesicht strömten und sein T-Shirt nass machten. „Mum, ich-" er schluckte hart und brach in noch mehr Schluchzen aus.

Wortlos marschierte Petunia wie ein Soldat davon und holte ihm ein Glas Wasser. Er versuchte, es zu trinken, konnte aber nicht. Sie streichelte besänftigend seine Strähnen, kam aber dann näher an sein Gesicht als er es gerne gehabt hätte.

„Dudley Dursley", sagte sie plötzlich, „hast du getrunken?"

„Nur ein bisschen", spielte er herunter.

Was?", verlangte sie zu wissen. „Mit wem? Wo?"

„Bei-" er holte tief Luft - „überall."

Was?"

„Heute Abend hatte Dennis eine Party – diesmal hatte ich nur ganz wenig, ich schwöre-"

DIESMAL?", wollte Petunia verwirrt wissen.

„Mum, bitte, bitte, Mum, sei nicht böse", bettelte er.

„Dudley, ich verstehe nicht-"

Mum-", würgte er.

Sie reichte ihm wieder das Wasser und er brachte es fertig, etwas herunter zu schlucken.

Mum-", begann er erneut. Seine Stimme war sehr kleinlaut. „Ich hab wirklich böse Sachen gemacht", sagte er und gab dann ein ersticktes Schluchzen von sich.

„Dudley, ich verstehe nicht", sagte sie schlicht, „was meinst du mit bösen Sachen? Wie viel hast du getrunken? Was für eine Art Party? Waren da Mädchen?"

Dudley wischte sich über die Augen und versuchte, ruhig zu werden. Seine Deckung war vergeigt. Er hatte sie nie zuvor enttäuscht.

Er starrte in Mums Gesicht, wie besorgt sie aussah, wie verwirrt, und er brach wieder zusammen.

Gott, Mum", sagte er unter Tränen, „weißt du denn gar nichts? Merkst du gar nichts?"

„Was!?"

„Natürlich waren da", rief er aus, „natürlich waren da Mädchen... Was wäre der--" er nahm einen brechenden Atemzug- „Sinn?"

„Schatz, du musst dich hinsetzen, ich denke, du musst dich hinsetzen, das macht keinen Sinn-", sagte Petunia schrill, ihre ganze äußere Erscheinung wand sich vor Sorge.

Er ließ sich von ihr zum Salon führen, wo sie ihn in Dads Sessel setzte. Sie beeilte sich ihm ein paar Taschentücher zu bringen und er putzte sich die Nase. Er nahm immer wieder lange, zitternde Atemzüge.

„Jetzt..." Petunia überschlug die Beine und räusperte sich, als hätte sie keine Ahnung, wo sie anfangen sollte. „Sag mir... sag mir..." Sie biss sich auf die Lippe und schlang die Arme um sich selbst. „Was – was passiert hier?", stammelte sie.

Dudley versuchte mühsam sich zusammen zu reißen. 'Sag ihr einfach, du hast's erfunden – nein... zu spät? Jah, dafür ist es zu spät. Sag nichts über Sarah – erfinde was-' Er trank noch einmal von dem Wasser und starrte zu Boden.

Dudley?", fragte Mum verzweifelt. „Was ist los?"

„Mum, du-", er hielt inne und nahm noch einen Schluck Wasser. „Ich mache – ich habe – ich hab immer-", er hörte mit dem Stottern auf und atmete ein. „Ich bin immer so gewesen", brachte er heraus und gab ein stilles Schluchzen von sich. Er konnte es nicht einmal ertragen, seiner Mutter in die Augen zu blicken.

„Was?", rief sie aus. „Nein bist du nicht! Ich meine – was--? Dudley, ich verstehe nicht – und von wem– was hast du gesprochen, als du vorhin...-"

„Meine Freundin hat mich sauer gemacht", sagte er unvermittelt.

„Deine – deine Freundin? Seit wann hast du eine Freundin?" Petunia schien nun den Tränen nahe zu sein.

„Ich weiß nicht", sagte er heftig. „So zwei Monate."

„Du hast es mir nicht erzählt", stellte Mum fest und sah aus, als ob er sie geohrfeigt hätte. „Wie heißt sie?"

„Sarah."

„Ihr Nachname?"

„Ich weiß nich'."

Wie meinst du das?"

Dudley hatte nicht vor, Mum ihren Nachnamen zu sagen. Er wusste, dass die Räder in Mums Kopf sich drehten; sie versuchte sich zu erinnern, ob sie jemals zuvor Tratsch über eine Sarah gehört hatte. „Ich schätze – ich hab's einfach nicht 'rausgefunden!"

„Nun, wie ist sie?"

ICH WEISS NICHT, MUM!", schrie Dudley, das Wasserglas auf die Armlehne schlagend. Etwas Wasser schwappte über den Rand.

Petunia zuckte zusammen. „Nun, dann-", sie hielt inne. „Hast du sie... hast du dieses Wort zu ihr gesagt?"

Dudley wischte sich die Nase. „Was für eins?"

Petunia seufzte in ihre Hände, unfähig es zu sagen. „Das – das--..."

„Oh", sagte Dudley mit größer werdenden Augen. „Jah."

„Wer hat dir dieses Wort beigebracht?"

„Weiß nich'. Schule, Freunde, Filme", zuckte er die Achseln.

„Du trinkst?", drängte sie ihn.

„Manchmal", sagte er vorsichtig, „Mum, du kannst nicht sauer sein-"

„Ich bin nur verwirrt", sagte Petunia, aber es war deutlich, dass sie immer bestürtzter wurde. „Du hast eine Freundin", wiederholte sie. Es war als ob sie die Puzzleteile einfach nicht richtig zusammen setzen konnte. „Erzähl mir davon", sagte sie mit dem Versuch, einladend zu sein. „Erzähl mir – einfach, was passiert ist."

„Mum, da gibt's nichts-"

„Nun, was trinkst du?", fragte Petunia, plötzlich wieder bissig, bissig und entsetzt.

„Ich weiß nicht-", sagte er ruhig. „Whiskey, manchmal was anderes-"

Petunia begann still in ihre Hände zu weinen. „Bist du jetzt betrunken?", wollte sie wissen, so unschuldig, so leise.

„Nur ein bisschen", flüsterte Dudley. „Nicht sehr."

Petunia weinte weiter und musste schließlich ihr Gesicht bedecken.

Mum", sagte Dudley traurig. „Mum, hör auf-"

„Vielleicht", sie schniefte, „solltest du jetzt ins Bett gehen? Wir können morgen Früh sprechen – dein Vater kann-", sie weinte heftiger.

„Mum-", wimmerte er.

„Geh ins Bett, jetzt", fauchte sie.

Dudley war geschockt. Petunia hatte noch nie auf diese Art mit ihm gesprochen – das letzte Mal, als er so zurechtgewiesen worden war, kam es entweder von Lehrern (die die Wut seiner Eltern noch nicht kennengelernt hatten) oder Nachbarn wie die alte Mrs. Figg, die verrückte Frau, die immer auf Harry aufgepasst hatte. Aber seine Mum?

Er konnte sich jedoch nicht bewegen. Er starrte in seinen Schoß und schluchtzte weiterhin heißer, während Mum auf dem Sofa saß und ohne Tränen weinte.

Jetzt hatte er ihr den Grundbegriff der Dinge gesagt und für was? Er hatte es sich definitiv selbst vermasselt, das wusste er, denn nun da Petunia über die Partys bescheid wusste, würde sie sich die ganze Geschichte zusammen reimen können. Es würde nicht zu schwer sein – alles was sie tun musste, war darauf zu warten, dass die Gerüchte anfingen – Dudley war sich sicher, dass die Neuigkeiten morgen nur über ihn und Sarah sein würden. Sie könnte auch einfach Piers anrufen und ihn darüber ausfragen – jetzt wo Piers von der Gruppe gedisst worden war, würde Dudley ihm keine Schuld geben, wenn er sie alle verpfeiffen würde. 'Aber würde er das!?' Und was war mit den anderen Jungs? Was wenn Petunia es allen ihren Eltern erzählte?

„Ich verstehe es immer noch nicht ganz", sagte sie deutlich und setzte sich aufrechter hin. „Dudley, du bist so ein guter Junge, ein netter Junge! Bist du unglücklich?"

„Was?", murmelte Dudley, der sich die Augen am Ärmel abwischte.

Petunia schüttelte den Kopf hin und her, hin und her. „Ich fühle mich wie eine Versagerin-"

„Mum-"

„Schmutzige Ausdrücke?", fragte sie traurig. „Eine Party mit Mädchen – Trinken!!"

Mum!"

Petunia starrte ihn aufmerksam an. „Wer bist du?"

Bei dieser Frage stand Dudley auf, der Sessel knarrte als seine Masse sich davon erhob. Sein Wasserglas noch immer fest in der Hand haltend versuchte er sehr mühsam Ruhe zu bewahren. „Wo bist du in dieser ganzen Zeit gewesen, Mum?"

„Ich weiß nicht--", stotterte Petunia. „Ich weiß nicht, was du meinst! Dudley, ich bin immer für dich da gewesen-"

„NEIN MUM!", schrie er. „DU WEISST GAR NICHTS DARÜBER!"

„Dudley! Sei nicht auf mich böse! Wir können das in Ordnung bringen! Erzähl mir nur, warum du so aufgebracht bist – ich werde es verstehen!"

'Dass ich vielleicht 'ner Schlampe 'nen BRATEN in die Röhre geschoben hab?", dachte Dudley. 'Jah, ich WETTE, du würdest das verstehen!'

„Dudley! Dudley, antworte mir!", bettelte Petunia, sprang auch auf und umklammerte kläglich seinen Arm.

„Mum, du wirst es nicht kapieren – lass mich einfach in Ruhe!", blaffte Dudley.

Sie wich zurück, jedoch verwirrt. „Dudley – Dudley Dursley, du – du wirst-"

Dudley schüttelte den Kopf. „Ehrlich, kann mir nicht mal einen ordentlichen BEFEHL geben!" Damit stampfte er die Treppe hoch und in sein Zimmer. Petunia war ihm auf den Fersen und stellte immer noch Fragen, aber er schlug sie und schloss seine Tür ab.

Er saß auf seiner Bettkante bis sie endlich aufgab und davon ging. Nachdem er sicher war, dass sie weg war, setzte er sich im kühlen Dunkel, streckte sich auf dem Bett aus, mit dem Kopf unter dem Kissen.

'Wenn sie 'ne normale Mum wäre, hätte ich einen scheiß Haufen Ärger', dachte er, 'frag' mich, ob sie's Dad erzählt. Wenn er hört, dass ich geweint hab, werd ich garantiert in der Klemme sein. Weinen ist was für scheiß Schwächlinge und Mädchen.' Er drehte sich auf die Seite und fuhr sich mit der Hand durch die Haare, warf seine Mütze auf den Boden. 'Ich frag mich, ob Sarah heim gegangen ist. Sie erzählt's verdammt nochmal besser nicht ihrer Mum. Oder sonst jemanden, aber viel Glück mit DEM. Ich wette, sie hat's Melanie erzählt. Wenn irgendjemand es Mum erzählt, werde ich DEN TÖTEN. Gott verdammt, was soll ich TUN? Vielleicht ist es gar nicht wahr, aber passiert sowas überhaupt? Wenn sie ein Baby kriegt – oh Scheiße, ein BABY – was soll ich tun? Ich will sie nicht heiraten! Ich bin fünfzehn! Wie konnte sie mir das antun?'

Er konnte seine Mutter unten in ihren Schuhen auf und ab gehen hören.

„Dudley!", rief sie immer wieder einmal. „Dudley!"

Er ignorierte sie.

Dann sagte sie etwas anderes: „Ja hallo?"

Dudley wurde reglos – sie war am Telefon. Er kroch über seine Bettkante und ließ sich darüber hängen, um näher an den Heizungsrost im Boden zu kommen. Wenn man gut genug lauschte, konnte man alle möglichen Unterhaltungen hören, die unten geführt wurden. Dudley hatte das in einem frühen Alter herausgefunden und hatte es seither immer zu seinem Vorteil genutzt.

Er lauschte:

„Hallo, ja, es tut mir Leid, dass ich so spät anrufe, Piers, hier ist Mrs. Dursley."

Dudleys Körper wurde schlaff, als ein Stechen von Angst ihn durchfuhr. Das war es wovor er Angst gehabt hatte: 'Aber Piers wird nichts von Sarah und heute Abend wissen!', dachte er. Jedoch war es kaum ein Trostpreis, dass Piers vom Gras, vom Trinken und von der Tatsache wusste, dass Dudley Sex gehabt hatte.

„Ja, Piers, mir geht es gut, wie geht es dir? Ja, ich bin sicher, dass alles-", Petunia seufzte tief und klang wieder, als wäre sie den Tränen nahe. „Nein, alles ist wirklich nicht in Ordnung, ist deine Mutter da, Piers?" Es gab eine Pause. „In London? Oh, ja, natürlich, ich verstehe", sagte sie knapp.

Petunia war immer sehr verbittert über die Tatsache, dass Mrs. Polkiss sich von Piers' Vater hatte scheiden lassen und eine Karriere begonnen hatte.

Eine weitere lange Pause. „Ja, Piers, er ist hier – nein, es ist nicht in Ordnung, ja, er ist hier – es geht ihm gut – nun... Piers?", fragte Petunia verzweifelt.

'Jetzt kommt's.'

Petunia seufzte. „Wenn du etwas angestellt hast, was gibt dir deine Mutter als Strafe?"

Dudley hob seinen Kopf hoch. 'Hä?'

„Ich meine, bestraft sie dich?", fuhr Petunia fort. „Wie?"

'Sie fragt Piers, wie sie mich bestrafen soll!?'

Petunia seufzte erneut. „Es ist egal, was er getan hat – ach? Es hängt von der Ernsthaftigkeit ab, sagst du? Nun, es ist ziemlich ernst – ich werde nicht-", sie gab ein kleines Jammern von sich. „Ja, alles ist gut! Sie... nimmt Privilegien weg? Nun, welche Art von Privilegien? Kein Ausgehen, kein Fernsehen, kein Telefon?", wiederholte sie, als ob dies sehr schwer für sie wäre. „Ich nehme an, das muss ich dann tun."

'Ich hab Hausarrest', dachte Dudley wild. Es war etwas, wovon er nur gehört hatte. Das nächste an Hausarrest, was er jemals erlebt hatte, war der Sommer vor seinem ersten Jahr in Smeltings, als die Familie zu wahllosen Hotels herumfahren musste, weil Harry von Briefen und Vögeln verfolgt worden war. Dudley hatte fast eine Woche lang nicht fernsehen gekonnt und sie hatten nicht einmal etwas gutes zu essen gehabt.

„Nein, Piers", sagte Petunia gerade, „du kannst nicht mit Dudley sprechen – nicht wenn ich ihm das Telefonieren verbieten soll! Gute Nacht!"

Zu jedem anderen Zeitpunkt wäre das leicht amüsant gewesen. Aber im Moment konnte Dudley nichts tun, als da zu liegen und seine Handfläche über seinen Schlafzimmerboden zu ziehen. Er hörte Mum wieder die Treppe hoch kommen und vor seiner Tür anhalten.

„Dudley", sagte sie fast unhörbar. „Dein Vater wird bis später nicht vom Büro zurück sein, also ist das vielleicht vorläufig." Sie räusperte sich. „Ich verstehe nicht, warum du tust – was du getan hast, aber für jetzt ist es dir nicht erlaubt, in den Park zu gehen, fernzusehen oder zu telefonieren."

Er sagte nichts.

„Dudley?"

„Ich hab dich gehört", blaffte er. „Gut, schön, es ist mir ziemlich egal."

„Es ist vorläufig!", antwortete sie kläglich. „Ich will es nicht tun – Wenn du nur-"

„Geh weg, Mum", befahl er düster.

Er konte überhaupt nicht schlafen. Jeder Gedanke, den er hatte, führte zurück zu Sarah. Er versuchte, sich eine Zeitschrift anzusehen. Er versuchte, Musik zu hören. Aber jede einzelne Sache erinnerte ihn an sie, an sie, schwanger. Er wollte nicht, dass es seine Schuld war, aber er war derjenige, der vorgeschlagen hatte, das Komdom wegzulassen. Aber er hatte nicht versucht, sie auszutricksen oder sonst etwas, es fühlte sich so nur besser an. Und was war mit Mary-Anne Johns? Als sie Sex mit ihm gehabt hatte, ist sie nicht schwanger geworden!

'Jah, aber du hast sie nur einmal gefickt', erinnerte er sich und hielt dann inne. 'Aber... Sarah sagte, man braucht nur einmal. Ich schwöre, das ist eine Lüge. Sie lügt, weil sie mich liebt.'

Wenn es nur so einfach wäre.

Um Zehn Uhr kam Dad nach Hause und Petunia musste auf ihn gewartet haben, denn Dudley konnte sie durch den Rost flüstern hören. Jedoch konnte er nicht viele Worte verstehen.

Aber Dad sagte immer wieder „Was?" und „Dudders?"

Dudley hatte Angst einzuschlafen, weil er wusste, dass eine Dursley Familiensitzung vorgesehen sein würde, wenn er aufwachte.

'Wenigstens darf ich nicht ans Telefon, also werd' ich nicht mit Sarah reden müssen', dachte er erschöpft. Er fürchtete sich, nach seinen E-Mails zu sehen. Wenn Sarah anrief, würde sie es Petunia erzählen?

Dudley würde vorgeben, dass sie übergeschnappt ist, das war alles.

Und wenn seine Kumpels anriefen, würde er die auch ignorieren. Was hatten die schließlich jemals für ihn getan.

Er entschied, dass ein Einsiedler zu sein ein sehr gutes Bestreben war. Vielleicht, wenn er vorgab, nicht zu existieren, würde Sarah das Thema fallen lassen. Ihn vergessen.

Denn er wollte sicherlich sie vergessen.