Harry Potter and the Paradigm of Uncertainty
Autor: Lori Summers
Deutsche Übersetzung: Dani und Alina
http://www.POU.de.vu
Disclaimer:
Diese Geschichte basiert auf Situationen und Charaktere, die das geistige Eigentum von Joanne K. Rowling sowie von verschiedenen Verlegern (z.B. Bloomsbury Books, Scholacsti Books, Carlsen Verlag, etc.) sind.
Ebenso gehören die Charaktere von Laura Chant, Sorry Carlisle und der gesamten Carlisle-Familie entstammen dem exzellenten Roman "The Changeover".Weder die Autorin, noch die Übersetzer dieser Geschichte verdienen Geld damit und es liegt nicht in ihrer Absicht Copyrights oder Warenzeichen zu verletzen.
Hinweis für Minderjährige:
Diese Geschichte spielt einige Jahre nach Harry Potter und der Stein der Wesen.
Aufgrund dessen handelt es sich um eine Geschichte für Volljährige Leser.
Um dies genauer zu begründen: Die jeweiligen Charaktere sind nun erwachsen. Das bedeutet, dass in ihrem Leben auch Krieg, Gewalt und Sex eine Rolle spielen, nur um einige zu nennen.
Komplex:
Harry Potter and the Paradigm of Uncertainty ist der erste Teil der Trilogie von Lori Summersund wird von Dani und Alina übersetzt. Der zweite (the Show that never ends) und dritte (Hero with a thousand faces) werden übersetzt von Claudia, Lilly Black, Nicole, Katrin und Stephanie. HWTF wird zukünftig noch übersetzt und dann auch online gestellt, ebenso die vorhandenen Cookies.
Wer dann immer noch nicht genug hat, kann zudem die „Vorgeschichte" von POU lesen.
Diese wurden jedoch nicht von Lori Summers geschrieben, sondern sind 2 eigenständige Geschichten von Penny und Carole und lauten „A Sirius Change" und „A Sirius Affair".
Wir wünschen euch viel Spaß beim lesen.
Zehntes Kapitel:Dem Zauber hinterher
Hermione holte einen Rucksack heraus und begann Kleidung hineinzustopfen: Jeans, T-Shirts, ein paar Unterhosen und Socken, einen Pullover. Dazu legte sie ihr kleinstes Zauberspruch-Handbuch und ein Vergrößerungsglas um es zu lesen, ein paar Blatt Eulenpost-Briefpapier und eine Feder, und einen Beutel Galleonen und Sickel.
Die Tür öffnete sich und Laura kam atemlos hereingestürmt. „Oh, sie hat's dir gesagt." Hermione nickte ihr zu und fuhr mit dem Packen fort. „Was machst du jetzt?"
„Ich habe keine Ahnung", sagte sie angespannt. „Ich dachte es wäre schon mal ein guter Anfang einfach zu gehen, den Rest wollte ich mir überlegen, wenn ich unterwegs bin."
„Das ist Wahnsinn."
„Ja, aber was soll ich machen? Ich werde dem Kompass folgen und hoffen, dass Chos Zauber anhält."
„Ich denke, du..." Sie verstummte, als ein lauter Ruf ertönte. Die beiden Frauen sahen auf und sahen wie Hedwig in den Raum geschwirrt kam und auf Hermiones Schulter landete. An ihrem Bein war eine Nachricht befestigt.
„Harry ist nicht hier, Hedwig." Die Schneeeule schuhute erneut und pickte Hermione aufs Ohr.
„Ich denke, der ist für dich", sagte Laura. Hedwig schlug aufgeregt mit den Flügeln. Hermione nahm ihr die Nachricht vom Bein und öffnete sie mit einem Stirnrunzeln. „Ist er von Harry?"
Hermione schüttelte den Kopf. „Es ist nicht seine Handschrift. Da steht einfach ‚Spellbound Books'."
„Spellwas Books?"
„Das ist der Verlag, in dem Gerald arbeitet." Sie rieb sich mit einer Hand das Kinn.
„Was bedeutet das?"
„Ich habe keine Ahnung." Sie zuckte mit den Schultern und steckte die Nachricht in ihren Rucksack. „Aber wer auch immer es geschickt hat, hat es aus einem bestimmten Grund getan... Hedwig hätte es mir nicht bringen können, wenn es von einem Feind kommen würde. Ich kann da vorbeifahren bevor ich gehe; es ist ja nicht so als würde ich unter Zeitdruck stehen, oder vielleicht schon, ich meine, ich habe keine Ahnung, wo er ist oder was er vor hat, und soviel ich weiß, könnte Allegra ihn bereits gefangen genommen haben, anderseits könnte er jetzt auch schon auf dem Heimweg sein, obwohl das nicht sehr wahrscheinlich ist und..."
Laura sah Hermione zu wie sie hin und her eilte, Dinge in ihre Tasche stopfte und ihr die Worte nur so aus dem Mund purzelten wie Clowns aus einem Auto, bis sie schließlich stehen blieb und tief durchatmete. Sie stützte die Hände auf ihren Schreibtisch, lehnte sich vor und ließ ihren Kopf sinken. Laura trat zu ihr und legte ihr eine Hand auf den Arm. „Beruhige dich, okay?"
Hermione sah sie an und auf ihrem Gesicht lag ein verletzlicher Ausdruck voller Unsicherheit und Angst. „Es ist nur... er ist... ich..."
„Ich weiß."
„Er bedeutet mir alles." Sie schluchzte und trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte. „Hmph. Wann ist das nur passiert?"
Laura lächelte sie gutherzig an. „Erzähl's mir."
Hermione richtete sich auf, nahm einen tiefen Atemzug und schloss die Augen. „Letzte Nacht? Vor fünfzehn Jahren? Es ist so ziemlich dasselbe." Sie drehte sich um, verschnürte ihren Rucksack und sprach dann mit ihrem Rücken zu Laura. „Seit ich elf Jahre alt war, ist er immer dagewesen. Bevor ich nach Hogwarts gekommen bin, dachte ich immer ich würde mein Leben für mich allein leben und einfach das tun, was ich für richtig halte... aber so kam es nicht. Er ist so lange bei mir gewesen, dass ich mich gar nicht daran erinnern kann, wie es war allein zu sein. Mein Leben ist so mit seinem verstrickt, dass ich es gar nicht von ihm lösen könnte, selbst wenn ich wollte."
„Was ist mit Ron?", fragte Laura sanft. Hermiones Hände beschäftigten sich damit die Kissen auf ihrem Bett zu richten.
„Ron war mein Freund. Er war sehr wichtig für mich." Sie seufzte. „Und ich habe ihn geliebt, das weiß ich jetzt." Sie drehte sich herum und sah Laura mit glasigen Augen an. „Aber es hätte nicht gehalten. Wir haben uns gegenseitig geholfen, diese ersten Schritte ins Erwachsenwerden hinein zu meistern, aber wären wir dort angekommen, wäre es an der Zeit gewesen als richtige, selbstständige Erwachsene in die Welt hinaus zu gehen. Ich war nicht in ihn verliebt. Er verdiente etwas besseres, genau wie ich. Ich weiß nicht, ob Harry und ich so lange gebraucht hätten, wenn Ron noch leben würde, aber ich denke... ich weiß... dass wir früher oder später zusammen gekommen wären. Ich glaube nicht an Schicksal, aber ich glaube daran, dass einige Dinge unvermeidbar sind." Sie rieb sich über die Augen und nahm ihren Rucksack. „Genug der wahren Geständnisse. Wenn ich vorhabe zu gehen, dann tue ich es besser jetzt." Sie trat vor und umarmte Laura. „Pass auf dich auf. Wir bleiben in Verbindung."
„Das will ich hoffen."
Hermione eilte die Treppe hinab und fand Justin und George im Foyer. Beide umarmten sie und wünschten ihr Glück. George gab ihr einen Beutel Essen zum Mitnehmen. Als sie die Tür öffnete, sah sie zurück und sah Cho, die im Türrahmen zum Arbeitszimmer stand. Hermione lächelte sie an, trat hinaus und schloss die Tür hinter sich.
Am Auto zögerte sie mit den Schlüsseln in der Hand. Im Fenster konnte sie die Spiegelung von Harrys armeegrünem Jeep hinter ihr erkennen. Sie drehte sich herum und legte gedankenvoll eine Hand darauf. Abrupt ging sie um das Auto herum auf die Fahrerseite und stieg ein. Sie startete den Jeep mit den Schlüsseln, die sie hinter der Sonnenblende fand. Dann kurbelte sie das Fenster herunter und brauste davon. Sie lächelte bei dem Gefühl des Windes in ihrem Haar und war froh, endlich etwas zu tun.
Harry lag auf dem Rücken in der Jugendherberge und starrte die Risse in der Decke an. Der da sieht aus wie Tony Blair, dachte er. Der da sieht ein bisschen wie die schwedische Küste aus.
Er nahm sich ein paar dringend nötig gewesene Stunden Auszeit; seit er Bailicroft verlassen hatte, war er ununterbrochen gerannt. Sein erster Halt war das G.A.-Hauptquartier gewesen, um Lefty zu treffen.
Lefty hatte aufrecht im Bett gesessen und gelesen. Wie immer wurde Harry stark an Hagrid erinnert. Lefty war ein großer Mann mit buschigem Haar und einem wilden Bart, rosigen Wangen, die von zahlreichen Bieren unten im Pub zeugten, eine breite, haarige Brust und Arme wie fliegende Strebepfeiler. Nahkampftraining mit diesem Mann war für Harry, der nur halb so groß war, eine schwierige Aufgabe gewesen. Der Tag, an dem er ihn ohne jede Hilfe flachlegte, war ein wahrer Grund zum Feiern gewesen.
„Harry!", hatte Lefty gesagt, als er eingetreten war. „Schön dich zu sehen, Kumpel. Komm und setz dich eine Weile." Es schien nicht so als hätte der Verlust eines Beines und einer Hand seine Stimmung sehr gedämpft. Harry hatte einen Platz neben Leftys Bett eingenommen.
„Wie geht es dir, Lefty?"
Ein schmerzhaftes Flackern war über sein Gesicht hinweg gezogen, so schnell, dass Harry sich gefragte hatte, ob er es sich eingebildet hatte. „Ich komme schon wieder in Ordnung, du wirst sehen. Komm nicht auf die Idee Mitleidstränen für mich zu vergießen, hörst du? Ich lege mir ein schickes Holzbein zu, genau wie ein Pirat... und ich sage dir eins; ich mochte schon immer die Vorstellung einen netten, gefährlich aussehenden Haken als Hand zu haben!" Er hatte mit seiner verbliebenden Hand auf seinen verbliebenen Oberschenkel geklatscht und gebrüllt vor Lachen, dass die Wände gewackelt hatten. Harry war zum Heulen zumute gewesen. „Nein, hör auf so zu gucken."
„Ich bin an allem Schuld."
„Hey, da ist aber jemand rasend egomanisch."
„Allegra tut das um an mich heranzukommen."
„Und wenn du es nicht wärest, dann wäre es jemand anderes. Außerdem würde ich nicht so viel wert darauf legen, was Allegra macht. Die Frau ist eine rasende Irre."
„Ich wünschte sie wäre eine wahnsinnige Irre. Das würde alles sehr viel einfacher machen."
„Wir werden sie kriegen. Wir haben die gesamte verdammte G.A. auf sie angesetzt, nicht wahr? Tu bloß nichts unvorbereitetes, hörst du mich, Bürschchen? Jetzt ist nicht die Zeit für Heldentaten."
Harry hatte ungefähr eine halbe Stunde bei ihm gesessen und war dann gegangen ohne ihm von seinen Plänen Allegra allein auszuräuchern zu erzählen. Er hatte bei Lupin, der sich von dem vergifteten Wolfbann-Trank größtenteils wieder erholt hatte, halt gemacht, und ihm so wenig wie möglich erzählt. Nicht, dass er ihm nicht traute, aber je weniger Lupin wusste desto kleiner war die Gefahr, dass er bestimmte Dinge zu Leuten durchsickern ließ, die nichts von seinem Vorhaben erfahren sollten. In seinem Kopf wusste er, dass Lefty Recht hatte. Die gesamte Abteilung war im Einsatz... aber sie kannten sie nicht, wie Harry sie kannte, und es waren nicht ihre Freunde und Geliebte, die bedroht wurden. Dies ist mein Kampf, dachte Harry, als er dort auf dem lumpigen Gitterbett lag. Er ließ seine Augen zufallen und begann einzudösen.
„Harry!"
Harry sprang mehrere Zentimeter in die Luft und war vom Bett bevor er sich überhaupt erst darüber bewusst war, dass sein Rücken die Decke verlassen hatte, und versuchte überall gleichzeitig hinzuschauen. Über dem Gitterbett schwebte eine grüne Baubelblase. „Remus?"
„Was zum Teufel glaubst du, tust du da?"
„Wie hast du deine Blase aus der G.A. bekommen?"
„Das ist jetzt egal! Kannst du dir vorstellen, dass ich dich seit gestern suche?"
„Tut mir leid, ich..." Er räusperte sich und wartete immer noch darauf, dass sich sein Herzschlag beruhigte. „Ich muss mich allein um diese Sache kümmern."
„Bist du dir sicher, dass das vernünftig ist? Es ist empfehlenswert diese Entscheidung rational zu treffen, nicht emotional."
Harry richtete sich auf. „Lupin, du solltest dich daran erinnern, dass ich dein Vorgesetzter bin."
„Schwachsinn! Nicht, wenn du dich wie ein Sechzehnjähriger benimmst!"
„Ich versuche hier Leben zu retten! Wenn ich Allegra gebe was sie will, dann werdet ihr sicher sein!" Harry versuchte seine Schuldgefühle zu bekämpfen. Er hatte niemandem bei der G.A. von der Verwandlung erzählt, obwohl er wusste, dass er es hätte tun sollen. Er wurde einfach das Gefühl nicht los, dass es besser war je weniger Leute davon wussten.
„Und du wärst alles andere als sicher! Dieser Tausch gefällt mir ganz und gar nicht."
„Na und? Wenn sie mich umbringen will, wenn sie mich foltern, mir die Eier abschneiden und verdammten Weihnachtsbaumschmuck daraus machen will, wen zur Hölle interessiert das?"
Lupin schwieg einen Moment lang. „Wen versuchst du zu beschützen, Harry? Wer ist für dich so wichtig, dass du bereit bist dich selbst aufzugeben, trotz der Konsequenzen für dich und den Rest der Welt, nur um Allegra fernzuhalten?" Harry setzte sich schwerfällig hin, antwortete jedoch nicht. „Geht es um Hermione?" Harry sah zur Seite und verschränkte die Finger ineinander. „Bist du in sie verliebt?", fragte Lupin leise.
Harry schloss die Augen und die Frage sprang in seinem Kopf wie ein Flipper auf und ab... aber wenigstens wusste er die Antwort. „Ja."
„Ich verstehe." Harry konnte förmlich hören, wie das Getriebe in Lupins Kopf arbeitete. „Weißt du, ich sollte Argo mitteilen wo du bist. Sie ist so sauer auf dich, dass sie Reißzwecken spuckt. ‚Unreifer Drachentöter John Wayne Größenwahn' hat sie es glaube ich genannt... obwohl ich keine Ahnung habe, wer John Wayne ist. Ohne Zweifel ein Amerikaner."
Harry hörte kaum hin, Hoffnung machte sich in seiner Brust breit. „Du meinst... du hast ihr nicht gesagt, wo ich bin?"
„Ich wollte zuerst mit dir reden. Ich weiß ein bisschen über Geheimhaltung als nötige Sünde." Er seufzte. „Ich kann nicht glauben, dass ich das tue."
„Ich brauche deine Hilfe, Remus. Kann ich auf dich zählen?"
„Ja."
„In Ordnung. Du musst mir Persephone schicken, sie ist die zuverlässigste. Ich habe eine Quelle im Kreis und ich brauche sie um ihn zu kontaktieren. Und du musst mir Kopien der stündlichen Geheimdienst-Berichte schicken."
„Wieso?"
„Wenn meine Quelle mir nicht sagen kann, wo ich Allegra finden kann, muss ich stattdessen ihrer Spur folgen."
„Es könnte sein, dass sie dich aufsucht und dir die Mühe erspart."
„Nein. Sie denkt immer noch, dass ich die Zeit abwarte und auf ihren nächsten Schritt warte. Wenn es eine Sache gibt, die Allegra im Übermaß hat, dann ist es Geduld. Je größer meine Qual wird umso besser. Sie wird darauf warten, dass ich zu ihr komme."
„In Ordnung, du kennst sie besser als ich." Er machte eine Pause. „Harry... ich freue mich für dich."
„Wieso?"
„Nun... du weißt schon..."
„Oh! Danke."
„Es wurde auch langsam Zeit, denke ich."
„Das glaube ich auch. Und Remus? Du brauchst meine Grabinschrift jetzt noch nicht zu schreiben. Ich bin nicht mehr das neunzehnjährige Kind, das Allegra kannte, als sie noch in der G.A. gearbeitet hat. Ich habe noch nicht vor abzutreten."
„Schön das zu hören. Ich werde dir Persephone sofort schicken." Die grüne Blase verschwand mit einem leisen ‚Pop'. Harry ließ sich wieder auf sein Gitterbett fallen und fühlte sich ermutigt.
Er lag dort, bis die Sonne sich dem Horizont zuneigte und hatte verworrene und beunruhigende Gedanken. Er machte sich Sorgen über Allegra und das, was sie als nächstes vorhaben könnte. Er hatte Angst, dass, wenn das alles vorüber war, er keinen Job mehr hatte. Er dachte endlos über all die schrecklichen Konsequenzen nach, sollte Voldemort wieder mehr Macht erlangen. Und er vermisste Hermione mit einem scharfen Schmerz, der in seiner Brust zerrte. Er schloss die Augen und stellte sich ihr Gesicht vor, ihre Augen, ihr Lächeln. Es tut mir leid, Hermione, dachte er. Ich wünschte du wärst hier bei mir.
Hermione parkte den Jeep auf dem Grundstück vor Spellbound Books, Inc. Sie war nie zuvor dagewesen, aber Gerald hatte es beschrieben. Das Hauptquartier des Verlags war in einem gut erhaltenen Bauernhaus auf dem Land, umgeben von schwankenden Ulmen und gepflegten Gärten. Der Vorteil eines Zauberer-Verlegers war, dass man keine massige Maschinerie und Druckpressen brauchte... Der Text wurde magisch auf das Papier übertragen und direkt zu den Verbrauchern geschickt, ohne den Bedarf einer Lagerhalle.
Sie trat in die Empfangshalle und hielt die Augen nach jemandem offen, den sie von der Betriebsfeier, auf der sie mit Gerald war, kannte. Sie war nur kurz dagewesen bevor sie durch Harrys zweiten Zusammenbruch nach Hause gerufen wurde, aber sie hatte ein paar seiner Mitarbeiter kennengelernt. Die Hexe an der Rezeption erkannte sie nicht wieder. „Kann ich Ihnen helfen?", fragte die Frau.
„Ist Gerald da?" Sie wusste nicht, nach wem sie sonst fragen sollte. Vielleicht bekam sie die Möglichkeit ihm persönlich zu sagen, dass sie nicht länger seine Freundin war.
„Gerald?", sagte die Empfangsdame. „Ich glaube, ich kenne keinen Gerald."
„Oh, aber das müssen Sie. Er ist Vizepräsident der Abteilung für Überprüfung und Qualitätskontrolle."
Die Hexe sah sie sonderbar an. „Unsere Vizepräsidentin für Überprüfung und Qualitätskontrolle heißt Elsa McFarland, ma'am. Ich kenne niemanden, der hier arbeitet und Gerald heißt."
Hermione bekam plötzlich ein sehr schlechtes Gefühl. „Aber... ich habe mich monatelang mit einem Mann namens Gerald getroffen, und er hat mir gesagt, dass er hier arbeitet... das verstehe ich nicht..."
„Einen Moment bitte." Die junge Frau stand auf und verließ den Raum, wenige Augenblicke später kam sie mit einem älteren Zauberer mit freundlichem Gesicht zurück. „Ma'am, das ist Gideon Mallory, unser Vorsteher für die Öffentlichkeitsarbeit. Vielleicht kann er Ihnen helfen." Er schüttelte Hermione die Hand.
„Habe ich richtig verstanden, dass sie nach einem Mitarbeiter suchen?"
„Ja", sagte Hermione und bemühte sich ihre Stimme ruhig und ausgeglichen klingen zu lassen. „Die letzten Monate habe ich mich mit einem Mann namens Gerald getroffen, der mir sagte, er wäre Vizepräsident der Abteilung für Überprüfung und Qualitätskontrolle in diesem Betrieb."
Mallroy runzelte die Stirn. „Gerald Van Haven?"
„Ja! Kennen Sie ihn?"
Mallroy räusperte sich und schien sich plötzlich sehr unbehaglich zu fühlen. „Ja, tue ich. Gerald Van Haven war unser Vizepräsident für Überprüfung und Qualitätskontrolle, wir haben ihn direkt nach Hogwarts eingestellt. Aber..." Er blickte die Empfangsdame an.
„Was?"
„Er wurde vor fast einem Jahr bei einem Verkehrsunfall getötet."
Hermiones Beine wurden taub. Sie tastete nach dem Stuhl hinter sich; Gideon half ihr sich zu setzen. „Das ist... das ist unmöglich..." Sie sah zu ihm auf. „Haben Sie ein Foto von ihm?"
„Ich glaube schon... ja, er spielte in der Quidditchmannschaft unseres Betriebes. Einen Moment." Er eilte in ein anderes Zimmer und kam schon bald mit einem Foto wieder, auf dem Zauberer und Hexen in silbernen und blauen Quidditchroben und Besen in den Händen zu sehen waren. Er deutete auf einen Zauberer auf der rechten Seite. „Das ist Gerald."
Hermione nickte. „Das ist derselbe Mann, den ich kenne. Sind Sie sicher, dass... er wirklich tot ist?"
„Unbestreitbarerweise. Ich habe seine Leiche gesehen, ich war bei seiner Beerdigung. Er ist tot."
Ihr Kopf drehte sich, und Hermione stand auf und versuchte ihre Knie davon abzuhalten, zu sehr zu zittern. „Vielen Dank." Sie drehte sich um und ging so schnell sie konnte, eilte zu dem Auto und sprang in den Fahrersitz, wo sie so viel zittern und beben konnte, wie sie wollte. Tot. Tot. Gerald starb vor einem Jahr. Wer war das dann, mit dem ich mich getroffen habe? Er sah zweifellos so aus wie der Mann auf dem Foto.
Sie hatte eine Ahnung, was das alles zu bedeuten hatte, und der Gedanke war sehr beunruhigend. Wenn irgendjemand... Allegra vielleicht... vor hatte sie auszuspionieren, dann wäre es eine ausgezeichnete Möglichkeit jemanden zu schicken, der sich auf harmlose Art und Weise in der Hausgemeinschaft einschleust. Und wieso eine gesamte Rolle erfinden, wenn man eine von einem toten Mann leihen konnte? Die Plausibilität wäre um einiges größer, und ein Zauber konnte ihn sogar so aussehen lassen, wie die Person die er vorgab zu sein. Es muss ein ausgezeichneter Zauber gewesen sein, da Hermione mehr als einmal, nun, intim mit Gerald gewesen war. Sie erschauderte und fragte sich, wer es wirklich war, mit dem sie da intim gewesen war. Mit Sicherheit war es nicht Gerald gewesen.
Wer auch immer es gewesen ist, er hat sich ganz schön viele Umstände gemacht, dachte sie. Er hat diese gesamte Party mit unechten Mitarbeitern für sie inszeniert. Schien wie mehr Aufwand als Nutzen.
Sie versuchte, den Gedanken beiseite zu schieben... sie zweifelte nicht daran, dass sie die Erklärung früher oder später bekommen würde. Sie befestigte den Kompass am Armaturenbrett des Jeeps und machte sich wieder auf den Weg.
Harry durchquerte vorsichtig die Trümmer und gab Acht, nichts durcheinander zu bringen... ein Tarnumhang erfüllte seinen Zweck nicht, wenn man losgeht, und alles, was einem im Weg liegt zur Seite tritt. Lupin hatte mit vortrefflicher Wirksamkeit getan, worum er ihn gebeten hatte, und Harry fühlte sich, als wäre er zum ersten Mal im Vorzug. Persephone, eine der verdeckten Eulen der G.A., war an diesem Morgen mit dem ersten von vielen Abteilungsberichten angekommen... stündlich erschien sie und brachte mehr und mehr üble Neuigkeiten. Überfälle, Anschläge, Diebstahl, andere verschiedenartige kleine Kriminalitäten, durchgeführt von gewöhnlichen Leuten... nichts davon hatte nach Allegras Werk gerochen, bis zu diesem Feuer.
Als er ankam, wimmelte es auf dem Platz noch immer von Muggel-Polizisten und Augenzeugen, die keine Ahnung hatten, dass dies kein gewöhnliches, durch einen Unfall verursachtes Feuer gewesen ist. Sie werden auch keine Anzeichen von Brandstiftung finden... ein Zauberer-Brandstifter hinterließ keine verräterischen Spuren von Benzin oder Brandbeschleuniger. Harry wusste es dennoch besser. Er beobachtete die Menge, suchte sie nach dem Gesicht eines Zauberers ab und fragte sich, ob er es erkennen würde, wenn er es sah.
Der Inhaber dieses Geschäfts, kürzlich noch ein Tabakladen, war einer der vielen Zauberer gewesen, die zu ihrem eigenem Schutz unter mehr oder weniger regelmäßiger Beobachtung von Harry standen. Er hatte sich jahrelang standfest geweigert in den Kreises einzutreten, worüber die Kreismitglieder nicht sehr glücklich waren. Er war einer der besten Runendeuter der westlichen Halbkugel gewesen und seine Dienste waren hochgepriesen. Kürzlich hatte er mit seinen Fähigkeiten einige G.A.-Untersuchungen unterstützt, und jetzt hatte er dafür mit seinem Leben bezahlt. Seinen Körper würde man inmitten der Trümmer finden, tot... natürlich war er tot gewesen, bevor das Feuer ausgebrochen war, getötet als Warnung für andere Zauberer, die so unverschämt sein sollen, dem Kreis ihre Dienste zu verwehren.
Harry konnte Allegras Gegenwart fast riechen, obwohl sie sich nie im Umkreis von zehn Meilen um das Geschäft aufgehalten hatte. Vor seinen Augen erschien ein Bild: Der Runen-Zauberer, der friedlich seinem Geschäft nachging, wurde von einem verhüllten und geheimnisvollen Lakai des Kreises besucht, der ihm einen weiteren Stoß Angebote und Anreiße machte, welche dieser ablehnte. Dann ging er zu dünnen, verschleierten Drohungen über, die auf taube Ohren stießen. Schließlich tötete er ihn wie befohlen und legte das Feuer. Dann verließ er das rauchende Gebäude genauso heimlich wie er es betreten hatte.
Harry ging um die Vorderseite des Gebäudes herum und achtete darauf, dass ihn der Tarnumhang vollkommen bedeckte. Der Schauplatz wurde ruhiger, als die Muggelpolizei ihre Berichte beendet hatte und die Augenzeugen gegangen waren. Harry überquerte die Vorderfront des Hauses und dachte gerade daran zu gehen, als etwas seine Aufmerksamkeit erregte... ein helles Aufblitzen goldenen Haares. Er blieb stehen und spähte über die Straße. Sorry stand auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig und beobachtete die Szenerie. Er trug Muggelkleidung und schien nichts weiter als ein Zuschauer zu sein. Am Morgen hatte Harry ihm eine Eule geschickt und ihn gefragt, ob er ihm verraten könne, wo Allegra zu finden war, hatte aber keine Antwort bekommen.
Er eilte über die Straße und stellte sich neben ihn. „Drehen Sie sich nicht um", sagte er. Sorry zuckte ein wenig zusammen, starrte aber weiter auf das brennende Gebäude. „Ich stehe rechts neben von Ihnen."
„Ich wollte Ihnen schreiben, wenn ich hier weg bin", sagte Sorry.
„Was machen Sie hier?"
„Ich frage mich nur, wo zur Hölle ich mich da bloß reingeritten habe?"
„Nun, es wird bald vorbei sein."
„Harry, ich kann Ihnen nicht sagen wo Allegra ist."
„Wieso nicht?"
„Weil ich es nicht weiß. Das ändert sich von Tag zu Tag. Der Kreis hat ein geheimes Schlupfloch, aber ich weiß nicht wo das ist, ich bin nie dagewesen."
„Wo arbeiten Sie dann?"
„Immer da, wo mir gesagt wird. Normalerweise bekomme ich eine Eule, die mir sagt, wo die täglichen Feierlichkeiten stattfinden. Bei jemandem zu Hause, am Arbeitsplatz eines freundlichen Zauberers, oder einfach irgendwo mitten im Wald."
„Dann muss ich sie wohl auf die altmodische Art und Weise finden... ich muss versuchen ihren nächsten Schritt zu erahnen."
„Nun, irgendetwas tut sich. Allegra ist gestern in die Staaten gegangen. Ich weiß nicht warum, aber es war sehr plötzlich."
„Was hat sie dazu veranlasst?"
„Ich weiß es nicht, aber es muss wichtig gewesen sein. Einer der anderen Kreis-Mitglieder ist unerwartet aufgetaucht, und nachdem er gegangen war, hat sie angefangen Pläne für die Reise zu machen."
„Wer war das Mitglied?"
„Ein Mann namens Lucius Malfoy. Den hatte ich seit Monaten nicht gesehen."
„Heilige Scheiße", flüsterte Harry.
„Was?"
„Ich kenne Lucius besser als mir lieb ist. Ich war mit seinem Sohn in Hogwarts, und Lucius hat versucht mich umzubringen. Er ist verschwunden kurz bevor er nach Azkaban sollte. Ich habe oft versucht seinen Aufenthaltsort herauszufinden, mit wenig Erfolg."
„Das überrascht mich nicht, er ist Mitglied des allerengsten Kreises. Sehr gut beschützt. Er war das erste Kreis-Mitglied, das mir angeboten hat, mit ihnen zu arbeiten."
„Weißt du etwas über seinen Sohn, Draco?"
„Ich glaube er ist tot."
Bei dieser Neuigkeit fühlte sich Harry unerwartet traurig. „Wirklich?"
„Ich bin mir ziemlich sicher. War er ein Einzelkind?"
„Ja."
„Ich weiß, dass Lucius vor Jahren einen Sohn bei einer Art Unfall verloren hat... ich glaube Schuld an seinem Tod war seine Inkompetenz und es gab viel Händeringen über den Schaden an Lucius' gutem Ruf."
Harry seufzte. „Das hätte ich Draco nicht gewünscht. Wir hatten eine Menge Meinungsverschiedenheiten, aber mit dem zunehmenden Alter besserte sich das."
„Was auch immer Sie vorhaben, ich würde Ihnen raten, einen Zahn zuzulegen. Ich kann sie vielleicht noch eine Woche hinhalten, aber nicht länger. Was auch immer Allegra zurzeit am Laufen hat, ich vermute, dass es mit der Verwandlung zu tun hat, sie hat mir gesagt, dass sie bald neue Informationen für mich haben könnte." Er zögerte. „Harry... die wissen, dass Sie auf eigene Faust handeln. Und was Ihre Pläne angeht, da machen die sich bestimmt nichts vor."
„Ohne Zweifel. Ihre Tätigkeiten sind darauf abgestimmt mich fertigzumachen, sie werden kaum überrascht sein, dass es funktioniert hat."
„Wenn Sie sie finden, dann werden sie bereit sein."
„Danke für die Warnung."
„Aber Sie haben nicht vor darauf zu achten."
„Sorry, ich weiß ihre Besorgnis zu schätzen, aber damit verdiene ich meinen Lebensunterhalt. Ich weiß was ich tue."
„Wirklich?"
„Was wollen Sie damit andeuten?"
„Nur, dass Sie emotional handeln, nicht rational. Es ist wegen Hermione, nicht wahr?"
Harry verdrehte die Augen, auch wenn es eine überflüssige Geste war, da Sorry es nicht sehen konnte. „Ich könnte mir auch ‚Ich schlafe mit Hermione Granger' auf meine verdammte Stirn tätowieren lassen. Und es geht nicht nur um sie. Allegra wird solange irgendwelche Knöpfe drücken, bis sie eine Antwort bekommt. Besser früher als später."
„Wenn Sie das sagen."
„Danke für den Hinweis."
„Nicht zu danken." Sorry schwieg und dachte nach. „Wissen Sie, ich würde mich um einiges besser fühlen, wenn ich wüsste, wie sie glauben Allegra und Voldemort ganz alleine bekämpfen zu können." Keine Antwort. „Ich weiß, dass Sie es schon mal getan haben, aber wirklich... das hier ist nicht Hogwarts." Keine Antwort. „Harry?" Sorry streckte eine Hand aus und stocherte in der Luft neben ihm herum, von wo aus Harrys Stimme gekommen war, aber da war niemand.
Hermione ging den Bürgersteig entlang und hielt den Kompass vor sich, wobei sie neugierige Blicke der Passanten erntete. Cho hatte mit ihrer Verzauberung einen großartigen Job gemacht; nicht nur, dass die Nadel in die Richtung zeigte, in die sie gehen musste, auch die Farbe des Kompasses änderte sich und zeigte die Entfernung an. Sie hatte den Jeep geparkt und war zu Fuß gegangen, als der Kompass sich blau verfärbt hatte, was bedeutete, dass Harry nur einen Kilometer von ihr entfernt war. Ihr Herz schlug aufgeregt, als sie weiterging und sich die Oberfläche grün färbte... das bedeutete nur noch hundert Meter.
Von irgendwoher stieg Rauch auf und die Straße wurde verkehrsreicher. Sie sah sich um; Polizeiautos und Feuerwehrwagen verstopften die Straße vor ihr. Offenbar hatte es dort ein Feuer gegeben, obwohl sie keine Ahnung hatte, wieso Harry hier sein sollte. Vielleicht hatte das Feuer etwas mit Allegra zu tun, dachte sie.
Sie beschleunigte ihre Schritte als sich der grüne Kompass hellgelb verfärbte... fünfzig Meter. Sie blickte die Straße hinaufm aber sah ihn nicht. Geradeaus stand ein blonder Mann mit... sie blieb wie angewurzelt stehen. Es war Sorry, der auf dem Bürgersteig stand und mit vor der Brust verschränkten Armen das ausgebrannte Gebäude betrachtete.
Sie sah hinab auf den Kompass und trat einen Schritt vor, aber dieser eine Schritt war alles, was sie tun konnte. Plötzlich schoss ein Arm aus einem Eingang neben ihr, ergriff ihren Arm und zog sie grob vom Bürgersteig, eine andere Hand legte sich über ihren Mund, so dass sie nicht schreien konnte. Die Tür zur Straße schlug zu und die Dunkelheit umhüllte sie wie ein Handschuh und ließ sie allein im Griff des Fremden.
