Da bin ich wieder - und weiter geht's. Dieses Kapitel ist übrigens eins meiner Lieblinge, ich bin mal gespannt, ob es euch genauso geht... Aber viel mehr verrate ich jetzt mal nicht, ihr sollt ja schließlich schön weiter lesen!! xD

DANKE für die letzten Reviews an: sweetbunny, oAmyBlacko, Loup, Michelle, LiaTonks, Veruca, spiritofair und Elbereth! Ihr seid super!!!

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Der Gang wieder zurück in sein Zimmer war kein besonders fröhlicher. Er schlich viel eher wie ein begossener Pudel durch die Gegend und fragte sich dumpf, was eigentlich zur Zeit mit ihm los war. Wieso war ihm dieser verfluchte Slytherin plötzlich so wichtig? Seit wann konnte ihm dieser Typ so furchtbar weh tun, nur indem er ihm sagte, dass ihn das Leben des Anderen überhaupt nichts anging - was ja auch stimmte? Noch vor einem Monat wäre ihm der Gedanke, dass er irgendwann einmal durch eine derartige Äußerung des Blonden so verletzt sein würde, völlig abwegig vorgekommen. Jetzt aber... Was war geschehen? Wieso tauchten immer wieder Bilder von ihm und Malfoy vor seinem inneren Auge auf, die so real und echt wirkten wie Erinnerungen an frühere Zeiten, wo er doch aber genau wusste, dass nichts derartiges geschehen war? Er hatte Malfoy die Ferien über nicht gesehen, da war er hundertprozentig sicher. Schließlich hatte er die ganze Zeit seit Sirius' Tod unter der Beobachtung der Weasleys gestanden, fast so als wäre er ein waidwundes Reh, das man vor weiterem Schaden bewahren musste. Woher kamen diese Tagträume also?

Er seufzte leise, schlüpfte lautlos durch das Porträt der Fetten Dame und schlich dann zu seinem Schlafraum. Zum Glück war es schon spät und der Gemeinschaftsraum daher nur spärlich besiedelt, sodass seine Anwesenheit nicht auffiel. Auch Ron und Hermine hatten es anscheinend aufgegeben, noch auf sein Auftauchen zu warten und waren wohl schon schlafen gegangen.

In seinem Zimmer angekommen entledigte er sich rasch seiner Kleidung und kuschelte sich in die warmen Decken, schloss die Augen und war auch schon bald im Land der Träume versunken.

"Wieso verrätst du mir den Zauber nicht?" quengelte er mit ärgerlich gerunzelten Stirn und setzte einen leichten Schmollmund auf, der den Blonden völlig unberührt ließ.

"Du könntest eh nichts damit anfangen", erwiderte er nur kühl und versenkte seine Nase wieder in dem Buch, murmelte irgendeine Zauberformel und wurde durch einen kleinen elektrischen Funken belohnt, der aus seinem Zauberstab heraussprang, zur nächstbesten Kerze lief und diese in Windeseile in flüssiges Wachs verwandelte.

"Wieso nicht? Denkst du, ich bin zu schwach?" hakte er aufmüpfig nach und verengte seine Augen zu schmalen Schlitzen.

Draco warf ihm einen spöttischen Blick zu und für einen Moment kam er sich wieder so vor wie damals, als in den Augen seines Gegenübers immer nur Kälte und Ablehnung gestanden hatten. "Es ist für dich vielleicht schwer zu begreifen", sagte er dann nach einer Weile, die Harry wie eine Ewigkeit vorkam, "aber es gibt Zauberformeln, die du nie beherrschen wirst, genauso wie es auch welche für mich gibt. Das hier sind dunkle Zauber, Potter, und du wirst nie genug Bosheit in dein Herz lassen, um einen solchen Spruch wirkungsvoll zu machen. Deswegen wird mein Patronus auch nie so stark sein wie deiner."

Er verfiel wieder in Schweigen und Harry starrte ihn sprachlos an. So hatte er das noch nie betrachtet. Aber wollte Draco damit etwa sagen, dass er selbst böse war?

"Dein Herz ist nicht böse", flüsterte er irgendwann und legte ihm die Hand auf die Schulter. Der Blonde schüttelte sie ab ohne Harry eines Blickes zu würdigen.

"Doch, das ist es", stellte er klar, "du bemerkst es nur nicht."

Verwirrt setzte er sich im Bett auf und rieb sich die Augen. Wenn seine Träume noch wirrer werden würden, dann würde er demnächst zu Madame Pomfrey gehen. So konnte es auf jeden Fall nicht weiter gehen.

Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es erst kurz nach vier Uhr in der Früh war und er daher noch einige Stunden Schlaf verdient hatte - noch dazu, da Samstag war und sie sowieso keine Schule hatten. So rollte er sich wieder in seinem Bett zusammen, zog die Decke über seinen Kopf und senkte die Lider.

Er sah atemberaubend aus.

Seine Haare glänzten in einem silbrigen Blondton und fielen ihm leicht in die Stirn, um dort die edel-blasse Haut zu verdecken. Die Augen strahlten wie eh und je hell wie zwei vom Mondlicht beschienene Kieselsteine und seine schmalen Lippen lächelten ein kleines, verführerisches Lächeln, das er nur zu gut kannte.

Sein dunkelgrünes Hemd war nicht ganz aufgeknöpft und ließ einen Blick auf seine sich treffenden Schlüsselbeine zu. Er hatte es zudem leger hochgekrempelt, sodass seine wohldefinierten Unterarmmuskeln voll zur Geltung kamen. Um das Outfit zu vervollständigen, trug er eine schlichte schwarze Hose mit einem lockeren Ledergürtel und schwarze Lederschuhe. Von Kopf bis Fuß der Traum einer jeden Frau und jedes schwulen Mannes, makellos und faszinierend in seiner Eleganz.

Harry stand am anderen Ende des Saales, sein Glas Sekt so fest in der Hand, das es Gefahr lief bald zu zerbersten, und wandte den Blick ab. Nicht er war es, dem Dracos Lächeln im Moment galt, nicht er konnte die leise geflüsterten Worte hören, die dort ausgetauscht wurden, nicht er war es, der die kühle Hand des Slytherins in seiner hielt.

Nein, dort stand Fleur Delacour, hielt offensichtlich sehr selbstzufrieden mit dem Blonden Händchen und amüsierte sich prächtig. Kein Wunder - jedes Mädchen (und wohl auch einige Jungen) beneideten sie maßlos um ihre Position. Wer hatte schon jemals einen derart gelösten Draco Malfoy erlebt? Da - jetzt lachte er sogar! Ein wohlklingendes, silbernes Lachen, das nur so von seinen Lippen runterperlte und die Mädchen in näherer Umgebung des gutaussehenden Magiers zu einem haltlos bewundernden Aufseufzen veranlasste.

Harry ging es nicht viel anders. Steif stellte er sein Glas auf die Theke und verließ den Raum.

In der Eingangshalle lehnte er sich schwer atmend gegen eine der Säulen und schloss die Augen. Das alles gefiel ihm nicht, sogar überhaupt nicht. Es half ihm herzlich wenig, dass er genau wusste, dass Draco sich nun einmal so verhalten musste - die Eifersucht zerfraß ihn von innen heraus und er fragte sich beklommen, wieviel von der Gelöstheit des Blonden gespielt war und wieviel seinen wahren Gefühlen entsprach. Hatte der Slytherin in seiner Gegenwart jemals so glücklich ausgesehen wie dort mit der hübschen Teilveela? Er seufzte leise und senkte den Kopf.

Ein Finger legte sich unter sein Kinn und hob es an, und Harry hätte die Augen nicht zu öffnen brauchen um zu erkennen, wer dort plötzlich vor ihm stand. Der Geruch, die überwältigende Präsenz und sein eigener Körper, der so vorbehaltlos auf sein Gegenüber reagierte, waren genug Anhaltspunkte. Trotzdem öffnete er langsam die Augen um gleich darauf dem forschenden Blick ohne Zweifel meistbewunderten Mannes des Abends zu begegnen.

"Du machst dir zuviele Gedanken", flüsterte der Blonde leise, "und das über Dinge, derer du dir sicher sein kannst. Völlig sicher." Er lächelte, jenes kleine anbetungswürdige Lächeln, dem einfach niemand widerstehen konnte und das sicherlich ganze Gletscher zum Schmelzen gebracht hatte. Ganz kurz nur, viel zu kurz für Harrys Geschmack, streiften Dracos Lippen die seinen und das Glitzern kehrte in Harrys Augen zurück. Gut, Fleur würde ihn für den heutigen Abend haben - er aber hatte ihn für die Ewigkeit.

Als Draco wieder in den Saal zurückkehrte und Harry ihm ein paar Minuten später folgte, war der Anblick von Draco und Fleur zwar immernoch schmerzhaft für ihn, aber es war ein erträglicher, bittersüßer Schmerz, den er mit einem Lächeln über sich ergehen ließ. Wie immer hatte der Slytherin genau gewusst, was er zu sagen und zu tun hatte, um ihm seine Last zu erleichtern.

Wieder saß er kerzengrade im Bett und starrte entgeistert auf die Vorhänge um sein Bett. Diese Träume machten ihn noch wahnsinnig! War er etwa dabei, seinen Verstand zu verlieren? Hatte irgendwer ihn verzaubert? Entnervt wandte er seinen Blick auf die Uhr auf seinem Nachtisch, nur um dann mit einem Seufzen festzustellen, dass es erst halb Sechs war. Ganz großartig.

Da ihm der Gedanke auf weitere Träume in der Art wie seine letzten beiden nicht unbedingt behagte, warf er müde die Decke zurück und zog sich rasch seine Robe an. Er würde am besten jetzt sofort mit Madame Pomfrey reden, vielleicht konnte sie ihm ja sagen, was mit ihm los war.

Langsam und innerlich noch immer mit seinen merkwürdigen Träumen beschäftigt erreichte er die Krankenstation, klopfte zögerlich an die Tür und trat dann ein. Was er sah, ließ seine Augen rund wie Untertassen werden.

"Draco...", hauchte er kaum hörbar, sich nicht einmal dessen bewusst, dass er seinen so genannten Erzfeind plötzlich beim Vornamen anredete.

Dort lag der Slytherin, sich unruhig in einem der Betten hin und her werfend und leise zusammenhanglose Satzfetzen vor sich hinmurmelnd. Von der Medi-Hexe keine Spur.

Vorsichtig trat Harry näher an das Bett heran und runzelte leicht die Stirn. Das hier war anscheinend nicht die erste Nacht, die der Blonde auf der Krankenstation verbrachte - entgegen all den anderen Betten waren seine Decken und Kissen mit feinster, dunkelgrüner Seidenbettwäsche bezogen und der Nachttisch neben seinem Bett beherbergte neben ein paar Pillenschälchen auch einige persönliche Dinge, wie zum Beispiel ein gerahmtes Photo. Dieses Bild allerdings war unscharf und schien dauernd in Bewegung zu sein, nichts darauf hatte scharfe Konturen, und Harry fragte sich unwillkürlich, was bei Merlin an diesem Photo so besonders war.

Draco murmelte weiter vor sich hin und wie von selbst legte der Gryffindor ihm beruhigend eine Hand auf die Stirn, was er jedoch sofort bereute - kaum hatte seine Haut die des Slytherin berührt, schlug dieser auch schon die Augen auf und starrte ihn an. Harrys Mund wurde plötzlich trocken und ihm fiel absolut nichts ein, wie er seine Anwesenheit hier hätte erklären können, als sich der Ausdruck auf dem Gesicht des Blonden plötzlich änderte und ein anziehendes Lächeln über seine Züge huschte.

"Endlich", flüsterte er glücklich und hob die Hand, um sanft mit seinem Finger Harrys Unterkiefer nachzuzeichnen. Erst jetzt bemerkte dieser, dass die sonst so klaren grauen Augen des Slytherin seltsam verschleiert und abwesend wirkten und begriff ein wenig verspätet, dass Draco anscheinend unter einer Art Droge stand. Diese Gedanken wurden aber sofort aus seinem Kopf gewischt, als der Blonde seine Finger plötzlich in seinen Nacken wandern ließ und seinen Kopf immer tiefer zog.

Harrys Augen wurden riesengroß vor Überraschung und er kam nicht einmal dazu, sich zu wehren - falls er es überhaupt gewollt hätte - bis sich ihre Lippen in einem langen, sehnsuchtsvollen Kuss trafen. Als Harry sich erstarrt wieder von dem Slytherin löste, war dieser bereits wieder eingeschlafen.