A/N: Sorry, dass dieses Update so lange auf sich warten liess! Vielen Dank an die, welche Kommentare geschrieben haben, es tut dem Schreiberling gut und spornt an. Nehme auch gerne Ideen entgegen.

Nun aber: viel Spass beim Lesen!


Kapitel 10 – Von scheusslichen Überraschungen

Samstag, 20.3.1999 / Hermione

Ich habe den Zaubertrank nicht genommen. Zwei Tage nach unserem angenehmen Bad hat meine Periode eingesetzt. Will heissen, dass jetzt meine ‚gefährlichen' Tage sind! Na ja, normalerweise wären, aber jetzt fühle ich mich wirklich seltsam sorgenfrei, und als ich Harry im Bett an mich ziehe, frage ich mich noch kurz, ob sich unser Sex etwas anders anfühlen wird als sonst. Jetzt wollen wir ja, dass etwas passiert. Ich sage nichts davon, denn normalerweise hat er kaum einen blassen Schimmer, wie mein Zyklus funktioniert. Natürlich kennt er die Theorie, aber jedes Mal, wenn ich erwähne, dass meine Periode eingesetzt hat, ist er ziemlich überrascht und fragt das eine oder andere Mal, ob ich die denn nicht grade eben gehabt hätte. Da er kaum weiss, wann ich menstruiere, nehme ich nicht an, dass er sich ausrechnet, wann ich einen Eisprung haben könnte.

Vielleicht gebe ich die Message aber mit meinem Verhalten durch, denn ich ziehe ihn auf mich. Das ist normalerweise nicht meine liebste Stellung. Er schaut mich auch entsprechend verwundert an.

„Seit wann magst du denn diese Stellung am Anfang?" fragt er und küsst mich.

„Hin und wieder mag ich sie, das weisst du doch. Ich spüre gern dein Gewicht auf mir," gebe ich zurück.

„Nicht, dass ich mich beklage," sagt er grinsend, „das gibt zur Abwechslung mir ein bisschen mehr Kontrolle."

Ich werde es ihm doch sagen. Hinterher. Jetzt kann ich wirklich an nichts denken, als daran, ihn in mir zu fühlen. Über drei Jahre sexuelle Erfahrungen haben aus uns inzwischen ein erfahrenes Paar gemacht, wir wissen genau, welche Knöpfe wir wann drücken müssen, um beim Partner Reaktionen auszulösen. Bevor wir sie auslösen, geniessen wir es jedoch, alles ein bisschen hinauszuzögern.

Als wir nach dem Höhepunkt zu einem Haufen an Gliedern und Leibern zusammenfallen und uns zu einem letzten Kuss vor dem Einschlafen in die Arme nehmen, teile ich es ihm mit:

„Ich könnte heute empfangen haben, Harry. Wenn nicht, dann wäre dies der Moment, um zurückzukrebsen und noch zu warten…"

Doch sein Gesicht zeigt ein breites Grinsen. Er zieht mich noch fester an sich und küsst mich auf meinen Hals und dann auf den Mund, bevor er flüstert:

„Kommt gar nicht in Frage, Liebste! Ich bin jetzt waghalsig und kann es gar nicht erwarten, zu treffen!"

„Oh Harry, ich fühle genauso! Ich möchte es dir so gerne geben. Und mir selber natürlich auch. Es wird so viel Spass machen, unser Kind gleichzeitig mit deinen Geschwistern und Remus' und Sirius' Kindern aufwachsen zu sehen. Und hoffentlich auch mit einigen Kindern von unseren Freunden. Aber vielleicht werden wir's einige Male versuchen müssen, bevor's einschlägt…"

„Spielt doch keine Rolle, Liebste. Weisst du, irgendwie fühlt es sich anders an, so ohne Verhütung. Und ich mag es sehr, dass du dich den Teufel drum scherst, ob und wann es passiert…"

Harry

Da hat sie mir eine reingelangt… ich könnte aber singen! Was für ein unglaubliches Gefühl, in ihr zu sein und dabei zu versuchen, genau das zu erwirken, was wir normalerweise sorgsam verhindern! Nach dem Sex halte ich Hermione in den Armen und wir küssen und streicheln uns für eine lange Zeit. Ich habe mich schon immer für zärtlich gehalten, aber ich glaube, jetzt werde ich noch um einige Grade zärtlicher. Irgendwann in der nächsten Zeit wird sie unser Baby empfangen. In meinem Kopf nimmt es jetzt schon Gestalt an. Es ist noch ein überwältigender und befremdender Gedanke, aber schon fange ich an, mich daran zu gewöhnen. Ich frage mich, warum es so fremd ist und gleichzeitig bekannt? Wir dachten, dass die Kleinen in der Familie uns helfen würden, bis nach unserem Studium zu warten, aber wir haben beide entschieden, dass wir so lange nicht warten wollen. Das heisst wohl, dass wir beide dazu bereit sind, eine Familie zu gründen. Natürlich ist es noch zu früh, um uns über die Grösse der Familie Gedanken zu machen, aber eines ist sicher: ich will kein Einzelkind. Ich habe den schweren Verdacht, dass das auch für Hermione gilt. Wir wissen, dass wir viel Zeit haben werden, also können wir die Abstände zwischen den Kindern etwas grösser gestalten. Madam Pomfrey sagt, dass es durchaus normal ist, wenn eine Hexe um die 80 Jahre ihr letztes Kind bekommt. Ich stelle mir McGonagall hochschwanger vor! Hey, sollte ihr Mann auch zurückkehren, dann könnte das sogar noch was werden!

Es ist eine unglaubliche Vorstellung, aber jetzt wird mir erst richtig klar, dass wir die Möglichkeit haben, doppelt so lange zu leben wie andere Menschen. Nachdem ich das mal kapiert habe, habe ich auch begriffen, warum es so logisch ist, in diesem vorgerückten Alter noch Kinder zu haben. Wenn man so um die 170 Jahre alt werden kann, dann hat man mit 60 ja grade erst ein gutes Drittel seines Lebens gelebt. Darüber habe ich noch nie nachgedacht, obwohl ich ja wusste, dass Professor McGonagall über 70, Professor Flitwick über 110 ist, und Professor Dumbledore sogar über 150 Jahre in den Knochen hat, und ihm scheint's immer noch sehr gut zu gehen.

Jedenfalls hat es unseren Sex noch einmal ein bisschen verändert. Er ist nicht eigentlich anders, aber da ist vielleicht ein bisschen mehr Tiefe? Auf jeden Fall sehr viel mehr Gefühl. Hey, Hermione sollte diejenige sein, die von den Hormonen attackiert wird, nicht ich, warum bin ich so sentimental?

Wir schätzen einander jetzt noch mehr als je zuvor!

Sonntag, 21.3.1999 / Quintus

Ich werde für einige Tage zu Remus, Sirius und den Kleinen nach Hogwarts gehen. Ich brauche immer noch meine Stärkungszaubertränke. Ich weiss immer noch nicht, wie ich mein Leben ohne meine geliebte Frau einrichten werde, aber im Moment geniesse ich einfach mal meine Enkelkinder. Was für eine wunderbare Sache das ist! Ich hätte mir nicht einmal im Traum einfallen lassen, dass mein schwuler Sohn mich eines Tages doch zum Grossvater macht. Doch da sind zwei kleine Wesen, die mich sicher schon bald mit Grand-Papa ansprechen werden, ich kann kaum ausdrücken, wie sehr ich mich schon darauf freue.

Wo ich wohnen werde, weiss ich noch nicht. Es gibt einige Möglichkeiten. Ich könnte zum Beispiel Remus' und Sirius' hübsches kleines Haus übernehmen. Es ist in Essex, somit nahe bei London. Morgen werde ich meinen früheren Chef besuchen, der immer noch die Mysteriumsabteilung leitet, und der, als ich ihm letzte Woche eine Eule geschickt habe, nur mit der Gegenfrage geantwortet hat, wann ich anfangen könne/wolle. Das hat so ziemlich alle zum Lachen gebracht. Da ich fast von Natur aus ein Forscher bin, habe ich meine Arbeit dort immer geliebt und so freue ich mich, wieder in den alten Beruf zurückzukehren.

Remus und ich gehen hinauf zu Dumbledore. Er war bisher mit den Vorbereitungen für seinen Ruhestand zu beschäftigt gewesen, um mich auf der Sunnegg zu besuchen. Jetzt betreten wir das Büro, das ich ein einige Male besucht habe, während mein Sohn hier zur Schule ging. Meistens, um auf Aufforderung von Madam McGonagall die Streiche zu besprechen, welche mein Sohn mit seinen Freunden allen in der Schule spielten.

„Es ist wunderbar, Sie wieder lebend zu sehen, Quintus!" sagt Albus freundlich. Wir schütteln die Hände.

Dann beschwört er einen Tee herauf und wir setzen uns um einen kleinen, runden Tisch.

„Danke, Albus. Es fühlt sich auch sehr gut an, vor allem, weil ich zu solch friedlichen Zeiten zurückkehren durfte. Und meinen Sohn so glücklich anzutreffen, das war wohl mit das Schönste."

„Ja, ich würde sagen, dass ich ihn seit dem Ende seiner Schulzeit nie mehr so glücklich gesehen habe," meint auch Dumbledore.

„Ich musste grade dran denken, dass ich dieses Büro nur dann gesehen habe, wenn er in Schwierigkeiten steckte. Was zum Glück nicht sehr oft der Fall war."

„Nur, weil sie mich selten erwischt haben, wie du wohl weisst, Papa," wirft Remus ein, was uns zum Lachen bringt.

„Ich hatte aber ziemlich oft das Gefühl, dass du hinter einem Streich stecktest, Remus, aber es gab meistens einen auffälligen Mangel an Beweisen dafür," bemerkt Dumbledore.

„Das wäre dann wohl deshalb, weil ich, im Gegensatz zu meinen weniger geschickten Freunden, immer wusste, wie ich meine Spuren zu verwischen hatte, Albus. Das kann ich heute locker zugeben."

„So lange du deinen Kleinen diese Tricks nicht beibringst, bist du fein raus," sagt Albus mit einem Lächeln.

Wir lachen wieder, aber Remus hat immer noch eine letzte Bemerkung:

„Du glaubst ja wohl nicht im Ernst, dass ich den Ast absäge, auf dem ich sitze, Albus? Das können die mal eines Tages alles selber rausfinden – wenn sie können."

„Sie sind bestimmt sehr glücklich, Enkelkinder zu haben, nicht wahr, Quintus?" fragt Albus mich.

„Oh ja, es ist wunderbar. Sie gewöhnen sich an mich und ich werde sie oft sehen. Fanny und ich wollten eigentlich gerne noch mehr Kinder haben, doch dann wurde Remus gebissen und wir wollten einfach wirklich für ihn da sein, so lange er uns brauchte. Und dann war Krieg und wir haben uns gesagt, dass es wohl besser wäre, bis nach dem Krieg zu warten. Das wäre jetzt…"

„Geben Sie die Hoffnung nicht auf, Quintus. Es könnte länger dauern, aber wenn der Zauberstab, in dem die Seele Ihrer Frau sitzt, im Besitz des Ministeriums ist, dann kommt auch sie zurück," sagt Albus freundlich.

„Das ist es, was ich mir jeden Tag einrede."

„Haben Sie sich wieder etwas eingelebt?"

„Nur grade eben. Ich habe noch eine Menge Dinge zu erledigen. Immerhin habe ich eine Grundausstattung an Kleidern und meinen neuen Zauberstab."

„Das ist schon mal das Wichtigste. Wissen Sie schon, wo Sie wohnen werden?"

„Noch nicht sicher. Ich könnte in Remus' und Sirius' Haus ziehen. Oder ich bleibe in der Schweiz, ich weiss es noch nicht. Ich habe aber immerhin schon Fannys Verwandte besucht, mit denen Remus zwar selten, aber immerhin in Kontakt geblieben ist. Sie haben sich alle gefreut und hoffen nun natürlich, dass auch Fanny wiederkehrt."

Ich werfe einen Blick auf meinen Sohn, der grinst. Ich kann mich immer noch nicht satt sehen an ihm! Ich bin so stolz auf Remus und ich weiss, dass Fanny ebenso stolz und entzückt sein wird.

„Auf jeden Fall werde ich in die Mysteriumsabteilung zurückkehren. Morgen besuche ich Tiberius."

„Ach ja, Tiberius Vance – er ist immer noch der Leiter der Abteilung, nicht wahr? Er muss noch älter sein als ich selber..."

„Was ist eigentlich dein Kriterium, um das zu bestimmen, Albus? Ob du jemanden als Schüler kanntest oder nicht?" fragt Remus frech.

Doch Albus lacht nur.

„So ungefähr. Jedenfalls ist die Antwort auf diese Frage ein Kriterium von mehreren. Ich bin jetzt schon so lange in Hogwarts zugange... ich glaube, es ist wirklich Zeit, dass ich meinen Platz jüngeren Leuten einräume, nicht wahr?"

„Das ist an dir zu entscheiden, Albus. Aber du hast dir sicher einen schönen Ruhestand verdient!" bemerke ich.

Mittwoch, 24.3.1999 / Remus

Papa wird zunächst auf der Sunnegg wohnen. Er hat seinen früheren Chef besucht und mit ihm abgemacht, dass er Anfang Juni wieder anfangen wird zu arbeiten. Tiberius Vance ist der Ur-Urgrossvater von Emmeline Vance. Er hat Papa mit offenen Armen wieder in seinem Team aufgenommen. Wenn er sich also wieder vollkommen erholt hat, kann er wieder arbeiten. Wobei ich der Ansicht bin, dass Papa dort viel eher seinem liebsten Hobby nachgehen wird, nämlich dem Schmökern in Büchern und der Forschung.

Wir haben begonnen, die Kinder nicht mehr in die Grosse Halle mitzunehmen. Ich mag es wirklich nicht, sie in unserer Wohnung zurückzulassen, aber wir haben uns dazu entschlossen, weil sie so schon privilegiert genug sind, da sie in Hogwarts aufwachsen. Sie werden es so schon einfacher haben als andere Kinder, wenn sie einmal hier in die Schule kommen. Aber es fällt schon schwer, sie so zurückzulassen. Und noch schwerer, damit auch von meinem Liebsten getrennt zu essen. Doch Sirius tut sicher das Richtige, denn einer von uns sollte nach wie vor bei ihnen sein. Ich werde trotzdem versuchen, ab und zu bei ihnen zu bleiben.

„Remus, wo hast du denn Sirius und die Kinder?" fragt Minerva.

„Die Kinder sollten nicht mehr in die Grosse Halle zum Essen kommen, Minerva, sie beginnen jetzt, ihre Umgebung besser wahrzunehmen und deshalb wollen wir sie vermehrt drüben in unserer Unterkunft haben und weg vom allgemeinen Schulbetrieb. Wir wollen, dass sie Hogwarts als Schüler erforschen und nicht vorher."

„Ach, das ist sehr vernünftig, Remus, da habt ihr beiden recht. Sie würden nicht mal wissen, wie sehr ihnen vieles von dem Spass, Hogwarts zu entdecken, genommen würde, wenn sie es vorher schon kennten."

„Genau."

„Aber warum isst du denn nicht bei ihnen?"

„Ich dachte, einer von uns sollte zumindest noch hier sein."

„Aber du solltest auch bei deiner Familie sein, Remus. Wenigstens am Abend!"

„Werde ich auch. Ich vermisse sie entsetzlich!"

Minerva lacht.

„Du bist eben ein guter und engagierter Vater, Remus. Ich bin sicher, dass du sie ausgezeichnet grossziehst."

„Danke. Ich glaube, zumindest im Moment kommen wir noch wirklich gut mit ihnen klar. Aber bisher machen sie es uns auch wirklich einfach. Ich habe keine Ahnung, was wir getan haben, um so brave und liebe Kinder zu bekommen."

Sie lächelt.

„Sie sind wirklich aussergewöhnlich, Remus. Vielleicht, weil sie aussergewöhnliche Eltern haben?"

„Vielen Dank für die Blumen, Minerva! Ich bin sicher, dass sie uns eines Tages noch alle Hände voll zu tun geben werden. Aber zur Zeit sind sie wirklich noch kleine Schätzchen."

Neville und Pomona Sprout kommen zum Lehrertisch. Neville strahlt übers ganze Gesicht. Er hat die Ferien, die er noch zu gut hatte, nicht mal genommen, um schon gleich mit Pomona anfangen zu können.

„Hallo, Neville. Na, wie war dein erster Morgen als Lehrer?" erkundige ich mich.

„Grossartig! Alles Sechst- und Siebtklässler. Obwohl es schon ein bisschen komisch war, die zu unterrichten, schliesslich waren sie ja eben noch Schulfreunde."

„Das wird sich bald geben."

Er erzählt mir, wie der Vormittag abgelaufen ist, und ich stelle ihm einige Fragen. Ich bin froh, hat er hier ein neues Zuhause gefunden. Ich bin überzeugt, dass er ein sehr guter Lehrer sein wird und bald so beliebt sein wird wie Pomona.

Montag, 29.3.1999 / Sirius

Beim Frühstück höre ich das Geräusch einer Eule am Fenster des Wohnzimmers zum Hof. Ich öffne das Fenster mit meinem Zauberstab und der Vogel kommt herein geflogen. Er lässt einen Brief auf den Tisch fallen und fliegt sofort wieder davon. Ich mache den Umschlag mit meinem Messer auf und ziehe den Brief heraus. Er kommt von der Gringotts Bank:

Sehr geehrter Mr. Black,

Seit Sie von allen Ihren Anklagen freigesprochen wurden, haben wir erwartet, dass Sie von uns Aufklärung über den Zustand der Black Familienkonten wünschen, bisher haben Sie sich jedoch noch nicht bei uns vorgestellt. Wir erlauben uns daher, Sie einzuladen, mit dem Unterzeichnenden Kontakt aufzunehmen, damit wir die Verhältnisse näher diskutieren können. Wir können Sie jederzeit empfangen.

Mit freundlichen Grüssen

Mr. Tookook

Verantwortlicher für die Black Familienkonten

Gringotts Bank"

Ich halte es für das Beste, diese Sache nicht liegen zu lassen und werde mich also noch gleich heute mit denen in Verbindung setzen. Ich trage meinen Schülern in meiner Abwesenheit Selbststudium und das Brauen eines ziemlich einfachen Zaubertranks auf und informiere beide, Albus und Minerva, über die Notwendigkeit, mich in die Diagon Alley abzusetzen. Ich benutze die Floo-Verbindung und gehe direkt zur Bank.

Dort gehe ich zunächst an einen Schalter und verlange Mr. Tookook zu sehen. Der kommt auch alsbald und stellt sich vor, dann führt er mich in ein Besprechungszimmer.

„Danke, dass Sie gleich auf unser Schreiben geantwortet haben, Mr. Black. Sie wissen natürlich, worum es geht. Wir möchten die Erbangelegenheit Black abschliessen können. Da Sie der einzige Erbe sind, wird alles Ihnen zukommen. Ausser denen, die Sie in den letzten Jahren schon benutzt haben, gibt es leider noch eine nahezu unübersichtliche Menge an Verliesen, die alle der Kernfamilie Black gehören. Wir benötigen nun Belege, dass Sie auch auf diese Konten Zugriff nehmen können."

„Ich möchte Sie um Verzeihung für etwaige Umstände bitten, die ich durch mein Fernbleiben verursacht habe, Mr. Tookook! Ich hatte überhaupt nie daran gedacht, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, hier mal vorzusprechen."

„Oh, es hat wirklich keine Umstände für uns gemacht. Vielleicht eher für Sie, aber durch Ihre Untätigkeit haben sich auf den Konten auch still und leise einige Zinsen angehäuft," antwortet er höflich, aber offensichtlich erfreut über meine Entschuldigung.

„Nun, mein Problem ist, dass ich seit meiner Rückkehr am Ende meines fünften Schuljahres in Hogwarts nie mehr in meinem Elternhaus war. Ich werde mich also dahin begeben und mich dort schlau machen müssen, wo sich diese Unterlagen alle befinden. Was genau benötigen Sie denn?"

„Testamente, Kaufverträge, Besitzurkunden, Verliesschlüssel, irgendwas, das bestätigt, dass Sie der rechtmässige Besitzer eines Verlieses sind. Hier ist eine Liste aller Verliese, die der Kernfamilie Black zugeschrieben werden. Wenn Sie mir dafür irgendwelche Unterlagen anbringen, so werden wir diese gerne prüfen und Ihnen danach eine überarbeitete Liste der Konten und Verliese geben. Sie werden dann alle auf Ihren Namen lauten. Durch Ihre Haft und der Tatsache, dass es keinen anderen direkten Erben gab, konnten wir die Angelegenheit bisher nicht abschliessen, und so lange der berechtigte Erbe lebt, bleiben die Konten für alle ausser den Erben gesperrt. Deshalb hatten Sie bisher ungehinderten Zugang."

Ich überfliege die Liste kurz und falle fast in Ohnmacht! Es gibt etwa fünfzig Verliese auf meinen Namen! Einige lauten noch auf Namen von Vorfahren, die ich kenne, einige kenne ich gar nicht, aber die meisten lauten noch auf den Namen meines Vaters. Ich verspreche:

„Nun, da habe ich meinen Teller ja ordentlich mit Arbeit gefüllt... ich werde mich dahin verfügen und so bald ich kann, komme ich mit den Unterlagen wieder zurück. Gestatten Sie mir einige Tage Zeit? Ich werde mich ins Büro meines Vaters vorwagen müssen, ein Reich, welches ich als Kind tunlichst gemieden habe!"

„Aber natürlich! Nachdem wir nun mit Ihnen gesprochen haben, wissen wir, dass etwas geht und überlassen die Terminierung Ihnen. Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie mich kontaktierten, sobald Sie bereit sind. Ausserdem rate ich Ihnen, sich mit Ihrem Familienanwalt in Ihr Elternhaus zu begeben, damit alles seine Richtigkeit hat."

„Ja, diesen Rat werde ich befolgen. Vielen Dank, Mr. Tookook, für Ihren Beistand und guten Rat!"

Nachdem ich daheim wieder angekommen bin, gehen gleich zwei Briefe hinaus. Einer geht an die Kanzlei des Familienanwalts, Griffiths & Vaughan, eine uralte Kanzlei, die meine Familie schon seit Jahrhunderten vertritt. Ich weiss, dass sie keine Todesser sind, denn sie haben sich immer aus solchen Dingen herauszuhalten gewusst. Ich lade also Mr. Ethan Griffiths, den gegenwärtigen Chef der Firma, ein, mich morgen Abend in Hogwarts zu besuchen und mir für einige Rechtsfragen zur Verfügung zu stehen. Der zweite Brief geht an den Anwalt meiner eigenen Wahl, den ich bereits von meinem Onkel Alphard übernommen habe, Mr. Lynton. Ich denke daran, auch die Angelegenheiten der Familie Black in dessen Kanzlei zu wechseln, aber diese Entscheidung fälle ich, wenn ich mit Mr. Griffiths gesprochen habe. Die Briefe gehen hinaus und kaum eine Stunde später habe ich Mr. Lynton am Commumirror.

„Hallo, Mr. Black! Es freut mich sehr, wieder einmal von Ihnen zu hören. Ich wollte die Gelegenheit wahrnehmen, um Ihnen zu sagen, dass Sie da etwas sehr Gutes tun, um die ganze Angelegenheit in Ordnung zu bringen. Ich möchte Sie aber daran erinnern, dass Sie dann vielleicht mit Ihrem Partner auch noch einmal über Ihre gegenseitigen Vereinbarungen und über die Vorsorgeeinrichtungen, die Sie für Ihre Kinder aufgestellt haben gehen sollten."

„Guten Tag, Mr. Lynton. Besten Dank für Ihren Anruf. Mich würde interessieren, ob Sie oder einer Ihrer Partner vielleicht bereit wären, mich am nächsten Samstag auf eine Expedition für einen ersten Augenschein in mein Elternhaus zu begleiten. Ich werde morgen vermutlich Mr. Griffiths sehen und auch ihn dazu einladen."

„Natürlich können wir etwas Derartiges abmachen. Ich selber werde an diesem Tag zwar abwesend sein, aber ich kann Ihnen garantieren, dass Sie meinem jungen Partner, Mr. Quigley, den Sie möglicherweise noch von Hogwarts her kennen könnten, dasselbe Vertrauen wie mir entgegenbringen können."

„So auf die Schnelle kann ich mich nicht an ihn erinnern, aber sicher dann, wenn ich ihn sehe. War er in meinem Jahr? Ich habe Hogwarts 1978 abgeschlossen."

„Nein, er war wohl eher zwei oder drei Jahre vor Ihnen. Und in Ravenclaw."

„Dann kann es gut sein, dass ich mich gar nicht erinnere. Aber wenn Sie ihn mir empfehlen, dann ist es so in Ordnung für mich. Ich werde wirklich Unterstützung benötigen, wenn ich mich in dieses Haus wage."

„Dann ist es abgemacht. Ich werde Mr. Quigley benachrichtigen, damit er Sie anruft, um den Treffpunkt zu bestimmen."

Mr. Quigley ist auch bereits einige Minuten später am Commumirror und wir machen ab, uns am Samstag im Tropfenden Kessel zu treffen.

Der nächste Anrufer ist Mr. Griffiths. Ich habe noch nie zuvor mit ihm gesprochen und mein erster Eindruck ist neutral.

„Mr. Sirius Black?"

„Der bin ich..."

„Guten Abend, Sir. Mein Name ist Ethan Griffiths. Sie haben mir heute Nachmittag eine Eule geschickt..."

„Stimmt! Danke für Ihren Anruf, Sir. Da wir noch nie miteinander gesprochen haben, wollte ich Sie um eine kurze Zusammenfassung der Aktivitäten Ihrer Kanzlei in den letzten Jahren für meine Familie bitten."

„Das letzte Mal, dass wir tätig wurden, war, als wir das Testament Ihres Vaters aufsetzten. Es ist beglaubigt und hier in unserer Kanzlei. Ich habe schon eine Kopie davon gemacht, welche bereit ist, an Sie abzugehen, wenn Sie eine wünschen. Kennen Sie die Statuten Ihrer Familie und wissen Sie, was sie enthalten?"

„Nur teilweise. Ich erinnere mich, dass mein Onkel Alphard mir einige der Paragraphen erklärt hat. Aber ich wäre an einer vollständigen Kopie interessiert. Also hat mein Vater ein Testament gemacht?"

„Ja. Obwohl die Statuten ein eigentliches Testament ziemlich überflüssig machen, denn es können nur persönliche Besitztümer an Aussenstehende vererbt werden. Daher enthält das Testament keinerlei Überraschungen. Ihr Vater hatte keine andere Wahl, als Sie zum Universalerben einzusetzen, da er Sie gemäss den Familienstatuten nicht enterben durfte."

„Dann bedanke ich mich im Voraus dafür, dass Sie mir die entsprechenden Dokumente zusenden, ich würde sie gerne durchsehen. Gringotts hat mich angeschrieben, um die Angelegenheit endlich abschliessen zu können. Sie möchten die Verliese endlich auf meinen Namen übertragen und wollen deshalb alle möglichen Unterlagen, welche belegen, dass ich jetzt der rechtmässige Eigentümer der Verliese bin. Gibt es solche Beweismittel auch in Ihrer Kanzlei?"

„Das ist durchaus möglich. Wir stellen Ihnen diese Unterlagen gerne zur Verfügung. Wir werden unser Archiv danach durchsuchen."

„Gut, dann sende ich Ihnen eine Liste mit den Verlies-Nummern, damit Sie auch wissen, wonach Sie suchen sollen. Ich werde mich nach Grimmauld Place begeben müssen und habe das für Samstag geplant. Da mein Onkel seine und meine Rechtsangelegenheiten der Firma Lynton, Quigley & Blake übergeben hat, habe ich bisher diese Kanzlei benutzt, ich habe mich mit Mr. Quigley verabredet, dass er mich in mein Elternhaus begleiten wird. Wären Sie daran interessiert und bereit, mich ebenfalls zu begleiten, Sir?"

„Ja, das wäre ich, denn ich vertrete ja die Familie Black. Wann und wo treffen Sie sich?"

„Am Samstagmorgen um acht Uhr im Tropfenden Kessel Ich werde vermutlich mit einer grösseren Gruppe kommen, denn ich erwarte, dass ich viel Unterstützung benötigen werde, um das Haus zu durchkämmen, daher wird mich ein Teil meiner Wahlfamilie begleiten. So schaffen wir die Arbeit sicher viel schneller."

„Dann werde ich Ihre Unterlagen bis am Samstag bereit haben und Sie dort zum vereinbarten Zeitpunkt treffen, Sir."

„Vielen Dank, Mr. Griffiths."

Nun, das ist festgenagelt. Remus schaut mich an und bemerkt:

„Das wird nicht eben lustig werden. Versuch besser, möglichst viele der Sunnegg-Bande zusammenzubringen."

„Das werde ich auch gleich tun!"

Ich nehme den Floo zu den Drei Besen und appariere auf die Sunnegg. Der versammelten Bande erkläre ich, worum es geht und sofort sagen James, Mandy, Harry, Hermione, Blaise, Padma und Quintus zu, mir zu helfen. Weil auch Lily mitkommen möchte, verspricht Ginny, auf die Kinder aufzupassen.

„Vielen Dank, ihr Lieben! Ich könnte dort einfach nicht alleine hinein, nicht mal mit den Anwälten! Treffpunkt ist im Tropfenden Kessel am Samstag um acht Uhr."

„Wir werden da sein."

Mittwoch, 31.3.1999 / Remus

Heute Nacht ist ein ‚Blauer Mond'. Schon der zweite in diesem Jahr. Es kommt ja zum Glück nicht sehr oft vor, dass es in einem Kalendermonat zwei Vollmonde gibt, aber wenn's im Januar einen hat, dann gibt's immer auch einen im März. Mir ist nicht klar, weshalb ein Blauer Mond anders sein sollte, aber bisher hatte ich noch immer beachtliche Schwierigkeiten mit meiner Transformation an solchen Vollmonden. Der Wolf war fast immer sehr viel aggressiver als sonst. Da ich jetzt den Wolfsbanntrank und die Animagustransformation habe, wird's wohl nicht so schlimm sein. Ich habe aber die Stunden morgen früh abgesagt und meinen Schülern spezielle Hausaufgaben aufgebrummt, damit sie in dieser Zeit beschäftigt sind und nicht einfach blau machen können. Eine fünfte Klasse ist dabei, die sind kein Problem, bei denen werden die Präfekten ein Auge auf die Kameraden haben. Ich werde sie entweder im Klassenzimmer oder in der Grossen Halle beschäftigen. Dann sind zwei Ravenclaw/Hufflepuff Klassen, die sind auch kein Problem, diese Erst- und Zweitklässler sind ziemlich brav und fleissig. Die einzige etwas schwierigere Klasse sind die Drittklässler der Gryffindors und Slytherins. Ich schaue nach, wer die nächste Klasse mit Präfekten hat und stosse auf Sirius. Er hat Sechstklässler, auch Ravenclaws und Hufflepuffs. Ich werde ihn bitten, die Präfekten ab und an hinüberzuschicken, um die Drittklässler im Zaum zu halten.

„Kein Problem, Liebster, wir werden schon auf die aufpassen."

Das Wetter ist abscheulich, wir denken nicht mal im Traum daran, hinauszugehen. Es war schon den ganzen Monat lang windig und regnerisch, alles in und um das Schloss scheint feucht und noch kälter als üblich zu sein. Ich erschauere schon beim blossen Gedanken daran, noch einmal ohne meinen Animagus zu transformieren! Sirius stellt einen Wecker für mich, der kurz vor dem Monduntergang klingeln wird, damit ich erwache und die Animagusform über den Monduntergang hinaus halten kann. Selbst, wenn auf normalem Weg die Rückkehr vom Wolf zum Menschen leichter ist, ist sie dennoch schmerzhaft und lässt mich erschöpft zurück.

Donnerstag, 1.4.1999 / Remus

Es war weniger schlimm als befürchtet. Moony war auch ganz brav. Ich habe die meiste Zeit der Nacht neben meinem Liebsten geschlafen. Ich musste ziemlich früh transformieren, die Kinder waren noch auf. Aber die schauen sich da nur noch um, wenn sie mit Moony spielen wollen. Sie scheinen das einfach als einen Teil ihrer Familie zu betrachten und da sie nichts anderes kennen, kommt es ihnen schon gar nicht in den Sinn, sich zu fürchten. Natürlich habe ich immer ziemlich viel Respekt, wenn sie mir näher kommen, aber so viel ich von Moony bei Vollmond wahrnehme, weiss er, dass sie seine Jungen sind und dass er sie zu beschützen, nicht anzugreifen hat.

Der Wecker hat mir genügend Zeit gelassen, mich zu konzentrieren und über den Animagus zu transformieren. Also keine Schmerzen! Es gibt wohl gar nicht genügend Worte, um auszudrücken, wie dankbar ich Sirius, Harry und James dafür bin, mich breitgetreten zu haben und die Animagustransformation zu versuchen. Es gibt jetzt zwei Dinge, die mir das Leben so normal machen, wie es für einen Werwolf sein kann. Sirius, Ginny, Hermione und Lily brauen immer noch abwechslungsweise den Wolfsbanntrank für mich. Ginny hat mir erzählt, dass sie ihn jeden Monat fürs Werwolfunterstützungsamt braut und immer in grösseren Mengen. Mandy gibt ihn an die Werwölfe ab, die ihn sich nicht selber leisten oder wie ich nicht selber brauen können und hat schon eine ganze Reihe von ihnen auf einer Liste. Sie holen ihn sich jeweilen im Ministerium ab. Ich glaube, Hermione hilft dabei auch mit. Das Gute ist, dass die beiden dabei in Übung bleiben. Das Beste daran ist, dass Ginny nicht nur für die verwendeten Zutaten, sondern auch mit einem kleinen Gehalt vom Ministerium für ihre Arbeit entschädigt wird.

Gleich, nachdem ich mich zurückverwandelt habe, kuschle ich mich wieder in meine Decke und schlafe wieder ein.

Samstag, 3.4.1999 / Sirius

Wie gut es tut, so von meiner Familie unterstützt und behütet zu werden. Sie wollen alle, dass ich mich nicht alleine meinem Elternhaus stellen muss. Für jemand wie mich, der so lange in der Luft hing und vom Wind gebeutelt wurde, ist diese Unterstützung unendlich viel wert. Andere würden vielleicht davon fast ersticken, aber mir tut es unglaublich gut. Vor allem, weil die Bande mich zwar behütet, aber nicht tyrannisiert. So trifft sich heute früh eine Gruppe bester Freunde im Tropfenden Kessel.

Wir nehmen Seraina und Denny mit. Ich weiss, dass der Ort auch sie mitnehmen wird, aber ich werde ihre positive Energie und ihr Lachen brauchen, um da drin nicht depressiv zu werden.

Ich habe meinem Liebsten die Liste mit den Verliesen natürlich schon gezeigt, aber jetzt halte ich sie James unter die Augen. Er schnappt nach Luft. Nicht nur die Zahl der Verliese ist eindrücklich, was sich da drin befindet, hat mich schier umgehauen! Gemäss dieser Liste besitze ich mehrere Millionen Galleonen! Da eine Galleone ziemlich genau zwei Unzen Gold entspricht, wage ich mir nicht einmal auszurechnen, was für ein Vermögen ich in einer Muggelwährung besitze.

„Ach du heilige Scheisse," macht James und reicht das Pergament an die anderen weiter, die ebenso laut nach Luft schnappen.

„Wow, Sirius! Du bist ziemlich wohlhabend," sagt Blaise.

„Klassische Untertreibung, Blaise! Ich werde nie so viel ausgeben können. Aber ich nehme schon an, dass ich für einiges davon einen guten Verwendungszweck finden werde. Ich werde mich mit Amelia Bones darüber unterhalten, aber nicht sogleich. Erstmal müssen wir sehen, wie wir dieses blöde Haus durchforsten. Hat jemand einen von diesen netten Notaren gesehen?"

Schon wenige Minuten nach meiner Frage tauchen die beiden Herren kurz nacheinander auf. Ich schlage vor:

„Gehen wir direkt nach Grimmauld Place. Dort können wir dann alles besprechen. Da es in der Nähe ist, schlage ich vor, mit der U-Bahn hinzufahren."

Wir besteigen die Tube in Tottenham Court Road und verlassen sie in Chancery Lane. Von dort aus ist ein etwa zehnminütiger Fussmarsch zu absolvieren, bis wir den etwas düsteren Grimmauld Place erreichen. Es ist keine ganz miese Gegend, aber sie hat eindeutig bessere Zeiten gesehen. Nichts desto trotz ist der einigermassen grosse Platz von Häusern aus der Georgianischen Zeit gesäumt, die zwar jetzt heruntergekommen sind, denen man aber ihre einstige Schönheit noch ansieht. Ich habe mich immer gewundert, warum die hochnäsigen Blacks, die sich immer für etwas Besseres hielten, sich ausgerechnet mitten in einer von Muggeln bewohnten Gegend niedergelassen haben. Wir gehen am Haus Nr. 11 vorbei, das nächste wäre die 13, wenn man es denn einfach so sehen könnte. Ich muss die anderen darauf aufmerksam machen, weil es selbst für Zauberer unsichtbar und mit mehr als nur einem einfachen ‚Bemerk-mich-nicht'-Zauber versehen ist. Es ist ein grosses Haus, welches 1738 auf den Resten des alten Hauses der Blacks gebaut wurde. Der vorherige Bau war schon Ende des 10. Jahrhunderts hier errichtet worden.

„Das Haus ist so gut verborgen, dass nicht einmal Zauberer es sehen können, wenn es ihnen nicht gezeigt wird," erkläre ich. „Es ist ausserdem unauffindbar, kann nicht durch Zauber lokalisiert werden und nur ein Black kann die Tür öffnen. Mal sehen, ob sie's geschafft haben, mich davon auszuschliessen."

Ich gehe zur Tür und berühre den Schlangenkopf mit meinem Zauberstab. Es gibt ein kreischendes Geräusch, aber die Türe geht ohne weiteres auf. Aus dem Inneren kommt uns eine muffige Wolke entgegen. Ich denke, wir lassen die Türe erst mal eine Weile offen, so dass Luft hereinkommen kann. Kaum sind wir eingetreten, hören wir eine kreischende, keifende Stimme von einer der Wände her. Was zum Teufel ist denn das? Kaum, dass sie wirklich zu keifen beginnt, wird mir klar, wer da schreit:

SCHMUTZ! UNRAT! DRECK HAT DAS NOBLE UND URALTE HAUS DER BLACKS ENTWEIHT! ARCTURUS, WO BIST DU? VERDAMMT, WO BIST DU, WENN MAN DICH BRAUCHT? RAUS! RAUS! RAUS! RAUS AUS MEINEM HAUS!"

Meine Mutter! Das hässliche Porträt von ihr, das schon an der Wand hing, als ich noch zuhause war, ist inzwischen zu einem Sprechenden Porträt verzaubert worden. Oh je, das wird ja spassig werden. Zum Glück sehen wir zwei ziemlich scheussliche grüne Vorhänge davor, vielleicht schweigt sie, wenn wir die hervorziehen. Die Tür machen wir auf alle Fälle schon mal wieder zu.

„Tut mir leid, Jungs! Darf ich euch meine reizende Mutter vorstellen? Ist sie nicht charmant? Halt den Rand, du alte Vettel! Arcturus ist so tot wie du, und du kannst ihn lange rufen! Das Haus und alles darin gehört jetzt mir."

Remus hilft mir, die Vorhänge anzubringen. Wir halten die Kleinen, die arg erschrocken sind, so ruhig wie's geht und gehen rasch weiter. Erstaunlicherweise riecht's hier nur muffig, aber das Haus ist ansonsten sauber. Ob's noch einen Hauself hier hat? Sie sind nicht nur an die Familie, sondern auch ans Haus gebunden. Und wirklich, da kommt auch einer aus irgendeiner Ecke hervorgekrochen. Es ist Kreacher, ausgerechnet! Mein früherer persönlicher Kerkermeister in diesem Haus. Ich schnappe ihn mir an einem seiner langen Ohren und ziehe ihn in den grossen Salon im ersten Stock. Die anderen kommen uns nach und Harry hat die gute Idee, einen Silenziumzauber zu sprechen.

„Kreacher! Warum schreit meine Mutter nach Vater?" frage ich.

„Ich sage es nicht, Meister, ich sage nichts!" heult er.

„Oh, tust du nicht, was? Du weisst, dass ich der einzige Erbe hier bin und damit dein Meister, wie du eben so trefflich gesagt hast, nicht wahr? Wirst du einen direkten Befehl verweigern?"

„Der junge Meister wird Kreacher nichts befehlen, die Meisterin wäre so sehr verärgert! Der Meister ist immer noch mein Meister."

„Die Meisterin ist tot, Kreacher, und das schon seit vielen Jahren! Wirst du einen direkten Befehl verweigern? Und was soll das heissen, der Meister ist immer noch dein Meister? Mein Vater ist genauso tot wie meine Mutter!"

„Nein, nein, junger Meister, der Meister ist krank, aber nicht tot!"

„Ich mag ja in Azkaban vielleicht nicht mehr bei klarem Verstand gewesen sein, aber ich wurde informiert, als meine Mutter, und später mein Vater starben. Das Ministerium hat ihre Todestage. Hier ist der Familienanwalt, der mir gesagt hat, dass mein Vater gestorben ist, oder nicht, Mr. Griffiths?"

„Oh ja, nach allen Informationen, die ich besitze, starb Arcturus Black im Jahr 1987."

„Also, was faselst du da von wegen, dass er noch am Leben sei?"

Ich bin verwirrt. Nun denke ich daran, dass ich das gar nie in Zweifel gezogen habe, sondern dass ich es immer als eine Tatsache angenommen hatte. Ich schaue Remus an, der mit den Achseln zuckt.

„Ich habe ihre Todesanzeigen gesehen, aber frag mich nicht, wann genau, das weiss ich nicht mehr. Auf jeden Fall lange, bevor du aus Azkaban geflohen bist," sagt er.

Wir wenden uns alle wieder Kreacher zu.

„Also, wo ist er, wenn er denn noch lebt?" frage ich ihn barsch.

„In seinem Bett," gibt er zu.

Also hat mein Vater seinen Tod vorgetäuscht? Vielleicht auch den meiner Mutter? Sind die vollends übergeschnappt? Noch mehr als sie's schon waren, als ich sie noch gekannt habe, heisst das. Ich schaue Mr. Griffiths etwas ratlos an.

„Das Beste wäre vermutlich, ihn aufzusuchen," meint er und zuckt ebenfalls die Achseln.

Ich nicke. Ja, das werden wir natürlich gleich tun. Aber vorher wende ich mich an Mr. Quigley und frage:

„Was meinen Sie, gibt's eine Möglichkeit, vorher legal Veritaserum zu besorgen, damit wir auch die Wahrheit aus ihm herauskriegen?"

„Da müsste ich im Ministerium anrufen," meint er.

Doch Mandy mischt sich ein:

„Nein, warten Sie, lassen Sie mich Jason Taylor anrufen, ein Anwalt in der Abteilung für magische Strafverfolgung, er kann den Einsatz von Veritaserum autorisieren. Wenn's je einen Fall gab, in dem es eingesetzt werden sollte, dann dieser!"

„Das ist ein wesentlich besserer Kontakt als ich hätte, Miss, fahren Sie fort, bitte!" sagt Quigley denn auch sofort.

Sie ruft Jason an. Der ist schon eine halbe Stunde später zur Stelle, mit dem Veritaserum.

„Hallo, ihr Lieben. Das ist ja wohl die verrückteste Geschichte, die mir je untergekommen ist! Ich habe mich bei Joanne rückversichert, und sie hat den Einsatz der Wahrheitsdroge genehmigt. Ich sehe, dass hier bereits einige Kollegen vertreten sind, das gibt genügend neutrale Zeugen."

Ich bin froh, dass wir gewartet haben, und meinen Vater noch nicht aufgesucht haben. Wir sind still im Salon geblieben und haben über die Lage diskutiert. Mr. Griffiths hat sich die Zeit genommen, mir verschiedene Artikel in den Familienstatuten auseinanderzusetzen, zu denen ich mir Fragen notiert hatte. Jetzt stehen wir alle auf und machen uns auf dem Weg nach oben. Ich will sie alle bei mir haben, sonst bringe ich den Alten womöglich um! Mehr Zeugen dabei zu haben kann ausserdem nichts schaden.

Das Haus ist ein schwarzes Loch! Riesig noch dazu. Es gibt immer noch nur einige mickerige Gaslaternen, die ein kleines, flackerndes Licht spenden, aber kaum genug, um die nächsten paar Tritte sehen zu können. Vom ersten Stock aus müssen wir noch eine Etage höher klettern, um das grosse Schlafzimmer zu erreichen. Natürlich können wir nicht alle Knall auf Fall da drin erscheinen. Ich bitte Mr. Griffiths leise:

„Darf ich Sie bitten, als erster einzutreten, Sir? Er wird bestimmt ziemlich böse erschrecken, und ich will nicht, dass er vor Schreck gleich das Zeitliche segnet. Ich will vorher noch ein paar Antworten. Das letzte Mal, als ich ihn gesehen habe, hat er mich mit einem Cruciatus-Fluch belegt, und diese Erfahrung begehre ich auch nicht zu wiederholen. Sie jedoch sind eine neutrale Person, er kennt Sie und dann hoffe ich, dass er nicht gleich zusammenbricht, wenn er mich sieht."

„Sehr gern, Mr. Black. Bitte treten Sie alle einen Augenblick zurück, dass er Sie nicht gleich sehen kann, wenn ich die Tür öffne."

Ich sehe zu, wie Mr. Griffiths eintritt. Er schaut sich für einen Moment um, dann geht er ganz hinein und sagt:

„Mr. Black? Ich muss schon sagen, das ist doch ziemlich eigenartig, dass ich Sie hier antreffe... ich sollte mich in diesem Haus umschauen für die Erbschaftsangelegenheit der Black-Familie, da das Ministerium befand, dass diese Angelegenheit endlich abgeschlossen werden sollte."

Ein Aufschrei in der Stimme meines Vaters verrät uns, wie sehr er trotzdem erschrickt.

„Griffiths! Verschwinden Sie sofort aus meinem Schlafzimmer? Was fällt Ihnen überhaupt ein, hier einfach so einzudringen?"

„Es tut mir aufrichtig leid, Sir, doch ich konnte ja unmöglich ahnen, dass ich Sie hier finden würde. Ich habe erwartet, dass dieser Raum ebenso wie alle anderen, die ich bisher betreten habe, leer ist."

„Und wie sind Sie überhaupt ins Haus gekommen? Dieses Haus ist unauffindbar. Nur ein blutsverwandter Black kann die Haustüre öffnen!"

„Das weiss ich, doch ich bin hier nur die Vorhut. Ihr Sohn hat mich hereingeführt."

Meine Aufforderung zum Eintreten.

„Hallo Vater. Da bist du ja trotz allen Unkenrufen immer noch? Wolltest du Mutter noch nicht in die Hölle nachfolgen?" frage ich mit der frostigsten Stimme, zu der ich fähig bin.

„Mein Sohn? Das ist kein Sohn von mir, dich habe ich enterbt, und das schon vor vielen Jahren!" kreischt der Alte.

„Du hast vergessen, dass du mich verleugnen konntest, so lange du wolltest, aber du kannst mich nicht enterben, Vater, und da du offiziell tot bist, gehört das hier jetzt alles mir. Ich könnte dich jetzt sogar umbringen und nichts wäre passiert, denn im Ministerium hält man dich für tot – seit 1987!"

„Das würdest du nicht wagen! Nicht vor einem Zeugen!" kreischt mein Vater weiter. Er versucht, nach seinem Zauberstab zu greifen, doch den habe ich eben wortlos zu mir zitiert. Mein Vater war ein Träger starker Gene, aber selber war er leider nur sehr mittelmässig mächtig. Er war zwar gewitzt, aber das war auch schon alles. Mit dem Zauberstab war er einigermassen talentiert, aber ohne brachte er es zu gar nichts.

„Ah, ah, ah, ah, Väterchen, du bleibst schön, wo du bist. Wir werden nämlich gleich ein paar Fragen an dich haben. Vorher erlaube ich mir, dir Mr. Jason Taylor, ein Angestellter der Abteilung für magische Strafverfolgung vorzustellen, der heute als Vertreter des Ministeriums da ist und ausserdem von der Leiterin der Abteilung die Berechtigung erhalten hat, für diese Fragen ein paar Tropfen Veritaserum in dich hineinzuschütten. Ich weiss nicht, ob du diesen Zaubertrank kennst, aber er ist ein wirklich sehr starkes Wahrheitsserum, welches wir dir jetzt verabreichen werden. Ich will Wahrheiten von dir, Vater, genug davon, um dich für den Rest deiner mickrigen Existenz in Azkaban verrotten lassen zu können. Ich kann beweisen, dass du einen Unverzeihlichen Fluch auf mich angewendet hast, und du weisst, was darauf steht. Lass mich dir vorher nur zwei, drei Tatsachen vermitteln, die du vielleicht nicht mitbekommen hast, da du dich hier lebendig begraben hast. Dein idiotischer Dunkler Lord ist endgültig erledigt, weg, aus, futsch, mausetot. Die ganze Bande von dreckigen Todessern ist aufgerieben, entweder tot oder in Azkaban. Meine grässlichste Cousine ist tot, die andere sitzt lebenslang. Ich weiss, dass du nie dazu gehört hast, aber auch nur, weil du ihnen Regulus dafür gegeben hast, nachdem ich abgehauen bin. Und Regulus hat mit seinem Leben dafür bezahlen müssen!"

Wir schaffen es, ihm drei Tropfen Veritaserum zu geben, was bestimmt reicht, um die Wahrheit aus ihm herauszubekommen. Bis der Trank wirkt, schaue ich mich um. Das Schlafzimmer ist sauber, aber wie der Rest des Hauses durch streng geschlossene Vorhänge fast schwarz. Ich ziehe die Vorhänge gleich zurück, um Licht einzulassen. Dabei bemerke ich eine Öffnung in einer der Wände, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Das werde ich später noch genauer untersuchen. Zunächst schicke ich mal Harry und Hermione in die Bibliothek, wo sie nach Unterlagen suchen sollen, die uns helfen können.

„Es sollte einen Schreibtisch da haben, in dem die Familienpapiere aufbewahrt werden. Schaut auch, ob so was wie eine Familienchronik oder so da ist. Die Blacks sind ziemlich stolz auf ihre Vorfahren gewesen, die haben alles notiert, um damit angeben zu können. Rührt die meisten Bücher lieber nicht an, viele von ihnen sind auch mit dem Zauber belegt, dass nur ein blutsverwandter Black sie überhaupt berühren kann. Benutzt einen Entschleierungszauber, der wird euch genügend Information geben, ob ihr ein Buch anrühren könnt oder lieber nicht."

„Okay, machen wir."

Die beiden schieben ab. Ich bitte als nächstes Blaise und Padma, die vielen Schlafzimmer auf den oberen Etagen zu durchforsten. James und Lily nehmen die Kinder mit nach unten und machen sich im Büro auf die Suche.

Der Rest von uns bleibt da, um die Fragen an meinen Vater zu richten. Quigley setzt eine Rolle Pergament und eine Diktafeder in Gang. Ich beginne mit einigen Standardfragen, um zu prüfen, ob er dem Zaubertrank widerstehen kann.

„Wie ist dein Name?"

„Arcturus Orion Black."

„Wie ist/war der Name deiner Frau und deiner Kinder?"

„Leda Black, drei Kinder, Sirius Orion, Regulus Alphard und Adara Bellatrix Black."

Mr. Griffiths und ich starren uns an. Quigley, Jason, Remus und Quintus schauen genauso verblüfft.

„Ich wusste nicht, dass es ein drittes Kind gibt," sagt Mr. Griffiths leise.

„Wer ist Adara? Wann wurde sie geboren?"

„Adara ist meine einzige Tochter. Sie wurde am 15. Dezember 1988 geboren."

Wir sind noch geschockter! 1988? Das würde ja bedeuten, dass auch meine Mutter noch länger lebte, als dem Ministerium bekannt war!

„Warum hast du Mutters und deinen Tod vorgetäuscht?" frage ich daher weiter.

„Wir wollten einen neuen Erben. Leider war es nur ein Mädchen. Leda starb, als sie ein Jahr alt war."

„Wo ist das Kind?"

„Da drin..."

Vater deutet auf die Öffnung, die mir vorher aufgefallen war. Remus steht sofort auf und geht durch die Öffnung. Einen Moment später hören wir einen kleinen Schreckensschrei, dann kommt ein kleines Mädchen herausgeschossen, das mein Zwilling sein könnte. Sie weicht sofort wieder zurück, aber da Remus hinter ihr herkommt, kann sie nicht wieder in die Öffnung zurück. Sie sieht entsetzlich verängstigt aus, aber ich überlasse die Kleine erst mal Remus und wende mich wieder an Vater.

„Wie hast du sie behandelt?"

„Sie ist genau so entsetzlich wie du es warst, daher muss sie in ihren Räumen bleiben. Ich lehre sie lesen und schreiben. Sie wird nicht verdorben werden. Eines Tages wird sie an einen anständigen reinblütigen Zauberer verheiratet."

„Was meinst du damit, dass sie so entsetzlich ist wie ich es war?"

„Sie ist ungehorsam. Sie benimmt sich nicht wie eine reinblütige Hexe. Sie will hinaus!"

„Jede halbwegs vernünftige Person will hier raus! Hast du irgendwelche Kontakte nach draussen?"

„Ich habe mein Refugium seit Jahren nicht mehr verlassen, wie viele es sind, weiss ich nicht, aber ich glaube, vierzehn Jahre."

„Ich will, dass du mir bestätigst, dass du Unverzeihliche Flüche an mir angewendet hast, Vater, inklusive einige Imperius- und zuletzt den Cruciatus-Fluch. Ist das richtig, Vater?"

„Natürlich ist das richtig. Du verdientest die Strafe. Du warst ungehorsam, du musstest auf den richtigen Weg zurückgebracht werden. Ich habe dich mit dem Cruciatus bestraft, weil du nicht ein Anhänger des Dunklen Lords werden wolltest, wie ich von dir verlangt hatte."

„Das war vielleicht dein richtiger Weg, Vater, aber ganz bestimmt nicht meiner! Was ist mit Mutters Leiche passiert?"

„Sie ist im Garten beigesetzt worden."

„Noch eine Frage: Regulus, Adara und ich sehen einander überaus ähnlich und alle drei gleichen wir dir. Hast du einen Zauber auf Mutter gesprochen, damit ihre äusserlichen Eigenschaften in uns unterdrückt wurden?"

„Ja. Das wird in der Black-Familie traditionell angewendet, um die Familienähnlichkeit beizubehalten. Normalerweise wärest du über diesen Zauber anlässlich deiner Hochzeit unterrichtet worden. Es ist keine schwarze Magie."

„Gut. Das reicht einstweilen. Nur noch dieses: wo finden wir Gringotts-Schlüssel, Besitzurkunden und Ähnliches?"

„Die Schlüssel sind im Pult im Büro. Urkunden sind im Büro und in der Bibliothek."

„Das war's. Jason? Was meinst du, wie gehen wir weiter vor?"

„Ich rufe gleich Kingsley an. Er nimmt ihn wahrscheinlich ohne Umweg nach Azkaban. Wir haben sein Geständnis, Unverzeihliche Flüche benutzt zu haben und einer allein davon reicht für eine lebenslange Haft in Azkaban ohne weiteres Gerichtsverfahren aus. Ich weiss, dass du auf diesem Gebiet natürlicherweise sehr empfindlich bist, aber in seinem Fall haben mehrere unabhängige Zeugen sein Geständnis unter Veritaserum gehört, das ist ausreichend. Wir müssen der Öffentlichkeit wieder ins Bewusstsein bringen, dass Unverzeihliche Flüche einen lebenslangen Aufenthalt in Azkaban nach sich ziehen, wenn sie aufgedeckt werden. Und dass wir null Toleranz kennen werden."

„Ganz ehrlich gesagt hoffe ich, dass er dort verrottet. Hier ist sein Zauberstab."

Jetzt wende ich mich an die kleine Adara. Sie ist meine kleine Schwester! Wenn das, was Vater von ihr sagt stimmt, dass sie mir sehr ähnlich ist, dann werden wir gut miteinander auskommen, nehme ich an. Dann besteht Hoffnung, dass seine Versuche, sie völlig auf Reinblüter-Quatsch zu trimmen fehlgeschlagen sind. Offenbar hat Remus es geschafft, sie zu beruhigen. Sie steht in der Nähe der Tür zu ihren Räumen, die jetzt geschlossen zu sein scheint, denn ich sehe nichts mehr davon.

Sie trägt eine Robe, die offensichtlich einmal meiner Mutter gehört hat und die auf ihre Grösse geschrumpft worden ist. Sie hat lange, schwarze Haare, die sie zu einem Zopf geflochten trägt. Sie hat die grauen Augen, welche in unserer Familie so häufig sind. Sie ist unglaublich niedlich! Ich ziehe einen Stuhl heran, setze mich und frage sie:

„Hallo, Adara! Ich bin Sirius, dein ältester Bruder. Hast du schon von mir gehört?"

Sie schaut mich vorerst nur stumm an.

„Eigentlich bin ich hierher gekommen um ein leeres Haus aufzuräumen. Ich habe nicht erwartet, dass hier noch jemand lebt. Ich hatte keine Ahnung von deiner Existenz, Adara. Hast du Lesen und Schreiben gelernt?"

„Ja. Und er hat mir andere Dinge beigebracht, Astronomie und Englisch. Und die Familiengeschichte."

„Gut. Du hast keine Angst vor uns, nicht wahr?"

Adara schaut mich an und gibt zu:

„Ein bisschen schon. Ich habe noch nie jemanden anderes gesehen, nur Vater und Kreacher."

„Da draussen gibt es aber ganz viele Menschen, Adara. Du wirst das alles kennen lernen. Ich muss dich mitnehmen zu mir nach Hause, aber dort wirst du ein Zimmer für dich bekommen und dann wollen wir weitersehen. Erst mal werden wir dir hübschere neue Kleider schenken."

„Ist das hier nicht hübsch?" fragt sie.

„Das Ding hat mal unserer Mutter gehört und ihr Geschmack – gar nicht zu sprechen von ihrem Stil, der einer älteren Person entspricht – war nicht besonders gut, gelinde gesagt. Du brauchst Kleider wie die anderen Kinder, Kleider, die für ein Kind geeignet sind."

Bei Merlin, bin ich noch immer geschockt! Innerhalb weniger Stunden habe ich herausgefunden, dass meine Eltern entweder gar nicht, oder jedenfalls viel später als dem Ministerium bekannt ist, gestorben sind. Dann finde ich einen alten, aufsässigen Hauselfen und eine kleine Schwester, von deren Existenz ich ebenfalls keine Ahnung hatte. Und das Schlimmste ist, dass mein Vater dieses unschuldige kleine Mädchen hier wie in einem Gefängnis eingesperrt hat, ohne Licht und Luft. Das wird sehr hart werden.

„Adara, darf ich dich Addie nennen? Du hast einen sehr hübschen Namen."

„Danke. Du darfst. Warum willst du mich nicht Adara nennen?" will sie wissen.

„Addie ist ein Kosename, Kleines. Du bist noch sehr klein und es passt besser. Wenn du dann gross bist, ist Adara aber sehr, sehr hübsch."

„Okay."

„Gut. Dann lass mich dir die Leute hier vorstellen. Vater hat dir doch gesagt, dass du und er nicht die einzigen Menschen auf der Welt seid, oder?"

„Ja, das hat er. Was ist mit ihm? Ich war noch nie hier draussen und ich habe ihn schon sehr lange nicht mehr gesehen."

„Er ist krank. Sehr bald schon wird er aber nicht mehr hier sein. Er hat dich offensichtlich nicht sehr gut behandelt und dafür, sowie dafür, dass er ganz üble Flüche angewendet hat, wird er bestraft. Er wird noch heute nach Azkaban gebracht, dem magischen Gefängnis. – Kannst du mir erzählen, wie du aufgewachsen bist?"

„Ich bin immer da drin gewesen. Kreacher hat mir manchmal zu essen gebracht. Vater hat mich unterrichtet, aber wenn ich nicht gut gelernt hatte, hat er mich bestraft. Das hat sehr wehgetan. Er sagte oft, dass ich Strafe verdiene. Ich weiss nicht, was ich falsch gemacht habe."

Wir alle hören ziemlich entsetzt zu. Ich schüttle den Kopf und wende mich doch noch einmal an meinen Vater.

„Du weisst nicht, wie erleichtert ich darüber bin, dass du schon heute Abend nach Azkaban verfrachtet wirst, Vater, sonst wäre ich geneigt, dir ein gerüttelt Mass deiner eigenen Medizin zu verabreichen! Bei Merlin, wie konntest du ein kleines Kind so misshandeln? Du bist krank und verrottet bis ins Innerste! Ich nehme dir Addie jetzt ab, Vater, und von nun an wird sie es gut haben! Ich werde ihr den Rest ihrer Kindheit so schön gestalten wie ich es nur immer vermag. Sie wird nach draussen gehen können, ans Licht, wird andere Kinder kennen und spielen lernen und überhaupt nur sonnige Tage erleben. Du dreckiger Bastard! Wenn ich nur könnte, wie ich wollte, dann würde ich dir jeden Knochen einzeln brechen, du miese alte Ratte!"

Ich bin so wütend! Und offensichtlich bin ich nicht der Einzige. Selbst Griffiths schaut mit Verachtung auf den Mann vor uns. Einzig wegen Adara halten wir uns alle im Zaum. Schliesslich treffen Kingsley und seine Auroren ein, die Vater so wie er ist nach Azkaban verfrachten. Es wird nicht eine Frage mehr gestellt. Jason nimmt das Protokoll der Befragung mit und informiert mich:

„Ich werde zusehen, dass alle benötigten Dokumente sofort hergestellt werden, Sirius. Da er ja offiziell als tot gilt, bist du eh sein Erbe und daher kannst du ruhig schon mal alles mit den Kobolden von Gringotts klären. Sollten sie eine Kopie hiervon verlangen, dann sag's mir, ich schicke eine. Darf ich Sie nur noch alle um Ihre Unterschrift als Zeugen bitten?"

Wir unterschreiben das Dokument alle und Jason verabschiedet sich. Alles, was für den Moment noch zu tun bleibt, ist, die Unterlagen für Gringotts zu finden. Das meiste findet sich sogar sehr rasch an. Wir gehen hinunter ins Büro, wo wir die Zwillinge finden, und wir bringen Addie zunächst zu ihnen, damit sie die Kleinen kennen lernen kann. James und Lily staunen sie völlig geschockt an, als wir das Büro betreten, bestimmt vor allem deshalb, weil sie mir wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht.

„Wer ist das denn?" fragt James.

„Das, mein lieber James, ist meine kleine Schwester Adara Bellatrix Black."

Zwei Kiefer fallen herunter. Lily kommt aber fast sofort wieder zu sich und nähert sich vorsichtig Adara, um ganz sanft mit ihr zu sprechen und sie zu beruhigen. Ich erzähle meinen Freunden, was meine Eltern getan haben.

„Das ist ja unglaublich, Sirius."

„Sollte man meinen, nicht wahr? Ich bin immer noch völlig geschockt und so was von wütend auf Vater."

Doch dann wende ich mich wieder Adara zu.

„Addie, dies hier sind Remus' und meine Kinder, deine Nichte und dein Neffe. Lily hier ist ihre Mum. Sie haben noch einen Bruder, mit dem zusammen sie Drillinge sind. Dies ist mein Sohn Dennis, und dies ist Seraina, Remus' Tochter."

„Die sind ja süss, Sirius," bemerkt Addie sehr zu meinem Erstaunen.

„Das sind sie. Du kannst mit ihnen spielen, wenn du möchtest."

„Was spiele ich denn mit ihnen?" fragt sie.

Im Geheimen schliesse ich die Augen. Ich bin sicher, dass Adara noch nie gespielt hat. Sie wird fast alles, was sie in ihrem Leben erlebt hat, neu lernen müssen, die arme kleine Maus.

„Sie haben Spielsachen, schau her! Wenn du dich zu ihnen setzt, kommen sie sicher bald damit angekrabbelt und zeigen sie dir. Bleibe für eine Weile bei ihnen und du wirst schon sehen. Sie sind sehr neugierig und wollen dich gewiss kennen lernen," erklärt Remus sanft.

Adara nickt und setzt sich auf den Teppich. Wir schauen für eine Weile einfach zu. Es dauert auch wirklich nicht lange und unsere neugierigen Kleinen kommen angekrabbelt. Sie schauen uns fragend an und so kauern Remus und ich uns neben ihnen hin und erklären es ihnen.

„Das ist eure Tante Adara, meine kleinen Rumtreiber, also seid ganz lieb mit ihr! Sie möchte mit euch spielen, aber sie weiss noch nicht so recht, was sie denn mit euch spielen soll, also zeigt ihr beiden ihr am besten, was ihr spielen wollt, okay?"

Mit unseren offenen, neugierigen Zwillingen ist Adara bald ziemlich beschäftigt. Ich schaue Remus an und flüstere ihm zu:

„Wer weiss, vielleicht helfen die Kleinen ihr aus dieser Stumpfheit, in der sie sich zu befinden scheint. Ich kann mir vorstellen, dass es wirklich hart sein muss, wenn man so ein Schattendasein geführt hat und dann mit einem Schlag so viele Leute auf einen zukommen. Ausserdem war sie sich ja nur die Gegenwart von zwei vollkommenen Verrückten gewohnt."

Remus nickt.

„Sie ist ein sehr hübsches Kind, Sirius. Sieht aus wie dein Spiegelbild – und Dennys!" bemerkt Lily.

„Das ist genau, was ich gedacht habe, als ich sie oben zum ersten Mal sah. Vater hat denselben Zauber auf uns drei angewendet, den wir auch auf die Zwillinge verwendet haben. Ich muss sagen, dass ich ihm fast dankbar bin. Nicht auszudenken, wenn ich mehr meiner Mutter gliche! Er sagte auch, dass dieser Zauber in der Black-Familie traditionell angewendet wird. Wenigstens für einmal kein Zauber der dunklen Künste."

Hermione

Harry und ich betreten eine sehr umfangreiche Bibliothek. Es ist dunkel und wir müssen unsere Zauberstäbe anzünden, um die Kronleuchter zu finden, die wir anzünden. Als wir mal besser sehen können, versuche ich, die nächstliegenden Fenster zu finden, damit ich Tageslicht hereinlassen kann. Als ich eines finde, ziehe ich die schweren Vorhänge zurück, öffne das Fenster und stosse die Fensterläden auf. Sonnenlicht strömt herein und Harry löscht die Kronleuchter wieder aus. Nach einem ersten Blick auf einige der Bücher schüttelt er sich und meint:

„Du, das ist finsteres Zeug, Hermione! Ich glaube, das wird Remus interessieren..."

„Wir werden wohl mal alle diese Bücher durchgehen müssen. Vieles davon wird wohl irgendwo in ein Sicherheitsverlies gesteckt werden, das sieht aus, als ob hier einiges steht, das nicht mal in der Verbotenen Abteilung in Hogwarts stehen darf."

„Sieht sehr danach aus. Also, wonach suchen wir denn nun?"

„Alles, was irgendwie nach einem Safe oder Schrank oder ähnlicher Aufbewahrung aussieht. Und dann etwas wie ein Familienstammbaum…" schlage ich vor.

„Okay."

Wir gehen erst mal über die Bücher. Wir versuchen es mit dem Suchzauber, den wir schon in der Bibliothek auf der Sunnegg angewendet haben und vier Bücher kommen herausgeflogen. Ich nehme sie mit zu einem Tisch, an dem ich sie durchsehe. Derweilen sucht Harry mit einem Entschleierungszauber nach einem Safe und bringt tatsächlich einen metallenen Kasten zu Tage, der als Safe durchgehen könnte.

„Den rühre ich aber nicht an, den kann bestimmt wieder nur ein Black berühren," meint er.

„Das ist bestimmt vernünftig. Wir werden Sirius heraufholen, damit er es selber tut. Es eilt ja nicht."

„Nein, tut es nicht. Was Interessantes gefunden?"

„Dies hier. Zeichnet die Geburten und Todesdaten aller Blacks auf. Ich bin etwa halb durch, Anfang 18. Jahrhundert."

„Schau am Ende… Regulus müsste der letzte sein, der darin auftaucht."

Ich mache die letzte Seite auf und suche neugierig nach den letzten Einträgen. Eine Seite für jeden Eintrag. Da hat's Text… ich schnappe nach Luft.

„Schau dir das an, Harry, Dennys Name taucht hier auf. Es scheint automatisch jeden Black zu vermerken, der geboren wird."

„Wow. Hey, was ist das hier? Schau, gleich nach Regulus und vor Denny. Adara Black, geboren am 15. Dezember 1988, Vater Arcturus Black, Mutter Leda Black."

„Keine Ahnung. Lass uns Sirius' Vater suchen…"

Sirius' Geburt ist zwei Seiten vorher vermerkt, nach Narcissas und vor Bellatrix'.

„Sirius Orion Black, geboren am 18. Oktober 1959, Vater Arcturus, Mutter Leda Black. – Das sagt uns schon mal, dass Sirius' Mutter auch länger gelebt hat, als man im Ministerium dachte. Und es bedeutet, dass Sirius eine kleine Schwester hat oder hatte, Harry! Da kein Todesdatum angegeben ist, kann man annehmen, dass sie noch lebt."

Wir blättern, bis wir zu Sirius' Vater kommen:

„Arcturus Orion Black, geboren am 2. Mai 1902, Vater Deneb Black, Mutter Solange Black. Kein Todesdatum."

„Das überrascht weniger, da wir wissen, dass er in seinem Bett sitzt."

Wir nehmen dieses Buch und andere, von denen wir meinen, dass sie wichtig sind, mit und gehen rasch nach unten, um Sirius zu zeigen, was wir gefunden haben.

„Wir wissen immer noch nicht, wann seine Mutter starb, aber sicher später als zum Zeitpunkt, als Sirius die Nachricht erhielt. Und was aus dem Mädchen wurde, das sie geboren hat. Da ist kein Todesdatum wie im Eintrag von Regulus," fasst Harry unsere Erkenntnisse zusammen.

„Richtig. Und das bedeutet, dass sie noch am Leben ist. Sirius', Narcissas und Andromedas Einträge verzeichnen auch kein Todesdatum, weil sie alle drei leben," gebe ich zurück.

Wir gehen rasch nach unten. Wir finden sie im Erdgeschoss in einem Raum, der wahrscheinlich ein Büro ist – und finden die Antwort auf unsere Frage. Auf dem Teppich sitzt ein schwarzhaariges Mädchen, das eine Kopie von Sirius zu sein scheint.

„Wir haben was gefunden, Sirius," rufe ich.

„Wir auch! Nicht nur, dass mein Vater noch gar nicht gestorben ist, auch meine Mutter hat länger gelebt. Darf ich euch Adara Black vorstellen? Sie ist meine kleine Schwester."

Ich schaue staunend auf das kleine Mädchen. Sie ist am Leben und es scheint ihr gut zu gehen! Ich hatte mir schon solche Sorgen gemacht, seit ich diesen Eintrag in dem Buch gesehen habe.

„Ich weiss schon von ihr! Schau, hier ist ein Buch, in dem automatisch jede Geburt eines Black registriert wird. Selbst Denny ist schon drin! Hier, der letzte von allen…"

„Wow! Ich wusste nicht, dass wir so was haben!"

„Wir haben den Suchzauber verwendet, den wir auch auf der Sunnegg benutzen. Mit dem Suchkriterium Black Familienstammbaum kam das hier angeflogen. Harry hat übrigens einen Safe gefunden. Ausser dem Entschleierungszauber haben wir den aber nicht angerührt."

„Das war bestimmt schlau. Werden wir alles durchstöbern. Wir haben Adara gefunden, während ich meinen Vater ausgequetscht habe. Dann haben wir diese Schachtel mit Schlüsseln für Gringotts-Verliese gefunden und jede Menge Juwelen. Diese Schlüssel decken schon den grössten Teil der Liste von Verliesen von Gringotts ab. Die noch übrig sind, könnten sich in einem der anderen Verliese befinden. Wir können durch das Buch gehen und sehen, ob wir die letzten Namen finden, die noch fehlen. Und Remus plant, in Hogwarts das Buch der Namen aufzuschlagen und nachzusehen, ob wir Adara dort drin finden. Das macht man ja sonst nicht, aber in diesem Fall…"

„Verständlich," sagt James.

„Warum haben die ihren Tod vorgetäuscht, Sirius? Das ist so… ich weiss nicht… irgendwie völlig unnatürlich," frage ich.

„Sie wollten einen neuen Erben herstellen. Spielte denen keine Rolle, dass sie mich gar nicht enterben konnten. Sie wollten noch einen Jungen. Leider wurde es dann ein Mädchen. Dann starb Mutter, als die Kleine ein Jahr alt war und dann war's dann ganz aus."

„Das ist scheusslich. Nicht, dass du einen kleine Schwester hast natürlich, aber die Motivation, derentwegen sie gezeugt wurde."

„Sag mir nichts, ich war so was von schockiert! Und nun ist Vater bereits auf dem Weg nach Azkaban. Er hat natürlich die Anwendung von Unverzeihlichen Flüchen zugegeben und darauf folgt die sofortige Einweisung für eine lebenslange Strafe in Azkaban, wie ihr ja wisst. Da werden gar keine weiteren Fragen gestellt und eine Gerichtsverhandlung ist offiziell nicht nötig, nicht mal eine Anhörung."

Jason ist mittlerweile ins Ministerium zurückgekehrt und kommt mit einer Frau zurück, die er uns als Mrs Hazel Wood vorstellt.

„Sie arbeitet im Ministerium und wird dafür zuständig sein, dir das Sorgerecht für deine kleine Schwester zu erteilen, Sirius. Nach den Angaben, die wir gefunden haben, starb deine Mutter Mitte August 1986 und dein Vater ein Jahr später."

Wir begrüssen Mrs Wood. Sie erkundigt sich:

„Und Sie behaupten, dass sie später gestorben sind?"

„Oh ja. Meine Mutter, heisst das, denn wir haben meinen Vater gefunden, zwar krank, aber noch immer sehr lebendig! Ich fange mal am Anfang an: ich erhielt einen Brief von Gringotts und sollte mich mit ihnen in Verbindung setzen, um meine Erbschaft endlich einmal in Ordnung zu bringen, damit sie nachher alle Black-Konten auf meinen Namen ändern konnten. Also entschloss ich mich, meinem Elternhaus einen Besuch abzustatten, nachdem ich es nicht mehr gesehen hatte, seit ich es 1976 endgültig verlassen hatte. In Azkaban wurde ich über die Todesfälle meiner Eltern unterrichtet, aber da ich zu diesem Zeitpunkt schon so ziemlich jedes Zeitgefühl verloren hatte, kann ich mich natürlich nicht mehr erinnern, wann genau das geschah. Als wir heute hierher kamen, fanden wir schon gleich zu Beginn, dass noch ein Hauself da war. Und der gab mir nach einer Weile zu verstehen, dass mein Vater noch lebt und krank in seinem Zimmer liegt. Darauf riefen wir Jason auf den Plan, der uns den Einsatz von Veritaserum ermöglichte. Wir haben zwei Juristen bei uns, die als unabhängige Zeugen dabei sind. Unter Einfluss der Wahrheitsdroge sagte Vater dann aus, dass ein kleines Mädchen da war, Adara Black, meine kleine Schwester, die im Dezember 1988 geboren wurde. Da meine eigene Mutter sie geboren hat, ist es klarerweise unmöglich, dass meine Mutter schon 1986 verstorben ist," erklärt Sirius Mrs Wood.

„Beschuldigen Sie das Ministerium, Sie absichtlich falsch unterrichtet zu haben?" fragt Mrs Wood etwas bissig.

„Nein, nein, nichts dergleichen! Ich glaube, meine Eltern haben ihren Tod nur vorgetäuscht, um sich komplett von einer Gesellschaft zurückzuziehen, die sie als von schlechtem Blut, von Blutverrätern, Schmutz und Halbblütern verdorben betrachteten. Sie hatten immer ein ziemlich grosses Repertoire von Ausdrücken, mit denen sie all diejenigen bedachten, die sie als weniger wert betrachteten als sich selber."

„Ah."

„Und dann fanden meine jungen Freunde dieses Buch in der Bibliothek. Es registriert magisch alle Geburten in der Black-Familie. Nur die Kernfamilie. Sehen Sie, hier am Ende taucht sogar mein Sohn auf. Der Eintrag meines Vaters zeigt natürlich kein Todesdatum. Da meine Mutter nur angeheiratet ist, taucht sie in dem Buch nicht auf. Sie ist hier nur als meine Mutter und als Mutter meines Bruders Regulus und hier meiner Schwester Adara aufgeführt. Und da Adara erst zehn Jahre alt ist, kann meine Mutter nicht 1986 gestorben sein. Ich nehme an, dass mein Vater in den letzten Jahren ziemlich verrückt war. Vielleicht hat ihm ja der Verlust seines Meisters endlich doch das letzte Restchen Verstand geraubt."

„Also, das Mädchen da drüben auf dem Teppich ist Ihre Schwester?"

„Unzweifelhaft. Schauen Sie sie an! Mein exaktes Abbild."

Einige Blicke hin und her später nickt sie und sagt:

„Ja, die Familienähnlichkeit ist eindeutig vorhanden. Da Sie offenbar ihr nächster mündiger Verwandter sind, frage ich Sie auch gleich zuerst: möchten Sie die Vormundschaft über Ihre Schwester übernehmen?"

„Natürlich! Wir leben jetzt hauptsächlich in der Schweiz und in Hogwarts. Wir können sie aber in beiden Fällen immer selber betreuen. In gut zwei Jahren wird sie ja selber auch nach Hogwarts kommen. Das arme Mädchen ist bereits viel zu lange hier drin eingesperrt gewesen. Jetzt soll sie erst mal etwas anderes sehen und viel Sonnenlicht bekommen. Natürlich konnte ich ihr das nicht sagen, aber ich habe vor Wut gezittert, als Vater berichtet hat, wie er sie behandelt. Ich hoffe, er hat sie nicht so verflucht wie mich damals. Aber wenn ich mich daran erinnere, dann vermute ich, dass er es doch getan hat, nachdem er sagte, dass sie wäre so wie ich gewesen bin," erklärt Sirius.

„Ich werde ihre Geburt bescheinigen und Ihnen die Dokumente schicken. Das Todesdatum Ihrer Mutter werden wir mit einem geschätzten Datum im Januar 1990 ersetzen. Was ich aber doch noch wissen möchte ist, was mit ihrer Leiche geschehen ist."

„Gemäss der Aussage meines Vaters ist sie im Garten verscharrt worden. Ich müsste den überlebenden Hauselfen rufen, der sie wahrscheinlich vergraben hat."

Sirius

Ich rufe Kreacher, der sich nach einiger Zeit tatsächlich zeigt.

„Meister hat Kreacher gerufen?"

„Oh ja, und du hast dir verdammt viel Zeit genommen, auf meinen Ruf zu antworten! Was ist mit der Leiche meiner Mutter geschehen, nachdem sie gestorben war?" frage ich barsch.

„Ich habe die Meisterin beerdigt, Meister. Wie Meister es von mir verlangte."

„Wo?"

„Im Garten, Meister."

„Du wirst uns gleich zeigen, wo. Warum hast du mir nichts von Miss Adara gesagt?"

Er wirft die selbe Sorte Blicke auf Addie, die er für mich übrig hatte. Das sagt mir genug. Er kann sie nicht ausstehen. Und meine Frage beantwortet er erst gar nicht. Ich seufze.

„Zeig uns, wo du die Meisterin vergraben hast, Kreacher!" befehle ich ihm.

Wir folgen ihm durch die Hintertür aus dem Haus in den grossen Garten, der komplett von einer hohen Mauer eingeschlossen ist. Der Garten ist gross genug, einen halben Park zu fassen, doch ich kann mich kaum daran erinnern, denn als Kind durfte ich nicht einmal hier hinaus. Kreacher deutet stumm auf eine Ecke.

„Muss ich sie exhumieren lassen, Mrs Wood?" frage ich.

„Nicht unbedingt. Wenn die Leiche da vergraben ist, können wir sie auch durch die Erde identifizieren."

„Na ja, vielleicht sollte ich sie doch ausgraben und wie sich's gehört, in der Familiengruft beerdigen lassen," sage ich mit einem Seufzer.

Mrs Wood nickt und verspricht:

„Ich werde sie suchen und identifizieren lassen, dann können Sie sie beerdigen. Können Sie mir Zutritt zu diesem Haus gewähren?"

„Ja, Sie können wieder hinein apparieren, ich werde diese Restriktion senken. Ausser uns weiss das ja niemand und ich werde Kreacher befehlen, im Haus zu bleiben, bis das hier erledigt ist," bestätige ich.

„Danke, Mr. Black. Das muss sehr schwer für Sie sein..."

„Sicher nicht das Angenehmste, was ich je erlebt habe und ich stehe immer noch unter dem Schock, aber ich bin froh, dass ich jetzt meiner kleinen Schwester helfen kann, den Rest ihrer Kindheit geniessen zu können."

„Gut. Das ist alles, was im Moment getan werden kann. Ich werde die Papiere für Ihre Schwester ausfertigen lassen und Ihnen mit der Bestätigung Ihres Sorgerechts zukommen lassen. Ausserdem werde ich mich bei Ihnen melden, sobald wir die Identifikation der Leiche Ihrer Mutter beendet haben. Dann können wir sie in ihr endgültiges Grab bringen lassen. Wo befindet sich Ihre Familiengruft? Im Friedhof in der Diagon Alley oder in Hogsmeade?"

„Diagon Alley. Vielen Dank, Mrs Wood. Sie können mich per Eule oder auf meinem Commumirror erreichen."

„Bestens. Ich danke Ihnen, Mr. Black. Auf Wiedersehen!"

Mrs Wood verlässt uns und auch Jason verabschiedet sich. Ich drehe mich zu Adara.

„Nun, dann schlage ich vor, dass wir zusammenpacken, was du gerne mitnehmen möchtest, Adara. Du wirst nicht mehr in dieses Loch zurückkehren, das garantiere ich dir! Es war schon für mich ein Gefängnis und für dich war es auch nichts anderes."

Sie lässt ihren Kopf hängen und nickt dann. Ich kann nicht anders, ich ziehe sie in meine Arme und halte sie ganz fest. Zuerst will sie sich noch dagegen wehren, doch dann scheint sie zu begreifen und presst sich an mich, drückt ihr Köpfchen fest an meine Robe. Ich streichle sie sanft über den Rücken und ihren Kopf und verspreche:

„Du wirst nicht mehr leiden, mein Kleines. Du kommst jetzt mit uns und lernst viele neue, nette Menschen kennen. Ganz bestimmt bist du bald sehr glücklich! Lässt du uns dir helfen?"

Sie nickt in meine Robe hinein. Noch ein sanftes Streicheln über ihr Köpfchen und ich frage sie:

„Gut. Jetzt gehen wir zu uns nach Hause, machen dir dein neues Zimmer bereit und am Montag gehst du mit Lily zum Einkaufen deiner neuen Kleider. Was meinst du, wird es dich ängstigen, dann auf einmal so viele Leute zu sehen?"

„Ich kann unten auf der Strasse immer Leute sehen," murmelt sie.

„Sehr gut. Sie werden aber ein bisschen näher an dich herankommen, wenn du selber auf der Strasse gehst, aber der Montag ist ein normaler Arbeitstag, da sind nicht ganz so viele in den Gassen. Zeigst du mir jetzt, was du gerne mitnehmen möchtest?"

Sie nimmt mich bei der Hand und ich folge ihr zurück in ihre kleine Wohnung. Da unsere Kleinen unter der Aufsicht mehrer Erwachsener sind, kommt Remus auch mit. Kingsley und die Auroren haben meinen Vater bereits zusammengepackt und weggebracht. Er wird es ab heute Nacht nicht mehr so bequem haben wie bisher, soviel ist mal sicher, aber er tut mir nicht leid. Wahrscheinlich wird er's eh nicht mehr lange machen.

Addie nimmt nur ein paar Bücher und ein paar Kleider aus ihrem Schlafzimmer mit. Im Bad sammelt sie ihre Toilettensachen zusammen. Ich beschwöre einen kleinen Koffer herauf, in den wir ihre Sachen packen. Das Schlafzimmer ist bedrückend nackt. Ein kleines Bett, Nachttisch, ein Stuhl, ein kleiner Schrank und das war's dann auch schon. Da war sogar mein Zimmer noch besser ausgestattet. Auch in dem kleinen Wohnzimmer nimmt sie nur noch zwei Bücher mit. In keinem der Räume sehe ich auch nur ein Spielzeug. Kein Wunder hat sie keine Ahnung vom Spielen! Meine Güte, wenn ich hier nur schon früher angekommen wäre! Ich fühle mich fast schuldig, dass ich nicht zumindest nach dem Prozess gegen Pettigrew hier aufgetaucht bin. Ich hätte ihr fast gute Jahre von diesem Horror ersparen können! Und sie hat nicht einmal eine Ahnung davon, dass sie in der Hölle war!

Der kleine Koffer ist gepackt, verkleinert und in der Tasche meiner Robe verstaut. Remus bietet ihr seine Hand an, Addie schaut ihn an und nimmt das Angebot an. Ich gebe ihr meine andere Hand und wir verlassen dieses scheussliche kleine Gemach.

„Hast du dieses Haus schon mal verlassen, Adara?" fragt Remus sie.

Sie schüttelt den Kopf.

„Nie?"

„Ich kann mich nicht daran erinnern," sagt sie dann.

„Du meine Güte. Hast du ein bisschen Geographie gelernt?"

„Nein, was ist das?"

„Zum Beispiel die Länder auf der Erde kennen zu lernen."

„Ich habe Karten gesehen, wenn es das ist, was du meinst..."

„Das ist ein Teil davon, genau."

Ich kann sehen, dass sie noch eine Menge zu lernen hat, bevor sie nach Hogwarts kommt. Ich bin froh, dass wir für ihren Unterricht noch ziemlich gut Zeit haben, denn sie wird die Schule erst in zwei Jahren beginnen können. Mit einem Geburtstag im Dezember wird es ihr gehen wie Remus und mir, sie wird ein zusätzliches Jahr warten müssen, bevor sie nach Hogwarts kommt, das heisst, sie wird im Herbst 2000 beginnen.

Ich sehe mich um.

„Sind wir bereit, nach Hause zu gehen?"

„Eindeutig ja! Ich weiss nicht, wie's euch geht, aber die Luft hier drin ist ziemlich scheusslich," meint Harry.

Das bringt uns alle zum Lachen. Wir schliessen alle Fenster wieder, die wir geöffnet haben, dann verlassen die anderen das Haus durch Apparieren. Hermione hat Denny, Padma übernimmt Seraina. Ich mache einen Portschlüssel aus einem Buch. Er wird Adara und mich zur Sunnegg bringen.

„Das wird sich jetzt gleich ziemlich komisch anfühlen, Addie, aber es geht nur ganz kurz, dann werden wir sehr weit von hier weg sein, nämlich in der Schweiz. Das ist ein anderes Land! Hab keine Angst, das tut auch gar nicht weh!"

„Okay."

„Komm ganz nahe zu mir, dann müssen wir beide den Portschlüssel berühren. Ich bin bei dir!"

Sie legt ihre Hand auf das Buch, ich berühre es ebenfalls, dann tippe ich das Buch mit meinem Zauberstab an und sage:

„Portus!"

Im typischen Wirbel setzt uns der Portschlüssel in wenigen Minuten im Wohnzimmer auf der Sunnegg wieder ab. Ich halte Addie fest, als wir landen, damit sie nicht umfällt.

„Da sind wir schon! Nun werden wir mal sehen, was für ein Zimmer wir dir geben können. Aber zuerst stelle ich dich mal der ganzen Familie, die da ist, vor. Wie du siehst, sind wir eine sehr grosse Familie!"

Ginny, Ernie, Morag, Neville, Parvati und Draco sind alle da. Als die mich mit meiner Schwester auftauchen sehen, staunen sie erst mal Bauklötze.

„Wer ist das denn?" erkundigt sich Draco.

„Sie ist meine kleine Schwester und heisst Adara. Ich fürchte, sie wird noch ziemlich scheu sein, denn sie ist an andere Leute überhaupt nicht gewöhnt. Macht euch schon mal auf eine ziemlich grausliche Geschichte gefasst, die wir euch nachher erzählen werden! Ich stelle euch erst mal alle vor, okay? Also, Addie, fangen wir hier mal mit dieser hübschen jungen Dame an. Sie heisst Ginny Weasley. Das hier ist Ernie McMillan, dies hier ist Morag MacDougal, dann haben wir hier Neville Longbottom, und das hier ist Draco Malfoy, er ist ein Cousin zweiten Grades von dir, seine Mutter war eine meiner Cousinen. Dann haben wir hier Parvati Patil, wie du unschwer sehen kannst, ist sie Padmas Zwillingsschwester. Sie wohnen alle hier im Haus, zusammen mit den Menschen, die du vorher schon alle kennen gelernt hast. Ganz zum Schluss sind hier noch zwei Kleinchen, nämlich Lizzie und Andy Potter, sie sind Harrys kleine Geschwister. Ausserdem sind noch Ron, Ginnys älterer Bruder und Justin Finch-Fletchley hier, aber die sind wohl grade ausser Haus. Ich weiss, das ist ein bisschen viel aufs Mal, aber du kannst dir Zeit nehmen, du hast die Namen sicher bald raus, du wirst alle nach und nach kennen lernen. Wir haben auch ziemlich oft Gäste. Trotzdem bleibt noch genügend Platz, dass du ein eigenes Zimmer erhältst."

„Sie kann mein Zimmer haben, ich bin ja jetzt eh dauernd bei Ernie," sagt Ginny sofort.

„Das ist wirklich nett von dir, Ginny! Das ist perfekt!"

„Sie sollte in eurer Nähe sein, wir sind schliesslich alle noch Fremde für sie. Hallo, Adara! Ich freue mich, dich kennen zu lernen. Wir lieben deinen grossen Bruder alle sehr, ich hoffe, dass du ihn auch gern haben wirst. Er ist sehr spassig und man kann sogar das Eine oder Andere von ihm lernen! Soll ich dir das Zimmer zeigen?"

Für einen Moment spüre ich, wie Adara meine Hand fester hält, doch dann lockert sich ihr Griff und sie löst sich von mir. Sie schaut Ginny an und nickt.

„Schön! Dann komm am besten gleich mit mir! Hast du denn kein Gepäck?"

„Nicht viel, Ginny. Grosseinkauf von allem, was ein Kind ihres Alters benötigt, ist für Montag angesagt. Ich glaube nicht, dass sie schon irgendwann in ihrem Leben mal was Neues bekommen hat. Was sie da anhat, war mal eine Robe meiner Mutter, die haben sie einfach auf ihre Grösse reduziert," erkläre ich Ginny.

„Oh je! Dann werde ich dir aber auch gleich etwas von meinen Sachen geben, worin dir dann sehr viel wohler sein wird, Adara. Das kannst du dann auch tragen, wenn ihr einkaufen geht."

Ginny bietet ihre Hand an und Addie nimmt sie. Sie bringt mich zum Lächeln. Ginny hat eine sehr gute Hand mit Kindern. Sie zwinkert mir zu, verlässt den Raum mit Addie an der Hand, und ich kann mich endlich hinsetzen und mein Gesicht in meinen Händen verbergen. Remus setzt sich neben mich hin. Der Schock sitzt immer noch tief. Ich kann kaum glauben, was meine Eltern ihr angetan haben. Es ist ein Verbrechen, und es tut so weh zu wissen, dass ich ihr Martyrium um so vieles hätte verkürzen können. Wenn ich nur…

„Hör auf, daran herumzugrübeln, Sirius, es ist nicht deine Schuld und du hattest keine Ahnung, da hast du wirklich keinen Fehler gemacht…" sagt Quintus müde.

„Quintus hat recht, Sirius, das ist genau die Sorte Schuldgefühl, über die wir uns schon mal unterhalten haben, und du warst es, der mir diese Gefühle ausgeredet hat," wirft Harry ein.

Ich seufze.

„Ich weiss es ja, aber…" ich verstumme.

Sie wissen alle, was ich meine. Ich denke natürlich, was wäre, wenn… und ich bin sicher, dass selbst sie dasselbe denken.

„Wer passt auf Lizzie und Andy auf, während wir mit Addie zum Einkaufen fahren?" fragt Lily.

„Da sonst alle in der Schule oder bei der Arbeit sind, werde wohl ich das übernehmen," meint Quintus.

„Herzlichen Dank!"

Quintus

Ich habe das Geschehen heute mit wachsendem Horror mitverfolgt. Wie die meisten reinblütigen Zauberer habe ich natürlich früher Arcturus Black gekannt, als weit entfernter Bekannter. Wir hatten einige Zusammentreffen im Ministerium, aber er hätte sich sicher nicht an mich erinnert. Ich war heute mindestens so geschockt wie Sirius. Weniger darüber, dass er seinen Tod vorgetäuscht hat, viel mehr über das, was er seiner Tochter angetan hat. Ich wusste natürlich bereits, was er seinem älteren Sohn so alles angetan hat, aber dass er das auch einem zweiten Kind, noch dazu einem Mädchen antun würde, hätte ich denn doch nicht erwartet. Mein Herz fliegt diesem hübschen Kind zu! Ich gehe davon aus, dass ich in den nächsten Tagen des Öfteren auf sie aufpassen werde, bis sie sich in Hogwarts Remus und Sirius anschliessen kann. Zusammen mit James und Lily bin ich derjenige Erwachsene, der am meisten Zeit zur Verfügung hat. Sie ist ein wirklich niedliches Mädchen und ich wette, in einigen Jahren wird Denny wie ihr Zwillingsbruder aussehen. Ich frage mich, wie sich dieser Zauber auswirkt, der da angewendet wurde. Hm. Schon wieder etwas auf meiner wachsenden Liste von Dingen, die ich erforschen möchte.

Sonntag, 4.4.1999 / Remus

Nachdem wir eine Nacht über unseren gewaltigen Schock von gestern geschlafen haben, erwachen Sirius und ich zu den bekannten Baby-Gebrabbelgeräuschen. Was uns auch sofort wieder daran erinnert, dass wir auf einmal ein drittes Kind haben. Das ein bisschen älter ist und eine Menge Zuwendung und Unterricht brauchen wird. Sirius spricht es als Erster an:

„Wir werden einen Lehrer für sie engagieren, Remus. Sie braucht in so vielen Fächern Unterweisung, und selbst wenn wir bald weniger Stunden zu unterrichten haben, können wir es dennoch nicht selber tun, die Zeit wird uns sicher fehlen. Ich werde mit Vergnügen Geld für einen guten Hauslehrer ausgeben! Vielleicht könnte ich Madam Reeves fragen, die Schulleiterin der Hogsmeade Primarschule, möglicherweise kann sie mir ein paar Hinweise geben. Dann sehen wir zu, dass Addie gut beschäftigt ist, bis sie nach Hogwarts kommt."

„Ja, ich glaube auch, dass das sein muss. Sie ist auf alle Fälle kein dummes Kind, Sirius. Und sie hat zwei Jahre Zeit, mit einem Lehrer für sich ganz allein müsste sie eine Menge schaffen. Ich bin sicher, dass sie dann bereit ist für Hogwarts."

„Davon gehe ich aus. Lass uns also aufstehen und anfangen, ihr zu zeigen, was leben und Spass haben wirklich heisst, Liebster."

Sirius grinst dabei. Es ist immer noch ziemlich früh, aber da die Zwillinge schon wach sind, müssen wir eh aufstehen. Wir finden die beiden immer noch zufrieden brabbelnd und sich selber unterhaltend in ihren Bettchen. Denny strahlt mich an, als ich in seinem Blickfeld auftauche und ruft mich:

„Baba! Baba!"

Es tut so gut, das zu hören! Ich liebe dich, mein Sohn!

„Guten Morgen, mein Süsser. Willst du aufstehen und frühstücken? Guter Junge, komm!"

Nachdem wir Denny und Seraina aufgenommen und angezogen haben, gehe ich hinauf zu Adaras Zimmer. Ich klopfe an die Tür.

„Addie?" frage ich vorsichtig.

Sie öffnet die Tür. Ginny hat ihr einige Kleider geliehen und angepasst und sie steht bereits voll bekleidet vor mir.

„Guten Morgen, Addie. Schon angezogen? Dann hättest du auch zum Frühstück hinuntergehen können, du brauchst nicht in deinem Zimmer zu bleiben."

„Oh, das wusste ich nicht. Guten Morgen, Remus."

„Jetzt weisst du's ganz sicher. Wir werden dich sicher abends zu Bett schicken, aber ansonsten kannst du dich im Haus bewegen, wie du möchtest. Das Gute daran, dass du noch nicht gefrühstückt hast ist, dass du's jetzt mit uns zusammen tun kannst! Hast du Hunger?"

„Oh ja."

„Sehr gut. Du wirst Dobbys Frühstück lieben! Auch, wenn Winky es macht natürlich. Sie kochen beide sehr gut."

Sie folgt mir die Treppen hinunter in die Küche, wo Dobby eifrig am Werkeln ist und dann weiter ins Wohnzimmer.

„Du wirst dich sicher bald an dieses Haus und seine Bewohner gewöhnen, Addie. Hier, das ist im Moment dein Platz am Tisch."

Wir nehmen alle Platz und geniessen unser Frühstück mit James, Lily und ihren Kleinen zusammen. Sirius und ich haben so langsam mehr Mühe beim Füttern der Zwillinge. Ihnen eine Flasche in den Mund zu stecken war eindeutig einfacher! Jetzt müssen wir anfangen, ihnen Tischmanieren und das Essen mit Löffel oder Gabel beizubringen und das gestaltet sich ziemlich schwierig. Sie versuchen es zwar, sie haben jedoch noch sehr Mühe mit ihrer Koordination und daher sind Reinigungszauber ziemlich oft von Nöten. Adara grinst aber, während sie den Kleinen zusieht.

„Die haben Spass und sehen ziemlich spassig aus dabei, nicht wahr?" fragt Sirius.

„Schmutzig sind sie vor allem..." gibt Addie zurück.

„Ja, das sind sie auch. Aber sie müssen eben lernen und das ist nicht so einfach."

Während wir noch am Essen sind, kommt Hermione aus der Küche. Wie immer hat sie die Nase tief in einem Buch, schaut aber davon auf und begrüsst die Anwesenden. Lily macht derweilen schon mal eine Liste aller Sachen, die sie für Adara morgen einkaufen will. Ich sehe, dass diese Liste ziemlich lang wird. Und Lizzie stürzt sich auf Addie, als sie aufstehen darf und bombardiert sie mit Fragen. Addie kann die meisten davon nicht beantworten und verbirgt sich deshalb erst mal hinter Sirius. Wir müssen sie wieder aus ihrer Schale locken und Lizzie erklären, dass Addie von den meisten Sachen, die sie fragt, keine Ahnung haben kann.

Um Addie an Leute um sich herum zu gewöhnen, gehen wir gemeinsam auf einen Ausflug in den Tierpark in Bern. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Eingang des Tierpark ist ein Strassenmusikant am musizieren. Er spielt Gitarre und singt. Während wir eine Weile zuhören, spüre ich Addies Hand in meine schleichen.

„Remus, ist das etwas, das die Muggel tun? Ich habe noch nie so etwas gehört..."

„Na ja, nicht nur, Addie, es gibt auch viele Zauberer, die gerne Musik machen und hören. Wir haben ja auch einen Radiosender. Aber dies hier ist bestimmt ein Muggel. Ausser uns hat es hier mit ziemlicher Sicherheit fast nur Muggel."

„Ach so. Vater hat gesagt, die sind schlecht und müssen ausgerottet werden. Er wollte, dass nur reinblütige Hexen und Zauberer auf der Welt sind."

„Sagen wir mal, dass das eine reichlich verdrehte Ansicht ist und es dann auf diesem Planeten sehr einsam würde. Die Menschen auf der Welt sind zum allergrössten Teil Muggel und unter all diesen Muggeln gibt's eine Handvoll Hexen und Zauberer. Es würde uns auch mit Magie ziemlich grosse Schwierigkeiten bereiten, all diese unzähligen Muggel auszurotten, glaubst du nicht auch?"

Addie schaut sich um und nickt. „Ja, das glaube ich."

„Abgesehen davon wäre es grausam, Addie. Niemand hat das Recht, jemandem anderes das Leben wegzunehmen. Keiner ist besser als irgendjemand anderes und schon gar nicht dann, wenn er eine bestimmte Art von Blut in sich drin hat oder weil seine Augen eine bestimmte Farbe haben oder er eine Menge Geld hat. Wir sollen die anderen leben lassen wie wir auch leben wollen. Es hat seine Gründe dafür, dass es so viele verschiedene Geschöpfe auf der Erde gibt, Addie, und wir haben kein Recht dazu, zu behaupten, dass eine Sorte das Recht hat zu leben und eine andere hat dieses Recht nicht," erklärt Sirius.

„Also hatte Vater nicht recht?"

„Nein, Addie, Vater hatte ganz bestimmt nicht recht. Eines Tages wirst du verstehen, dass das, was er mit dir gemacht hat, ein Verbrechen war. Du hast alles Recht der Welt, sehr, sehr wütend auf ihn zu sein, selbst, wenn er jetzt in Azkaban ist," sagt Sirius.

„Er hat nicht wirklich was mit mir gemacht, Sirius. Er hat mich nur bestraft, wenn ich nicht artig war..." bemerkt Addie.

„Hast du nie darum gebeten, auch mal aus dem Haus zu gehen?" fragt Sirius.

„Doch, aber er sagte, ich müsse drinnen bleiben, weil draussen alles Muggel seien, und die dürften mich nicht sehen, weil ich von so reinem Blut bin."

Alle Umstehenden verdrehen die Augen.

„Siehst du? Damit hat er dich gefangen gehalten. Ist es hier draussen nicht viel schöner? Frei zu sein und die Sonne auf deiner Haut zu spüren? Er hat dir den Kontakt mit anderen Menschen vorenthalten, Addie, aber wir alle brauchen diesen Kontakt mit Anderen. Menschen werden geboren, um mit anderen Menschen zusammen zu sein. Ohne diesen Kontakt mit anderen Menschen werden wir nicht glücklich."

„Oh."

„Schon bald wirst du begreifen, was ich meine, auch wenn du es jetzt noch nicht verstehen kannst. In den nächsten Wochen und Monaten wirst du viel, viel Neues lernen und begegnen. Du hast so vieles versäumt. Du hast natürlich nichts von all dem, was du versäumt hast, vermisst, denn du hast es ja auch nicht gekannt. Aber so wie die Musik eben gibt es so viel Schönes zu entdecken."

Als wir später wieder auf die Sunnegg zurückkehren, können wir schon erste Erfolge sehen. Addie hat die Tiere mit grossem Interesse betrachtet und im Kinderzoo mit grossem Vergnügen auch gestreichelt. Wir müssen ihr aber erklären, dass wir jetzt nach Hogwarts zurückkehren müssen und sie diese Woche noch nicht mitnehmen können.

„Wir werden in Hogwarts erst Raum schaffen müssen, damit du ein Zimmer für dich bekommst. Wahrscheinlich werden wir uns die benachbarte Wohnung aneignen und die Trennwand entfernen, dann wirst du dort dein eigenes Zimmer bekommen."

„Hogwarts? Ich dachte, man müsse elf Jahre alt sein, um nach Hogwarts zu kommen..." fragt Addie.

„Das ist schon richtig, aber du wirst trotzdem schon da wohnen, denn Remus und ich wohnen beide dort. Wir sind beide Lehrer, weisst du."

„Oh!"

Da es Zeit fürs Abendessen ist, kommen die Hausbewohner von allen Seiten ins Wohnzimmer geströmt. Wir haben uns angewöhnt, vor dem Essen einen Aperitif einzunehmen, daher sind natürlich alle ein bisschen früher da. Es ist halb fünf. Addie bekommt Coca Cola, etwas, das sie ganz bestimmt noch nie gekostet hat, und ausserdem erhält sie einen ersten Geschmack von verschiedenen Aperitifsnacks. Wir sehen nur zu, dass sie nicht zuviel von dem Zeug futtert. Sie trägt ein paar Jeans und ein Schockpinkfarbenes T-Shirt, Kleider, die Ginny ihr gemacht hat und die perfekt zu ihren eisgrauen Augen und schwarzen Haaren passen. Sirius schaut sie mit einer Zärtlichkeit an, dass ich beschwören könnte, er betrachte sie schon mehr als seine Tochter denn als seine Schwester.

„Man könnte glattweg meinen, Addie sei deine Tochter, nicht deine Schwester, Siri," bemerkt Ginny.

Ich platze laut los.

„Ginny, ich glaube, du hast meine Gedanken gelesen, ich habe eben dasselbe gedacht!"

Das stört Sirius aber kein Bisschen. Addie schaut ziemlich verwirrt von ihm zu uns und zurück, aber er grinst nur und gibt zurück:

„Ich könnte sogar schon zweimal ihr Vater sein! Ich war ja schon fast dreissig, als sie geboren wurde."

„Da hat er allerdings recht," wirft James ein.

„Wie auch immer, ich werde ja ihr Vormund sein, also kann ich ihr auch grade so gut den Vater ersetzen. Wenn ich an unsere Eltern denke, müsste ich eigentlich behaupten, dass sie sehr schlechtes Blut hat, aber ich habe dasselbe, und seht bloss, was aus mir geworden ist. Wir werden ein gutes Team sein, nicht wahr, Addie?"

Alle um uns herum lachen, also versucht sie's auch schon ein bisschen. Ich gehe davon aus, dass sie schon eine Weile brauchen wird, um mit allen auf der Sunnegg vertraut zu werden. Es ist schwer, sie hier zurückzulassen, aber Sirius und ich müssen nach Hogwarts zurückkehren. Wir zeigen Ihr den Commumirror und erklären ihr, wie er funktioniert, und wir versprechen ihr, jeden Abend von Hogwarts aus anzurufen.

Sirius

Zurück in Hogwarts nimmt Remus die Zwillinge und Winky in unsere Wohnung mit und ich gehe, um nach Albus zu suchen. Ich finde ihn im grossen Wohnzimmer der Lehrer, wo er sich mit Filius und Minerva unterhält.

„Ah, hallo Sirius! Hattet ihr ein schönes Wochenende?" erkundigt er sich höflich.

„Hallo, alle zusammen! Ich weiss nicht, ob die Rückkehr in mein Elternhaus allein schon ein schönes Wochenende ausgemacht hätte, aber wir mussten dahin und haben einen ganz gewaltigen Schock erlitten."

„Nein! Was ist denn geschehen? Komm, setz dich und erzähle, Sirius! Kann ich dich zu einem Scotch verführen?" fragt Minerva, offensichtlich neugierig geworden.

Also erzähle ich ihnen, was sich in den vergangenen zwei Tagen abgespielt hat. Sie starren mich mit weit offenstehendem Mund an und können kaum glauben, was ich ihnen erzähle. Als ich fertig bin, steht Minerva auf und geht hinaus, nur um einige Zeit später mit einem dicken Wälzer wieder zurückzukommen. Es ist das „Buch der Namen", das sie vor sich her schweben und auf einen Tisch sinken lässt, wo es sich selbst aufschlägt. Sie tippt es mit ihrem Zauberstab an und sagt:

„Adara Bellatrix Black."

Die Seiten beginnen wie von einem unsichtbaren Wind angeblasen zu rascheln und fallen nach einem kurzen Moment auseinander. Minerva beugt sich über das Buch, liest und winkt mich schliesslich zu sich:

„Hier ist sie!"

„Sehr gut. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was ich empfunden habe, als ich sie sah! Sie sieht genauso aus wie ich. Aber Vater hat mir bestätigt, dass er denselben Zauber auf uns Kinder angewendet hat, den wir für die Zwillinge eingesetzt haben. Dass das in der Familie sogar Tradition habe, um die Familienähnlichkeit aufrecht zu erhalten. Ihr könnt euch in etwa ausrechnen, dass ich den selber wohl nicht eingesetzt hätte, wenn ich davon eine Ahnung gehabt hätte, obwohl es kein Zauber der dunklen Künste ist."

„Ich muss schon sagen, das ist ziemlich schockierend," bringt Filius hervor. Er schaut mich total verblüfft an. „Ich habe ja eine ganze Reihe ziemlich verrückter Geschichten über deinen Vater gehört, ich habe ihn sogar hier in Hogwarts unterrichtet und war nicht allzu beeindruckt von seinen Leistungen. Aber ohne diesen Eintrag im ‚Buch der Namen' hätte ich dir diese Geschichte wohl nicht abgenommen, Sirius!"

„Nun, ich selber hätte mir die Geschichte auch nicht abgekauft. Jetzt müssen wir für die Kleine hier Raum schaffen."

„Ihr müsstet die Zwillinge wieder in ein Zimmer stecken, Sirius, aber ich glaube, ihr wäret besser dran, die Wohnung nebenan mit eurer zu verbinden. Wenn ich die Hauselfen beauftrage, haben die in zwei oder drei Tagen so weit renoviert, dass man die Zwischenwände um die Kamine herum entfernen kann. Die sind schon früher weggenommen und wieder hingestellt worden. Aber die Wohnung muss gründlich gereinigt werden, dann erst kann man die Wand entfernen," bietet Minerva sofort an.

„Das ist äusserst grosszügig von dir, Minerva, und ich nehme das Angebot gerne an. Wir wollen wirklich, dass Addie sich bei uns bald zu Hause fühlt. Sie braucht jetzt unbedingt eine Reihe von Leuten um sich, denen sie blind vertrauen kann und dafür benötigt sie auch einen sicheren Hort, in den sie sich zurückziehen kann."

„Ich stimme dir bei, Sirius. Weise die Hauselfen doch bitte an, gleich morgen früh mit der Arbeit zu beginnen, Minerva," ordnet Albus an.

Die Hauselfen zu betreuen ist Teil der Aufgaben der Stellvertretenden Schulleiterin. Minerva ruft einen von ihnen her und beauftragt ihn, mit einigen seiner Freunde die Wohnung nebenan zu reinigen und renovieren.

„Es handelt sich um die Wohnung links neben derjenigen der Professoren Black und Lupin, Stumpy, bitte nimm so viele deiner Freunde mit, wie du brauchst, damit es bis zum Ende der Woche, also Freitag, fertig ist," instruiert sie den kleinen Burschen.

„Das wird Stumpy tun, Meisterin McGonagall, Stumpy braucht dazu drei andere Hauselfen, die ihm helfen werden."

„Das ist perfekt. Ihr vier seid die ganze Woche für diese Arbeit reserviert. Vielen Dank, Stumpy!"

„Auch von mir vielen Dank, Stumpy! Wenn du Fragen haben solltest, kannst du mich oder Professor Lupin jederzeit fragen," bedanke auch ich mich bei ihm.

„Alle Hauselfen werden sich darum reissen, für Meister Black und Meister Lupin etwas zu tun, Meister, sie sind alte Freunde der Hauselfen und sie werden niemals vergessen sein."

Er bringt mich zum Lächeln. Er war noch ein ganz junger Hauself, als wir in der Schule waren. Wir vier waren immer sehr beeindruckt von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Hauselfen. Und natürlich von all dem guten Essen. Ich bin sicher, dass dieser Umbau rasch und sauber vonstatten gehen wird. Dann wende ich mich an Minerva, die mit ziemlich gerunzelter Stirn da steht und sage zuckersüss:

„Das ist, was man nach Jahrzehnten erntet, wenn man sich in der Jugend um einige Komplimente an der richtigen Stelle bemüht hat, Minerva. Du kannst nie wissen, wann diese Freundlichkeit sich mal auszahlen wird, aber die Zeit kommt immer irgendwann. Wir haben uns damals nur in der Küche gezeigt und fanden Tische drei Lagen hoch mit Essen. Sie lieben es, wenn man ihr Essen liebt und ihre Kochkünste lobt."

Sie schüttelt nur den Kopf, seufzt und lacht.

„Ich hoffe nur, dass eure Kinder solche Schlingel werden, Sirius! Dann werde ich über euch lachen können. Ihr wisst doch wohl, dass ihr der absolute Nagel zu meinem Sarg wart? Und ich hatte damals doch grade erst begonnen zu unterrichten."

Als verspätetes Zeichen meiner Sympathie tätschle ich sie auf die Schulter.