1013 Z-Zeit (04:13 Uhr CST)

Dienstag, 27.04.2004

VOQ des Luftstützpunkts der US-Navy

Fort Worth, Texas

Es war viel zu warm in dem Sweatshirt, das ihm einer der Polizisten geliehen hatte, nachdem sie auf dem Revier duschen konnten. Er trug immer noch seine Uniformhose, die nichts von der Schweinerei abbekommen hatte, und diese war auch nicht gerade bequem. Im Halbschlaf zog er den Pullover daher aus und wunderte sich, dass er auf der Bettdecke lag. Als er endlich auch die Hose losgeworden war und unter der Decke lag, wurde sein Bettgenosse unruhig und wälzte sich zum wiederholten Mal zu ihm herum. Ihr Kopf hob sich aus dem Kissen, als ihre Hand in Kontakt mit der nackten Haut seines Oberkörpers kam.

„Hmmn?" tönte es verschlafen neben ihm und genauso verschlafen antwortete er: „Zu warm..."

„...kay."

Er war schon fast wieder eingeschlafen, als sich die Person neben ihm abrupt aufrichtete und die Nachttischlampe anknipste. Seine Hand landete eher zufällig auf ihrem Arm, als er nach ihr griff und sie beruhigen wollte.

„Cara... ist doch nicht das erste Mal... in einem Bett... mng..."

Es war mühsam, um diese Uhrzeit klar zu denken. Außerdem konnte er den seltsamen Blick, den sie ihm zweifelsohne zuwarf schon beinahe körperlich spüren.

„Als wäre es nicht mittlerweile etwas vollkommen Normales, dass ich neben ihnen aufwache. Deswegen flippe ich bestimmt nicht aus."

Falls sie gehofft hatte, dass er dadurch wacher werden würde, hatte sie sich getäuscht.

„Dann is ja gut...", nuschelte er in sein Kissen. Seine Hand rutsche von ihrem Arm und landete auf ihrem Oberschenkel. Mit einem Grinsen verschränkte Cara ihre Arme vor der Brust.

„Jetzt enttäuschen sie mich aber, Flyboy. Sonst wollen sie doch auch immer wissen, was los ist."

„Zu früh..." murmelte es neben ihr, während der Anwalt mühsam seinen Kopf aus den Kissen hob und mit einer Hand abstützte. Cara sah ihm amüsiert dabei zu, wie er versuchte, sie aus halbgeschlossenen Augen zu fixieren.

„Ich habe mich gefragt, weshalb sie ihren Müll so öffentlich durch die Gegend geschoben haben, und noch dazu die ganzen Lastwagen, die das umdeklarierte und abgelaufene Fleisch wegbringen sollten..." begann sie schließlich.

„Darüber denken sie nach, wenn sie mit mir in einem Bett liegen?" kam es amüsiert von der anderen Seite des Bettes.

Ihr strenger Blick ließ ihn darüber nachdenken, was er gerade gesagt hatte.

„Ich bin immer noch nicht ganz wach", meinte er schließlich verlegen und sah dabei zu, wie sie ihren Ellbogen auf ihren angezogenen Knien abstützte. Noch immer blickte sie ihm direkt in die Augen bis er sich schließlich wirklich unwohl fühlte.

„Sie haben sich gefragt, weshalb die ihr Zeug da rumgeschoben und abtransportiert haben? Es könnte eine ganz normale Lieferung gewesen sein...", wechselte er schließlich das Thema.

„Sie transportieren alles Gammelfleisch und den Abfall ab. Mengen, die sich über Wochen angesammelt haben müssen. Für eine Lieferung hätten sie doch Kühllaster verwendet."

Genervt ließ der Anwalt seinen Kopf wieder in sein Kissen fallen.

„Es ist noch mindestens eine Stunde zu früh für derartige Ratespielchen. Worauf wollen sie hinaus, Cara?"

„Die wollen das ganze Zeug loswerden, am Tag, bevor wir eigentlich bei ihnen vorbeischauen wollten. Wäre heute morgen bei der Überprüfung nicht alles so glatt gelaufen, hätten wir wahrscheinlich morgen einen Musterbetrieb vorgefunden", führte sie ihren Gedanken weiter aus.

„Caraaa!"

„Okay. Ich denke, sie wurden vorgewarnt. Irgendjemand hat ihnen mitgeteilt, dass eine Inspektion ansteht."

„Wer sollte so etwas tun?" gähnte es neben ihr. Wie es aussah, war ihr Partner nicht richtig bei der Sache, sondern dabei, wieder einzuschlafen.

„Der Weihnachtsmann? Mickey Maus? Oh, und ich habe gehört, Spongebob steht tierisch auf Gammelfleisch."

Zugegeben, den Blick den er ihr jetzt zuwarf hatte sie verdient.

„Bates hängt ständig am Telefon", meinte sie daher nüchtern. Harm drehte sich auf den Rücken und starrte an die Zimmerdecke.

„Hmmm", machte er schließlich, nicht ganz überzeugt.

„Myers rennt jedem Penny hinterher, den ihr diese Firmen zuwerfen", probierte sie es weiter.

„Hmmmm..."

„Harm! Sie wagen es, zu schlafen, wenn sie mit mir in einem Bett liegen!?" griff sie gespielt empört seinen Witz von vorher auf.

„Für alles andere, was ich mit ihnen gemeinsam in einem Bett machen wollen könnte, würde ich meinen Job verlieren... es ist mitten in der Nacht. Ich verspreche ihnen, wir gehen auf Verbrecherjagd... nach dem Frühstück..."

Cara rutschte wieder unter die Bettdecke, knipste die Lampe wieder aus und warf der hügeligen Landschaft neben ihr, die ihr Partner im Dunkeln darstellte einen erstaunten Blick zu. Machen wollen könnte? Ob er wohl selbst mitgekriegt hatte, was er da gerade gesagt hatte? Allerdings bewegte er sich nicht, und atmete ruhig weiter.

&&&

Ihre Haare rochen gut. Das war das erste, was ihm auffiel, als er seine Nase in ihrem Nacken verbarg und ein kleines Küsschen hinter ihrem Ohr platzierte.

Das nächste, was sein vom Schlaf umnebelte Verstand wahrnahm war, dass sie auch gut schmeckte. Seine Arme umschlossen ihre Taille ein wenig fester, während er damit fortfuhr, ihren Nacken zu liebkosen. Sie neigte ihren Kopf, um ihm besseren Zugang zu gewähren.

Etwas mutiger fuhr er mit seiner Zunge vom Halsausschnitt ihres T-Shirts bis zum Ohrläppchen hoch. Seine Bemühungen wurden mit einem leisen Seufzen belohnt. Ihr Rücken drückte sich gegen seine Brust, als er sie noch enger an sich zog. Sein linkes Bein drängt sich zwischen ihre Beine, während seine Hand unter das zu lange T-Shirt fuhr und auf ihrem muskulösen Bauch zum Liegen kam. Er ließ seine Finger über die harten Muskeln gleiten und ein leises Japsen entfuhr ihm, als er bemerkte, dass sie auf seinem linken Oberschenkel saß, dass sich ihr wohlgeformter Hintern gegen seine Hüfte presste. Als seine Hand weiter nach oben wanderte, fand er sich plötzlich auf seinem Rücken wieder, und die Frau, die sich eben noch in seinen Armen befunden hatte auf ihm lag. Ihre Brüste pressten sich gegen seinen Oberkörper, und während er seine Hände unter dem T-Shirt über die glatte, warme Haut ihres Rückens gleiten ließ, vergrub sie ihre Hände in seinem schwarzen Haar und zog seinen Kopf zu sich.

Als sich ihre Lippen nach einer kleinen Ewigkeit wieder voneinander lösten, bemerkte er, dass er ihre Geste imitierte und sich seine Finger in den langen schwarzen Locken verfangen hatten.

Zwei tiefgrüne Augen sahen ihn forschend an.

Er blinzelte ein paar Mal, sich immer noch nicht sicher, ob er nicht wieder einmal träumte.

„Cara. Nicht Coates", meinte sie unvermittelt. Sie versuchte, sich von ihm zu lösen, doch er wollte sie nicht loslassen.

„Ich weiß", gab er zurück und sah sie ernst aus seinen graublauen Augen an. Dann ließ er sie los.

&&&

Nachdem sie eine Weile mehr oder weniger stocksteif nebeneinander im Bett gelegen hatten, wurde es der Saiyajin schließlich zu blöd.

„Okay. Was bedeutet das nun?"

Harm verschränkte seine Hände unter seinem Kopf und starrte an die Decke.

„Dass ich mich mal wieder zu meiner Kollegin hingezogen fühle... mit dem Feuer zu spielen scheint mir wohl im Blut zu liegen..."

Wenn man über seine Geschichte mit dem anderen Geschlecht nachdachte, konnte das doch nur schief gehen.

„Du klingst nicht gerade begeistert."

„Das liegt daran, dass ich bisher immer Pech hatte. Die erste Frau, von der ich dachte, ich könnte den Rest meines Lebens mit ihr verbringen, wurde umgebracht. Die Zweite wurde irgendwo hin versetzt... und wie das mit Mac ausging, weißt du ja."

Wieder waren sie eine Weile still.

„Was ist mit Coates?"

„Was soll mit Coates sein?"

„Nach deiner miesen Laune zu urteilen..."

Nun drehte er sich auf die Seite und warf seiner Partnerin einen ernsten Blick zu.

„Ich war sauer, weil sie ohne etwas zu sagen verschwunden ist. Das hatte nichts mit unserer Affäre zu tun."

Sie sah ihn forschend an, sagte aber nichts.

„Es war einfach schön, sich nach zwei Jahren einmal nicht mehr wie ein Mönch zu fühlen", gab er schließlich zu. Dass im Anschluss wieder das miese Gefühl eines verzweifelten Mannes eingetreten war, machte die Sache nicht gerade besser.

„Es beruht übrigens auf Gegenseitigkeit...", meinte Cara schließlich in die Stille hinein.

„Was?"

„Das sich zueinander hingezogen fühlen..."

Wieder war es ruhig.

„Soll das heißen, du willst mein T-Shirt behalten?" grinste schließlich der Ex-Pilot auf seiner Seite des Bettes. Cara's Antwort hörte sich sehr ernst an.

„Auf jeden Fall. Allerdings habe ich nicht die geringste Ahnung, was ich mit dessen Besitzer machen soll..."

&&&

„Das ist lächerlich."

Sie saßen schon seit einer kleinen Ewigkeit nebeneinander im Auto, und keiner traute sich, etwas zu sagen.

„Ich habe leider keine andere Lösung dafür. Tut mir leid, wenn dir das mal wieder auf die Nerven geht."

„Ich habe nicht gesagt, dass es mir auf die Nerven geht. Ich habe gesagt, es ist lächerlich, wie sich zwei Erwachsene anschweigen, weil sie zufällig..."

Sie brach ab. Was genau war es, was sie zufällig füreinander...?

„Du kannst es noch nicht einmal selbst aussprechen, und beschwerst dich trotzdem darüber?"

„Ich versuche immer noch, herauszufinden, was das alles bedeutet."

Er starrte einfach weiter geradeaus auf die Straße. Hatte es überhaupt etwas zu bedeuten, dass sie immer wieder im gleichen Bett, in den Armen des jeweils anderen landeten? Dass sie ihn mittlerweile wohl besser kannte als jede andere seiner Partnerinnen? Und ihn auch noch in den weitaus peinlichsten Situationen seines Lebens erlebt hatte?

„Ich habe keine Ahnung, was das zwischen uns ist. Momentan kann ich nur sagen, dass diese Geschichte mit Coates und dir mich stört, und dass ich immer noch nicht weiß, warum ich dein T-Shirt ständig mit mir herumschleppe."

Diesmal nahm er seinen Blick von der Straße und sah sie erstaunt an. So viel Ehrlichkeit hatte er nicht erwartet.

„Du bist eifersüchtig?"

Sein selbstgefälliges Grinsen erschien auf seinem Gesicht.

Sie sah ihn nicht an.

„Zieh das jetzt nicht ins Lächerliche."

Er wurde wieder ernst.

„Das wollte ich nicht. Ich bin es nur nicht gewohnt, dass die Frauen bei mir Schlange stehen..."

Nun erhielt er einen wirklich seltsamen Blick.

„Hast du schon mal in den Spiegel gesehen?"

„Was?"

„Harm, ich war gerade mal zwei Tage bei JAG, und schon hatte mir die halbe Buchhaltung, die Hälfte der Sekretärinnen und ein nicht unbedeutender Teil der weiblichen Anwälte und Richter mehr oder weniger durch die Blume mitgeteilt, dass es ein männliches Wesen in dem Gebäude gibt, für das sie alles stehen und liegen lassen würden."

„Haben sie das?"

Er klang nicht wirklich überzeugt.

„Du arbeitest seit fast 10 Jahren mit diesen Menschen zusammen und es ist dir nie aufgefallen, das fast die ganze weibliche Belegschaft zu sabbern beginnt, sobald du um die Ecke biegst?"

Sein ungläubiger Blick erntete ein Kichern.

„Es ist dir wirklich niemals aufgefallen?"

Er schüttelte den Kopf. Dann jedoch legte er ihn schief.

„Wahrscheinlich schon. Und dann habe ich es ignoriert. Es war einfach nicht die Frau dabei, die..."

Er schluckte. Es war ja klar, dass er nun wieder an Mac denken musste.

„Die du haben wolltest", vollendete Cara seinen Satz und sah aus dem Fenster auf die vorbeiziehende Landschaft. Ein Hinweisschild zeigte an, dass die nächste Abfahrt zum Flughafen führte.

„Wird sie immer zwischen dir und jemand anderem stehen?"

Als ob er sich das nicht schon selbst oft genug gefragt hatte.

„Ich denke, Coates war ein Anfang..."

„Coates war Sex", unterbrach sie ihn. Ihre grünen Augen fixierten ihn unerbittlich.

„Was willst DU, Harm? Willst du immer noch sie? Dann fahr nach Australien und hol sie dir. Hör auf, der nette Junge von nebenan zu sein, der niemandem wehtun will. Hör auf, es verdammt noch mal jedem außer dir Recht machen zu wollen! Sei ein Mann und hol sie dir."

Er nahm die Abfahrt, ohne etwas zu sagen.

Wollte er sie immer noch?

Konnte er sie Brumby einfach wegnehmen?

Wollte er das überhaupt?

Was wollte er überhaupt?

„Gehst du heute abend mit mir Essen?" fragte er sie schließlich unvermittelt.

„Was?"

Sein Blick ruhte warm auf ihr und ein Schmunzeln lag in seinen Augen.

„Ich will, dass du heute abend mit mir Essen gehst. Dass wir endlich unser so lange aufgeschobenes Gespräch führen. Nicht mehr und nicht weniger. Als Anfang."

Sie antwortete ihm mit einem Lächeln.

„Okay."

Er wandte seine Aufmerksamkeit mit einem Grinsen wieder der Straße zu.

„Und dann diskutieren wir diesen ‚Sei ein Mann'- Satz."

ENDE

Und in der nächsten Folge:

Was wird aus Harm und Cara? Ein alter Bekannter tritt in ihr Leben, was Harm eifersüchtiger macht, als er zugeben will. Auf der anderen Seite ist da immer noch die Sache mit Coates. Außerdem werden die Anwälte in einen Fall des NCIS hineingezogen. Können sie Ari Haswari aufhalten, bevor dieser einen seiner Anschläge ausführt?