Ein herzliches Hallo an alle Leser. Ich entschuldige mich für die Kürze dieses Kapitels, aber am Montag hat für mich die Schule wieder begonnen und es kommt so vor, als sei die 13 etwas stressiger als die 12 .
Vielen Dank an diesen Stelle an vestilia, Amoklauf und tserafouin - ihr wisst weshalb.
Enjoy!
---
Wie sie nun vor ihm saß, aufrecht, die Hände in das Bettzeug gestützt. Wie das Kaninchen vor der Schlange. Ihm waren nun so unendlich viele Möglichkeiten gegeben. Er hätte beinahe gegrinst, denn der Großteil seiner Gedanken würde ihn mit absoluter Sicherheit um seinen Beruf erleichtern. Dann bliebe ihm entweder nur noch Voldemort oder ein Leben, das noch einsamer war, als das aktuelle. Seine Miene verfinsterte sich noch ein Stückchen. Und er sah den Effekt auf Jess' Gesicht. Snape atmete tief ein und langsam wieder aus, ohne sie auch nur eine Sekunde lang aus den Augen zu lassen. Sie sollte ruhig denken, dass seine Geduld kurz vorm Reißen war. Vielleicht würde sie ihm dann den nötigen Respekt zollen, es wäre ihm nur allzu recht.
Mit einem süffisanten Grinsen legte er nun seine Hände auf den oberen Balken des Rahmens und betrachtete die junge Frau in seinem Bett. Mit einem Mal veränderte die Tatsache, dass sie ihn nicht länger anblicken konnte, alles. Seine Gedanken überschlugen sich, er fühlte sich, als hätte er ein Opfer vor sich, das der Dunkle Lord ihm und den anderen zum „Fraß" vorgeworfen hatte. Mit eisigem Blick nahm er Jess' Umhang mitsamt Zauberstab und schmiss ihn ihr entgegen.
„Folgen Sie mir!", bellte er.
---
Jess schluckte schwer, versuchte aber, so gelassen wie möglich zu wirken. Sie erwiderte seinen Blick so fest wie nur möglich, ohne mit der Wimper zu zucken. Snape seinerseits stellte sich nun so nah an das Bett, dass seine Knie den Bezug berührten. Sein eiskalter Blick machte es Jess nicht leicht, ihre Maske aufrecht zu erhalten. Sie wusste nicht, was er als nächstes tun würde und sie wollte auch lieber nicht darüber nachdenken. Snape hob beide Arme und legte seine Hände auf den oberen, horizontalen Balken des Bettes. Es wirkte, als wollte er sie einsperren, in diesem Bett. Er musterte seine Schülerin sehr eingehend und Jess konnte ihn beim besten Willen nicht ansehen. Sie nahm aus dem Augenwinkel wahr, dass seine Hand zur Seite glitt, aber durch den Vorhang konnte Jess nicht sehen, was er tat. Im nächsten Moment warf er ihr ihren Umhang, wie auch ihren Zauberstab zu. Ihr fiel erst jetzt auf, dass sie ihren Umhang gar nicht trug.
„Folgen Sie mir!"
Jess war mehr als erleichtert, dass sich die tausend Horror-Szenarien, die sie sich ausgemalt hatte, nicht in Realität verwandelt hatten. Sie folgte Snape aus dem Zimmer, zog dabei ihren Umhang an und setzte die finsterste Miene auf, die sie zu bieten hatte. Snape hatte sie ängstigen wollen und er hatte es geschafft. Jetzt konnte Jess nur noch hoffen, dass es ihm nicht allzu bewusst war.
Sie betraten einen Raum, der offenbar das Wohnzimmer des Meisters der Zaubertränke war, anschließend stellte Snape sich an eine andere Türe, die, wie Jess vermutete, zum Korridor führte. Snape legte seine Hand auf die Klinke und drehte sich anschließend um, ohne jedoch die Tür zu öffnen. Jess nahm die Gelegenheit wahr, so nah wie möglich an ihn heranzutreten, um ihm zu zeigen, dass sie ihn nicht fürchtete. Die beiden tauschten einen langen Blick aus, wobei sie sich in Sachen Ablehnung gegenseitig die Klinke in die Hand gaben. „Bis morgen, Miss Bodes.", zischte Snape. Sein Blick wurde gehässig. Er würde sie morgen in seinem Unterricht pausenlos quälen und bloßstellen. Aber er sollte bloß nicht denken, dass es ihr etwas ausmachte. „Ich platze schon vor Vorfreude.", zischte sie zurück. Snape öffnete die Tür und Jess huschte hinaus auf den spärlich beleuchteten Korridor.
---
Nachdem Snape eine kurze Entspannungsdusche genommen hatte, stieg er in sein Bett. Abermals verfiel er ins Nachdenken. Er musste zugeben, dass es nicht ganz verwerflich war, wie Jessica sich verhielt. Sie hatte ihren eigenen Kopf und sie ließ sich nicht klein kriegen, wenngleich sie ihre Angst auch längst nicht immer verbergen konnte. Trotzdem gab es Grenzen und sie hatte gleich mehrere davon überschritten. Snape drehte sich auf die Seite und blickte aus dem kleinen Fenster unter der Decke. Der Mond war in sehr weiter Entfernung unter einer dünnen Wolkenschicht zu erkennen. Seine Gedanken schweiften ab an das nächste Treffen mit dem Dunklen Lord. Er wollte lieber nicht daran denken und schloss die Augen.
Als seine Muskeln gerade dabei waren, sich zu entspannen… „Was zum…das gibt es doch nicht!" Er setzte sich auf und hielt sich die Bettwäsche unter die Nase. „Das zahle ich ihr heim!" Er musste seine Bettwäsche abziehen, denn er hatte wenig Lust, sich mit dem Geruch von Jessica Bodes herumzuschlagen, auch wenn dieser nicht unangenehm war. Er gehörte einfach zu ihr.
Jessica ihrerseits duschte zum dritten Mal an diesem Tag, um sicher zu sein, dass der Geruch von Snapes Bettwäsche auch ja nicht an ihr haften könnte. Danach legte sie sich in ihr Doppelbett und vermied jeden Gedanken an ihr kürzliches Erlebnis mit Snape so gut es ging. Hawkins wusch sich bei offener Türe und lugte immer wieder in den Raum. Bei dem Gedanken an Snapes Bett und dem gleichzeitigen Anblick von Hawkins Kopf, der ins Zimmer lugte, kam Jess ein Gedanke: ‚Wo schläft der Kerl?' Und dann: ‚Oh nein!' Sie konnte es sich bereits denken und sie sollte Recht behalten: Nachdem Hawkins das Licht im Bad und auch das im Zimmer ausgeschaltet hatte, legte er sich neben sie, als sei das überhaupt kein Problem. Jess sah das etwas anders. „Entweder Sie schlafen auf dem Boden oder ich." Vom schwachen Mondlicht beleuchtete saßen sie im Bett und Jess konnte sich einen herausfordernden Blick kaum verkneifen. Hawkins dagegen schien nicht sonderlich gerührt. „Na dann viel Spaß." war alles, was er sagte. Jess konnte es nicht fassen. „Wie bitte?!" – „Ich werde nicht auf dem Boden schlafen, Jessica." Sie schoss ihm einen wütenden Blick zu. Es war ihm egal. Schließlich grummelte sie verärgert, warf sich wütend auf die Seite und gab sich geschlagen.
