Chapter 10

Angel holte einmal tief Luft. Er wusste noch gar nicht recht, wo er anfangen sollte. Als er aufblickte sah er Lilah's erwartungsvollen Blick. Er konnte ihr nicht direkt in die Augen sehen, also senkte er seinen Blick wieder, bevor er ansetzte: „I…" Angel räusperte sich und beschloss, sie einfach geradeheraus von seinen Kenntnissen zu informieren. „Ich war es, der Sie gebissen hat… Ich… es…" Er holte noch einmal Luft und konnte förmlich hören, wie Lilah sich anspannte und sich die Atmosphäre veränderte.

Der Vampir hob nun den Blick etwas und fuhr fort. „Ich habe mich damals mit Ihnen getroffen, im Café Chateau. Ich wusste bis dahin selbst nicht, was ich eigentlich dort wollte, irgendeine Kraft hat mich allerdings zu diesem Treffen gedrängt. Es war, als wäre ich nicht ich selbst gewesen, als ich mich dort zu Ihnen gesetzt habe." Angel grinste gedankenverloren, als er an Lilah's erstaunten Blick dachte.

Lilah's Augen weiteten sich bei Angels Ausführungen, dieser fuhr einfach fort: „Wir haben unser Spielchen gespielt, wie immer, hier eine Beleidigung, da eine sarkastische Bemerkung, zwischendurch ein eisgekühlter Drink. Wir sind schließlich auch irgendwann auf Angelus zu sprechen gekommen – wahrscheinlich haben wir dieses Thema zu sehr vertieft… Sie verließen schließlich den Tisch, und meinten, dass ich Sie bei irgendwas aufhalten würde.

Als Sie dann weg waren, verlor ich die Kontrolle über mich – über mein Alter Ego und war wie in Trance. Ich wartete auf Sie an ihrem Wagen, Sie waren zu überrascht, um mich, den Kuss und dann den Biss zuerst zu realisieren. Ich hatte das Gefühl, mich von oben zu sehen und nicht eingreifen zu können... Es war eigenartig… In Ihrem Wagen habe ich Sie in Ihre Wohnung gefahren. Wir waren zwar ‚nie die besten Freunde'…" zitierte er Lilah. „aber ich konnte Sie auch nicht einfach sterben lassen… Also ließ ich Sie von meinem Blut trinken. Keine Ahnung, was mich zu alldem bewogen hat. Es war, als ob ich erst da mein Bewusstsein wiedererlangt hätte und ich musste weg – weg von allem, mir über die Situation klar werden. Es tut mir Leid, dass ich Sie allein da liegen gelassen habe!"

Lilah war immer noch geschockt über Angels Geständnis. Das konnte doch nicht wahr sein! Die Informationen rasten durch ihren Kopf, sie konnte keinen klaren Gedanken fassen und war auch nicht in der Lage irgendetwas davon zu verarbeiten. Ihr Mund stand offen und sie starrte ihn einfach nur fassungslos an. Der Raum wurde totenstill, noch nicht einmal Atmen war zu hören. Angel wartete auf irgendeine Regung Lilah's.

Diesmal schaute er sie direkt an. Er spürte schon wieder dieses Verlangen in ihm, konnte die Stimme hören, die er so gerne abstellen würde. Die Anwältin starrte immer noch regungslos vor sich hin, doch so langsam entstand ein Bild in ihrem Kopf, setzten sich die Puzzleteile zusammen: Sie wollte sich mit einem Klienten treffen, er hatte nur gesagt wo und wann sie sich treffen wollten und einen Buchstaben als Name – das eingekringelte A. Als sie da war, begegnete sie Angel.

Sie plauderten eine Weile, doch sie hatte plötzlich den Eindruck, dass er sie nur von irgendetwas ablenken wollte, also verabschiedete sie sich schnell wieder, um sich produktiveren Dingen zuzuwenden als nur mit ihrem ‚Projekt' zu plaudern. An ihrem Auto wurde sie von ihm überrascht – er sagte nichts, presste seine Lippen gewaltsam auf ihre, bevor sie einen Schmerz in ihrer Schulter fühlte und dann erst wieder in ihrem Appartement aufwachte.

Lilah's Blick wurde klarer, sie fixierte Angel und sprang plötzlich auf. „Sie also!" stellte sie beunruhigend ruhig fest, sie lief um ihren Couchtisch herum und stand nun direkt vor ihm. „Ihnen habe ich also mein neues Leben zu verdanken – ein Leben im Abwasserkanalsystem von L.A., ein Leben ohne Sonne, ein Leben mit ständigem Durst und dem Verlangen nach Blut." Sie dachte an die Situation mit Lindsey und schluckte.

Angel stand ebenfalls auf und die beiden standen sich nun gegenüber. Braune Augen blickten in grüne Augen. Lilah spannte ihren ganzen Körper an, bevor es aus ihr herausplatzte: „Und das hab ich alles Ihnen zu verdanken? Ich muss mich in der Dunkelheit verkriechen und versuchen die heile Fassade aufrecht zu erhalten und das alles nur, weil SIE sich einmal nicht im Griff hatten, der achsogute Angel?" Sie starrte ihn fassungslos und aufgebracht an. Ihr Atem ging schnell, Angel schwieg.

Er konnte nur in ihre Augen blicken und sich nicht losreißen. In diesem Augenblick fühlte er sich wie vor ein paar Tagen. Er konnte deutlich spüren, wie seine gute Fassade bröckelte, er drauf und dran war wieder die Kontrolle zu verlieren. Lilah fühlte einfach nur Wut: Wut auf Angel, Wut auf sich selbst. Sie funkelte ihn aus wilden Augen an. Man konnte förmlich die Luft im Raum knistern hören.

.:TBC:.