So, endlich geht es weiter :)
Danke an Jenny und AliceLovesJasper1995!
Viel Spaß!
Bella
„Aber Dad – "
Charlie schlug mit der Faust auf den Schreibtisch. „Kein 'Aber', Isabella!"
Ich zuckte zusammen. Wenn er mich Isabella nannte, war er meist richtig wütend. „Aber seine Familie – "
„Ist ganz schön dumm, wenn sie sich nicht von selbst zu einem unserer Zufluchtsorte begibt!", knurrte er und ließ sich wieder in den alten Stuhl sinken, stützte den Kopf in seine Hände und schloss angespannt die Augen. „Die Gefahr, in welcher sich seine Familie befindet, ist groß. Doch dies ist kein Grund, der mich dazu bewegt, unsere Männer derselben Gefahr auszusetzen!"
„Sie sind doch bewaffnet!", hielt ich dagegen.
„Bewaffnet?" Freudlos lachte er auf. „Bella, es ist nicht so, dass wir den ultimativen Vampir-Vernichter in den Händen halten! Es sind nutzlose Gewehre. Schusswaffen, die einem bloß ein wenig Zeit verschaffen können! Überhaupt – hatte ich dir nicht gesagt, du sollst dich von ihm fernhalten?"
Frustriert stöhnte ich auf. „Du willst den Tod seiner Familie besiegeln?"
„Sei nicht so dramatisch!", fuhr er mich an. „Weißt du überhaupt, wie gefährlich es dort draußen ist?"
„Woher soll ich das wissen, wenn du mich Tag und Nacht einsperrst?", fauchte ich zurück.
„Geht das nun wieder los?", seufzte Charlie und erhob sich, lief Kreise in seinem Büro. Vor einem gerahmten Bild von mir, das an seiner Wand hing, blieb er stehen und atmete tief durch. „Die Situation wird sich bald zuspitzen, Bella.", sagte er leise. „Leider findet sich Forks unter den Städten mit den meisten Vampiren wieder. Diese Monster lieben unsere schöne Natur. Leider wird sich das bald herumgesprochen haben. Dann wird kein gesunder Mensch mehr nach Forks ziehen wollen. Und die wenigen, die sich an der Oberfläche befinden, ohne Schutz, werden vernichtet." Er drehte sich wieder zu mir. Seine Augen sahen traurig aus. „Du siehst, selbst wenn ich meine Männer hinauf schicken würde, ist die Möglichkeit, Edwards Familie zu finden, sehr gering. Und die Vampire würden schnell auf uns aufmerksam werden. Sie sind durstig."
Ich schluckte und senkte den Blick. „Aber... wenn sie hier nichts mehr finden... vielleicht verschwinden sie dann wieder. Irgendwann. "
Charlie trat näher und legte mir väterlich die Hand auf meine Schulter. „Mach dir keine Hoffnungen, Bella. Wer weiß, wie lange das dauert. Bis dahin sind unsere Vorräte dahin. Und jeden Tag drehen hier unten mehr Leute durch. Wir müssen es auf anderem Wege versuchen. Wir müssen alles daran setzen, eine Schwachstelle zu finden!" Eindringlich sah er mich an. „Genau deswegen kann ich Edward nicht einmal auf eigene Verantwortung nach oben gehen lassen. Mit seinem Intelligenz-Test hat er viele unserer besten Wissenschaftler überholt. Wir brauchen ihn, damit er Waffen entwickelt! Verstehst du das?"
Eine Weile starrte ich in seine Augen, die mich bittend ansahen. „Natürlich.", antwortete ich dann. „Ich denke, ich werde jetzt zum Mittagessen gehen. Bis später, Charlie." Damit wandte ich mich der Tür zu.
„Ich wünschte auch, dein Leben wäre anders, Bella.", hörte ich Charlie sagen. Tief atmete ich durch, bevor ich auf den Gang schritt und die Tür hinter mir schloss. Das Gespräch war ganz anders verlaufen, als ich es gedacht hatte.
Nachdenklich sah ich mich um, während ich durch die Flure lief. Viele Menschen hasteten durch die Gänge. Alle hatten etwas zu tun. Alle lebten aus einem bestimmten Grund hier unten. Bloß ich nicht. Angela lebte hier, weil sie schon als Kind intelligent gewesen war und eine große Hoffnung für die Wissenschaft darstellte. Sogar Jessica hatte einen Nutzen – da ihr Vater als Arzt gebeten wurde in den Bunker zu ziehen, er jedoch niemals ohne seine Familie gehen wollte, diente Jessica nun als Krankenschwester. Etwas, was zu jemanden wie mir – mit Ohnmachtsanfällen bei dem Anblick von dem kleinsten Tröpfchen Blut – absolut nicht passte. Schon oft hatte ich überlegt, welche Zukunft für mich infrage käme. Doch ganz im Ernst: so zahlreich waren die Möglichkeiten nicht. Ich war nicht dumm, jedoch nicht interessiert genug. Und kaum etwas konnte mich so sehr blockieren wie Desinteresse.
Vermutlich setzte man mich auf die Straße, wenn Charlie sterben sollte.
„Na, Bella. Wie war dein Tag bisher?", riss mich Angela aus meinen Gedanken. Verwundert stellte ich fest, dass ich bereits in der Kantine war.
„Ereignislos.", erwiderte ich gelangweilt und hielt nach Jessica Ausschau. „Und deiner?"
„Auch.", gab sie zurück, doch ich wusste, dass sie nur höflich war. „Das heißt... eigentlich ist etwas merkwürdiges passiert. Der Hund von den Newtons ist tot."
Ich runzelte die Stirn. „Was ist daran so merkwürdig? Der ist doch schon total alt."
Angela zuckte die Schultern. „Nun, er ist nicht an Altersschwäche gestorben. Irgendjemand hat ihn aufgeschlitzt."
Geschockt sah ich sie an. „Aufgeschlitzt? Ist schon wieder jemand durchgedreht und läuft hier frei herum?"
Erneut zuckte sie die Schultern. „Man weiß es nicht. Aber der Hund hatte ziemlich viel Blut verloren."
Ein Schauer lief über meinen Rücken. Ich hatte Bernie, den Hund, den die Newton noch von ihrem früheren Leben hatten, sehr gemocht, auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte, dass Bernie ein von den Wäldern abgetrenntes Leben genossen hatte. Doch keiner hatte es übers Herz gebracht, ihn bei den Vampiren zu lassen.
„Dein Freund kommt.", meinte Angela plötzlich amüsiert. Fragend folgte ich ihrem Blick und erspähte Edward. Er wirkte viel ruhiger als letzte Nacht, dennoch angespannt.
„Hey Bella.", sagte er leise, als er vor mir stand und nickte auch Angela kurz zu.
„Hey.", erwiderte ich und schluckte, um meinen plötzlich trockenen Hals zu befeuchten. Auch, wenn ich versuchte, es zu verbergen – als er mir letzte Nacht so nahe gekommen war, hatte ich schwer mit meiner Selbstbeherrschung kämpfen müssen. Dieser Typ hatte von Gott so viel Charme in die Wiege gelegt bekommen, dass es unverschämt war. Auch jetzt lächelte er mich unwiderstehlich an.
„Ich besorge uns schon mal Mittagessen!", verkündete Angela und lief davon.
„Ich habe mit meinem Vater gesprochen.", begann ich zaghaft und senkte den Blick, seufzte.
„Sag bloß, er war nicht begeistert.", schmunzelte Edward. „Du musst dich nicht schuldig fühlen, wenn er mir keinen Schutz zur Seite stellt, Bella. Das habe ich von Anfang an nicht erwartet. Ich werde auf eigene Verantwortung an die Oberfläche gehen. Charlie hat doch bestimmt irgendeinen Wisch, den man da unterschreiben kann?"
Nervös spielte ich mit meinen Fingern. „Hast du schon gehört, dass Bernie aufgeschlitzt wurde?", lenkte ich ab.
„Bernie?", fragte Edward verwirrt.
„Der Hund von den Newtons.", erklärte ich schnell. „Er wurde tot aufgefunden."
Edward räusperte sich und wendete den Blick ab, fuhr sich durch die Haare. „Das... ist wirklich eine Tragödie."
„Ja. Ja, das ist es.", pflichtete ich ihm bei.
„Und so taktlos es auch sein mag,", fuhr er fort. „ich muss dich trotzdem fragen, ob dein Vater ein Formular hat, in dem ich die Verantwortung für eventuelle Schäden übernehme."
Resignierend ließ ich mich auf eine Holzbank sinken und starrte zu ihm hoch. „Charlie wird dich nicht einmal auf eigene Verantwortung hinauf lassen.", eröffnete ich ihm tonlos. „Er hat mir eben erklärt, wie die... Situation ist. Anscheinend hat er heute neue Berichte erhalten, sonst hätte er nur halb so ablehnend reagiert." Einige Momente sah Edward mich wortlos an, doch ich konnte die Frustration in seinen Augen blitzen sehen. Ich ließ den Kopf sinken. „Tut mir leid, Edward, aber... so wie Charlie es darstellt, ist das eh keine so gute Idee. Klar, er übertreibt gerne. Doch wenn du deine Familie nicht sofort findest und dich nachts durch die Straßen treibst, wirst du – "
„Jetzt bist du auch noch gegen mich?", fuhr er mich plötzlich an. Ich zuckte zusammen.
„Ich bin nicht gegen dich, Edward. Aber was soll ich machen?", seufzte ich. „Meinen Vater bekomme ich nicht überzeugt."
„Was du machen kannst?" Er kniete sich vor mich und nahm meine Hand. Die Leute in unserer näheren Umgebung blickten verdutzt zu uns. Das musste aussehen wie ein Heiratsantrag. Meine Wangen färbten sich rosa. „Bella,", fuhr er eindringlich fort. „du musst mir zeigen, wie du es hier hinaus geschafft hast. Du warst draußen. Ich muss zu meiner Familie!"
Nachdenklich biss ich mir auf die Lippe und starrte in seine Augen.
„Bitte.", setzte er nach.
Ich schluckte schwer. In meinem Kopf wurde seine Familie gerade zur Schlachtbank geführt. Doch ich konnte nicht anders. „Es wird nicht meine Schuld sein, wenn du an die Monster verfüttert wirst."
Edwards Gesichtsausdruck wurde hart. Er ließ meine Hand fallen. „Wer weiß, wie viele Menschen du damit zum Tode verurteilst.", warf er mir an den Kopf und erhob sich. Ich konnte nichts dagegen machen, mir schossen Tränen in die Augen. Auch ich stand auf.
„Wenn du bewaffneten Schutz gehabt hättest, wäre es etwas anderes. Aber ich kann nicht auch noch dein Leben auf meinem Gewissen lasten wissen!", versuchte ich mich zu erklären.
„Ist schon gut.", erwiderte er kühl und wollte sich abwenden, als er stockte. „Was meinst du mit 'auch noch'?"
Die Tränen flossen nun unaufhörlich über meine Wangen, ärgerten mich, da sie für alle sichtbar waren. „Entschuldige mich bitte." Damit verließ ich so schnell ich konnte den Saal.
