Titel: …and then rain starts falling (9/31+Epliog)
Autor: KimRay
Kategorie: action/adventure
Unterkategorie: Drama
Inhalt: Der Krieg ist vorbei. Harry ist Auror und Todesserjäger und sein nächstes Ziel heißt Draco Malfoy.
Und wie immer: SLASH
DISCLAIMER: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich den jeweiligen Eigentümern. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir.
Anmerkungen: Das sind die updates aus dem Adventskalender. Hier vorerst täglich zwei. Thanks für Eure reviews.
Beta: fiZi – Wie immer. ;-)
Kapitel 9
Winkelzüge
„Morgen, wie geht's der Kleinen, Anne?" Harry hatte Hermione in den Schlafraum gebracht. Colin war bei ihr. Er war der Nächste gewesen, der auf dem Gang aufgetaucht war und es kam ihm zweifellos gerade Recht, Harrys Job Hermione Trost zu spenden, zu übernehmen. Harry verspürte einen Klaps von Elea, der ihn in die Gegenwart brachte und sah sich dem giftigen Blick aus grauen Augen gegenüber, der ihm mehr als nur einen Stich versetzte.
„Es geht mir nicht gut!", konstatierte Vivien Mavot, „Und ich will augenblicklich zu Papa. Wir müssen nach Hause. Dobby macht sich sorgen!" Die Wand, die den Aufenthaltsraum und Malfoys Zelle verband, war im Moment so solide, wie sie nur sein konnte.
„Hallo, Vivien!" Vivien schwieg und hielt Harrys Blick unbeeindruckt stand. Offensichtlich hatte sie den ihr zweifelsfrei eigenen Malfoy-Charme wieder gefunden. Es schockierte Harry vollkommen, zu sehen, wie ähnlich dieses Mädchen seinem Vater war. Dieselben grauen Augen, das exakt gleiche silberblonde Haar, das schmale, filigrane Gesicht – und die offensichtlich angeborene Arroganz. Schmerzhaft wurde Harry daran erinnert, als er Malfoy das erste Mal getroffen hatte. Vivien könnte als sein Zwilling durchgehen, wenn er sie mit dem Bild, das er von dem Jungen von damals im Kopf hatte, verglich.
…tststs… , bekam Harry von Elea zu hören, …was für ein spitzes kleines Zünglein!...
Malfoy durch und durch. , war Harrys Antwort.
„Es tut mir leid, Vivien, aber mit deinem Vater müssen wir erst noch ein paar Dinge klären."
„Er hat nichts getan!" Kleine Hände schlugen auf den billigen Tisch, dass das Frühstück darauf erzitterte und Harry begann Annes verspannten Gesichtsausdruck zu verstehen. Die Selbstbeherrschung hatte sie ganz klar nicht von ihrem Vater geerbt.
„Sobald sich das beweisen lässt, kann er gehen, Vivien. Aber noch ist es leider nicht bewiesen."
„Sie können ihn nicht einfach festhalten. Er hat nichts getan…er war immer bei mir! So lange ich denken kann. Er kann gar nichts getan haben!", stritt sie weiter und Harry erhaschte den ersten Blick auf ihre tiefe Verzweiflung. Vivien verstand nicht, was mit ihnen passierte. Ihre heile Kinderwelt war aus den Fugen geraten. Harry rutschte auf den Stuhl ihr gegenüber und fasste nach ihren Händen. Was auch immer geschehen war, das Kind konnte nichts dafür.
„Lassen Sie mich!" Dracos Tochter versuchte ihm ihre Hände zu entziehen, doch Harry ließ es nicht zu und ließ seine Magie fließen.
„Hör mir zu, Vivien! Ich weiß, dass dir diese Situation Angst macht. Vielleicht wäre es besser gewesen, dich auf euer Anwesen zurück zu bringen, bevor wir deinen Vater hier her gebracht haben, doch ich hatte den Eindruck, dass ihm das nicht Recht gewesen wäre." Jetzt schlug sie die Augen nieder. Ohne Zweifel wäre es ihr genauso wenig Recht gewesen, wie Draco. „Es ist alles nicht ganz so gelaufen, wie es sollte und es tut mir leid, dass du das erleben musstest, aber wir werden versuchen, die Lage so schnell wie möglich zu klären!" Harry konnte spüren, wie sie sich langsam entspannte. Die Wassermagie wirkte.
„Er hat nichts getan!", wiederholte sie erneut, jedoch schon viel weniger aggressiv. Harry sah aus dem Augenwinkel Annes Gesichtsausdruck und hatte Mühe, nicht rot zu werden. Offensichtlich hatte sie ihre helle Freude daran, wie es ihm gelang das Mädchen zu beruhigen. Es wunderte ihn nur, dass er Elea noch nicht kichern hörte.
„Wir werden sehen, Vivien, okay? Aber es wird einige Zeit in Anspruch nehmen!" Angelina arbeitete mit Hochdruck daran, Dracos Auslieferung durchzubekommen. Das hatte Salvatore ihm gestern Nacht schon gesagt. Er hoffte nur, dass es schnell ging. Harry kam mit allen Eventualitäten klar, wenn er sich auf seine Rückendeckung verlassen konnte. Die fehlte ihm hier. Er traute den Italienern nicht weiter, als er unbedingt musste. Dazu war ihm hier unten schon zuviel schief gelaufen und er wusste, dass Salvatore sich über diesen Umstand vollkommen klar war.
Der Fakt, dass sie in Dracos Haus gestern absolut nichts gefunden hatten, außer einer enormen Waffensammlung, war dem Auslieferungsverfahren leider nicht zuträglich. Es würde schwierig werden und er hatte nicht alle Möglichkeiten.
„Miss Banks sagt, ich muss hier weg! Ich möchte nicht weg von Papa!", ließ Vivien sich wieder vernehmen. Inzwischen hatte sie wieder die Tischplatte fixiert und Harry spürte, dass sie mit den Tränen kämpfte. Es war beinahe ein Reflex, ihr über seine Magie Mut zu machen und ihre Hände noch ein wenig fester zu halten.
„Ich weiß, Vivien, aber die Gesetze hier lassen nicht zu, dass du hier bleibst."
„Ist das in England anders?" In England konnte Harry sich die Gesetze was das anging zum Glück zurechtbiegen, doch sie waren nicht in England, trotzdem sagte er:
„Auf jeden Fall!" Was sie über diese Antwort dachte, ließ sie sich nicht anmerken. „Aber du muss keine Angst haben! Anne wird dich begleiten und drei weitere meiner Mitarbeiter werden ganz in der Nähe sein!"
„Und Sie?" Vivien hob den Kopf und graue Augen fingen Harrys Blick ein. Dieser war so schockiert über ihr offensichtliches Vertrauen in ihn, dass er nicht wusste, was er sagen sollte. Zum Glück bemerkte Anne sein Dilemma.
„Harry ist so schnell vor Ort, Vivien, so schnell können andere nicht mal atmen!" Mit gerunzelter Stirn wandte das Mädchen den Blick und Harry sammelte sich. Er durfte sich nicht von Draco Malfoys Tochter ködern lassen. Das war das letzte, was er gebrauchen konnte. Abrupt ließ er Viviens Hände los und stand auf.
„Ist das für dich so okay, Vivien?"
„Nein!" Harry hörte Elea nun doch noch kichern, doch er ließ sich nichts anmerken. „Aber ich kann damit leben!", setzte Vivien nach. „Darf ich Papa sehen, bevor Miss Banks mich ins Hotel bringt?" Annes Blick fixierte aufmerksam Harry.
„Natürlich. Anne bringt dich zu ihm!" Vivien war schneller an der Tür, als sie sie aufhalten konnten, doch Harry war es gerade Recht. Er schnappte Anne am Arme und flüsterte so leise wie möglich:
„Lass sie mit ihm allein!" Er konnte sehen, dass diese Anweisung Anne ganz klar irritierte, doch sie sagte nichts und verließ mit Vivien den Aufenthaltsraum. Kaum das sie draußen war, kam der Rest ihrer Leute, der nicht schlief einer nach dem anderen herein. Harry wusste, dass sie ihr weiteres Vorgehen klären mussten, doch im Moment war anderes wichtiger.
„Andrew, beobachte die Analysewerte! Der Rest still sein und auf jedes Detail achten." Harry sah Andrew nach dem Klemmbrett langen und machte die Wand zur Zelle wieder transparent. Nebenan ging die Tür auf und Vivien betrat die Zelle.
„Hältst du das nicht für riskant?" kam es von Mike, als dem wohl klar wurde, dass Anne die Tür hinter ihr schloss und sie mit ihm allein ließ. Harry schüttelte nur mit dem Kopf und ließ Draco nicht aus den Augen.
Deine Taktik irritiert mich etwas, Darling, kam es nun endlich von Elea. Kann es sein, dass du etwas weißt, was mir entgangen ist?
Ich weiß eins: das Kind wird er nicht aufs Spiel setzen!
Du darfst ruhig 'seine Tochter' sagen. Sie IST seine Tochter.
Ja ja!
Es hat mich überrascht, dass du einen derartig guten Draht zu ihr findest!
Wasser findet immer seinen Weg! Die Antwort auf diese Bemerkung war Schweigen und Harry konnte sich das mentale Grinsen nicht verkneifen. Das war etwas, was ihm Elea jedes Mal um die Ohren knallte, wenn er nicht verstand, warum sie immer ihren Willen bekam. Es fühlte sich gut an, sich mal zu revanchieren.
Draco starrte in das blasse Gesicht seiner Tochter, wie sie da an der Tür stand und nicht wusste, was sie tun sollte und hatte das Gefühl als müsse ihm das Herz brechen. Vivien litt so offensichtlich unter der momentanen Lage, dass er Potter am liebsten den Hals umdrehen wollte. Es brauchte nur einen Blick und sie rannte ihm entgegen, um in seine Arme zu fallen. Die Tränen, die sie sich im Aufenthaltsraum noch verkniffen hatte nun auf den Wangen.
„Shhhh…ist ja gut, cherie! Alles wird gut!" Er erreichte das Gegenteil. Vivien begann haltlos zu weinen und Draco wandte der Wand, die seines Wissens an den Aufenthaltsraum grenze den Rücken zu. Er zweifelte nicht eine Sekunde daran, dass man sie nicht aus den Augen ließ.
„Es tut mir so leid, cherie, ich wünschte, das wäre nie passiert!" flüsterte er so leise er konnte, auch wenn er sich wenig Hoffnung machte, dass er hier irgendetwas verheimlich konnte.
„Ich habe Angst, Papa"
„Ich weiß, Viv, ich weiß! Behandeln sie dich gut?"
„Sie sind alle sehr nett, aber ich will trotzdem lieber bei dir sein. Bitte, bitte sag ihnen doch einfach, was sie wissen wollen, dass wir wieder nach Hause können!"
Nebenan schürzte Colin, der inzwischen ebenfalls aufgetaucht war die Lippen.
„Böse, Harry. Ganz, ganz böse!" Harry sagte nichts darauf.
Draco umklammerte Vivien inzwischen noch ein wenig fester, denn es zerriss ihm das Herz.
„Vivien ich…"
„Oder lass zu, dass Mister Potter uns nach England bringt! Er sagt, dort darf ich wenigstens in deiner Nähe sein!" Da war also der Haken. Draco fühlte sich von einem Moment zum nächsten, als müsse er explodieren. Gott, war der Bastard hinterhältig. Vivien so etwas einzureden und sie dann auf ihn loszulassen.
Auf dem Klemmbrett begannen einige Werte heftig auszuschlagen und Mike hielt es Harry wortlos unter die Nase, doch er ignorierte es.
Draco saß in der Klemme. Harrys Angebot war natürlich verführerisch, denn ihm war klar, dass die Auroren die Lage dort viel besser unter Kontrolle haben würden, als hier. Ihm war schmerzhaft klar, wie seine Ablehnung auf Vivien wirken musste. Leider waren die Gegenargumente zu gravierend, als dass er sie ignorieren konnte.
„Du bist auch so in meiner Nähe, cherie. Sie werden dich nicht aus den Augen lassen."
„Ich weiß, aber ich will hier bei dir sein!"
„Vivien, bitte, es tut mir so leid?"
„Was hast du getan, Papa?"
„Nichts, cherie, das schwöre ich dir!"
„Aber warum…"
„Anne, hol sie raus! Sag ihr, ihr müsst jetzt gehen!"
„Aber Harry, es fängt gerade an zu wirken!", warf Colin ein, während Anne tat, was Harry verlangt hatte.
„Ich brauch ihr Vertrauen zu ihm noch und er ist gerade dabei es zu verspielen!" Harry sah Mike bei diesen Worten die Lippen schürzen und nahm ihm das Klemmbrett aus der Hand. Die Panik war zurück und Malfoy wand sich, verzweifelt auf der Suche nach Ausreden.
„…ich will nicht gehen. Nein. Papa!...PAPA…"
„Es wird alles gut, Vivien…!"
„PAPA…NEIN…NEEEEIIIINNNN…."
…tu was Lea!...
Das mach mal schön selber… , kam postwendend die Abfuhr. Mit grimmiger Miene dämpfte Harry die Analyse-Zauber und der Pegel der Werte auf dem Klemmbrett wurde weniger bedrohlich, bevor er die bisherigen Aufzeichnungen, herunterriss und verschwinden ließ. Viviens schrilles Schreien riss nicht ab und ein Blick auf die Wand zeigte ihm, dass sie sich von Anne losgerissen hatte und sich nun an ihren Vater klammerte. Keiner seiner Leute machte Anstalten, etwas zu unternehmen.
Draco hob nicht den Kopf, als er Potter aus dem Augenwinkel die Zelle betreten sah. Er wusste, dass er keine Chance hatte.
„Vivien, du hast mir gesagt, du könntest damit leben!" Draco hörte seine Tochter nach Luft schnappen. Das Schluchzen ebbte augenblicklich ab. //Potter, du bist so ein verdammter Bastard…// Zweifellos hatte Harry seinen Lehren im Umgang mit Malfoys gezogen: Nimm sie beim Wort und du bist auf der sicheren Seite.
Vivien ließ ihn los und wandte sich zu Harry um. Tränen und bitterböse Vorwürfe standen klar in ihren Augen. Harrys Miene war kalt und ausdruckslos, als er ihr die Hand entgegenstreckte.
„Bitte! Ich will hier bleiben!", brachte Vivien leise heraus. Die Hand blieb wo sie war und mit einem erneuten Schluchzen richtete Vivien sich auf. Das ihr dabei die Tränen über die Wangen liefen war vollkommen gleichgültig. Sie wusste, dass der Mann vor ihr nicht nachgeben würde.
„Ich liebe dich, cherie!", brachte Draco mit zitternder Stimme heraus und noch einmal fiel sie ihm um den Hals, bevor sie ihn losließ und Harrys Hand nahm. Der Blick, den sie diesem dann einen Moment später entgegenschickte, traf Draco mitten ins Herz. Vivien vertraute Potter – sie vertraute ihm, obwohl er ihnen beiden so viel Leid zufügte.
