Der Raum in den Die Drei Besen, wo die Disco stattfand, war prächtig geschmückt. Alle Tische waren von der Fläche verschwunden. Eine riesige Discokugel prangte an der Decke, drehte sich eifrig um sich selbst und warf bunte Lichtpunkte an jede Wand. An die Bar waren noch ein paar mehr Hocker dazu gestellt worden, damit auch mehr als nur drei Leute dort Platz fanden.

Als Draco und Jessica die Disco betraten, herrschte bereits allgemeiner Massenandrang.

„Liebe Güte, ist das voll hier!", rief Jessica aus, jedoch nicht ohne Begeisterung. Sie war genauer gesagt völlig aus dem Häuschen.

„Hm, scheint so...", brummte Draco. Würde er zwischen all diesen Leuten Ginny finden? Er bezweifelte das stark. Es wunderte ihn ziemlich, wie in das Die Drei Besen, welches ja nun wirklich nicht sonderlich groß war, so viele Menschen passten. Man hatte den Raum wohl magisch vergrößern lassen. Ja, so musste es sein, denn es drängelten sich bestimmt über hundert Leute hier drin und es schienen immer mehr zu werden. Mit Mühe und Not kämpften sich die beiden einen Weg durch die Menge, zu der Bar. Dahinter stand Madam Rosmerta. Sie sah sehr gestresst aus.

„Was kann ich euch beiden anbieten?", fragte sie, während sie geschäftig Gläser abtrocknete und an ihren Platz stellte.

„Also ich hätte gerne ein Butterbier!", sagte Draco laut, denn der Lärm war inzwischen so angeschwollen, dass man seine Stimme heben musste, um einander verstehen zu können.

„Ich nehme das Gleiche!", meinte Jessica. Sie wandte sich zu Draco.

„Die könnten ruhig schon mal beginnen mit der Musik, findest du nicht?", sagte sie zu ihm.

Anstatt Draco antwortete Madam Rosmerta:"Es fängt gleich an, aber Professor Dumbledore besteht darauf vorher eine kleine Rede zu halten. Ein bisschen musst du dich also schon noch gedulden."

Jessica rümpfte verächtlich die Nase.

„Pah, Dumbledores Reden kenne ich zu genüge. Die kann man sich genauso gut sparen..."

Dieses Kommentar brachte ihr einen mahnenden Blick von Madam Rosmerta ein. Sie reichte ihnen ihr Butterbier. Dann verschwand sie in einer Hintertür. Draco ließ seinen Blick im Raum umherschweifen.

Wo bist du? Zeig dich endlich... weswegen bin ich sonst hierher gegangen?

Noch immer konnte er Ginny nirgends entdecken. Draco hatte geglaubt, ihr rotes Haar müsse aus der Menge hervorstechen, doch in dieser Masse nützte selbst dieses auffällige Erkennungsmerkmal nichts. Er seufzte laut. Das konnte wegen des Lärms praktischerweise niemand hören.

Plötzlich wurde es leiser und die Menge teilte sich. Dumbledore schritt durch den ihm geöffneten Gang zu der kleinen Bühne, die weiter hinten errichtet worden war. Er trug zur Feier des Tages einen Magentafarbenen Umhang und einen großen Hut mit derselben Farbe. Lächelnd sah er zum Publikum, das sich ihm nun vollends zugewandt hatte. Er hielt sich den Zauberstab an die Kehle. Jetzt konnte man sogar auf dieser Entfernung verstehen, was er sagte: „Sonorus". Eigentlich überflüssig, so aufmerksam, wie das Publikum sich ihm zugewandt hatte.

Als er zu reden begann, tönte seine Stimme deutlich in jede Ecke.

„Meine lieben Versammelten... Herren wie Damen! Natürlich weiß ich, wie wenig Sie es noch erwarten können, bis die Musik zu spielen beginnt, und ich bitte Sie wegen der Verzögerung vielmals um Verzeihung. Aber ich finde zu einer festlichen Angelegenheit gehört auch eine kleine Rede, weswegen ich mir diese Freiheit genommen habe."

Er blickte einmal freundlich in die Runde, ehe er weitersprach.

„Wie Sie sicherlich wissen, ist dies nicht nur irgendein beliebiges Fest, man feiert heute das 600- jährige Bestehen von Hogsmeade. Ein Wohl auf Hogsmeade und auf mindestens weitere 600 Jahre!"

Dieser Satz wurde mit Jubel aus der Zuschauermenge unterstrichen.

„Wer vielleicht in „Zaubererdörfer und ihre Entwicklung", geschrieben von Amanda Torch geschaut hat, wird vielleicht einmal auf die Geschichte Hogsmeades gestoßen sein. Natürlich möchte ich jetzt hier nicht die ganze Geschichte ausrollen, das wäre zu weitschweifend, aber es sei gesagt, dass Hogsmeade anfänglich aus nur drei Häusern bestand. Mittlerweile ist Hogsmeade eins der berühmtesten Zaubererdörfer Großbritanniens. Und da ich davon ausgehe, dass niemand von euch allen Hogsmeade mehr missen möchte, nochmals ein dreifaches Hoch auf Hogsmeade!Hoch!Hoch!Hoch!"

Die meisten stimmten mit ein.

„Und ganz zuletzt wünsche ich euch viel Vergnügen beim Feiern, übertreibt es nicht."

Dumbledore zwinkerte schelmisch.

Damit war seine kleine Ansprache beendet. Musik ertönte und einige Mädchen kreischten vor hysterischer Freude laut auf. Draco runzelte missbilligend die Stirn.

Ich weiß gar nicht, warum ich hier bin, nützt doch sowieso alles nichts. Von Ginny ist weit und breit keine Spur. Was hab ich Depp mir eigentlich hiervon erhofft?

Doch, als hätte sie seine Gedanken gehört, tauchte sie plötzlich zwischen den Leuten auf, selbst in dem gedämpften Licht strahlten ihre Haare, als hätte sie eine Lampe in ihrem Haar versteckt. Unwillkürlich richtete Draco sich auf. Sie war mit Potter gekommen. Seite an Seite zwängten sie sich durch die Menschenmasse... zur Bar, an der er nervös den Kopf reckend, um einen Blick auf Ginny zu erhaschen, saß.

Sie kommen hier her... also darauf war ich nun nicht vorbereitet. Wie, zum Kuckuck nochmal, soll ich mich bloß verhalten?

Das Beste war, er tat vorerst so, als hätte er sie nicht bemerkt. Hastig drehte er sich von ihnen weg, vortäuschend, ganz mit seinen Gedanken und dem Butterbier beschäftigt zu sein.

„Zwei Butterbiere bitte, Madam Rosmerta. Vielen Dank!", hörte er schon die Stimme Potters.

„Aber gerne doch, Mr. Potter... Miss Weasley. Schön sie beide zu sehen."

„Ja, gleichfalls. Das ist wirklich ein ganz tolles Fest." Das war Ginny. Vorsichtig drehte Draco seinen Kopf ein wenig zur Seite. Plötzlich sah Potter zu ihm.

„Malfoy...", presste er nur hervor.

„Ja, was ist Potter? Hast du Magenschmerzen oder warum verziehst du so das Gesicht? Ich kenne da ein gutes Gegenmittel, bei Bedarf.", erwiderte Draco lässig, obwohl in die Nervosität die er wegen Ginnys Gegenwart verspürte, beinahe umbrachte.

Eine Weile lang herrschte Stille, dann meldete sich Ginny zu Wort:"Komm Harry, lass uns gehen, ich... möchte tanzen." Sie vermied es Potter und Draco anzusehen.

„Aber Ginny, das Butterbier. Du hast noch nicht einmal daran genippt. Lass dich von Malfoy nicht stören. Er ist es nicht einmal wert, angeschaut zu werden.", meinte Potter.

Draco prustete laut los.

Er wandte sich an Jessica, die bisher recht stumm neben ihm gestanden hatte.

„Hast du das gehört Jessie?", sagte er bedeutungsvoll und legte einen Arm um sie. Dabei beobachtete er Ginny genau.

„Ach, darf ich vorstellen: Das ist meine neue Freundin Jessica. So eine hübsche Braut kriegst du noch nicht einmal in deinen kühnsten Träumen ab."

Jessica lachte geschmeichelt. Innerlich drehte sich Draco der Magen um.

Nein, Nein, Nein, was tue ich denn da bloß? So hatte ich das aber ganz und gar nicht geplant. Natürlich, mein Plan war, dass ich Ginny eifersüchtig mache. Aber ich hatte nicht vor, Jessica als meine neue Freundin zu bezeichnen. Wenn ich nur daran denke: Jessica- meine Freundin. Da wird mir schlecht! Jetzt habe ich Jessica einen weiteren Grund gegeben, mir hinterher zu rennen.

„Wen interessiert schon, ob du mal wieder eine neue Freundin hast, Malfoy. Diese Beziehung kann ja nur auf Oberflächlichkeit existieren. Das Mädchen tut mir wirklich Leid. Jessica, du kannst dich darauf gefasst machen, dass er dich bald auf der Liste seiner zahlreichen Verflossenen streicht."

„Aber wenigstens habe ich eine Freundin, worauf du mit deiner unerwiderten Liebe noch lange warten kannst!"

Mist aber auch, da habe ich mich gerade voll verplappert. Wie blöd bin ich denn?!

Potter jedenfalls stand der Mund weit offen. Beim Sprechen zitterte seine Stimme.

„Was redest du da? Unerwiderte Liebe? Wo hast das aufgeschnappt?"

Draco räusperte sich:"Das... äh... sieht doch jeder Blinde..."

„Ach ja? Und woran? Du bist ein wirklich kläglicher Lügner, Malfoy."

„Bin ich nicht.", zischte Draco wütend, „Gut, ich gebe es zu. Ich habe dich und-"

Er rang einen Moment mit sich, ehe er weitersprach.

„-die kleine Weasley zufällig gesehen. Bei eurer trauten Zweisamkeit am See."

Potter ballte die Fäuste:"Du meinst wohl eher belauscht."

„Wie du es auch immer nennen willst, Potter. Hast einen schönen Korb bekommen, von deiner Angebeten. Oh armes Pottilein, du bist ja so schrecklich verliebt. Und was macht Weasley? Sagt, sie will keine Beziehung. Och, wie traurig. Eine Runde Mitleid für dich."

Gehässig grinste er. Es war, als könnte er seinen ganzen Frust der letzten Zeit auf Potter abladen, allein nur, indem er ihn niedermachte.

„Oh Ginny du bist so wunderbar...", äffte er Potter nach, „Tja, deine Berühmtheit macht dich eben doch nicht zu einem Mädchenschwarm, wie du wahrscheinlich immer denkst. Du kannst nicht jedes Mädchen haben. Vielleicht findet sich ja irgendwann ein anderes Mädchen, das dein armes Herz rettet." Draco lachte laut.

„Deine Sprüche am See, schleimiger ging es auch nicht mehr, was? Musste mich beinahe übergeben. Tja, Mädchen stehen nicht auf Weicheier wie dich. Bist-"

Ein lauter Aufschrei sorgte für Unterbrechung. Ginny stand am ganzen Körper zitternd da und sah ihn an. In ihrem Gesicht stand so viel geschrieben, dass Draco sich beinhahe niedergedrückt wurde.

Wut, ja Wut sah er darin, Entsetzen, Traurigkeit, Ungläubigkeit... und noch etwas anderes, das er nicht definieren konnte, etwas Fremdartiges, das er bei Ginny noch niemals gesehen hatte."

„Malfoy, du widerst mich an. Mir fehlen die Worte. Wie kann man nur so unglaublich gemein und rücksichtslos sein? Du- du willst Harry fertig machen, klar, dafür bist du ja anscheinend geboren worden. Aber du hättest vielleicht auch einen Moment lang daran denken müssen..."

Sie sah einen Moment lang erschrocken aus, erschrocken über das was sie sagen wollte?

„...wie du auch mich damit verletzt.", vollendete sie schließlich. Man verstand sie kaum, so erstickt war ihre Stimme. Dann drehte sie sich um und verschwand, indem sie sich zurück in die tanzende Menge drängte.

„Das wird noch ein Nachspiel geben Malfoy, mach dich darauf gefasst.", zischte Potter und rannte mit einem „Ginny!" hinter ihr her.

„Und wir sind jetzt wirklich zusammen Draco? Ich hatte ja keine Ahnung. Oh mein Schatz!"

Jessica riss ihn in eine heftige Umarmung. Der war noch zu verwirrt, um sich dagegen zu wehren und ließ es geschehen.

Alles scheine ich wieder falsch zu machen. Wann werde ich denn endlich einmal das Richtige tun??