Hallo ihr Lieben, endlich geht es weiter. Mich hat mal wieder die Schreibblockade fest im Griff, ich hoffe ich kann das in der nächsten Zeit ändern... °sfz°
‚Er hat ebenfalls die Gabe.' Diese Tatsache kreiste unaufhörlich in ihren Gedanken, während sie in auf dem Sofa lag und die Decke anstarrte. Das erklärte so einiges, warf aber gleichzeitig wieder neue Fragen auf.
Seit wann besaß er diese Macht? Wenn sie angeblich so mächtig ist, hätte er die Gabe nicht nutzen können, um Voldemort zu besiegen? Und wenn nicht, warum?
Im Normalfall hätte Hermine diese Situation erst einmal gründlich analysiert, doch ihre Müdigkeit senkte sich wie ein schwerer Schleier über sie und mit einem Gefühl der Erleichterung, endlich schlafen zu können, glitt sie in das Reich der Träume.
Währenddessen lag Severus in seinem Bett und dachte nach. Er hatte Granger soeben offenbart, dass er Träger der Gabe war. Etwas, das er nie vorhatte. Es erweckte ein mulmiges Gefühl in ihm.
Genau das hatte er vermeiden wollen. Dadurch, dass sie es nun wusste, hatte er etwas von sich offenbart, was er lieber hatte geheim halten wollen. Er hatte geplant, Granger im Umgang mit der Gabe zu unterweisen und dann den Kontakt wieder auf das Nötigste zu reduzieren.
Dass dies durch Grangers Abneigung ihm gegenüber von vorn herein zum Scheitern verurteilt war, hatte er inzwischen akzeptiert. Doch inzwischen war die ganze Sache auf eine andere Ebene übergegangen. In eine viel persönlichere als ihm lieb war.
Er musste das so weit wie möglich unterbinden. Immerhin war er der Lehrer und sie die Schülerin. Alles darüber hinaus hatte keinen Platz in dieser Art von Beziehung.
Und doch erkannte er, dass sie auf dem besten Wege waren, diese Grenze zu überschreiten. Das schlimmste war jedoch die Tatsache, dass er den Stein ins Rollen gebracht hatte. Durch sein Angebot mit den Fragen hatte er ihr quasi einen Freifahrtschein gegeben, mit dem sie private Dinge von ihm erfragen konnte. Gut, auf zu private Dinge würde er die Antwort verweigern, aber nichtsdestotrotz würde sie Dinge über ihn erfahren, die sie im Grunde genommen nichts angingen.
Wenn da nicht die Gabe wäre…
Severus seufzte leise.
Was ihm zusätzlich Gedanken bereitete, waren die Träume, die er bei ihr gesehen hatte. Ihm war der Verdacht gekommen, dass sie vor irgendetwas floh, von dem sie vielleicht sogar noch nicht einmal wusste.
Und die Tatsache, dass er sich überhaupt Gedanken um sie machte, beunruhigte ihn noch mehr. Zum wiederholten Male verfluchte er die Gabe und die Tatsache, dass er der einzige Träger weit und breit war, dass Granger ebenfalls die Gabe besaß und ihm somit die Aufgabe zufiel, sie zu unterweisen.
Als sie aufwachte, wusste sie, dass es noch sehr früh am Morgen war. Das fahle Licht der aufgehenden Sonne drang nur schwach durch die geschlossenen Vorhänge. Hermine seufzte. Sie fühlte sich alles andere als ausgeschlafen, aber immerhin hatte sie endlich einmal wieder geschlafen. Wenn auch Dank eines Schluckes Schlaftrank, den er ihr in der Nacht zuvor gegeben hatte.
Hermine wusste, dass sie hier nicht weiterschlafen konnte. Nicht, wenn sie wusste, dass er nur ein Zimmer neben ihr schlief. In ihrem Kopf gingen schon wieder zu viele Gedanken herum, als dass sie nun sich wieder hätte schlafen legen können. Sie brauchte Abstand, vor allen Dingen räumlichen.
So leise wie möglich stand sie auf und betrat sein Büro. Die Tür knarrte ein wenig und mit pochendem Herzen hielt sie inne und lauschte, doch scheinbar hatte er sie nicht gehört.
Sie schlich hinüber zu seinem Schreibtisch, griff nach einem kleinen Stück Pergament und kritzelte hastig, vor allem aber mit zittriger Hand ein „Danke" darauf. Sie huschte wieder in Snapes Wohnzimmer, legte das Pergament auf das Sofa, auf dem sie die geschlafen hatte, und verließ anschließend seine Wohnung.
Kühle Luft des Kerkers schlug ihr entgegen, brachte unerwünschte Klarheit in ihre Gedanken. Mit jedem Schritt, den sie in die Richtung ihres Schlafraumes tat, wurde sie wacher.
Sie hielt nicht inne, als sie den Schlosshof durchquerte und die ersten Sonnenstrahlen das Schloss in einen fast übernatürlichen Glanz versetzen. Im Normalfall liebte sie es, Hogwarts beim Aufwachen zu beobachten, doch heute wollte sie nichts lieber tun, als ihren Kopf in ihren Kissen vergraben.
Die letzten Meter rannte sie fast. Als sie die vertraute Treppe zu ihrem Schlafraum hochlief, konnte sie die Erleichterung fast mit Händen greifen. Leise schloss sie die Tür hinter sich. Hier war sie allein, weit weg von ihm. Weit weg von all dem, was gestern Nacht geschehen war. Und weit weg von der Tatsache, dass er ebenfalls Träger der Gabe war.
Auf dem Weg zu ihrem Bett kickte sie ihre Schuhe in die Ecke, zog sich die Kleidung vom Vortag aus und schlüpfte in ihrem Pyjama. Sie kroch unter die kühle Bettdecke und war auch schon im nächsten Augenblick wieder in das Reich des Schlafes abgedriftet.
Severus wachte auf, weil er ein leises Geräusch vernommen hatte. Seine Muskeln spannten sich an, seine Hand tastete wie automatisch nach dem Zauberstab, der wie immer neben seinem Kopfkissen lag. Etwas, das ihm aus seiner Zeit als Spion haften geblieben war.
Seine Sinne schärften sich, mit einem Schlag war er hellwach, als er das Geräusch erneut hörte. Es klang wie die Tür zu seinem Büro, die immer ein wenig knarrte, wenn sie langsam geöffnet wurde.
Er schlug die Bettdecke beiseite und schlich sich zur Schlafzimmertür, die er einen Spalt öffnete. Im letzten Moment erhaschte er einen Blick auf die Silhouette von Granger, die aus seinem Wohnzimmer verschwand. Er hörte seine Wohnungstür mit einem leisen Knacken ins Schloss fallen und seine Haltung entspannte sich.
Wieso war sie fort? Es war erst kurz nach fünf Uhr morgens.
Severus ging hinüber zum Sofa und sein Blick fiel auf das Pergament, das sie dort platziert hatte.
‚Danke'.
Mit einem Seufzen ließ er sich eben dort nieder, wo sie noch bis vor ein paar Minuten geschlafen hatte. Die Stelle, an der sie gelegen hatte, war noch warm. Er nahm das Pergament in die Hand, starrte nachdenklich darauf.
Wieso löste dieses einfache Wort so einen Sturm in ihm aus? Was hatte er getan, dass sie sich bei ihm bedankte? Er behandelte sie gerade so höflich wie nötig, immer wieder versehen mit einer Portion seiner bekannten Ruppigkeit.
Es ging ihm darum, dass sie lernte, mit der Gabe umzugehen. Er war nicht gerade erpicht darauf, dass sie in einem ihrer emotionalen Ausbrüche das Schloss in die Luft zu sprengen. Ihm ging es hier lediglich um seinen Selbsterhaltungstrieb. Und um sein verdammtes Pflichtbewusstsein, welches ihn wie so oft verfolgte. Mehr nicht.
Oder?
Seine Hand zerknüllte das Pergament. Noch während er darüber nachdachte, schien es ihm, als würde die ganze Situation aus dem Ruder laufen. Er war schön längst viel zu weit gegangen. Doch einen Weg zurück gab es nun nicht mehr.
Die folgenden Wochen verstrichen mit einem Tempo, das Hermine kaum Gelegenheit gab, über irgendetwas nachzudenken. Die Lehrer überschütteten sie mit Hausaufgaben und auch Snape forderte einiges in seinem Unterricht. Während ihrer Sitzungen verloren sie kein einziges Wort über das, was in der Nacht zu Samstag geschehen war und wenn sie ehrlich war, dann war ihr das mehr als recht.
Dennoch konnte sich des Gefühls nicht erwehren, endlich ihren Frieden mit Snape geschlossen zu haben. Sein Verhalten, vor allem im Unterricht, hatte sich nicht geändert – er war noch immer so unbarmherzig wie eh und je, aber in manchen Momenten glaubte sie, etwas hinter seiner Fassade sehen zu können. Etwas Menschliches. Und auch, wenn sie an die Dinge dachte, die er während des Krieges getan hatte, war dieses stechende Gefühl des Hasses in ihrer Brust nicht mehr da. Es schien wirklich, als hätte sie ihren Frieden mit ihm gemacht.
Diese Einstellung schlug sich auch in ihrem Privatunterricht mit Snape wieder. Ihre Auffassungsgabe erlaubte ihr, seine Anweisungen ohne jegliche Probleme zu befolgen. Die Erfolge, die daraus resultierten, stimmten sowohl sie als auch Snape zufrieden.
Auch ihre Schlafprobleme hatte sie Dank der Tränke von Snape größtenteils in den Griff bekommen. Nach einer gründlichen Neustrukturierung ihres Lernplans war es ihr gelungen, ausreichend Zeit für Schlafen zu erübrigen.
Das einzige, das Hermine noch groß Kopfzerbrechen bereitete, war ihr Verhältnis zu Ron und Harry. So gern sie die beiden Jungs auch hatte – sie gingen ihr unübertrefflich auf die Nerven! Nun, da die Prüfungen immer näher rückten, stürzten sich auch die Jungs in die Arbeit. Doch aufgrund der Tatsache, dass sie oftmals im Unterricht nicht richtig aufgepasst hatten, waren sie dazu übergangen, Hermine mit Fragen förmlich zu löchern.
Oft geschah es, dass Hermine wütend ihre Bücher zusammenklappte und sich auf ihr Zimmer zurückzog, auch wenn sie früher gerne im Gemeinschaftsraum gelernt hatte, weil sie dort wenigstens noch ein bisschen das Gefühl hatte, am Leben um sie herum teilzunehmen.
Als sie wieder einmal abends bei Snape auftauchte, spürte er instinktiv, dass sie angespannt war. Anstatt sie, wie üblich, direkt in ihre heutige Aufgabe einzuweisen, deutete er auf den Stuhl gegenüber seines Schreibtisches. Mit einem Schlenker seines Zauberstabs erschien eine Tasse Tee vor seiner Schülerin.
Diese blickte ihn verwundert an. „Tee, Professor?"
Ihm war nicht entgangen, dass sie dazu übergegangen war, ihn wieder „Professor" zu nennen, wie sie es früher immer getan hatte. Das „Sir" hatte ihm aus ihrem Mund nie so sehr gefallen – dadurch fühlte er sich immer um ein paar Jahrzehnte gealtert. Außerdem hatte ihr „Sir" immer sehr abwertend geklungen. Das war es vermutlich auch gewesen.
„Sie sind heute angespannt, Miss Granger. Beruhigen Sie sich erst einmal. Probieren Sie den Kräutertee, es ist eine besondere Mischung, die ich entwickelt habe. Anti-Stress-Tee."
Granger lächelte und griff nach der Tasse. „Danke, Professor."
Severus unterdrückte ein Schmunzeln. „Ich habe nur getan, was nötig ist. Wenn Sie unkonzentriert sind, kann ich nicht mit Ihnen arbeiten."
Sie nickte langsam, bevor sie an ihrem Tee nippte.
„Was ist los, Miss Granger?"
Sie hob den Blick und zog fragend eine Augenbraue hoch.
„Nun, ich bin dran mit Fragen. Sie haben mir zuletzt eine Frage gestellt, vor ein paar Wochen…" Der Gedanke an diese bestimmte Nacht tauchte in seinem Bewusstsein auf, noch bevor er es verhindern konnte. Ein seltsames Gefühl breitete sich in ihm aus – noch immer konnte er die Gedanken an diese Nacht nicht einordnen.
Granger seufzte. „Es sind Harry und Ron. Die beiden sind mich nur noch am Nerven! Nur weil sie zu blöd sind, um im Unterricht aufzupassen, bekomme ich ständig irgendwelche dummen Fragen gestellt! Es reicht mir langsam! Ich mag die beiden, ja verdammt, aber ich will auch in Ruhe lernen…"
Severus verkniff sich jeglichen Kommentar über seine beiden ‚Lieblingsschüler', nickte jedoch verstehend. Nachdenklich musterte er sie. Sie wirkte noch immer ein wenig angeschlagen, jedoch war sie nicht mehr übermüdet, was ihm nur recht war.
„Ich bin froh, wenn die Prüfungen alle vorbei sind", riss ihn ihre Stimme aus den Gedanken.
„Dass ich das jemals aus Ihrem Mund hören würde, hätte ich niemals gedacht."
Granger funkelte ihn herausfordernd an. „Ja? Was hätten Sie denn gedacht?"
Er dachte nach. „Ist das Ihre nächste Frage an mich?"
Als sie nickte, fuhr er fort: „Nun, ich hätte gedacht, dass Sie als die wissbegierigste Schülerin dieses Jahrtausends niemals freiwillig mit dem Lernen aufhören würden."
„Das stimmt auch. Aber es ist eine Sache, sich Wissen zu ereignen und eine andere, dieses Wissen in Form von Prüfungen mit Richtig-oder-Falsch-Antworten widergeben zu müssen."
Er nickte. ‚Wenn das nicht die perfekte Überleitung ist.' „Gut, dann fangen wir jetzt mal an mit dem ‚Wissen aneignen'…"
tbc
