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Ich möchte von Herzen allen danken, die meine Geschichten so treu begleiten.

Beim Schreiben dieses Kapitels war mir fast, als würde er hinter mir stehen und ich ihn flüstern hören: „Entspann dich, Kind."

Aber eben nur fast. Fehlte bloß noch, dass sich seine Hand auf meine Schulter legte, damit ich endlich zur Ruhe komme. Oder an was anderes denke, wenn sich seine Finger in mich krallen.

Ich bin total aufgeregt, was ihr dazu sagt.

Alles Liebe

houseghost

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Linger

Kapitel 10

Bis zuletzt hätte ich es nicht für möglich gehalten, meinen Professor jemals so privat zu erleben, wie es jetzt gerade eben passiert. Aber genau das ist es, was mich immer mehr an ihn fesselt. Wir öffnen uns einander Schritt für Schritt, suchen beide Worte, die uns nicht in den Sinn und schon gar nicht über die Lippen kommen wollen, sehen uns schier endlos lange an, erwartungsvoll darauf lauernd, dass der andere von uns zuerst den Anfang macht. Die Welt um uns herum steht still, alles ist wie erstarrt. Eingefroren, um der Vergänglichkeit eines Augenblicks Einhalt zu gebieten, dessen Magie stärker zu sein scheint als die menschliche Vernunft. Einerseits hadert er mit sich selbst, andererseits spürt auch er den verbotenen Reiz des Gehenlassens.

Sein Räuspern dringt zu mir durch.

„Ich verstehe immer noch nicht … ich versuche es wirklich …"

Ein Schaudern erweckt mich beim Klang seiner Stimme zum Leben, das bis tief in meine Eingeweide vordringt. Sie begehren plötzlich auf, unstillbar hungrig. Wie viel Glück kann jemand haben, wenn ihm so viele kostbare Momente beschert sind wie heute mir? Auch wenn es ganz und gar unmöglich ist, möchte ich mich Äonen später noch an diesen Tag erinnern.

„Manche Dinge finden uns, ohne dass wir es uns aussuchen können", antworte ich leise. Da ich ihm unbedingt zeigen möchte, dass er nicht allein damit ist, zwinge ich mich, das zu sagen. Es hört sich alles andere als überzeugend an und vielleicht bin ich auch nicht überzeugt. Aber ich bin bereit, es zu akzeptieren. Es gibt keinen Ort auf der Welt, an dem ich jetzt lieber wäre, niemanden, den ich so gern ansehe wie ihn. Deshalb lasse ich meine Gefühle die Führung übernehmen. Sie preschen ungeduldig vor und stellen sich meinem Verstand in den Weg. Mir ist es gleich, ich will vorankommen und das mit ihm festigen. Am Ende wird sich zeigen, ob es sich lohnt.

Eine ganze Weile sagt er nichts, es sind nur seine Augen, die für ihn sprechen. Doch auf einmal kommt Bewegung in ihn. Er senkt den Blick, schiebt seinen Stuhl zurück und steht auf. Ich weiß, es ist albern, aber mein Herzschlag verdreifacht sich. Ich bin so nervös, dass ich zu Atmen vergesse – was zur Hölle ist nur los mit mir? Im selben Augenblick umrundet er den Tisch und kommt auf mich zu.

Mir wird ganz schummrig. Seine Bewegungen haben etwas von einer Anmut, die ich bisher noch bei keinem anderen Menschen gesehen habe. Man könnte sie beinahe als vornehm oder elegant bezeichnen, aber das wäre zu altbacken, wo er doch gerade mal Mitte Dreißig ist.

Als er mich erreicht, streckt er behutsam die Hand nach mir aus. „Wir wissen beide, dass uns das nicht erlaubt ist", höre ich ihn sagen.

„Das mag wohl so sein. Aber ich möchte selbst über mein Schicksal bestimmen. Niemand hat das Recht, sich meinen Gefühlen für Sie in den Weg zu stellen. Niemand außer Ihnen, Professor. Wenn Sie also glauben, wir machen einen Fehler, kann ich Ihnen nur sagen, dafür ist es bereits zu spät. Wir stecken längst mittendrin – obwohl ich offengestanden nicht einmal weiß, was genau es eigentlich ist, worauf ich mich zubewege."

Woher ich den Mut aufbringe, ihm das so salbungsvoll ins Gesicht zu sagen, weiß ich nicht. Er jedenfalls wirkt nicht sonderlich überrascht; ein schmales Lächeln umspielt seine Mundwinkel.

„Erwarten Sie jetzt nicht von mir, dass ich Sie für einfältig halte."

„Haben Sie das nicht immer getan? Im Unterricht, Sir?"

„Ich denke, Sie wissen es nur zu gut."

Ich habe keinen Schimmer, ob das ein Ja sein soll oder nicht. Er lässt mir auch keine Zeit, darüber nachzudenken, denn schon greift er nach meiner Hand und zieht mich auf die Füße. Offensichtlich hat er keine Lust darauf, länger über Sinn und Unsinn unseres Unterfangens zu debattieren.

Benommen wie ich bin, lasse ich ihn gewähren und finde mich gleich darauf unmittelbar vor seiner in tiefes Schwarz gehüllten Brust wieder. Noch immer ist mir unbegreiflich, dass ich mich tatsächlich in der Realität befinde. Er zieht mich möglichst nah an sich heran, ohne dass ich ihn berühre. Dann hält er inne und sieht mich von oben herab durch seine Strähnen hindurch an. Lange. Zu schön, um wahr zu sein.

„Was nun, Professor?", necke ich ihn und drücke voller Übermut seine Hand.

Für einen Sekundenbruchteil scheinen ihm die Gesichtszüge zu entgleisen und ich könnte mich ohrfeigen, weil ich das gesagt habe. Es verletzt nicht nur ihn, sondern auch mich, weil es den erwartungsvoll friedlichen Moment des miteinander Vertrautmachens unwiederbringlich zerstört. Seine Augen, die so dunkel wie bedrohlich sind, durchbohren mich. Doch dann hat er sich erstaunlich schnell gefasst und erwidert gierig meinen sehnsuchtsvollen Blick.

„Ich würde Sie gern küssen, Granger."

Er ist einfach nur unglaublich. Seine raue Stimme trifft mich mitten ins Herz. Sie bricht die mir bekannte Welt entzwei. Es soll eindeutig keine Frage sein, dennoch bittet er mich vorsichtshalber um Erlaubnis. Mutet es da nicht paradox an, ihn sich vollkommen losgelöst vorzustellen? Ekstatisch, erschöpft, müde, sanft und friedlich schlafend? Nicht genug damit, dass er ohnehin schon meine Gedanken und Gefühle beherrscht. Zu allem Überfluss gehört ihm jetzt auch noch meine Willenskraft.

„Dann sollten Sie es tun, würde ich vorschlagen. Manche Gelegenheiten lässt man besser nicht verstreichen."

Ein seichtes Schmunzeln auf den dünnen, farblosen Lippen funkelt er mich an. „Und das Mädchen wurde zur Frau. Ist es nicht so?", sagt er fast spöttisch. Ebenso schnell wird er wieder ernst. Er holt Luft und bläst sie langsam durch die Nase aus. „Meinen Sie nicht, dass ich zu alt für Sie bin?"

„Finden wir es raus."

Er schnaubt kräftig und ich entgegne vorsichtshalber nichts mehr, weil ich nicht riskieren will, dass sein stets wacher Verstand meine Unsicherheit bemerkt. Mir ist absolut nicht danach, eine Lektion über unseren Altersunterschied erteilt zu bekommen, bei dem es von sämtlichen Richtungen einen riesigen Aufstand hageln würde. Doch Snape reißt mich ohnehin aus meinen Gedanken. Ich spüre bereits, wie er mich unter Zuhilfenahme seiner anderen Hand zärtlich aber bestimmt an sich zieht und damit die letzte Distanz zischen uns schließt.

Sofort ist mir, als würden unsere Körper selbst durch die verschiedensten Schichten der Kleidung hindurch miteinander verschmelzen. Ganz abgesehen davon, dass ich nicht klar denken kann, habe ich mich noch nie so geborgen gefühlt. Ich kann mich ihm nicht entziehen, glaube zu schweben, frei von allem. Keine störenden Konventionen oder Verpflichtungen mehr – ein wahrhaft berauschender Gedanke. Niemand kann mich jetzt noch davon abhalten, mich ihm mit Körper und Seele zu widmen.

Und dann senkt sich sein Kopf. Unzählige Strähnen fallen ihm ins Gesicht. Sie bilden einen harschen Kontrast zu seiner immerwährend blassen Haut, berühren und streicheln mich sanft. Seine markante Nase ist nur noch einen Zentimeter von meiner entfernt. Die Perspektive, die sich mir bietet, raubt mir den Verstand. Sie erinnert mich kurioserweise auch daran, wie ich in seinen Armen fast gestorben wäre. Aber eben nur fast. Es kommt mir vor, als wäre eine Ewigkeit vergangen seither. Ob er es genauso sieht? Eine grobe Vermutung, die lediglich auf den Zügen beruht, die im Wechsel zwischen Verwunderung, Neugier und Verlangen über sein Gesicht huschen, lässt mich darauf schließen, dass er zumindest ansatzweise dasselbe denkt. Ich kann es jedoch nicht mit Bestimmtheit sagen und möchte auch nicht näher darauf eingehen. Auffallend ist nur, dass der Grund für seine Anspannung diesmal ein anderer ist und er sie so gut es geht vor mir verborgen hält.

Snape drückt seine Lippen auf meine und ich schmecke zum ersten Mal sein für ihn typisches Aroma. Männlich, herb; was ebenso unglaublich wie die Tatsache ist, dass es wirklich passiert.

Sofort entbrennt ein loderndes Feuer in mir, das mich ihm mit jeder Faser meines Seins näher bringt. Unsere Finger, die nie den Kontakt zueinander verloren haben, sind fester denn je miteinander verwoben. Plötzlich kommt seine Zunge hervor und tastet nach meiner, vereinigt sich im ungezwungenen Spiel mit ihr. Seine freie Hand wandert an meinem Rücken hinab zu meiner Hüfte. Hingebungsvoll fügt sie den nötigen Druck hinzu, den es braucht, um unsere Körper näher miteinander vertraut zu machen. Bis zuletzt waren sie sich ihrer Anziehungskraft nicht bewusst, da sie sich in der Vergangenheit ausschließlich sittsam begegnet sind, doch das ist längst hinfällig geworden. Einem inneren Impuls folgend tue ich es ihm gleich, spüre den fließenden Stoff seines Umhangs unter meinen Fingern, grabe sie ungehemmt hinein und mache mich damit vertraut, presse ihn an mich, so fest es nur geht.

Als gäbe es kein Morgen mehr.

Langsam aber beständig legt sich meine angestaute Nervosität. Nicht zuletzt, da sein Herz mindestens so schnell wie mein eigenes schlägt und ich dadurch etwas selbstsicherer werde; irgendwie glaube ich allmählich, wir könnten das hier endlos tun. Uns halten, streicheln, küssen. Wir sind da angelangt, wo die Zeit keine Rolle spielt. Die Gegenwart verschwimmt genauso vor meinen Augen wie die vor uns liegenden Hindernisse. Wie alt ist er überhaupt? Habe ich diesen Mann jemals zuvor wirklich gesehen?

Jeder Zweifel erstickt sogleich im Keim, als ich leise seufzend seinen warmen Atem spüre, der in einem beständig wiederkehrenden Rhythmus auf meine Haut auftrifft. Seine Augen sind jetzt fast gänzlich geschlossen, aus seiner Kehle dringt ein leises Stöhnen hervor.

Da passiert es auch schon. Unterschwellig registriere ich nahe meines Unterleibs einen Druck, der mich einen winzigen Augenblick innehalten lässt. Es ist ohne Zweifel seine Erregung, die ich hier vor mir habe. Bin ich tatsächlich unmittelbar vor diesem Schritt angelangt?

Mein in Flammen stehender Professor scheint zu merken, dass ich zögere, und zieht sich ein Stück weit von meinem Körper zurück. Es sollte ihm nicht unangenehm sein, schließlich haben wir beide es so gewollt. Doch das Spiel seiner Zunge hört auf, seine Hände kommen auf meinen Schultern zu liegen, als würde er mich damit auf Abstand bringen wollen. Ich bin zerrissen. Auf gar keinen Fall möchte ich, dass es so abrupt endet. Genauso wenig kann ich einfach tun, als wäre es mir nicht aufgefallen.

Bevor er sich noch mehr zurückziehen kann, setze ich da an, wo wir aufgehört haben. Meine Hände schieben sich seinen bebenden Rücken empor bis zu seinen Schultern, unter denen ich jeden an seiner wilden Atmung beteiligten Muskel fühlen kann, und weiter zu den Spitzen seines rätselhaften schwarzen Haars. Ich grabe meine Finger hinein und lasse mich von seinem einzigartigen Geruch betören. Vielleicht ist es nicht ratsam, aber mir kommt es vor, als wären wir eins. Als würde ich ihn schon mein ganzes Leben lang kennen und nun endlich mit ihm zu der Einheit werden, die mich vollkommen sein lässt. Unendlich durstig, bin ich bereit, mir das zu holen, was für den Moment mir gehört. Koste es, was es wolle.

Seine Reaktion erschüttert mich, denn er zeigt kaum noch eine Regung, so versteift hat er sich. Alles ist wie in einem Traum, aus dem ich nicht aufwachen möchte. Aber es muss sein. Irgendwie bringen wir beide etwas Abstand zwischen uns. Nicht viel, aber genug, um mich eine eisige Leere spüren zu lassen.

Meine Augen streifen verlegen sein Gesicht, das jetzt deutlich Farbe angenommen hat, und machen sich umgehend an ihm fest, dabei ist in Wahrheit er es, der mich aus alter Gewohnheit heraus zuerst fixiert. Durchdringend bis ins Mark. Atemberaubend. Einzigartig.

„Was ist?" Ich bemühe mich, gelassen zu klingen, habe aber keine Ahnung, ob es mir gelingt. Ich bin außer Atem und total überwältigt von allem. Von ihm. „Habe ich etwas falsch gemacht?"

Er schüttelt den Kopf.

Heuchler. Natürlich habe ich das. Wie konnte ich nur so blöd sein und denken, er würde nicht merken, dass ich noch nie zuvor so weit gegangen bin?

„Nein", sagt er und es klingt schlicht und aufrichtig. „Ich möchte dich nur nicht verletzen, Hermine."

Es verschlägt mir die Sprache und ich kann beim besten Willen nichts darauf antworten. Ich glaube, er hat mich noch nie so genannt. Bisher war ich immer nur Miss Granger, die zuweilen lästig wurde, wenn sie im Unterricht zu sehr aufgefallen ist.

„Du – wer sagt, dass du mich verletzen würdest?", hauche ich leicht irritiert.

Er schluckt schwer, nimmt seine Hand hervor und streicht mir zart mit der Rückseite über die Wange. Ich mag es sehr, wenn er das tut. Und es gibt nichts Schöneres als diesen Blick für mich, diese schwarzen Augen, dieses zerfurchte, bisweilen von Sorgen zerfressene Gesicht, dem man nur schwer ein Lächeln entlocken kann. Er ist mein Professor. Aber es ist mir gleich, denn für mich ist er längst weit mehr als das.

Doch offensichtlich sieht er das anders, denn er wirkt auf einmal irgendwie in sich gekehrt. Als würden eben jene Bedenken und Ängste ihn heimsuchen, die niemand außer ihm selbst zu kennen scheint.

„Das ist kein Spiel, Hermine", sagt er sanft. Obwohl er es diesmal klar und deutlich so meint, wie er es von sich gibt, will ich es nicht wahrhaben. Mir wäre fast lieber, er würde nicht so verständnisvoll reagieren, sondern in seiner gewohnten Manier, denn damit wüsste ich nach all den Jahren wenigstens umzugehen. „Du könntest es hinterher bereuen, wenn wir hier weitermachen. Willst du das denn?"

„Ich weiß, dass es kein Spiel ist", entgegne ich energisch, ohne auf seine eigentliche Frage einzugehen. Ich bin eben enttäuscht, da kann ich nicht anders. „Das brauchst du mir wirklich nicht zu sagen, Severus."

Mit gerunzelter Stirn und leicht zur Seite geneigtem Kopf sieht er mich an. Was?! Will er mich etwa allen Ernstes dafür rügen, dass ich ihn beim Vornamen angesprochen habe?

„Wieso wirst du jetzt wütend?" Seine Schultern heben und senken sich gleich darauf wieder. Er sagt es unwahrscheinlich ruhig, fast schon zu gelassen, wie ich finde. „Weil sich deine Erwartungen nicht erfüllt und wir aufgehört haben, bevor es zu spät dafür ist? Was hätte ich denn deiner Meinung nach tun sollen?"

Ich stoße einen tiefen Seufzer aus, schützend legen sich meine Arme um meinen Leib.

Offengestanden hätte ich ihm so viel Verständnis gar nicht zugetraut, aber ich bin so geblendet von meinem aufwallenden Frust, dass ich nur mit Mühe zuhören kann. Irgendwo in meinem Hinterkopf läuft ein Tonband ab, das mir immer wieder sagt, dass er nichts falsch gemacht hat.

„Tut mir leid", ringe ich mich zu einer lahmen Entschuldigung durch. „Du hast eben mehr Erfahrung als ich. Ich dachte nicht, dass es ein Problem für dich ist."

„Das ist hier nicht der springende Punkt. Aber du warst so voller Eifer dabei, da habe ich mich mitreißen lassen. Ich hätte es gar nicht erst so weit kommen lassen dürfen. Ich bin eindeutig zu weit gegangen."

Erst jetzt, als er das sagt, merke ich, wie betreten er ist. In meinem Eifer war ich wieder einmal nicht zu bremsen. Aber das ist ja nichts Neues, oder? Wir haben so viele Fortschritte gemacht, dass ich dabei ganz vergessen habe, in welch kurzer Zeit das alles vonstatten gegangen ist. Noch vor einigen Stunden hätte ich wohl kaum damit gerechnet, dass er mich tatsächlich küssen würde. Erst recht nicht so intensiv.

„Das bist du nicht. Du hast nichts falsch gemacht. Aber du hast Recht, ich sollte mir mehr Zeit nehmen und nicht gleich immer alles überstürzen." Ich strecke die Hand nach ihm aus und fasse nach seinen Arm.

Ein sichtlich gequälter Ausdruck legt sich über sein Gesicht. Etwas sagt mir, dass er sich mehr Gedanken und Vorwürfe macht, als ich erahnen kann. Jedes Mal, wenn er das tut, bricht es mir das Herz. Ich weiß, ich sollte aufhören, so zu denken. Aber ich kann nicht anders. Wenn es um ihn geht, übermannen mich meine Empfindungen heiß und kalt zugleich. Feuer und Wasser prallen aufeinander, während ich mittendrin stehe und versuche, sie voneinander zu teilen.

„Ich bin der Ältere von uns beiden, also sollte ich wissen, was ich hier tue", sagt er mit gebrochener Stimme. „Aber offengestanden … ich weiß es nicht."

Ich schüttle den Kopf. „Du musst dir keinen Vorwurf machen. Vielleicht hätte ich es erwähnen sollen, aber dazu war keine Gelegenheit. Außerdem hätte ich erst gar nicht gewusst, wie ich das anstellen soll." Dass es hier auch ein bisschen um mein Ego geht, steht außer Frage.

Noch ehe ich richtig geendet habe, spüre ich, wie er mich in seine Arme zieht. Bereitwillig komme ich ihm entgegen. Eine Welle der Dankbarkeit erfasst mich, dass er seine Emotionen nicht vor mir verschließt. Ich lege meine Hand auf seine Brust, wo ich unter meinen Fingern seinen unruhigen Herzschlag spüren kann. Erleichtert bette ich den Kopf an seine Schulter und schließe die Augen, um runterzukommen und im Eifer des Gefechts nicht noch weitere Dummheiten von mir zu geben, die einen von uns beiden irreparabel verletzen könnten. Sachte fährt er mit seinen Fingern durch mein wirres, lockiges Haar. Es fühlt sich so gut an, ihn zu halten und mich an ihn gedrückt wiederzufinden, dass es nahezu unbeschreiblich ist. In diesem Moment spüre ich pures Glück.