Dinner for one

EPOV

So schnell wie noch nie, raste ich durch den Wald und versuchte mich auf nichts anderes zu konzentrieren, als auf meine Geschwindigkeit. Innerhalb einer Sekunde hatte ich Alice so weit abgehängt, dass ich kaum noch ihre Gedanken hören konnte. Nichts nahm ich in diesem Augenblick mehr um mich wahr, hoffte nur, dass ich Bella genau an der gesehenen Stelle antreffen würde und hoffte, dass ich wirklich das Richtige tat, hoffte, dass Alice recht hatte. Niemals würde ich mir verzeihen, wenn durch meine eigene Fahrlässigkeit etwas passieren würde, jemand zu Schaden kommen würde, vor allem, wenn es sich dabei um Bella handelte. Und trotzdem musste ich es einfach versuchen. Immer wieder hallte mir ihre Stimme durch den Kopf, die von Traurigkeit nur so zerfressen wurde. Traurig darüber, dass ich sie ignorierte, ihr aus dem Weg ging. Ich hatte es schon oft erlebt, dass sich die Menschen über uns wunderten, doch noch nie war es jemandem so nah gegangen, dass wir uns von ihnen fernhielten. Irgendetwas an Bella war…so viel anders…etwas, dass mich faszinierte und mich in ihren Bann zog. Ich wollte ihr nicht mehr länger fernbleiben, auch wenn ich wusste, dass ich von heute an meine Beherrschung Tag für Tag, erneut auf die Probe stellen musste.

Nach nicht einmal zehn Minuten, hatte ich endlich den Parkplatz der Schule erreicht und sprang sofort in meinen Wagen. Natürlich wäre ich schneller gewesen, wenn ich weitergelaufen wäre, aber ich erachtete es für besser, sie „zufällig" mit meinem Auto aufzusammeln, als vor ihren Augen aus dem Wald zu springen, vor allem, wenn ich nicht erahnen konnte, wie sie überhaupt auf mich reagieren würde, wenn ich plötzlich bei ihr auftauchte, sie plötzlich ansprach. So weit, hatte Alice die Zukunft nicht gesehen, sondern nur, dass Bella hier in der Nähe sein würde. So schnell wie möglich raste ich vom Schulgelände und ordnete mich mit quietschenden Reifen im Straßenverkehr ein, fluchte lautstark ob der defensiven und viel zu langsamen Fahrweise der menschlichen Bevölkerung in Forks, es kam mir so vor, als würden sie mich genau jetzt mehr als nur ärgern wollen. In letzter Sekunde riss ich das Lenkrad nach rechts, wich auf einen kaum befahrenen Waldweg aus und beschleunigte meinen Wagen aufs äußerste. Könnte mein Körper noch Adrenalin produzieren, ich war mir sicher, in diesem Moment würde dieses Stresshormon augenblicklich durch meine Venen gepumpt werden.

Langsam aber sicher kam ich dem Quileutereservat immer näher und verlangsamte das Tempo. Wenn Bella sich nicht schon wegbewegt hatte, musste sie hier irgendwo sein. Ich hoffte nur, dass sie nicht über die unsichtbare Grenze gelaufen war und ich keine Möglichkeit hatte, zu ihr zu gelangen, doch meine Sorge darüber verschwand augenblicklich, als ich meinen Engel neben der Straße auf einem Baumstumpf sitzen sah. Ein paar Meter vor ihr hielt ich meinen Volvo und stieg sofort aus. Mit langsamen und leisen Schritten ging ich auf sie zu und bemerkte sofort, dass Bella nichts um sich herum wahrzunehmen schien, mich nicht zu hören schien. Sie hatte ihren Kopf in ihren Armen vergraben und diese auf ihren Knien abgestützt. Das Zittern, welches ich durch Alice' Vision gesehen hatte, war immer noch nicht vorüber und ich wusste nicht, ob es an der Kälte hier lag, daran dass sie keine Jacke hatte oder daran, dass sie vor irgendetwas Angst hatte. Ganz langsam und mit etwas Abstand ging ich vor ihr in die Hocke und sprach sie an. Legte so viel Wärme wie nur möglich in meine Stimme, um sie nicht zu erschrecken. Als ich die Luft um mich herum einsog, um sprechen zu können, brachen höllisch schmerzende Flammen in meiner Kehle aus und versuchten, mich dazu zu treiben, etwas Dummes zu tun, doch…ich war darauf vorbereitet gewesen und wusste, dass nun kaum noch ein Tag vergehen würde, an dem ich nicht diesen schrecklich quälenden Durst verspüren würde.

„Bella? Bella, ist alles in Ordnung?" sie reagierte nicht und am liebsten hätte ich sie leicht geschüttelt, doch ich wagte es nicht, sie zu berühren, auch wenn ich so sanft wie möglich dabei vorgegangen wäre. Ich wagte es nicht, ihren wunderbar warmen Körper zu berühren, geschweige denn mir vorzustellen, wie ihre warme Haut sich auf meiner eiskalten Hand anfühlen würde.

„Bella! Kannst du mich hören?" Ich hatte es geschafft, sie auf mich aufmerksam zu machen, denn plötzlich schnellte ihr Kopf hoch und dunkelbraune Augen blickten mich erschreckt und scheu an, dunkelbraune Augen, die mich an Rehe erinnerten, an Rehe, die ich jagte.

BPOV

Mein Zittern wollte nicht nachlassen und ich wusste nicht einmal, ob die Kälte daran schuld war, oder doch die Bilder, die ich nicht mehr aus dem Kopf bekam. Ich wusste nicht, wie lange ich hier schon saß, wie ich hier hergekommen war oder geschweige denn, wo ich überhaupt war. Ich hatte in der Dunkelheit völlig die Orientierung verloren und hoffte, dass ich den Weg nach Hause finden würde, denn Charlie war bestimmt viel zu sauer auf mich, als dass er mich nun suchen würde. Doch ich konnte mich nicht bewegen. Zu sehr schüttelte sich mein Körper von selbst und ich hatte keine Kontrolle über meine Muskeln. Ich wollte mich beruhigen, wusste aber nicht, wie ich das anstellen sollte. Als ich noch in Phönix gelebt hatte, hatte mich meine damalige beste Freundin immer gerüttelt, wenn ich einen Black out hatte und mich so wieder zurückgeholt. Auch wenn sie mich jedes Mal missbilligend ansah und das eine oder andere Mal den Kopf schüttelte, war ich immer unheimlich froh, dass sie mich trotzdem nicht einfach in diesem Zustand verweilen ließ. Doch jetzt war ich völlig allein. Niemand war da, der mich rütteln konnte, kein Lehrer, der mich mehrmals ansprach, kein aufgeregtes Hupen eines Lasters…und selbst konnte ich mich nicht aus dieser Angststarre befreien. Mein Körper wollte meinem Kopf nicht gehorchen…ich war jämmerlich…einfach jämmerlich…

„…du mich hören?"

Mein Kopf schoss erschrocken in die Höhe. Ich hatte niemanden kommen hören, hatte keine Orientierung und das Zeitgefühl völlig verloren. Wie lange saß ich wirklich schon hier? Auf diesem Baumstupf in der viel zu dünnen Kleidung?

„Geht es dir gut?"

Diese Stimme…Ich liebte diese sanfte, weiche Stimme so sehr und konnte nicht glauben, dass ich sie wirklich vernahm, glaubte nicht, dass ich ihn wirklich vor mir sah…seine funkelnden Augen. „…Edward!" keuchte ich ungläubig und blickte mich dann kurz um.

„Was machst du denn hier?" fragte er mich und ich konnte in seinem Gesicht, welches von den Scheinwerfern seines Autos angestrahlt wurde erkennen, dass er versucht, seine Besorgnis um mich zu verstecken…Sein eiskalter Atem streifte meine Wange, meine Nase und ich wurde für einen kurzen Moment von diesem unglaublichen Duft benebelt, der von Edward ausging. Was machte ich hier? Was machte ich wirklich hier?

Ich wusste es nicht und konnte die Frage somit auch nicht beantworten. Ich biss mir auf die Lippe und zuckte mit den Schultern. „Ich…keine…keine Ahnung…ehrlich." Ich fröstelte, als der kalte Wind zunahm und legte die Arme um meinen Bauch. In meiner Eile aus dem Wagen zu kommen, hatte ich nicht daran gedacht, meine Jacke mitzunehmen und bereute es jetzt, als ich bemerkte, wie bitter kalt mir war. Ich musste mich dringend aufwärmen.

„Soll ich dich Nach Hause bringen?"

Ich blickte wieder in Edwards Augen, unfähig, etwas zu sagen, als mir erneut dieser unglaubliche Duft entgegenkam und nickte dann leicht. Er war mal wieder mein Retter in der Not. Langsam stand ich auf und ignorierte dabei Edwards Hand, die er mir zögerlich entgegenstreckte, um mir aufzuhelfen. Immer noch nicht wollten mir meine Beine gehorchen und so schwankte ich bedrohlich, bevor ich mein Gleichgewicht fand. Mit einer einzigen eleganten Bewegung stand auch Edward vor mir auf und gemeinsam gingen wir zu seinem Wagen. Ich streckte meinen Arm nach dem Türgriff aus, doch Edward war schneller und öffnete mir die Wagentür, damit ich einsteigen konnte.

„Ähm…danke." Murmelte ich und setzte mich auf den Beifahrersitz. Ich hatte erwartet, dass der Innenraum mollig warm sein würde und ich mich so ein wenig aufwärmen konnte, doch auch hier umhüllte mich Kälte und ließ mich erneut kurz frösteln. Ich schnallte mich an und schlang dann wieder meine Arme um den Körper. Charlie würde ausrasten. Bestimmt würde er einen riesen Aufstand machen, wenn ich jetzt aufkreuzen würde und darauf hatte ich absolut keine Lust. Doch ich konnte unmöglich noch länger draußen in der Kälte bleiben, also hatte ich keine Wahl und bei Edwards viel zu schnellem Fahrstil, würde ich in nicht einmal fünf Minuten zu Hause sein.

„Warte, es wird gleich warm." Sagte Edward und drehte die Heizung auf die höchste Stufe. Sofort streckte ich meine Hände aus und wärmte meine gefrorenen Finger am heißen Luftstrom und seufzte leise auf, als sie zu kribbeln begannen. Ich würde wohl eine heiße Dusche brauchen um meinen kompletten Körper zu wärmen.

„Ich…sollte mir vielleicht angewöhnen…in Forks stets eine Jacke bei mir zu tragen." Sagte ich leise, um die Stille zu unterbrechen. Es kam mir so vor, als würde Edward darauf warten, dass ich eine Unterhaltung anfing.

„Hm…das wäre durchaus ratsam, wenn du keinen Erfrierungstod erleiden willst." Schmunzelte Edward und blickte kurz zu mir, als ich ebenfalls meine Lippen zu einem kurzen Lächeln verzog und sofort begann mein Herz schneller zu schlagen. Wie fast immer, wenn Edward in der Nähe war. Was war nur los mit mir? Jeden Tag musste ich tausende Male darum kämpfen, meinen Beinen nicht zu gehorchen, die mir signalisierten, wegzulaufen. Warum jetzt nicht?

„Du…redest wieder…mit mir?" fragte ich leise und blickte aus dem Fenster. Seit über einer Woche hatte er mir kaum Beachtung geschenkt. Das höchste der Gefühle waren seine wütenden Blicke aus seinen fast immer schwarzen Augen, gepaart mit einer viel zu verkrampften Haltung. Doch all das konnte ich nun nicht mehr erkennen. Selbst seine Augen schienen wieder diesen weichen gold-braunen Ton angenommen zu haben.

„Sieht...ganz so aus."

Ich runzelte die Stirn und biss mir auf die Lippe. „Hm…von deinen Launen bekommt man doch glatt ein Schleudertrauma." Sagte ich im Scherz und hoffte, dass Edward das nicht allzu ernst nehmen würde, doch er lachte nur und antwortete mir wieder.

„Ich bin sehr wankelmütig…gewöhn dich lieber daran."

Ich blickte wieder aus dem Fenster und zog meine Hände von der Heizung weg. Langsam begann sich mein Körper wieder aufzuwärmen und ich hatte keine Lust, diese Wärme gleich wieder zu verlassen. Ich stöhnte innerlich, als ich von weitem Charlies Haus sah und Edward allmählich langsamer wurde. „Ähm…kannst…kannst du weiterfahren? Bitte? Ich…will noch nicht…nach Hause...Charlie wird mich anbrüllen." Stammelte ich und wurde etwas entspannter, als Edward wieder aufs Gas trat.

„Was hast du denn so schlimmes angestellt?" fragte Edward belustigt und blickte immer wieder zu mir.

„Ich…wir hatten Streit …Charlie und ich…als wir von la Push nach Hause gefahren sind und…dann bin ich aus dem Wagen abgehauen. Ähm…lass mich einfach da vorne raus…Ok?"

Edward nickte und parkte seinen Wagen am Straßenrand, vor dem kleinen Italiener. Ich wollte nicht aussteigen. Ich wollte hier bleiben und einfach weiter durch die Nacht fahren. In dieser wohligen Wärme verbleiben und weiter Edwards viel zu köstlichen Duft einatmen. Doch ich wusste, dass das nicht möglich war, also schnallte ich mich ab und unterdrückte ein Seufzen. „Danke…Edward." Sagte ich leise, öffnete die Tür und stieg aus. Der kalte Wind schlug mir sofort entgegen und ich überlegte, ob ich nicht doch lieber nach Hause gehen sollte, mich Charlies Zorn stellen sollte um dann endlich duschen zu können, doch meine Gedanken wurden jeher unterbrochen, als Edward ebenfalls ausstieg, auf meine Seite kam und mir seinen Mantel reichte.

„Hier. Nicht dass du noch krank wirst."

„Was…aber…"

„Du kannst ihn mir am Montag zurückgeben. Im Gegensatz zu dir, bin ich die Kälte hier gewöhnt." Er lächelte sanft und half mir dann in seinen viel zu großen Mantel. Schnell schlang ich ihn mir um meinen Körper, um mich vor dem Wind zu schützen und dankte ihm leise, als ich plötzlich meine neuen…Freunde sah, die auf uns zukamen und mir erfreut zuwinkten. Ich stöhnte leicht auf. Ich hatte jetzt keinen Nerv dafür.

„Oh…nein." Ich wollte mich wegdrehen und so tun, als hätte ich sie nicht gesehen, doch ich wusste, dass es keinen Zweck hatte.

„Was ist los?" fragte mich Edward und blickte kurz zu Angela, Eric, Jessica, Mike und Tyler.

„Ach…ähm…nichts. Alles Ok." Murmelte ich und fuhr mir dabei durch die Haare, doch Edward lachte.

„Keine Sorge Bella. Sie wollen dich nur ins Kino verschleppen."

Ich sah Edward skeptisch an, doch mir blieb keine Zeit, etwas zu erwidern, denn Mike stand mit einem Male vor mir.

„Bella! Wie schön dich zu treffen. Wir hatten uns gerade gefragt, ob wir dich nicht von zu Hause abholen sollen. Der neue Zombie-Planet läuft heute an. Du kommst doch mit. Oder?"

Mike hatte wieder dieses schreckliche, viel zu freundliche Gesicht aufgesetzt und das schien auch Jessica nicht entgangen zu sein…oder die Tatsache, dass ich hier, mit Edward Cullen stand, Jessicas mehr oder weniger heimlicher Schwarm und noch dazu seinen Mantel trug. Doch ich achtete kaum auf sie und sah Mike stattessen fragend an. „Was? Ähm…"

„Na…der neue Zombiefilm ist heute in die Kinos gekommen. Das können wir uns doch nicht entgehen lassen." Erklärte mir Mike und schüttelte den Kopf darüber, dass ich nicht wusste, wovon er sprach.

Jessica machte einen Schritt nach vorn und hakte sich bei Mike unter…es sah ganz so aus, als würde sie ihr Revier markieren und ich musste ein Schnauben unterdrücken. Sie lächelte mich an. „Ja. Komm doch mit Bella. Wird bestimmt lustig und… Tyler hat auch noch kein Date." Sie zwinkerte mir zu und ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte, doch Edward kam mir glücklicherweise zuvor.

„Ähm..wisst ihr, Bella hat gerade meine Einladung zum Abendessen angenommen und…ich wäre sehr enttäuscht, wenn sie mich jetzt versetzen würde." Seine Stimme war so warm und charmant, dass mir richtig warm wurde.

„Ähm…ja, genau. Geht ihr doch ohne mich…ins Kino." Stammelte ich und krallte mich in Edwards Mantel. Ich sah Jessicas bohrenden Blick und ich wusste bereits, dass sie mich nach dem Wochenende über alles ausfragen würde. Mir graute es bereits davor, wollte die Eifersucht in ihrer Stimme gar nicht hören.

Tyler seufzte. „Hm…also schön. Wir erzählen dir am Montag, wie er war. Aber eins sag ich dir. Du verpasst echt was."

„Leute, wir sollten los und die Zwei nicht weiter aufhalten. Bestimmt haben sie Hunger." Sagte Angela leicht lächelnd und versuchte die Gruppe voranzutreiben. Ich war ihr mal wieder so Dankbar. Sie wusste immer, was zu tun war. Wir verabschiedeten uns und plötzlich spürte ich einen sanften Druck an meinem Rücken. Edward hatte seine Hand auf mich gelegt und schob mich so Richtung Eingang des Italieners.

„Du…hast mich gerade gerettet…ehrlich. Mike ist…immer so aufdringlich." Stammelte ich und Edward schmunzelte.

„Mike wollte nur mit dir flirten. Er hat sich genau überlegt, wie er heute Abend Jessica loswerden kann, um dir seine Liebe zu gestehen."

„Was?" mein Kopf fuhr in die Höhe und ich blickte Edward erschrocken an, doch als er mir die Tür öffnete, war ich verwirrt. „Was…tust du?" fragte ich ihn, als wir das Restaurant betraten.

Edward sah mich belustigt an. „Na…ich habe dich doch gerade zum Essen eingeladen…oder möchtest du in ein anderes Restaurant?" fragte er mich und ich konnte hören, dass es wirklich sein Ernst war. Ich schüttelte nur leicht den Kopf und ließ mich von ihm zu einem freien Tisch in einer etwas ruhigeren Ecke führen. Er hatte einen Platz direkt an den Fenstern gewählt und half mir jetzt, den Mantel auszuziehen. Ich musste ein ziemlich eigenartiges Gesicht aufgesetzt haben, denn als er für mich den Stuhl zurechtrückte, damit ich mich setzen konnte, sah er mich aus leicht besorgten Augen an.

„Ist alles in Ordnung?" fragte er mich, als er sich ebenfalls setzte und mir die Speisekarte reichte.

„Ähm…nein…ja. Es ist nur…ich bin verwirrt...DU verwirrst mich." Sagte ich leise und wich seinem Blick aus, während ich die Speisekarte entgegennahm. Ich war nicht der Mensch, der seinem Gegenüber länger als nötig in die Augen sah, eigentlich tat ich es immer nur so kurz, wie nötig. Und obwohl Edwards Augen mich so sehr faszinierten, war es mir unangenehm, ihn zu lange anzusehen. Immer wieder musste ich kurz wegblicken.

„Das…tut mir leid. Ich hatte nicht vor, dich zu verwirren." Antwortete er und setzte wieder dieses unbeschreibliche Lächeln auf. Ich zuckte leicht zusammen, als eine Kellnerin an unseren Tisch kam und ich konnte gerade noch ein Aufkeuchen unterdrücken. Nachdem sie unsere Bestellungen entgegengenommen hatte, ließ sie uns sofort wieder alleine.

„Du…du willst nichts essen?" mir war nicht entgangen, dass er sich nur eine Cola bestellt hatte und ich fragte mich, wieso er mich zum Essen einlud, wenn er selbst offensichtlich keinen Hunger hatte. Ich sah wie er antworten wollte, doch dann fiel mir etwas auf. „Ich…hab dich noch nie…etwas essen gesehen…" in dem Moment als ich es aussprach, bemerkte ich, wie idiotisch sich das anhörte und ich konnte nicht verhindern, dass mir die Hitze ins Gesicht schoss. Peinlich berührt zupfte ich an meinen Haaren und war verwundert, als Edward mich immer noch mit diesem wundervollen Blick betrachtete.

„Ich…bin gerade auf einer speziellen Diät."

Ich runzelte die Stirn und lehnte mich etwas zur Seite, als unsere Bestellungen serviert wurden. Sofort griff ich nach meinem Glas und bemerkte erst jetzt, wie durstig ich eigentlich war. Als ich das Glas halb geleert hatte, stellte ich es beiseite und bemerkte plötzlich, wie nervös ich wurde. Ich hatte keine Ahnung, wie ich diese Unterhaltung fortsetzen sollte, wusste nicht, was ich sagen sollte und hatte doch so viele Fragen an ihn. Ich brauchte Antworten. So unauffällig wie möglich wischte ich meine schweißnassen Hände an meiner Hose ab und blickte Edward unsicher an. „Ich…tut mir leid, aber…ich bin nicht gerade…die richtige Person für…eine anregende Unterhaltung." Ich schluckte und verknotete meine Finger ineinander, als ich seinen sanften Blick auf mir bemerkte. Wie machte er das nur?

„Du schlägst dich doch ganz gut."

Ich lächelte ihn leicht an und atmete dann kurz tief durch. „OK…ich…kann ich dir ein paar…Fragen stellen?"

„Alles was du willst."

„Und…Du wirst sie mir auch beantworten?" Ich bezweifelte es, war er mir nicht ab dem Moment aus dem Weg gegangen, als ich anfing Fragen zu stellen?

„So gut ich kann…versprochen." Antwortete Edward und lehnte sich leicht zurück.

Ich griff nach meiner Gabel und stocherte etwas in meinem Risotto herum, suchte nach den richtigen Worten, wollte ihn natürlich nicht sofort wieder verschrecken, doch ich wusste einfach nicht, wo ich anfangen sollte. In Windeseile durchforstete ich mein Gehirn und bemerkte, dass ich schon zu lange nichts mehr gesagt hatte.

„Ähm…woher…wusstest du das? ...Also das mit dem Kino? Oder…das mit Mike?" Ich versuchte, ihn länger anzusehen und konnte erkennen, dass er von dieser Frage überrascht war. Er hatte überhaupt nicht damit gerechnet.

„Mike…ist sehr leicht zu durchschauen…es war nicht schwer, das herauszufinden…im Allgemeinen…sind Menschen für mich sehr leicht zu durchschauen. Es ist nicht schwer, ihre Gedanken zu…hören…Und Mike hat mir seine Absichten fast entgegen geschrien."

Ich bemerkte, wie er nach Worten rang, etwas, das er eigentlich nie tat. Er hatte immer klare Antworten, soweit ich das beurteilen konnte, doch nun suchte er fast so verzweifelt wie ich danach, die richtigen zu finden. „Zu…hören? ...Redest du von Gedankenübertragung? Gedanken lesen?" ich schluckte, als mein Herz wieder zu rasen begann. „Und…und bin ich auch so leicht…zu durchschauen?" Ich hatte Angst vor seiner Antwort. So…eigenartig seine Erklärung auch war, so glaubte ich sie ihm und hatte nun Angst, von ihm durchschaut zu werden, dass er all meine Geheimnisse offen legte, alles über mich erfahren würde. Doch seine Antwort überraschte mich erneut.

„Ich…habe noch nie jemanden wie dich kennen gelernt. Jemanden…der…mich so…stark anzieht und gleichzeitig…so…verschlossen ist…so schwer zu lesen…"

Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte und schob mir eine Gabel Reis in den Mund, um etwas länger nachdenken zu können. Doch ich beschloss, dieses Thema erst einmal bleiben zu lassen. Es gab viel wichtigeres, das ich ihn fragen wollte. „Du…bist mir aus dem Weg gegangen." Murmelte ich unverständlich und wollte den Satz schon wiederholen, als Edward antwortete."

„Ja…das bin ich." Sagte er leise.

„Aber…wieso?" ich blickte wieder von meinem Teller auf und zwang mich Edward dieses Mal länger als nur drei Sekunden anzusehen, zwang mich, in seine Augen zu blicken und den Drang, meine Augen abzuwenden zu ignorieren.

„Bestimmt…hast du doch mitbekommen, dass…ich mit meiner Familie immer alleine bleibe…dass wir andere meiden und gemieden werden. Es…war sozusagen ein Schutzmechanismus, aber…ich habe das Gefühl…in deiner Nähe bleiben zu müssen…dich beschützen zu müssen…klingt…das verrückt?" fragte er mich und sah mich unsicher an, doch ich schüttelte den Kopf.

„Du…kannst Menschen nicht…besonders gut leiden…fühlst dich in ihrer Gegenwart unwohl…nervös."

Es war keine Frage, sondern eine Feststellung und trotzdem nickte ich leicht, um Edward zu zeigen, dass er recht hatte.

„Fühlst…du dich auch in…meiner…Gegenwart unwohl? Jetzt..zum Beispiel?" fragte er und sah mich mit einer gewissen Neugierde an, wartete geduldig auf meine Antwort und raubte mir fast die Sinne.

„Nein." Antwortete ich so fest ich konnte und scheiterte doch kläglich. Meine Kehle kratzte und so trank ich auch den Rest meines Getränks, als ich sah, wie Edward mir sein eigenes, unberührtes Glas zuschob.

„Hier. Ich habe es ohnehin für dich bestellt." Meinte er nur. Langsam griff ich danach und streifte dabei ungewollt seine Hand…seine viel zu kalte Hand. Es hatte mindestens 25 Grad in diesem Restaurant, doch Edward schien sich nicht aufzuwärmen. Sofort zog er seine Hand weg und ballte sie auf dem Tisch zu einer Faust. Mir entging nicht, dass er sich mit einem Male wieder anspannte, ganz so, als würde er sich…auf einen Angriff vorbereiten. So, wie er es in den letzten Tagen immer häufiger getan hatte und ich fragte mich, woran das lag.

„Entschuldige…meine Hände sind…sehr kalt." Murmelte er und entspannte sich wieder, doch ich bekam es kaum mit, denn meine Hand hatte sich auf einmal selbstständig gemacht und bewegte sich plötzlich auf Edwards zu…langsam…vorsichtig…um ihm Zeit zu geben, seine Hand unter dem Tisch verschwinden zu lassen, doch er tat es nicht und so legte ich sanft meine Hand auf seine und war überrascht, dass er es zuließ. Noch nie in meinem Leben hatte ich etwas Vergleichbareres gespürt. Es fühlte sich an, als würde ich eine Eisskulptur berühren. Kalt wie Eis und so glatt wie Marmor, fühlte sich Edwards Haut unter meinen Fingern an…und stein hart.

Ich schluckte, als mir plötzlich wieder einfiel, was Jakob mir heute erzählt hatte. Er selbst glaubte vielleicht nicht daran und auch ich wusste nicht, was ich davon halten sollte, doch jetzt, wo ich hier mit Edward saß, ihn ansah und mir nochmals jede seiner Sonderheiten durch den Kopf gehen ließ, wieder an meine blauen Flecken und an die gebrochenen Rippen dachte, während ich immer noch meine Hand auf seiner liegen hatte, kam es mir plötzlich nicht mehr so abwegig vor. Ein sonderbares Geheimnis umgab Edward Cullen und ich wusste plötzlich, was es war. Ich räusperte mich leicht und blickte auf unsere Hände.

„Edward?"

„Ja?"

„Was…was bist du?" flüsterte ich und biss mir auf die Unterlippe. Ich hörte, wie Edward scharf die Luft einsog.

„Was…glaubst du denn, was ich…bin?" Sein Gesichtsausdruck wirkte leicht angespannt, als ich wieder aufblickte und auf meiner Unterlippe zu kauen begann. Wenn ich nicht aufpasste, würde ich noch zu bluten anfangen, aber…sollte ich es ihm wirklich sagen? Er würde mich für völlig verrückt halten…aber war der heutige Abend nicht der Beweis dafür, dass ich mich ständig irrte? Dass Edward niemals so reagierte, wie ich annahm? Wieder fuhr ich mit meinen Fingern leicht über seine bleiche Haut und staunte über dessen Beschaffenheit, als er mir plötzlich seine Hand entzog und sie doch noch unter dem Tisch verschwinden ließ. War es ein Eingeständnis? Ein Eingeständnis, dass er tatsächlich…anders war?

Ich atmete laut auf, bevor ich meine Vermutung äußerte. „Du…bist du ein…kaltes Wesen?" ich war immer leiser geworden und ich konnte meinen rauschenden Herzschlag spüren, der sich nicht mehr beruhigen wollte. Ich zwang mich, Edward weiter anzusehen, um seine Regung im Gesicht zu erkennen…und wieder überraschte er mich, als er mir ein sanftes Lächeln schenkte und…für mich war es Antwort genug, ich wusste, dass ich mir das nicht alles nur einbildete, sondern Recht hatte. Ich aß die letzten Bissen meines Abendessens und schob dann den Teller von mir. „Ich…habe es mir also…wirklich nicht eingebildet…"

„Was meinst du damit"

„Dass…du…anders bist. Dass…du…du bewegst dich so anders…so elegant,…redest nicht so, als wärst du ein Teenager, du…bist…so höflich und…überaus bleich…und...nicht zu vergessen, dass du…eiskalt bist, unfassbar schnell und…stein hart…"

Edward lehnte sich langsam etwas nach vorn und fixierte mich mit seinen Augen. Sein kalter Atem schlug mir entgegen, als er sprach. „So…hart, dass…ich dir die Rippen gebrochen und…Blutergüsse beschert habe."

Ich blickte ihn mit großen Augen an, als er nicht einmal auf die Idee kam, es abzustreiten, sich zurückzuziehen, um sich zu schützen. Stattessen gab er es indirekt sogar zu. „Aber…ein wichtiges Detail hast…du gerade vergessen." sagte ich leise und versteckte meine Hände in den Ärmeln.

„Welches?"

„Dass…du mir das Leben gerettet hast." Murmelte ich und blickte dann aus dem Fenster.

Edward bezahlte die Rechnung und wir beschlossen, zu gehen. Es war bereits spät und langsam aber sicher musste ich wieder an Charlie denken. Bestimmt wurde er bereits verrückt vor Sorge. Ich hoffte nur, dass er nicht bereits eine Vermisstenanzeige aufgegeben hatte. Als ich aufstand, hielt Edward mir wieder seinen Mantel entgegen, doch ich machte keine Anstalt, ihn zu nehmen. „Was…ist mit dir?" fragte ich. „Es…ist kalt draußen."

„Hmmh…noch kälter können meine Hände wohl kaum werden, was?" lachte er und half mir in seinen Mantel."

Ein warmer Schauer jagte durch meinen Körper, als ich dieses wunderbare seidene Lachen aus Edwards Brust hörte. Mir war so, als würde ich im Moment den Schutz des Mantels nicht brauchen…so lange Edward da war.

„Das…ist wohl war." Antwortete ich, als wir das Restaurant verließen.

Die Fahrt nach Hause war meines Erachtens viel zu kurz und so bewegte ich mich nicht, als Edward den Wagen vor Charlies Haus hielt. Ich wollte mich noch nicht von Edward trennen, sondern hier bleiben und Edwards Duft von seinem Mantel aufsaugen, doch das war nicht möglich. Also schnallte ich mich ab und blickte dann etwas schüchtern zu Edward. „Und…wirst du mich am Montag…wieder ignorieren?" fragte ich leise und fuhr mir durch meine Haare.

„Ich…hoffe es nicht."

Ich runzelte die Stirn und sah ihn fragend an. „Wovon…hängt das ab?" Doch Edward schwieg und schien mit sich zu ringen. „Es…hängt von…deiner Augenfarbe ab…wenn…sie dunkel sind, hast du…schlechte Laune." Flüsterte ich, zog den Mantel aus und warf ihn dann über meinen Sitz. In dem Moment zuckte Edward neben mir, verkrampfte sich und schloss die Augen. Fast sah er so aus, wie an jenem Tag, als ich das erste Mal in Biologie auf ihn getroffen war. Nicht wütend, aber…auf eine gewisse Art und Weiße gequält…

„Bella…ich…ich weiß nicht, ob das alles…eine gute Idee ist…ich sollte auf keinen Fall in deiner Nähe sein aber…ich weiß nicht, ob ich mich länger von dir fernhalten kann…"

„Dann…dann tu es nicht." Sagte ich leise und konnte meine Traurigkeit nicht verbergen. Wollte er nun doch alles beim Alten lassen? Bereute er den heutigen Abend?

„Aber…was ist, wenn ich nicht der bin…für den du mich hältst? Was…wenn ich…böse bin?"

„Edward…das…bist du nicht." Antwortete ich leise und strich mir die Haare hinter meine Ohren.

„Wie…kannst du dir da so sicher sein?"

„Niemand…der böse ist, würde einem anderen gegenüber zugeben, böse zu sein…du…würdest mir niemals…etwas tun." Ich blickte zum Haus und öffnete seufzend die Wagentür.

„Keine Sorge. Charlie ist nicht mehr wütend…eher besorgt."

Ich drehte meinen Kopf zurück zu Edward. Konnte er das wirklich wissen?

„Er…will nur wissen, dass es dir gut geht. Oh…und…du hast Hausarrest."

Ich blinzelte ein paar Mal, bevor ich antwortete. „Ich glaube…damit kann ich leben." Ich schenkte ihm eines, meiner seltenen Lächeln und verabschiedete mich. „Gute Nacht Edward…und…danke…für alles."

„Gute Nacht Bella."

Ich wartete im Freien, bis ich Edwards Wagen nicht mehr sehen konnte und fragte mich, wohin das alles noch führen würde, was wirklich mit ihm los war und ob er sich irgendwann öffnen würde. Meine Gedanken kreisten immer wieder um das Gesprochene im Restaurant. Eigentlich…hatte er mir so viel gesagt und doch…gar nichts und ich wusste nicht, was ich mit all den Informationen anstellen sollte. In Gedanken versunken betrat ich das Haus und stand plötzlich Charlie gegenüber.

„Hallo…Dad."

„Bella! Geht…geht es dir gut?" Er sah mich aus geweiterten Augen an und ich konnte sehen, dass er überaus froh war, dass ich wieder hier war, also nickte ich.

„Ja…alles in Ordnung. Ich…bin nur müde und…werde schlafen gehen. Ok?"

„Natürlich."

Ich hatte bereits die Hälfte der Treppe hinter mir gelassen, als Charlie mich noch kurz aufhielt. „Bevor ich es vergesse…Bella, du…hast Hausarrest."

Ich nickte. „Ok."