Kíli hielt sein Bein umklammert und schrie vor Schmerzen auf. Die Wunde, die der verheerende Morgulpfeil geschlagen hatte, war erneut aufgebrochen und sonderte Wundwasser und dunkles Blut ab. Die umliegenden Adern zeichneten sich fast schwarz unter der hellen Haut und zeugten von der Vergiftung, die sich langsam aber sicher im Körper des jungen Zwerges ausbreitete. Fíli spürte, wie sein Herz vor Panik schneller schlug, während er mit der einen Hand die schweißnasse Rechte seines Bruders umklammert hielt und mit der anderen seinen bebenden Leib auf die zentimeterdicke, raue Tischplatte drückte, auf den sie ihn so gut wie möglich gebettet hatten. Obwohl Sigrid, Bards Tochter, mehrere Fenster geöffnet hatte, kam ihm die Luft in dem kleinen Raum heiß und stickig vor. Óin und Bofur, die Kílis Fußgelenke umklammert hielten, hatten die Gesichter vor Anstrengung verzerrt. „Beeilt Euch doch!", rief Óin über die Schulter hinweg in den rückwärtigen Teil des Zimmers, wo sich undeutlich die schlanke Gestalt der Elbenjägerin abzeichnete.

Bofur hatte ihr vor wenigen Minuten das Athelas-Kraut gegeben und nun hantierte sie, verborgen vor den Blicken der Zwerge. Fíli hatte keine Ahnung, was sie da eigentlich tat, aber er hoffte, dass sie schnell damit war. Kílis Atem ging keuchend und der blonde Zwerg wusste nicht, wie lange er diese Tortur noch durchhalten würde. Gerne hätte er dem jüngeren Bruder Mut zugesprochen, aber sein Kopf war leer, seine Kehle trocken. Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, drehte sich die rothaarige Schönheit um und trat mit anmutigen, leichten Schritten neben den massiven Holztisch.

Haltet ihn gut fest", wies sie die Zwerge an und auch aus ihrer Stimme sprach Anspannung.

Die schlanken Finger hatten das Kraut zerdrückt und eine kompakte Kugel daraus geformt, die im Licht der Kerzen feucht vom Pflanzensaft schimmert und einen intensiven, süßlichen Geruch absonderte. Sie beugte sich über Kíli, der sie mit verschleierten Augen anblickte und sie entweder nicht erkannte oder ihre Erscheinung für einen Traum hielt, denn sein Gesichtsausdruck wurde zunehmend entrückter.

Macht schnell", flüsterte Fíli ihr leise und bittend zu und für einen Moment kreuzte sein Blick den von Tauriel.

Die Elbin lächelte ihn an, und in diesem Moment schien etwas mit ihrem Gesicht zu geschehen. Die Züge zerflossen wie Kerzenwachs, das zu lange in der Sonne gestanden hatte, verwischten ihr anmutiges Antlitz und schufen etwas Neues, Bösartiges. Die vollen Lippen zogen sich zusammen und entblößten in einem sardonischen Grinsen spitze Zähne und schwarzes, fauliges Zahnfleisch. Die Augen füllten sich mit Finsternis, verschlangen Pupillen und Iris und schienen wie schwarze Löcher, die jemand in den Schädel gebohrt hat. Die kleine, geschwungene Nase verfaulte binnen Sekunden und hinterließ einen blutgefüllten Krater, der das Gesicht noch mehr verunstaltete. Die Kreatur, deren Aussehen man am besten mit einer Mischung aus Ork und Untotem beschrieb, verbreiterte das Grinsen noch, während die schwarzen Augen seinen Blick bannten. In den Händen, die nun eher knochigen Klauen glichen, lag nicht mehr das lindernde Kraut, sondern ein langer Dolch, geschmiedet aus einem Stück Metall, ebenfalls schwarz wie die Nacht und mit einer geschwungenen, scharfen Klinge.

Fíli wollte nach seinen Waffen tasten, konnte sich jedoch keinen Zentimeter rühren. Am Rande nahm er wahr, dass seine beiden Gefährten, die am anderen Ende des Tisches standen, verschwunden waren – verschlungen von der Finsternis, die heraufgezogen war und sämtliche Lichter gelöscht hatte. Trotzdem sah er das Monstrum in aller Deutlichkeit vor sich, ebenso seinen Bruder, der nach wie vor Höllenqualen unter der Wunde und der Vergiftung litt.

Du willst, dass ich ihm helfe? Das werde ich. Ich erlöse ihn von seinen Schmerzen", sprach das Wesen mit dröhnender Stimme, die im Raum nachhalte und einen unheimlichen, dissonanten Klang erzeugte.

Mit einer fließenden Bewegung hob es den Dolch und setzte die Spitze auf Kílis Brust, genau über dem Herzen. Fíli verdoppelte seine Anstrengungen, er schrie innerlich und warf sich mit aller Macht gegen die unsichtbaren Fesseln, die ihn hielten. Doch kein Laut drang über seine Lippen und kein Muskel regte sich. Zum stummen Zuschauen verdammt musste er mit ansehen, wie das Monstrum die Klinge in einer ruckartigen, beinahe gleichgültigen Bewegung in den Körper darunter bohrte und Kílis gellender Aufschrei von einem Schwall Blut erstickt wurde…


„Fíli! Wach auf, Fíli!"

Jemand rüttelte unsanft an Fílis Schulter und brachte ihn damit endlich wieder zur Besinnung. Mit wild hämmernden Herzen fuhr er auf und blickte in ein Paar vertraute, hellbraune Augen, die ihn erschrocken und besorgt ansahen. In seinen Ohren gellte noch immer der unsägliche Schrei und es dauerte einige Sekunden bis er begriff, dass er selbst es gewesen war, der da geschrien hatte und damit wahrscheinlich das ganze Lager aufgeweckt hatte. Kílis Gesicht schwebte als heller Fleck über ihm und abermals drückte eine Hand schmerzhaft seine Schulter.

„Schon gut, ich bin wach", ächzte Fíli und wischte sich das Haar aus dem Gesicht, um endlich klar sehen zu können.

Es war noch immer dunkel, doch die wenigen Sterne, die man zwischen den herabstürzenden Wassermassen und der Felswand erkennen konnte, verblassten bereits. Die Dämmerung konnte nicht mehr weit sein.

Was war das gewesen? Warum hatte er so etwas Schreckliches geträumt? Die Szene war ihm unheimlich real vorgekommen – einen Teil davon hatte er tatsächlich erlebt, doch was dann kam, grenzte allmählich an Wahnsinn. Nicht nur Thorins Tod verfolgte ihn stets in den letzten Nächten, nun träumte er auch von dem Tod eines weiteren, geliebten Familienmitgliedes – nur, dass dieses, Mahal sei es gedankt, quicklebendig vor ihm saß und dessen Miene deutlich ausdrückte, dass es sich große Sorgen um den älteren Bruder machte. Fíli richtete sich vollends auf und spürte, dass der Wollumhang, in den er sich gewickelt hatte, schwer vor Nässe war und sein Haar und die Stiefel fühlten sich ebenfalls feucht und klamm an. Das monotone Rauschen der Fälle und die Tatsache, dass die anderen Zwerge anscheinend trotz des Lärms, den er veranstaltet hatte, noch schliefen, sorgten dafür, dass sich sein pochendes Herz allmählich beruhigte und sein Atem langsamer wurde.

„Alles in Ordnung mit dir?", sprach ihn Kíli nun erneut leiser an.

Fíli drehte den Kopf, sah seinen Bruder an und zwang sich zu einem müden Lächeln.

„Ja. Ich habe schlecht geträumt, das ist alles."

Er hatte es bisher vermieden den Jüngeren darin einzuweihen, dass ihn eine Reihe von Träumen bereits seit Tagen quälte und er tat es auch jetzt nicht, sondern spielte es so gut wie möglich herunter.

„Kein Wunder, an einem Ort wie diesem. Da zeigt sich wieder, das Zwerge nicht fürs Wasser gemacht sind."

Er erhob sich vollends, streckte sich mit knackenden Gelenken und meinte: „Ich finde eh keinen Schlaf mehr, da kann ich auch genauso gut nach den Ponys sehen."

Schnell wandte er sich ab und ging zu den Tieren hinüber, um zu vermeiden, das Kíli ihm weitere Fragen stellte.

Der dunkelhaarige Zwerg verzichtete auf eine Antwort und kam ihm auch nicht nach. Stattdessen und blickte seinem Bruder nachdenklich hinterher. Ihm war nicht entgangen, dass Fíli sich in letzter Zeit verändert hatte. Wo vorher Frohsinn und Optimismus vorgeherrscht hatten, zeigte er sich nun grüblerisch und in sich gekehrt und erinnerte ihn ein ums andere Mal mehr an Thorins verschlossene Art. Er ahnte, wie schwer die Bürde war, die Fíli durch den Tod des Onkels auferlegt wurde und hoffte dennoch, dass der junge Zwerg bald wieder zu seiner alten Form finden würde.

Als er sich umdrehte erblickte er Bofur, der, in seinen Umhang gewickelt und das Endstück seiner Pfeife im Mundwinkel, wie verabredet in der Nähe des Felswand saß und Wache hielt. Auch er blickte nachdenklich in Fílis Richtung und sog gedankenverloren an dem erkalteten Rauchwerkzeug. Offenbar hatte dessen unsanftes Erwachen ebenso mitbekommen, denn in dem Ausdruck seiner Augen erkannte Kíli ähnliche Gedanken und Gefühle, die ihn selbst beschäftigten. Als sich der dunkelhaarige Musikant von seinem Sitzplatz erhob, fing er den Blick des jüngeren Zwergenprinzen auf und verstand dessen stumme Worte, denn er nickte unauffällig und besiegelte damit das Versprechen, dass sie beide gaben – sie würden auf Fíli Acht geben, komme, was wolle.

Auch Dwalin und Bifur erwachten kurze Zeit später und man sah ihnen an, dass sie ebenso schlecht geschlafen hatten wie der Rest der Truppe. Das meiste ihrer Ausrüstung war dank mehrerer Decken, die sie über die Waffen und den Proviant geworfen hatten, trocken geblieben, was man von den Zwergen nicht behaupten konnte - sie alle fühlten sich in den nassen Sachen sichtlich unwohl und verspürten den Wunsch, so schnell wie möglich aufzubrechen. Das Frühstück fiel ebenso spartanisch aus wie das Nachtmahl am Abend zuvor und bestand aus denselben Zutaten, aber niemand klagte. Sie verzichteten auf einen neuerlichen Versuch, ein Feuer zu entfachen, aßen hastig und machten sich daran, das wenige, das sie an Ausrüstung dabei hatten, auf die Ponys zu verteilen.

Sie bildeten wieder einen Zug, an dessen Spitze sich diesmal Dwalin setzte. Bifur und Bofur übernahmen die Mitte, Kíli und Fíli bildeten den Schluss. Behutsam führten sie die Pferde an die Kante heran und begannen den Abstieg. Der dichte Nebel des aufsteigenden Wassers hüllte sie ein und bildete eine Nebelbank, die die Sicht einschränkte und das Vorankommen nicht eben erleichterte. Zum Glück verlief der Pfad weniger steil als auf der ersten Hälfte der Strecke und wurde mit jeder Biegung gerade, so dass sie bald zügiger voranschreiten konnten.

Mit dem Sonnenaufgang hatten sie die Talsohle erreicht und befanden sich auf der rechten Seite des Flussbettes, das den Celduin begrenzte. Nach wie vor war der Untergrund felsig, jedoch verlief er nun in einem breiten, ebenen Band parallel zum Flussufer. Die Zeit und das stetig fließende Wasser hatten den Stein geglättet und von Geröllresten gereinigt, so dass die Hufen der Ponys sicheren Tritt fanden und sie alsbald in einen lockeren Trab verfielen. Während sie sich über das offene Gelände bewegten, hielten die fünf erneut Ausschau nach den Rabenvögeln, konnten aber nichts entdecken – nicht einmal Spatzen zeigten sich am Himmel.

Eine Weile lang wurde ihre Reise noch von dem Brausen der Wasserfälle begleitet, das schließlich vom ruhigen, monotonen Rauschen des Flusses abgelöst wurde. Das Gelände erwies sich als durchgehend gut passierbar, so dass sie schnell voran kamen und ein gutes Stück des Weges schafften. Der Tag wurde genau so schön wie der vorhergehende, die Sonnenstrahlen und der warme, laue Wind sorgten dafür, dass ihre Kleidung schnell trocknete und die Stimmung hob sich merklich. Um die Mittagszeit legten sie wieder eine kurze Rast in einer Grasmulde ein und Bofur ließ sich sogar dazu hinreißen, ein Trinklied anzustimmen, das sich um eine schöne Zwergenmaid und einen hässlichen Gnom drehte, der ihr den Hof machte. Dwalin und Kíli fielen beim Refrain begeistert mit ein und selbst Fíli kam nicht umhin, breit zu grinsen. Jetzt, im hellen Licht des Tages, verblassten die Erinnerungen an den furchtbaren Traum allmählich und die gute Laune seiner Kameraden ließ ihn wieder ein wenig Hoffnung schöpfen.

Nach gut einer Stunde saßen sie erneut auf und folgten dem Celduin weiter nach Süden. Das Umland veränderte sich allmählich – die Landschaft wurde flacher und der Untergrund wechselte von Gestein zu weitem Grasland. Immer öfter sah man Gruppen von Bäumen aufragen, kleine Haine und Wäldchen aus Fichten, Lärchen, Birken und jungen Eichen. Auch den Pferdchen schien diese Landschaft sehr viel besser zu gefallen, sie griffen weit aus und galoppierten mit neu gewonnener Energie.


Gegen Spätnachmittag befanden sie sich auf einem weitläufigen Steppengebiet. Kíli, der ein gutes Stück vorausgeritten war, brachte seinen Hengst plötzlich zum Stehen, stemmte sich in den Steigbügeln hoch und blickte nach vorne. Dann drehte er sich halb zu den anderen um und winkte.

„Man kann den Waldrand erkennen!", rief er, als sie in Hörweite waren und deutete nach vorne, wo sich in der Ferne ein schmales, dunkles Band am Horizont abzeichnete.

„Sehr gut, dann schaffen wir es bis zum Einbruch der Nacht!", antwortete Dwalin und beugte sich tiefer über den Hals seines Tieres, um das Tempo noch ein wenig zu erhöhen.

Sie verzichteten auf eine weitere Rast und beschlossen, erst zu halten, wenn sie eine geeignete Stelle für das Nachtlager gefunden haben.

Die Sonne versank bereits wieder, als sie die ersten Bäume und Büsche erreichten, die die Grenze des Düsterwaldes markierten. Im Gegensatz zu dem Waldrand, den sie das letzte Mal von Westen kommend passiert hatten, standen die Pflanzen hier nicht als massive Mauer, sondern begannen vereinzelt in Form von niedrigem Gebüsch und kleinen, schlanken Schösslingen, die erst seit wenigen Sommern hier wuchsen. Auch bekamen die Zwerge nicht den Eindruck des unheimlichen und verzauberten Forstes, sondern ritten in gemächlichem Tempo in einen gesunden, frisch ergrünenden Mischwald hinein.

„Sagte Radagast nicht, der Wald ist krank? Offensichtlich haben wir Glück - hier scheint alles noch in Ordnung zu sein", erkannte Bofur, während er den Blick über das Blätterdach schweifen ließ.

„Lass dich nicht täuschen, mein Freund", ertönte Dwalins tiefe Stimme hinter ihm. „Vielleicht ist das auch nur wieder ein Blendwerk der Spitzohren, die uns glauben lassen wollen, dass dies gewöhnliche Bäume sind."

„Wie auch immer, ich habe jedenfalls nichts dagegen. Besser als gleich über eine Horde Riesenspinnen zu stolpern", erwiderte Bofur fröhlich.

Die Erwähnung der tückischen Kreaturen, die sie bereits einmal in ihren Fängen hatten, sorgte dafür, dass die Zwerge erneut wachsam wurden. Kíli legte seinen Bogen vor sich über den Sattel, um die Waffe jederzeit sofort griffbereit zu haben. Dwalin lockerte seine Axt im Gürtel. Fílis Hand wanderte zu dem längsten Dolche, den er am Gürtel trug und verharrte dort. Bifur und Bofur schienen sich sicher genug zu fühlen – sie verzichteten auf derlei Gesten, späten jedoch angestrengt in das grüne Dämmerlicht, dass zwischen den Bäumen nun rasch dunkler wurde.

Die Zwerge setzten ihren Weg noch etwa eine halbe Stunde fort, dann beschlossen sie, zwischen zwei hochgewachsenen Eichen ihr Lager aufzuschlagen. Das dichte Blattwerk schloss jeden Rest von Tageslicht aus und Dwalin und Bifur machten sich nach dem Absatteln umgehend daran, ein Feuer zu entfachen, was diesmal weit besser klappte als unter den Wasserfällen. Die Funken fanden in dem Zunder sofort Nahrung und weitere, kleine Äste sorgten dafür, dass nach wenigen Minuten die ersten Flammen leckten und die Umgebung mit warmen, gelben Licht erhellten. Sie bedienten sich an dem Holzvorrat, den sie mit sich führten und legten einige Scheite auf, dann versammelte sich die kleine Gruppe rund um das Lagerfeuer.

Bifur streckte die Hände über die Flammen und seufzte wohlig. Hier unter den Bäumen war die Luft merklich kühler und die Temperatur würde über Nacht noch weiter fallen. Bofur übernahm diesmal die Rolle des Kochs und schaffte es, aus den überschaubaren Vorräten, die sie mitgenommen hatten, eine genießbare, warme Mahlzeit zu zaubern – gebratene Eier mit Schinkenstreifen und geröstetem Brot, das in Windeseile bis zum letzten Krümel vertilgt wurde.

„Schade, dass Bombur nicht mitgekommen ist", seufzte der Musikant. „Er hat das Talent, aus jeder noch so kargen Zutat eine anständige Mahlzeit zu bereiten. Lange machen unsere Vorräte das nicht mehr mit."

„Keine Sorge, morgen werden wir zusehen, dass wir Fleisch haben. Mit etwas Glück laufen uns ein paar Kaninchen über den Weg", gab Kíli optimistisch zurück, während er an dem letzten Kanten Brot knabberte.

Ein Scheit zerbarst knackend und funkenstiebend und im nächsten Moment hörten die fünf Gefährten etwas, das ihnen die gute Laune nahm: Ein fernes, aber unverkennbares Heulen, das nach einigen Sekunden aus einer anderen Richtung erwiderte wurde.

„Wölfe", knurrte Dwalin. „Oder Schlimmeres."

„Rukhskhaî*", brummte Bifur, und diesmal brauchte niemand eine Übersetzung um zu verstehen, was er meinte.

„Wir wachen diesmal zu zweit", entschied Fíli. „Ich übernehme die erste Schicht."

„Ich ebenfalls", sagte Kíli schnell.

Vielleicht würde sich nun, wenn die anderen schliefen, die Gelegenheit ergeben, mit Fíli über dessen Traum von letzter Nacht zu sprechen.

„Ich wache als Zweiter", bot Dwalin an und Bifur stimmte ebenfalls zu, die zweite Wache zu übernehmen.

Bofur, der sich nicht lumpen lassen wollte, bot eine dritte Schicht bis zum Morgengrauen an. Sie diskutierten noch eine Weile darüber, dann beschlossen sie es dabei zu belassen. Dwalin, Bofur und Bifur machten es sich beizeiten auf dem Waldboden bequem, wickelten sich in ihre Mäntel und zogen die Kapuzen über die Köpfe. Kaum eine halbe Stunde verging, bis rhythmisches Atmen und leises Schnarchen ertönte.

Fíli warf noch einen Holzscheit in die Glut, um dem Feuer neue Nahrung zu geben und starrte dann in die emporzüngelnden Flammen. Er war froh, noch nicht schlafen zu müssen – er wusste nicht, ob er in dieser Nacht überhaupt ein Auge zu tun würde. Kíli saß neben ihm und überlegte angestrengt, wie er den Anfang eines Gesprächs machen sollte, fand jedoch nicht die richtigen Worte, um zu 1beginnen. Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus, das nur vom leisen Knistern des Brenngutes gefüllt wurde. Schließlich hielt Kíli es nicht mehr aus, holte Luft und wollte eben etwas sagen, als ein lauteres Knacken schräg hinter ihnen ertönte.

Alarmiert fuhren die beiden Zwerge herum. In Fílis Händen tauchten wie aus der Luft gegriffen zwei Wurfdolche aus, so schnell hatte er die kleinen Waffen gezogen. Kíli sprang auf, schnappte in derselben Drehung seinen Bogen, hangelte nach einem Pfeilschaft und zog den schlanken Bolzen heraus. In einer fließenden Bewegung legte er den Pfeil auf die Sehne, spannte diese straff und zielte in die tintenschwarze Finsternis. Dann hielt er den Atem an und lauschte. Herzschläge verstrichen, in denen es still blieb. Dann ertönte das Geräusch zum zweiten Mal.

Ohne auf einen Angriff zu warten ließ Kíli die Bogensehne los und schickte den Pfeil auf seine tödliche Reise.

*„Warge"