A/N: Erst mal entschuldige ich mich für die lange Wartezeit. Lange Wartezeiten sind bei mir ja nichts ungewöhnliches, aber diesmal hab ich einen guten Grund. Seit Anfang Oktober studiere ich wieder (nachdem ich mein erstes Studium abgebrochen und ein Semester pausiert habe) und habe dementsprechend während des Semesters nur wenig Zeit zum Schreiben. Meine Updates werden in Zukunft daher wohl meistens mit meinen Ferien zusammenfallen. Mehr zum Kapitel sage ich noch am Ende (falls es überhaupt jemanden interessiert). Viel Spaß beim Lesen und einen guten Rutsch!

~ Fluffy


10. Lord Voldemort

Rons Handgelenk kribbelte. Seufzend ließ er den Report liegen, an dem er gerade schrieb und meldete sich bei Kashal Kapur ab, der momentan die Aufsicht in der Zentrale hatte. Dann verließ er das Hauptquartier.

Er mochte es nicht, wenn Voldemort ihn auf diese Art zu sich rief, wann es ihm gerade passte. Eigentlich war Ron im Dienst, trug noch immer seinen offiziellen Dienstumhang. Doch auch wenn er es nicht gern so sah, war Voldemort sein oberster Dienstherr und wenn er entschied, dass Rons Aufgaben woanders lagen, dann stand es ihm nicht zu, das zu hinterfragen. In Momenten wie diesen hatte er das Gefühl, dass seine Tage bei der Spezialeinheit gezählt waren.

Er apparierte direkt an Voldemorts Seite. Zu seiner Überraschung befand der Dunkle Lord sich nicht im Malfoy Haus. Verwundert registrierte Ron im Dämmerlicht des schwindenden Tages, dass sie sich am Rand eines kleinen Dörfchens befanden. Eine Herde Schafe beäugte die seltsamen Besucher von einer anliegenden Wiese aus. Abgesehen von Draco Malfoy, der halb verdeckt hinter Voldemort stand, schien er alleine zu sein.

Ron verneigte sich. „Ihr habt mich gerufen, Mylord."

„Ron Weasley", nahm Voldemort seine Anwesenheit zur Kenntnis. „Draco, du kannst gehen."

Draco warf Ron einen Blick zu, den dieser nicht deuten konnte, bevor er sich auf der Stelle drehte und mit einem 'Plop' disapparierte. Einen Moment lang herrschte Stille, unterbrochen nur vom Blöken der Schafe. Voldemort schien schweigend in die Ferne zu blicken. Ron verhielt sich still und wartete ab, bis Voldemort von sich aus den Grund für ihr Hiersein verriet.

„Ich bin sicher, du fragst dich, warum ich dich hierher gerufen habe.", brach Voldemort schließlich das Schweigen und richtete den Blick wieder auf ihn.

„Ja Mylord."

Voldemort deutete in die Ferne. Im Dämmerlicht konnte Ron schwach die schattenhaften Umrisse eines Gebäudes ausmachen; wohl ein Farmhaus oder eine Scheune.

„Die Aufklärungseinheit hat bestätigt, dass sich der lang gesuchte ehemalige Auror Rudolf Harsky dort verborgen hält. Ich bin hier, um mich ein für allemal um dieses Problem zu kümmern. Und du wirst mir dabei helfen."

Ron konnte ein Schaudern nicht unterdrücken. „Mylord...", begann er und stockte. Er war sich unangenehm Voldemorts Blick bewusst, dessen rote Augen im Zwielicht unnatürlich zu glühen schienen.

„Du hast eine Frage?", sagte Voldemort.

„Ja Mylord. Wäre es nicht Aufgabe der Spezialeinheit, sich um diesen Auror zu kümmern?" Er hielt den Atem an. Bisher hatte Voldemort ihn noch nie für eine Frage oder Äußerung bestraft, aber es fiel im schwer den Mann einzuschätzen.

Doch Voldemort nickte. „In der Tat. Und obgleich ich große Stücke auf die Einheit halte, ist Harsky jemand, der meine persönliche Aufmerksamkeit rechtfertigt. Er ist ein gefährlicher Mann und meinen Dienern einmal zu oft entkommen. Er wird feststellen, dass es nicht so einfach ist mir zu entkommen!"

Ron schauderte erneut. 'Warum, bei Merlin, braucht Ihr dann mich?', dachte er unglücklich, wagte jedoch nicht, diesen Gedanken auszusprechen.

Voldemort schien jedoch zu erraten, was er dachte. „Natürlich", fuhr er fort, „kann es nicht schaden, wenn ein erfahrenes Mitglied der Spezialeinheit mich begleitet."

Ron wurde rot. „Aber sicher wären andere Mitglieder... ältere Mitglieder besser geeignet als ich?", sagte er.

„Meinst du nicht, dass ich das beurteilen sollte?", fragte Voldemort kalt.

„Natürlich Mylord", erwiderte Ron rasch, „Ich wollte nicht... ich meine... verzeiht Mylord."

Voldemort nahm die Entschuldigung mit einem gnädigen Kopfnicken an und Ron atmete auf. Der Dunkle Lord wandte sich wieder dem entfernten Gebäude zu. Er schien in keiner besonderen Eile zu sein.

„Sag mir, Ron: Was weißt du über Schutzzauber?"

„Nicht viel.", antwortete Ron wahrheitsgemäß. Unwillkürlich musste er an seinen Bruder Bill den Fluchbrecher denken und er versuchte sich zu erinnern, was Bill ihm je über seinen Job erzählt hatte.

Voldemorts Augen bohrten sich in seine. „Du musst über ein gewisses Grundwissen verfügen. Es fällt mir schwer zu glauben, dass die Spezialeinheit nie in geschützte Orte eindringen muss."

„Wir haben Spezialisten dafür.", sagte Ron und blickte unbehaglich zu Boden.

„Das ist mir bekannt." Voldemort wirkte nun ungeduldig. „Aber ich hoffe doch, dass du wenigstens mit den häufigsten Schutzzaubern vertraut bist, zumindest um ihre Existenz weißt und ihre Wirkung kennst, selbst wenn du nicht in der Lage bist sie auszusprechen oder zu kontern."

Ron fühlte sich wie ein Hogwartsschüler. „Nun, es gibt den Anti-Disapparier-Fluch", begann er nervös, „der verhindert, dass jemand in einem bestimmten Bereich apparieren oder disapparieren kann... den Hausfriedenszauber, durch den man gewarnt wird, wenn jemand sich nähert... den Muggelabwehrzauber, der Muggel ähm... abwehrt. Den Fidelius-Zauber..."

Er zählte alle Schutzzauber auf, die ihm einfielen und war selbst überrascht, wie viele er kannte. Denn natürlich war er während seines Widerstandes gegen Voldemort mit vielen in Berührung gekommen. Hogwarts, Grimmauldplatz, Shell Cottage und der Fuchsbau hatten allen möglichen Schutz gehabt. Selbst auf der Horcruxjagd hatten Harry, Hermine und er immer darauf geachtet, ihr Zelt bestmöglich zu sichern.

„Sehr gut", lobte Voldemort, „Das ist mehr, als ich erwartet hatte. Bei Harskys Erfahrung können wir davon ausgehen, dass er sie ebenfalls kennt. Für die anspruchsvolleren Schutzzauber dürfte ihm die Zeit gefehlt haben, dennoch wäre es unklug von uns, sein Versteck zu betreten, ohne zuvor seine Sicherheitsvorkehrungen zu beseitigen."

Ron nickte. Das leuchtete ihm ein und stimmte mit der Vorgehensweise der Spezialeinheit überein.

Voldemort fuhr fort: „Es gibt verschiedene Wege, Schutzzauber aufzuheben oder je nach Situation zu umgehen. Die sicherste, aber auch umständlichste Methode ist jeden Schutzzauber einzeln ausfindig zu machen und gezielt zu kontern. Das würde hier jedoch zu lange dauern. Ich werde dir einen anderen Weg zeigen, einen der es erlaubt eine größere Anzahl in kurzer Zeit zu bewältigen und für den keine Vertrautheit mit jedem einzelnen Zauber notwendig ist. Er ist sehr viel schwieriger zu meistern und nicht ungefährlich für einen unerfahrenen Zauberer. Man benötigt ein Gespür für Magie, einen guten Instinkt und ein gewisses Talent."

Das waren gewiss keine Eigenschaften, die Ron mit sich selbst verbunden hätte. Hermine war immer die talentierteste gewesen und ein guter Instinkt und ein Gespür für Magie hatten zu Harrys Stärken gehört. Er konnte sich des Gedankens nicht erwehren, dass Lord Voldemort etwas zu viel von ihm erwartete.

„Nimm deinen Zauberstab.", befahl Voldemort.

Ron tat folgsam wie ihm geboten.

„Es würde zu lang dauern, dir alles zu erklären, daher werden wir anders vorgehen. Schließe deine Augen!"

Einen Moment lang starrte Ron ihn nur verwirrt an. Erst auf eine ungeduldige Bewegung seines Herrn hin gehorchte er. Er kam sich mit einem mal seltsam nackt und schutzlos vor, Voldemort völlig hilflos ausgeliefert. In Gedanken schalt er sich einen Idioten. Wenn Voldemort ihm etwas antun wollte, konnte er es auch mit offenen Augen nicht verhindern. Er war kein Gegner für Voldemort, egal in welchem Zustand. Dennoch fühlte er sich unbehaglich.

Plötzlich spürte er etwas. Was genau es war, vermochte er nicht zu sagen. Etwas war anders. Eine fremde Präsenz schien sich in ihm einzunisten. Panik erfüllte ihn. Voldemort versuchte von ihm Besitz zu ergreifen!

„Hab keine Angst.", vernahm er Voldemorts Stimme, „Ich habe nicht vor von dir Besitz zu ergreifen. Ich werde deine Magie lediglich in die richtige Richtung lenken."

Erstaunlicherweise beruhigte Ron sich tatsächlich etwas, obwohl er noch immer nicht verstand, was vor sich ging. „Wie...", brachte er nur heraus.

„Das Dunkle Mal bildet eine starke Verbindung zwischen uns.", erwiderte Voldemort nur, „Konzentriere dich jetzt. Versuche nicht, gegen mich anzukämpfen, sondern lasse zu, dass ich dir zeige, was du tun musst."

Ron versuchte es. Er fühlte sich seltsam, als würde er zaubern, doch ohne einen Zauberspruch zu benutzen. Genau das tat er, erkannte er einen Moment später. Was er fühlte, war reine Magie. Seine eigene Magie. Noch nie war er sich ihrer so sehr bewusst gewesen wie in diesem Augenblick.

„Du fühlst sie.", hörte er Voldemort, „Gut. Was nimmst du sonst noch wahr?"

Ron fühlte wie der Zauberstab in seiner Hand kaum spürbar bebte, als der seltsame Zauber, den er wirkte (wenn es denn einer war) durch ihn floss. Dann war da noch etwas anderes. Es fühlte sich ebenfalls an wie Magie, aber nicht wie seine eigene. Und sobald er es einmal gespürt hatte, entdeckte er noch weitere.

„Die Schutzzauber, die wir ausschalten müssen.", erklärte Voldemort, „Öffne deine Augen jetzt wieder."

Nur zu gern folgte Ron dieser Aufforderung. Vor Überraschung weiteten sich seine Augen. Nicht länger war die Umgebung finster. Bänder und Streifen aus Licht unterschiedlichster Farbe durchzogen sie.

„Wahnsinn", staunte er und vergaß sogar Voldemorts Anwesenheit für einen Moment.

„Beeindruckend, nicht wahr?", murmelte der Dunkle Lord. Ein leises Lächeln umspielte seine dünnen Lippen, was Ron in seinem ehrfürchtigen Staunen jedoch entging. „Das ist es, was uns von den Muggeln unterscheidet. Was uns zu etwas besonderem macht. Zu den wahren Herrschern dieser Welt."

Ein Teil von Ron wollte pflichtbewusst protestieren, wollte begründen, warum diese Aussage falsch war, aber er war noch wie in Trance, berauscht von all der Magie und so nickte er nur.

Er hatte ja keine Ahnung gehabt, dass man Magie auf diese Weise erfahren konnte. So etwas brachten sie einem in Hogwarts nicht bei. Vielleicht weil es, wie Voldemort gesagt hatte, nicht ungefährlich war für einen unerfahrenen Zauberer. Vermutlich gab es außer Voldemort und vielleicht Dumbledore kaum einen Zauberer, der so etwas auf Anhieb beherrschte.

„Nun weißt du, wie man Schutzzauber sichtbar machen kann.", sagte Voldemort, „Ich werde dir zeigen, wie man weiter mit ihnen verfährt."


Einige Zeit später waren unter Voldemorts leitender Hand die meisten Schutzzauber beseitigt, außer denen, die Voldemort als unwichtig erachtete. Er hatte dafür noch ein paar eigene installiert, unter anderem einen Anti-Disapparier-Fluch. Jetzt erst rückten sie weiter vor, in die Richtung, in der Ron zuvor das einzelne Gebäude gesehen hatte.

Es war inzwischen stockdunkel und ständig stolperte Ron über irgendwelche Steine und Erhebungen, doch er wagte nicht, mit seinem Zauberstab Licht zu machen. Das hätte ihr Ziel möglicherweise auf sie aufmerksam gemacht. Lord Voldemort schien von der Dunkelheit völlig unbeeindruckt zu sein. Unbeirrbar schritt er voraus. Seine weiße Haut hob sich fahl von der Finsternis ab.

Erst als sie das Gebäude fast erreicht hatten, erkannte Ron im schwachen Sternenlicht, dass es sich dabei um ein altes Landhaus handelte. Voldemort hob den Elderstab und geräuschlos schwang die Eingangstür auf. Sie traten ein. In der Stille des Hauses kamen Ron ihre Schritte unnatürlich laut vor. Alte Holzdielen knarrten, als sie den Flur durchschritten.

Ron hoffte plötzlich, dass die Aufklärungseinheit sich getäuscht hatte, dass Harsky das Gebäude bereits verlassen hatte, dass niemand hier war.

Voldemort stieß eine Tür auf, die offenbar in ein Wohnzimmer führte. Angespannt, den Zauberstab im Anschlag folgte Ron seinem Herrn in das Zimmer. Es schien niemand hier zu sein. Sorgfältig leuchtete er in alle Ecken, ohne Ergebnis.

„Homenum revelio", murmelte er leise. Ein schwaches Blinken seines Zauberstabes sagte ihm, dass sich außer ihnen tatsächlich noch jemand im Haus aufhielt, jedoch nicht in diesem Raum.

Plötzlich hob Voldemort eine langfingrige Hand. Ron erstarrte. Angespannt lauschte er. Dann hörte er es auch. Schritte. Es klang, als würde jemand eine Treppe hinunter kommen, doch hatte Ron beim Hereinkommen keine Treppe gesehen. Voldemort betrachtete indes besonders aufmerksam eine unscheinbare Wand, an der ein Bild einer Blumenvase hing. Sein Zauberstab schnellte plötzlich vor, so rasch, dass Ron der Bewegung kaum folgen konnte, es gab einen Lichtblitz und eine Explosion erschütterte das ganze Haus.

Als Rons Augen die plötzliche Helligkeit überwunden hatten, stellte er blinzelnd fest, dass die Wand verschwunden war. Stattdessen war eine Treppe sichtbar geworden... und ein unscheinbarer Mann mit Brille, der sich nach der ersten Überraschung erstaunlich schnell wieder fing. Er sprach einen Explosionszauber, den Lord Voldemort jedoch mühelos mit einer Bewegung seines Zauberstabs blockte.

„Rudolf Harsky", sagte er, seine hohe kalte Stimme kaum mehr als ein Zischen. „Endlich begegnen wir uns."

Der ehemalige Auror starrte ihn finster an, erwiderte jedoch nichts.

„Lange hast du meine Anhänger an der Nase herumgeführt. Aber niemand entkommt Lord Voldemort. Dein Widerstand ist zwecklos."

Harsky lachte humorlos. „Mein Widerstand ist das einzige, was mir geblieben ist." Er lächelte grimmig. „Wenn ich sterbe, geschieht das immerhin in dem Wissen, dass es den Dunklen Lord selbst gebraucht hat, um mich zu erledigen. Und sogar er brauchte noch Verstärkung.", sagte er mit einem Seitenblick auf Ron.

„Mr Weasley ist keinesfalls deinetwegen hier." Voldemort lächelte heimtückisch.

Aus dem oberen Stockwerk tönte ein Geräusch, das Rons Aufmerksamkeit erregte. Harskys Blick flackerte leicht, Voldemorts Lächeln wurde breiter.

„Ist noch jemand hier? Weasley, geh und kümmere dich darum!"

Ron warf einen zweifelnden Blick auf den einzigen für ihn sichtbaren Weg nach oben, der immer noch von Harsky besetzt wurde.

„Nur über meine Leiche!", schnarrte Harsky und ließ eine Salve verschiedener Zauber und Flüche auf Ron ab, der hastig zur Seite sprang und den Wohnzimmertisch herbei rief um ihn wie einen Schild vor sich zu positionieren. Im nächsten Augenblick war es jedoch Harsky, der sich verteidigen musste, gegen Lord Voldemort selbst.

„Das lässt sich einrichten.", sagte Voldemort kalt.

Ein unerwarteter Reduktor-Fluch verwandelte die gesamte Treppe unter dem Auror zu Staub. Geistesgegenwärtig rollte Harsky seinen Sturz ab, doch die Treppe war damit frei.

„Geh!", befahl Voldemort Ron, während er selbst ernsthaft begann auf Harsky einzudringen.

Ron brauchte keine zweite Aufforderung. Er hatte wenig Lust vom Querfeuer der beiden erfahrenen Zauberer erfasst zu werden. Als er den Aufgang erreichte, stand er allerdings vor einem Problem. Voldemorts Reduktor hatte den Großteil der Treppe zerstört. Hastig suchte er in seinem Gedächtnis nach einem Spruch, der ihm helfen würde, diese Distanz zu überwinden. „Coniceo!" Wie von einer Sprungfeder wurde Ron nach oben katapultiert. Beim Aufkommen prallte er sich schmerzhaft die Schulter an einem Türrahmen. Er stieß einen unterdrückten Fluch aus und wartete ein paar Sekunden, bis der Schmerz auf ein erträgliches Maß abgesunken war. Das würde einen dicken blauen Fleck geben, aber er war an solche Blessuren gewöhnt.

Langsam drang er vor, öffnete nacheinander die Türen des oberen Stockwerks. Von unten drangen gedämpfte Knalls herauf. Dieser Harsky musste wirklich gut sein, wenn er mehr als nur ein paar Sekunden gegen Voldemort aushielt.

Als er die nächste Tür öffnete, vernahm er bereits einen verängstigten Aufschrei. Vorsichtshalber beschwor er einen Schild, als er das Zimmer betrat, doch diese Vorsichtsmaßnahme erwies sich als unnötig. Er starrte direkt in die verängstigten Augen einer dunkelhaarigen Frau. Sie hatte einen Zauberstab, war also vermutlich eine Hexe, muggelgeboren vielleicht. Ron bezweifelte dennoch, dass sie eine Gefahr darstellte. Zwar zielte sie mit ihrem Zauberstab auf ihn, doch zitterte ihre Hand so stark, dass sie ihn vermutlich verfehlt hätte und da sie bis jetzt noch nicht angegriffen hatte, war damit auch in Zukunft nicht zu rechnen. Sie hatte nicht das Herz dafür.

„Ergeben Sie sich und Ihnen wird nichts geschehen.", sagte Ron, wohl wissend, dass das wahrscheinlich eine Lüge war.

Er konnte sehen, wie sie mit einer Entscheidung rang und für einen Moment glaubte er, dass die Verzweiflung sie doch zu einer sinnlosen Tat treiben würde. Doch dann ließ sie ihren Zauberstab fallen, schlug die Hände vors Gesicht und begann zu schluchzen.

Ron war elend zumute, als er ihren Zauberstab an sich nahm. Er wusste nicht genau, was er mit ihr tun sollte, also schockte er sie schließlich so sanft wie möglich und ließ sie im Zimmer zurück. Zwar glaubte er nicht, dass sonst noch jemand hier war, suchte jedoch pflichtbewusst alle Räume ab, bevor er zur Treppe zurückkehrte.

Zu seiner Überraschung tobte der Kampf immer noch. Er kauerte sich auf die oberen Treppenstufen, die noch übrig waren und beobachtete mit offenem Mund die beiden Zauberer. Der Schlagabtausch an Flüchen und Zaubersprüchen erfolgte so schnell, dass er ihm mit bloßem Auge kaum folgen konnte. Das Wohnzimmer lag längst in Trümmern, aber Voldemort und Harsky standen noch aufrecht, auch wenn letzterer aus einigen Verletzungen blutete.

Das einzige Mal, dass Ron Voldemort bisher wirklich in Aktion gesehen hatte, war während er Schlacht von Hogwarts gewesen und da war er zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt gewesen (z.B. damit am Leben zu bleiben) um ihm allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Dafür erhielt er nun einen umso besseren Eindruck. Trotz seiner Abneigung gegen den Mann konnte er nicht anders, als seine Fähigkeiten zu bestaunen, sogar widerwillig zu bewundern. Er musste zugeben, dass selbst Harry keine Chance gegen ihn gehabt hätte. Während er das Duell beobachtete, wurde ihm plötzlich bewusst, dass Voldemort mit dem Auror nur spielte. Er hätte Harsky jederzeit erledigen können. Sein Schicksal war von Anfang an besiegelt gewesen.

So kam das Ende des Duells für Ron auch nicht sonderlich überraschend. Nach dem vorhergegangenen Spektakel glich es eher einer Exekution, so als sei Voldemort seines Spiels plötzlich überdrüssig geworden. Ein einziger Avada Kedavra traf Harsky mitten ins Herz.

Unbewegt blickte Voldemort für einen Moment auf die Leiche seines Gegners. Es war unmöglich zu sagen, was er dachte. Fühlte er Bedauern oder zumindest so etwas wie Respekt? Verachtung? Freude? Genugtuung? War er überhaupt zu irgendeinem Gefühl fähig?

„Du kannst herunterkommen.", sagte Voldemort ohne in seine Richtung zu blicken.

Ron murmelte einen Polsterungszauber, bevor er von seinem erhöhten Standort herunter sprang und sich abrollte.

„Wer war dort oben?", wollte der Dunkle Lord wissen.

„Nur eine einzelne Hexe, Mylord."

„Muggelgeboren?"

Ron zuckte die Achseln. „Möglicherweise. Ich habe sie für den Moment ruhig gestellt."

Unvermittelt musste er an Hermine denken. 'Das hätte auch sie sein können!' Er verdrängte den Gedanken.

Voldemort schenkte ihm ein dünnes Lächeln. „Gut gemacht, Ronald.", sagte er.

Das Lob traf Ron unvorbereitet und er wurde rot. „Ich habe nur meine Pflicht getan, Mylord.", murmelte er hastig.

Insgeheim ärgerte er sich über sich selbst. Warum warf ihn ein Lob von Voldemort so aus der Bahn? Sicher konnte er sich nicht darüber freuen, oder? Nein, das war völlig ausgeschlossen! Wenn überhaupt, dann sollte er sich schämen! Ihm wurde bewusst, dass Voldemort ihn ansah. Irgendetwas schien ihn zu belustigen. Ron wurde noch roter und wandte den Blick ab. Wieder einmal hatte er das Gefühl, dass Voldemort genau wusste, was er dachte.

„Beschwöre das Dunkle Mal.", wies Voldemort ihn an und wandte sich ab. „Danach steht es dir frei zu gehen. Wir sind hier fertig."

„Mylord?", fragte Ron zögerlich, „Was wird aus der Hexe?"

Voldemort hielt inne. „Ich werde jemanden schicken, der sich um sie kümmert." Damit verließ er den Raum.

Ron starrte ihm eine Weile hinterher. Schließlich blickte er sich in dem zerstörten Zimmer um. Langsam trat er neben den toten Auror und blickte auf ihn herab. Durch seine zerbrochenen Brillengläser hindurch starrte Harsky aus leeren Augen zurück. Ron unterdrückte ein Schaudern. Rasch bückte er sich und schloss Harskys Augen. Das war die einzige Ehre, die er ihm erweisen konnte.

Er fragte sich, was für ein Mensch er wohl gewesen war. Einst hatte Ron selbst davon geträumt ein Auror zu sein. Zusammen mit Harry. Vielleicht hätten Harsky und er unter anderen Umständen sogar zusammen gearbeitet. Er hätte mit Sicherheit viel von dem Auror lernen können. Stattdessen war sein Lehrer jetzt Voldemort. Er schloss die Augen und schüttelte den Kopf. Es war sinnlos darüber nachzugrübeln, was hätte sein können.

Ron verließ das Haus und atmete gierig die frische Nachtluft ein. „Morsmordre", flüsterte er und blickte gebannt auf den grünen Totenschädel, der über dem Haus erschien und aus dessen Augenhöhle sich eine Schlange wand. Es war das erste mal, dass er selbst das Dunkle Mal beschworen hatte, obwohl er natürlich schon häufig gesehen hatte, wie es gemacht wurde. Er wusste nicht genau, was er dabei empfand. Er fühlte sich... leer.

Mit einem Seufzen wandte er sich ab und kehrte zurück zur Spezialeinheit.


Nachdem das letzte Kapitel etwas kürzer war, ist dieses dafür etwas länger. Stellenweise hatte ich mit dem üblichen Authors Block zu kämpfen, aber nachdem der erst mal überwunden war, hat sich das Kapitel eigentlich fast von selbst geschrieben. So ganz zufrieden bin ich damit trotzdem nicht. Ich habe das Gefühl, dass die Charaktere, vor allem Voldemort etwas OoC geraten sind. Bei Ron kann ich das immer noch darauf schieben, dass sein Charakter einen Wandel durchmacht, aber für Voldemort hab ich eigentlich keine Entschuldigung, außer dass er einen bestimmten Eindruck bei Ron erzielen will. Wer meine anderen Fanfiktions gelesen hat, hat vielleicht Harsky erkannt. Es ist der gleiche Harsky, den ich in 'Weihnachtsjagd' als Nebencharakter eingeführt habe. Ich brauchte für dieses Kapitel einen Auror und habe mich gefragt, warum ich für dafür einen neuen Charakter erfinden soll, wenn ich bereits einen habe, der perfekt in diese Rolle passt. Das nur als Hintergrundinfo. Die beiden Geschichten hängen ansonsten überhaupt nicht zusammen und man muss nicht beide gelesen haben.