A/N: Hey guys! Bevor ich zu einer Erklärung gibt es drei Dinge, die ihr wissen solltet:

1. Ich hätte heute lernen sollen

2. Ich hätte heute lernen sollen

3. Ich hätte heute lernen sollen

Und bevor ihr fragt, was ich stattdessen gemacht habe: ICH HAB DIESES KAPITEL GESCHRIEBEN!

WARUM? werdet ihr fragen, warum hab ich den ganzen Tag an diesem Kapitel gesessen, dass mit fast 8000 Wörtern meine bisherigen Rekorde für diese Story bricht?

I AM CRAZY! Das bin ich wirklich, ich hab momentan irrsinnig viel zu tun und eigentlich keine Zeit, aber dieses Kapitel verfolgt mich mittlerweile schon in meinen Träumen und wenn es nach Plan gegangen wäre, hätte ich erst in 2 Wochen Zeit gehabt es zu schreiben, bis dahin wären alle meinen Ideen aber alle entweder vergessen oder völlig vergoren gewesen und das wäre diesem Kapitel zuliebe einfach nicht fair gewesen. Außerdem kann ich keine Musik hören, ohne an diese Geschichte zu denken und gar keine Musik zu hören ist auch keine Option... no way!

Also hier habt ihr's: ein extrem langes, extrem Lizzie/Darcy haltiges Kapitel, das euch über die nächsten zwei Wochen hinweg trösten muss, denn ich werde nicht noch einmal so einen Marathon einquetschen können;)

Aber bevor es losgeht zwei, oder drei Sachen:

1. Danke an Mayo, für die sehr schmeicheldne Review;) ich hätte zwar nicht an Lisbeth Salander gedacht, aber es passt ein bisschen, obwohl Lizzie längst nicht so extrem wird;) aber es freut mich wirklich, dass es dir gefällt (hat meinen ganzen Tag voller Statisitk aufgewertet) und deine Frage bezüglich Darcys Alkoholkonsum wird hier hoffentlich geklärt;) aber einen Keks für dich, dafür dass es dir aufgefallen ist!;)

2. Dieses Kapitel handelt unter anderem von Drogenkonsum (nein, weder Lizzie noch Darcy sind Junkies) aber es ist hier ein zentraler Punkt, sollte dies für jemanden ein sensibles Thema sein und ich ihm/oder ihr mit diesem Kapitel zu nahe treten tut es mir Leid und ich hoffe man wird mir verzeihen, aber was geschrieben ist, ist geschrieben und meine Erfahrungen gehen über Hörensagen und Recherchearbeit nicht hinaus;) So dies zunächst als Warnung, Drogen und Abhängigkeiten werden durch die ganze Geschichte hinweg ein zentrales Thema bleiben, das wollte ich nur voranstellen.

3. Um dieses Kapitel (und Lizzie/Darcy Interaktionen) ein bisschen besser zu verstehen, hört euch am besten "Hotel Song" von Regina Spektor an, oder seht euch die Lyrics an, ansonsten wird eine kleine Konversation wenig Sinn machen;) Es ist ein ziemlich genialer Song und porträtiert viel von Lizzies Innenleben und auch die Melodie veranschaulicht sie ziemlich gut;) So listen!

Disclaimer: Bin immer noch nicht Jane Austen, falls ich mal schizophren werde, wird sie mein Alter Ego;)

Soundtrack:

1. Hotel Song - Regina Spektor

2. Soul on Fire - EMA (Cover von Danzig)

3. The Dirt Whispered - Rise Against


Kapitel 9

Ein Dinner Part 2: Von schlechtem Karma und noch mieseren Trips

Lizzie Bennet hatte gewusst, dass das hier ein Fehler war.

Sie hatte es in dem Moment gewusst, in dem die schwer verständliche Durchsage durch den U-Bahnhof Camden Town gehallt und die Anzeigetafel wie irre aufgeblinkt war. Stromausfälle waren nie ein gutes Zeichen. Kurzschlüsse, Wartungsarbeiten, eventuell Techniker, die schwere Stromschläge bei Gleisarbeiten erlitten hatten, all das war schlechtes Karma und sie hätte ihren Kopf und ihre beiden Füße zusammennehmen und zurück in ihre Wohnung marschieren, Charlottes schlechte Laune und Craigs Ballerspiele hin oder her, und sich unter ihrer Bettdecke verstecken sollen.

Aber nein, sie hatte natürlich auf stur stellen und auf die U-Bahn warten müssen, während sie DoodleJump auf ihrem Handy spielte, nur weil sie es nicht übers Herz brachte, ihrer älteren Schwester eine Absage zu erteilen.

Verdammt sei Jane und ihr Hundewelpenblick, dachte sie grummelnd, während sie aufstand und auf die Tanzfläche marschierte. Es tanzten nur wenige Paare auf der leicht erhöhten rechteckigen Ebene, von der die Kellner im Laufe des Abends die Tische und Stühle geräumt hatten und sie schwankten mehr schlecht als recht zu der Musik, die weder schnell genug war, um abgedrehte Bewegungen auszuführen, noch den richtigen Takt bot, um zu walzen.

Aber sie war laut und übertönte alles und sie hörte ihn nicht, obwohl sie wusste, dass er hinter ihr war. Sie drehte sich um, starrte auf seine Brust, weil sein Kopf verdammte dreißig Zentimeter höher war und zuckte ein wenig zusammen, als er eine Hand um ihre Taille legte.

Na gut, dachte sie und biss die Zähne zusammen, platzierte ebenfalls ihre Fingerspitzen auf seine Seite, legte die andere in die auffordernd ausgestreckte Hand und zwang sich das Kinn und den Blick zu heben. Du kannst das, feuerte sie sich mit einem Ruck an und das Grün traf auf Schwarz.

Devil-girl you must burn..."

Eine dunkle, dunkle Farbe, die kein Ende zu nehmen schien.


„Afrika?", fragte Jane, die Augen riesig und kugelrund. Lizzie spürte wie die Hitze aus ihrem Gesicht wich und ihren Nacken hinunter rann, als sie sich aus Darcys Blick löste und Jane ansah. Charles sah besorgt von einer Bennet-Schwester zur anderen, die Gabel mit den Rucolablättern halb im Mund, während Caroline ein neues Lieblingsthema gefunden zu haben schien, denn sie sah der Szene mit wiedergewonnenem Interesse zu.

„Das ist noch nicht ganz sicher", versuchte Lizzie ihre Schwester zu beruhigen, das schlechte Gewissen, sich von Darcy zu so raschen Äußerungen hinreißen gelassen zu haben, nahm Überhand und sie legte Jane eine Hand auf deren bloßen Unterarm. „Außerdem dauert es noch eine ganze Weile, bis ich mit der Uni fertig bin."

„Aber warum sagst du dann so etwas?", fragte Jane und das seltsame Licht, das in diesem Restaurant herrschte, ließ sie einen Moment wieder wie das sechsjährige Mädchen aussehen, das ihre Mutter fragte, warum die Kinder auf dem Pausenhof so gemein waren.

„Nicht wichtig", wiegelte Lizzie ab und versuchte ein Lächeln, das Jane nur mit einer weiteren Falte zwischen den Augenbrauen erwiderte. Lizzie seufzte. „Mus hat mich nur vor ein paar Wochen angerufen, um mich für diesen Sommer zu einem Kurztrip zu überreden. Wir haben angefangen zu diskutieren und er meinte, dass seine Organisation immer händeringend Ärzte sucht und hat es mir als Alternative in Aussicht gestellt." Lizzie zuckte mit den Schultern, die Hände um Gabel und Löffel gedreht, während sie ihre Spaghetti in kleine Teile zerschredderte. „Du kennst doch Mus, Janie."

„Doch, natürlich", sagte Jane mit zusammengepressten Lippen. Lizzie seufzte. „Und?", fragte Charlie bemüht das Gespräch am Laufen zu halten. „Fliegst du dann mit Mus, oder wie auch immer er heißt, im Sommer nach Afrika?"

Lizzie sah ihn an, während sie Janes ernstes Gesicht aus den Augenwinkeln beobachtete. Charlies freundliche Miene verriet keinen Hintergedanken und Lizzie fragte sich, wie viel er wohl wusste.

Sie schüttelte halb den Kopf, doch bevor sie antworten konnte, unterbrach Caroline sie in ihrer wie gewohnt schrillen, sich überschlagenden Stimme. „Afrika?!", rief sie aus. „Was redest du da, Charlie? Wie kann man im Sommer nach Afrika fliegen?! Das ist ja fast so schlimm wie Miami im Sommer! All der Schweiß und der Dreck! Ganz zu schweigen von den schlechten Sanitäranlagen!"

„Ich kann dir versichern, dass die Anlagen dort allen Standards eines Krankenhauses genügen", erwiderte Lizzie mit einem Lächeln. Es war eines von Mus' größten Projekten gewesen, für das er jahrelang Politikern und anderen wohlhabenden Männern in den Ohren gelegen hatte und es war sein ganzer Stolz, als er es schließlich realisierte und damit die Infektionsrate drastisch senkte.

Caroline schnaubte nur und Lizzie überlegte, dass sie aus Erfahrungen wohl nicht besonders gut lernte.

„Also fliegst du nun?", fragte Charlie, das Lächeln um seine Mundwinkel ein wenig zu straff, um von seiner Anspannung bezüglich Caroline abzulenken.

Lizzie schüttelte den Kopf. „Ich wollte, aber die Reisetermine überschneiden sich mit meinen Abschlussklausuren für das Sommersemester, deswegen wird das nichts werden."

„Das tut mir Leid", erwiderte Charlie mitfühlend, Lizzie zuckte mit den Schultern. „Wenn ich Glück habe, klappt es nächstes Jahr, ansonsten werde ich sehen, ob ich nicht eines meiner Praktika dafür verwenden kann."

„Sie wissen allerdings schon, dass diese dafür ausgelegt sind neue Erfahrungen zu sammeln, Miss Bennet? Dem ist jedoch nicht der Fall, wenn Sie wiederholt für ein und dieselbe Organisation arbeiten", mischte sich dann Darcy ein und ein rascher Blick zur Seite zeigte ihr, dass er sie noch immer anstarrte. Ob der Typ eine Nackenstarre hatte?

„Ja, weil Afrika auch etwas ist, dass schnell zur Routineerfahrung wird", erwiderte Lizzie und verdrehte die Augen.

„Also ich kann mir nicht vorstellen, so oft nach Afrika zu fliegen!", rief Caroline aus und legte Darcy in einer vermeintlichen Geste der Unterstützung eine Hand auf den Unterarm.

„Wer redet denn von fliegen, Carol", grinste Lizzie. „Wir nehmen natürlich das Boot!"

„Das Boot?!", echote Caroline und diverse Gäste an den Nebentischen sahen erstaunt auf. „Wie kann man nur das Boot nehmen?! William, Schatz, sag etwas, sie kann doch wohl kaum das Boot nach Afrika nehmen!"

„William, Schatz" schien diese Anrede nicht ganz so zu gefallen, denn er entfernte mit einem Ausdruck der zu der Sezierung eines Insektes gepasst hätte, Carolines Krallen von seinem Unterarm – Lizzie überlegte ob er wohl Narben zurückbehalten würde – bevor er Caroline erneut das Glas Wasser vor die Nase stellte und seine Hemdsärmel glättete. „Ich glaube, Miss Bennet hat nicht ganz die Wahrheit gesagt, Caroline", sagte er dann steif und wich dem Blick der blassblauen Augen aus.

„Klar, Darcy", erwiderte Lizzie mit einem Grinsen und hob ihr Weinglas wie zu einem Toast an. „Wir wollen doch nicht, dass es zur Routine wird."

„Schätzchen", eine der nächsten Anreden, die Caroline Darcy zu dessen offensichtlichem Verdruss an den Kopf warf, wurde eine Antwort erspart, als der Kellner kam, um die Teller abzuräumen und Lizzie wurde bewusst, dass sie anscheinend die Einzige am Tisch war, die noch nicht aufgegessen hatte. Sie legte ihr Besteck trotzdem beiseite und erwiderte auf die besorgte Nachfrage Janes bloß, dass sie schon Chinesisch zum Mittagessen gehabt hatte und keinen Hunger mehr hätte. Dies schien Jane ein Lächeln zu entlocken und sie fragte Lizzie deutlich entspannter, ob die Reanimation denn geklappt hätte, woraufhin Lizzie bloß grinste.

Die Musik wurde lauter, eine Mischung aus Klassikern und Alternative-Bands und die Kellner begannen die Tanzfläche freizuräumen, Lizzie sah Darcys Miene und fragte sich, ob er wohl wusste, dass das „Heaven" nach halb zehn zu einer Art Nachtclub wurde. Zu einem sehr teuren, ziemlich elitären Nachtclub natürlich.

Caroline begann nahezu in dem Moment Darcy um einen Tanz anzubetteln, in dem Charlie Jane auf die Tanzfläche führte, damit sie zu einer Coverversion von „You're Beautiful" von James Blunt tanzen konnten, natürlich nicht ohne vor seinem Abgang für ordentlich Gesprächsstoff zu sorgen, als er Darcy mit einem Blick hinüber zu Lizzie fragte, was er denn von Afrika halte.

„Es ist heiß", war Darcys unglaublich eloquente Antwort darauf, was Lizzie noch nicht mal mit einer Antwort würdigte und was die Musik an Gespräch erschwerte, wurde durch Carolines Tiraden an Darcys Arm unmöglich gemacht.

Lizzie verbrachte die Zeit damit abwechselnd an ihrem Weinglas zu nippen und Jane und Charlie zu beobachten, die Zahnlöcher-bohrend-süß eng miteinander tanzten, während Charlie ihr Sachen ins Ohr flüsterte, die ihre Schwester heftig erröten ließen. Dann stand Caroline plötzlich auf, nachdem Darcy durch nichts zum Tanzen bewegt werden konnte, und machte sich auf den Weg zu den Toiletten, um sich ihre „Nase zu pudern", wie sie es ausdrückte, etwas, das Lizzie nicht bezweifelte, auch wenn Caroline dafür vielleicht keine Kosmetika brauchen würde.

Was sie viel mehr erstaunte, war, dass Darcys dunkle Stimme viel näher an ihrem Ohr erklang, als ihr lieb war, als der Professor sich nach vorne lehnte und dunkel murmelte: „Tanzen Sie etwa nicht, Miss Bennet?"

Sie sah ihn überrascht an. „Ich hätte nie gedacht, dass das einmal ein Vorwurf sein würde, den du äußern würdest, Professor."

„Ich wüsste nicht, was mein Tanzverhalten mit Ihrem zu tun hat, Miss Bennet", erwiderte Darcy und sie bemerkte ein leises Zucken um seine Mundwinkel.

„Hmm, nur dieses eine kleine Wort, das sich Hypokrit nennt." Sie lächelte und das Grün blitzte zwischen ihren Lidern auf.

Das Zucken um Darcys Mundwinkel vertiefte sich und das leise Kratzen seiner Stimme in ihrem Ohr schickte eine Gänsehaut ihren Rücken hinunter.

„Warum nennen Sie mich einen Heuchler, Miss Bennet?"

Sie lachte leise auf. „Woher entnimmst du, dass ich von dir spreche?" Darcy sah sie bloß an. „Na gut, abgesehen von dem Tanzverhalten erinnere ich mich noch ziemlich differenziert daran, dass du sagtest, du trinkst keinen Alkohol."

„Das stimmt."

„Was war das dann vorhin?", fragte Lizzie und zog eine Augenbraue hoch.

„Schadensbegrenzung", erwiderte Darcy, sein Gesicht eine Maske.

„Aha", sie nickte. „Du hast auch für alles eine Erklärung, oder?"

„Ich glaube die Beschreibung trifft nicht nur auf mich zu", entgegnete Darcy seine Lippen zu etwas verzogen, das unter günstigen Umständen als trockenes Lächeln interpretiert werden konnte. „Aber ich glaube, Sie sind bloß enttäuscht, dass ich kein trockener Alkoholiker bin."

„Ja", sagte sie und schnitt eine Grimasse. „Jeder Schüler träumt davon, dass sein Lehrer ein Alki ist."

„Universelle Gerechtigkeit?"

„Leichter außer Gefecht zu setzen."

Lizzie blickte hinüber zu Darcy und riskierte ein Grinsen, der Professor sah sie bloß an.

„Würden Sie gerne tanzen?", fragte er schließlich ohne die Miene zu verziehen und Lizzie musste sich auf die Unterlippe beißen, um nicht in lautes Lachen auszubrechen.

Sie warf den Kopf ein wenig zurück, ihre Ohrringe klimperten. „Nein, Danke, Darcy, so verzweifelt bin ich noch nicht."

„Muss man verzweifelt sein, um mit mir zu tanzen?", fragte Darcy, eine Augenbraue hochgezogen.

„Nur mehr als passabel und nicht so unglaublich nervig", erwiderte Lizzie mit vor Erheiterung aufblitzenden Augen.

Er war ein paar Takte still, eine düstere, brodelnde Präsenz zu ihrer Rechten und sie versuchte die Gänsehaut zu ignorieren, die ihren rechten Arm hinaufkroch.

„Sie haben es also gehört."

Lizzie lächelte und nahm einen weiteren Schluck Wein. „Ein Tipp, Darcy, beleidige nie Leute, wenn du deine Zielperson nicht außer Hörweite weißt."

„Das ist der dritte Tipp, den Sie mir geben, Miss Bennet."

„Beherzige ihn genauso wie die anderen, Darcy, sie sind frei, ich verlange nichts dafür." Sie legte ihren Kopf zur Seite und beobachtete den Mann mit dem düsteren Gesichtsausdruck neben ihr. „Um ehrlich zu sein erstaunt mich, dass sie mitgezählt haben."

Der Professor lachte nur leise und das Geräusch brachte Lizzie ein wenig aus dem Takt. „Du solltest häufiger menschliche Emotionen nachahmen, Darcy", sagte sie dann mit einem Lächeln.

„Tipp Vier", erwiderte der Professor ohne mit der Wimper zu zucken.

„Man könnte dich dann für einen echten Menschen halten."

„Und nicht für einen Roboter?"

Jetzt war es an Lizzie laut aufzulachen und sie warf den Kopf in den Nacken, so dass ihre Ohrringe ihre Schultern streiften. „Gib zu, dass ich dich entlarvt habe, C3PO."

„Star Wars?", fragte Darcy, faltete seine Serviette zu einem ordentlichen Dreieck zusammen und legte sie im perfekten Abstand zur Tischkante ab. „Das ist nett. Wirklich nett."

„Ich dachte, ich nehme etwas, das in deine Generation passt, Darcy. Nicht dass du zu allem anderen auch noch einen Kulturschock erleidest." Sie grinste.

„Und Star Wars ist meine Generation?" Der Professor zog eine Augenbraue hoch.

„Du hast C3PO erkannt", erwiderte Lizzie und nahm einen weiteren Schluck von ihrem Wein.

„Und was sagen ihre Kenntnisse über Star Wars über Sie aus?"

Lizzie zog beide Augenbrauen hoch. „Das meine Mitbewohner irre sind", erwiderte sie und Darcy wurde von Jane und Charlie vor einer Antwort bewahrt, die erhitzt und strahlend zurück zum Tisch kamen.

„Wo ist Caroline?", fragte Charlie und sein Blick wanderte suchend über die anderen Tische.

„Sie ist auf der Toilette", erwiderte Lizzie, als Darcy keine Anstalten machte zu antworten. Charlies Blick verdüsterte sich bei ihren Worten und seine Augen wanderten zu Darcy, der nur knapp nickte.

Charlie presste die Lippen zusammen, bevor er Jane etwas ins Ohr flüsterte, die daraufhin ernst nickte und seine Hand nahm, bevor sich beide hinsetzten.

„Ihr solltet tanzen gehen", forderte Charlie Lizzie und Darcy auf und nickte hinüber zur Tanzfläche. „Die Musik ist wirklich gut."

„Ja, das stimmt", warf Jane ein und nickte Lizzie aufmunternd zu. „Du stehst doch auf diese Art von Musik."

„Das stimmt", erwiderte Lizzie immer noch lächelnd, allmählich kam sich sich vor wie eine abgedrehte Buddha-Version, sie verbrachte definitiv zu viel Zeit mit Anne, doch sie machte keine Anstalten aufzustehen.

„Sie mögen diese Musik?", fragte Darcy und sie atmete tief ein, zwang sich ihn und seine Meinung zu ihrem Musikgeschmack zu ignorieren.

„Miss Bennet?" Sie sah Jane an und versuchte ein Thema zu finden, über das sie mit ihrer Schwester sprechen konnte, doch der Janes Blick huschte nur zwischen ihr und Darcy hin und her. „Lizzie", sagte sie dann ein wenig drohend und Lizzie seufzte.

„Ich hab dich schon beim ersten Mal verstanden, Darcy, ich wollte dir bloß nicht die Genugtuung geben."

„Welche Genugtuung?" Er sah ehrlich ein wenig verwirrt aus.

„Den Spaß, den du doch empfinden musst, wenn du dich über meinen Geschmack lustig machen kannst, Darcy."

„Ich glaube, Sie verwechseln mich da mit jemandem, Miss Bennet. Außerdem haben Sie mich schon am Donnerstag zu ihren Musikvorlieben belehrt."

Lizzie grinste versonnen. „Das stimmt..."

„Also warum tanzt ihr dann nicht?", fragte Charlie und legte den Kopf schräg.

„Miss Bennet scheint nicht ganz in der Stimmung zum Tanzen zu sein", gab Darcy knapp zurück, seine Miene ausdruckslos.

„Oh ich bin zu einer ganzen Menge Sachen heute nicht in der Stimmung", murmelte Lizzie in ihr Weinglas.

„Was soll das heißen, Lizzie? Du liebst es zu tanzen!", rief Jane aus, ihre Stimme tadelnd, ihre Augen bittend.

„Natürlich, Janie, ich liebe es zu tanzen", wiederholte Lizzie mit dem gleichen Ausdruck seligen Gleichmutes auf dem Gesicht, den sie schon vorher gezeigt hatte.

„Warum tanzt du dann nicht?", fragte Charlie, irgendwo gefangen zwischen Verwirrung und Erheiterung.

„Ja, warum tanze ich dann nicht?", fragte Lizzie arglos in die Runde und nahm einen weiteren Schluck Wein.

„Haben Sie Angst, Miss Bennet?" Darcy lehnte sich ein Stück nach vorne, seine dunklen Augen schienen sich in ihre zu bohren.

„Wovor sollte ich Angst haben?" Sie sah ihn fragend an.

„Nun ich sehe sonst keine andere Erklärung für ihre Weigerung mit mir zu tanzen." Er hatte die Handflächen gegen die Tischkante gelehnt und sie meinte, so etwas wie ein Lächeln um seine Mundwinkel spielen zu sehen.

„Ich habe vor vielen Dingen Angst", erwiderte Lizzie, ihr Gesicht auf einmal hart. „Nur nicht vorm Tanzen." Ihr Blick huschte zu Jane und Charlie, die die beiden aufmerksam beobachteten. „Ich hab keine Angst", wiederholte sie, deutlicher dieses Mal. Um Charlies Lippen zeichnete sich ein Lächeln ab.

„Wovor hast du denn wirklich Angst, Lizzie?", fragte er und lehnte sich zurück.

Lizzie seufzte und verdrehte die Augen. „Vor Schwertwalen und Eulen", antwortete sie dann, ohne einem der Anwesenden in die Augen zu sehen.

Jane und Charlie waren still, aber sie meinte so etwas wie ein leises Lachen von Darcy zu hören.

„Und sagen Sie, Miss Bennet", verlangte der Professor zu wissen. „Träumen Sie auch häufig von anderen Menschen, die ihre Kleidung tragen und davon in Hotelzimmern aufzuwachen und mit Kokain erwischt zu werden?"

„Gelegentlich", gab Lizzie zurück und warf Jane einen Blick zu, doch ihre Schwester schüttelte bloß lächelnd den Kopf.

„Du solltest nicht immer deine Playlists auf meinen iPod überspielen, Lizzie", sagte sie amüsiert. „Dann hätte ich dir vielleicht geglaubt."

„Sehen Sie, Miss Bennet, ich denke sie müssen ihre Glaubwürdigkeit wiederherstellen", erklang dann Darcys Stimme zu ihrer Rechten und als sie aufsah, bemerkte sie, dass der Professor aufgestanden war und auffordernd seine Hand ausgestreckt hatte, genau in dem Moment als, begleitet von harten, durchdringenden Bässen, ein neues Lied begann.

Angels fall to earth... world heats down... cool..."

„Meinetwegen", sagte sie und marschierte, seine Hand ignorierend auf die Tanzfläche.


Devil-girl you must burn..."

„Wer hat gesagt, dass ich mit dir tanze?", sagte sie über die Musik hinweg, die in Bässen und Wörtern die Apokalypse beschwor. „Ich erinnere mich nicht daran, dass das Teil des Deals war."

...burn at the touch of the autumn's crest..."

„Sie wollten also alleine ihre Kreise ziehen?" Er zog eine Augenbraue hoch. Sie zuckte mit den Achseln.

„Ich hätte schon noch eine Begleitung gefunden."

„Das bezweifele ich nicht", erwiderte Darcy knapp und sie unterdrückte den Impuls die Augen zu verdrehen und beschloss ihm seine Eindrücke zu lassen.

„Woher der Sinneswandel?", fragte sie dann und versuchte seine Hand um ihre Taille zu ignorieren.

Darcy sah sie bloß an und schien Schweigen zu bevorzugen.

„Das nenne ich Fairness", beobachtete Lizzie mit einem Kopfschütteln. „Du darfst dich in Schweigen hüllen und ich muss selbst die sinnlosesten Fragen beantworten."

„Sie könnten auch einfach Gesprächsthemen finden, die sich nicht auf mein vergangenes Verhalten beziehen", schlug Darcy vor, während die beiden eine Drehung beschrieben.

„You gotta wait on the samhain of my soul..."

Sie legte den Kopf schief. „Das würde uns ca. 90 Prozent potenzieller Themen berauben", gab sie zurück. „Sorry, Darcy."

I'm gonna bring your world down in fire..."

„Sie denken also, wir haben abgesehen davon keine gemeinsamen Themen? Was ist mit der Universität?"

„Oh, glaub mir", sie drehte eine Pirouette unter seinem Arm hindurch. „Wenn wir damit anfangen, enden wir streitend auf verschiedenen Seiten der Tanzfläche."

„Ich dachte, wir hätten beschlossen, dass uns die üblichen Differenzen nicht betreffen, wenn wir uns privat sehen?"

„Wow", machte sie und öffnete in gespielter Überraschung den Mund. „Das hört sich auf einmal so schmutzig an."

„Miss Bennet", mahnte Darcy tadelnd und seine Augen waren, wenn möglich, noch dunkler geworden. Sie versuchte ihr Lachen zu unterdrücken.

„Ich denke einfach, dass unsere Ansichten für ein friedliches Gespräch zu sehr auseinander driften", erwiderte sie dann, während die Frauenstimme unheilvoll ihren Refrain wiederholte, bevor das Tempo anschwoll.

You gotta wait on the samhain of my soul... I'm gonna bring your world down in fire..."

Darcy sah sie an, die Augen dunkel und undurchschaubar, dann festigte sich plötzlich sein Griff um ihre Taille.

„Und was ist mit Musik?", fragte er, ein schmales Lächeln um die Mundwinkel, als er sie mit einem Ruck näher an sich zog und sie plötzlich nur noch ein paar Zentimeter von seiner Brust entfernt war, das Weiß des Hemdes leuchtete in dem undefinierbaren blauen Licht auf.

Come make me love in the house of ice, see you melt down more than once or twice, make you shake till worlds align, and see your body tremble with your blood on fire..."

Lizzie biss die Zähne zusammen, zwang sich Darcy anzusehen, trotz der irritierenden Nähe seines Körpers, die ihre Nervenenden zucken ließ.

„...'cause the season in my veins, well it's ready to burn, and the feeling of my body, gotta pray and learn..."

Sie versuchte ihren Gesichtsausdruck beisammen zu halten, drückte ihre Nägel in Darcys Hand, um ihm zu zeigen, dass sie keine Angst hatte, sein Gesicht lauerte über ihrem, sie spürte seinen Atem, spürte die Wärme, die durch den dünnen Baumwollstoff diffundierte. Sein Gesicht war näher, als zuvor und sie zwang sich nicht zurück zu zucken.

„Change all things that you ever seen and change all vision, kill all endings!"

Darcy setzte an etwas zu sagen, doch sie ließ ihn nicht ausreden.

„Oh Gott, was macht Caroline, denn da?!", rief sie plötzlich aus, als sie die Blondine in dem türkisfarbenen Kleid in einem handfesten Streit mit ihrem Bruder erspähte.

Sie spürte Darcys Anspannung, sah die Muskeln an seinem Kiefer hervortreten.

„Entschuldigen Sie mich", bat er, bevor er sie losließ und sich seinen Weg zwischen den Paaren bahnte, einen brennenden Abdruck auf ihrer Haut hinterlassend.

„You gotta wait on the samhain of my soul... "


Als Lizzie schließlich den Tisch erreichte, war Darcy schon da, tief in ein Gespräch mit Charlie vertieft, während vorne in der Garderobe Jane Caroline in ihren ebenfalls türkisfarbenen Mantel manövrierte. Die Blondine schmollte und laute, unangebrachte Kommentare verließen sporadisch ihren Lippenstifmund, während Jane mit Engelszungen und einer zerfurchten Stirn auf sie einredete.

Lizzie trat näher und fing Fetzen des Gespräches zwischen Charlie und Darcy auf.

„Sie wollte sich einen Cocktail bestellen und ich hab ihr gesagt, es ist genug... Jane hat versucht sie abzulenken, aber... hat eine Szene gemacht...weiß nicht wie sie an die Menge gekommen ist, um diesen Zustand zu erreichen..."

Darcy schüttelte bloß den Kopf und sah Caroline missbilligend an.

„Hast du nachgesehen, was sie auf der Toilette genommen hat?", fragte Lizzie und stellte sich mit einem besorgten Gesichtsausdruck neben Charlie, der den Kopf schüttelte.

„Was meinst du damit?", fragte er.

Lizzie zuckte mit den Schultern, eine Falte zwischen ihren Brauen. „Sie war relativ ruhig, als sie gegangen ist und wenn es erst auftrat, nachdem sie wiederkam-"

„Miss Bennet, ich denke, das geht sie nichts an", warf Darcy ein, seine Stimme dunkel und bedrohlich, Lizzie ignorierte ihn und legte Charlie eine Hand auf den Ellbogen.

„Charlie, diese Art von Zustand erreicht man nicht allein durch Alkohol", sie warf eine Blick hinüber zu Caroline, die Jane nun über die Maßen laut einen Vortrag über die besten Designerläden Londons hielt und sich dabei vor Lachen kaum halten konnte, „sie lallt nicht und sie kann gerade laufen, aber sie ist definitiv high-"

„Miss Bennet!" Darcys Stimme schien zu vibrieren und sie zwang sich ihn zu ignorieren.

„Charlie." Der blonde Mann war zusammengezuckt, als sie das Wort „high" ausgesprochen hatte. „Hast du dir ihre Pupillen angesehen?"

„Das reicht, Miss Bennet", schritt Darcy ein und entfernte ihre Hand von Charlies Arm. „Bringt ihr Caroline nach Hause", wies er seinen Freund an, bevor er sich Lizzie zuwandte, die seine Hand mit kaum unterdrückter Wut abschüttelte und ihm mit funkelnden Augen eine Warnung zukommen ließ.

Der Professor setzte an etwas zu sagen, doch sie ließ ihn nicht aussprechen, sondern ging hinüber zu Jane, die verzweifelt bemüht war eine mit sich selbst diskutierende Caroline unter Kontrolle zu halten.

„Ich hab gehört, ihr wollt fahren?", fragte Lizzie Jane mit einem Seitenblick auf Caroline. Jane nickte. „Es ist wahrscheinlich das Beste", sagte sie dann und warf ihrer jüngeren Schwester einen entschuldigenden Blick zu, die bloß mit den Schultern zuckte.

„Eliza!", rief in dem Moment Caroline aus und aus der Nähe konnte Lizzie sehen, dass das Schwarz ihrer Pupillen beinahe die ganze Iris übernommen hatte. „Wie ich sehe hast du es geschafft dir unseren Darcy zu angeln!" Die Stimme schrillte in ihren Ohren, doch Lizzie schaffte es, nicht das Gesicht zu verziehen. Caroline schnaubte. „Ist wahrscheinlich nur so eine Lehrerfantasie.." Sie schnaubte wieder. „Du wirst sehen, Kindchen. Früher oder später wird er genug von dir haben und dann... dann kommt er wieder zu mir!" Ihre Stimme erreichte bei den letzten Worten unerkannte Höhen und Lizzie sah, wie Jane sich auf die Lippen biss, auf der Suche nach einer Möglichkeit erneut das Thema zu wechseln. „Er kommt immer wieder zu mir!"

„Keine Sorge, Carol", erwiderte Lizzie trocken. „Ich bin sicher, dein Verlobter kommt bald wieder, um mit dir eure Hochzeit zu planen."

„Richtig!" Sie lehnte sich ein Stück hinunter zu Lizzie. „Ich kenne Mädchen wie dich, Eliza, Männer brauchen solche kleinen Abenteuer manchmal, um zu erkennen, was wirklich wichtig ist." Sie lächelte triumphierend und warf Lizzie ein herablassendes Lächeln zu. „Und zwar sicherlich keine kleine Masturbationsfantasie."

Jane wurde bei Carolines letzten Worten weiß und wollte schon mit den Entschuldigungen in Carolines Namen beginnen, doch Lizzie lächelte ihr nur beruhigend zu, bevor sie Caroline den Arm tätschelte und sagte. „Ich bin sicher, da hast du recht." Sie grinste. „Nur so von Fantasie zu Fantasie."

Daraufhin griff sie nach ihrer Jacke, die an einem der Haken hing und wollte sich von Jane verabschieden, als diese sie am Arm festhielt.

„Du willst doch nicht etwa mit der U-Bahn nach Hause fahren?", fragte sie ihre Schwester besorgt, die nur mit den Achseln zuckte, während Caroline verzückt das Wort „U-Bahn!" ausrief und einen weiteren Monolog startete.

„Wieso nicht?", fragte Lizzie und runzelte die Stirn. „Du und Charlie müsst doch in die ganz andere Richtung und mit der U-Bahn sind es nur ein paar Stationen!"

„Aber es ist nach zehn!", rief Jane aus. „Und ich bin sicher, dass Darcy dich mitnehmen kann."

„Genau, Eliza!", rief Caroline aus. „Du kannst dich doch nicht in diese U-Bahnen mit all diesen armen, dreckigen Menschen wagen, nachher berauben sie dich noch, oder schlimmer, denken du ist eine von ihnen!" Dieser Gedanke schien sie tief zu verstören und es dauerte bis sie den zweiten Teil von Janes Erwiderung verarbeitet zu haben schien. „Aber mit Darcy fahren, Gott nein, ich bin sicher, Janie, dass wir Eliza mitnehmen können!"

Jane schüttelte den Kopf und setzte zu einer Erklärung an, als Lizzie den Kopf schräg legte und Caroline fragend ansah. „Sag mal, Caroline, bezeichnest du die Menschen in U-Bahnen als „arm", wie in „sie haben kein Geld"-arm, oder weil sie dir einfach leidtun?"

„Was für eine Frage!", rief die Blondine mit den übermäßig geweiteten Pupillen aus, in dem Moment, in dem Jane ihrer Schwester einen Knuff in die Seite gab.

„Autsch." Lizzie sah Jane aus funkelnden Augen und rieb sich mit grimmiger Miene die Seite, als die beiden Männer näher traten und nach ihren Mänteln griffen.

„Darcy?", fragte Jane in ihrem besten Jane-Tonfall und der dunkle Mann sah auf. Lizzie war halb versucht ihrer Schwester ebenfalls einen Ellbogen in die Seite zu rammen, um sie von ihrem Vorhaben abzuhalten, sah dann jedoch davon ab, weil es einfach zu offensichtlich gewesen wäre.

Ganz zu schweigen von kindisch.

„Ist es möglich, dass du meine Schwester nach Hause bringst? Es ist schon spät und ihr müsst beide in die selbe Richtung."

„Jane, ich hab dir schon gesagt, es ist kein Problem für mich, die U-Bahn zu nehmen", begann Lizzie beschwörend auf ihre Schwester einzureden, doch die wiegelte Lizzies Protest einfach ab und sah Darcy aus großen, blauen Augen an.

Der schluckte. „In welche Richtung müssen Sie denn, Miss Bennet", fragte er dann und sah hinüber zu Lizzie.

„Camden Town", erwiderte diese widerwillig.

„Camden Town!", rief Caroline entsetzt aus und Lizzie war sich fast sicher, dass sie gleich ohnmächtig würde.

„So Caroline, das reicht", mischte sich dann Charlie ein und machte Anstalten seine Schwester am Arm nach draußen zu dirigieren. Diese fand den Plan jedoch nicht ganz so erstrebenswert und klammerte sich stattdessen an Darcys freien Arm fest.

„Oh William, warum kannst du mich nicht nach Hause bringen?", fragte sie und sah ihn mit tellergroßen Pupillen an.

„Weil das vollkommen unsinnig wäre", erwiderte Darcy steif und löste seinen Arm aus ihrer Umklammerung. „Dein Bruder wohnt in derselben Wohnung wie du, er wird dich nach Hause bringen."

„Aber wer bringt mich dann ins Bett?!", rief Caroline aus und sah Darcy mit einem Schmollmund an, der anscheinend sexy wirken sollte – Lizzie hätte gelacht, wäre ihr Janes Ellbogen nicht noch immer eine schmerzhafte Mahnung.

„Dein Bruder", sagte Darcy schlicht und händigte die widerspenstige Blondine, dem eisern blickenden Charlie aus, der, ohne ein Wort zu verlieren, mit ihr nach draußen marschierte.

Jane, Lizzie und Darcy sahen sich einen Augenblick unbehaglich an, bevor sie ebenfalls wie auf Kommando nach draußen spazierten.

Caroline saß schon im Auto, der Weite nach, mit der sie ihren Mund geöffnet hatte, heftig mit Charlie diskutierend und Lizzie sah ihre Chance zu einer raschen Verabschiedung und einem noch viel rascheren Verschwinden gekommen, als alle Aufmerksamkeit einen Moment lang auf die protestierende Blondine gerichtet war.

Doch sie hatte nicht mit Jane und Darcy gerechnet.

„Wag es nicht", mahnte Jane ihre Schwester, noch bevor diese die Worte „Bis morgen", aussprechen konnte, in dem Moment, in dem Darcy sagte: „Ich nehme Sie mit."

„Sagt mal, habt ihr euch verschworen?", fragte sie ein wenig trotzig, sah jedoch von dem Schmollmund ab, nachdem Caroline diese Taktik vorhin so grob vergewaltigt hatte. „Was zur Hölle habt ihr gegen die U-Bahn?"

„Ihr schlechtes Mundwerk", erwiderte Darcy ohne mit der Wimper zu zucken, während er nach seinen Schlüsseln griff. „Und ihre Manieren."

„Jane!", rief Lizzie aus. „Du lässt es zu, dass er mich so beleidigt?"

„Du hast zuerst gehauen, Lizzie", erwiderte Jane bloß mit einem Zwinkern, bevor sie ihre Schwester umarmte und sie ermahnte, keine schmutzigen Dinge anzustellen.

„Jane!", rief Lizzie aus und wenn sie nicht ganz so abgebrüht wäre, würde sie wahrscheinlich erröten bei dem Gedanken „schmutzige" Dinge mit ihrem Professor anzustellen, aber so wie es stand, verstörte dieser Gedanke sie nur extrem."

Jane lachte nur und winkte, bevor sie sich zu Charlie ins Auto setzte und der seinen schicken BMW vorsichtig in den Verkehr einfädelte.

Damit blieben Lizzie und Darcy übrig und das Mädchen, das mit verschränkten Armen auf dem Bürgersteig stand, sah nicht so aus, als würde sie in nächster Zeit den schwarzen Range-Rover ihres Professors betreten.

„Steigen Sie nun bald ein?", fragte der ein wenig verwirrt durch das heruntergekurbelte Fenster. Lizzie biss sich auf die Lippe und schüttelte mit verschränkten Armen den Kopf.

„Meine Mama hat mir beigebracht nicht zu Fremden ins Auto zu steigen."

Sie sah, wie er seufzte. „Ich bin kein Fremder, Miss Bennet."

„Meine Mama sagte, dass die das auch sagen würden."

„Miss Bennet!" Die entnervte Stimme des Professors entlockte ihr ein Lächeln.

„Ich darf auch nicht mit Fremden reden", erwiderte sie und verlagerte ihr Gewicht auf eine Seite, während sie nach ihrem Handy griff. Mist, drei verpasste Anrufe von Craig, wenn da mal nichts schief gegangen war...

„Miss Bennet, muss ich wirklich ihre Schwester anrufen?", drohte der Professor und erreichte damit zumindest, dass sie ihn ansah.

Lizzie seufzte, bevor sie das Handy in den Taschen ihrer Lederjacke versteckte. „Miss Bennet!"

„Du spielst echt mit unlauteren Mitteln", grummelte sie dann, bevor sie einstieg und die Tür mit einem lauten Knall hinter sich zuzog.

„Na endlich", murmelte Darcy, bevor er den Motor starrte. Lizzie schnaubte nur.

Sie passierten ein paar Straßenzüge in kühlem Schweigen, bis Lizzie einfiel, dass sie ihn wahrscheinlich mehr damit ärgern würde, wenn sie ihn zwang zu sprechen.

„Das ist ein ziemlich großes Auto", bemerkte sie, die Knie gegen das Armaturenbrett gelehnt.

„Das stimmt", erwiderte Darcy, den Blick auf die Straßen gerichtet. Lizzie lachte leise.

„Was ist so witzig?", fragte der Professor ein wenig indigniert und sah kurz zu ihr hinüber.

„Nichts." Sie lachte wieder leise. „Nur das die meisten anderen Typen, die ich kenne, jetzt mit einem seitenlangen Monolog über die einzelnen Vorzüge ihres Fahrzeuges begonnen hätten."

„Im Handschuhfach liegt ein Handbuch, Miss Bennet, wenn sie solche Informationen interessieren."

„Nein, Danke", erwiderte Lizzie und sah hinaus ins nächtliche London.

„Warum fragen Sie dann?"

„Ich wollte nur wissen, wie jemand auf die Idee kommt, ein solches Auto in London zu fahren. Ich meine, man kommt sich hier drin ja praktisch vor wie der Elefant im Porzellanladen."

„Sprechen Sie bitte nur für sich selbst, ich finde dieses Fahrzeug vollkommen adäquat."

„Und hat dich diese Eigenschaft auch davon überzeugt es zu kaufen, um harmlos dastehende Mülleimer mitzureißen?", fragte Lizzie spöttisch, ein paar Strähnen hatten sich aus ihrer Frisur gelöst und kitzelten nun ihren Nacken.

„Ich habe es gekauft, bevor ich nach London zog", erwiderte Darcy und sie spürte seine Irritation wie radioaktive Wellen von ihm ausgehen. „Ich denke, das wissen Sie."

„Ah ja...", murmelte sie gegen die Fensterscheibe. „Derbyshire... Wie ist Derbyshire so?

„Grün", antwortete Darcy und brachte Lizzie damit zum Lachen.

„Etwa so grün, wie Afrika heiß ist?", fragte sie spöttisch und sah ihn mit blitzenden Augen an.

„Und schon wieder sind wir bei meinem vergangenen Verhalten", seufzte Darcy, bevor er an der Kreuzung nach links abbog. „Was für ein Problem haben Sie nun, Miss Bennet?"

Sie lachte. „Nur das du eine Art hast, das Offensichtliche festzustellen."

„Nun ja, irgendwer muss es ja feststellen", gab Darcy zurück, sein Profil hob sich im blassen, rötlich-gelben Licht, das von draußen eindrang, in scharfen Konturen ab.

„Und das muss der Mann mit zwei Doktortiteln machen?" Darcy lachte ein wenig bitter auf.

„Sie haben definitiv ihre Hausaufgaben gemacht, Miss Bennet."

„Nein, ich hab nur das unverschämte Glück inmitten eines sehr aktiven Netzwerkes von Klatschtanten zu sitzen." Sie seufzte. „Google macht das Leben um so vieles einfacher..."

„Und fördert Stalking", fügte Darcy hinzu, während er einen roten Opel Corsa überholte.

„Nein, das ist Facebook, Captain Obvious."

„Noch so ein netter Spitzname", erwiderte Darcy. „Wo bekommen Sie die her? Sammeln Sie die etwa?"

„Ach du meine Güte, er kennt Sarkasmus!", rief Lizzie aus und setzte sich mit einem Ruck gerade hin. „Mann, Mann, Mann, man könnte dich wirklich für einen echten Menschen halten, wenn du deine Bewegungsabläufe optimieren würdest."

„Ich bin ein Mensch, Miss Bennet", gab Darcy zurück. „Ich würde Sie wirklich bitten, das nicht in Frage zu stellen."

„Oh, da wird aber jemand ein wenig spinnig!", rief Lizzie und grinste. „Hast du Angst die Regierung wird dich finden und wieder einfangen?"

„Miss Bennet..."

„Sag, aus welcher Forschungszentrale bist du entflohen? Die für künstliche Intelligenz oder die, wo sie versuchen eine neue Superrasse zu erzeugen?"
„Miss Bennet..."

„Denn wenn es letzteres ist, muss ich ihnen sagen, dass ihnen da ein paar Fehler unterlaufen sind, denn wenn soziale Inkompetenz nicht eines der Ziele war, dann-"

„Miss Bennet, ich würde Ihn dringend raten diesen Gedanken nicht fortzuführen." Die Stimme des Professors klang drohend und sie sah, dass er das Lenkrad fest umklammert hielt.

„Du weißt, dass in diesem Land frei Meinungsäußerungen gilt, oder?"

„Nicht, wenn das Beleidigungen einschließt. Ich könnte Sie wegen Verleumdung vor Gericht verklagen."

„Und er wird dramatisch...", murmelte Lizzie leise vor sich hin. Darcy sagte nichts und der Teil in ihr, der viel zu sehr Jane ähnelte, sah sie aus großen blauen Augen an und schalt sie für ihr Verhalten.

„Na gut", murmelte sie zu sich selber, bevor sie sich im Sitz zur Seite drehte und die steinerne Miene des Professors beobachtete. „Hey, Darcy", sagte sie dann, die Wange gegen die Rückenlehne gepresst. Der Professor sah zu ihr hinüber, sie standen an einer Ampel und die Anzeige war immer noch auf Rot. „Es tut mir Leid", sagte sie dann mit einem Seufzen und der Professor nickte bloß.

Die nächsten Minuten vergingen in Schweigen, bloß unterbrochen von Darcys Frage nach ihrer Adresse, die sie daraufhin ins Navi eintippte.

„Warum haben Sie mich Caroline gegenüber als deren Verlobten bezeichnet?", fragte Darcy dann nach einer Weile einvernehmlichen Schweigens.

Lizzie grinste. „Man sollte immer mit der Halluzination eines Fantasierenden mitspielen", erwiderte sie dann und lachte noch lauter, als Darcy leise aufstöhnte.

„Ja, sie halluziniert definitiv", erwiderte er dann und Lizzie erwartete halb, dass er sich für sein Verhalten von vorhin entschuldigte, oder irgendeine Art von Erklärung abgab, doch nichts kam und sie beschloss Jane am nächsten Morgen anzurufen und sei es nur, um herauszufinden, wie ihre Schwester mit all dem umging.

Es dauerte eine Weile, bis sie Camden erreichten und dann noch eine ganze Weile, bis sie schließlich in die Straße einbogen, in der Lizzies Wohnung lag. Philip's war hell erleuchtet und Trauben von Menschen unterschiedlichen Alters standen lachen und mit Biergläsern in der Hand draußen auf dem Bürgersteig.

„Was ist denn hier los?", fragte Darcy, als er an der gegenüberliegenden Straßenseite anhielt und die kaum verhohlene Missbilligung in seiner Stimme ließ Lizzies Antwort gepresster als üblich ausfallen.

„Samstags ist Happy Hour im Philip's", erwiderte sie und griff nach ihrer Tasche, sie war halb dabei auszusteigen, als sie eine der schwankenden Gestalten im Halbschatten des Pubs erkannte.

„Craig!", rief sie aus, die verpassten Anrufe im Hinterkopf und rannte über die Straße zu der Gestalt hinüber, die, eine Hand suchend ausgestreckt, versuchte sich aufrecht zu halten.

„Craig!", rief sie erneut, ein paar der Gäste sahen auf, doch die meisten ignorierten den blonden Mann, der nun zwar Jeans, aber immer noch sein Superman-T-Shirt trug.

„Lizzie Bennet!", erwiderte er den Ausruf mit einem Grinsen, als er sie erkannte und streckte ein wenig hilflos die andere Hand aus, wie um sie zu begrüßen. Lizzie nahm seinen Arm und hielt mit der anderen sein, ein wenig dümmlich grinsendes, Gesicht fest. „Craig, was ist los?", fragte sie, doch der Typ im Superman-Shirt antwortete nicht, sondern fiel nach vorne, als er nun endlich jemanden gefudnen hatte, der ihn festhielt. Sie wären wahrscheinlich beide umgefallen, wenn in dem Moment nicht Darcy hinzugekommen wäre und den jungen Mann festgehalten hätte. Lizzie hatte gar nicht gemerkt, dass er ihr gefolgt war.

„Was hat er genommen?", fragte Darcy zwischen zusammengepressten Zähnen hindurch, während er einen schwankenden Craig festhielt.

„Ich weiß es nicht", erklärte Lizzie, bevor sie erneut nach Craigs Kopf griff und ihn zwang sie anzusehen. „Craig, hey, Craig..." Sie suchte die vertrauten braun-grünen Iris', die zwischen den halb geschlossenen Lidern zu verschwinden schienen und versuchte sie mit ihren leuchtend grünen festzuhalten. „Craig, was hast du genommen?", verlangte sie zu wissen und strich über seine Wange und seine Stirn. „Komm schon, Craig, sag es mir..." Doch der blonde Typ lächelte und grinste bloß glückselig.

„Das wird nichts", schimpfte Lizzie und drehte ihren Kopf in Richtung Pub. „Marley!", begann sie zu brüllen und die Gäste der Kneipe damit aufzuschrecken. „Marley!"

„Was ist los?", brüllte eine Frauenstimme zurück, bevor sie eines der Fenster in der zur Seitengasse ausgehenden Wand des Pub öffnete. Eine Frau in den Fünfzigern mit langen zu einem Zopf gebundenen Haaren starrte hinaus.

„Marley, was hat er genommen?", verlangte Lizzie zu wissen, Craigs Gesicht immer noch in ihren Händen.

„Weiß ich nicht", erwiderte die Frau namens Marley und nahm Craig besorgt in Augenschein. „Ich hab gesehen, wie er geraucht und ein paar Pints gekippt hat, aber da drinnen ist es ziemlich voll und ich hatte ihn nicht die ganze im Blick."

Lizzie knurrte frustriert auf. „Sind die Typen von Forsters Autowerkstatt da?", fragte sie dann, Darcys eiserne Miene ignorierend.

Marley nickte finster. „Ich hab ihnen gesagt, sie sollen ihren Scheiß draußen erledigen, aber man weiß nie, was sie alles in ihren roten Sweatshirts verstecken." Sie fluchte. „Das war das letzte Mal, das ich mich von Forster hab beschwatzen lassen, für die Jungs eine Ausnahme zu machen!"

„Es ist nicht deine Schuld, Mar", erwiderte Lizzie, während sie Tränen der Wut zurückbiss und in Craigs glückselig lächelndes Gesicht blickte. „Du konntest nichts dafür."

„Und ob!", regte sich Marley auf, die blauen Augen wütend zusammengekniffen. „Es ist mein Pub und meine Regeln und wer dagegen verstößt, wird die Konsequenzen tragen!" Sie warf einen weiteren besorgten Blick auf Craig. „Meint ihr, er kommt durch?", fragte sie stirnrunzelnd und sah von Lizzie zu Darcy.

„Nichts was eine Nacht Schlaf nicht schaffen würde", erwiderte Lizzie mit einem schwachen Lächeln. Marley nickte. „Bist ein gutes Mädchen, Lizzie-Bee", sagte sie mitfühlend. „Dich so um deinen Freund zu kümmern."

Lizzie nickte. „Nur nicht so gut, um ihn davon abzuhalten, das Zeug überhaupt zu nehmen." Sie schüttelte den Kopf und schüttelte ihn vehementer, als Marley ansetzte zu protestieren.

„Lass es, Mar. Ich weiß, wessen Schuld das ist und es ist nicht allein die der Forster-Jungs."

Marley nickte bloß und schloss nach einem weiteren Abschiedsgruß das Fenster.

„Sollten wir nicht herausfinden, was er genau genommen hat?", fragte Darcy, nachdem Lizzie sich Craigs freischwingenden Arm um die Schulter geschlungen und ihn mit Darcys Unterstützung zum Eingang des Treppenhauses gewankt hatte.

„Brauchen wir nicht", erwiderte Lizzie, während sie ein wenig umständlich nach ihren Schlüsseln kramte, Craigs Gewicht um ihre Schultern machte diese generell schon nicht leichte Aufgabe deutlich schwerer. „Forsters Jungs verticken immer dasselbe Zeug."

„Er gehört trotzdem in ein Krankenhaus", beharrte Darcy und Lizzie unterdrückte den Impuls die Augen zu verdrehen.

„Damit sie es in seine Krankengeschichte aufnehmen und eventuell die Polizei informieren?", fragte Lizzie sarkastisch und schaffte es letztendlich den Schlüssel ins Schloss zu manövrieren und aufzuschließen.

„Nein, damit er unter ärztlicher Betreuung steht, während er seinen Rausch ausschläft."

Sie biss sich auf die Unterlippe und knipste das Licht im Flur an. „Ich bin seine ärztliche Betreuung."

„Sie sind Studentin", erwiderte Darcy scharf. „Was wollen Sie machen, wenn er anfängt zu halluzinieren und aus dem Fenster zu springen?"

„Meine Güte, Darcy, er hat Morphin-Tabletten geschluckt, kein Ecstasy!"

„M...", brabbelte Craig vor sich hin. „Haha.. M!"

„Siehst du?", fügte Lizzie hinzu und das seltsame Trio wankte in Richtung Treppe.

„Und was ist mit zusätzlichen Effekten bedingt durch den Alkohol?", fragte Darcy, während sie Craig die Treppe bis hinauf ins zweite Stockwerk zogen.

„Verdammt, Darcy, ich kenne Craig und ich kenne seine Rauschzustände, er wird es ausschlafen und morgen mit einem Kater aufwachen."

„Hat er sich denn wenigstens schon einmal wegen Langzeitschäden untersuchen lassen?" Der Typ wollte einfach nicht aufhören und Lizzie war halb versucht ihn zu fragen, ob er sich selbst schon einmal wegen Langzeitschäden hatte untersuchen lassen, verbiss sich dann aber den Kommentar, als sie es endlich zu Craigs Wohnungstür geschafft hatten.

Sie griff in Craigs Hosentasche und zauberte seinen Wohnungsschlüssel hervor, arbeitete sich verbissen durch das Türschloss und hinein in die Wohnung. Lizzie knipste das Licht an. Ein paar leere Fast-Food-Boxen, ein paar Kabel, zwei Motherboards und ein paar Colaflaschen erwarteten sie auf dem kleinen Tisch in der Küche und in der Spüle.

„Da vorne", sagte sie und deutete auf die Tür, die in Craigs Schlafzimmer führte, sie manövrierten ihre Fracht durch die enge Küche und den schmalen Rahmen und Lizzie entwich ein Seufzen, als sie Craig endlich auf seinem Bett abladen konnten, das von ein paar Stapeln kaputter Laptops und anderem Technik-Schrott flankiert wurde.

Sie deckte Craig, der praktisch in dem Moment eingeschlafen war, als sein Kopf das Kissen berührte, mit einer Decke zu, bevor sie in die Küche zurückging, Darcy im Schlepptau.

„Es ist eng hier", bemerkte der Professor, während sie sich ein Glas Wasser aus der Leitung eingoss und es in einem Schluck austrank.

„Willkommen im Leben eines Studenten", hörte Lizzie sich antworten, während sie gegen die Anrichte gelehnt darüber nachdachte, auf wie viele verschiedenen Weisen, sie den Forster-Jungs das Leben zur Hölle machen konnte.

„Es ist dreckig", erwiderte Darcy, sein Gesicht ein Maske, als würde er bloß das Offensichtliche wiederholen und keine neuen Beleidigungen ablassen.

„Vielen Dank, Captain", murmelte Lizzie bloß und verdrehte die Augen. Warum ging der Typ nicht einfach?

„Sie werden heute Nacht hier schlafen, nehme ich an?", fragte der Professor und sah sich prüfend im Raum um.

„Ja", erwiderte Lizzie bloß und presste das kühle Glas gegen ihre Unterlippe.

„Wohnen Sie auch hier?", fragte er, seine Augen diesmal auf Lizzie gerichtet, die den Kopf schüttelte.

„Ich wohne eine Tür weiter", antwortete sie und starrte auf die Postkarten die jemand auf die Wand neben dem Kalender geklebt hatte. Mindestens zwei waren von ihr, auf einem ihrer Trips nach Afrika abgeschickt.

„Warum haben Sie ihn dann nicht dort hingebracht?", fragte Darcy weiter, als würden sie Zwanzig-Fragen spielen.

„Hast du die Socke am Türgriff übersehen?" Als der Professor sie bloß ausdruckslos ansah, lachte sie ein wenig hohl auf. „Uni-Zeiten sind wohl schon lange her, was?"

Darcy sah sie bloß weiterhin stoisch an und sie ließ davon ab, ihre Antwort näher zu erläutern.

Stille herrschte zwischen ihnen beiden und Lizzie fragte sich, wann er wohl endlich gehen würde, als Darcy sich räusperte.

„Ich muss ihn leider sagen, dass es aufgrund des wiederholten Konsums von verschreibungspflichtigen Medikamenten notwendig ist, dass sich ihr Mitbewohner einem Psychologen vorstellt, Miss Bennet." Darcys Augen waren hart, als er in Lizzies grüne blickte. Ihr klappte der Mund auf.

„Das ist nicht ihr Ernst, oder?", rief sie aus und knallte ihr Glas mit mehr Kraft als nötig auf die Arbeitsfläche der Anrichte.

„Miss Bennet, ich versichere Ihnen, in Anbetracht der Umstände-"

„Craig benötigt keinen Psychologen!", explodierte Lizzie und ballte die Hände zu Fäusten, während sie auf den Professor zuging.

Darcy wich nicht zurück, nahm ihre offensichtlich Wut bloß mit raschen Bewegungen seiner dunklen Augen auf. „Miss Bennet, ich bin von der Notwendigkeit einer solchen Maßnahme zutiefst überzeugt-"

„Das Einzige, was Craig benötigt ist ein bisschen mehr Toleranz." Sie presste Daumen und Zeigefinger fest zusammen und hielt sie Darcy unter die Nase. „Nur ein bisschen mehr Toleranz und er könnte ein glückliches Leben führen, ohne sich in irgendwelche Tabletten zu flüchten!"

„Miss Bennet, genau das ist der Punkt, er braucht Hilfe und-"

„Du hast überhaupt keine Ahnung, was er braucht!", schrie sie, ihre Fäuste nur Millimeter von seinem Gesicht entfernt. Er hielt sie fest und beide sagten kein Wort.

Sie spürte die Wärme um ihre Finger, die dunklen Augen, die ihre grünen festhielten und sie spürte, wie etwas in ihren Inneren wach wurde. Ein Ziehen unter ihrem Nabel, ein Kitzeln irgendwo hinten in ihrer Kehle, sie atmete ein, atmete seinen Geruch ein.

„Miss Bennet", wisperte Darcy, sein Gesicht Zentimeter von ihrem entfernt. Das war alles, was es brauchte.

„Raus", murmelte sie, ihre Augen immer noch in seinen gefangen und als er nicht reagierte, entriss sie ihm ihre Handgelenke. „Raus!", schrie sie mit aller Kraft und brachte so viel Abstand zwischen sie beiden, wie es die enge Küche ermöglichte.

„Miss Bennet, es tut mir-"

„Hau ab!", brüllte sie wieder und riss mit aller Kraft die Tür auf. „Miss Bennet, vielleicht sollte ich heute Nacht hier bleiben, es-"

„Geh!", schrie sie bloß und es hätte nicht viel gefehlt und sie hätte ihn eigenhändig aus der Wohnung geschubst. Darcy schien schließlich zu kapitulieren und verließ mit eiserner Miene und erhobenen Händen die Tür.

„Geh einfach", murmelte sie noch und lehnte sich müde gegen die Tür. Sie hörte noch Darcys Schritte und wie sie sich zögernd von der Wohnungstür entfernten.

Sie wäre vielleicht dort eingeschlafen, dort gegen die Tür gelehnt, dieser ganze Tag hatte sie mehr Kraft gekostet, als ihr bewusst gewesen war, wenn nicht die Haarnadeln an ihrem Hinterkopf sie wach gehalten hätten.

„Miese blöde kleine Dinger", schimpfte Lizzie, während sie die Übeltäter aus den Haaren zog. Sie ging hinüber in Craigs Schlafzimmer, entledigte sich ihrer Schuhe, Socken und Strümpfe, bevor sie in T-Shirt und Unterwäsche zu Craig unter die Decke kroch.

Sie dachte darüber nach, was sie Darcy an den Kopf geworfen hatte, das Craig nur ein bisschen mehr Toleranz bräuchte, um ein glückliches Leben zu führen.

Wer braucht das nicht?, dachte sie seufzend und schlang ihre Arme um Craigs Taille, presste ihr Gesicht in seinen Nacken und dachte, dass, wenn sie sich nur eng genug um ihn schlang, sie ihn vielleicht beschützen konnte.

Vor all dem Bösen in der Welt, das nicht verstand, was Schönheit war und sie deshalb zerstören wollte.

Vor all den Monstern unter dem Bett und da draußen, in der Wirklichkeit.


A/N: Okay, so ich denke mal, ihr habt bemerkt, dass Lizzie und Darcy zu Soul on Fire tanzen?;) Ich fand das Lied schon von Anfang an wie für die beiden gemacht, die ganze Spannung und das "I'm gonna bring your world down in fire..." Einfach genial, ihr findet's auf Youtube;)

Zu Caroline, ich hatte bis zu diesem Kapitel nicht vorgehabt sie drogenabhängig zu machen, aber es passte einfach so gut zum Rest der Story das ich es hab passieren lassen (vielleicht habt ihr schon rausgekriegt, wonach sie süchtig ist, wenn nicht, die Auflösung gibt's im nächsten Kapitel;)

Und ja, ich weiß, dass solche Szenen nicht im Originalkanon passieren, aber das ist Modern AU und ich spiele gerne ein bisschen mit den Charakteren, seid aber versichert, Rosings und Pemberley werden genauso (von ihren Wendepunkten und Bedeutungen her) passieren wie im Original, also NEIN, das hier war nicht Hunsford;) Collins sollte übrigens bald auftauchen, vielleicht nicht im nächsten Kapitel aber im Laufe der nächsten zwei oder drei;)

zu Craig... das werdet ihr im Laufe dieser Story erfahren;)

Okay, also ich hoffe, es hat euch gefallen, wir sehen uns in zwei/drei Wochen wieder, wenn mich nicht vorher das Schreibfieber packt;)

oh und REVIEWS APPRECIATED!