„Das tut mir jetzt leid, Chrys! Aber das kann mal passieren!" –„Lach du nur! Du hast das ganze Gemansche auch nicht in voller Montur abgekriegt! Das Hemd kann ich jetzt in die Wäsche geben!" –„Ist doch nicht schlimm. War halt Druck auf der Leitung. Querschläger passieren. Du machst unglaubliche Sachen mit deiner Zunge. Ich bin stolz darauf, mich nicht mehr als nötig vertippt zu haben." –„Wenn's trocknet, werden die Flecken steinhart." –„Das ist aber nichts was unsere Waschmaschine nicht beheben könnte. Willst du einen Schluck Wasser? Du machst nach dem Blasen manchmal ein Gesicht als hätte ich eine Zitrone in der Hose." –„Ja, ungewaschen schmeckst du echt gruselig." –„Obwohl ich von dem ganzen bitteren Zeug die Finger lasse?" –„Tröste dich, Forte. Sonst schmeckst du doch ganz süß." –„Darf ich jetzt? Ich finde es immer unfair, wenn ich mich nicht revanchieren kann." –„Dann komm mit nach drüben. Wir können uns einen von deinen Filmen einlegen. Ich möchte aus diesem klebrigen Hemd raus." –„Dann öffnen wir das Hemd jetzt. So … Deinen Gürtel und deine Hose … Du riechst richtig gut …" –„Ich warne die. Ich bin auch ungewaschen." Ist mir noch nicht untergekommen, dass du mir nicht schmeckst, Chrys. Ich überlege, ob ich mich auch beschneiden lassen soll." –„Lieber nicht. Es spricht nichts dafür. Ohne Häutchen würde mir an dir was fehlen." –„Dann möchte ich das doch lieber nicht. Soll ja helfen, wenn's zu schnell geht, aber du hast dich noch nie bei mir beschwert." –„Oh, nach der Runde auf dem Praxisklo werde ich mich hundertprozentig nicht beschweren. Wie wäre es, wenn wir es beim nächsten Mal wirklich im Verlag auf dem Männerklo tun?" –„Uh … Die Idee gefällt mir und dir gefällt sie auch, weil ich dich riechen kann. Ich würde dich am liebsten Rammeln wie ein Karnickel, aber meine Munition klebt jetzt an deinem Hemd." –„Meine aber nicht an dir." –„Das ist so nicht ganz richtig." –„Oh … Dann rück rüber, sonst komme ich nicht an die Tastatur." –„Du willst doch jetzt nicht etwa noch arbeiten? Vielleicht kannst du dich auch nicht mehr konzentrieren." –„Och, das muss ich jetzt mal abkönnen. Du kannst das schließlich auch."
~~ Kapitel 18
Vier oder fünfmal hatte ich versucht einzuschlafen, aber mir war einfach zu warm. Das Wärmeaggregat im Bett verrichtete gute Arbeit. Ich schien aus jeder Pore meiner Haut zu schwitzen. Alles an mir roch nach diesem Pflanzenpulver, das mich, obwohl es wirklich gut duftete, nonstop husten ließ. Erst war es ein trockener Husten, der sich allmählich steigerte und sich in einen der klebrig-schleimigen Sorte verwandelte. Ich stützte mich auf meinen rechten Ellenbogen, stellte die Nierenschale vor mich hin und spuckte den gelblich-grauen Schleim aus. Sogar jedes kleine Kratzen förderte noch mehr davon zu Tage. Zu erwarten wäre gewesen, dass es mich fürchterlich anstrengte, doch das tat es nicht. Doktor Rubinn war auf ihre seltsame Art ein Genie. Nach etlichen Minuten hörte der Husten wieder auf. Ich stellte die Schale wieder auf den Tisch und drehte mich auf meine linke Seite. Auch dieser Versuch zu schlafen scheiterte kläglich. Die Decke war verrutscht und ein Luftzug zog an meinen Rücken. Ich fror unglaublich. Das war der Beweis wie sehr ich schwitzte und wie sehr dieses fürchterliche Nachthemd störte. Es klebte an mir und zwar überall.
Ich rollte mich wieder auf den Rücken und zog die Decke zurecht. Beim Ziehen berührte ich meinen Oberschenkel. Es kribbelte, weil meine Hände offensichtlich an der Luft kalt geworden waren. Diese Kälte war angenehmer als gedacht, also schob ich das Nachthemd beiseite und befühlte die Stellen, wo die Hitze am unangenehmsten war und das war mein Bauch. Der Kampf begann von neuem. Doch dieses Mal verlor ich. Die Erleichterung durch die Kälte war zu verlockend.
Ich stellte das linke Bein an und spielte herum. Klopfen an der Tür war ein geeigneter Hemmer um mich wieder auszubremsen. Ein unerwartetes Gesicht betrat den Raum und erwischte mich auf dem falschen Fuß. „Hey", grüßte der Besucher. Meine Mundwinkel wanderten nach oben. Forte setzte sich zu mir ans Bett, nahm seinen Mundschutz ab und küsste mich auf den Mund. Perplex nahm ich den Kuss an.
Das war zu schön für eine meiner Halluzinationen. „Schön, dass du da bist", flüsterte ich. Aber mehr als Einbildung war es tatsächlich nicht. Für einen Augenblick war ich tatsächlich eingeschlafen. Dafür hatte ich nun ein anderes Problem, das die Bettdecke ausbeulte. Schade, dass es nur ein Traum war. Ich seufzte und drehte mich auf meine rechte Seite, zog die Beine an und schloss die Augen.
Wieder und wieder kam dieser Traum zu mir und wurde immer abstruser. Beim zweiten Mal waren seine Hände schon unter der Decke. Beim dritten Mal hatte er beim Fummeln schon kein Hemd mehr an. Nach dem vierten Mal wachte ich schreiend auf. Ich konnte mir einiges in wachem Zustand vorstellen, aber dieser Traum ging weit über alles hinaus worüber ich nachzudenken wagte. Erschreckend war, dass es mir gefallen und ich mich inklusive Bett vollgesaut hatte.
Ich schüttelte den Kopf und drückte peinlich berührt den Klingelknopf. Nun, es war ja nicht so, dass die kleine Ärztin nicht längst auf dem Weg zu mir gewesen wäre. Sie öffnete die Tür und schob einen Rollstuhl herein. „Wie geht's dir, Süßer? Du hast nach mir geklingelt?", fragte sie grinsend jetzt ohne Mundschutz. Immer mehr konnte ich den alten Rivar verstehen, denn sie war wirklich niedlich, aber mir viel zu alt. Ich wollte Forte. „Mir ist was dummes passiert", gab ich kleinlaut zu und wurde lila. Sie kicherte. „Aber das ist doch nicht schlimm. Dein Körper sagt dir nur, dass du wieder gesund wirst. So ein feuchter Traum ist nichts worüber du dich schämen bräuchtest. Ich möchte dich zu einem MRT abholen." –„Warum tragen Sie keinen Mundschutz mehr?" –„Deine Krankheit ist für Menschen nicht gefährlich. Deine Mutter sollte sich trotzdem von die fernhalten. Der Schleim, den du abhustest, ist nur minimal ansteckend, aber ihr schlechtes Immunsystem kann auf alles anspringen, sogar auf völlig atypische Keime." –„Darf ich mich nochmal umziehen? Ich fühle mich wirklich eklig." –„Natürlich, Süßer. Draußen wartet auch Besuch auf dich." –„Es ist Forte, nicht wahr?" Sie nickte. „Ja. Er kam vorhin her, weil er sich Muskeln gezerrt hatte. Mein Attest und der Schultag ist für ihn gelaufen." –„Kann ich ihn anstecken?" –„Nein. Forte ist unglaublich unverwüstlich. Das Risiko tendiert gegen Null. Sein Immunsystem lässt sich durch nichts aus der Bahn werfen." Sie lachte und gab mir ein neues, frisches Nachthemd.
Ich zog das Getragene aus und fror noch mehr als vorher. Meine Haut glänzte von dem ganzen Schweiß. Sie legte den Kopf schief und wurde rot. Ich zog eilig das neue Nachthemd über, stand auf und schwankte zum Rollstuhl um mich zu setzen. Sie streichelte meine linke Wanke und küsste mich auf meinen glatten Kopf. „Du bist ein guter Junge. Ich möchte dich bis Ende der Woche hier behalten und dich beobachten. Ich werde diese Badetherapie jeden Tag mit dir durchführen bis ich dich entlassen kann. Du musst dir wirklich keine Sorgen machen." –„Das tue ich nicht. Ich darf die Klausur sicher nachschreiben. Können Sie mir eine Decke geben?" Sie gab mir die Decke von dem anderen Stuhl im Zimmer und ich breitete sie über meinen Schoß und meine Beine. „Also, dann gehen wir zum MRT", kicherte sie. Sie hatte merklich Schwierigkeiten den Rollstuhl zu bewegen. Auf dem Flur rief jemand nach ihr. Sie seufzte und rollte mit ihren schönen grünen Augen. „Doktor O.!", rief es wieder und ich wandte den Kopf um zusehen wer da nach ihr rief. Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Du sollst mich doch nicht so nennen", protestierte sie halbherzig und umarmte die Person. Meine Sicht verschwamm kurz von der schnellen Drehung, so rieb ich mir die Augen. Ich spürte eine männliche Hand auf meiner linken Schulter. „Hey", sagte er sanft und kniete sich vor mir hin. Als ich wieder klar sehen konnte, blickte ich in Fortes erschöpftes Gesicht. „Doktor, sehe ich auch so aus, wenn ich in den Spiegel schaue?", fragte ich sie. Er sah wirklich fertig aus. „Nein. Nicht annähernd", kicherte sie und küsste mich auf dieselbe Stelle wie vorher. Ich beugte mich vor und streckte meine Linke nach ihm aus. Er nahm meine Hand und führte sie zu seiner Wange. „Du hast Augenringe", stellte ich fest. „Das macht nichts. Ich habe Muskelschmerzen und verdammt schlecht geschlafen", antwortete er. „Wenn du schon da bist, kannst du gleich wieder mitkommen. Das MRT ist zwei Etagen tiefer", lächelte Doktor Rubinn und bedeutete Forte, dass er den Rollstuhl schieben sollte. Er schob mich in den Aufzug und sie drückte den Etagenknopf. Forte kam wieder auf meine Augenhöhe und nahm mein Gesicht in seine Hände. „Ich hab dich vermisst", sagte er leise. Etwas lag in der Luft. Es fühlte sich an als wollte er noch mehr sagen. Aber die Fahrstuhltür öffnete sich bevor er es aussprechen konnte.
Forte seufzte und schob mich aus der Kabine. „Wohin, Doc?", fragte er. „Bis ans Ende des Ganges und dann links. Weiß dein Vater, dass du hier bist?" –„Nö." –„Dann ruf bitte zu Hause an, während dein Freund in der Röhre steckt. Ich möchte nicht, dass sich deine Eltern Sorgen machen." –„Ich werde anrufen um Bescheid zu geben, dass mir Cerissa die Luft aus den Reifen gelassen hat." Ich sah zu ihm hoch. „Warum das?" –„Och, ich wollte ihr nicht sagen mit wem du zusammen bist. Weiber! Sorry, Doc, Sie meinte ich nicht", grinste er. Ich wurde lila. „Du hast ihr aber nichts gesagt, oder?" –„Damit sich diese Hansel über uns das Maul zerreißen? Nein, danke und ich habe auch kein Bedürfnis dazu. Im Geheimen habe ich doch viel mehr Spaß mit dir."
Meine Fantasie spielte wieder mit mir. So zog ich es vor, auf dem Stuhl ein wenig zusammenzusinken damit sie beide nichts bemerkten. „Woran du gleich wieder denkst", lachte er. Trotz des fruchtigen Geruchs roch er meine Pheromone. Doktor Rubinn öffnete die Tür zum Untersuchungsraum und Forte schob mich hinein. „Gib mir bitte alle metallischen Gegenstände, die du am Körper trägst. Wir wollen doch nicht, dass der Magnet schon wieder ausgetauscht werden muss." Ich nestelte die Stecker meines Ohrschmuckes ab und legte den und die Ringe, die ich von meinen Fühlern gezogen hatte auf die hölzerne Konsole vor mir. Forte führte mich an der Hand zu der beweglichen Trage, die in den Tomographen geschoben werden konnte. Im schummerigen Licht des großen Apparates sah er noch müder aus. Er öffnete den Mund um etwas zu sagen doch sie fiel ihm ins Wort. „Bring bitte noch die Brille mit", bat sie. Forte nahm mir vorsichtig die Brille ab, während ich auf der Trage saß. „Geh nicht weg", flüsterte ich. „Ich werde jetzt zu Hause anrufen. Dann werde ich für den Rest des Tages bei dir bleiben. Ist das okay für dich?", entgegnete er im Flüsterton. „Jungs, flirten könnt ihr auch nach der Untersuchung noch genug. So lange Zeit habe ich nicht hierfür bekommen, also zack, zack." Forte gehorchte und gesellte sich zu Doktor Rubinn hinter die Glasscheibe. Ich legte mich auf den Rücken und das Gerät fuhr die Auflage in sein Inneres. „Ist bei dir alles in Ordnung? Du hast doch hoffentlich keine Platzangst?" –„Nein, Doktor. Es ist alles in Ordnung."
Der Magnet nahm seine Arbeit auf. „Ich werde Bilder von deiner Lunge machen, um sicher zu gehen, dass die Antibiotika angeschlagen haben. Es ist wirklich gut, dass es dir schon wieder besser geht. Deine Bilder gestern waren wirklich nicht mehr feierlich." Das pulsierende Knattern des Geräts nahm an Häufigkeit und Lautstärke zu. Ich hörte sie nicht mehr und auch nicht wie Forte den Raum verließ um ihn nach einer Weile wieder zu betreten. Ich hatte keine Angst vor engen Räumen aber meine erhöhte Temperatur ließ mich glauben, dass sich die Röhre um mich herum zu zog. „Holen Sie mich hier raus", keuchte ich. „Was ist passiert? Nur noch eine Minute, dann hast du es überstanden!", rief sie. „Ich … Doktor, ich … Ich habe keine Minute." Ich konnte kaum noch atmen. „Doc, holen Sie ihn da raus! Das ist ein Asthmaanfall!", polterte Forte. „Der Test ist beendet. Jetzt aber schnell!", rief sie und ließ die Liege aus dem Tunnel heraus fahren. Ich schlug mit der rechten Faust gegen mein Brustbein. Meine Lunge verkrampfte sich. Ich japste nach Luft und bäumte mich auf.
„Forte, halt' ihn fest!"
Wie aus dem Nichts wurde ich von seinen starken Armen auf die Liege gedrückt. „Hilf mir", hauchte ich. „Chrys, ganz ruhig. Kipp jetzt nicht weg. Doc! Nun tun Sie endlich was! Er erstickt noch!" Seine Stimme zitterte.
Ruhig bleiben? Ich wollte nicht sterben!
Sie wirbelte heran, schwang eine große Spritze in ihrer linken Hand, rammte mir die Nadel mit relativ viel Kraft zwischen zwei Rippen und gab mir die Dosis. „Wir bringen ihn wieder ins Bett. Das war schon wieder zu viel für seine Lungen. Ich erneuere die Antibiotika-Infusion. Ich möchte, dass du ihn beobachtest so lange du hier bist. Kannst du ihn tragen. Er muss warm gehalten werden." –„Klar kann ich ihn tragen. Machen Sie keinem von uns je wieder solche Angst."
Forte richtete mich auf und wickelte mich in die Decke, mit der wir hergekommen waren. Für einen Moment bekam ich was ich mir wünschte. Er umarmte mich bevor er mich hoch nahm und zurück ins Zimmer brachte. Doktor Rubinn schloss mich wieder an sämtliche Geräte an und verabreichte mir eine neue Infusion. Wenigstens schob sie mir nicht wieder einen Tubus in die Luftröhre. „Wenn er wieder Symptome zeigt, gib ihm die Sauerstoffmaske und lass mich ausrufen. Sei ein bisschen nett zu ihm. Er kann jetzt mehr gebrauchen als einen Freund."
Sie verließ den Raum und Forte an meiner rechten Seite nahm meine Hände. „Du hast es nicht leicht, was?", seufzte er und betätigte die Fernbedienung vom Bett, durch die das Kopfteil in eine aufrechte Position gebracht wurde. „So sieht es wohl aus. Aber es ist sehr gut dich wiederzusehen", antwortete ich schwach.
Er gab mir meine Brille wieder, die zusammen mit dem übrigen Schmuck in einer kleinen Tüte auf dem Tisch lag. „Entschuldige. Ich wollte dir keine Angst machen." –„Ist schon okay. Es gibt Dinge, über die ich mit dir reden möchte." Er wirkte mit einem Mal ganz anders. So ernsthaft. „Sag mir was du denkst", bat ich und nahm das Tütchen vom Tisch. Forte wurde lila, stand auf und setzte sich bei mir auf die Bettkante. Er sah mich nicht an, während er sprach. „Chrys, es ist wichtig, dass du mir zuhörst." Einige Sekunden später sah er mir geradewegs in die Augen. „Ich habe mich verliebt … In dich", lächelte er. „Sag das nochmal", brach es aus mir heraus. „Komm schon, du hast mich doch verstanden", lachte Forte und legte mir seine rechte Hand auf die Brust. „Ist das wirklich wahr?", fragte ich. Mir wurde ganz warm ums Herz. „Na gut. Ich sage es dir nochmal. Aber versprich mir was. Nimm alles Medis, die dir Doktor Rubinn gibt und werde schnell wieder gesund. Ich möchte mit dir in West City auf den Rummel gehen und Wasserbahn fahren, Zuckerwatte essen und Fotos von uns machen." –„Ich möchte gerne wieder gesund werden", entgegnete ich leise. Forte rückte näher an mich heran und schloss mich fest in die Arme. Er streichelte meinen Rücken, berührte mein linkes Ohr und meinen Hals mit seiner Nase. Ich erschauderte und stöhnte. „Ich liebe dich", flüsterte er mir ins Ohr. „Kannst du mich mal kneifen? Ich möchte sicher sein, dass dies kein Traum ist." Er kniff mir breit grinsend in die Nase. „Du träumst nicht. Ich habe es dir gesagt so wie du es getan hast." Ich kam seinem Gesicht ganz nahe und wollte ihn am liebsten küssen. „Rumknutschen macht dir wohl Spaß, hm? Aber das geht nicht. Du bist noch krank." –„Die Ärztin sagt, ich wäre nicht ansteckend." –„Steck mich bloß nicht an, hörst du? Sonst können wir den Sieg Mittwoch abhaken und ich weiß noch sehr genau, dass ich ihn dir versprochen habe." Ich versank wieder in seinen blauen Augen. Mein Herz jagte und mir wurde ganz schwindelig. Forte stand auf und drückte mir die Sauerstoffmaske auf Mund und Nase, zog mir die Halterung über den Kopf. Aber er ließ sie nicht ausrufen.
"Ich würde dich wirklich unglaublich gerne küssen, Chrys. Aber das ist jetzt nicht das Wichtigste. Das ist, dass du wieder gesund wirst. Ich habe immer noch Angst um dich", sagte er sanft. „Nur ein kleines bisschen. Bitte", bettelte ich unter der Maske. Es war schlicht weg erbärmlich aber es fühlte sich andererseits wiederum richtig an. „Na gut. Einen sollst du haben. Dann möchte ich aber, dass du etwas schläfst. Ich gehe auch nicht weg. Hab nämlich alle meine Unterlagen dabei." Ich nahm nickend noch einen Atemzug und die Maske dann ab. Stürmisch küsste er mich auf die Lippen. Ich legte ihm den linken Arm um den Hals und ließ ihn nicht mehr weg. Dass ich ihn anstecken konnte, war für eine Weile vergessen. Unsere Zungen führten wieder diesen Tanz auf, den ich schon vermisst hatte. „Ich liebe dich", flüsterte ich zwischen zwei Atemzügen und ließ ihn los was ihn nicht davon abhielt weiterzumachen. Er drückte mich in die Kissen und beugte sich über mich. Seine rechte Hand wanderte und ich erinnerte mich wieder an die Träume, die mich am Vormittag heimgesucht hatten. Meine Augen schnappten offen und ich drückte ihn an den Schultern hoch. Forte grinste. „Hast du schon genug?" Ich hielt mir eine Hand vor den Mund und hustete demonstrativ. Eigentlich hatte ich noch lange nicht genug. „Wo wolltest du mit der Hand hin?" Forte wurde lila. „Entschuldige. Falscher Ort und falsche Zeit, nicht wahr?" Er küsste mich nochmal und setzte mir dann die Maske wieder auf Der Sauerstoff durchströmte jede Zelle meines Körpers, das Antibiotikum brachte die Müdigkeit zurück. Forte setzte sich wieder auf den Stuhl, zückte ein paar Blätter aus seinem Rucksack, die er mir breit grinsend als meine Vokabelliste präsentierte und las. Ich drehte mich auf meine rechte Seite, legte meine Brille auf den Tisch und lächelte ihn an. „Bist du wirklich noch da, wenn ich wieder aufwache?", fragte ich. Meine Stimme klang ganz dumpf durch die Atemmaske. „Ich bleibe, Chrys. Schlaf ein bisschen", antwortete er sanft und deckte mich ordentlich zu. Ich schloss die Augen, döste bis ich einschlief. Der Traum war friedlich, denn ich wusste nun was er fühlte.
*Dienstagmorgen, halb neun*
„Ja, guten Morgen. Ich wollte Ihnen durchgeben, dass ich heute im Home Office arbeite. Ich bin heute den ganzen Tag über diesen Anschluss zu erreichen.." –„ …" –„Nein, ich werde ihn nachher zu Ihnen schicken. Das Shooting ist um zwei?" –„ …" –„Hm … Ja, ich werde es weitergeben." –„ …" –„Wo er ist? Unter der Dusche." –„ …" –„Bitte? Solche indiskreten Fragen würden Sie nicht stellen, wenn ich vor Ihnen stünde." –„ …" –„Fräulein Fern, werden Sie nicht unverschämt. Habe ich viel Post?" –„ …" –„Wie viele Mappen?" –„ …" –„Wie dringend ist es?" –„ …" –„Ach, du Schreck. Schicken Sie mir bitte einen Kurier. Wenn er schneller ist als letztes Mal, fällt das Trinkgeld auch etwas großzügiger aus. Das dürfen Sie ausrichten." –„ …" –„Und wie weit sind Ihre Heiratspläne?" –„ …" –„Woher ich das weiß? Ich habe gute Ohren. Haben Sie einen Termin?" –„ …" –„Das hörte auch schon. Wie lange können Sie noch arbeiten?" –„ …" –„Drei Monate. Ich verstehe." –„ …" –„Nein, natürlich werde ich Sie nicht feuern. Ich freue mich wirklich für Sie." –„ …" –„Jetzt machen Sie mich ganz verlegen." –„ …" –„Na ja … Wir werden bald eine Menge gemeinsam haben aber derzeit planen wir noch. Das muss aber unter uns bleiben." –„ …" –„Das glaube ich allerdings auch. Sagen Sie das bloß nicht Forte weiter, sonst bin ich nirgendwo mehr sicher vor ihm. Nicht, dass ich es darauf anlegen würde." –„ …" –„Wenn mein Büro abgeschlossen ist, heißt das nicht zwangsläufig, dass ich … Na, Sie wissen schon … Aber darauf muss ich nicht weiter eingehen." –„ …" –„Glauben Sie mir, die ist die letzte Person, mit der ich ein Wort wechseln wollte. Sollte sie nochmal anrufen, sagen Sie ihr, ich wäre in einem wichtigen Meeting." –„ …" –„Erinnern Sie mich bitte nicht an dieses Shooting. Ein Desaster." –„ …" –„Ja, dann soll sich der gute Mann mal ein Auto leisten. So schlecht wird er schließlich auch nicht bezahlt." –„ …" –„Dann würden mir die Knicke und kunstvollen Eselsohren erspart bleiben." –„ …" –„Morgen bin ich wieder im Büro. Bis dann, Fräulein Fern. Schöne Grüße auch an Ihren Verlobten."
*Die Tür wird geöffnet.*
„Guten Morgen, Junge." –„Morgen, Paps." –„Hättest du mich nicht um halb acht wecken können? Mein Zug fährt doch schon um halb eins." –„Ach, Paps. Seit wann bist du so ein Nervenbündel? Ich habe dir noch zwei Brötchen warm gehalten. Ich habe mir jetzt extra Zeit für dich genommen." –„Du gehst nicht ins Büro?" –„Nein. Ich arbeite von Zuhause aus." –„Das kannst du einfach so?" –„Ich habe meine Sekretärin angerufen. Sie hat schon einen Kurier losgeschickt, der die Unterlagen hierher bringt." –„Und warum hast du dich so herausgeputzt?" –„Ich habe in einer Stunde eine Videokonferenz mit der Capsule Corp. wegen einer neuen Kampagne. Ich denke mal, wir haben das beste Angebot gemacht." –„Darf ich dich mal indiskret nach dem Angebot fragen?" –„Das Angebot steh drüben im Schlafzimmer und zieht sich an. Auf dem Programm stehen Aufnahmen am Papaya Beach. Mehr ist auch zu mir noch nicht durchgesickert." –„Klingt nach Urlaub für dich." –„Keine Chance. Er darf sich am Strand in Pose werfen und mir bleibt der ganze Papierkram. Die Capsule Corp. übernimmt aber alle Kosten. So gesehen … Nach zwanzig Uhr ist es Urlaub." –„Und wann ist es soweit?" –„Wenn wir Glück haben in zwei Wochen. Wenn wir Pech haben, fliegt eine andere Crew." –„Dann drücke ich euch fest die Daumen, Chrys. Schickst du mir eine Karte?" –„Mein Paps, der Ansichtskartensammler. Ich bringe dir einen ganzen Stapel mit." –„Das ist lieb, Junge."
*Wieder öffnet sich die Tür.*
„Morgen. Chrys, wo ist …?" –„Im Schrank wo es hingehört. Genau wie deine anderen gebügelten Hemden. Du sollst um zwei Fräulein Fern mit zum Shooting fahren." –„Lass mich raten. Du nimmst den Call im Home Office? Dann wird nichts aus dem Mittagessen, nehme ich an." –„Leider wird nichts draus. Wärst du so lieb und würdest meinen Vater noch am Hauptbahnhof absetzen, wenn du zur Agentur fährst?" –„Mach euch nicht wieder solche Umstände wegen mir." –„Nimm doch ein Mal den bequemen Weg, Paps. Forte fährt dich doch gerne zum Bahnhof. Es liegt doch auf dem Weg." –„Also gut, überredet. Ihr würdet ja doch nicht locker lassen." –„Klar kann ich Sie zur Bahn bringen. Koffer sind schon gepackt, was? Es dürfte kein Problem sein." –„Und nun macht ihr mal langsam. Paps, du frühstückst und Forte, du machst dich am besten mal an Kapitel neunzehn. Ich muss im Büro noch den Schreibtisch aufräumen vor dem Call. Wenn der Kurier erscheint, weißt du ja was du zutun hast." –„Jawoll-ja, Chef."
~~ Kapitel 19
Sich zu konzentrieren gestaltete sich schwierig. Es wäre nicht unmöglich gewesen, aber ich wollte weiter das fühlen was ich spürte, wenn ich in sein Gesicht sah. Ich schämte mich nicht dafür, dass ich es ihm gesagt hatte. Im ersten Moment schon bis es sich mehr und mehr nach Erleichterung anfühlte. Ich legte die Blätter auf den ausgezogenen Teil des Nachttisches und betrachtete ihn. Sein letzter Asthmaanfall hatte mir Angst gemacht, noch mehr Angst als ich vorher schon hatte. Ich wollte ihn nicht verlieren.
Sein Brustkorb hob und senkte sich, die Maske beschlug bei jedem Atemzug.
Ich grinste. Dieses Mal hatte er mich abgewürgt. Das konnte nur daran liegen, dass er sich mir in seinem Zustand nicht gewachsen fühlte. Ich hätte mich gehen lassen, wenn dies kein Krankenhauszimmer und die Tür abschließbar gewesen wäre. Ich hatte seine Haut berührt, sein Fieber gespürt. Ich hätte ganz zärtlich sein wollen damit er nicht noch mehr hätte leiden müssen. Diese Chance für mich - für uns - würde noch kommen.
Ich ging hinüber ins Badezimmer zum Pinkeln und dachte nach. Alles sollte er bekommen solange ich in seiner Nähe bleiben durfte. Seine Zeit was begrenzter als meine. Vielleicht - dachte ich - sollte ich einfach für jede Minute dankbar sein, die ich mit ihm verbringen durfte.
Wieder an meinem Platz steckte eine Person den Kopf zur Tür herein. Der Besucher hatte nicht angeklopft was in dieser Situation auch mehr als taktlos gewesen wäre. „Hallo, Sohn", grüßte mein Vater leise. Ich stutzte. „Woher weißt du überhaupt, dass ich hier bin?" –„Ich erkläre dir alles vor der Tür und nun komm mit. Lass deinen Freund in Ruhe schlafen." Ich fuhr das Kopfteil leise und langsam herunter, streichelte Chrys' linke Wange nochmal und verließ den Raum so leise es möglich war.
„Wie ist es gelaufen, Dad?", fragte ich nachdem ich die Tür hinter mir geschlossen hatte. „Du hattest Recht mit allem was du mir an den Kopf geworfen hast. Ich habe ein Gutachten in Auftrag gegeben. Aber sicher ist, dass es in dem Haus fürchterlich zieht. Die Dämmung ist eine Katastrophe." –„Wie lange, denkst du, wird es mit dem Gutachten dauern?" –„Etwa zwei Monate und das ist noch gut in der Zeit." –„Das ist viel zu lange. Kannst du da nicht irgendwas drehen?" –„Leider nicht. Es ist ein Job der Bauaufsicht. Erst dann kann ich dir sagen wie es weitergeht." –„Verdammt!" Ich lehnte mich gegen die Wand und verschränkte die Arme vor der Brust. „Aber du hast doch mit seinen Eltern gesprochen, nicht wahr?" Er nickte und starrte vor sich hin. „Pack schon aus, Dad. Was haben sie gesagt?" Vater seufzte. „Ich musste sie leider in Kenntnis setzen, dass die Miete erhöht werden muss, wenn die Baumaßnahme beginnt. Ciasto und Tara haben abgelehnt. Die Hausbewohner sind nicht bereit die Erhöhung zu akzeptieren." –„Das ist doch jetzt nicht wahr, oder? Das Haus ist eine dreimal verdammte Bruchbude. Kannst du nicht doch …?" –„Ich kann einfach anordnen, dass die Renovierung stattfindet, aber es wäre für die beiden nicht fair." –„Quatsch, Dad! Überall sonst hast du keine Skrupel und jetzt kommst du mir mit Ehre und Respekt?" –„Die beiden sind meine Freunde." –„Das hat dich jahrelang nicht interessiert! Willst du jetzt vor Tara und ihrem Mann den Helden spielen?" Er knurrte und sah mir in die Augen. „Denkst du nicht, ich würde nicht bereuen, dass ich sie damals aus den Augen verloren habe? Ich habe diesen Mann einmal so geliebt wie du Heute seinen Sohn. Darüber kommt man nicht so leicht hinweg." Er lehnte sich nun an die Flurwand mir gegenüber. Die Köpfe gesenkt schwiegen wir eine Weile.
„Ich möchte, dass Chrys zu uns zieht."
Mein Vater sah mich mit offenem Mund an. „Es ist kein Geheimnis mehr zwischen ihm, Tara und mir, dass ich ihn liebe. Du weißt es jetzt auch. Ich möchte nicht, dass er wieder so krank werden muss bis sich etwas ändert." –„Du hast auch damit Recht, Junge. Meinst du, du könntest deine Wohnung mit ihm teilen? Ich möchte ihn ungern deiner Schwester aussetzen. Meiko und du, ihr beide werdet nur noch streiten und ich muss mir doch noch ein Bett ins Büro stellen lassen." Er lächelte müde. „Danke, Dad. Eine Sache … Eine Sache wäre da noch", entgegnete ich und wurde lila. „Geh in die Apotheke und kauf die eine Schachtel mit vernünftigen, stabilen Kondomen. Meinen Segen dafür hast du, Forte. Was hast du denn gedacht? Ganz so kompliziert ist es doch nicht."
Das war wirklich alles? Damit ich mit meinem Artgenossen schlafen konnte, brauchte ich schlicht und ergreifend ein paar Gummis?
„Was macht ihr beide hier draußen? Forte, du sollst doch auf deinen Freund aufpassen. Und du, Arcus? Was machst du hier?", fragte Doktor Rubinn wie aus heiterem Himmel was meine Gedanken für einen Moment aus der Bahn warf. Federleicht kam sie zu meinem Vater und küsste ihn auf die Wange. Er grinste und rollte mit den Augen. „Stört dich etwa, dass ich hier bin? Ich dachte, du freust dich?", fragte er in einem sanften Ton, den ich gar nicht von ihm kannte.
Die beiden hatten also eine Affäre.
„Nun habe ich alles gesehen", kommentierte ich trocken. Eigentlich hätte ich aus allen Wolken fallen müssen, aber es störte mich nicht wirklich in dem Moment daran. Wenn er zwei Frauen beglücken und immer noch aufrecht stehen konnte, wäre er nur zu beglückwünschen.
Er legte ihr den Arm um die Taille und sie wurde rot. „Wollt ihr beide eine ehrliche Antwort von mir hören? Wenn nicht, sage ich es euch trotzdem." –„Nur zu, Sohn." –„Hättest du sie damals nicht gleich heiraten können? Ihr passt viel besser zusammen als Mom und du." Er brach in Gelächter aus und zog sie näher an sich heran. Wie das wieder aussah. Er war mindestens dreimal so breit wie sie und drei Köpfe größer. Sie wirkte neben ihm wie eine filigrane Puppe oder ein feingliedriges Uhrwerk. „Forte, sag es bitte nicht deiner Mutter. Das möchte ich schon selbst tun", kicherte die kleine rothaarige Ärztin. Ich zuckte mit den Schultern. „Macht was ihr wollt." –„Das tun wir, Junge. Was das Gutachten angeht, werde ich versuchen, es zu beschleunigen. Aber ich kann nicht dafür garantieren", erklärte mein Vater mit einem vielsagenden Nicken.
Natürlich wollte ich ihn nicht auffliegen lassen. Ich musste mir eingestehen, dass ich sie gerne als Mutter gehabt hätte. Dann hätte mich die Schlupfgeschichte aber mit Sicherheit mehr mitgenommen. Sie war nicht so berechnend wie es meine Mutter war. Die Ärztin besaß Witz, Charme und Grips.
Wie lange mochte dieses Verhältnis wohl schon andauern?
Für ihn fühlte es sich kein bisschen falsch an als wäre es immer so gewesen. Ihm traute ich sogar zu, dass es immer so gewesen war.
„Entschuldigt mich jetzt, ja? Ich glaube ich habe drinnen im Zimmer etwas gehört", gab ich vor und betrat das Zimmer neuerlich.
Chrys hatte sich auf den Rücken gedreht und seine Fühler zuckten im Schlaf. Beim ersten Mal, als ich ihn so gesehen hatte, hatte ich noch nicht die Erlaubnis ihn anzufassen. Aber Dinge hatten sich für uns positiv entwickelt. Leise und vorsichtig setzte ich mich auf die Bettkante, nahm die Spitze des rechten Fühlers zwischen Daumen und Zeigefinger. Tags zuvor hatte er das hier für mich getan. Ich beugte mich runter und nahm die Spitze zwischen die Lippen. Sein Puls pochte darin.
Wenn ich ihm zurückgeben konnte was ich gestern gefühlt hatte, machte es mich auf eine Weise glücklich, die ich bisher nicht kannte.
Ich sog und leckte an dem Fühler, ließ aber nie sein Gesicht aus den Augen. Mein Herz raste wieder. Ich konnte seine Pheromone riechen. Er flüsterte ein Wort unter der Atemmaske. Es war mein Name, den er zum ersten Mal in meiner Anwesenheit aussprach. Seine Augen öffneten sich zur Hälfte. Mit der freien Hand zog ich ihm die Maske vom Gesicht. Sein ganzer Körper zitterte. „Siehste? Ich bin noch da. Es ist kein Traum. Genieß es einfach", sagte ich sanft und fuhr fort an der Fühlerspitze zu lecken. Er stöhnte und rollte mit den Augen. „Warum tust du das für mich?", flüsterte er. „Ich liebe dich. Darum und nun spar deine Stimme und lass mich machen. Du möchtest doch sicher auch wissen wie weit ich dich bringen kann", antwortete ich.
Er brauchte nichts weiter zu sagen. Mir reichte dieser flehende Gesichtsausdruck, sodass ich nicht aufhören wollte. Meine andere Hand wanderte unter die Bettdecke, schob das Nachthemd ein bisschen hoch und kam auf seinem heißen Bauch zu liegen. Meine eigene Haut prickelte bei der ersten Berührung.
Ich hätte es wirklich auf der Stelle mit ihm treiben können. Aber wir waren nicht dafür ausgerüstet. Es wäre mir herzlich egal gewesen, dass wir in einem Krankenhauszimmer waren, wären nicht all diese Geräte gewesen, die alles aufzeichneten und deren Kabel ihn beinahe unbeweglich machten.
Ich streichelte weiter seinen Bauch bis ich bemerkte, dass ich meine Hand unter der Deck leichter bewegen konnte. „Das passiert schon, wenn ich nur an dich denke" flüsterte er und zog einen Mundwinkel hoch. „Mir auch, wenn ich an dich denke", gab ich zurück. Meine wandernde Hand fand sich schnell unter der Decke zurecht und griff sich die Erhebung. Er wuchs mir entgegen, als ich mich mehr und mehr mit diesem Ständer in Spe beschäftigte. Erstaunlicherweise war dies das Einzige, das sein Körper unter der Antibiotikadosis noch einwandfrei zustande brachte.
Während ich noch an dem Fühler lutschte, betastete ich im Blindflug meinen wachsenden Fund unter der Decke. Vorsichtig fühlte ich von dem Roten Ring am Ansatz über die feine Maserung des Schaftes zu dem Punkt vor, der führ ihn am empfindlichtsten war. Am Abschlussring und Ansatzpunkt für das Bändchen gab ich beim Reiben etwas Druck. Chrys stöhnte. „Mehr … Du kannst mich damit nicht kaputt machen", flüsterte er und krallte sich ins Laken. Ich rieb ihn fester und so wie er es mir gezeigt hatte. Seine Haut faszinierte mich. Die Äderchen, die Wärme. Ich leckte fordernder an dem Fühler, rieb schneller.
„Ich möchte, dass du meinen Namen stöhnst, wenn du kommst", flüsterte ich.
Ich war so unglaublich scharf auf ihn, dass sich meine Hose schmerzhaft spannte. „Ich möchte auch", lächelte er und nahm meine rechte Fühlerspitze in den Mund. Ich kniff für einen Moment die Augen zu. Dieses Gefühl war so geil. „Hilfst du mir mal?", grinste ich und deutete auf meine Hosenknöpfe. Seine rechte Hand öffnete sie. Was für eine Erleichterung! Aber er brachte mich sehr ins Schwitzen, weil er mit meinem Fühler anders umging als ich mit seinem. Ich ließ von seinem Ständer für einen Moment ab und wanderte weiter, streichelte seinen Sack und fand den Hintereingang. Chrys bäumte sich auf. „Ist das nicht gut?", fragte ich. „Ganz locker. Ich möchte dir nicht weh tun. Das sind nur zwei Finger. Aber eines Tages werde ich mit dem großen Kaliber zu dir kommen." Er ließ doch locker und ich drang einen Finger breit ein. Der Muskel hielt meine Finger fest, die ich vorsichtig ein wenig drehte. „Schön", stöhnte er. Ich spürte sein Fieber nun ganz deutlich wie es an meinen Fingerkuppen zerrte. Ich drang noch ein bisschen weiter vor bis das erste Fingerglied fähig war sich zu beugen. Zögerlich führte er seine Hand zu meinem eigenen Ständer und öffnete den Knopf meiner Shorts. Eine kleine Gewichtsverlagerung und meine Länge streckte sich durch die Öffnung. „Wie kannst du mich so verdammt geil machen?", flüsterte ich und sah zu wie er mir wortlos über die Eier streichelte. Eilig nahm ich die Fernbedienung fürs Bett und stellte es auf die Hälfte zwischen Sitzen und Liegen ein.
Ich bewegte die Finger, die in ihm steckten. „Mehr … Da fehlt nicht mehr viel", stöhnte er. Nun ließ ich von dem Fühler ab und schob die andere Hand unter die Decke um ihn zu reiben, während ich die Finger bewegte. Er schluckte nochmal und bog sich mir entgegen. Er stöhnte meinen Namen und verdrehte die Augen. Durch seinen Körper ging ein Ruck und er kam in meiner Hand. „Ich liebe dich", flüsterte ich und nahm den Zungenclinch mit ihm auf. Seine rechte Hand rieb mich mit dem festesten Griff, den er aufbringen konnte. Ich zog vorsichtig die glibberige Hand hervor und wischte sie an einem Taschentuch aus der Box auf dem Tisch ab. Natürlich reichte ein Tuch nicht aus, aber ich unterbrach den Kuss nicht.
Nie hätte ich so gerne Sex mit jemandem gehabt wie mit ihm. Ich wünschte mir, mit meiner ganzen Länge dort zu stecken, wo sich gerade noch meine Finger befanden.
Er rieb mich schnell und immer schneller. Mein eigener kleiner Muskel zuckte, hätte selbst gerne berührt werden wollen. Aber das war nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Wir wussten beide, dass wir es wollten, sobald er aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Mit einem Mal hatte er keine Angst mehr mich anzufassen und ich auch nicht ihn an Stellen zu berühren, vor denen ich mich am Samstag noch gefürchtet hatte. Unsere Körper schienen sich wie magisch anzuziehen.
Instinkte waren eine mächtige Kraft. so sehr man versuchte, sie zu unterdrücken und zu unterwerfen, brachen sie doch in entscheidenden Situationen hervor und stellten den natürlichen Lauf der Dinge wieder her.
Seine linke Hand streichelte sachte meinen Hals entlang. Ich spürte schon wie sich bei mir das Ende anbahnte. So schob ich seine Hand nach unten. „Nimm du die und lass mich das machen", stöhnte ich und rieb mich, während seine Finger meinen Sack streichelten. Ich nahm meine rechte Fühlerspitze in den Mund und sog daran. Dann konnte ich die Spannung nicht mehr zurückhalten. Zuckend gab mein Ständer alles was ging gegen meine Handfläche.
„Warum hast du mich nicht machen lassen?", fragte er geknickt. „Ganz einfach. Du kannst nicht einfach aufstehen und rumlaufen damit du dir die Hände waschen kannst. Andererseits wäre es wohl gut, wenn du mal klingelst. Der Beutel am Haken ist leer."
Nun zog ich meine Finger aus ihm heraus und wischte mir beide Hände zuerst an einigen Taschentüchern ab. Ich gab ihm auch ein paar ab, weil er auch nicht gerade wenig abgeschossen hatte. Während ich im Bad verschwand um mich zu waschen, klingelte Chrys nach Doktor Rubinn. Nach ein paar Minuten stand sie auch schon neben dem Bett und nahm den Infusionsbeutel ab. Sie schnupperte in die Luft und wurde rot.
„Was ist los, Doc? Sagen Sie nichts. Ich wollte so und so gerade hier durchlüften", grinste ich und öffnete das Fenster. „Doktor, darf ich zur Toilette?", fragte Chrys leise. „Natürlich, mein Süßer. Dein Vater wartet draußen."
Sie entfernte die Kabel, die überall an seinem Oberkörper befestigt waren. Ich seufzte. „Bin ich zu spät? Habe ich etwas verpasst?", fragte sie mit großen Augen.
Tat sie nur so? Sie kannte den Geruch doch. Sie zwinkerte mir zu und ich verstand worauf sie hinaus wollte. Sie hätte mir nun eine Szene über Schweinkram im Krankenhaus mit meinem kranken Freund machen können. Aber sie ließ im Raum stehen was wir getan hatten. Dafür war ich ihr dankbar. Ich konnte immerhin damit kontern, dass ich auf ihn aufpassen sollte. Wie ich das allerdings tat, war meine Sache. Vielleicht wurde sie auch nur rot, weil sie es gerade irgendwo an einem geheimen Ort mit meinem Vater getrieben hatte. Das unterstellte ich ihr nicht. Ich traute es ihm zu. Der würde nicht meinetwegen hierher kommen. Meinen Vater interessierten nur die Brüste, die sie in ihrer Bluse trug. Auch jetzt, wo sie Chrys abkabelte, wurden ihre Nippel hart. Das entging mir nicht.
Solche Details merkt man sich, selbst wenn man die Gefühle danach längst gelernt hat zu ignorieren.
In dem Moment wurde ich wieder wütend auf meinen Vater.
„Ist Dad schon weg?", fragte ich schnippisch. „Ja. Seine Pause ist wohl vorbei", kicherte sie. Ich knurrte und sah aus dem Fenster. „Na toll!", fauchte ich. Meine Augen wurden feucht bei dem Gedanken, dass mein einziger Blutsverwandter auf der Erde sich einen Scheiß um seine Familie scherte.
Ich funkelte die Ärztin böse an. Sie wich einen Meter vom Bett zurück. Ich tat einen Schritt auf sie zu. „Forte, was ist denn los? Warum bist du jetzt sauer auf mich?", fragte sie. „Das wissen Sie doch ganz genau! Der dumme alte Mann setzt falsche Prioritäten!", warf ich ihr trotzig entgegen. „Oh", machte sie und blickte betroffen zu Boden. „Ich wüsste nicht was dich das angeht!", konterte sie Sekunden später. „Er ist mein Vater! Natürlich geht mich das was an, wo der alte Quatschkopf die Lunte reindrückt! Ihr zwei seid in ernsten Schwierigkeiten!" –„Und was willst du tun? Deiner Mutter alles verraten? Sei doch nicht so ein Spielverderber! Bei der nächsten Cocktailparty haue ich ihr die Wahrheit um die Ohren!" –„Vor meinen Augen! Klar? Sonst glaube ich es nicht!" Ich setzte mich ans Fußende des Bettes und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Abgemacht. Wenn sie sich scheiden lassen, nehme ich das auf meine Kappe." Sie streckte mir die rechte Hand entgegen. Ich nahm die Geste an. Pakt besiegelt.
Chrys hatte dem Ganzen nur mit großen Augen zugesehen. Er streckte von dem Abenteuer und den Medikamenten benebelt die Beine aus dem Bett. „Es ist besser, wenn ich jetzt seinen Vater hole", sagte sie wenig beherrscht und verließ das Zimmer.
„Musstest du sie so verärgern? Hoffentlich lässt sie es jetzt nicht an mir aus." Ich seufzte. Er hatte Recht damit. „Entschuldige", murmelte ich, stand auf und nahm ihn in den Arm. Es war am allerwenigsten seine Schuld.
Warum wurden Rivar-Familienangelegenheiten immer so verdammt kompliziert? Nichts war einfach zu lösen. Alles verharrte tagelang unausgesprochen im Raum und wenn es dann ausgesprochen wurde, war zu erwarten, dass die Themen breitgetreten wurden. War nicht meine Art alles hundertmal durchzukauen. Aber die Manieren meines Vaters waren ein Dauerbrenner für mich. Meiko ahnte wohl etwas aber warum sollte sie ihren Geldgeber vor ihrer Mutter verpfeifen?
Diese Heuchelei ließ meine Wut wieder hoch kochen und ich drückte ihn fester an mich als ich eigentlich wollte. „Du … Du kannst mich wieder loslassen. Ich bekomme keine Luft", stammelte Chrys. Ich ließ ihn los. „Das wollte ich nicht. Du hast doch damit nichts zu tun. Hast ja gehört was los ist. Ich halt 's nicht mehr aus." Nun drückte er mich. „Darf ich für dich da sein? Ich meine, du verbringst so viel Zeit bei mir, da möchte ich dir etwas zurückgeben", lächelte er. „Ich möchte noch viel mehr Zeit mit dir verbringen, Chrys. Du würdest mich niemals benutzen, nicht wahr?" –„Warum sollte ich dich benutzen? Ich wüsste nicht wie und möchte es auch gar nicht wissen." –„Du bist so schön unschuldig. Bist nicht so verdorben wie die anderen, die draußen rumlaufen. Wäre mir aber auch egal solange ich nur bei dir sein kann."
Nun weinte ich offen vor ihm wie er mir in die Augen sah. „Ich liebe dich", sagte er mir ins Gesicht. Ich verlagerte mein Gewicht nach vorne und fiel mit ihm auf die Liegefläche, küsste ihn innig mit Zunge. Ihn zu küssen nahm mir eine Menge meiner Wut. Immer und immer wieder kam dieser Wunsch zu mir, dass ich ihn nageln wollte.
Wieder klopfte es an der Tür.
Ich reagierte sofort und zog ihn auf die Füße. „Herein!", hustete er. Ich hielt ihn noch im Arm, als sein Vater den Kopf zur Tür hereinstreckte. Der verwunderte Blick zwang mich dazu Chrys los und auf eigenen Füßen stehen zu lassen. Sein Vater war der Einzige, der noch nichts über diese Beziehung wusste. Tara konnte das Geheimnis wirklich gut für sich behalten. Nicht mal ihrem eigenen Ehemann hatte sie etwas von meiner Liebe zu ihrem Sohn mitgeteilt.
„Doktor Rubinn sagte mir nicht, dass du schon Besuch hast. Soll ich später wiederkommen?" –„Nein, Paps. Bleib hier. Es geht schon in Ordnung", hauchte er und fand meine rechte Hand. Sein Vater taxierte uns und diese eine Bewegung. Er sagte nichts doch nun wusste er Bescheid.
„Es ist also kein Mädchen", stellte er tonlos fest.
Chrys tappte wortlos an mir vorbei und ins Badezimmer. „Lassen Sie Ihre Hände von meinem Sohn!", fauchte sein Vater. Der sonst so ruhige Mann griff mich an. Aber nur verbal. Ich überlegte nicht lange und schnappte zurück. „Glauben Sie nicht, dass es seine Entscheidung ist mit wem er zusammen sein möchte? Bloß weil mein Vater ein Idiot ist und Sie nicht bekommen haben, was Sie wollten, können Sie uns nicht dafür verantwortlich machen! Ich liebe Ihren Sohn! Ich werde ihn nicht verlassen. Bin nicht wie mein Vater." Meine Wut verebbte. Die war für meinen Vater bestimmt gewesen, nicht für seinen. „Entschuldigen Sie, Herr Vaidur. Aber es ist wahr. Ich liebe Ihren Sohn wirklich. Ich spiele Ihnen nichts vor." –„Sie sagen mir ins Gesicht, dass Sie meinen Sohn lieben? Warum tun Sie das?" –„Ich möchte Sie nicht belügen. Sie sind sein Vater." Ciasto setze sich auf den Stuhl, der an der Wand stand und seufzte. „Hat Arcus seine Hände mit im Spiel? Will er mich unter Druck setzen damit ich meine Zustimmung zu dieser teuren Sanierung gebe? Sind Sie deswegen so nett zu Chrys?" Diese Fragen trafen mich hart. „Nein. Nein zu allen Ihren Fragen. Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich Ihren Sohn ehrlich und aufrichtig liebe. Was mein Vater wo mit wem treibt, ist seine Sache, dass ich hier bin, ist meine eigene." Seine Miene hellte sich etwas auf. „Ich glaube Ihnen, Forte. Ihre Augen lügen nicht. Chrys hat sich verändert. Das ist etwas worüber ich die Augen nicht verschließen kann. Erwidert er denn Ihr Gefühl?" –„Ja. Am besten fragen Sie ihn gleich selbst, wenn er aus dem Bad zurückkommt."
Aber eine Weile passierte nichts. Ich hatte Wasser gehört doch er kam nicht aus dem Raum heraus. „Sehen Sie nach, was los ist, Forte. Ich mache mir große Sorgen um ihn." Ich drückte die Klinke herunter und öffnete die unverschlossene Tür so weit, dass ich durch die Öffnung schlüpfen konnte. Chrys stützte sich mit den Händen am Waschbecken ab. Seinem Spiegelbild sah ich an, dass er geweint hatte. „Was ist denn los mit dir?", fragte ich sanft. Er drehte sich zu mir um und schniefte. „Du hast uns drüben gehört, nicht? Wir waren auch nicht gerade leise. Aber es stimmt alles was ich gesagt hab. Komm doch wieder mit rüber. Dein Vater hat eine große Tasche mitgebracht. Krankenhausnachthemd, ade. Weißt schon was ich meine." Unter all den Tränen war auch ein Lächeln für mich. Ich nahm ihn wieder in die Arme. „Jetzt weiß ich, dass du es wirklich ernst meinst", flüsterte er. „Ich habe mich noch nie mit so vielen Leuten gestritten wie heute. Ich werde mich bei Doktor Rubinn entschuldigen müssen. Ist ja nicht ihre Schuld. Du sollst nicht drunter leiden müssen." Ich streichelte seinen Nacken und seinen glatten Hinterkopf. „Nun lass uns aber wieder ins Zimmer gehen, sonst denkt dein Vater noch sonst was von uns." Er wischte sich die letzten Tränen weg und ließ sich von mir zurückbringen. Auf dem Weg zurück ins Bett sah er seinen Vater nicht an.
Nahm er es seinem Vater etwa übel, mich angeschrien zu haben?
Sein Vater sah ihn entgeistert an.
„Es tut mir leid, Junge." –„Spar dir das, Paps. Ich möchte nicht darüber reden. Was hast du mir mitgebracht?" Chrys' Stimme hatte einen schneidenden Unterton angenommen. Ciasto seufze wieder. „Sie haben Recht, Forte. Es ist wirklich Chrys' Entscheidung." –„Herr Vaidur, lassen Sie mich Ihnen die Kosten für die Sanierung abnehmen. Dafür geht mein Sparbuch drauf aber Ihr Sohn ist mir das wert. Es wird Ihrer Frau auch besser gehen, wenn es im Haus nicht mehr zieht." Ich verschränkte die Arme vor der Brust. Das war mein unumstößliches Angebot. Hieß für mich zwar für ein paar Monate die Füße still zu halten aber die Belohnung für ein paar gute Noten fiel sehr hoch aus was mit Chrys' Hilfe kein größeres Problem darstellen sollte.
„Noch etwas. Solange das Gebäude renoviert wird, möchte ich, dass Ihr Sohn zu mir zieht."
Die beiden sahen mich an als hätte ich zwei Köpfe. Ciasto dachte nach, sah Chrys an und dann mich.
„Es ist deine Entscheidung, Chrys. Ich möchte dir nicht im Weg stehen." ~~
