Mit eiligen Schritten stieg sie die steinernen Stufen empor. Sie war leicht außer Atem, doch das hielt sie nicht davon ab, ihr Tempo beizubehalten. Sie durfte keine Zeit mehr verlieren, denn jede Sekunde zählte und durfte unter gar keinen Umständen vergeudet werden. Hastig nahm sie eine Rechtskurve und eilte den langen Gang entlang, der vor zwei großen steinernen Statuen in eine Sackgasse verlief. Leicht schlitternd und laut keuchend, kam Hermione vor diesen Statuen zum Stehen. Verdammt! Daran hatte sie in ihrer Eile natürlich nicht gedacht. Das Passwort, sie wusste es nicht und es gab keinen anderen Weg, um an den Statuen vorbeizukommen. Und einfach wild drauf los raten würde auch nichts bringen. Doch was hatte Harry einst gesagt? Professor Dumbledore wählte seine Passwörter stets nach seiner Lieblingssüßigkeit aus? Nun gut, das würde es wenigstens etwas eingrenzen.

„Ok, einfach drauf los….Pfefferminzbonbons." Nichts tat sich. Es währe auch ein Zufall gewesen. Aber aufgeben wollte sie natürlich auf keinen Fall. „Bananensorbet, geröstete Schokomandeln, ähm…Zitroneneis?"

Die Statuen bewegten sich und Hermione dachte, es hätte funktioniert, doch weit gefehlt. Stattdessen lachten sie sie aus. „Zitroneneis? Meine Liebe, sie kennen Albus Dumbledore wohl nicht besonders gut, sonst würden Sie wissen, dass ihm das niemals ausgefallen genug sein wird."

„Könnt ihr nicht einfach den Weg frei machen? Es ist wirklich dringend! Es…es geht um…Leben und Tot!" Ein Versuch war es wert, doch war natürlich klar, dass die Statuen erneut anfangen würden zu lachen.

„Um Leben und Tot? Du weißt gar nicht wie oft wir das schon zu hören bekommen haben, aber bitte meine Liebe, fahr ruhig fort, vielleicht errätst du das Passwort! Wir haben die ganze Nacht zeit."

Seufzend überlegte die junge Hexe fieberhaft, wie sie nur in das Büro des Schulleiters gelangen könnte. „Lakritzschnecken, Zitronen zisch Bonbons, Berti Bots Bohnen, zischende Zaubertrops…"

„Miss Granger, was machen Sie zu dieser Stunde hier?" Professor McGonagal war aufgetaucht und schaute Hermione fragend an.

„Oh Professor, wie gut dass ich Sie hier antreffe. Ich muss unbedingt zu Professor Dumbledore." Hermione war überglücklich, ihre Hauslehrerin zu sehen.

„Zu Professor Dumbledore? So spät noch? Was gibt es denn, was Sie nicht auch mit mir besprechen könnten?"

„Bitte Professor, es ist äußerst dringend. Ansonsten hätte ich bis Morgen gewartet aber es geht nicht. Sie wissen doch das Passwort. Richtig?"

„Also schön. Wenn es denn so wichtig ist? Aber beim Nächsten Mal sollten Sie vielleicht lieber früher kommen oder mit Albus einen Termin ausmachen. Er wird nicht sehr gerne gestört."

„Natürlich Professor, vielen Dank!"

Professor McGonagal drehte sich zu den kichernden Statuen. „Schokofrösche."

„Korrekt." Erwiderten die Statuen, sprangen zur Seite und gaben die sich drehende Wendeltreppe frei.

Hermione warf einen bösen Blick zu den steinernen Statuen. „Ach. Und das ist natürlich eine gaaanz außergewöhnliche Süßigkeit!" Meinte sie sarkastisch und stieg die Wendeltreppe empor. Sie stand vor der schweren Eichentüre, hinter der sich das Büro des Schulleiters verbarg. Sie wusste, dass es eigentlich schon zu spät für so ein Gespräch war und eigentlich wusste sie auch gar nicht wie sie anfangen sollte, doch es half nichts. Sie musste es tun, ob sie wollte oder nicht. Es war der einzige Weg. Sie holte einmal tief Luft und klopfte dann an die Tür. Von drinnen erklang sogleich ein „Ja" und so öffnete Hermione zaghaft die Tür und trat ein.

„Guten Abend Miss Granger! Ich habe Sie bereits erwartet." Der Schulleiter saß gelassen hinter seinem Schreibtisch und sah sie durch seine Halbmondbrille an.

„Guten Abend Sir…Tut mir leid die späte Störung, ich…"

„Ach, machen Sie sich keinen Kopf Miss Granger, ich wusste, dass Sie früher oder später hier auftauchen würden, wobei ich doch überzeugt davon war, es wäre nicht soo früh…"

„Wie…meinen Sie das Professor?"

Doch Dumbledore deutete ihr nur freundlich, Platz zu nehmen. „Setzten Sie sich doch bitte."

Also trat Hermione näher und ließ sich schlussendlich auf den Sessel gegenüber fallen.

„Nun…Erzählen Sie mir doch mal, warum Sie hier sind." Der Schulleiter lächelte die Schulsprecherin sanft an.

„Ich…also…" Es hatte keinen Sinn, sie musste es einfach tun. Es war das einzig Richtige. „Ich muss das Amt des Schulsprechers ablegen Professor. Und zwar noch heute." Hermiones Stimme wurde immer leiser. „Ich habe lange darüber nachgedacht und es scheint mir richtig."

Dumbledore musterte sie durch seine stählernen blauen Augen. Es war fast unangenehm. „Und nennen Sie mir auch den Grund dafür, dass Sie dieses aufregende sowie auch ehrenvolle Amt niederlegen möchten? Miss Granger?"

„Es…nun…" Hermione atmete tief durch. „Es ist mir nicht möglich, weiterhin mit Draco Malfoy zusammen zu arbeiten. Ich hab es versucht aber…es funktioniert nicht…"

Wieder musterte Professor Dumbledore Hermione eindringlich.

„Sir, natürlich fällt mir es schwer das zu tun, aber ich glaube es ist für beide Parteien am einfachsten…" Gut, sie hatte es gesagt. Natürlich wäre sie gerne weiterhin Schulsprecherin geblieben, aber sie wusste, dass es so besser war, dass sie so etwas aus Malfoys Schusslinie kam und sich etwas weniger Sorgen machen musste.

„Sie haben also Draco Malfoys kleines…nun…Geheimnis herausgefunden nehme ich mal an?" Dumbledores Miene änderte sich kein bisschen. Immer noch lächelte er und sah Hermione an.

„W…was? Wie…ich…" kein gerader Satz wollte aus Hermiones Mund kommen. Konnte es sein? Konnte es wirklich sein, dass Professor Dumbledore darüber informiert wurde? Wusste er wirklich bescheid oder war das nur ein Bluff um sie zum Reden zu bewegen?

„Ich wurde darüber informiert, dass Draco Malfoy in den Sommerferien zu einem Todesser wurde. Ich…" doch weiter kam er nicht, denn Hermiones Hirn hatte sich wieder eingeschalten und sofort unterbrach sie ihn.

„Sie wussten davon und haben ihn trotzdem nicht von der Schule geworfen? Und er ist trotzdem Schulsprecher? Professor, er ist eine Gefahr für alle Schüler und vor allem eine Gefahr für Schüler wie mich…und Harry! Wie…ich meine haben Sie daran gedacht was alles passieren könnte? Er kann uns alle ausspionieren, er kann Sie ausspionieren…ich…"

„Miss Granger! Ich kann ihre Aufgeregtheit voll und ganz nachvollziehen, aber es ist immer noch meine Entscheidung, wie ich solche Dinge Handhabe."

„Ja Sir."

„Nun gut Miss Granger, da ich es sehr schade finden würde, Sie als Schulsprecherin zu verlieren, werde ich Ihnen die wichtigsten Dinge erklären."

Doch Hermione unterbrach ihn wieder. Es war nicht ihre Art, doch konnte sie sich einfach nicht zurückhalten. „Sir, er hat mir gedroht. Ich nehme mal an, dass es da nicht klug währe, weiterhin als Schulsprecherin tätig zu sein und mit ihm in einem Turm zu wohnen. Ich nehme diese Drohung ernst."

„Wie schon gesagt, ich kann verstehen, dass Sie aufgebracht sind, aber nun lassen Sie mich doch ausreden. Ein paar Tage vor Ferienende, wurde ich darüber informiert, dass der Malfoyspross das Aufnahmeritual absolvierte und dadurch zu einem Todesser wurde. Natürlich habe ich mir Gedanken darüber gemacht ob es klug ist, ihn weiterhin Hogwarts besuchen zu lassen, aber Hogwarts ist für alle da. Hogwarts lehrt Alle und Jeden und es liegt nicht an mir zu entscheiden Jemanden aufgrund seiner…nun…Zugehörigkeit von der Schule werfen zu lassen. Natürlich war ich besorgt, bin es auch jetzt noch, aber hier kann ich ihn im Auge behalten und vielleicht rausfinden was er vorhat. Ich bin auch darüber informiert, doch die Einzelheiten fehlen mir. Aber da er weiterhin hier ist, kann ich ihn beobachten und falls notwendig, auch stoppen."

„Aber…Ich verstehe nicht, wieso Sie ihn zum Schulsprecher gewählt haben, trotz des Wissens, dass er jetzt…zu denen gehört!" Hermione versuchte ruhig zu bleiben.

„Das Miss Granger, ist Teil eines…Plans…von mir entwickelt und ich hoffe natürlich, dass dieser aufgeht."

„Ein Plan? Er ist…gefährlich…dunkle Zauber sind nicht zu unterschätzen Sir." Hermione atmete erneut tief durch. „Warum wollen Sie, dass ich nicht zurücktrete? Bin ich auch…Teil…dieses Plans?"

„So…ist es, wenn auch nur nebensächlich."

„Ich verstehe nicht Sir!"

„Draco Malfoy wurde nicht freiwillig zu einem Todesser."

„Wie bitte? Können Sie das mit Sicherheit sagen?" Hermione war fassungslos. Hatte Dumbledore etwa noch immer nicht den Ernst der Lage erkannt?

„Natürlich kann ich mich auch irren, aber mein Informant ist höchst zuverlässig. Miss Granger, stellen Sie sich doch mal vor, Sie wären in dieser Familie aufgewachsen, voll von dunkler Magie, Boshaftigkeit, Verehrer von Voldemord…ist es da nicht geradezu naheliegend, dass auch der Sohn irgendwann so denkt…dass er selbst vielleicht gar nicht so denken würde, währe er wo anders aufgewachsen?"

„Harry ist auch nicht böse, obwohl er bei seinen grauenhaften Verwandten aufgewachsen ist." Hermione schüttelte den Kopf. Das durfte ja nicht wahr sein.

Dumbledore ignorierte diesen Kommentar und fuhr fort. „Jedenfalls hielt ich es für das Beste, Mister Malfoy von seinem Haus etwas zu isolieren und die einzige Möglichkeit war, ihn zum Schulsprecher zu machen…und natürlich hat er auch die dafür notwendigen Zensuren und die Kompetenz sich durchzusetzen."

„Und was hab ich nun damit zu tun, Sir?"

„Auch Sie haben erstklassige Noten und die Kompetenz Schulsprecherin zu sein. Und mein Gedanke war es, dass wenn Draco Malfoy gezwungen ist, mit Ihnen zusammen zu arbeiten, dass er vielleicht beginnt sein Leben, seine Einstellung zu hinterfragen. Ich dachte mir, dass Sie, mit Ihrer Lebensfreude, Ihrem Mut und Ihrem Herzen vielleicht einen positiven Einfluss haben."

„Sie wollen, dass er alles überdenkt und dann…die Seiten wechselt?"

„Noch ist es nicht zu spät. Und wenn es stimmt, dass er es nicht freiwillig getan hat…"

„…darüber lässt sich streiten Professor."

„…dann haben wir vielleicht eine Chance." Dumbledore nahm seine Brille ab und legte sie vor sich auf den Tisch.

Hermione fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. Das war ja wohl ein schlechter Scherz. Ein Traum. „Und…was muss…ich tun?"

Dumbledore lächelte erneut. „Nichts weiter, als Schulsprecherin zu bleiben. Und was die Drohung anbelangt, was sagte er zu Ihnen?"

„Dass…ich es auf keinen Fall jemanden erzählen soll, und dass ich es wenn doch…bitter bereuen werde…"

„Gut Miss Granger, ich werde mit ihm darüber red…"

„NEIN Professor! Ich…es…das war doch nur eine leere Drohung und…ich möchte nicht dass er weiß, dass ich bei Ihnen war."

„Nun gut. Ich kann Sie natürlich nicht zwingen Schulsprecherin zu bleiben, aber…"

„Ich mach's Professor. Aber… Sie dürfen nicht erwarten, dass wir…beste Freunde oder sowas werden…"

„Das verlange ich auch gar nicht. Nun gut, wenn weiter nichts ist, dann dürfen Sie gehen."

Hermione nickte und stand auf um zurück in ihren Turm zu gehen.

„Und Miss Granger, kein Wort, zu Niemanden."

„Ja Sir."

HPHPHPHPHPHPHPHP

„Du wolltest mich sprechen?" Draco klang gelangweilt. Aber auch eine gewisse Aggressivität schwang in seiner Stimme mit. Er konnte es einfach nicht leiden, von seinem Hauslehrer in dessen Büro zitiert zu werden. Vor allem, wenn es schon so spät war. Denn das konnte nichts gutes heißen. Entweder er hatte Mist gebaut…wie auch immer er das hätte anstellen sollen, oder…der dunkle Lord hatte einen erneuten Auftrag für ihn und hielt ihn nicht für würdig, diesen Auftrag von ihm persönlich erteilt zu bekommen.

„Schließ die Tür und setz dich." Snape stand mit dem Rücken zu ihm und begutachtete dabei zwei komische Tränke. Beide sahen aus wie Wasser. Aber Draco wusste, würde man beide erneut aufkochen, könnte man einen Unterschied in der Dampfentwicklung feststellen. Draco tat wie ihm geheißen und setzte sich vor den Schreibtisch seines Lehrers.

„Ich hoffe es ist wichtig, denn normalerweise verlasse ich um diese Uhrzeit meinen Turm nicht mehr." Ja, immer schön arrogant und gefasst wirken, dachte sich Draco. Das war das wichtigste.

„In der Tat ist es wichtig. Du glaubst doch wohl nicht, ich würde dich auf einen Kaffeeplausch zu mir einladen. Das kannst du mit deiner Mutter machen. Für mich ist das nichts." Snape drehte sich um und musterte seinen Patensohn. „Mir ist da etwas zu Ohren gekommen."

„Ach und was soll das sein? ...Professor!"

„Spotte nicht! Was fällt dir überhaut ein? Etwas mehr als eine Woche bist du nun hier! EINE WOCHE!" Snapes stimme wurde lauter und zorniger. „Und du schaffst es nicht einmal EINE WOCHE es geheim zu halten. Sag mal hast du den Verstand verloren? Du weißt ja gar nicht in welchen Schlamassel du uns beide gerade beförderst! Du kannst nur beten, dass ER es nicht erfahren wird und glaub mir, er erfährt ALLES!" Snapes Nasenflügel waren aufgebläht vor Zorn.

„Ahhh darum geht es. Granger. Aber glaub mir, das habe ich geregelt. Sie wird keinen Laut von sich geben das schwör ich dir." Draco grinste selbstgefällig. Er wusste wie man Leute einschüchterte. Geschäftsmännern drohte man mit dem Ruin, Familienväter die ein wenig Herz hatten mit der Auslöschung seiner Familie, manchen Menschen musste man einfach nur mit Folter drohen und Granger gehört zu den Menschen, denen man mit dem Tod drohte um sie zum Schweigen zu bringen.

„Ach? Das glaubst du also? Miss Granger ist geradewegs zum Schulleiter spaziert und wollte das Amt des Schulsprechers aufgeben. Deine Drohung hat ja ganz hervorragend funktioniert. Du kannst wirklich von Glück reden, dass Dumbledore eingeweiht ist, sonst wäre das nun dein Ende!"

„Sie…Sie hat WAS? Dieses Miststück…ich werd…"

Doch Severus Snape unterbrach Dracos Schimpftriade. Er raste auf ihn zu, stützte sich mit beiden Händen an den Armlehnen des Sessels ab und funkelte seinen Schüler an. „Du wirst gar nichts unternehmen. Hast du mich verstanden. Damit du nicht noch mehr Mist baust. Du solltest einzig und allein nur noch an deine Aufgabe denken und das was passiert ist jetzt sofort in deinem Kopf verschließen. Hast du verstanden? Miss Granger hatte nicht vor, dich zu verraten. Das hätte sie sich nicht getraut. Sie wollte einzig und allein zurücktreten. Aber wie das Schicksal es nun mal so wollte, konnte Professor Dumbledore sie davon überzeugen, es noch einmal zu versuchen. So…und jetzt verschließt du deinen Geist, drängst alles zurück in den Hintergrund und lässt es nicht hervorkommen. Der dunkle Lord erwartet uns. Du kannst von Glück reden, dass er es nicht weiß. Noch nicht." Damit huschte er zum Kamin und nahm die Schale Flohpulver.

Draco atmete tief durch. Darauf war er nun wirklich nicht vorbereitet. Er dachte seine Schonfrist würde bis Halloween andauern. Aber wie es aussah, war sie jetzt zu Ende. Langsam stand er auf und trat neben seinem Hauslehrer ans Feuer. „Wieso…ruft er uns nicht auf…normalem Weg?"

„Tja, ich nehme mal an, du musst noch sein Vertrauen gewinnen." Severus Snape warf eine Hand voll Flohpulver ins Feuer, welches sich sogleich grün verfärbte. „Deine Mutter erwartet dich. Sie wir dir die Todesserroben und alles weitere zukommen lassen. Und wier beide sehen uns bei der Versammlung. Denk immer daran was die beigebracht wurde. Wenn du Glück hast und das solltest du hoffen, wird das heute glimpflich für dich ausgehen. Also los."

Damit stieg Draco in den Kamin und flohte geradewegs ins Malfoy Manor. Wenn auch mit einem flauen Gefühl in der Magengegend.

HPHPHPHPHPHPHPHP

Hermione streckte sich ausgiebig in ihrem Bett. Die Sonne hatte sie geweckt, welche mit sanften Strahlen ihr Gesicht kitzelten. Es war erst kurz vor halb sieben, also hatte sie noch etwas Zeit. Am liebsten würde sie sich umdrehen und einfach weiterschlafen, denn sie konnte diese Nacht kaum ein Auge zumachen.

Als sie gestern Abend zurück in den Turm kam, war Malfoy glücklicherweise nicht hier. Also konnte sie in Ruhe ihre Hausaufgaben fertigstellen und auch noch die Aufsätze ihrer besten Freunde korrigieren. Aber auch als es schon fast halb ein Uhr morgens war, war ihr Erzfeind immer noch nicht aufgetaucht. Aber es kümmerte sie nicht. Sie war froh darüber. Aber trotzdem hatte sie Schwierigkeiten, einzuschlafen. Ihr Kopf konnte einfach keine Ruhe geben und grübelte die halbe Nacht lang. War es richtig gewesen zu Professor Dumbledore zu gehen? Was wenn Malfoy es herausfinden würde? Und wäre es vielleicht nicht doch klüger, nicht auf Dumbledores Plan einzugehen? Sie wusste weder, wie dieser besagte Plan wirklich aussah, noch ob er überhaupt funktionieren würde. Seufzend kletterte die Hexe aus ihrem Bett und suchte sich ihre Roben aus dem Schrank. Bestimmt würde sie eine der Ersten in der großen Halle sein. Aber das störte sie nicht. Dann war es wenigstens nicht so laut und sie konnte ihr Buch weiterlesen.

Als sie sich zurechtgemacht hatte, stieg sie die Stufen in den Gemeinschaftsraum hinunter um ihre Tasche zu packen. Die Hauselfen hatten bereits das Feuer im Kamin neu entfacht um einen Abfall der Temperatur zu verhindern. Es war zwar noch September und recht warm, aber die Steinmauern des Schlosses waren einfach zu dick, um diese angenehme Wärme ins Schloss zu lassen.

Schnell suchte Hermione ihre Bücher, Aufsätze, Federn und Pergamentblätter zusammen um sie in ihre Tasche zu stopfen. Sie starb fast vor Hunger, denn lernen machte für gewöhnlich hungrig. Sie wollte gerade den Turm verlassen, als das Portrait zur Seite schwang und Hermione fast mit Malfoy zusammenstieß. Sie ließ einen erstickten Schrei los, da sie sich doch sehr erschrocken hatte.

„Zieh doch nicht so ein Gesicht Granger. Ich werd' dich schon nicht hier und jetzt, auf der Stelle kalt machen. Das würde ja auf mich zurückfallen…und der schöne Teppich…" Malfoy schüttelte theatralisch den Kopf.

Hermione konnte sich nicht entscheiden. Wollte sie so schnell wie möglich in die große Halle flüchten oder Malfoy auf der Stelle eine Ohrfeige verpassen? Nein, geschlagen hatte sie ihn schon einmal und es war wirklich eine Genugtuung, aber es würde nicht noch einmal den gleichen Effekt erzielen, wie beim Ersten Mal. Und wegzulaufen würde ihm doch nur gefallen und ihm bestätigen, dass sie Angst vor ihm hatte. „Du hast doch gar nicht den Mumm für so etwas. Und außerdem bin ich mit meinem Zauberstab tausendmal schneller dich in ein Frettchen zu verwandeln, als dass du deinen überhaupt ziehen könntest. Wenn du mich nun entschuldigst, ich habe Hunger." Sie wollte an ihm vorbei und durch das Portraitloch klettern, doch Malfoy blieb wo er war. Ihr entging nicht, dass er so aussah, als hätte er überhaupt nicht geschlafen und er trug noch immer dieselben Roben wie am Vortag. „Na? Wohl kein Auge zu getan? Vor Angst ich könnte dein…kleines Geheimnis ausplaudern? Bestimmt bist du unendlich stolz darauf, dass du aufgenommen wurdest. Nicht wahr?" Wow. Sie hätte sich nie im Leben zugetraut, so mit Draco Malfoy zu sprechen.

„Das würdest du nicht wagen. Du hast doch viel zu große Angst." Er trat ein paar Schritte auf sie zu, doch Hermione weigerte sich auch nur einen Zentimeter von ihrem Platz zu weichen. Sie wollte standhaft bleiben und sich nicht mehr von ihm einschüchtern lassen. Und so berührten sich nun fast ihre Nasenspitzen. „Rede nicht über Dinge, von denen du keine Ahnung hast. Es tut dir nicht gut Granger."

Hermione schluckte. Dass er ihr ein zweites Mal in nicht einmal 24 Stunden so nahe kam, war ihr unheimlich. Auch wenn sie es nach Außen hin nicht zeigen wollte, ihr Herz raste wie verrückt und sie musste ein Zittern ihrer Hände verhindern. Wieder einmal, hatte Malfoy ihr den Fluchtweg nach draußen versperrt.

„Merke ich da etwa…einen erhöhten…Puls? ...Schon seltsam, dass das immer dann auftritt…wenn ich in der Nähe bin…nicht? Hast du angst?" Malfoys Lippen waren immer weiter an ihr Ohr gewandert.

Hermione hatte nicht einmal bemerkt, dass sie sich schlussendlich doch bewegt hatte und nun wieder von Malfoy und der kühlen Steinmauer gefangen genommen wurde.

„Nein…Angst ist es wohl doch nicht. Es geht doch das Gerücht herum, ihr Löwen seit mutig…Aber was ist es dann, das dein Blut…so in Wallungen bringt?" Malfoy grinste teuflisch, doch das konnte die Hexe nicht sehen.

„Lass…mich…" Sie konnte den Satz nicht beenden. Sie spürte ihren heftigen Herzschlag, das Rauschen ihres Blutes, wie es heftig durch ihren Körper gepumpt wurde, das kribbeln in ihren Gliedern und…"

Malfoy lachte. „Ich würde ja meinen…unserer kleiner Bücherwurm…ist völlig erregt. Dir ist wohl noch nie ein männlicher Körper…so nah…" und er presste sich an sie, dabei genau achtend, dass sein Oberschenkel ihre Mitte traf, „…gewesen. Richtig?"

Hermione wollte fliehen, wollte weg, aber sie bewegte sich nicht. Sie blieb einfach stehen und keuchte. Aus Angst? Sie wusste es nicht. Ihr Gehirn erlaubte ihr es nicht, zu denken.

Doch Malfoy war mit seinem Spielchen noch nicht fertig. „Und ich weiß auch ganz genau…was du gerade denkst, was…du willst…du dich aber nicht traust, danach…zu betteln."

Kalte Schauer jagten jedes Mal Hermiones Rücken hinab, wenn Malfoys Atem ihr Ohr kitzelte. Sie war wie gelähmt.

„…Am liebsten würdest du mir…die Kleider vom Leib reißen..." Wieder drückte er sich an ihren Körper, was die hexe erneut aufkeuchen ließ. „…um deinem Verlangen nachzugeben…Am liebsten würdest du deinen Rock lüften, damit ich dich hier und jetzt, auf der Stelle nehmen kann…um dich zum Schreien zu bringen…um dich von deinem Leid zu befreien, denn…"

„Hör auf!" Hermione hatte ihre Hände auf seine Brust gelegt und versuchte ihn von sich zu stoßen, jedoch mit wenig Erfolg.

Doch Malfoy ließ sich nicht irritieren. „Ich weiß ganz genau, dass Jemand wie du, sich in Bücher vergräbt, um dem…brennenden Verlangen…nicht nachkommen zu müssen…denn das tut eine anständige Frau doch nicht…sich selbst…berühren…Ja…bestimmt ist dein Höschen schon ganz feucht. Hab ich recht?" wieder lachte Malfoy auf, doch diesmal drehte er sich weg und ließ Hermione einfach stehen um in seinem Schlafsaal zu verschwinden.

Sie konnte es nicht glauben. Was war soeben passiert? Er war widerlich, ohne jeglichen Anstand. Immer noch stand sie stocksteif da und versuchte zu erfassen, was eigentlich vor sich ging. Malfoy war ein widerlicher kleiner Bastard…aber…wieso kribbelten ihre Glieder immer noch? Warum klopfte ihr Herz immer noch so schnell? Er war doch bereits weg. Alles war gut. Er hatte ihr nur angst eingejagt.

Doch eines konnte sie nicht verleugnen, nämlich dass ihr Höschen wirklich nass war.

HPHPHPHPHPHPHPHP