10. Kapitel: Der mysteriöse Löwe


Für vier Schüler in Hogwarts wurde das Aufstehen wirklich hart. Mehr als hart: es war fast unmöglich.

Alec hatte schwere Geschütze auffahren müssen, um die Rumtreiber wachzubekommen. Er hatte seinen magischen Wecker klingeln lassen. Und dazu hatte er den schlimmsten Ton ausgewählt: Den Hahn!

Er hatte dennoch den Wecker auf volle Lautstärke stellen müssen und ihn vor jeden einzelnen der Rumtreiber halten müssen, um zumindest ein Grummeln zu erhalten. Nach vier Mal Krähen standen die drei Rumtreiber widerwillig auf.

Als Nicolas und Alec den Schlafsaal erst einmal verlassen hatten, verschwand Peter schneller als die anderen beiden im Badezimmer.

„Ich kann es nicht glauben, Sirius! Peter ist schneller als wir aufgestanden! Wart mal, das ist doch gar nicht möglich! Wir müssen wirklich furchtbar müde sein!"

„Stimmt absolut. Und deswegen schlaf ich jetzt noch ein paar Minuten weiter…"

„Sirius, es steht gar nicht zur Debatte, dass du weiterschläfst, wenn ich wach bin!"

„Wenigstens darf Remus den ganzen Tag im Krankenflügel bleiben. Warum wir nicht!"

„Denk mal fest nach", meinte James und warf ihm sein Kopfkissen an den Kopf. „Wir dürften uns eigentlich gar nicht die ganze Nacht außerhalb des Schlafsaals aufhalten!"

„Ja…"

„Sag mal, Sirius, was hältst du eigentlich von dem Löwen?"

„Er ist unser Emblem und repräsentiert Gryffindor, warum?"

„Nicht unser Hauszeichen… Der Löwe von gestern Nacht, im Verbotenen Wald, erinnerst du dich?" erwiderte James.

„Ach der!"

„Ja, genau der!"

„Warum sagst du das nicht gleich… Kann ich mich dazu äußern, nachdem ich noch ein kleines Nickerchen gehalten hab?"

„Nein, Sirius! Steh schon auf!"

„Nein. Ich will schlafen!"

„Na, wie du willst… Oh, hallo Anne, wie geht's dir so?"

Bei diesen Worten sprang Sirius aus dem Bett, kämmte seine Haare schnell mit der Hand durch und setzte ein breites Lächeln auf. Bis er verstand, dass keine Anne in ihrem Zimmer war.

James lachte sich derweil kaputt. Sirius war so einfach hereinzulegen! Doch dieser schien den Scherz ganz und gar nicht gut zu finden.

„Potter… Black, ihr seid immer noch nicht fertig? Der Unterricht beginnt in zehn Minuten. Ihr solltet euch besser ein wenig beeilen."

„Evans! Was machst du in unserem Schlafsaal!"

„Ich habe euch nicht beim Frühstück gesehen und da ich keine Punkte verlieren will, bin ich euch wecken gekommen. Also beeilt euch und steht hier nicht so tatenlos rum!"

„Also verlässt du sofort unseren Schlafsaal, das hier ist schließlich ein Jungenschlafsaal!" meinte Sirius gespielt empört.

„Du machst wohl Witze, Black, was?" sagte Lily, ehe sie in Lachen ausbrach und den Schlafsaal verließ.

„Ich glaube, sie macht sich über uns lustig James, was meinst du? – James? Hallo! Padfoot an Prongs! Ich wiederhole: Padfoot an Prongs…"

„Padfoot…" James schien Sirius gar nicht richtig gehört zu haben und starrte immer noch die Türe an, durch die Lily gerade verschwunden war.

„Ja. Hat Evans dich in diesen Zustand versetzt?"

„Evans?" James' Augen leuchteten auf, doch er schien noch immer in Tagträumereien versunken.

„Okay, jetzt mach ich mir aber langsam Sorgen um dich, mein Freund. Ich sehe mich gezwungen, einen Eimer mit kaltem Wasser zu holen, um dich in die Wirklichkeit zurückzuholen."

„Kalt?"

„Na schön, alter Bruder, aber du sollst wissen, dass ich das nur für dich tue. Also keine Racheaktionen, okay?" meinte Sirius und zauberte einen Wassereimer herbei.

„Rache… Ahhhhhhh! Ist mit dir noch alles in Ordnung! Das Wasser war kalt!"

„Ohne Witz: Das war das einzige Mittel, dich in die Realität zurückzuholen. Und was hätte ich nur ohne dich getan, hm?"

„Hör auf, Unsinn zu erzählen."

„Also, hat Evans dich in diesen Zustand versetzt?"

„Was macht Peter nur so lange da drin! Wir haben nur noch zehn Minuten…"

„Aha. Wenn du nicht drüber reden willst, kein Problem."

In dem Moment kam Peter aus dem Badezimmer und James war schneller als Sirius im Badezimmer.

„Worüber habt ihr geredet?" fragte Peter unbefangen.

„Über den Löwen. Was hältst du von ihm?"

„Er ist mir richtig bösartig vorgekommen…"

„Peter… das war ein Löwe und kein Plüschtier. Das ist ganz normal, dass er dir bösartig vorgekommen ist."

„Ja, aber… glaubst du, dass ein Löwe in einem Wald leben kann?"

„Na ja, wenn er da war, dann muss er wohl auch dort leben", meinte Sirius, bis ihm ein kleines Licht aufging. „Und wenn es ein Animagus war? Daran hab ich noch gar nicht gedacht. Wir sollten darüber mit James und Remus reden."

„Über was solltet ihr mit Remus und mir reden?" James kam gerade aus dem Badezimmer.

„Gleich. Jetzt gehe ich erst mal duschen", meinte Sirius.

Bei den Slytherins fiel Harry das Aufwachen mindestens genauso schwer.

„Praott, ich versuche dich jetzt schon zum siebten Mal aus dem Bett zu bekommen. Wenn du deinen Arsch nicht sofort aus dem Bett bewegst, dann verspreche ich dir, dass ich dir einen Zaubertrank einflößen werde, der so widerlich ist, dass…"

„Ist ja schon gut, Severus. Hör mit deinen Drohungen auf, die bringen ohnehin nichts. Lass mich nur noch fünf Minuten schlafen!"

„Das steht überhaupt nicht zur Debatte. Du wirst jetzt mit mir zum Frühstück gehen und zwar etwas hurtig. Es sei denn, du willst, dass ich Bellatrix hole, damit sie dich vielleicht mit einem kleinen Kuss wecken kann…"

Harry sprang auf und schloss sich im Badezimmer ein. Er nahm eine heiße Dusche und als er das Badezimmer wieder verließ, sah er sich einem lächelnden Severus gegenüber – daran musste er sich wohl gewöhnen –, der in einer Hand eine Phiole mit einer türkisen Flüssigkeit hielt.

„Was ist das?"

„Ein Energietrank. Der wird dich ausgeschlafen durch den Tag bringen. Du solltest heute Nacht jedoch gut durchschlafen."

Harry war skeptisch… sollte er diesen Trank annehmen? Er zögerte jedoch nicht allzu lange und nahm die Phiole, die er mit einem Zug leerte.

Der Effekt trat fast augenblicklich ein. Er fühlte sich auf einmal sehr ausgeschlafen und bereit, frühstücken zu gehen.

Doch kaum war er im Gemeinschaftsraum angekommen, wurde er von einer Menge empfangen, die ihn mit sich nahmen.

„Wow, bravo Praott. Ich dachte, dass du auf ihrer Seite wärst. Aber ich sehe, dass dem nicht so ist. Also, welchen Streich spielst du ihnen das nächste Mal?" rief Lestrange.

„Noch keine Idee", erwiderte Herry, wobei er sich von Lestrange loseiste, nur um in Bellatrix' Arme zu fallen.

„Bravo, mein kleiner Herry", sagte diese mit einer furchtbaren Babystimme.

„Lass ihn ein wenig in Ruhe", meinte Lucius, womit er ihn an der Schulter packte, um ihn in die Große Halle zu führen.

„Also bin ich nicht mehr der schlechte Slytherin?"

„Wer hat dir denn solche Flausen in den Kopf gesetzt? Ehrlich mal, es gibt kaum jemanden der so durch und durch Slytherin ist, wie du."

Harry nahm das als Beleidigung. Er, der er doch ein wahrer Gryffindor war, er sollte durch und durch Slytherin sein!

„Danke", sagte er dennoch mit einem gezwungenen Lächeln.

„Gut. Jetzt, wo die Gryffindors nicht mehr so aufmüpfig sind, wäre es an der Zeit, uns ein wenig mit den Schlammblütern zu amüsieren, meinst du nicht?"

„Warum sollten wir die Schwachen angreifen, wenn wir uns mit den drei respektiertesten Gryffindors amüsieren können? Sonst wäre es doch gar nicht wirklich lustig."

„Wenn du meinst… Die drei hätten auf jeden Fall eine Abreibung verdient."

Harry fühlte sich erleichtert. Die Rumtreiber konnten sich wenigstens verteidigen. Er wollte nicht, dass die Slytherins seine Mutter angriffen oder deren Freundinnen, die er sehr nett fand.

Als sie in der Großen Halle ankamen, stellte er fest, dass die Rumtreiber nicht da waren. Keiner von ihnen. Harry musste leicht grinsen. Sie schliefen sicherlich alle noch!

Er frühstückte zusammen mit Severus und stellte fest, dass Sophie ziemlich weit von ihm wegsaß. Er musste nach dem Essen mit ihr reden. Wenn er schon einmal eine Slytherin nett fand, musste er das auch ausnutzen. Außerdem verstand er sich wirklich gut mit ihr.

Er beendete das Frühstück sehr schnell, doch diesmal wartete er auf Severus.

„Also, was haben wir heute Morgen?"

„Eine Stunde Astronomie, aber nur wir Slytherins. Dann zwei Stunden Zaubertränke. Am Nachmittag haben wir zwei Stunden Pflege magischer Geschöpfe und zwei Stunden Verteidigung gegen die dunklen Künste."

„Oh, nein, schon wieder! Dieses Fach haben wir ja die ganze Zeit! Und der Professor regt mich wirklich auf. Man könnte meinen, er macht das absichtlich!"

„Man könnte eher meinen, dass du versuchst, ihn aufzuregen."

Harry sagte nichts mehr.

Der Astronomieprofessor war ein junger Mann, der recht lebensfroh schien. Er war dieses Jahr neu an die Schule gekommen und hieß Professor Tress. Er schien von seinem Fach fasziniert und unterbreitete ihnen das Programm für das Schuljahr. Harry hörte nur mit halbem Ohr zu.

„…Und zum Abschluss werden wir uns dem Hundstern zuwenden, ein einzigartiges Sternbild, das sich auch Sirius nennt."

Harry widmete sich wieder dem Professor. Er konnte höchstens zwanzig Jahre sein und er schien sehr energiegeladen. Er war eher groß und schlank mit langen dunklen Haaren, als hätte er sich die Haare seit Jahren nicht mehr geschnitten.

Doch der Unterricht wurde von Professor Bears unterbrochen.

„Entschuldigen Sie, Professor, aber ich würde gerne einen Ihrer Schüler für einen Moment ausborgen, wäre das möglich?"

„Ähm… ja. Natürlich muss dieser Schüler den Stoff nachholen, den ich gerade unterrichte. Wen brauchen Sie?"

„Mr Praott."

Harry hatte damit ganz und gar nicht gerechnet, doch um dem Astronomieunterricht zu entkommen war er zu allem bereit.

Er erhob sich und ging mit dem Lehrer für Pflege magischer Geschöpfe davon.

„Was wollen Sie von mir, Professor?"

„Ich werde es Ihnen sagen, sobald wir draußen sind. Ich habe ein paar Probleme und Hagrid ist nicht da, um mir zu helfen."

Als sie erst einmal draußen waren, sah Harry die Klasse, die Professor Bears wohl gerade unterrichtete. Es waren Viertklässler und nach den Farben zu urteilen waren es Ravenclaws und Gryffindors.

„Nun, heute werden wir die Einhörner durchnehmen. Sie wissen alle sicherlich, was ein Einhorn ist?" fragte der Professor, wobei er sich an die Klasse wandte. „Mr Praott und ich werden eine Stute und ein Fohlen holen gehen. Während meiner Abwesenheit wünsche ich, dass Sie sich ruhig verhalten. Außerdem wird niemand von Ihnen versuchen, das Einhorn zu berühren, wenn wir es erst einmal hier haben. Es sind sehr scheue Tiere und wenn sie sich bedroht fühlen, dann flüchten sie. Haben Sie mich alle verstanden?" fuhr der Lehrer mit einer gewissen Autorität in der Stimme fort. „Gut. Mr Praott, gehen wir?"

„Ich folge Ihnen, Professor."

Nun wusste Harry also, dass es dem Professor nicht gelungen war, sich der Herde zu nähern. Der Leithengst hatte ihn sicherlich nicht herangelassen.

Sobald sie die Lichtung erreicht hatten, blieb Bears etwas zurück und Harry näherte sich der Herde langsam.

Der Leithengst kam auf Harry, ganz im Vergleich zum Professor, freudig zugaloppiert. Er hielt erst an, als er Harry erreicht hatte und dieser konnte ihn sanft streicheln.

„Hallo mein Großer… wie geht's dir heute Morgen?" sagte Harry, der seine Maske fallen ließ und ihn anlächelte.

Der Hengst sah ihn an und in seinen Augen blitzte etwas auf. Harry war sich sicher, dass der Hengst ihn verstand. Ihm gegenüber konnte er einfach nur er selbst sein.

„Du willst also den Professor nicht vorbeilassen? Weißt du, er scheint doch wirklich sehr nett, auch wenn ich ihn erst seit gestern kenne. Glaubst du, dass er einen deiner Stute etwas tun würde? Ich glaube es ehrlich gesagt nicht… Aber ich vertraue da ganz deinem Urteil. Ich schlage dir was vor: Wenn du während des Unterrichts bei dem Professor bleibst, wäre es dann in Ordnung, wenn er eine Stute und ihr Fohlen der Klasse zeigen würde?"

Der Hengst sah Harry lange an.

Ehrlich Harry, glaubst du wirklich, dass die Einhörner unsere Sprache verstehen? Glaubst du wirklich, dass dieses Einhorn verstanden hat, was du ihm eben erklärt hast!"

Doch zu Harrys großem Erstaunen nickte das Einhorn ganz leicht mit dem Kopf zum Zeichen, dass es mit Harrys Vorschlag einverstanden war. Er wieherte und eine Stute kam mit ihrem Fohlen auf sie zu. Harry ging zum Professor zurück, gefolgt von den drei Einhörnern.

„Hier sind sie, Professor. Sie dürfen diese beiden Einhörner der Klasse zeigen, wenn der Hengst Sie begleiten darf. Sind Sie einverstanden?"

„Natürlich. Sie… Sie haben mit ihm gesprochen und er hat Sie verstanden?"

„Ich glaube schon. Aber ich bin mir nicht ganz sicher."

Als sie den Wald verließen stießen die Schüler bewundernde Laute aus und Harry konnte in seinen Astronomieunterricht zurückgehen.

Er war wegen zwei Dingen zufrieden. Erstens hatte er eine gewisse Freundschaft zu dem Hengst aufgebaut und zweitens hatte er nun nur noch zehn Minuten Unterricht vor sich.

Als er das Klassenzimmer erreichte, setzte er sich und wartete die zehn Minuten geduldig ab.

Zaubertränke wurde dagegen schon angenehmer, selbst wenn Rigante und Snape jede seiner Bewegungen aufmerksam verfolgten. Zum ersten Mal in seinem Leben war der Trank perfekt. Heute hatten sie einen Trank gegen Kopfschmerzen durchgenommen.

Doch der lustigste Moment war der, als Pettigrew auf seinen Zutaten einschlief, was zum Überkochen seines Kessels führte. Oder als Sirius seinen Kessel umstieß, ohne es zu wollen. Nur James hatte nichts Lustiges oder Dummes getan, doch sein Trank hatte nicht die richtige Konzentration.

Harry dankte in dem Moment Severus' Wundertrank, der ihn wach hielt. Er musste unbedingt herausfinden, um welchen Zaubertrank es sich dabei genau handelte. Er würde ihn dieses Jahr sicherlich noch des Öfteren gut gebrauchen können.

Beim Essen setzte sich Harry neben Sophie, die ihn mit ihrem dunkelsten Blick durchbohrte.

„Was hab ich denn getan?"

„Nichts", antwortete sie trocken.

„Das scheint mir aber nicht so. Du bist sauer auf mich, aber ich weiß wirklich nicht, warum."

„Oh! Komm schon, denk ein wenig nach, Herry! So kompliziert ist das nun auch wieder nicht!"

„Ich schwöre dir, ich weiß nicht, wovon du redest."

„Ich rede davon, dass du mit mir spielst und ich hasse es, manipuliert zu werden, Herry. Mein ganzes Leben lang bin ich immer nur manipuliert worden. Ich hatte… ich hatte geglaubt, einen Freund in dir gefunden zu haben, aber du bist wie alle anderen. Du wolltest dich nur mit mir amüsieren."

„Aber nein! Hör auf, solche Dummheiten zu erzählen!"

„Warum denn dann?"

„Warum was?"

„Ach, vergiss es." Sophie sprach das ganze Mittagessen kein Wort mehr und Harry verbrachte die Zeit damit, über ihre Worte nachzudenken. Was hatte er getan, um sie derart zu verärgern? Mit den Mädchen war es doch immer dasselbe. Immer war es so kompliziert. Am einen Tag waren sie noch seine besten Freunde und am nächsten Tag – nichts mehr!

Das Mittagessen gab den drei Rumtreibern ein paar Kräfte wieder, aber sie waren immer noch todmüde.

„Also, wir müssen etwas über diesen mysteriösen Löwen herausfinden, oder?"

„Da bin ich ganz deiner Meinung, James. Entweder es ist ein Tier des Waldes, was durchaus möglich wäre, auch wenn wir ihn vorher noch nie gesehen haben. Oder es ist vielmehr ein Animagus und somit ein Schüler, oder schlimmer noch, ein Professor."

„Du hast Recht, Sirius. Aber wenn es ein Animagus ist, kann es sich nur um einen Gryffindor handeln."

„Warum?" mischte sich Peter mit ein.

„Na ja, ein Löwe wie dieser kann eben nur ein Gryffindor sein. Er ist schließlich unser Emblem."

„Oh… stell dir vor, James, das wäre Godric Gryffindor selbst, der von dem Reich der Toten zurückgekehrt ist, um uns nach Hogsmeade zu begleiten!"

„Sirius, sag mal, wann willst du eigentlich damit aufhören, nur Stuss zu erzählen?"

„Hm… ich schätze mal, erst wenn ich tot bin."

„Und wenn ich zufälligerweise… sagen wir mal ein Messer bei mir hätte und dieses Messer sich unglücklicherweise in dein Herz bohren würde. Wäre das schlimm?"

„Ehrlich mal, James. Ohne mich wäre es in Hogwarts doch nicht halb so lustig…"

„Da hast du Recht. Und du bist ja nicht umsonst mein Bruder."

„Was meint ihr, sollen wir Remus besuchen gehen?" beendete Peter das unsinnige Gespräch seiner Freunde.

„Exzellente Idee, Peter…"

Die drei Jungen gingen also zum Krankenflügel, doch Madam Pomfrey ließ sie nicht zu Remus durch. Mr Lupin brauche Ruhe und außerdem war er angeblich auch gar nicht da.

Madam Pomfrey wusste schon lange, dass die drei Jungen Remus' Geheimnis kannten, aber sie tat immer noch so, als ob dies nicht der Fall wäre, was den drei Gryffindors ziemlich auf die Nerven ging.

Harry verkroch sich unterdessen in der Bibliothek hinter seinen Büchern. Das war zu einer Art Hobby für ihn geworden und wenn Hermine das wüsste, wäre sie sicherlich überaus stolz auf ihn. Harry interessierte sich für das höchste Niveau der weißen Magie. Er war fest entschlossen, mit Hilfe der Bücher so viel wie nur irgend möglich darüber zu lernen.

Im Moment versuchte er seine Zauberei ohne Zauberstab aufzubessern, die seiner Meinung nach noch nicht weit genug entwickelt war.

Er hatte viele Bücher darüber gelesen und alle wiederholten dasselbe: Die Magie ohne Zauberstab war sehr schwierig zu erlernen und erforderte sehr viel Macht.

Wie immer schaffte er es aber nicht weiter als bis zum Accio-Zauber. Und der Gegenstand musste sich zudem noch nahe bei ihm befinden. Er versprach sich selbst, diese Magie in seiner Freizeit intensiver zu üben.

Der Unterricht verlief sehr gut. Während er Spaß an Pflege magischer Geschöpfe fand wurde der Verteidigungsunterricht jedoch immer langweiliger. Er beschloss, in einer Ecke Bücher zu lesen, da das effektiver war, als dem Unterricht zu folgen. Doch zunächst hatten sie Pflege magischer Geschöpfe.

„Also, zuerst möchte ich die Pergamentrollen einsammeln. Wenn Sie Ihre Hausaufgaben richtig erledigt haben, dann möchte ich mit Ihnen zu den Feen zurückkommen. Dieses Mal werden Sie die Feen über ihre Magie ausfragen, anstatt über ihren Lebensraum. Denn sie bedienen sich nicht derselben Magie wie wir."

Die Schüler nickten und machten sich zusammen mit dem Professor und Hagrid erneut auf den Weg zu dem Baum der Feen.

Dasselbe Spektakel ereignete sich von Neuem. Die Feen bevorzugten wirklich die Mädchen. Das konnte vielleicht auch daran liegen, dass sie zu den Tieren netter waren als manche Jungen.

Der einzige Junge, den die Feen zu lieben schienen war Herry. Er hatte immer eine Vielzahl von Feen um sich herum versammelt, wenn er vor den Baum trat.

„Hast du bemerkt, Lily? Herry scheint von den Feen wirklich akzeptiert zu werden, sie lieben ihn ja regelrecht. Glaubst du, das bedeutet, dass er kein Todesser ist?"

„Anne, ich hab dir doch schon mal gesagt, dass ich nicht denke, dass ein so netter Junge wie Herry ein Todesser sein kann."

„Und dennoch. Ich weiß nicht, ob du es bemerkt hast, aber er scheint Malfoy nahe zu stehen und bei dem kann ich dir versichern, dass er ein Todesser wird. Dafür würde ich meine Hand ins Feuer legen."

„Vielleicht versucht er, ein Spion für Dumbledore zu werden?"

„Gab, ich glaube, du erzählst so viele Geschichten, dass du Fiktion nicht mehr von der Realität unterscheiden kannst!"

„Warum sagst du das, Anne?"

„Mal im Ernst, Gab, ich denke eher, dass dieser Junge etwas unheimlich ist und dass wir ihm unter keinen Umständen trauen sollten."

„Hör auf so pessimistisch zu denken, Anne", meinte Lily. „Vielleicht hat er eine etwas mysteriöse Seite… aber er hat immerhin das Recht darauf, Geheimnisse zu haben."

„Davon rede ich nicht, Lily. Ich rede davon, dass er seine Sätze manchmal nicht vollendet. Oder davon, dass er so gut in Verteidigung gegen die dunklen Künste ist. Vielleicht auch, dass er die Streiche der Rumtreiber umkehrt und gegen sie einsetzt…"

„Ich glaube eher, dass du ihn nicht magst und dass du deswegen versuchst, irgendetwas zu finden, was seltsam an ihm ist. Du enttäuschst mich, Anne." Lily trat vor den Baum und die Fee vom Vortag kam zu ihr geschwebt und ließ sich auf ihrer Schulter nieder.

Der Unterricht war ziemlich spannend. Harry war wirklich an der Magie der Feen interessiert. Aurore bot ihm eine hübsche kleine Demonstration: Sie ließ ein Samenkorn vor Harrys erstaunten Augen zu einem kleinen Bäumchen heranwachsen.

Nachdem die ganze Klasse den Baum bewundert hatten, ließ sie ihn wieder verschwinden.

Die Magie der Feen basierte zum größten Teil auf den vier Elementen. Die Feen waren in gewisser Weise die Hüter des Waldes. Sie wachten über ihn und über die Tiere, welche in ihm lebten. Somit war ihre Magie allein den Feen vorbehalten. Die Zauberer konnten keinen Wald zum Leben erwecken, oder ihn verschwinden lassen.

Die zwei Stunden vergingen so schnell, dass Harry noch gar keine Lust hatte, Aurore schon zu verlassen und dennoch musste er es tun. Denn nun würden sie Verteidigung gegen die dunklen Künste haben.

Als Harry vor dem Klassenzimmer ankam, zögerte er, es zu betreten. Und wenn er nicht zum Unterricht gehen würde? Immerhin konnte Dumbledore ihn nicht von der Schule verweisen, da das hier eigentlich nicht wirklich seine eigene Zeit war.

Das rief ihm wieder ins Gedächtnis, dass er eigentlich dazu hier war, um eine bestimmte Mission zu erfüllen. Er musste diesen Todesser finden, der in dieser Zeit nichts zu suchen hatte. Aber dafür musste er versuchen, an Voldemort ranzukommen. Und die einzige Möglichkeit, dies zu erreichen war, sich den Slytherins zu nähern.

Harry hasste die Slytherins. Diejenigen von dieser Zeit fast noch mehr als diejenigen, die er aus seiner Epoche kannte.

Vielleicht war es die Tatsache, dass er wusste, dass sie zu Mördern werden würden, die keinerlei Mitleid kannten.

Das einzige, das ihn etwas beruhigte, war, dass die meisten von ihnen in Askaban landen würden, selbst wenn es nur für dreizehn Jahre sein würde. Das war immerhin schon einmal ein Anfang.

Harry stand immer noch vor der Tür und beschloss umzukehren. Er würde nicht in Verteidigung gehen. Dieser Kurs wurde wirklich immer langweiliger, geradezu einschläfernd.

„Praott, das Klassenzimmer liegt nicht in der Richtung, weißt du? Das liegt nämlich dort drüben", meinte James in einem fast ironischen Tonfall.

„Ich weiß. Aber ich hab wirklich keine Lust, diesen Professor sehen zu müssen, verstehst du! Also werde ich…"

„…In Ihr Klassenzimmer gehen, wie es Mr Potter Ihnen gerade so freundlich gesagt hat", sagte eine Stimme, die Harry nur zu gut kannte.

„Professor Dumbledore… ich fühle mich nicht wohl und…"

„Ich will nichts davon hören, Mr Praott. Sie scheinen mir doch in bester Form. Also bitte ich Sie, den Unterricht zu besuchen."

Harry drehte sich wütend wieder um und rauschte mit bösem Blick an James vorbei in das Klassenzimmer. Er setzte sich in die hinterste Reihe neben Severus.

„Was ist denn passiert? Ich dachte schon, du hättest dich verlaufen. Das hat ja ziemlich lange gedauert."

„Ja. Ich wünschte, ich hätte mich verlaufen."

Harry packte ein Buch über mächtige Zauber aus, die gegen schwarze Magie eingesetzt werden konnten, und begann zu lesen.

Der Professor betrat das Klassenzimmer ein paar Sekunden später.

„Entschuldigen Sie bitte meine Verspätung, ich hab den Weg nicht sofort gefunden. Aber ich habe eine gute Neuigkeit für Sie. Zunächst werde ich jedoch die Hausaufgaben einsammeln."

Ein paar Minuten später befand sich ein dicker Stapel Pergamente auf dem Pult des Lehrers.

„Sehr schön. Heute werden wir an den Irrwichten arbeiten. Sie wissen schon alles über sie, da diese Wesen das Thema der Hausaufgabe war. Sie sollten auch wissen, in was der Irrwicht sich bei Ihnen verwandeln wird. Nun, wer möchte beginnen? – Miss Evans? Treten Sie neben mich. Ich halte den Irrwicht hier in diesem Schrank gefangen. Ich werde ihn öffnen und dann werden wir sehen, was passiert. Wenn Miss Evans der Spruch gelingt, wird der Irrwicht sich jemand anderem zuwenden, also seien Sie darauf vorbereitet. Erheben Sie sich, bleiben Sie aber auf Ihren Plätzen stehen, der Irrwicht wird sich selber das nächste Opfer aussuchen."

Die ganze Klasse erhob sich, außer Harry, der zu sehr in seine Lektüre vertieft war, und Lily, die sich vor den Schrank stellte. Der Professor öffnete diesen und ein Vampir kam daraus hervor. Er war bleich wie der Tod und man konnte seine scharfen, weißen Eckzähne sehen.

Riddikulus."

Die Eckzähne des Vampirs waren so sehr gewachsen, dass sie eher Elefantenstoßzähnen glichen. Die Schüler brachen in Lachen aus und der Irrwicht näherte sich Aline und verwandelte sich in eine große Spinne, die mindestens zehnmal so groß war wie eine normale.

Riddikulus."

Die Spinne färbte sich plötzlich bunt. Erst rosa, dann rot, anschließend grün und schließlich gelb. An jedem Bein hatte sie viel zu lange Strümpfe, die ebenfalls bunt waren, und sie trug einen Clownhut. Die meisten Gryffindors lachten. Die Slytherins, vor allem die Jungen, fanden es jedoch großteils albern, vor Spinnen Angst zu haben.

Der Irrwicht indessen näherte sich James. Das Ergebnis war schon ein wenig überraschender: James hatte Angst vor dem Tod. Der Irrwicht hatte sich in einen schwarzen Schatten verwandelt, der sich James langsam mit einer Sense näherte.

Dieser brauchte ein paar Sekunden, ehe er reagierte: „Riddikulus."

Der Schatten färbte sich weiß und begann ein lächerliches Kirchenlied zu singen, was die Gryffindors und die Mädchen aus Slytherin zum Lachen brachte.

Der Irrwicht wandte sich nun den Slytherins zu. Er trat Sophie gegenüber und ein Mann erschien, den niemand zu kennen schien. Er ähnelte Sophie. Er hatte dieselben Haare und dieselben Augen. Dennoch hatte er härtere Gesichtszüge und der Ausdruck in seinen Augen verriet Strenge.

Riddikulus."

Der Mann fand sich vollkommen nackt wieder und auf Sophies Lippen erschien ein zufriedenes Grinsen. Die meisten Schüler schwiegen jedoch. Dennoch ließ der Irrwicht von Sophie ab und wandte sich diesmal Peter zu.

Zur Überraschung der ganzen Klasse verwandelte sich der Irrwicht in… Herry Praott. Sein kühles Gesicht war Peter zugewandt und er sah ihn an, als wolle er ihn gleich umbringen.

Diese Erscheinung brachte Harry innerlich zum Lachen. Er sah Peter grinsend an, stand nun ebenfalls auf und näherte sich Peter.

Man konnte nicht mehr wissen, was der Irrwicht und was Herry war. Peter schien immer panischer zu werden und zeigte zitternd vor Angst mit seinem Zauberstab auf einen der Herrys, wobei er „Riddikulus" stotterte.

Protego." Herry schützte sich im letzten Moment. Dieser Idiot war sogar unfähig, einen Irrwicht von einem Menschen zu unterscheiden. Was tat dieser Junge eigentlich auf der Schule hier! Er sollte sich lieber mit den anderen Squibs zusammentun.

„Mr Praott. Ich ziehe Ihnen zwanzig Punkte ab, weil Sie Ihren Platz verlassen haben und einem anderen Schüler Angst gemacht haben."

Der Irrwicht blieb vor Peter stehen und sah ihn mit einem bedrohlichen Blick in den stahlblauen Augen an.

Peter schaffte es noch immer nicht, die Formel richtig auszusprechen und James stellte sich vor Peter, sodass der Irrwicht unverzüglich wieder die Form vom Tod annahm. Wie zuvor schaffte James den Spruch ohne Probleme.

Der Irrwicht wandte sich also Gabrielle zu und verwandelte sich in einen Grabstein, auf dem Gabrielles Name eingraviert war. Doch man konnte noch etwas lesen, das Harry erstaunte:

Gestorben alleine auf dieser Welt

Gabrielle fürchtete sich also davor, allein zu sterben. Sie ertrug die Einsamkeit nicht. Sie verharrte so vor dem Grabstein, ohne sich zu bewegen. Kleine Tränen füllten ihre Augen.

Anne stellte sich also vor den Grabstein und der Irrwicht verwandelte sich in eine Feuermauer, die Anne komplett umgab.

Doch Anne schrie den Spruch, sodass das Feuer sich blau färbten und die Flammen nicht länger brannten. Sie schritt hindurch und somit aus dem Kreis heraus, woraufhin die Schüler zu applaudieren begannen. Der Irrwicht nahm sich nun Herry vor, der wieder mit Lesen beschäftigt war.

Doch mit einem geschickten Zauber stieß Harry den Irrwicht von sich und in Richtung Professor. Der Irrwicht verwandelte sich in eine riesige Boa.

Harry lachte innerlich. Der Professor hatte das nicht erwartet und war überhaupt nicht bereit.

Die Boa näherte sich ihm stetig und Harry hörte die Schlange zischen: „Ich werde dich würgen, bis zu stirbst. Dann werde ich dich verspeisen…"

Harry bewegte sich nicht. Er erwartete, dass der Professor irgendetwas tun würde, doch dieser schien wie versteinert von der Schlange. Also tat Harry das, was ihm gerecht schien, da sich sonst niemand traute, etwas zu tun.

Er trat zwischen den Professor und die Boa. Diese verwandelte sich in einen Dementor und wie üblich entstand in Harrys Kopf das Bild von Bellatrix, wie sie ihren Zauberstab auf Sirius richtete. Er wollte Sirius' Namen schreien, konnte sich aber im letzten Moment noch zurückhalten. Stattdessen rief er laut: „Riddikulus."

Die Klasse lachte nervös. Die Visionen, die sie gehabt hatten, waren alles andere als angenehm gewesen, vor allem für gewisse Mädchen.

Harry schickte den Irrwicht in den Schrank zurück, den James sogleich schloss. Er sah Herry intensiv an.

Vater und Sohn sahen sich einen Moment lang schweigend an. James schien aufgerüttelt von dem, was er eben gesehen hatte und auch Harry wusste, dass er Tränen in den Augen hatte. James unterbrach das Band, das sie beide für einen Moment verbunden hatte, und setzte sich auf seinen Platz zurück. Herry tat dasselbe.

Der Professor war hingefallen, stand nun aber wieder auf und klopfte den Staub von seiner schwarzen Robe.

„Nun, ähm… das war doch gar nicht so schlecht. Nur ein paar Schüler schaffen den Spruch noch nicht…" Der Professor unterbrach sich, als Harry leicht hustete.

„Mr Praott, gibt es ein Problem?"

„Nur ein kleines Kratzen im Hals. Sicherlich der Spruch, den ich gegen die Boa angewendet habt."

„Fünf Punkte für Gryffindor und zwanzig Punkte für Slytherin für die gelungenen Sprüche. Nun möchte ich zur praktischen Anwendung des Patronus übergehen. Haben Sie gut geübt? Ich möchte, dass jeder Schüler mir zeigt, zu was er fähig ist und ich werde Punkte vergeben, wenn ich sehe, dass Sie Fortschritte gemacht haben."

Der Professor fing mit den Gryffindors an. Peter brachte natürlich gar nichts zu Stande, Alec und Nicolas schafften es immerhin schon, ein paar silbrige Fäden aus ihren Zauberstäben schießen zu lassen, mehr aber auch nicht. Aline und Jeanne ging es ebenso. Anne und Gabrielle brachten lediglich einen silbrigen Tropfen zum Vorschein.

Sirius hatte eine Art silberne Mini-Wolke, und James und Lily brachten eine etwas größere Wolke hervor, von denen man jedoch nicht erraten konnte, welche Form sie haben sollten.

Der Professor sprach Gryffindor zwanzig Punkte wegen Lilys und James' Wolke zu, dann wandte er sich an die Slytherins. Narzissa und Ashley schafften silberne Funken, während Sylvain und Snape nichts zustande brachten. Allem Anschein nach hatten sie keinen guten Moment erwischt.

Die größte Überraschung war, dass Sophie eine ebenso große Wolke wie Lily erschuf, was ihr zehn Punkte für Slytherin einbrachte.

Als der Professor zu Herry kam, war dieser immer noch mit Lesen beschäftigt. Er hob den Kopf, als er sah, dass der Professor sich ihm näherte und grinste ihn gefährlich an.

Er vollführte den Patronus-Spruch und hatte eine enorme Wolke im Vergleich zu der von James. Sein Patronus hatte fast seine richtige Form angenommen, doch Harry unterbrach seine Demonstration rechtzeitig und sah den Professor an.

Dieser gab ihm, sichtbar widerwillig, zwanzig Punkte dafür, dass er so viel an dem Spruch gearbeitet hatte.

Der Unterricht endete schließlich. Harry verließ als einer der ersten das Zimmer und suchte ein leeres Klassenzimmer auf. Er verschloss die Tür und verwandelte einen alten Tisch in seinen Wolf.

Der Wolf sah ihn an, sprang dann an ihm hoch und leckte ihm das Gesicht ab.

„Ich freu mich auch, dich wiederzusehen. Du hast mir sehr gefehlt. Aber heute muss ich noch etwas an der Zauberei ohne Zauberstab arbeiten. Das kann wirklich sehr nützlich sein, weißt du."

Er legte sein dickes Buch über weiße Magie ab und konzentrierte sich. Er führte dieselben Bewegungen aus, wie mit seinem Zauberstab, aber es passierte absolut nichts. Er probierte es immer wieder, doch immer noch erzielte er keine Wirkung. Schließlich versuchte er es mit seiner Feder.

Nach etwa einer halben Stunde bewegte sich die Feder ein paar Zentimeter.

Er musste etwas anderes ausprobieren. Er leerte seinen Geist und stellte sich vor, dass er die Feder in die Hände nahm, um sie aufzuheben. Er öffnete die Augen, doch die Feder befand sich noch immer auf derselben Stelle.

Er sah den Wolf an und sprach mit ihm, als wäre er ein Mensch.

„Weißt du, ich verstehe den Mechanismus einfach noch nicht. Vielleicht muss ich es einfach so machen, wie bei dem Accio. Einfach denken, dass meine ganze Magie sich in meinen Fingerspitzen befindet, damit die Feder sich endlich bewegt."

Er sah die Feder erneut an und stellte sich vor, dass seine Magie ein als wabernde Flüssigkeit durch seinen Körper floss. Er spürte die Magie in seiner Hand und hob diese leicht. Zu seiner großen Überraschung schwebte auch die Feder ein paar Zentimeter nach oben.

Er senkte die Hand und die Feder sank ebenfalls wieder langsam. Er wiederholte das Experiment noch ein paar Mal und stellte fest, dass es perfekt funktionierte.

Er versuchte es also direkt an dem Buch, doch dieses weigerte sich immer noch, sich zu bewegen. Harry strengte sich noch mehr an, doch das einzige, was er erreichte war, das Buch zu öffnen.

Nach über eineinhalb Stunden Arbeit war er verschwitzt und er fühlte sich müde. Severus' Trank begann allmählich an Wirkung zu verlieren.

Er ging in den Schlafsaal und nahm eine schöne heiße Dusche. Danach fühlte er sich schon viel besser und entspannter.

Vor dem Abendessen blieb ihm noch immer eine Stunde Zeit. Was konnte er so lange tun? Er beschloss, das Einhorn und seine Herde besuchen zu gehen.

Er betrat den Verbotenen Wald und ging auf direktem Weg zu der Herde. Er hatte beschlossen, Hagrids seltsame Pfeife mitzunehmen, die er ihm zu seinem Geburtstag geschenkt hatte, nur für den Fall…

Er kam ohne Probleme auf der Lichtung an und wie üblich begrüßte der Leithengst ihn, indem er sich vor ihm aufbäumte und anschließend Harry mit seinen Nüstern beschnupperte.

Dieser grinste ihn breit an und streichelte ihn. Er sprach mit ihm lange über seinen Tag und über seine eigenen Probleme. Er bemerkte schnell, dass er mit dem Einhorn auch über die Zukunft reden konnte. Dies kam ihm ein wenig seltsam vor, da Dumbledore gesagt hatte, dass der Spruch sehr mächtig sei.

Er war völlig in seine Gedanken vertieft, als er fühlte, wie ihn etwas an seinen Beinen streifte. Er sah hinunter und entdeckte ein Fohlen, das noch kein Horn besaß und das sich gegen ihn drückte. Es wollte mit dem neuen Freund, welcher sich der Herde angeschlossen hatte, spielen.

Harry beschloss, auf das Spiel einzugehen und rannte hinter dem Fohlen her, das im Vergleich zu Harry sehr viel schneller war.

Also beschloss Harry ein wenig zu schummeln und verwandelte sich in den Löwen. Er war sich sicher, dass das Fohlen vor dem neuen Tier Angst haben würde, vor allem da es ein Raubtier war, doch die Einhörner schienen keine Angst zu haben. Sie erkannten den Löwen wieder, sie wussten, dass dieses Raubtier ihnen nie etwas zuleide tun würde.

Harry vergaß total die Zeit. Als er sich zurückverwandelt hatte, bemerkte er, dass die Zeit zum Essen schon vor über zehn Minuten angefangen hatte und so rannte er zum Schloss zurück und betrat die Große Halle mit roten Wangen, was ihm einen sympathischen Eindruck verlieh, dem viele Mädchen nicht widerstehen konnten.

Harry bemerkte, dass Lupin wieder da war. Er schien nicht so müde wie am Vorabend des Vollmonds. Madam Pomfrey hatte, wie üblich, Wunder vollbracht.

Harry setzte sich zwischen Severus und Sophie. Der eine sah ihn erstaunt an, die andere durchbohrte ihn mit dunklen Blicken.

„Wo warst du? Ich such dich schon seit Stunden! Du bist seit Verteidigung spurlos verschwunden!"

„Ich hab ein wenig nachgedacht. Dann bin ich duschen gegangen und bin am See entlang spazieren gegangen und hier bin ich wieder. Willst du sonst noch irgendwas wissen, Papa?"

„Sehr lustig! Ich wusste nicht, wo du warst, das ist alles!"

„Hast du dir vielleicht Sorgen um mich gemacht?"

„Nein…" Severus wäre lieber etwas überzeugender gewesen, aber die Wahrheit war, dass er sich wirklich um seinen neuen Klassenkammeraden gesorgt hatte.

„Die Rumtreiber haben dir hoffentlich keine Schwierigkeiten gemacht?"

„Ich kann mich selbst sehr gut verteidigen!"

„Ich habe nie an dir gezweifelt, Severus." Damit drehte sich Harry Sophie zu. „Und du? Bist du seit heute morgen nicht mehr verärgert?"

„Ich war nie verärgert. Ich habe kein Vertrauen mehr zu dir, Schlange."

„Das war wirklich nicht sehr nett. Weißt du, ich verstehe immer noch nicht, warum du so sauer auf mich bist. Was habe ich dir denn getan?"

„Du bist einer von ihnen, nicht wahr?" sagte sie mit leiser Stimme, sodass nur Harry sie verstehen konnte.

„Wie kommst du darauf!"

„Die Art, wie sie dich vergöttern. Du kannst nur zu ihnen gehören. Wann wirst du dein Mal bekommen? Sicherlich wenn wir hier weg sind. Was wird deine erste Mission sein? Wahrscheinlich sobald wir von der Schule abgehen. Siehst du, ich bin mit ihren Idealen nicht einverstanden. Und ich habe mein ganzes Leben darum gekämpft, nicht so zu werden wie du!"

„Wenn es das ist, was du denkst, Sophie, dann bin ich wirklich enttäuscht. Ich hatte geglaubt, dass du intelligent wärst und jetzt stelle ich fest, dass ich mich schwer getäuscht habe. Du hast dein ganzes Leben darum gekämpft? Wer war der Mann, der im Unterricht erschienen ist?"

„Das war… mein… Vater." Sophie stand unvermittelt auf. Sie schluchzte, als sie auf die Türflügel zuhastete, um die Große Halle zu verlassen.

Alle Blicke waren auf Herry gerichtet. Dieser ignorierte sie und drehte sich erneut Severus zu, der ihn breit angrinste. „Ich wusste, dass du es schnell herausfinden würdest, wer die guten und wer die schlechten Slytherins sind."

„Weißt du überhaupt wovon du redest, Severus?"

„Natürlich."

„Da bin ich mir nicht so sicher!"

Harry brachte sich nicht mehr in die Gespräche mit ein. Er aß nur noch schneller und verließ die Große Halle als einer der Ersten.

Er fühlte sich müde und ausgelaugt und ließ seine Füße ihn bis zu seinem Gemeinschaftsraum tragen…

„Praott! Was machst du hier!" Diese Stimme gehörte natürlich zu James.

„Dasselbe könnte ich dich fragen, Potter."

„Du hast hier nichts zu suchen. Der Gemeinschaftsraum der Slytherins befindet sich etwas weiter unten."

„Was…" Harry bemerkte erst jetzt, dass seine Schritte ihn automatisch zum Porträt der fetten Dame geführt hatten. Die Gewohnheit war wirklich sein Feind in dieser Zeit.

Er drehte um und ging den Weg ohne ein weiteres Wort zu James zurück. Diesmal kam er wirklich beim Gemeinschaftsraum der Slytherins an, trat ein und setzte sich vor das Kaminfeuer.

Es war Malfoy, der ihn aus seinen Gedanken holte.

„Ein Bett ist zum Schlafen geeigneter."

„Ich denke nach."

„Nein wirklich? Das passiert dir manchmal?"

„Was willst du Malfoy?" wollte Herry aggressiv wissen.

„Fahr deine Klauen wieder ein, ich will nur schlafen gehen." Damit stieg Malfoy in seinen Schlafsaal hinauf. Harry jedoch schaffte es nicht, sich zu erheben. Sein Bett schien ihm viel zu weit entfernt zu sein.

„Schlafen wir vor dem Feuer?" wollte eine süßliche Stimme wissen.

„Hallo Narzissa."

„Na, hast du dich von dieser Woche erholt?"

„Sie ist noch nicht ganz zu Ende. Wir haben noch Samstag und Sonntag vor uns."

„Ach, das Wochenende geht doch immer viel zu schnell vorbei."

„Ja, da bin ich ganz deiner Meinung."

„Also, wie findest du Hogwarts?"

„Sehr groß. Ich hab mich ein paar Mal ganz schön verlaufen", log er.

„Ja. Am Anfang ist das ziemlich hart. Ein Mal hab ich mich verlaufen und einen wunderschönen Raum gefunden. Aber seither hab ich ihn nicht wiedergefunden."

„Wenn die Treppen sich auch bewegen…"

Harry lachte leicht, während Narzissa aus tiefstem Herzen lachte. Sie hatte ein sehr süßes Lachen, das sich zudem aufrichtig anhörte.

Wer hätte je geglaubt, dass ein so nettes junges Mädchen eines Tages einen Sohn wie Draco zur Welt bringen würde!

Narzissa und Harry diskutierten bis zum späten Abend. Niemand wagte es, die Verlobte von Malfoy zu stören, genauso wenig wie den einzigen Slytherin, der es schaffte, die Rumtreiber lächerlich zu machen.

Harry bemerkte, dass er Narzissa ganz gut leiden konnte. Sie war wirklich anders als die anderen Slytherins, abgesehen von Sophie natürlich. Als er sie beim Quidditchfinale gesehen hatte, hatte sie eher einen strengen Eindruck auf ihn gemacht. Ganz anders als dieses junge Mädchen, das sich nun vor ihm befand.

Harry beschloss doch noch, in seinen Schlafsaal zu gehen, zog sich schnell aus und schlief sofort ein. Es war eine Nacht ohne Träume, eine Nacht, die ihm seinen verlorenen Schlaf wieder zurückgab.

Bei den Gryffindors hatte Lupins Rückkehr die drei anderen Jungen sehr erfreut und sie hatten beschlossen, sich in einem Raum zu unterhalten, wo sie alleine waren und wo man sie nicht hören konnte.

Sie schlossen sich also in einem leeren Klassenzimmer ein und begannen über den Abend zu reden.

„Also Remus, erinnerst du dich noch an letzte Nacht?"

„Mehr oder weniger gut. Ich weiß nie, ob es wirklich geschehen ist oder nicht. Woran ich mich erinnere ist ein anderes Tier. Der Wolf hat ihn gerochen und er hat mit Tatze gespielt."

„Ja, das stimmt. Es war ein anderes Tier bei uns und um genau zu sein war es ein Löwe."

„Ein Löwe! Soll das heißen, ein Löwe lebt im Verbotenen Wald?"

„Warum nicht? Man sagt ja schließlich, dass alles mögliche darin lebt."

„Ja, aber überleg doch mal, Sirius. Ein Löwe markiert doch sein Territorium. Also haben wir es überschritten."

„Wart mal, Remus. Da stimmt etwas nicht. Als wir mit ihm spielten, befanden wir uns nahe bei der Peitschenden Weide. Wenn wir also wirklich in sein Territorium eingedrungen wären, dann hätten wir das schon vor diesem Abend bemerken müssen."

„Da hast du Recht, James. Wie ist das also möglich? Vielleicht hat Dumbledore ihn diesen Sommer erst hierher gebracht?"

„Warum nicht", meinte Sirius. „Aber ich habe auch eine Theorie: Was wenn das gar kein Löwe war?"

„Was willst du damit sagen, Sirius?" fragte Remus.

„Er will… sagen… das ist vielleicht ein… wie wir…"

„Peter, könntest du bitte in vollständigen Sätzen sprechen?"

„Was Peter sagen will Remus, ist, dass es vielleicht ein Animagus ist, so wie wir drei."

„Glaubst du wirklich, dass es hier noch jemanden gibt, der so mächtig ist wie ihr und sich in ein Animagus verwandeln kann?"

„Unter uns, Remus, Peter ist nicht gerade der mächtigste Zauberer. Natürlich ohne dich verletzen zu wollen, Peter", meinte James.

„Ich glaube, es ist jemand aus Gryffindor", äußerte Sirius. „Weil es exakt der Löwe ist, der unser Emblem darstellt. Er hat dieselbe rote Mähne und diese Augen…"

„Was für Augen?" wollte Remus irritiert wissen.

„Du hast Recht, Sirius", meinte James nachdenklich.

„Was für Augen?" wiederholte Remus.

„Dieser Löwe hatte grüne Augen."

„Das ist sicherlich eine Spur. Wer hat grüne Augen und wer ist in Gryffindor?"

„Lily", sagte James sofort.

„Ja", meinte Remus in nüchternem Ton. „Aber auch Aline und Gabrielle. Die dürfen wir nicht vergessen."

„Und sie sind alle drei mächtig genug, um Animagi zu werden."

„Wir müssen sie ausfragen", sagte James. „Remus, ich schlage vor, dass du mit Gabrielle redest. Du scheinst gut mit ihr umgehen zu können. Und Sirius kümmert sich um Lily. Ich werde mir Aline vornehmen."

„Ich weiß wirklich nicht was du damit meinst ich scheine gut mit ihr umgehen zu können", meinte Remus gespielt gekränkt.

„Du lässt mir Evans, James?"

„Sind wir doch mal realistisch. Sie würde niemals mit mir reden und am wenigsten darüber, dass sie ein ungemeldeter Animagus ist."

„Das ist sicher. Aber was sagt dir, dass ich es schaffen werde?"

„Nichts. Ich bin mir sogar sicher, dass du es nicht schaffen wirst."

„Also geben wir den Fall Praott für den Moment auf?" fragte Remus.

„Ja, warten wir, bis wir mehr über ihn wissen. Ich bin sicher, dass wir noch irgendwas herausfinden werden."

„War eines der drei Mädchen heut irgendwie müde?" hakte Remus nun nach.

„Warum willst du denn das wissen?" fragte Sirius misstrauisch.

„Das ist doch logisch, Sirius. Schau doch uns an. Wir waren den ganzen Tag müder als Schlaftabletten. Also muss es dem Löwen genauso gehen", erwiderte James. „Ich finde, dass Lily nicht besonders gut mitgemacht hat im Unterricht."

„Gabrielle hat in Verteidigung nicht reagiert und bei Aline hab ich kein Anzeichen von Müdigkeit festgestellt."

„Wusstest du, dass Gabrielles größte Angst darin besteht, alleine zu sterben, Remus?"

„Nein, woher weißt du das?"

„Wir haben an Irrwichten geübt und der Professor hat einen auf die Klasse losgelassen."

„Das muss wirklich gut gewesen sein, aber das ist eher Drittklassstoff, oder?"

„Ja, aber jedenfalls hat Gabrielle Angst, alleine zu sterben, Anne hat Angst vor einer Feuermauer und James vor dem Tod selbst. Der Professor vor Schlangen, Sophie vor einem Mann, den ich absolut nicht kenn… und Peter – vor Praott."

„Warum lachst du, Sirius?" fragte Remus.

„Weil Praott sich, sobald er das gesehen hat, Peter genähert hat und dann standen zwei identische Praotts vor ihm. Doch Peter hat den Spruch auf den falschen Praott angewendet."

Nach etwa zwei Stunden weiteren Diskussionen gingen die vier Gryffindors in ihren Schlafsaal zurück, legten sich in ihre Betten und schliefen auf der Stelle ein.

tbc...