Chapter 10 / The Score

"Hermine Liebes, du siehst furchtbar aus."

Hermine sah von ihrem Buch auf und nutzte ihre Hand, um ihre Augen vor der Sonne zu verdecken. Der undeutliche Umriss von Miranda war im blendenden Sonnenlicht kaum auszumachen, doch diese Stimme konnte sie überall erkennen.

"Ich hab ziemlich schlecht geschlafen," erklärte sie ausweichend und zog als Einladung den Stuhl neben ihr ein wenig zurück. Und das war nicht einmal eine Lüge. Sie hatte nicht gut geschlafen….Korrektur: Sie hatte eigentlich fast gar nicht geschlafen.

„Ah, ich verstehe," antwortete Miranda wissend und nahm in dem Sessel, der ihr angeboten worden war, Platz.

Hermine warf ihr einen finsteren Blick zu und war sich ziemlich sicher, dass Miranda es nicht verstand. Es war ja nicht so, dass sie wissen konnte, dass Hermine sich wie ein hormongesteuerter Teenager benommen hatte, der Wände hinaufklettert, nur um sicher zu gehen, dass Malfoy sich nicht mit Lola „besudelt".

"Gestern war Dracos und Lolas Date," bemerkte die ältere Dame, ihr Blick lag wachsam auf dem Mädchen neben ihr.

"Ach wirklich?" antwortete Hermine und versuchte, so uninteressiert wie möglich zu klingen. „Ich vermute es war gestern, jetzt, wo du es erwähnst."

"Du weißt nicht zufällig, wie es gelaufen ist?"

"Ehm, nein. Ich hab ihn nicht danach gefragt," log sie und hoffte, dass ihr Ausdruck sie nicht verriet. Bewusstes Lügen war nie ihre Stärke gewesen.

„Also hast du ihn gesehen?"

"Kurz."

Hermine sah, wie die ältere Dame leicht lächelte, und sie fand dies ziemlich entnervend. Sie konnte nicht verstehen, worum es hier ging oder was Mirandas Ziel bei diesem Gespräch war.

"Ich hab gehört, dass Lola es großartig fand. Ella flohte mich heute Morgen und sie sagte, dass Lola sehr beeindruckt von Draco und unglaublich entzückt von seiner Gesellschaft war," sagte sie und Hermine wollte einfach nichts mehr als mit den Augen zu rollen.

„Ja, er ist ein sehr reizvoller Mann," antwortete sie trocken, während sie an einige seiner nicht so sehr perfekten Momente zurückdachte.

Miranda schien sich an Hermines offensichtlichem Mangel an Enthusiasmus nicht zu stören und drehte sich in ihrem Sessel um das Mädchen anzusehen, welches bewusst ihrem Blick auswich.

"Lola ist natürlich sicher, dass sie ein weiteres Date erreichen wird. Sie glaubt, dass die…..Chemie zwischen ihnen einfach stimmte."

Der angedeutete körperliche Kontakt zwischen den beiden ließ sie beinahe zusammenzucken. Aber Lola war nicht dort gewesen, als sie gekommen war, und er hatte gesagt, dass sie eine Stunde zuvor nachhause gegangen war. Doch das hieß nicht unbedingt, dass gar nichts passiert war. Sie begann, leicht in ihrem Sessel herumzuzappeln, ihr wurde plötzlich schlecht, und dieses Mal nicht vor Scham.

"Natürlich würden ihre Kinder absolut reiz…"

"Hör auf!", kreischte sie plötzlich, während sie was auch immer in ihrer Brust aufsteigen spürte, das sie innerlich fast erstickte.

Vor Verzweiflung war sie aus ihrem Sessel gesprungen, ihre Locken standen wie ein unordentlicher Heiligenschein um ihren Kopf. „Warum erzählst du mir das alles? Was versuchst du, zu erreichen?"

"Das," sagte Miranda ruhig und schenkte ihr das erste wahre Lächeln an diesem Morgen.

Hermine schnappte nach Luft, während sie die ältere Dame komplett verwundert ansah. Das machte keinen Sinn, und als ob das noch nicht genug wäre, hatte sie ihre Impulse schon wieder gewinnen lassen. Sie bemerkte, dass sie neben ihrem Sessel stand wie eine völlig Irre direkt aus der psychatrischen Abteilung des St. Mungos, und ihre Hände sich immer wieder ballten und öffneten. Sie fühlte, wie ihre Wangen brannten, ließ sich zurück in ihren Sessel fallen und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen.

"Ich hab nach einer Reaktion gesucht, Hermine," sagte sie beruhigend. „Liebe, sie ist so offensichtlich für jeden außer für dich, und ich wollte dir helfen zu sehen, was der Rest von uns sieht."

Hermine blickte sie durch ihre Finger hindurch an, nicht wissend ob sie dankbar oder unglaublich wütend sein sollte. Um ehrlich zu sein tendierte sie eher zu Letzterem. Was gab dieser Frau das Recht, nach einerReaktion zu suchen?

"Sieh mal, es tut mir Leid, falls ich dich verärgert habe," sagte sie ehrlich und sah dabei leicht demütig aus. „Aber ich meine wirklich, was ich dir das erste Mal, als wir uns getroffen haben, gesagt habe…..Draco ist zu stolz, um irgendjemanden eine Frau für ihn aussuchen zu lassen."

Sie erhob sich aus ihrem Sessel, ihre Bemerkung stand als letzter Satz zwischen ihnen. Hermine beobachtete mit beunruhigend gemischten Gefühlen, wie sie sich zurückzog. Mit anderen Worten; Sie war mächtig verwirrt.

Also war es entsetzlich offensichtlich, dass sie irgendwie eifersüchtig auf Lola war. Falls das „Mauerklettern" letzte Nacht sie nicht davon überzeugt hatte, hatte es das eben geführte Gespräch sicherlich getan, doch sie konnte nicht wirklich verstehen warum. Miranda unterstellte ihr definitiv, dass sie Gefühle für den Blonden hatte, doch sie konnte das einfach nicht begrüßen. Warum sollte sie jemals Gefühle für ihn haben? Sie waren nicht kompatibel, sie hatten eine komplizierte Vergangenheit, er war alles, von dem sie immer gesagt hatte, dass sie es niemals wollte und sie würden die gefühlsmäßig gesamte Zaubererwelt gegen jede Beziehung, die sie versuchen würden, haben. Und natürlich; Er könnte sowieso keine Gefühle für sie haben. Warum sollte er? Sie war alles, was er immer verabscheut hatte.

Je mehr sie darüber nachdachte, desto sicherer wurde sie sich. Er war der Einzige, mit dem sie wirklich in Kontakt gekommen war, und sie hatte sich wochenlang an seine ungeteilte Aufmerksamkeit gewöhnt. Jegliche Konkurrenz durch eine andere Frau würde sich natürlich in ihre Gewohnheiten einmischen und die Zeit begrenzen, die sie zusammen verbringen konnten. Natürlich würde sie genervt sein, als seine Freundin und Nachbarin. Da war außerdem noch die Tatsache, dass er ihre Verbindung zu ihrem alten Zuhause war. Ja, sie liebte die kleine Stadt, die sie gefunden hatte, doch sie vermisste London, besonders das Zauberer-London. Sie hatte immer gemocht, wie dynamisch alles war, wie pulsierend es erschien, wenn das Leben die Leute zu ihren entsprechenden Zielen brachte. Ihre Freunde lebten alle in oder um London, und sie vermisste alle von ihnen sehr. Auf merkwürdige Weise erschien er ihr als ihre Verbindung zu dem allen. Wenn sie ihn sah, wurde sie sofort daran erinnert, dass es ein Leben außerhalb ihrer derzeitigen stillen Existenz gab. Ein Leben, zu dem sie einmal zurückkehren wollte, wenn sie sich komplett bereit dazu fühlte.

Ihre Erklärung für ihre plötzliche Eifersucht beruhigte sie, und sie entspannte sich in dem bequemen Sessel, während sie die Hitze der Mittagssonne genoss. Sie verbrachte Stunden im Garten, um zu lesen und zu relaxen, bis die Tatsache, dass ihr Nahrungsmittelbestand sich dem Ende zuneigte, sie auf die Straße, die in die Stadt führte, zwang.

Sie liebte es immer wieder, in die Stadt zu gehen. Es war immer so ruhig und heiter, und so wunderbar leicht zu genießen. Dies war ein ziemlicher Kontrast zu London, doch sie liebte beide Gegenteile auf ihre eigene Weise. Das Ruhige gegen das Dynamische, die Einsamkeit gegen die Menge. Es war merkwürdig, wie man beides zur gleichen Zeit lieben konnte.

Als sie weiterging und sich an das Geräusch, das ihre Füße auf dem Schotter machten gewöhnt hatte, wurde deutlich, dass dies nicht mehr das einzige Geräusch war, das sie hörte. Und es war merkwürdig, da sie kein anderes Wesen in beiden Richtungen ausmachen konnte. Sie drehte sich einige Male um und sah sich genau auf der Straße um. Es fing an, sie leicht zu entnerven, besonders, da sie die fremden Geräusche nur hören konnte, wenn sie in Bewegung war. Während sie still stand, war alles komplett ruhig.

Die verstreichenden Minuten ließen ihre kriegsgeprägten Sinne aufmerksam und beunruhigt werden. Ihr Puls beschleunigte sich, und Adrenalin schoss durch ihren Köper, während sie konzentriert auf die fremden Geräusche hörte. Als sie einen leichten Druck auf ihrer Schulter spürte, waren ihre Kämpferinstinkte so sehr hochgeschossen, dass ihre Reaktion unstoppbar war. Sie drehte sich abrupt um und führte den ersten Zauber aus, der ihr einfiel, bevor sie einen weiteren als Zugabe abschoss. Auch wenn der Erblindungsfluch den Angreifer unter Kontrolle halten sollte, waren scheußliche Furunkel ein guter Weg um ihn dafür leiden zu lassen, dass er es gewagt hatte, ihr zu folgen und sie von hinten anzugreifen.

Nachdem die Wolke aus Adrenalin und die Schreie des Zorns verklungen waren, stand sie schlaff mitten auf der Straße, während der Schock sie langsam erfasste.

"VERDAMMT, Granger," bellte er und wälzte sich auf dem Boden.

"Scheiße, es tut mir Leid!," rief sie aus, während sie endlich realisierte, was sie getan hatte. „Du kannst mir nicht so nachschleichen, du Idiot. Ich bin eine trainierte Kämpferin. Das weißt du!"

Sie bückte sich, um ihm aufzuhelfen, doch er zuckte zusammen, als sie ihn berührte. Für einen Moment war sie beleidigt, da sie dachte, dass er ihre „dreckige" Berührung immer noch nicht ertragen konnte, doch dann merkte sie, dass ihn an einigen Stellen grässliche Beulen von ihrem sehr gekonnten Zauber bedeckten. Und…Oh Gott nein.

"Was zur Hölle bedeckt meine Augen? Mach es weg, du Irre!"

„Es…..nichts bedeckt deine Augen," murmelte sie niedergeschlagen, fand seine Hand und zog ihn vorsichtig und mit einigen Schwierigkeiten nach oben.

„Doch natürlich. Ich kann überhaupt nichts….DU VERRÜCKTES WEIBSTÜCK!", schrie er so laut, dass sie beinahe aus ihrer eigenen Haut gesprungen wäre. „Du hast mich erblinden lassen!"

"Ich dachte, du wärst ein Todesser," sagte sie, sich wild verteidigend während sie seinen Arm um ihre Schultern legte. „Du hast mich ewig lange verfolgt und dann meine Schulter gepackt. Ich dachte, ich werde angegriffen."

"Warum um Himmels Willen sollte gerade hier ein Todesser sein? Nicht zu vergessen die Tatsache, dass so gut wie gar keine mehr übrig sind. Und die, die noch übrig sind, sind nicht mehr ganz dicht und verbringen ihre gesamte Zeit damit, in ihren Höhlen zu sitzen und Galleonen in die Luft zu werfen, während sie bösartig lachen!"

"Ich habe nicht logisch überlegt, nicht? Ich war im Verteidigungsmodus!"

"Naja, meine Absicht war nicht, dich zu erschrecken, du paranoider Troll," murmelte er flüsternd, während er Mühe hatte, aufrecht zu bleiben, obwohl sie ihre Hand um seine Hüfte gelegt hatte und so versuchte, ihn sicher zurückzuführen.

"Oh ja, mein Fehler," schnappte sie, während sie ihn immer noch die Straße entlang führte. „Wie konnte ich nur panisch werden, als ich mich gefragt habe, ob ich am Straßenrand vergewaltigt und umgebracht werde?"

Ihre Stimme hatte bei jedem Wort an Lautstärke zugelegt, und ließ ihn am Ende ihrer Tirade leicht zusammenfahren.

"Ich würde dich nie vergewaltigen."

Sie seufzte frustriert, und rollte als Zugabe mit den Augen. „Ich wusste nicht, dassdu es warst. Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich dir die Füße zusammengebunden und bösartig gekichert, während du flach auf dein Gesicht gefallen wärst, und dich nichterblinden lassen."

Ihre Bemerkung durchbrach plötzlich die angespannte Stimmung, als ein Glucksen seinen Lippen entwich. „Das wäre so typisch für dich, du hinterhältige kleine Hexe."

"Oh, halt die Klappe," lachte sie, erleichtert darüber, dass sie ihre Häuser auf der rechten Seite der Straße sehen konnte. „Okay, wir müssen jetzt nach rechts."

Er wurde sofort langsamer, und sie konnte seine Unsicherheit spüren.

"Ist schon in Ordnung, pass nur auf die Steine auf dem Weg auf."

Sie schaffte es, ihm ins Haus zu helfen, welches marginal näher war als sein eigenes, und setzte ihn schlussendlich auf ihre Couch. Ihr Schuldgefühl flammte auf, als er vor Schmerz zusammenzuckte als er sich nach hinten gegen die Kissen lehnte. Impulsive Aktionen begannen wirklich so was wie in Problem für sie zu werden.

„Ich hab Tränke, die dagegen helfen werden," murmelte sie, während sie ihn beobachtete, wie er steif auf der Couch saß und zu verhindern versuchte, dass seine Körperteile aneinander rieben.

Sie wartete nicht auf eine Antwort, bevor sie die Stiegen hinauf zu ihrem persönlichen Tränkedepot ( das heißt die verzierte Kiste, die vor ihrem großen Mahagoni-Bett stand) ging. Zusätzlich zu den Sachen, die sie von zu Hause mitgenommen hatte, müsste es eigentlich auch etwas Nützliches unter den Tränken geben, die sie im örtlichen Tränkeladen gekauft hatte. Sie ging in die Hocke und begann, durch ihre beschrifteten Fläschchen und Tüten zu wühlen, während sie nach etwas suchte, das den Schmerz lindern oder ihn komplett verschwinden lassen würde. Das Gefühl der Schuld, Mitleid und etwas anderem, das sie nicht wirklich benennen konnte, wirbelte in ihrem Kopf herum, während sie versuchte, sich auf die Aufgabe, die sie sich selbst gestellt hatte, zu konzentrieren.

Als sie die Treppen mit einigen nützlichen Tränken hinunterging, kam sie nicht umhin sich zu fragen, wie sie mit einem blinden und verwundeten Malfoy auf ihrer Couch gelandet war, ohne auch nur ein bisschen Befriedigung durch diese Situation zu erfahren. Stattdessen fühlte sie sich einfach nur unglaublich schlecht, und sie hatte einen unerklärlichen Drang, alles wieder in Ordnung zu bringen.

Er schien die Ohren zu spitzen und richtete sich auf, als er die Schritte näher kommen hörte. Es schmerzte sie merkwürdig, ihn so hilflos zu sehen, wie er mit verwirrtem Gesichtsausdruck auf seinem für gewöhnlich selbstsicheren Gesicht auf ihrer Couch saß. Seine Augen wanderten umher, bewegten sich von einem Punkt zum anderen, vermutlich um sie zu finden, doch sie wusste, dass er nichts außer Dunkelheit sehen konnte.

"Hey," sagte sie lahm, teilweise um ihn wissen zu lassen, wo sie stand. Sein Kopf folgte langsam der Richtung ihrer Stimme. „Ich hab keine Gegenmittel, die funktionieren würden gefunden, aber ich hab Tränke, die ich auf die Furunkel reiben kann, und hoffentlich verschwinden sie komplett."

Er nickte ruckartig, was sie als Einladung empfand, sich neben ihn auf die Couch zu setzen.

"Wie schlimm ist es?", fragte sie, ihre Stimme war leise und triefte vor Bedauern.

"Ich glaube, es sind nur meine Arme und Schultern, der Rest ist irgendwie von selbst verschwunden," antwortete er, zuckte versuchsweise mit der Schulter und zog eine Grimasse.

"Tut mir Leid, falls das ein teures Shirt ist. Ich werde es ersetzen," sagte sie, bevor sie das Kleidungsstück gänzlich verschwinden ließ, was ihn dazu brachte, von dem plötzlichen Kontakt der kalten Luft mit seiner Haut zu zittern.

Nun, Hermine war immer schon professionell gewesen. Und sie hatte immer ihr bestes versucht, um professionell zu sein, doch als dieser gewisse Mann nur mit seiner Jeans bekleidet und praktischerweise in der Sehfähigkeit behindert, Zentimeter von ihr entfernt saß, musste sie sich zusammenreißen, um nicht wie belämmert auf seinen nackten Oberkörper zu starren. Sie schüttelte den Kopf und schalt sich selbst, bevor sie den Trank auf ihre Hände schüttete.

Die blasse Haut auf seinen Armen war mit grauenvollen Furunkeln übersät, was sie einen scharfen Atemzug nehmen ließ, bevor sie ihre Hand hinunter auf seinen Unterarm senkte. Er hisste sofort auf, doch blieb stumm, während sie den Trank so sanft wie möglich auf den Beschädigungen verteilte. Sie machte sich großartig darin, zu ignorieren, an wem sie ihre Hände auf und ab fahren ließ und fixierte ihren Blick auf die schrecklich aussehenden Verletzungen auf seiner Haut.

"Nicht, dass ich deine Gesellschaft nicht genieße, aber ich würde gerne dazu fähig sein, mich noch für ein paar Jahre mehr um mich selbst zu kümmern. Ich hoffe du hattest nicht die Absicht, deinen Vergewaltiger für immer erblinden zu lassen."

Sie warf ihm einen bösen Blick zu, auch wenn er es nicht sehen konnte.

"Ich bin nicht bescheuert, weißt du," antwortete sie sofort. „Ich hab den Zauber vor ein paar Jahren abgewandelt, damit er ein paar Stunden wirkt und mir genug Zeit lässt, die Gefangenen, die ich im Kampf erblinden lassen habe, abzutransportieren."

"Also werde ich in ein paar Stunden einigermaßen unbeeinträchtigt sein?"

"Dir sollte es wieder gut gehen," sagte sie ausdruckslos.

"Bis auf die emotionalen Narben. Ich werde schreiend durch deine Vordertür kommen, entsetzt über meine schrecklichen Albträume über die verrückte Exkriegerin, die sich auf einer Mission befindet, alle charmanten, schnuckeligen Männer, die ihr in den Weg kommen, zu blenden."

"Wahnsinnig komisch." Sie rollte frustriert mit den Augen. "Verdammt, du weißt wirklich wie man quengelt. Wer käme darauf, dass du dich gegen den stärksten dunklen Zauberer seit Jahrzehnten gestellt hast."

"Die feine Kunst des Quengelns ist ein gehütetes Familiengeheimnis, das über viele Generationen der Malfoys gewahrt wird," grinste er und entspannte sich schlussendlich in den Kissen.

"Du musst das größte Talent für ein paar Jahrtausende sein," bemerkte sie und schloss den Deckel des Fläschchens.

"Ich kann ja das Geschenk, das mir in die Wiege gelegt wurde, nicht ausschlagen," antwortete er vollkommen ernst.

Sie erlaubte einem Lächeln, ihr Gesicht zu erhellen, während sie leicht den Kopf schüttelte. „Fühlt es sich ein bisschen besser an?"

"Es tut nicht mehr so weh. Wie sieht es aus? Wird mein erstaunliches Aussehen verschandelt werden? Ich müsste dich eigentlich zum Wizengamot schleppen."

"Ihre Größe nimmt ab, und es scheint von Sekunde zu Sekunde weniger sichtbar zu werden," versicherte sie ihm und stellte die Fläschchen auf den Tisch, bevor sie einen Sauberkeitszauber auf ihre Hände anwandte. „Und deine Haut wird aussehen wie sie es immer getan hat, du enorme Heulsuse."

„Enorm gutaussehende Heulsuse," korrigierte er, und sie schnaubte zur Antwort.

Sie erlaubte es sich, nach hinten in die Kissen zu sinken und legte ihre Füße auf den Tisch, während er in Gedanken verloren zu sein schien. Ihre Augen fixierten sich auf die vielfarbigen Beulen, während sie allmählich von seiner Haut zu verschwinden schienen, und sie merkte, dass sie erleichtert war. Nun musste sie nur sicher gehen, dass er wieder sehen könnte.

"Weißt du….wenn du mich belauerst, küsse ich dich. Wenn ich dich belauere, lässt du mich erblinden und versuchst, mich zu verschandeln," sagte er plötzlich mit einem Hauch von Amüsement in der Stimme.

Ihre Augen weiteten sich, als sie plötzlich realisierte, was er getan hatte.

"Du hast mich wegen gestern verfolgt?", fragte sie ungläubig.

„Das ist nur fair," entgegnete er und grinste selbstgefällig aufgrund ihrer Reaktion. „Du darfst mich belauern, ich tu es auch."

Dies war eine Entwicklung, mit der sie nicht wirklich gerechnet hatte. Sie hatte ihre Aktionen gestern für eine Entgleisung ihres Urteilsvermögens gehalten, basierend auf ihrem Widerwillen, die Aufmerksamkeit mit einer anderen Frau zu teilen, doch er war nicht nur nicht sauer aufgrund ihres Verhaltens, sondern imitierte es auch noch auf ähnliche Weise.

Und wenn er ihre Aktionen imitierte, sollte sie nicht auch seinem Beispiel folgen? So wie er gesagt hatte…es war nur fair. Und das war der einzige Grund, warum sie das dachte. Es war definitiv nicht, weil es ihr gefiel und sie es wollte.

„Ja," antwortete sie langsam, während sie nickte. „Es ist nur fair. Wenn ich etwas machen darf, solltest du das auch dürfen."

"Genau!", sagte er triumphierend.

"Also, wenn du etwas machst, sollte ich das auch dürfen, oder nicht?" fragte sie, und beobachtete seinen nun verwirrten Gesichtsausdruck.

Seine Augenbrauen zogen sich zusammen, und er kaute eine Sekunde lang auf seiner Lippe, als ob er nach einer angemessenen Antwort suchen würde. „Ehm…"

Sie kicherte schnell bei seiner unintelligenten Erwiderung.

„Gemäß meiner Logik solltest du das, obwohl ich nicht ganz sicher bin, worauf spezifisch du anspielst," gab er zu und hob leicht eine Augenbraue.

Oh, noch besser. Das Opfer war ahnungslos. Genau so, wie sie es mochte. Und es war blind. Naja, das machte es nur leichter.

Er runzelte noch einmal die Stirn, als sie sich auf der Bank aufsetzte, und sie konnte sich nur zu gut vorstellen, wie seine Gedanken rasten, um herauszufinden, was sie unternehmen würde. Falls er es noch nicht herausgefunden hatte, war es ein sehr großer Anhaltspunkt, als sie ihr Bein über seinen Schoß schwang, und ihre Knie rechts und links neben seinen Oberschenkeln in die Couch grub. Sie sah und fühlte, wie er einen erschrockenen Atemzug nahm, und ihre Augen fixierten sich sofort auf seine Lippen, während sie sich leicht öffneten um die Luft einströmen zu lassen. Er war so berauschend nahe. Eine klitzekleine Bewegung und ihre Lippen würden sich treffen, sich in großartiger Euphorie gegeneinander bewegen.

Doch während ihre Lippen sich schon zuvor berührt hatten, war sie noch nie so nahe an seinem gesamten Körper gewesen. Sie blieb Zentimeter vor seinem Gesicht und genoss das Gefühl der nackten Haut unter ihren Fingerspitzen. Diese verharrten mit federleichtem Druck auf seiner Brust, berührten kaum seine weiche Haut und unterließen es, sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Ihre Augen wanderten über sein Gesicht, sie genoss, wie sein Atem schwer und unregelmäßig wurde, und durch einen Impuls bewegte sie ihre Hand über seinen Haaransatz, ließ die wunderbar weichen Strähnen durch ihre Finger laufen. Sie ließ ihre Finger über seine Wange wandern, während ihr Daumen eilig seine geöffneten Lippen liebkoste, welche plötzlich unter ihrer Berührung bebten.

Diese unkontrollierte Reaktion ließ ihre Geduld wie Sand durch ihre Finger laufen, und ihr Daumen wurde innerhalb einer Millisekunde durch ihre Lippen ersetzt. Sie vergrub eine Hand in der wunderbaren Struktur seiner Haare, als er begann, ihren Kuss zu erwidern und das unbeschreibliche Gefühl von seinen weichen Lippen auf ihren sie komplett überwältigte. Ihre Muskeln schienen, die Kontrolle zu verlieren, sie drückte sich näher an seinen Körper und seufzte beinahe, als seine Arme sich um sie schlangen und seine Hände auf ihrem Kreuz verharrten.

Sie war so verloren in dem Gefühl, das er verursachte, dass keine Zeit zu zögern war, als die Spitzen ihrer Zungen sich trafen. Sie konnte beim besten Willen nicht sagen, wer es initiiert hatte, doch keine Faser in ihr protestierte, als er den kleinen Eröffnungstanz gewann, geschickt in ihren Mund eindrang und an ihrer Zunge entlang glitt. Es kostete sie ihre gesamte Kontrolle um ein Stöhnen zu unterdrücken, und sie konzentrierte sich darauf, ihm mit einem Hunger zu antworten, den nur eine zurückgewiesene Frau haben konnte.

Es schien viel zu bald, dass sie den Kontakt aufgrund des Mangels an Luft abbrach. Sie wusste, dass der Moment umgehend ruiniert war, und die Lust erlitt schlussendlich einen Hieb von ihrer unbändigen Scham. Während sie auf ihrer nun strahlend rote Lippe herumkaute, kletterte sie von seinem Schoß und sank mit einem gut hörbaren Seufzen zurück auf ihren Platz.

Sie stieß ein unbehagliches Husten aus, um die Stille zu beenden, die nur durch ihr schweres Atmen durchbrochen wurde.

"Ich glaube, der Spielstand ist ausgeglichen," verkündete sie mit heiserer Stimme, während ihre Wangen bei dem Gedanken an ihr flirtendes Benehmen rot glühten.

"Oh, da bin ich anderer Ansicht," antwortete er, seine Stimme war genauso beeinflusst von der letzten Aktion.

"Was?"

"Naja, zum Beispiel….kannst duimmer noch sehen!"

Trotz der Anspannung stieß sie ein anerkennendes Lachen aus.

"Naja, falls du ein weiteres Date mit Lola hast, muss ich mir vermutlich die Augen mit einer Gabel ausstechen."