Das Erbe Merlins


Zehntes Kapitel

Die Runespoor


Als Sirius am nächsten Morgen die Treppe zum Gemeinschaftsraum hinunterging – noch immer vollkommen ausgelaugt vom Vorabend –, sah er Remus und Peter schon über einige Bücher gebeugt dasitzen und lernen.

Er verdrehte nur die Augen, da er an einem Samstagmorgen etwas Besseres zu tun hatte, als zu lernen, und hielt nach James Ausschau. Dieser schien jedoch noch unten beim Frühstück zu sein.

Gerade als Sirius sich entschloss, auch etwas essen zu gehen, lief James total rot im Gesicht herein.

»Dich hab ich gesucht!«, keuchte er und packte Sirius schon am Arm, um ihn mit nach draußen zu ziehen. »Das musst du dir ansehen, bevor die McGonagall dazwischen geht!«

»Mann, was ist denn los!« Sirius befreite sich von ihm, um neben ihm her zu laufen.

»Die streiten sich da unten, das ist der Wahnsinn!«

»Was? Wer streitet sich?« Sirius konnte beim besten Willen nicht verstehen, was sein bester Freund an einem Streit so toll fand.

»Hey, wartet auf uns!«, erscholl es nun hinter ihnen.

Überrascht drehte sich Sirius zu Remus und Peter um, die ihnen hinterher rannten. »Was denn? Du lässt deine Bücher alleine?«, neckte Sirius ihn, als die beiden zu ihnen aufschlossen.

Endlich hatten sie die Eingangshalle erreicht und sahen, da sie vom oberen Ende der Marmortreppe einen guten Überblick hatten, sofort, was James gemeint hatte. In der Halle hatte sich ein riesiger Menschenauflauf gebildet, der einen Kreis um zwei völlig gleichaussehende Gestalten formte, die sich in einer wahnsinnigen Lautstärke anschrieen.

»Bei Merlin!«, stieß Sirius nur hervor, als er das Gesicht erkannte. »Die gibt's zweimal!« Ungläubig starrte er erst Eileen und das völlig gleiche Ebenbild an, dann James.

»Manchmal frage ich mich wirklich, wo du das letzte Jahr eigentlich verbracht hast«, schüttelte Remus seufzend den Kopf.

»Wieso ist die andere in Slytherin?«, hakte Sirius nun nach, als er das grüne Emblem auf dem Umhang von Eileens Schwester entdeckte.

»Psst! Jetzt wird's wieder lustig!«, fuhr James dazwischen und deutete nach unten, wo die beiden Schwestern eben wieder begannen, sich zu duellieren.

»Mann, wieso streiten die sich denn so?«, fragte Peter, der das Schauspiel mit offenem Mund verfolgte.

»Na, Slytherin gegen Gryffindor, ist doch klar!«, erwiderte Sirius, doch James schüttelte den Kopf.

»Nee, Eileen hat Snape beleidigt. Und Mara lässt das ihrer Schwester nicht durchgehen«, erklärte James interessiert nach unten blickend, wo Mara, der Zwilling aus Slytherin, Eileen eben einen Kitzelfluch aufhetzte.

»Hey, jetzt hab ich's!«, warf Sirius plötzlich ein. »Die hat letztes Jahr meinen Schildzauber durchbrochen. Es war nicht Eileen, sondern Eileens Schwester, die mich besiegt hat!«

»Wer hat dich besiegt?«, hakte Peter nach.

»Du wurdest mal besiegt?« Irritiert trat Anne neben die Jungs und blickte hinunter zu den Streitenden.

»Nicht direkt, aber sie hat meinen Zauber gebrochen. Danach hab ich sie allerdings gehörig dafür geschockt, lange Geschichte… Ich wette, die haben mal Rollen getauscht! «

»Schlaukopf«, meinte James nur trocken. »Das ist doch klar! Würdest du das nicht tun, wenn du einen Zwillingsbruder hättest?«

»Achtung! Die Schreckschraube kommt!« Remus deutete nach unten, wo die Mädchen sich inzwischen gegenseitig behexten. McGonagall schritt in diesem Moment energisch aus der Großen Halle und ging zwischen die beiden Streithennen.

»Ich versteh nicht, was die sagen! Lasst uns weiter runter gehen!«, drängte James nun neugierig.

»Mann, deren Strafarbeiten sind bestimmt viel härter als unsere je waren«, überlegte Sirius, als sie sich durch die Menge zum Zentrum der Aufmerksamkeit drängten.

»Neidisch?« Anne grinste, bevor sie zwischen ein paar älteren Schülern verschwand.

»Ja!«, antwortete James sofort.

Remus schüttelte nur den Kopf, verkniff sich aber seinen Kommentar.

Endlich hatten sie sich unter nicht gerade zimperlicher Benutzung der Ellebogen bis in die erste Reihe vorgearbeitet, da begann sich die Menge zu zerstreuen. Die vier Jungs sahen nur noch, wie die beiden Zwillingsschwestern hinter McGonagall die Treppe hinauftrotteten.

»Oh Mann! So ein Mist!«, fluchte James enttäuscht. Doch Sirius hatte etwas entdeckt, dass sie aufmuntern würde: Snape stand allein am Fuß der Marmortreppe und starrte den beiden Mädchen noch immer hinterher.

Auch James grinste gehässig und rief dann: »Hey, Schniefelus, hast du endlich eine Freundin, die auf dich aufpasst, ja?«

Mit glühendem Blick fuhr der Slytherin herum. »Steck deine Nase nicht in Sachen, die dich nichts angehen, Potter«, knurrte er zurück.

»Ooohh, Schniefelus ist verliebt!«, flötete Sirius amüsiert.

Im nächsten Moment hielt Snape seinen Zauberstab in der Hand und murmelte etwas Unverständliches, als auch schon eine Feuerflamme daraus hervorschoss.

Sirius duckte sich zur Seite, wobei er Peter mit sich zog, der ebenfalls mitten in der Schusslinie stand. James ließ unterdessen einen Wasserstrahl aus seinem Zauberstab hervorbrechen, der nicht nur die Flamme löschte, sondern auch Snape völlig durchnässte.

Sirius lachte den verhassten Mitschüler aus, als es plötzlich vom Kerkereingang ertönte: »Oh, Baby-Black will sich mit einem von uns duellieren!«

Sirius machte sich nicht einmal mehr die Mühe, Bella anzusehen, die gefolgt von Rodolphus Lestrange in sein Blickfeld trat, um sich neben Snape zu postieren.

»Ich glaube nicht, dass Baby-Black damit viel Erfolg haben wird!«, setzte sie hinzu und hob bereit zum Kampf ihren Zauberstab.

»Was ist denn nun schon wieder los!« McGonagall war wieder auf der Marmortreppe erschienen. »Miss Black, wie könnte es anders sein! Und schon wieder legen Sie sich mit jüngeren Schülern an!«

Die Schreckschraube eilte die Treppe herunter, während Bella ihrem Cousin einen hasserfüllten Blick zuwarf. Als die Lehrerin bei ihnen anlangte, schien sie auch den durchnässten Snape wahrzunehmen. Sofort wanderte ihr Blick zu James und Sirius, die ihre Zauberstäbe ebenfalls in den Händen hielten, und ihre Augen verengten sich zu kleinen Schlitzen.

»Oh, Sie sind wirklich unverbesserlich! Strafarbeit für Sie alle! – Sie natürlich nicht, Mr Lupin und Mr Pettigrew.« McGonagall nickte Remus und Peter zu, die anscheinend schon das Schlimmste befürchtet hatten.

»Ich habe auch nichts gemacht!«, wehrte sich Rodolphus nun.

»Hat er sehr wohl!«, warf Sirius sofort ein. Wenn er schon Strafarbeit schieben musste, dann sollte aber auch jeder andere Slytherin verdonnert werden.

»Sie waren alle beteiligt! Also bekommen Sie auch alle Strafarbeiten! Am Montag! Ich gebe Ihnen noch Bescheid, was Sie tun werden! Und jetzt gehen Sie zurück in Ihre Gemeinschaftsräume!«, befahl die Lehrerin unerbittlich.

»Aber…«, wagte Sirius einzuwerfen, dessen Magen laut knurrte, doch er begegnete nur einem wirklich wütenden Blick der Schreckschraube, weshalb er es vorzog, lieber zu gehorchen.

»Was wäre ein Samstagmorgen, der ohne Strafarbeit beginnt!«, seufzte Remus, als sie die Treppe hinaufstampften.

»Was regst du dich eigentlich auf? Du hast doch keine Strafarbeit!«, erwiderte James.

»Aber wenn ihr mit eurer Strafarbeiten-Karriere so weitermacht, dann werdet ihr nie zu Vertrauensschülern bestimmt«, erklärte Remus ernst.

Sirius und James wechselten einen ungläubigen Blick. »Vertrauensschüler! Wer sagt denn…«, begann Sirius und James fuhr fort: »…Dass wir in unseren schrecklichsten Alpträumen je auch nur im Entferntesten daran gedacht hätten, das jemals zu werden!«

»Eben. Das ist ein Job für Streber.«

»Wenn du deine Karriere schon planst, dann lass uns damit in Ruhe! «

»Hab noch nie gehört, dass ein Werwolf…«, begann Peter tief in Gedanken, doch da trat vor ihnen Luke aus einem Klassenzimmer.

»So ein großes Tier ist?«, vollendete Sirius den Satz geistesgegenwärtig, während James Peter den Mund zuhielt.

»Werwölfe? Oh, ich fand Werwölfe schon immer faszinierend!«, begann Luke gleich freundlich lächelnd.

»Ja, ja, wir auch. Sind tolle Tiere!«, stimmte Sirius hastig zu.

»Wir… äh, müssen jetzt wirklich los! Unsere Aufsätze warten!«, setzte James hinzu und zog Peter mit sich fort.

»Soll ich euch helfen? Bei Werwölfen kenne ich mich aus!«, rief Luke ihnen hilfsbereit hinterher.

»Nein, nein! Wir kennen uns da auch ganz gut aus!«, gab Remus schnell zurück, bevor sie um die nächste Ecke verschwanden.

Dahinter kicherte Sirius los: »Mann, ein Werwolf mit Vertrauensschülernadel! Ich lach mich tot!«

Sie bekamen von Remus das strikte Verbot, am Wochenende auch nur noch eine Dummheit anzustellen, um McGonagall, die in letzter Zeit anscheinend sehr schlechte Laune hatte, nicht herauszufordern.

Dies hielt Sirius und James nicht davon ab, in Snapes Manteltasche einen Schokofrosch zu schmuggeln, der beim Öffnen explodierte.

Natürlich saßen die beiden Gryffindors zu der Zeit lauernd vor dem Zugang zu den Kerkern, und lachten sich schließlich halb krank, als Wilkes und Eileens Schwester Mara voller tropfender Schokolade schimpfend nach draußen kamen.


Doch bedauerlicherweise hatten Sirius und James wichtigere Dinge zu tun, als Slytherins Streiche zu spielen.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag hatten sie sich einmal mehr in ihren Geheimgang geschlichen, um dort am Imperius-Fluch weiterzuüben…

»Heb die Hand!«, befahl Sirius gerade seinem besten Freund, der zu seiner großen Verblüffung tat, wie ihm geheißen. »Du willst mich auf den Arm nehmen, James!« Sirius senkte seinen Zauberstab, nachdem er den Fluch aufgehoben hatte, und sah seinen Kumpel fragend an.

»Wow!«, brachte dieser nur heraus. »Das war ja ein irres Gefühl! Ich hatte alles andere vergessen – sogar diesen nervigen Verwandlungsaufsatz für morgen! – Kann ich den übrigens morgen früh noch schnell von dir abschreiben?«

Sirius nickte langsam. Er konnte es immer noch nicht fassen, dass er es geschafft hatte. Nun gut, es war erst ein Anfang. Sein Buch sagte ihm, dass es schwieriger wurde, je größere Sachen man von seinem Gegenüber verlangte, aber immerhin.

»Gut. – Dann mach noch mal! Das Gefühl ist einfach großartig!«

»Nicht, wenn du von jemandem gezwungen wirst, etwas zu tun, das du gar nicht tun willst«, erklärte Sirius, wobei ein verbitterter Unterton nachschwang, wie er verärgert feststellen musste. Wie zum Beispiel auf die Reinblütigkeit anstoßen…

»'tschuldigung!« James sah in der Dunkelheit, welche lediglich von dem magischen Schimmer des Amuletts erhellt wurde, seinen Freund verlegen an. »Hab ich vergessen…«, murmelte er.

Sirius nickte verständnisvoll, drehte sich aber weg, damit James seinen seelenwunden Ausdruck nicht sehen konnte. Ein paar Sekunden herrschte Ruhe, dann erbarmte sich James, behutsam das Wort zu ergreifen: »Sirius…«

Der Junge spürte, wie sein Freund ihm die Hand von hinten vorsichtig auf die Schulter legte.

»Ich würde verstehen, wenn du nicht willst, dass wir den Spruch weiterüben… oder dass ich den Fluch an dir ausprobiere.«

»Ach Quatsch!« Mit einer unwirschen Bewegung drehte sich Sirius herum, sodass er sich von James' Hand befreite. »Bin ich doch schon gewöhnt von meiner Familie her…«, fügte er mit einer vorgetäuschten Unbeschwertheit hinzu.

Er sah unbehaglich in die haselnussbraunen Augen seines besten Freundes und es wurde ihm mit einem Mal klar, dass er James nichts vorzumachen brauchte.

»Nein, ehrlich«, begann er daher langsam. »Bei dir kann ich mir doch sicher sein, dass du mich nie etwas machen lassen würdest, das ich nicht will.«

Er schenkte James ein flüchtiges Lächeln und erhob dann seinen Zauberstab erneut, bereit zu einem neuen Versuch.


In Verteidigung gegen die dunklen Künste hatten sie Anfang der Woche bedauerlicherweise wieder Highking, da Luke nicht jede Verteidigungsstunde in Anspruch nehmen konnte.

Sirius malte gelangweilt eine Karikatur von Snape in sein Verteidigungsbuch. Die Nase seiner Zeichnung war ungefähr dreimal so groß wie normal, so dass er aussah, als hätte er an seinem Kopf ein Segel. Gerade als Sirius die Augenbrauen schön dick zeichnete – James malte unterdessen Snapes Hände groß wie Luftballons – klopfte es an der Tür.

Somit wurde Highking in seinen Ausführungen über den Entwaffnungszauber, den genau zwei Schüler aus der Klasse noch nicht konnten, unterbrochen.

Irritiert sah der Lehrer zur Tür und rief: »Herein in die gute Stube!«

Luke steckte den Kopf ins Klassenzimmer und grinste die Schüler an. »Entschuldigen Sie, Professor Highking, ich müsste Ihnen für einige Augenblicke Mr Potter und Mr Black entführen. Anordnung der stellvertretenden Direktorin«, meinte er.

Sirius fragte sich zwar, was sie nun schon wieder verbrochen hatten, doch er erhob sich zusammen mit James ohne Nachfragen, um zur Tür zu gehen, ohne Highkings Antwort abzuwarten. Remus warf ihnen einen besorgten Blick nach, doch er sagte nichts.

»Oh ja, dann nehmen Sie die beiden doch mit!«, nickte Highking überrumpelt, als die Jungs schon fast draußen waren.

»Danke sehr!« Luke schloss die Tür und wandte sich den beiden Freunden zu.

»Was will die McGonagall von uns?«, fragte Sirius neugierig.

»Na, ihr habt heute Strafarbeit bei mir!«, erinnerte Luke, während er losging.

»Während Verteidigung?«, rümpfte James die Nase.

Luke grinste wie ein Schuljunge: »So direkt hat sie mir keine Zeit genannt und da dachte ich, wenn ihr schon Strafarbeit leisten müsst, dann kann sie euch auch ein bisschen entschädigen…«

»Cool, kannst du's irgendwie hinbiegen, dass wir nur noch bei dir Strafarbeit haben?«, schlug Sirius kurzerhand vor.

Der Auror grinste hintergründig. »Vielleicht schaff ich's ja, euch irgendwie als meine persönlichen Helfer einteilen zu lassen. Aber nun beeilen wir uns, bevor wir noch von Professor McGonagall entdeckt werden.«

»Bei wem haben Bella und Rodolphus und Snape Strafarbeit? Auch mit uns?«, fragte James vorsichtshalber nach, als sie durch die Gänge stapften.

»Nein, nein, ich glaube, die müssen bei Jefferson arbeiten«, erinnerte sich Luke.

Sirius und James kicherten hämisch.

»Achtung!« Luke packte beide an den Kragen, um sie von einer Tür zurückzuziehen, aus der eben ein am Umhang brennender Auror gestürmt kam. James zückte seinen Zauberstab und sprach geistesgegenwärtig seinen Löschzauber. Erleichtert blieb der Auror, den Sirius als Marco wiedererkannte, stehen und drehte sich zu ihnen um.

»Oh, vielen Dank, junger Mann. Ich werde langsam einfach zu alt für diesen Job«, stöhnte er, während er sich sein weißes Haar hinter die Ohren strich.

»Was hast du denn da drinnen gefunden?«, hakte Luke neugierig nach.

»Oh, eine Aschwinderin. Doch gerade als ich ihre Eier gefunden hab, hat mich ein ganz gemeiner Teekessel erschreckt und als wir uns ein hartes Duell geliefert haben, hab ich das Gleichgewicht verloren und mich aus Versehen auf die Eier gesetzt… bin froh, dass ich noch alle Finger hab…«, erzählte Marco, der prüfend seine lädierten Hände besah.

»Wir lösen dich hier ab. Ruh dich ein bisschen aus!«, schlug Luke vor, woraufhin der Auror dankbar nickte.

»Dann mal hereinspaziert!« Luke ging den beiden Gryffindors voran in das Zimmer.

Eigentlich wäre es wohl ganz gemütlich gewesen, überlegte Sirius, wären nicht sämtliche Schränke aufgerissen und ausgeräumt worden.

»Was ist eine Aschwinderin?«, wollte James nun interessiert wissen.

»Sie entsteht, wenn man magisches Feuer zu lange brennen lässt. Sie sieht aus wie eine Schlange und legt ihre Eier in irgendeine Ecke, bevor sie zu Staub zerfällt. Ihre Eier werden irgendwann so heiß, dass das ganze Haus anbrennt. – Also ist unsere Priorität…«, erklärte Luke, doch Sirius fuhr fort: »Die Eier zu finden!«

Luke nickte lächelnd. »Und hütet euch vor bissigen Teekesseln.«

Alle drei schwärmten in verschiedene Ecken des Zimmers aus, um mit ihren Zauberstäben in die Dunkelheit zu leuchten. »Hab sie! Und jetzt?«, rief James bald. Die anderen beiden eilten zu ihm.

»Habt ihr den Schockgefrierzauber schon gelernt?«, hakte Luke nach.

»Klar, wir haben zwar Highking in Verteidigung, aber wir sind nicht blöd!«, erwiderte Sirius.

Nachdem Sirius die Eier schockgefroren hatte, fragte er naserümpfend: »Und jetzt?«, womit er auf die Eier deutete.

»Na ja, ihr könnt aus den Eiern zum Beispiel einen Liebestrank herstellen…«, grinste Luke fröhlich.

»Ihhh, wozu denn das!«, meinten Sirius und James gleichzeitig.

»Ich erinnere euch in drei Jahren noch mal dran« Der Auror zwinkerte ihnen amüsiert zu.

Das Klassenzimmer hielt allerdings noch weitere Überraschungen für sie bereits. Nachdem sie die Eier der Aschwinderin vernichtet hatten, wäre Sirius beinahe von einer Horde wild gewordener Kissen erstickt worden, wenn James und Luke ihn nicht gemeinsam aus dem Kissenberg befreit hätten.

»Wo sind wir hier eigentlich!«, fragte Sirius etwas angefressen, da er beinahe von ein paar Kissen gemeuchelt worden wäre.

»Ich glaube, hier kommen alle mehr oder weniger gefährliche, magische Dinge hin«, zuckte Luke die Schultern.

Am Ende ihrer Strafarbeit lächelte Luke den Jungs augenzwinkernd zu: »Mal schauen, wann wir uns wiedersehen.«

»Ich denke, morgen lässt sich einrichten«, meinte Sirius zuversichtlich.

James nickte bekräftigend, was Luke zu irritieren schien. »Euch hat das doch nicht etwa Spaß gemacht!«, platzte er nun heraus.

Ungläubig wechselten die Jungs einen Blick. »Natürlich hat es das!«, bekräftigte James ernst.

»Oh Mann. Und ich hab mir solche Mühe gegeben…«, seufzte Luke.

»Uns umzubringen?«, hakte Sirius scherzend nach, der noch immer an sein Erlebnis mit den verrückten Kissen dachte.

»Los, raus jetzt!«, grinste Luke, womit er die Jungs vor sich herscheuchte. »Geht zurück in euren langweiligen Unterricht.«


»Das hat er nicht im Ernst gemacht!«, entfuhr es Remus, als sie ihm und Peter in Zauberkunst von ihrer ungewöhnlichen Strafarbeit erzählten.

»Doch, das war der Hammer!«, freute sich James in der Erinnerung.

»Mr Potter, Mr Lupin, darf ich Sie um Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit bitten? Dieses Thema kommt sehr oft in den Prüfungen dran!«, erscholl es jetzt von vorne. Flitwick stand dort wieder auf seinem Bücherstapel hinter dem Pult und hantierte mit seinem Zauberstab.

»Mit dieser Bewegung können Sie die Kissen steuern…«, erklärte der Zauberkunst-Lehrer nun.

Peter, der neben Sirius saß, fröstelte.

»Was ist denn mit dir los?«, hakte Sirius verständnislos nach.

»Ich musste eben an die Kissen denken, die dich fast erstickt hätten…«, gestand Peter, dem sehr unwohl beim Anblick eines Kissens zu werden schien. James hatte das natürlich mitbekommen und die beiden Freunde tauschten nur einen Blick…


»Bei Merlin, Remus! Du kannst doch nicht immer noch böse auf uns sein!«, seufzte James, der wie Sirius ihrem Freund zum Abendessen in die Große Halle folgte.

»Das war nur ein einfacher Streich!«, beteuerte auch Sirius.

»Erstens spielt man keinem Freund so einen bösen Streich! Das könnt ihr mit den Slytherins machen oder mit sonst jemandem, den ihr nicht leiden könnt, aber nicht mit einem eurer Freunde! Und zweitens hört ein einfacher Streich bei mir dann auf, wenn ich Peter in den Krankenflügel bringen muss, weil er einen Schock hat!«, stellte Remus klar. Sirius sah an seinem blassen Gesicht schon wieder den nahenden Vollmond.

»Wir haben uns doch entschuldigt!«, erwiderte James nun heftig.

»Ein Schokofrosch mit einer Schleife drum ist keine Entschuldigung, das ist Bestechung!«, wehrte sich Remus.

»Okay, okay, wenn er sich wieder aus dem Gemeinschaftsraum traut, dann…«, wollte Sirius vorschlagen, doch Remus entgegnete wütend: »Nein, ihr werdet euch bei ihm entschuldigen oder ich lasse euch nie wieder von mir einen Zaubertränke-Aufsatz abschreiben!«

Mürrisch wechselten Sirius und James einen Blick. »Wir bringen ihn zum Abendessen mit. Geh schon mal vor«, brummte James letztendlich.

Remus verschwand in der Großen Halle, während die Jungs sich wieder der Marmortreppe zuwandten. Sirius erinnerte sich an den Abend, an dem sie gewartet hatten, bis Peter eingedöst war und dann ein paar Kissen auf ihn gehext hatten. Der Anblick des Schreckens in Peters Gesicht brachte ihn immer noch zum Grinsen.

»Ja, ja, aber die Erinnerung kann uns keiner mehr nehmen. Holen wir den kleinen Kerl ab und dann gehen wir endlich was essen, mir knurrt seit Verteidigung der Magen«, schlug Sirius vor.

Kein Wunder, in Verteidigung hatte Luke sie wieder einmal unterrichtet und bis an ihre Grenzen gefordert. Der Auror schien den Pokal wirklich nicht gerne an Jefferson zu verlieren, so wie er sie forderte…

»Aber Remus kriegt doch raus, wenn wir uns nicht entschuldigt haben.«

»Da mogeln wir uns irgendwie drum rum. Komm schon, wäre ja nicht das erste Mal, oder?« Sirius zwinkerte seinem besten Kumpel zu, dann beeilten sie sich, in den Gryffindor-Turm zu kommen.

Als sie das Porträtloch öffneten, sahen sie Peter schon ganz allein auf einer Couch sitzen und blicklos in ein Buch starren.

»Hey Peter!« Sirius rüttelte ihn an der Schulter.

Peter quiekte kurz auf, dann erkannte er seine Freunde. »Ach, ihr seid's«, stellte er dann erleichtert fest. »Ich dachte schon, das sei ein… Kissen.« Der kleine Junge flüsterte das letzte Wort nur.

»Komm schon, das war doch nur Spaß! Geh mit runter in die Große Halle, da gibt's garantiert keine Killerkissen«, versicherte James.

»Sicher?«

»Sicher! Jetzt mach schon, ich bin am Verhungern!«, drängte Sirius.

»Ich wusste, dass ihr euch nicht entschuldigen würdet!«, seufzte Remus nun hinter ihnen, der eben eintrat.

»Spionierst du uns jetzt schon nach, oder was!«, blaffte James plötzlich wütend.

Doch Remus hob besänftigend die Hände. »Nein, nein, ich hab gerade einen Brief von Hagrid bekommen. Er hat uns irgendwas Wichtiges zu erzählen. Wir sollen zu ihm herunterkommen.« Remus hielt ihnen ein Stück Pergament hin.

»Okay«, zuckte James nur die Schultern.

»Komm schon, Peter, das Essen wird verschoben«, brummte Sirius, als sie gemeinsam aus dem Porträtloch kletterten.

»U… u… und wenn bei Hagrid eins ist!« Peter blickte sie ängstlich an.

»Aber Peter, bei ihm waren doch schon ein paar Auroren. Die haben sie bestimmt schon entzaubert, wenn sie welche gefunden haben«, beruhigte James ihn grinsend.

»Und wenn nicht, wir beschützen dich schon vor den Killerkissen«, versicherte Sirius ihm und zog ihn hinter sich her.

»Und du? Bist du immer noch böse?«, hakte James jetzt bei Remus nach.

»Nein, wenn ich sehe, wie rührend ihr euch um Peters Neurose kümmert…«, lächelte Remus verzeihend. Alle drei lachten, Peter rang sich ein schwaches Lächeln ab.


»Kommt rein, kommt rein, Jungs.« Hagrid blickte sich sichernd um, als die vier Gryffindors eintraten, bevor er die Tür schloss.

»Was gibt es denn so Wichtiges, dass ich dafür das Essen ausfallen lassen muss?«, fragte Sirius griesgrämig, als er sich am Tisch niederließ.

»Und die zentrale Frage: wo ist überhaupt Fang?«, mischte sich jetzt James mit ein, der die seltsame Ruhe wohl ebenfalls bemerkt haben muss.

»Musst ich raussperren«, antwortete der große Mann auf die leichtere der beiden Fragen.

»Warum das denn? Hagrid, draußen ist es kalt und dunkel! Wieso mutest du das ausgerechnet Fang zu? Du weißt doch, dass er immer Angst hat!« Remus verstand anscheinend die Welt nicht mehr.

»Hab ihm sein Kuschelkissen mit rausgetan. (Peter zuckte zusammen.) Hab was geschenkt bekommen, das sich nicht mit ihm verträgt«, gestand Hagrid nun. »Weiß jemand von euch, wie man 'ne Runespoor füttert?«, fragte er dann frei heraus, während er vor jeden von ihnen einen Becher hinstellte und Tee eingoss. Remus japste auf, während Sirius nur die Nase rümpfte: »Weiß jemand von euch, was eine Runespoor überhaupt ist!«

»Eine Runespoor ist eine dreiköpfige Schlange, deren rechtester Kopf wahnsinnig giftig ist. Das Gegengift befindet sich noch im Entwicklungsstadium«, erklärte Remus fachkundig. »Hagrid, wo hast du so ein Viech denn überhaupt her!«, wandte er sich dann an den Wildhüter.

»Is 'ne lange Geschichte, muss ich von Anfang an erzählen…«

»Moment, bevor du anfängst, kannst du uns doch bestimmt versichern, dass das Vieh irgendwo eingesperrt ist, wo es nicht rauskommt, oder?«, fiel Sirius skeptisch ein.

»Ja, ja, 'türlich! Da in der Kiste…« Hagrid deutete auf eine große Holztruhe, deren Verschluss zwar eingehängt, allerdings nicht verschlossen war.

»Merlin steh uns bei«, stellte Sirius nur trocken fest, doch da fing Hagrid endlich an zu erzählen:

»Vor'n paar Tagen war ich mit Fang draußen im Wald. Die Wichtel ham sich aufgeregt und ich musste nachschau'n, warum. Hatte aber vergessen, meine Armbrust zu laden und bin noch mal zurückgegangen. Plötzlich war Licht hier drinnen und ich hör da so 'ne komische Stimme. Ich geh so rein, weil is ja meine Hütte. Vorm Kamin kniet da so 'ne Gestalt und ein Kopf verschwindet aus'm Feuer. Dann erkenn ich 'nen Mann und ich denk mir noch so, den kenn ich doch. War dann aber doch nur so 'n Auror vom Schloss. Frag so, was der denn bei mir will und der erzählt mir irgendwas von wegen geht seinem Job als Auror nach und hat nur noch mal die Hütte durchsucht nach irgendeiner Feuerschlange, damit das Haus nicht anbrennt.«

»Was hat das mit der Runespoor zu tun?«, unterbrach James den Wildhüter ungeduldig.

Aber Hagrid hob abwehrend die Hand: »Kommt noch. Hat sich dann verabschiedet und kam am nächsten Tag wieder mit der Runespoor. Sagt, er weiß, dass ich so was mag und ich könnte sie haben. Hab natürlich nicht nein gesagt, hat noch mal nach der Feuerschlange gefragt und meinte, meine Hütte sei jetzt frei von irgendwelchem magischen Unheil. Und hat mir noch das Versprechen abgenommen, mit niemandem über unser Geheimnis zu reden. Dann isser gegangen.«

»Das kommt mir ganz schön komisch vor. Wieso sollte ein Auror dir ein Tierwesen verschaffen, dass laut Zaubereiministerium verboten ist? Hat er wenigstens seinen Namen gesagt?«, hakte Remus ernst nach.

Doch Hagrid schüttelte nur den Kopf.

In dem Moment begann es an der Hintertür zu kratzen und zu winseln.

»Komm schon, Hagrid, lass Fang wieder rein, die Runespoor ist doch eingesperrt«, warf James ein, der das Kratzen anscheinend nicht leiden konnte.

»Hmm, hast Recht, fürchtet sich so arg, der Arme«, nickte Hagrid, aber bevor er aufstehen konnte, war Peter, der am nächsten zur Tür saß, aufgestanden.

«Ich mach das schon«, meinte der kleine Junge, womit er die Gartentür öffnete.

Fang sprang ihm dankbar entgegen – in der Schnauze sein Kuschelkissen. Quietschend wich Peter nach hinten zurück, bis er an die Runespoor-Kiste stieß und wimmernd darüber fiel. Dummerweise blieb er an dem eingehakten Verschluss hängen, so dass dieser geöffnet wurde.

»Nein, Peter!«, rief Hagrid und sprang auf, um zu retten, was zu retten war, doch durch Peters Schwung klappte die Truhe auf und die Runespoor mit orange-schwarz getigerter Haut kam zischend daraus hervorgekrochen. Fang bellte wütend, während Remus schon seinen Zauberstab zückte, um die Kreatur erstarren zu lassen, doch der Zauber wirkte nicht.

»Ups!«, machte Sirius nur und verschwand wie James und nun auch Remus unter dem Tisch. Er beobachtete wie die Runespoor mit erstaunlicher Geschwindigkeit zur noch geöffneten Gartentür kroch, Hagrid dicht auf den Fersen.

»Hagrid, lass es doch abhauen!«, riet Remus.

»Zu gefährlich!«, japste der Wildhüter und hechtete dem Tier nach, um es gerade so noch am Schwanz zu erwischen. Die Köpfe der Runespoor fuhren herum – und einer grub seine spitzen Zähne in Hagrids Arm. Dieser schrie noch auf, doch schon im nächsten Moment wurde er ohnmächtig.

»Mist! Ich glaub, das war der Rechte«, erkannte Sirius, der genau wie Remus und James unter dem Tisch hervorstürmte. James hechtete hinter die Truhe, während Sirius mit seinem Zauberstab herumfuchtelte und rief: »Wingardium Leviosa!« Die Runespoor erhob sich ärgerlich zischend in die Luft und Sirius ließ sie in aller Seelenruhe in seine Truhe schweben. James knallte den Deckel zu und hängte den Verschluss wieder ein.

»Schnell, wir müssen ihn hoch in den Krankenflügel bringen!« Remus kniete neben Hagrid und fühlte seinen Puls.

»Zu dritt!«, meinte James, der zu ihnen trat. Alle drei richteten ihre Zauberstäbe auf den großen Wildhüter und sagten: »Mobilcorpus!«

Der übergroße Mann erhob sich aufrecht in die Luft, so dass die Jungs ihn durch die Tür schweben lassen konnten.

»Peter, nimm Fang mit!«, befahl James noch, ehe sie alle die Hütte verließen.

Sie beeilten sich mit einem winselnden Fang im Schlepptau, ins Schloss zurückzukommen. Alle Schüler, die eben vom Abendessen kamen, blickten sie völlig verständnislos an, als sie Hagrid die Marmortreppe hinaufmanövrierten.

Eben als sie oben angelangten, trat Dumbledore aus einem Klassenzimmer heraus. Einen Augenblick lang blieb er stocksteif stehen, dann eilte er sofort auf sie zu. »Was ist mit ihm passiert!«, fragte er besorgt.

»Eine Runespoor hat ihn gebissen«, antwortete Remus.

Dumbledore stutzte, fragte aber nicht weiter nach. Er bewegte seinen Zauberstab und ließ Hagrid nun selbst weiterschweben. »Geht in mein Büro! Ich werde gleich bei euch sein«, befahl er, bevor er mit Hagrid weitereilte, Fang brav hinter ihm her.


»Es scheint ernster zu sein, als wir dachten«, meinte Remus, als sie schon eine geschlagene halbe Stunde auf den Schulleiter in dessen Büro warteten.

»Wie giftig ist so eine Runespoor eigentlich?«, fragte Peter nun leise, während er zu Boden starrte.

»Weiß ich nicht, ich hab den Artikel über das Vieh nur mal überflogen. Ich weiß nur, dass man dran sterben kann, aber mehr weiß ich nicht«, zuckte Remus angespannt die Schultern.

»Und… wenn er nun schon tot ist?«, fragte James heiser.

»Ist er nicht!« Sirius fuhr auf, um seinen Freund wütend anzufunkeln.

Der Gedanke daran, dass sie an Hagrids Tod schuld waren, war mehr, als er ertragen konnte. Hagrid durfte nicht sterben! Er durfte das einfach nicht! Außerdem war Dumbledore bei ihm, der würde alles in seiner Macht stehende tun, um Hagrid zu retten…

Sirius griff unwillkürlich nach dem Amulett an seinem Hals, das plötzlich eine beruhigende Wirkung auf ihn auszustrahlen schien.

Endlich öffnete sich die Tür und Dumbledore schritt langsam herein. Er streichelte kurz über Fawkes' Kopf, dann ließ er sich hinter seinem Schreibtisch nieder und blickte die Jungs ernst an.

»Wir können Hagrid nicht mit den Methoden heilen, die wir bisher haben, aber er lebt. Noch lebt er, wir haben ihn in eine Zeitblase eingeschlossen, damit das Gift sich nicht weiter in seinem Blut verbreiten kann. Wir müssen uns jetzt mit allen Kräften um ein Heilmittel bemühen«, erklärte er auf die ungestellten Fragen der Jungs.

Diese nickten nur.

»Aber ihr müsst mir jetzt erzählen, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Woher kam die Runespoor? Und wo ist sie jetzt?«, hakte Dumbledore ernst nach. Sirius und James tauschten einen schnellen Blick, dann begann Sirius: »Hagrid hat sie von irgendwem geschenkt bekommen. Er weiß noch nicht mal seinen Namen oder wollte ihn uns nicht sagen. Er hat die Runespoor in einer Truhe eingesperrt, die Peter durch ein Missgeschick aufgeklappt hat. Und Hagrid wollte das Vieh wieder einfangen und dabei hat es ihn gebissen.«

»Wir haben es wieder in die Truhe gesperrt«, fügte James hinzu.

Dumbledore nickte ernst. »Dann werde ich Professor Kesselbrand schicken, um die Runespoor zu holen. Ihr habt euch in dieser Situation gut verhalten, Jungs. Zwanzig Punkte für Gryffindor«, belohnte der Schulleiter sie.

»Hat Hagrid überhaupt eine Chance, das zu überleben?«, fragte Remus plötzlich leise.

»Ja, die hat er, wenn wir sehr schnell handeln. Ich werde mich in nächster Zeit intensiv darum kümmern. Ich bin zuversichtlich, dass wir ihn heilen können. Macht euch keine Sorgen mehr«, versicherte Dumbledore ruhig.

Die Jungs nickten und standen auf, um das Büro zu verlassen. Doch vorher rief Dumbledore Sirius noch einmal zurück: »Du wirst verstehen, dass ich mich nun um Hagrids Genesung kümmern muss, nicht wahr? Der Drudenfußzauber muss wohl eine Weile warten.«

»Klar, Sir«, erwiderte Sirius, dem der Drudenfußzauber im Augenblick reichlich egal war.

Dumbledore zwinkerte ihm aufmunternd zu, bevor auch Sirius das Büro verließ.

Unten angekommen waren Remus und James schon in eine hitzige Diskussion verstrickt. »Wenn ihr es ihm erzählt hättet, dann würde er jetzt zumindest nach diesem mysteriösen Auror suchen!«, argumentierte Remus aufgebracht.

»Hagrid hat uns das im Vertrauen erzählt und das missbraucht man nicht einmal, wenn er in einer Zeitblase im Koma liegt!«, schnauzte James zurück.

»Ich denke, dass sich dieses Verschwiegenheitsversprechen aufhebt, wenn es um den Verursacher dieser Misere geht, oder!«

»Versprochen ist versprochen oder wie würdest du es finden, wenn wir herumposaunen würden, dass du…«

»James!«, fuhr Sirius schnell dazwischen.

Remus sah sich ziemlich erschrocken um, doch James senkte den Blick. »Sorry, Remus, is mit mir durchgegangen. Tut mir echt leid«, murmelte er reuend.

»Schon okay, das nimmt uns alle ein bisschen mit«, meinte Remus.

»Vielleicht sollten wir lieber in unseren Schlafsaal gehen und uns ausschlafen«, schlug Sirius vor.

»Au ja, ich bin hundemüde«, stimmte Peter ihm zu.

Doch Sirius konnte wie so oft in letzter Zeit nicht einschlafen. Ihm ging die Runespoor einfach nicht aus dem Kopf und Hagrid, dessen ohnmächtiger Körper von Dumbledore fortgebracht wurde. Und die Worte des Schulleiters: » Noch lebt er…«

Das klang, als wäre es wirklich ernst!

»Wir können Hagrid nicht mit den Methoden heilen, die wir bisher haben…« Wenn nicht einmal Dumbledore weiterwusste… Der fahle Schein des Amuletts strahlte wie üblich seine magische Atmosphäre um sich herum aus. Sirius strich über die skurrilen Schriftzüge, deren Bedeutung er so gerne herausfinden würde. Ein antikes Schmuckstück

Der Junge wusste nicht, warum, doch es war, als ob das Amulett ihn leitete, hinunter zu den Kerkern. Zu dem bereits bekannten Porträtraum.

»Ich wusste, du würdest wiederkommen«, strahlte der weise, alte Zauberer, der als einziger der Gemälde noch wach war, fast so, als hätte er ihn bereits erwartet. Doch als er Sirius' mitgenommenen und zugleich erschöpften Ausdruck sah, fügte er an: »Ist etwas nicht in Ordnung?«

Sirius kniete sich vor das Gemälde, während er das matt leuchtende Amulett noch immer in der einen Hand fest umschlossen hielt. »Ihr wisst so viel«, begann der Junge. »Aber wisst Ihr auch, was aus Hagrid wird? Er ist unser Wildhüter und Freund und…«

Der Zauberer schüttelte traurig den Kopf. »Selbst der beste Wahrsager vermag derartige Dinge nicht vorherzusehen. Manchmal muss man einfach vertrauen. Sei es auf jemanden, in dessen Macht es steht, einen anderen zu retten, sei es einfach nur auf das Glück oder aber auf die eigene Kraft.«

Sirius wusste nicht so ganz, was er mit diesen Worten anfangen sollte. So begnügte er sich damit, tief zu seufzen.

»Aber ich spüre, dass dieser Schulleiter ein mächtiger Mann ist«, fuhr das Porträt fort. »Er wird es sicher schaffen, euren Freund zu retten.«

Sirius wunderte sich, woher der Zauberer überhaupt wusste, dass Hagrid in Gefahr war, eigentlich hatte er gar nichts Genaueres erzählt…

Und dennoch fühlte Sirius sich besser, auf seltsame Art erleichterter, als er sich aus dem Gemälderaum und durch das Schloss zurück in seinen Schlafsaal schlich.

In ihrer Sorge um Hagrid vergaßen sie ganz, für den Duellierwettbewerb zu üben. Doch für Sirius' und James' Imperius-Fluch-Training nahmen sich die beiden Jungen weiterhin die Nächte frei.

Sirius empfand das als gute Ablenkung und er freute sich jedes Mal, wenn James auf seinen Befehl hin im Geheimgang auf- und abhüpfte.

Auch James war es mittlerweile gelungen, seinem Freund kleinere Dinge zu befehlen.

Sirius, der das sorglose Glücksgefühl schon kannte, schlug seinerseits Räder in ihrem Versteck hinter ihrem Spiegel – etwas, von dem er nicht einmal gewusst hatte, dass er es überhaupt konnte.

So konnten die beiden bald beginnen, ihren Geist nicht mehr ganz so bereitwillig dem Fluch zur Verfügung zu stellen, wie am Anfang. Das erschwerte es für den Angreifer enorm, sein Gegenüber etwas ausführen zu lassen, weshalb sie lieber daran weiterübten, den jeweils anderen gänzlich seinem Befehl zu unterwerfen, wenn der Geist dafür offen war.

Dennoch kamen sie nur schwerlich voran und so stapfte Sirius eines Nachts mürrisch neben James her zu ihrem Turm zurück. Es kam ihm vor, als wären sie diese Nacht keinen Schritt weitergekommen. Wenn es jemand wie Bellatrix schaffte, dann sollte es ihm ja wohl auch gelingen!

»Mach dir nichts draus«, versuchte James seinen Freund aufzubauen. »Bis du deinen Drudenfußzauber drauf hast, kann ich den Imperius bestimmt schon so gut, dass wir ausprobieren können, ob dein Schutzschild ihn abblockt.«

Sirius brummte als Antwort nur vor sich hin, während er um die nächste Ecke bog… und in der Dunkelheit gegen jemanden prallte.

Er wollte schon sein Amulett aus dem Umhang holen, um zu sehen, wen er da erwischt hatte, als ihm einfiel, dass er den Anhänger sicherheitshalber lieber niemandem zeigen sollte. Außerdem flüsterten in dem Augenblick bereits zwei Stimmen »Lumos!«

Die eine Stimme gehörte zu James – die andere unglücklicherweise zu McGonagall, wie sich herausstellte.

»Was machen Sie denn nachts auf den Gängen?«, wollte James erstaunt wissen, während Sirius ebenso überrumpelt fragte: »Warum sind Sie ohne Licht unterwegs?«

Sie selbst hatten natürlich nicht mit ihren Zauberstäben geleuchtet, um nicht entdeckt zu werden, aber die Schreckschraube hatte durchaus die Erlaubnis, nachts durch die Gänge zu streifen, wenn ihr danach war.

»Als eure Hauslehrerin sollte es eigentlich ich sein, die euch Fragen stellt«, erwiderte McGonagall schroff, deren Dutt unordentlich frisiert war und deren Brille ihr schief auf der Nase hing.

Hastig rückte sie ihre Brille zurecht und fuhr schnell fort: »Aber ich will ja mal nicht so sein, begebt euch umgehend in euren Gemeinschaftsraum und ich kann darüber hinwegsehen.«

Sirius und James wechselten einen ungläubigen Blick. Noch nie hatte die Schreckschraube sie so einfach davon kommen lassen! Besonders nicht, wenn sie nachts – noch dazu ohne anständige Ausrede – auf den Korridoren unterwegs waren…

In dem Moment wurde Sirius von James am Umhang gepackt und somit aus seinen Gedanken gerissen.

»Wie großzügig. Wir werden auch ganz sicher unseren nächsten Aufsatz für Verwandlung mit mehr Mühe bearbeiten…«, schleimte James, wobei er Sirius langsam mit sich von McGonagall wegzog.

Die Lehrerin sah ihnen einen Augenblick lang nach, als ob sie doch noch überlegte, ihnen Strafarbeit zu verpassen, doch dann machte sie sich ebenfalls in die Gegenrichtung auf.

»Sag mal, was geht denn mit der ab!«, wollte Sirius wissen, kaum war er sich sicher, dass die Schreckschraube ihn nicht mehr hören konnte.

James zuckte planlos mit den Schultern. »Weiß nicht. Aber sei froh, so lange es anhält!«

»Ob es wegen dieser Sache mit Hagrid ist?«, vermutete Sirius, der immer noch nicht darüber hinwegkam, dass sie einer Strafarbeit entgangen waren, obwohl sie von McGonagall persönlich erwischt worden waren. »Vielleicht war sie ja gerade bei ihm im Krankenflügel gewesen…«

»Schon möglich«, gestand James, den das Thema weitaus weniger zu interessieren schien. »Aber wenn die morgen auch noch so durch den Wind ist, merkt sie vielleicht nicht, dass ich den Großteil meines Aufsatzes von Remus abgeschrieben habe!«


Am nächsten Tag war die Schreckschraube im Unterricht jedoch leider wieder wie umgewandelt. Nun ja, eigentlich eher wie immer. Beim Austeilen der Aufsätze warf sie James einen besonders strengen Blick zu.

»Es ist mir fraglich, warum Sie in der Praxis immer so gut sind, wenn Sie doch bei Ihren Aufsätzen derart schlampen.«

Immerhin war es nur eine indirekte Anspielung darauf, dass James von Remus abgeschrieben hatte. Sirius seufzte derweil innerlich auf vor Erleichterung, dass er sich von James lediglich die Anregungen geholt, aber dennoch vieles umformuliert hatte. An seinem Aufsatz hatte die Schreckschraube jedenfalls nichts auszusetzen.

»Ich wette, die ist immer noch sauer, weil sie uns gestern Nacht hat laufen lassen«, flüsterte Sirius seinem Freund zu.

»Heute ist sie jedenfalls wieder ganz die Alte«, stellte dieser verbittert fest.

Zu Sirius' Linken stöhnte Remus auf. »Ihr habt euch erwischen lassen!«

»Na ja, das war auch ein ganz fieser Trick!«, bekräftigte Sirius schnell. »Sie hat sich im Dunkeln an uns rangepirscht!«

»Aber keine Angst, wir haben keine Strafarbeit«, fügte James grinsend hinzu.

»Potter! Black!« McGonagall funkelte die beiden mit kompromisslos zusammengekniffenen Lippen an. »Dass Sie auch jedes Mal meinen Unterricht stören müssen! Fünf Punkte Abzug für Gryffindor. Und das nächste Mal gibt es Strafarbeit!«

»Ganz die Alte«, wiederholte Sirius leise, bevor er sich gelangweilt dem Unterricht widmete.


Abends saß Sirius im Gemeinschaftsraum und starrte ins Feuer. Es war schon spät, die einzigen, die noch da waren, waren er, James, Remus und Peter.

James spielte mit Peter Zaubererschach, bei dem er natürlich immer gewann und Remus kraulte Charles hinter den Ohren, während er in einem Runenbuch las.

»Ich glaube, ich werde nächstes Jahr Alte Runen belegen. Das Fach scheint sehr interessant zu sein«, meinte er plötzlich.

Sirius zog unwillkürlich das Amulett unter seinem Umhang hervor und musterte die Schrift darauf.

»Ha!«, rief James nun triumphierend, als eine seiner Figuren Peters Dame zerschmetterte, »Und Schach matt!«

»Ich mag dieses Spiel nicht!«, stellte Peter fast beleidigt fest.

»Du magst nur das Verlieren nicht. – Deshalb spiele ich nur Spiele, bei denen ich immer gewinne. Schach, Quidditch…«, zählte James grinsend auf.

»Du solltest so was spielen wie ›Wer zerstört als erster den Zaubertränke-Kerker?‹ oder ›Wer erschrickt am ehesten vor Kissen?‹«, mischte sich nun auch Sirius mit ein.

James lachte auf, während Remus ihm nur einen missbilligenden Blick zuschickte. Anschließend stand er seufzend auf.

»Nun, ich muss gehen, Freunde.«

Er nickte zum Fenster, von dem aus man die Peitschende Weide erkennen konnte.

»Manchmal beneide ich dich richtiggehend, dass du einmal im Monat einfach aus diesem Mist aussteigst«, meinte James.

Remus warf ihm einen dunklen Blick zu und erwiderte trocken: »Sag mir das noch mal, wenn ich am Sonntag völlig zerkratzt, zerbissen und zerzaust wiederkomme.«

»Wer wird zerbissen?«, ein Erstklässler, den Sirius natürlich noch nie gesehen hatte, kam sich die Augen reibend die Treppe herunter.

»He, Babys haben hier nachts nichts zu suchen!«, empörte er sich deshalb gleich.

»Ich muss aufs Klo«, erklärte der Kleine müde.

»Dann verschwinde!«, brummte James ihn ebenso abweisend an.

»Kann nicht einer von euch mitkommen? Ich hab Angst im Dunkeln«, bat der Kleine nun.

»Normalerweise würden wir Peter mitschicken, aber ihr verlauft euch ja nur beide«, meinte James, doch Remus fiel ein: »Ich kann ihn mitnehmen. Muss sowieso in die Richtung. Also, bis demnächst, Leute.« Remus nickte ihnen noch einmal zu, dann verzog er sich mit dem Erstklässler im Schlepptau nach draußen.

Kopfschüttelnd wandte sich James wieder seinem Schachspiel zu, das er sorgsam zusammenräumte. Im nächsten Moment schallte es von den Schlafsälen herunter: »Alarm!«

Erschrocken sprangen Sirius und James auf, doch es war nur der ÜV, der heruntergestürmt kam. Er war gerade dabei, sich seinen Umhang zuzuknöpfen und steckte sich gleichzeitig seine Vertrauensschülernadel an. »Der Alarm wurde ausgelöst! Wo ist er hin? Wo ist er?«, fragte er völlig verwirrt.

»Der Geburtstagskalender?«, hakte Sirius nach und auch James prustete bei der Erinnerung los.

»Nein, der Erstklässler!«, entgegnete der ÜV, als wäre es selbstverständlich.

»Der ist auf dem Klo. Remus hat ihn hingebracht«, erklärte James perplex.

Daniel Lewis seufzte stolz: »Wenigstens einer, den ich mit meinem bescheidenen Tun als Vertrauensschüler beeindrucken und anleiten konnte.«

»Was für ein Alarm, Lewis?«, hakte Sirius nun naserümpfend nach.

»Oh, eine Erfindung von mir! Ich habe einen Spruch auf die Tür zum Erstklässlerschlafsaal gelegt, dass neben meinem Bett ein helles Glöckchen bimmelt, wenn nachts ein Schüler den Schlafsaal verlässt. Und sie funktioniert prächtig! Übrigens bist du es, der mich auf die Idee gebracht hat, nachdem du letztes Jahr so oft schlafgewandelt bist… Also, wenn ihr mich entschuldigt, ich werde eurem Freund und meinem Erstklässler entgegengehen, damit sie auch wohlbehalten zurückfinden.« Stolz auf sich selbst und sehr zufrieden mit seinem Zauberspruch hastete der ÜV aus dem Gemeinschaftsraum.

Sirius und James wechselten einen verständnislosen Blick. »Mann, irgendwann legt der die kleinen Kinder an die Kette«, schüttelte James ungläubig den Kopf.

»Zum Glück hatte er diese Erfindung noch nicht letztes Jahr!«, seufzte Sirius erleichtert auf. »Stell dir vor, der wäre jedes Mal auf der Matte gestanden, wenn wir nachts das Schloss erkunden wollten!«

»Äh… Kumpel«, meinte James plötzlich und starrte auf das Porträtloch.

»Was denn?«, hakte Sirius interessiert nach.

»Wenn wir nicht schleunigst ins Bett gehen, dann begegnen wir dem noch einmal!«, eröffnete James seinen Freunden. Sie mussten nicht einmal einen Blick wechseln, um gleichzeitig aufzuspringen und die Treppe zu ihrem Schlafsaal hinaufzurennen.


»Das wird mir langsam lästig…«, meinte Sirius, als sie Samstagabend in der Bibliothek saßen und, tausend Bücher vor sich gestapelt, diese nach der Methode zu durchsuchen, wie man ein Animagus wurde. James warf ihm nur einen vielsagenden Blick zu.

»Ihr schon wieder!«, Madam Pince hatte sie eben erst auf einem ihrer Rundgänge entdeckt.

Sirius zog schnell den Kopf ein und James duckte sich hinter einen Bücherstapel.

»Was wollen Sie denn mit diesen Büchern? Die können Zweitklässler aber wirklich noch nicht gebrauchen!« Die Bibliothekarin musterte misstrauisch einige Titel.

Anscheinend kam sie plötzlich zu dem Schluss, dass die drei etwas Verbotenes damit anstellen könnten, denn sie raffte einige Bücher auf, um sie wieder einzuordnen.

»Heee! Die haben wir in mühsamer Kleinarbeit zusammengesucht!«, fuhr James wütend auf.

»Aber ehe Sie sich damit noch selbst zugrunde richten… oder den Zaubertränkekerker…« Sie warf Peter einen bohrenden Blick zu, der halb unter dem Tisch versank.

»Das ist eine freie Bibliothek! Und wenn Professor Dumbledore erfährt, dass Sie uns unsere Studien nicht machen lassen…«, begann Sirius nun.

»Wollen Sie mir etwa drohen!«, fauchte Madame Pince mit funkelnden Augen.

Sirius und James wechselten einen schnellen Blick, dann straffte auch James die Schultern. »Ja.«

Die Augen der Bibliothekarin schienen Funken zu sprühen. »Falsche Antwort!«

Damit raffte sie noch mehr Bücher auf, um sie wegzubringen, doch da traten Lydia und Nancy in ihren Gang.

»Oh, ihr habt uns die Bücher rausgesucht! Ihr seid solche Engel!«, begann Nancy breit lächelnd, welche die Situation wohl sofort erfasst hatte.

»Sonst hätten wir unsere Aufsätze heute nicht mehr geschafft!«, nickte Lydia erleichtert.

Madam Pince stutzte und musterte erst die Mädchen und dann wieder die Jungs.

»Oh, Madam Pince, kommen Sie, wir nehmen Ihnen die Bücher ab!«, wandte sich Nancy der Bibliothekarin zu.

»Die sind doch sicher schwer!« Auch Lydia nahm ein paar Bücher aus ihren Armen.

»Jungs, helft ihr uns, die mit in den Gemeinschaftsraum zu bringen? Allein schaffen wir die wohl nicht!«, fuhr Lydia freundlich fort.

»Klar!« Sirius sprang ohne weiter nachzudenken auf.

Kaum hatten sie die Bibliothek verlassen, begann Peter: »Puh, das war knapp!«

»Danke, Mädels!«, meinte auch James.

»Oh, kein Problem!«, grinste Nancy. »Der haben wir auch noch so einiges heimzuzahlen, nicht, Lyd?«

»Blöde Pute, die. – Aber sagt mal, was wollt ihr mit Büchern über höhere Verwandlung?«, fragte ihre Freundin nun, welche die Titel der Bücher musterte.

»Nur so interessehalber…«, winkte Sirius schnell ab.

»Ach so… Äh, seid ihr böse, wenn wir für euch nicht den ganzen Weg die Packesel spielen? Wir haben in fünf Minuten ein Date mit Gabriel und Jonathan«, erklärte Nancy, die auf die Uhr sah.

»Wer ist das denn?«, rümpfte Sirius die Nase.

Lyd und Nancy begannen zu kichern. »Gabriel ist Schulsprecher«, erklärte Nancy verliebt.

»Und Jonathan sein bester Freund«, grinste Lyd. Damit luden die Mädchen ihre Bücher auf James' und Sirius' Stapel ab und verschwanden im nächsten Korridor.

Sirius schüttelte ungläubig den Kopf. Er würde Mädchen nie verstehen!

»Mädchen – ich werde sie nie verstehen«, schüttelte James im selben Augenblick den Kopf.


Das restliche Wochenende verbrachten sie damit, jemanden zu suchen, der den Aufsatz für Brewpot hatte und sie abschreiben ließ. Am Ende fanden sie keinen einzigen, so dass sie sich Sonntagabend wirklich noch dazu herablassen mussten, sich einige Bücher von Pernilla und deren bester Freundin Stephanie zu leihen und daraus ein paar Artikel zusammenzufassen.

»Wie ich Zaubertränke hasse!«, knirschte James nach einer Weile. »Eigentlich könnten wir jetzt irgendwo im Schloss rumlaufen und Slytherins erschrecken oder den Blutigen Baron ärgern oder Geheimgänge finden!«

»Sag das nicht mir! Ich weiß, wie toll das Leben ohne Brewpot wäre! – Mann, Peter, kannst du nicht mal ihn in die Luft sprengen?«, vorwurfsvoll sah Sirius ihren Freund an, der eifrig etwas auf sein Pergament kritzelte.

»Nö, muss erst hier fertig werden«, antwortete der, ohne richtig zuzuhören.

James lachte leise und warf seine Feder weg. »Ich hab keine Lust mehr. Ich warte, bis Remus wieder da ist und hole mir dann Anregungen von ihm«, beschloss er.

Im nächsten Moment öffnete sich das Porträtloch und Remus kam herein. Er stützte sich auf einen Gehstock und sah wieder mal furchtbar zerkratzt aus. Im Gemeinschaftsraum kehrte plötzlich Stille ein, als auch ein paar andere ihn bemerkten und fassungslos anstarrten.

»Guten Abend«, sagte er freundlich und humpelte zu seinen Freunden in ihre Stammecke.

»Mann, du siehst vielleicht aus!«, stellte Sirius offen fest.

Auch Peter schauderte bei Remus' Anblick.

»Danke sehr. Darauf habe ich mich gleich gefreut, als ich wieder meine normale Gestalt angenommen habe. Darauf, dass meine Freunde mir sagen, wie beschissen ich aussehe!«, flüsterte Remus.

»Okay, tut uns leid, Themenwechsel!«, meinte James nun schnell und Remus wirkte fast dankbar, bis er fortfuhr: »Du musst unseren Zaubertränkeaufsatz schreiben. Der muss bis morgen fertig sein!«

»Wieso habt ihr nicht früher damit angefangen?«, fragte Remus tadelnd, womit er sich James' halbvolle Pergamentrolle heranzog.

»Wer macht schon Hausaufgaben am Wochenende?«, entrüstete sich Sirius laut.

»Ich«, meinte Peter kleinlaut.

»Oh Mann, war ja klar!«, seufzte Sirius genervt.

»Aber was habt ihr für ein Problem? Das Themengebiet ist weit gefächert und ergiebig…«, meinte Remus, der James seinen Aufsatz zurückgab.

»Sag mal ein Beispiel, das ich noch nicht hab«, bat James schreibbereit.

Remus verdrehte die Augen. »Ich hol meine eigenen Sachen von oben und dann mach ich mit, okay?« Er wollte sich erheben, doch Sirius hielt ihn zurück.

»Wir machen das für dich! Du musst dich körperlich schonen, damit du deine grauen Zellen stärker beanspruchen kannst«, versicherte er. »James, hol Remus' Sachen!«

Irritiert blickte James seinen besten Freund an, dann wandte er sich Peter zu: »Peter, schaff Remus' Sachen runter!«

Peter stand auf und trampelte in den Schlafsaal hinauf. Remus konnte sich eines Grinsens nicht erwehren.


»Schlecht. Schlecht. Noch schlechter. Eine Schande!« Brewpot teilte in der übernächsten Zaubertränkestunde die Aufsätze wieder aus.

Der letzte ging natürlich an Sirius, der wütend auffuhr.

»Wieso ist meiner der schlechteste? Ich hab den auch nur…« Von Remus abgeschrieben, wollte er eigentlich sagen, doch im letzten Moment trat James ihm unter dem Tisch auf den Fuß.

Sirius zuckte zusammen und warf seinem besten Kumpel einen dankbaren Blick zu.

»Zehn Punkte Abzug für Gryffindor. Setzen, sonst bekommen Sie auch noch eine Strafarbeit obendrauf«, knurrte Brewpot, der noch immer schlechter Laune war.

»Wahrscheinlich vermisst er nur seinen dreckigen Kerker«, murmelte James seinem besten Freund zur Beruhigung zu, als dieser sich wieder setzte.

»Oh ja, welch eine Schande für ihn, hier im unwürdigen Tageslicht zu unterrichten«, knurrte Sirius verstimmt.

»Wohl eher eine Schande für das Tageslicht…«, grinste James.

»Halten Sie endlich die Klappe. Zwanzig Punkte Abzug für Gryffindor«, raunzte Brewpot nun zu ihnen nach hinten. Sirius holte tief Luft, um nicht irgendetwas Unüberlegtes zu tun.

»Lass ihn auf den Tisch hüpfen, wenn es dir dann besser geht«, raunte James, musste sich aber mühsam das Lachen bei der Vorstellung verbeißen.

Remus, der das natürlich mitgehört hatte, warf ihm einen bösen Blick zu. »Darüber scherzt man nicht!«, zischte er ungehalten.

»Es reicht. Fünfzig Punkte Abzug für Gryffindor und…«, begann Brewpot wütend ob der anhaltenden Störung, doch eben als er Strafarbeiten austeilen wollte, öffnete sich die Klappe zum Wahrsageturm und eine Lehrerin mit Hochsteckfrisur lächelte herein.

»Hallo! Darf ich kurz stören, Jaspar?«, fragte sie, als sie gänzlichst durch die Klappe hereinkletterte und sie hinter sich wieder schloss.

Sie blickte kurz in die Klasse und schenkte Sirius und James ein dünnes Lächeln.

»Ich wollte dich fragen, ob ich hier während eurer Stunde meinen Unterricht für die nächste Stunde vorbereiten kann. Ich brauche unbedingt die Kristallkugeln, muss sie vorher aber noch polieren…«, erklärte Professor Upperstick freundlich.

Brewpot sah sie zwar nicht sehr begeistert an, doch er nickte trotzdem.

»Keine Angst, ich werde den Meister der Zaubertränke und seine kleinen, wissbegierigen Schüler nicht stören. Und dazu brauche ich nicht erst meine Kugel zu befragen!«, Sie zwinkerte ihrem Kollegen und den Schülern zu, um sich daraufhin in eine Ecke zu verziehen, wo sie aus einem Regal ihre Kristallkugeln auslud.

»Weiter im Text«, brummte Brewpot nun. »Heute Seite 34. Fangen Sie an.« Damit wandte er sich dem niedrigen Pult zu und ließ sich dahinter nieder, um ein dickes Buch aufzuschlagen.

Sirius und James sahen sich perplex an. Da hatte Brewpot doch glatt ihre Strafarbeiten vergessen! Dankbar warfen sie Professor Upperstick einen Blick zu, den diese grinsend erwiderte.


»Ich finde, wir sollten ab nächstem Jahr Wahrsagen belegen, Freunde«, meinte Remus, als sie auf dem Weg zum Verteidigungsklassenzimmer waren.

Entsetzt sahen James und Sirius ihn an. »Wie kommst du denn auf die Schnapsidee?«, hakte Sirius ungläubig nach.

»Na ja, erstens scheint es sehr interessant zu sein, wenn man eine fähige Lehrkraft hat, was ich von Professor Upperstick behaupte, und zweitens hat sie uns, beziehungsweise euch schon sehr oft aus der Patsche geholfen. Oder was war das eben?«, argumentierte der Junge.

»Sie wird vorbeigelaufen sein und Brewpot gehört haben!«, meinte Sirius sofort. Er weigerte sich irgendwie noch immer, an Wahrsagen zu glauben.

»Das glaube ich nicht. Weil…«, begann Remus schon wieder, doch nun wurden die vier zurückgerufen.

»Wenn man vom Teufel spricht«, raunte Sirius, als er Uppersticks Stimme erkannte.

Lächelnd eilte sie den Jungs nach. »Wenn ich Ihre Unterhaltung kurz unterbrechen darf, aber ich hätte eine Bitte!«, meinte sie freundlich.

Plötzlich fuhren die Jungs herum, weil hinter ihnen ein riesiger Lärm ausbrach.

Im nächsten Augenblick rannte ein kreischendes Hufflepuff-Mädchen, das Sirius als Catherine Jorkins erkannte (er hätte sie nicht erkannt, hätte er mit diesem Freak letztes Jahr nicht eine Strafarbeit gehabt), durch den kreuzenden Korridor, während Peeves sie wie eine Hyäne gackernd mit Knallfröschen bewarf.

Hinter ihm her spurtete Daniel Lewis, der unablässig schrie, dass es verboten sei, mit Knallfröschen im Schulhaus herumzuwerfen.

Irritiert sahen die vier Freunde ihnen nach, bis Professor Upperstick sich wieder ihre Aufmerksamkeit verschaffte: »Also, meine Bitte noch mal.« Sie wandten sich wieder der Lehrerin zu.

»Nachdem ich Sie ja vor einer durchaus sehr unangenehmen Strafarbeit bewahrt habe, wollte ich euch als kleine Gegenleistung bitten, mir am Wochenende dabei zu helfen, den Wahrsageturm zu entstauben. Die Kristallkugeln sind verschmiert, der Tee aus den Teetassen schmeckt nach Staub… es muss etwas getan werden. Und nachdem ich in Haushaltszaubern eine Niete bin, Minerva sich mit Professor Dumbledore nach London begibt, um im St. Mungos Nachforschungen über eine Heilmethode für Hagrid anzustellen, und Professor Flitwick…«, erklärte sie lang, doch Remus unterbrach sie: »Wir helfen Ihnen gerne, Professor Upperstick.«

»Tun wir?«, hakte Sirius verständnislos bei ihm nach.

»Ja, das tun wir wirklich!«, gab Remus eindringlich zurück.

»Sehr schön. Dann treffen wir uns am Samstag um dreizehn Uhr, ja? Vielen Dank und bis dann! – Oh, und halten Sie sich von Professor Brewpot fern«, riet sie noch.

»Wieso? Haben Sie was Schlimmes vorausgesehen?«, fragte Peter erschrocken nach.

»Nein.« Die Lehrerin drehte sich wieder zu ihnen um. »Aber er hat immer noch sehr schlechte Laune.« Sie lächelte und verschwand wieder im Eingang ihres Turms.

Kopfschüttelnd gingen die Jungs weiter. »Die Frau ist so fertig«, stellte Sirius fest.

»Ja, die hätten wir mit Aveimperatore in ein Zimmer stecken müssen, dann wäre er nach zwei Stunden verrückt gewesen!«, stimmte James ihm zu.

»Ich finde sie sehr interessant«, erwiderte Remus.

Sirius winkte nur ab, als sie das Verteidigungszimmer betraten. Kaum trat er allerdings als letzter hindurch, kam ihm auch schon eine Staubwolke entgegen. Hustend schob er sich in den Qualm hinein, während Remus schon einen Zauber sprach, der einen Wind heraufbeschwor, um die Staubwolke durchs Fenster schweben zu lassen.

»P…Professor Highking?«, stotterte Peter, als er den Lehrer erkannte.

James drehte sich schnurstracks zur Wand und presste sich die Hände auf den Mund, um nicht laut loszulachen. Sirius dagegen wagte noch einen Schritt zum Pult hin, wobei er Aveimperatore ungläubig musterte. Der Lehrer hatte sich doch tatsächlich mit den Händen an ein Teleskop geklebt.

»Was soll ein Teleskop im Verteidigungszimmer?«, fragte Sirius als erstes. James neben ihm japste schon bedrohlich.

»I…i…ich wollte… ähm… eigentlich… die Stunde fällt heute aus!« Highking machte den Eindruck, als wollte er das Weinen anfangen.

»Sir, was hat denn eben so gestaubt?«, hakte Remus nun hilfsbereit nach.

»M…mein Zauberstab. Ich wollte eigentlich… nun ja, ich wollte dieses Teleskop zum Laufen bringen…«, erklärte Highking jetzt völlig am Ende.

Sirius rümpfte die Nase. »Wozu das denn?«

»Das hat doch nichts mit Verteidigung zu tun, oder?«, hakte Remus nach.

James war inzwischen an der Wand heruntergesunken, weil seine Beine vor Lachen so zitterten.

»Verteidigung? Oh ja, Verteidigung…« Highking wollte sich verwirrt mit der Hand durch die zerzausten Haare streichen, doch seine Hände klebten ja am Teleskop fest. Bei genauerem Hinsehen stellte Sirius fest, dass sie nicht daran klebten, sondern mit ihm verwachsen waren! Entsetzt starrte er den Lehrer an.

»Sir, sollen wir Sie in den Krankenflügel bringen?« Remus deutete auf seine Hände.

»Ja, ja, ich unterrichte Verteidigung? Oh ja, ich dachte, ich gebe heute Verwandlung… sehr seltsam… und ich wollte euch doch eigentlich zeigen, wie man Dinge dazu bringt, einem zu folgen, sobald man sie braucht… oh je…« Highkings Augen wurden glasig.

»Sir, kommen Sie mit! – Sirius, James, Peter, helft mir mal…« Remus nahm das Teleskop und Sirius und Peter schoben Highking vorsichtig vor sich her, sodass sie den Lehrer samt Teleskop transportieren konnten.

»Der Unterricht fällt aus! Ich glaub's nicht!«, japste James hinter ihnen, der ihnen vor Lachen weinend folgte.


Sirius beugte sich unwillig über seinen Verteidigungsaufsatz. Er hatte überhaupt keine Lust, seinen Samstag nun für diesen Mist zu opfern! Wieso musste auch dieser Jefferson Highking vertreten? Sein Unterricht war bis jetzt der schlimmste in Sirius' ganzem Leben gewesen.

Klar hatte Piler ihnen letztes Jahr Hausaufgaben aufgegeben, aber dafür war sein Unterricht cool gewesen.

Highkings Unterricht war zwar dämlich, aber er verlangte dafür auch nie Aufsätze. Die Stunden von diesem Jefferson allerdings waren ungefähr so langweilig wie Binns' Unterricht in Geschichte der Zauberei, aber er gab außerdem noch Tonnen an Hausaufgaben auf!

Das hier war schon der dritte Aufsatz dieser Woche, von denen er drei gleichzeitig über das Wochenende schreiben musste!

Er warf einen Blick neben sich, wo die selbstschreibende Feder einen Aufsatz vorkritzelte, den James und Peter schon nach frühzeitiger Anmeldung abschreiben wollten. Dummerweise musste er heute auch noch zwei weitere Aufsätze schreiben! Am besten meldete er sich krank, bis Highking wieder auf den Beinen war…

»Jungs, wir müssen los!«

Sirius schreckte aus seinen dunklen Gedanken, als Remus ihm gegenüber aufstand.

»Wohin?«, grummelte er schlecht gelaunt. Obwohl, wieso regte er sich über diese Unterbrechung auf? Aber eigentlich wollte er doch nur unterbrochen werden! Unterbrechungen bedeuteten Ablenkung und nach denen lechzte Sirius inzwischen. Er würde jetzt alles tun, wenn er nur von diesem Aufsatz wegkam!

»Okay, ich geh mit!«, verbesserte er sich deshalb schnell.

Remus sah ihn seltsam an und meinte: »Du musst mitgehen. Wir helfen doch jetzt Professor Upperstick, erinnerst du dich?«

Sirius' frisch erwachter Tatendrang sackte innerhalb von Sekundenbruchteilen in sich zusammen. Okay, darauf hatte er jetzt natürlich überhaupt keine Lust. Niemand wollte Kugeln und Tassen polieren. Absolut niemand!

»Besser als dieser Mist hier!« Ebenso genervt wie er selbst warf James seine Feder weg und rollte sein Pergament unachtsam zusammen.

»Kommt schon, sonst sind wir zu spät!«, drängte Remus schon wieder.

»Ich werde nie mit diesem Aufsatz fertig!«, seufzte Peter, als sie aus dem Porträtloch kletterten.

»Ja, wird Zeit, dass Highking wieder ansprechbar wird!«, knurrte auch James.

»Es reicht, wenn er wieder von seinem blöden Teleskop freikommt und Jeff ablösen kann. Ansprechbar war Aveimperatore doch noch nie«, entgegnete Sirius trocken.

»Stimmt«, kicherte James hämisch.

Nun hatten sie den Wahrsageturm erreicht und die Eingangsklappe öffnete sich von allein. Eine Leiter wurde heruntergelassen, über welche die Jungs hinaufkletterten.

»Da sind Sie ja, pünktlich auf die Minute!«, grinste Professor Upperstick ihnen entgegen. Um sie herum lagen schon unzählige Tücher und Tassen und Kristallkugeln verteilt auf dem Boden.

»Wow«, meinte nun endlich auch Remus, der anscheinend das Ausmaß der vor ihnen liegenden Arbeit erst jetzt erfasste.

»Ja, nicht wahr? Ich bin sehr stolz auf meine Sammlung. – Oh, könnten Sie bitte zuerst an diesem Spiegel dort vorbei gehen?«, bat sie nun, wobei sie auf einen großen, ovalen Spiegel an der Wand deutete.

»Wozu?«, hakte James naserümpfend nach.

»Um böse Geister oder so was fernzuhalten«, erklärte Sirius, der sich an seinen letzten Besuch bei Upperstick erinnerte, mit einem vielsagenden Blick, als er an dem Spiegel vorüberging.

Schnell strich er sich durch das Haar, damit eine Strähne ihm wieder in die Augen fiel. Nachdem auch seine Freunde ihre bösen Geister abgeschreckt hatten, verteilte die Professorin ihre Staubtücher. Es gab eines für die feuchte Vorreinigung, dann eines, das die Tassen und Kugeln wieder voller Magie auflud, und ein letztes zum Trockenwischen.

Peter hatte die Aufgabe, die Tassen wieder vorsichtig in die Regale zu stellen, die ihm aber nach der dritten kaputten Tasse aberkannt wurde, so dass er die Scheiben putzen durfte. Sie verbrachten den gesamten Nachmittag im Turmzimmer, bis die Sonne schon die Wipfel des Verbotenen Waldes berührte.

Seufzend stellte Sirius die letzte Kugel ins Regal und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er schwor sich, dass dies das erste und letzte Mal Tassenputzen auf Muggelart gewesen war.

»Und nun zu dem, was ihr als Gegenleistung erwartet«, lächelte Upperstick, die an ihrem Pult Aufsätze korrigierte. Befremdet sahen sich James und Sirius an, doch Remus lächelte ebenso. »Eine Frage habt ihr frei«, gewährte sie den Jungs gnädig.

Peter flüsterte gut vernehmlich zu Remus: »Hat sie das vorausgesehen?«

»Nein, Mr Pettigrew. Aber warum sonst sollte Ihr Freund mir sofort zugestimmt haben, hier einen Nachmittag lang zu arbeiten?«, erklärte die Professorin amüsiert.

»Gewitzt«, raunte Sirius James zu.

»Nicht dumm die Frau«, gab der leise zurück.

»Jungs, kann ich das mit der Frage erledigen?«, bat Remus nun.

»Klar, du hast ja auch einfach für uns zugesagt«, knirschte Sirius. James dagegen nickte nur.

»Gut.« Remus nahm auf einem Stuhl vor dem Pult Platz. »Wird man für Hagrid ein Heilmittel finden?«

Aufstöhnend schüttelten Sirius und James die Köpfe. Jetzt hatte ihr Freund ihre Belohnung für so eine unwichtige Sache verpulvert! Sie hätten fragen können, wer die Quidditch-Weltmeisterschaft nächstes Jahr gewinnen würden und dann mit Kingston wetten können oder… Doch Sirius wurde durch ein wissendes Lächeln der Lehrerin aus seinen verärgerten Gedanken gerissen.

»Es spielen viele Faktoren in diese einfache Frage, Remus, das muss dir klar sein. Deshalb ist sie auch besonders schwer zu beantworten. Und ich fürchte, dass ich das nicht kann. Aber eines kann ich euch sagen: Hagrid wird nicht sterben. Weder dieses noch nächstes Jahr. Ich hoffe, das reicht euch«, erklärte sie ruhig.

»Okay, das beruhigt uns zumindest ein wenig. Vielen Dank, Professor. Auf Wiedersehen!« Remus lächelte und schob seine Freunde vor sich her zur Leiter.

»Na, das war jetzt ja auch die Kunst! Das hätte ich dir auch sagen können!«, regte sich Sirius unten auf, als sie auf dem Rückweg in den Gryffindor-Turm waren.

»Natürlich stirbt Hagrid nicht, solange er in dieser Blase ist. Er könnte noch 100 Jahre in dem Ding liegen, ohne zu sterben. Gescheit veralbert hat sie uns da!«, fluchte James ebenfalls.

Remus jedoch schien eine Spur beruhigt.

»Toll, einen Nachmittag schuften für gar nichts!« Fast wütend blaffte James der fetten Dame das Passwort entgegen und stieß sie daraufhin auf.

»Das musst du aber wieder gutmachen!«, bedingte Sirius, dem eine Idee kam.

»Was denn?«, fragte Remus in Gedanken nach.

»Du lässt uns deinen Aufsatz abschreiben!«, grinste James.

»Wenn's weiter nichts ist. Ich hab ihn heute Morgen schon fertig geschrieben.« Remus wühlte in seiner Schultasche nach dem Pergament.

»Wieso erfahren wir das erst jetzt?« Verständnislos blickte Sirius seinen Freund an, der nur wissend grinste.

tbc...