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Es waren drei Tage vergangen, seitdem Semir, Brandt vom Krankenhaus nach Hause gefahren hatte.

Am Ende hatte der Ex-Polizist doch noch Semir's Unterstützung gebraucht, sonst hätte er die Stufen, die hoch zu seinem Schlafzimmer führten, nicht mehr geschafft.

Dann hatte der junge Mann seine letzte Kraft damit verschwendet, den Autobahnpolizisten mehr oder weniger rauszuschmeißen.

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Alles in Semir hatte sich dagegen gesträubt, den verletzten Mann einfach so alleine zu lassen.

Doch Brandt hatte nicht mit sich reden lassen. Der junge Mann konnte sich kaum noch auf den Beinen halten und schien auch deutlich Schmerzen zu haben. Doch als Semir angeboten hatte, noch zu bleiben, um sicherzustellen, dass Brandt ok war, war für diesen eine Grenze erreicht worden.

Semir hatte es in Brandt's Augen gesehen. Hätte der Deutsch-Türke darauf bestanden zu bleiben, hätte er eine unsichtbare Linie überschritten.

Also hatte er klein beigegeben und war widerstrebend gegangen. Aber nicht ohne vorher von Brandt das Versprechen abzuringen, dass sich dieser am nächsten Tag bei ihm melden würde, sobald er wieder unter den Lebenden weilte.

Semir war nur sehr langsam die Treppe wieder herunter gegangen. So ganz wohl war ihm ja nicht gewesen, bei dem Gedanken, den Verletzten so einfach allein zu lassen. Aber was hätte er sonst tun sollen?

Einfach bleiben, obwohl Brandt ihm ausdrücklich zu verstehen gegeben hatte, dass der das nicht wollte?

Das ging einfach nicht.

Das wäre ein deutlicher Vertrauensbruch gewesen.

Semir hatte gemerkt, dass Brandt seine Mauern ihm gegenüber etwas abgebaut hatte und das wollte er auf keinen Fall aufs Spiel setzen. Nicht wenn er den jungen Mann als Partner haben wollte.

Also war Semir gegangen. Gut geschlafen hatte er allerdings nicht die Nacht.

Der kurze Text am nächsten Morgen „Noch am Leben. Mehr oder weniger" hatte ihn allerdings ein wenig beruhigt und er hatte es tatsächlich bis zur Mittagszeit geschafft, Brandt nicht anzurufen.

Dann hatte er nicht mehr länger warten wollen.

Das Telefongespräch war schon etwas komisch gewesen. Brandt war nicht wirklich ein Mann vieler Worte und, obwohl Semir versucht hatte, das Gespräch auf einer lockeren Ebene zu halten, war es etwas stockend verlaufen.

Der jüngere Mann war nicht abweisend gewesen, aber er hatte etwas niedergeschlagen gewirkt. Semir hatte es ihm nicht verübeln können.

Der Deutsch-Türke hatte versucht, den hoffentlich nicht mehr lange Ex-Polizisten aufzumuntern, aber es war zu früh gewesen, um mit Brandt über einen Job bei der Autobahnpolizei zu reden.

Obwohl Semir schon mit Frau Krüger gesprochen hatte und diese überzeugt hatte, dass er Brandt und auch nur Brandt als Partner akzeptieren würde, musste das erst einmal von weiter oben genehmigt werden.

Er war überrascht, wie einfach es gewesen war, seine Chefin zu überzeugen. Semir hatte das Gefühl gehabt, dass Brandt's ruhige aber entschlossene Art, gekoppelt mit seinen offensichtlichen polizeilichen Fähigkeiten und Erfahrung, auf sie Eindruck gemacht hatten. Ein paar Bedenken Brandt's Einstellung zu Teamwork gegenüber, hatte sie allerdings auch gehabt.

Die Schrankmann war ein anderes Thema. Die war ja im Moment gar nicht gut auf Alex zu sprechen. Sie wurde nicht gerne für dumm verkauft.

Semir hoffte, dass sie sich bald wieder einkriegen würde. Schließlich hatten sie ja am Ende den Fall aufgeklärt und größere Schäden verhindert.

Aber deshalb hatte er dem jungen Mann gegenüber auch noch nichts davon erwähnen können.

Am Ende war es nur ein relativ kurzes und ein bisschen gezwungenes Telefongespräch geworden. Aber wenigstens war Semir danach überzeugt gewesen, dass Brandt auf dem Weg der Besserung war, und das beruhigte ihn ungemein.

Allerdings hatte Semir deutlich die Distanz gespürt, die Brandt ihm gegenüber wieder aufgebaut hatte.

Semir hatte auch den Eindruck gehabt, dass der jüngere Mann nicht erwartet hatte, dass sich der Autobahnpolizist bei ihm melden würde.

Genauso wenig, wie er es erwartete, Semir überhaupt noch einmal wieder zu sehen.

Der Deutsch-Türke konnte sich noch gut an die Unterhaltung unter der Brücke erinnern, so sehr er zu dem Zeitpunkt auch mit sich selbst beschäftigt gewesen war.

Brandt hatte niemanden mehr.

Das es da jetzt jemanden gab, daran würde sich der jüngere Mann gewöhnen müssen.

Was auch immer passieren würde, und wie auch immer sich Brandt entscheiden würde, Semir würde er sobald nicht mehr los.

Der Deutsch-Türke war mindestens genauso stur.

Aber Semir hoffte wirklich, dass der junge Mann zusagen würde. Der Autobahnpolizist war sich relativ sicher, dass letztendlich niemand auf der höheren Etage es wagen würde, Frau Krüger's Antrag auf die Einstellung Brandt's bei der Autobahnpolizei abzulehnen.

Dafür war ihre Chefin einfach zu resolut und die Erfolgsrate ihrer Einheit zu hoch.

Und bei Brandt hatten die ja eh noch einiges gut zu machen.

Die Schrankmann hatte ja einiges zu sagen, aber sie war nicht die Einzige.

Aber Semir war auch klar, dass die Chance bestand, dass Brandt, jetzt nach dem letzten Fiasko. vielleicht gar keinen Bock mehr darauf hatte, bei der Polizei zu arbeiten.

Schließlich waren sie ja sogar von ihren eigenen Leuten verhaftet und in eine Zelle gesteckt worden. Hoffentlich hatte Brandt jetzt nicht total das Vertrauen in das System verloren.

Auf der anderen Seite war der junge Mann ja nicht jemand, der einfach so aufgab.

Und darauf hoffte Semir, als er jetzt an Brandt's Glastür klopfte.

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