Er war es tatsächlich. Beyond war zurück. Ich wusste nicht wie, aber es war mir in diesem Moment egal gewesen. Ich hatte ihn verloren und nun war er zurückgekehrt.
Eine Träne löste sich und lief meine Wange hinunter. Ich blickte ihm in die Augen und nickte.
„Ja Beyond, ich bin es."
Noch mehr Tränen lösten sich und ich konnte mich nicht mehr beherrschen. Ich fing an zu weinen und umarmte Beyond.
„Ich dachte ich hätte dich für immer verloren", gab ich schluchzend von mir.
„Hey, hey, ganz ruhig. Wenn du noch fester drückst, verlierst du mich wirklich.", gab Beyond mit einem Grinsen von sich.
Ich ließ ihn los und setzte mich wieder auf meinen Hocker neben dem Bett. Seine Hand umfasste nun meine und drückte sie, so fest es ihm in seinem Zustand möglich war.
Meine Augen wanderten über sein Gesicht, schwarze, unordentliche Haare, blasse Haut und seine tiefschwarze Augen, so wie früher. Doch ich musste kurz stutzen. Ich hätte schwören können, ich hatte etwas in seinen Augen gesehen. Etwas Unnatürliches. Scheinbar war ich gerade ziemlich aufgewühlt, dass ich schon Gespenster sah.
„Du… Beyond… ich…"
„Es ist nicht deine Schuld L", unterbrach er mich.
„Aber…", versuchte ich es erneut.
„Nichts aber! Es ist okay. Vergessen wir es einfach. Ich bin einfach nur froh, dich wieder bei mir zu haben.", teilte mir Beyond mit einem freundlichen Lächeln mit.
Wie konnte es nur möglich sein, dass Beyond hier vor mir lebendig saß? Ich hatte einfach keine Erklärung dafür… und wieso war ich nicht einfach glücklich darüber? Mein Kopf schmerzte und ich fuhr meine freie Hand an die Stirn.
„Hey was ist los L? Alles in Ordnung mit dir?"
„Ja, mach dir keine Sorge. Ich mach mir einfach gerade so viele Gedanken, wie es sein kann, dass du hier lebendig vor mir sitzt. Weißt du… ich habe dich sterben sehen… und… und jetzt?", fing ich an zu stottern.
Beyond beugte sich nach vorne und umarmte mich.
„Ich glaube du brauchst einfach nur einen Lutscher, dann sind die Kopfschmerzen schneller weg, als du denken kannst", flüsterte er mir in mein Ohr.
Es tat so gut seine Wärme zu spüren, ebenso wie sein süßer Duft nach Erdbeeren, den ich trotz des ganzen Desinfektionsmittel, riechen konnte. Ich vergrub mein Gesicht in seine Schulter und lächelte. Doch dann wurde ich aus meinen Gedanken gerissen.
„L… vertraust du mir?", fragte er mich plötzlich aus heiterem Himmel.
Ich war im ersten Moment perplex, hob meinen Kopf und nickte ihm zu.
„Gut, bitte frag nicht nach, ich werde dir alles später erklären, aber ich muss hier sofort weg", gab er hektisch von sich.
„Aber du kannst doch in diesem Zust…."
„Das ist egal, ich bin stärker als ich Aussehe, mach dir keine Sorge. Hast du hier in der Nähe eine Wohnung oder ein Haus, wo ich untertauchen kann?", fragte mich Beyond.
Ich lehnte mich nach hinten und starrte ihn ungläubig an. Wieso wollte er hier plötzlich so schnell weg? Wieso sprach er von untertauchen? Was ging nur plötzlich in ihm vor? Hatte er vielleicht auch einen Schaden im Gehirn erlitten?
„L? Du vertraust mir richtig?"
Er blickte tief in meine Augen. Ich starrte zurück und sah einen leichten roten Schimmer in seinen Augen. Was war das? Ich ließ meinen Kopf auf meine Brust sinken. Vertraute ich ihm wirklich?
Ich ballte meine Hände zu Fäusten und schaute wieder in seine Augen. Diesmal selbstsicher und mit einem lebendigen Glühen.
„Ja, ich vertraue dir Beyond."
„Sehr gut! Pass auf L. Erst einmal muss ich diese ganze Schläuche und Kabeln loswerden. Sobald ich sie gezogen habe, bekommt bestimmt irgendein Pfleger ein Notsignal, ab dann muss es schnell gehen. Wir nehmen am Besten den nächsten Notausgang nach draußen und danach die Fluchttreppe nach unten. Wie weit ist deine Bude entfernt?", fragte mich Beyond mit großen Augen.
„Vielleicht 15 Minuten, in der Nähe vom Hancock Park."
Beyond fing an zu lachen, dann schaute er mich mit einem Grinsen an.
„Okay, dann lass uns mal was ziemlich Blödes machen…", und schon zog sich Beyond sämtliche Kabel und Schläuche vom Körper. Kurz stöhnte er auf, aber schon sprang er neben mich vom Bett und schnappte meine Hand.
„Beyond, wir müssen nach links den Gang runter, dann kommt auch schon der Notausgang", sagte ich ihm, während wir zur Tür stürmten.
„Danke", antwortete er knapp und zog mich hinter sich her.
Wir stürmten den Gang hinunter, er schmiss sich gegen die Tür und wir zwei fielen auf den Gitterrost. Ich lag auf Beyond und sah nun seinen blanken Rücken. Erst jetzt merkte ich, dass er diese lächerliche Krankenhaus Kittel trug, die hinten komplett offen waren. Plötzlich wurde ich knallrot. Oh Gott, ich lag gerade auf seinem nackten Hintern.
„L wärst du so gütig und könntest dich erheben?", brummelte er mir entgegen.
„Oh, natürlich, ´tschuldigung.", gab ich kleinlaut zurück und schon hörte man Gebrüll von drinnen.
Ich sprang auf, half Beyond auf die Beine und wir zwei stürmten weiter die Treppe nach unten.
Endlich unten angekommen, übernahm ich die Führung und wir hetzten durch einige Straßen und Gassen bis wir nach einiger Zeit endlich vor einem etwas älteren, unscheinbaren Haus standen.
„Sind… sind wir…. da?", keuchte Beyond und stützte sich mit den Händen auf seine Oberschenkel.
Ich lächelte ihm entgegen, früher hätte er mich locker beim Sprint abgehängt. Er hatte viel mehr Ausdauer gehabt als ich. Meist hing ich hinter meinen Büchern und lernte oder studierte verschiedene Fälle.
„Ja, wir sind da Beyond."
Ich ging die drei Treppenstufen nach oben und schloss die Tür auf.
„Willkommen zu Hause", sagte ich und drehte mich zu Beyond um.
Meine Augen weiteten sich. Beyond lag mit dem Rücken auf der Straße und sein Verband wurde langsam immer röter. Verdammte scheiße! Wie konnte ich Idiot ihm nur so eine Anstrengung zumuten. Ich hätte es wissen müssen, schon früher hatte er immer groß rum geprahlt.
„Ich bin stärker, als ich Aussehe…", äffte ich ihm nach.
Scheinbar war seine Wunde aufgeplatzt.
Schnell lief ich zu ihm, packte ihn bei seinen Hände, hob ihn über meine Schultern und trug ihn rein. Drinnen angekommen legte ich ihn auf mein großes Sofa. Was er jetzt brauchte war Ruhe, die Wunde konnte ich auch noch später verarzten, ich wollte ihn unter keinen Umständen wecken.
Ich schob einen Sessel neben das Sofa und setzte mich in meiner gewöhnlichen Haltung darauf. Meine Augen ruhten auf seinem Gesicht. Wie friedlich er da schlief. Ich wüsste zu gerne was er durchgemacht hat. Wieso zwei tote Polizisten am gleichen Ort gefunden wurden wie er. Ob die ganzen Morde zusammenhingen? Wie auch immer, ich würde dahinter kommen.
„Ich werde den Mörder finden, der dir das angetan hat und er wird dafür büßen…", flüsterte ich Beyond zu.
„Und das ist ein Versprechen."
