Hallo, meine Besten!
Hier ist also endlich der letzte Teil der Story. Habe es gestern nicht mehr geschafft hochzuladen, da ich beim Korrekturlesen noch mal 7 Seiten dazugeschrieben habe. Jetzt gefällt mir das Chap aber und hier ist es für euch.
Oh, Moment, bevor es losgeht. Mein allerliebsten, GROSSEN DANK an all die fleißigen Reviewer, die uns Autoren das Leben versüßen ---gg---.
Leni4888, Deedochan, zissy, LiaTonks, night-kitten, Valentina und Amunet.
Tut mir leid, dass die Reviewantworten wieder entfallen, bin im Streß und wollte euch das Chap aber endlich präsentieren. Ach so und es hat nie eine Beta gesehen, also seid nachsichtig ---gg---.
Also, auf zum letzten Chap. Ich wünsche euch unheimlich viel Spaß und mir natürlich schöne Reviews ---gg---.
Eure Cassie
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27. Dezember, Sonntag
Obwohl Harry an sich nicht den blassesten Schimmer hatte, was genau Santa wegen dieser Sylvester-Party-Sache von ihm wollte, war dieses eine Wörtchen für Ginny ausreichend genug, um den Fuchsbau in ein ausgewachsenes Chaos - was so viel hieß wie: noch größeres Chaos als sonst - zu stürzen.
Bei Ginnys Gekreische dachte Molly, sie hätten beim Quidditch eine weitere Kammer des Schreckens unter ihrem Garten aufgetan, wahlweise einen Stein der Weisen im Blumenbeet oder einen Gefangenen aus Askaban in den Holunderbüschen entdeckt. Gemessen an diesen Gedanken, war Ginnys Bitte eine Sylvesterparty ausrichten zu dürfen, so entspannend unaufregend, dass Molly sofort zustimmte.
Bevor Harry, Bill und Ron es am Vortag überhaupt geschafft hatten, das Haus zu betreten, hatte Ginny ihren Vater schon losgeschickt ein Partyzelt zu besorgen. Fred und George wurden - trotz der damit verbundenen Gefahr - mit der Besorgung der Getränke und des Feuerwerks beauftragt. Fleur ließ sich Pergament und Feder ins Badezimmer bringen und tüftelte erfreut an einem typisch französischen Sylvesterbüffet herum.
Kurz gesagt, die Ereignisse überrollten Harry… ein wenig.
Den Rest des Sonntages war jedenfalls an Entspannung nicht zu denken. Molly verbrachte den halben Nachmittag mit dem Kopf im Kamin, um diverse Freunde einzuladen. Arthur kam gegen 16.00 Uhr mit einem Zelt zurück, dessen magische Tage schon länger vorüber waren und so verbrachten Bill, Charlie und Arthur den restlichen Abend damit, das Zelt wieder - nun ja - in einen weniger erbärmlichen Zustand zu zaubern.
"Sag mal, wen wollen wir alles einladen?", fragte Ron während er und Harry versuchten, die von Molly - aus den tiefsten Untiefen des wesleyschen Kellers zutage beförderten - angeordneten Lichterketten zu putzen.
"Ist schon alles erledigt!", rief Ginny fröhlich im Vorbeilaufen, einen besonders widerspenstigen Kobold am Schlafittchen. Sie setzte das kartoffelnasige Wesen behutsam in der Stachelbeerhecke ab, womit Herr Kobold offenbar nicht einverstanden war, denn kaum, dass seine Füße etwas anderes als Luft unter den Füßen hatten, sauste er zurück in den Fuchsbau. Zumindest versuchte er es, denn Ginny zog seufzend ihren Zauberstab und halste dem Kobold eine Ganzkörperklammer auf.
"Und wer kommt alles?", wollte Ron nun wissen.
Ginny packte den Kobold erneut und schmiss ihn ohne viel Federlesens - immerhin war Hermine gerade nicht in der Nähe, um ihr Moralpredigten zu halten - über die Hecke aus dem Schutzzauber des Hauses hinaus. "Alle.", antwortete Ginny und klopfte sich die Hose aus. Das diese verflixten Kobolde sich aber auch immer wo wehren mussten, bloß weil man sie aus dem Haus warf!
"Wer ist denn alle?", wollte nun auch Harry wissen. Ginny schaute auf und Harry wusste, dass sie seine Gedanken erraten konnte. "Tut mir leid, Harry, Draco hat noch nicht geantwortet."
Harry nickte und fand plötzlich einen sehr hartnäckigen Fleck auf der Lichterkette, an welchem er plötzlich unbedingt intensiv herum putzen musste .
"Er wird schon noch antworten.", murmelte Ron neben ihm leise. Harry nickte.
28. Dezember, Montag
Was Draco aber nicht tat.
29. Dezember, Dienstag
Mittlerweile hatten alle zugesagt. Alle Gryffindors aus Harrys und Ginnys Jahrgang, selbst einige Ravenclaws und Hufflepuffs aus Harrys Jahrgang standen auf der Gästeliste und antworteten umgehend, dass sie natürlich kommen würden. Offenbar war die von ihnen geplante Sylvesterparty genau das Ereignis, auf welches alle - außer Draco - gewartet hatten. Harry zerbrach sich in den wenigen Momenten, die ihm die Frauen in ihrem Vorbereitungsmarathon zum Luftholen gönnten, ob Santa Clause bei den erstaunlich vielen und schnellen Zusagen die Finger im Spiel hatte.
Einzig Draco antwortete nicht. Sicherlich hätte Harry es darauf schieben können, dass Draco wahrscheinlich erst einmal generell nichts tat, was ein Kerl in einem rot-weißen Kostüm von ihm wollte. Andererseits… der Weihnachtswunsch stammte von ihm, also warum meldete er sich dann nicht? Allerdings blieb Harry nicht wirklich Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, denn Ginny, Molly und Hermine schleiften ihn und den Rest der männlichen Weasleys durch die Winkelgasse, dass ihnen buchstäblich Hören und Sehen verging.
Beladen mit der denkwürdigen Anzahl von 37 Tüten (pro Person!) fiel den Frauen noch immer irgendeine Kleinigkeit ein, die unbedingt noch besorgt werden musste und die wilde Hatz ging weiter.
Den Abend - oder besser die Nacht - verbrachte Harry damit, Wiederbelebungsversuche bei seinen tauben Armen zu unternehmen. Mit mäßigem Erfolg. Irgendwann schlief er aus lauter Erschöpfung ein.
30. Dezember, Mittwoch
Harry erwachte, als ein Schrei vom Ausmaße eines Urknalls durch den Fuchsbau hallte und die Wände wackeln ließ. Ron fiel aus seinem Bett und prellte sich die Hüfte an der Bettkante, bei dem Versuch gleichzeitig auf die Beine und an seinen Zauberstab zu kommen.
Gemeinsam stürzten sie zur Treppe, rannten beinahe Bill und Charlie über den Haufen, welche ebenfalls mit gezückten Zauberstäben auf dem Weg nach unten waren. Im Vorbeirennen meinte Harry gedämpfte Schreckensschreie aus dem Schlafzimmer der Zwillinge zu hören, was in etwa klang wie: "Oh nein, nicht schon wieder! Ich will keinen Blowjob mehr und nimm die Katze weg!" und "Lasst mich los! Mein Arsch gehört mir ganz allein, ihr perversen Perverslinge!"
Sehr zu seinem Bedauern hatte Harry aufgrund des Geschreis aus der unteren Etage natürlich keinerlei Zeit, die Zwillinge aus ihren bösen Alpträumen zu erlösen. Er rannte weiter. Das Geschrei ging in wütendes Schimpfen über, gepaart mit… Harry runzelte unwillkürlich die Stirn. Waren das Eulenschreie?
Sie fanden die Ursache für den infernalischen Lärm am frühen Morgen in der Küche. Genauer gesagt in Arthur Weasley und einer tiefschwarzen Eule, mit welcher das wesleysche Oberhaupt offenbar vehement um Herrschaft über einen Brief stritten, welcher der Eule am Bein befestigt war.
Harrys Herz setzte für geschlagene 5 Sekunden aus, sobald er Dracos Eule erkannte. "Uruz.", flüsterte er leise. Ein protestierender Aufschrei folgte und Uruz hackte erneut nach Arthurs Arm.
"Harry! Sag was! Das Vieh bringt mich um!", schimpfte Arthur wütend und versetzte dem Vogel einen Kinnhaken mit seinem reichlich mitgenommen aussehenden Hut.
"Uruz! Hör schon auf!", rief Harry und zur größten Verwunderung aller Anwesenden beruhigte sich der Vogel sofort. Nach einem letzten mordlustigen Blick in Arthurs Richtung, schüttelte die Eule sich und stolzierte quer über das bereits aufgetischte Frühstück auf Harry zu.
"Elendes, arrogantes Mistvieh!", murmelte Arthur und schob sich seinen Hut zurück auf das Haupt.
Uruz schien sich zu fein für eine Reaktion zu sein, hielt statt dessen Harry auffordernd ihr Bein hin und blinzelte mit ihren großen Augen. Harry steckte seinen Zauberstab in die Taschen seiner Jeans und löste den Brief von Uruz' Bein.
"Ich fasse es einfach nicht, dass selbst Malfoys Eule nett zu dir ist.", stellte Ron fest. Harry zuckte mit den Schultern. Was hätte er dazu auch sagen sollen? Während Charlie die große Eule begeistert aus der Nähe betrachtete - und Uruz sich offenbar in seiner Aufmerksamkeit sonnte -, hielt Harry Dracos Nachricht ziemlich verkrampft in den Händen. Er wusste nicht recht, ob er sie gleich hier lesen sollte oder lieber später, wenn er weniger unter Beobachtung stand. Tatsache war, dass seine Fingerspitzen vor Nervosität begannen zu kribbeln.
Niemand schien die Unruhe zu bemerken, welche von Harry Besitz ergriffen hatte. Ron schob seinen Stuhl zurück und nahm am Frühstückstisch Platz, Arthur stellte eine monströse Kanne mit Mollys wunderbarem Karamell-Kaffee auf den Tisch und Bill brüllte "FRÜHSTÜCK!" durch das Treppenhaus.
Harry drehte den Brief in seinen Händen. Auch diesmal stand einfach nur 'Harry' auf dem Umschlag. Er konnte sich seine plötzliche Nervosität nicht erklären und versuchte eine neutrale Miene beizubehalten, während er den Brief öffnete und Dracos Zeilen überflog.
Hallo, mein Harry,
verzeih mir, dass ich erst jetzt auf Ginnys Einladung reagieren konnte, aber Nadine - du weißt schon, Severus' Freundin - hält uns seit drei Tagen mit Einkaufen für ihre Familie auf Trab. Ich kann kaum fassen, dass ich Severus tatsächlich dabei zusehe, wie er Einkaufstüten trägt!! Ist das zu fassen? Sobald du wieder hier bist, werde ich dir die Erinnerung im Denkarium zeigen, es ist einfach nur zum Totlachen. Übrigens hat Severus mit seiner Beschreibung von klein und ziemlich kurvig mächtig untertrieben. Nadine geht ihm grade mal bis unter das Kinn und ihre Oberweite dürfte unter das Gesetz zum Schutz minderjähriger Zauberer fallen. Von den Ausschnitten, die sie trägt, einmal ganz abgesehen.
Harry sah auf, als Ginny und Hermine lachend eintraten und ließ sich abwesend auf seinen Platz fallen. Ein winziger Stich Eifersucht machte sich in seinem Herzen breit. Er mochte es nicht, dass Draco von den Brüsten einer Frau schrieb.
"Hey, da ist ja Uruz. Na, mein Hübscher…", sagte Ginny und schaute die Eule bewundernd an, welche sie mit schief gelegtem Kopf musterte. Harry blickte auf, er war sich der Anwesenheit der Eule nicht mehr bewusst gewesen Er grinste halbherzig, als sich zu Charlie nun auch noch Ginny als Bewunderer gesellte.
Während Ginny todesmutig nach einem Stück Pfannkuchen griff und Uruz unter den Schnabel hielt, wandte Harry sich wieder Dracos Brief zu.
Abgesehen von ihrem unmöglichen Klamottengeschmack ist Nadine aber wirklich nett und ich denke, du würdest sie mögen. Außerdem tut sie Severus gut, während der ganzen Zeit hier, hat er nicht einen einzigen Trank gebraut! Und das will etwas heißen, glaub mir!
Leider muss ich nun zu den schlechten Nachrichten kommen. Auch wenn ich den Jahreswechsel wirklich gern mit dir verbracht hätte - Merlin weiß, WIE gern - muss ich leider absagen. Ich werde mit Nadine und Severus in der Schweiz feiern, bei Nadines Familie. Das ist auch der Grund für ihre ausdauernden Einkäufe!
Es tut mir wirklich leid, aber wie ich schon gesagt habe. Nächstes Jahr feiern wir beide zusammen. Bitte verstehe mich. Severus und Nadine sind jetzt alles, was ich an Familie noch habe und sie sind mir wichtig.
So und nun sag Hermine und Ginny, die dir bestimmt über die Schulter schauen, sie sollen wegsehen, was jetzt kommt, ist wirklich privat!
Harry hob irritiert den Kopf, nur um schockiert festzustellen, dass Hermine und Ginny ihm TATSÄCHLICH über die Schulter schauten und nun - da Draco sie sogar über die Entfernung ertappt hatte - dezent erröteten. Harry beschloss, ihnen die Standpauke über Dinge wie Briefgeheimnisse und Privatsphäre später zu halten. Sein Blick senkte sich wieder auf Dracos Schrift.
Ich habe heute Nacht von dir geträumt und es war ziemlich realistisch! Ich möchte jetzt noch nicht zuviel verraten, aber es war ein SEHR interessanter Traum und ich bin WIRKLICH froh, dass ich einen Schweigezauber über meinem Bett hatte. Wir waren im Kerker, ich glaube nach der Zaubertränkestunde oder so, jedenfalls gibt es da doch diese Nische neben der Statue von Notburga der Notdürftigen! Ach, das interessiert dich wahrscheinlich eh nicht, also komme ich gleich zur Sache: Ich stand mit dem Rücken an der Wand und du hast vor mir gekniet - oh Mann, ich werde nach diesem Brief dringend im Badezimmer verschwinden müssen - und hast mir einen unglaublichen Höhepunkt verschafft! Ich wusste gar nicht, dass du solche Dinge mit deiner Zunge anstellen kannst!!!
Harry wurde rot. Er war sich durchaus bewusst, dass er inmitten einer Großfamilie stand und seine Reaktion auf Dracos Beschreibung seines Traumes - nun ja - alles andere als jugendfrei war. Glücklicherweise saß er ja schon am Tisch und ein winziger kontrollierender Blick in seinen Schoss bestätigte ihm, dass Mollys selbst gehäkelte Tischdecke sein handfestes Problem verbarg.
So, ich hoffe, das hat dich auf andere Gedanken gebracht und hält dich davon ab, irgendetwas mit Ginny anzustellen. Du fehlst mir noch immer und ich hoffe, du weißt, dass der Gedanke an dich der Erste ist, sobald ich die Augen aufschlage.
Love Draco
PS: Habe ich eigentlich erwähnt, dass ich besagte Nische unbedingt ausprobieren will??
"Und, kommt Draco?", erkundigte Ginny sich und Harry zuckte erschrocken zusammen. Mit geröteten Wangen faltete er das Pergament in Windeseile und verstaute es in der Tasche seiner Jeans.
"Nein…", brachte er mit rauer Stimme heraus und räusperte sich. Er konnte kaum glauben, wie Draco es schaffte, ihm eine Absage zu schreiben und diese derart gekonnt in sexuelle Andeutungen verpackte, dass Harry viel zu beschäftigt mit den hochkommenden Bildern - und anderen hochkommenden Dingen - war, um sich wirklich über den Korb zu ärgern.
"Oh, das tut mir leid.", antwortete Ginny und machte ein bedauerndes Gesicht. Uruz tappte derweil - und Harry hätte schwören können, dass sie dabei ziemlich selbstzufrieden aussah - quer über den Wurstaufschnitt zurück zum Fenster und hackte arrogant an die Scheibe, welche ein verdächtiges Klirren von sich gab. Charlie ließ die Eule hinaus.
Arthur stöhnte und man sah ihm an, dass er den Vogel am liebsten massakriert und als Vorspeise kredenzt hätte.
"Warum kommt er nicht?", erkundigte Hermine sich an Harrys anderer Seite.
"Feiert mit Snape in der Schweiz.", antwortete Harry ohne nachzudenken.
"Was machen die denn in der Schweiz?", kam prompt die Gegenfrage und Harry hatte den Rest des Frühstücks seine liebe Mühe, sich eine passende Ausrede einfallen zu lassen. Er wollte nicht unbedingt derjenige sein, der Snape als ganz - äh, relativ - normalen Kerl outete.
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Einige Stunden später erwischte Harry Ginny dabei, wie sie - mal wieder - mit der DA-Münze in der einen und ihrem Zauberstab in der anderen Hand im Wohnzimmer stand und mit den Gedanken sichtlich weit weg war.
"So, jetzt will ich aber endlich wissen, was du da tust.", sagte Harry und jagte Ginny den Schreck ihres jungen Lebens ein.
Reflexartig schlossen sich ihre Finger über der DA-Münze, als Harry versuchte die Botschaft darauf zu entziffern. "Lass mich raten! Ich gehe mal davon aus, dass die Münze noch immer so funktioniert, wie Hermine sich das ausgedacht hat: Du zauberst eine Nachricht auf die Münze und jemand anders kann sie lesen."
"Äh… Harry.", begann Ginny und wich sichtlich verlegen seinem Blick aus.
Harry grinste. "Hey, komm schon! Mir kannst du es doch erzählen. Du hast einen neuen Freund?"
Ginny machte ein merkwürdiges Gesicht irgendwo zwischen schlechtem Gewissen und freudigem Lächeln. Sie schüttelte den Kopf und zielte spielerisch mit ihrem Zauberstab nach ihm. "Zuviel Neugier ist ungesund."
"Und das sagst ausgerechnet DU??"
"He, ich kann nichts dafür. Ich bin ein Mädchen, das sind die Gene!"
"Die Ausrede würde selbst Trewlaney dir nicht abnehmen." Harry verschränkte die Arme vor der Brust und ließ sich auf der abgenutzten Lehne des Sessels nieder, welcher Ginny am nächsten war.
"Du glaubst gar nicht, was Trewlaney mir alles abgenommen hat.", rutschte es Ginny heraus, bevor sie sich erschrocken auf die Lippen biss. Ihre Augen wurden groß und Harry lachte.
"Versprich mir, dass du mich nicht bei Mom und Dad verpetzt!", verlangte Ginny und sah ihn flehentlich an.
"Nur wenn du mir sagst, was du da mit der Münze machst.", antwortete Harry und grinste hinterlistig.
Ginny murrte. "Draco hat keinen guten Einfluss auf dich!!"
"Pansy auf dich auch nicht.", sagte Harry ohne groß nachzudenken. Eigentlich sollte es eine Anspielung auf den Traumatisator werden, doch das erklärte nicht, weshalb Ginny plötzlich kreidebleich wurde.
"Harry… also, was denkst du denn da bloß? Ich würde doch nicht… ich habe doch nicht… ich… also…nein.", stammelte Ginny und wechselte von kreidebleich nach schamrot.
Erst in diesem Augenblick begriff der verdutzte Harry, was Ginny seinen Worten entnommen hatte. "Oh", machte er und schüttelte den Kopf, "So meinte ich das gar nicht. Ich dachte an den Traumatisator…"
"Ach so.", antwortete Ginny leise, doch die Farbe wich nicht aus ihren Wangen. Harry sah sie nachdenklich an. Konnte es sein? Er schüttelte erneut den Kopf, nein, er interpretierte da wohl etwas in Ginnys Verhalten hinein, was nicht da war.
"Also… die Münze… es ist Hermines Münze.", sagte Ginny zusammenhanglos. Harry brauchte einige Sekunden, um mit dem plötzlichen Themenwechsel Schritt zu halten.
"Aha.", erwiderte er nur. Dann, als er die Information endlich verarbeitet hatte, glaubte er zu wissen, was vor sich ging. Er streckte die Hand aus und berührte Ginny liebevoll am Arm. "Hey, jetzt reg dich mal nicht so auf! Ich bin der Letzte, der etwas dagegen hat, wenn du dich wieder mit jemandem triffst."
Ein etwas halbherziges Lächeln war die Antwort. Ginny steckte die Münze in ihre Hosentasche und legte ihren Zauberstab auf dem Kaminsims ab. "Es ist gar nicht so, dass ich mich mit irgendwem treffen würde, Harry.", sagte sie leise.
Von irgendwo aus dem Haus hallte Gabrielles Lachen zu ihnen hinunter. Harry zog Ginny näher und sie ließ sich neben ihm auf der Sessellehne nieder. "Aber da ist jemand, oder?"
Ginny wurde rot und betrachtete ihre Hände. "Schon… irgendwie… aber andererseits… ach, ich weiß auch nicht." Sie zuckte hilflos mit den Schultern.
Harry grinste. "Also habe ich mit der Münze Recht?"
"Ja, hast du. Ich hab mir Hermines Münze ausgeliehen - nur solange, bis wir die DA wieder brauchen - weil ich meine… verliehen habe.", antwortete Ginny. Sie strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn hinter ihr Ohr.
"Und deine Münze hast du an jemanden verliehen, der dir etwas bedeutet.", mutmaßte Harry. Es war ein merkwürdiges Gefühl mit Ginny dort zu sitzen. Allein in dem Wohnzimmer ihrer Eltern. In dem Haus, in dem sie sich nach und nach kennen gelernt und irgendwann auch lieben gelernt hatten. Vor gar nicht allzu langer Zeit war Harry noch davon ausgegangen, dass er Ginny irgendwann heiraten würde. Und nun? Nun saßen sie noch immer in diesem Haus nebeneinander. Vertraut und doch kein Paar mehr. Dennoch fühlte Harry sich ihr in diesem Moment näher als irgendjemand anderem, Draco vielleicht ausgenommen.
"Ja.", antwortete Ginny schlicht und betrachtete weiter ihre Hände. Harry ahnte, dass sie nicht wusste, was sie sagen sollte.
"Hör zu, wenn du nicht mit mir darüber reden möchtest…", begann er. Ginny schaute auf und sah ihn mit einem warmen, sanften Blick an. "Das ist es nicht. Es ist nicht so, dass ich mit dir nicht reden will… genau genommen würde ich sogar gern mit dir reden… aber… ich weiß vielleicht noch gar nicht, was ich eigentlich will."
"Das klingt… verwirrend.", sagte Harry und runzelte die Stirn.
Ginny lächelte. "Das klingt nicht nur so, es fühlt sich auch so an." Sie griff nach seiner Hand und verschlang ihre Finger miteinander. Einen Augenblick schwiegen beide, bevor es erneut Ginny war, die sprach: "Ich habe neulich nicht gelogen, als ich gesagt habe, dass ich dich liebe, Harry."
Harrys Kopf ruckte zu ihr herum und ein kalter Schauer brauste über ihn hinweg. "Aber Ginny, ich…"
"Nein, lass mich bitte ausreden. Ich muss das sagen, okay?" Ginny wartete jedoch nicht auf eine Antwort. "Ich denke, ein Teil von mir wird dich immer lieben, egal, mit wem du oder ich zusammen sind. Du bist mir wichtig, du bist meine erste Liebe und irgendwie… wirst du wohl immer etwas Besonderes für mich bleiben. Ich möchte nur, dass du das weißt, Harry."
Harry wusste nicht, was er darauf erwidern sollte. Er war wie vor den Kopf gestoßen, denn bis vor wenigen Augenblicken dachte er noch, dass Ginny über ihre Trennung hinweg sei. Dass sie ihn losgelassen hatte. Nun brandete eine Welle neuer Schuldgefühle ihn seinem Herzen auf. Er schmerzte ihn zu sehen, dass Ginny noch immer seinetwegen litt. Merlin, er hätte alles dafür getan, dies zu ändern. Doch was sollte er gegen seine Gefühle tun?
Ginny überraschte ihn ein weiteres Mal. Sie drückte seine Finger ein wenig fester und schaute ihn an. Ein Hauch Schmerz lag in ihrem Blick, doch da war auch die Liebe, von der sie gesprochen hatte und noch etwas anderes… Vertrauen. Ein zaghaftes Lächeln spielte um ihre Mundwinkel, während sie sein Gesicht studierte. "Weißt du, ich habe eine Zeitlang gedacht, dass es vielleicht nur eine Phase ist, das mit dir und Draco und dass du danach wieder zu mir zurückkommen würdest." Ihr Lächeln vertiefte sich und der Schmerz verschwand aus ihrem Blick. "Aber jetzt weiß ich, dass das nicht passieren wird. Und es ist in Ordnung. Ich denke, es musste einfach passieren. Dracos Geschenk hat mir wohl endgültig klar gemacht, dass er dich liebt. Wahrscheinlich war das wirklich all die Jahre so und ihr beiden Deppen wart einfach zu blöd um es zu raffen."
Wider Willen musste Harry lachen.
"Was ich mit diesem ganzen Gerede eigentlich sagen will ist, dass ich - egal, was die Zukunft uns beiden bringt - nicht möchte, dass sich das hier ändert." Damit hielt Ginny ihre ineinander verschlungenen Hände in die Höhe. "Ich möchte, dass du etwas Besonderes in meinem Leben bleibst… vielleicht nicht mehr an erster Stelle…"
Weiter kam sie nicht, denn nun war Harry es, der sie küsste. Es war ein sanfter Kuss voller Dankbarkeit und Freude und so lächelten sie beide, als ihre Lippen sich trennten. Es war ein Abschiedskuss für ihre Beziehung und zugleich das Siegel ihrer Freundschaft. Keiner von beiden bemerkte Hermine, die mit einem Stapel Babyklamotten beladen, in der Tür erschien. Im ersten Moment sah sie verdutzt aus, doch dann lächelte sie still und zog sich lautlos wieder zurück.
"Ginny Weasley! Du bist ein wirklich besonderer Mensch und ich möchte dich niemals verlieren!", sagte Harry leise.
"Versprochen?", fragte Ginny nach.
"Versprochen."
Sie wirkte erleichtert und das sanfte Lächeln wich einem hinterlistigen Grinsen. "Dann kann ich ja jetzt beichten, was ich angestellt habe, was?"
Harry ahnte nichts Gutes und war von dem plötzlichen Wechsel von Ginny-das-gute-Mädchen zu Ginny-das-böse-Mädchen so überrascht, dass es ihm schlicht die Sprache verschlug.
"Also… naja, ich hab den Traumatisator nicht nur bei Fred und George benutzt und ich denke, du solltest das vielleicht wissen, bevor wir nach Hogwarts zurückfahren."
"Sag mir nicht, dass du das Ding bei Draco benutzt hast!", stieß Harry aus und eine Flut aus schlimmsten Visionen, welche Bilder Ginny Draco hatte träumen lassen, erschien vor seinem inneren Auge. Vielleicht, wie Harry mit Ginny schlief. Oder mit Hermine. Oder mit Ginny und Hermine. Oder mit Ginny, Hermine und Ron. Oder…
"Nein! Wie könnte ich, nachdem er es geschafft hat, dass du vor Rührung heulst?", antwortete Ginny und die Erleichterung, welche Harrys Venen flutete, hatte sich selten so süß angefühlt.
"Nein. Allerdings kommt du und Draco in der Vision vor."
Womit das Gefühl der süßen Erleichterung im Nichts verpuffte.
Harry schluckte, bevor er todesmutig antwortete: "Nun sag schon endlich!"
"Ähm, also, ich hab diesem Schleimscheißer von Jensen Winters den ein oder anderen Traum geschickt. Weil… naja, ich hab gehört, wie er über dich vor seinen Mannschaftskameraden hergezogen ist, von wegen, dass du deinen Besen von der anderen Seite besteigst. Und… ähm… dass du dich von Snape gern fesseln und auspeitschen lässt."
Harry wurde rot. Nein, kreidebleich. Nein, rot war dann doch angemessener. "Wie bitte?", würgte er hervor.
"Genau. Und wegen diesem Gewäsch hab ich mir gedacht, wäre ein kleiner, immer wiederkehrender Traum doch nett."
"Was… was für Bilder hast du ihm geschickt?"
"Oooch, zuerst eine ziemlich detailreiche Traumsequenz darüber, wie du es mit Draco treibst…"
Harry schnappte nach Luft. Wie war das mit Dracos Brief? Er hatte von Harry geträumt?
"Äh, Ginny…", murmelte Harry mit stetig wachsender böser Vorahnung. Er dachte an Fred und George, gütiger Himmel, wenn der Traumatisator allen Beteiligten diese Träume schickte… hatten Crabbe und Goyle wohl ein recht befriedigendes Weihnachtsfest und an Filch wollte Harry erst gar nicht denken. Obwohl… er hatte schließlich nicht davon geträumt, dass er Draco einen Blowjob… HOLLA DIE WALDFEE!!! Das war kein wirklich guter Gedanke in einem Zimmer allein mit der Ex-Freundin, von der man wusste, dass sie in eben diesen Zungenspielen recht… talentiert war. Harry konzentrierte sich schnellstens wieder auf die abartigen Träume, welche Ginny neuerdings zu kredenzen vermochte.
"…und dann, wie Snape Winters fesselt, auspeitscht und ihn von Umbridge im Sado-Maso-Kostüm vernaschen lässt."
Harry war einer Ohnmacht nahe. "Du…", er schluckte und versuchte irgendwie die unerwünschten Bilder einer in Lack und Leder gekleideten Umbridge, die Peitsche schwingend auf einem unschuldigen Schüler herumhopste, zu verdrängen. "Das ist wirklich widerlich.", stellte Harry nach einer geschlagenen Minute angewiderten Schweigens fest.
"Ja, oder?", meinte Ginny stolz.
"Will ich eigentlich wissen, wo du deine perversen Phantasien in letzter Zeit herhast?", erkundigte Harry sich vorsichtig, nicht sicher, ob er eine Antwort wirklich hören wollte.
"Ach, nein, dafür bist du viel zu zart besaitet!", zog Ginny ihn lachend auf und wackelte mit den Augenbrauen.
"Triffst du dich heimlich mit Draco?", entfuhr es Harry und Ginny warf in einer fast perfekten Imitation von Draco Malfoy das Kinn nach oben und ihre langen Haare über die Schulter zurück.
Obwohl Harry nach diesen mentalen Bildern doch etwas - ach, seien wir ehrlich, verdammt - übel war, stimmte er in Ginnys Lachen ein. Trotz ihrer Fröhlichkeit musste Harry daran denken, dass er Draco erst im neuen Jahr sehen würde. Sylvester würde er alleine feiern… gerade eines der Feste, welches man gern mit der Person verbrachte, die man liebte. Er verschluckte sich fast an seinem Lachen… irgendwie war es noch immer seltsam von Draco als seinen Freund zu denken. Als die Person, der sein Herz gehörte und die er… ja, die er liebte. Und da behaupte noch einer, er sei unromantisch!
Ginny schien seine Gedanken erraten zu haben, denn sie nahm ihn liebevoll in den Arm. "Hey, sieh es doch mal so, er hat doch gesagt, dass er nächstes Jahr mit dir feiern will. Wenn das kein Liebesversprechen ist, was denn dann?"
Harry nickte und war tatsächlich getröstet.
31. Dezember, Donnerstag
Noch vor wenigen Stunden hatte Harry sich ernsthaft Gedanken darüber gemacht, wie er den Tag ohne Draco überstehen sollte. Seine Sehnsucht nahm schon fast schmerzhafte Ausmaße an und war - angesichts der Tatsache, dass sie sich schon bald wieder sehen würden - ziemlich peinlich.
Doch sobald er an diesem Morgen die Augen aufgeschlagen hatte - irgendwie schien Molly auf exakt diesen Augenblick gewartet zu haben - ertönte aus der Küche schon ein Kampfschrei und das hieß für alles, was in diesem Hause zwei Beine hatte, aufstehen und sich in Vorbereitungen stürzen.
"Man, was die Weiber immer für einen Aufriss machen…", murrte Ron, während er seine Klamotten zusammensuchte und zusammen mit Harry im Bad verschwand. Sie duschten abwechselnd, kleideten sich an und wurden von den Zwillingen aus dem Bad getrieben.
Kaum in der Küche angekommen, trichterte Molly ihnen praktisch im Vorbeilaufen Karamell-Kaffee, Rühreier, Brötchen und irgendeine Pampe, die nach Gries schmeckte - oder Mais, oder Couscous? - ein und schmiss sie aus dem Haus, damit sie Arthur im Garten bei den letzten Vorbereitungen halfen.
Harry blieb beim Anblick des Gartens fast die Luft weg. Arthur hatte - mithilfe von Bill und Charlie - nicht nur das marode Partyzelt aufgebaut, nein, auch der Garten war vergrößert worden und hatte schon fast hogwartsche Ausmaße. Die Lichterketten, welche Harry und Ron hatten putzen müssen, wanden sich um Bäume, den Fuchsbau und das Zelt. Ein Haufen Tische stand noch ziemlich planlos in einer Ecke, inklusive einiger hoher Türmen aus Gartenstühlen.
"Sag mal, wer um Himmels Willen kommt denn heute alles?", brachte Harry erstaunt heraus.
"Wie es aussieht… mehr als ich dachte.", antwortete Ron nicht minder überrascht.
Für die nächsten Stunden sollte dies alles an Konversation sein, was Harry und Ron möglich war. Wenn man mal von den Befehlen absah, welche Molly, Ginny, Hermine und Fleur in Wechselschichten an die Männer verteilten.
Tische wurden gestellt, Stühle gerückt, Tischdecken aufgelegt, Sitzkissen verteilt, magische Flammen auf jedem einzelnen Tisch drapiert, Lichterketten entzündet, Blumendekorationen aufgehängt, hingestellt und arrangiert. Büffettische erschienen aus dem Nichts, Gläser mussten poliert werden, Luftschlangen, Konfetti, Luftballons, magischer Glitzerregen an schnell zugänglichen Orten bereit gestellt werden. Getränke wurden kühl gestellt, die letzten Speisen arrangiert, Salate abgeschmeckt, Soßen gerührt, Teller gestapelt, Besteck poliert, Servietten gefaltet und Nachtisch kredenzt. Nach rekordverdächtigen 7 Stunden Vorbereitungsmarathon unter der Fuchtel von Molly und ihren Töchtern aus der Hölle - alias Hermine, Ginny und Fleur - war Harry fix und fertig. Neben einem verschwitzten Ron und Arthur, der aussah, als würde ihn in der nächsten Sekunde ein Herzschlag ereilen, lehnte Harry für erholsame 54 Sekunden an der Hauswand.
Doch die Frauen kannten kein Erbarmen.
Nach all der Rennerei stand nun noch das Herausputzen für die Gäste an und natürlich mussten zuerst die männlichen Bewohner ins Bad, es wurde geduscht, rasiert, gewaschen, gezupft, gegelt, gekämmt und Klamotten gesucht.
Was noch erträglich war angesichts des Berges an Aufgaben, welches die weiblichen Bewohner des Fuchsbaus hinter sich bringen mussten. Die da wären - in abgekürzter Form - Duschen, Beine rasieren, Haare waschen, Dekolletes peelen und Nägel feilen, Bodylotion großzügig verteilen, Augenbrauen zupfen, Nägel lackieren, Grundierung auftragen und trocknen lassen, Spülungen aus Haaren waschen, Make up auftragen, Haare fönen, Haare frisieren, Abendgarderobe anlegen und sich zu fett finden.
Kurz gesagt, es erschien Harry als neuntes Weltwunder, dass es wirklich alle Bewohner des Fuchsbaus bis zum Eintreffen der ersten Gäste geschafft hatten, sich fertig zu machen.
Der Garten der Weasleys sah umwerfend aus. Hermine hatte einen partiellen Wärmezauber ausgetüftelt und mit Fleurs Hilfe über den Garten gelegt, so dass anstatt der winterlichen Kälte des Sylvesterabends ein angenehm laues Lüftchen wehte.
Die magischen Lichter flackerten sanft im Abendwind, es roch nach Blumen und Leckereien. Musik klang durch die fröhlichen Begrüßungen und die aufkeimenden Unterhaltungen. Immer mehr Gäste kamen an, die meisten apparierten vor dem Gartentor und traten erst dann durch die Schutzbanne herein. Harry beobachtete amüsiert, wie sich der kleine Kobold zwischen den Beinen einiger Gäste wieder auf das Grundstück schlich. Harry drückte dem frechen Wesen die Daumen, dass es Ginny nicht allzu schnell wieder vor die Füße lief.
Hermines Eltern kamen und begrüßten sie, Harry beobachtete mit einem zufriedenen Grinsen, wie Hermines Vater Ron zuerst die Hand gab und ihn schließlich in eine steif wirkende Umarmung zog. Hermine strahlte mit ihrer Mutter um die Wette und Ron stellte die Grangers ein wenig verlegen Molly vor.
"Hey, haben die beiden es endlich geregelt gekriegt?"
Harry wandte sich um und fand sich Lavender gegenüber, die mit einem überraschten Lächeln Ron und Hermine beobachtete.
"Ja, sieht so aus.", antwortete Harry zurückhaltend.
"Wurde ja auch langsam Zeit.", kommentierte Lavender und hob ihr Champagnerglas an die Lippen. Einen Moment später schaute sie Harry direkt an. Ein Hauch rosa erschien auf ihren Wangen und Harry wollte sich schon abwenden. Er hatte die Reaktion der anderen Gryffindors nicht vergessen und wollte den Sylvesterabend nicht damit verbringen, über sich und Draco zu diskutieren.
Lavender hielt ihn mit einer Hand auf seinem Arm zurück. "Harry, warte, bitte."
Widerwillig schaute Harry sie an.
"Ich wollte nur sagen… ich… habe in den vergangenen Tagen nachgedacht und möchte mich entschuldigen." Ihre dunklen Augen drückten ehrliche Reue aus. "Weißt du, im Grunde habe ich kein Problem damit, dass du mit… Malfoy zusammen bist… es ist nur. Es kam einfach alles etwas überraschend und wir waren vor den Kopf gestoßen."
Hilflos zuckte Harry mit den Schultern. "Dann fragt euch mal, wie ich mich dabei gefühlt habe. Ich wusste bis dahin nicht mal, dass ich auf Männer stehe."
"Nicht?", Lavender wirkte überrascht.
"Nein… ich war mit Ginny zusammen, wie du dich vielleicht erinnerst.", antwortete Harry schärfer als beabsichtigt.
Lavender wurde nun richtig rot und senkte den Blick in ihr Glas.
Harry seufzte. "Hör zu, ich habe schon verstanden, was du damit sagen willst, aber ich möchte eigentlich nicht unbedingt heute Abend darüber reden."
Mit einem leichten Nicken gab Lavender ihm zu verstehen, dass sie seine Antwort akzeptierte. "Nur eins noch, Harry. Ich weiß, dass es nicht so aussieht, aber im Endeffekt stehen wir alle hinter dir. Auch wenn der ein oder andere Holzkopf etwas länger brauchen wird um es dir selbst zu sagen." Damit deutete sie mit einem Nicken auf Seamus und Dean, die gerade dabei waren Ron zu begrüßen.
"Ach, dabei fällt mir ein. Seit wann sind Ron und Hermine zusammen?"
"Äh… seit ein paar Tagen.", antwortete Harry verdutzt.
"Aber noch nicht vor Weihnachten, oder?"
"Nein, nein, ich glaube nicht."
"Gut, wo ist Parvati? Sie schuldet mir noch 5 Galleonen!", sagte Lavender und verabschiedete sich mit einem freundlichen Lächeln. Harry blickte ihr versonnen nach und stellte fest - auch wenn er es eigentlich nicht wollte - dass ihre Worte ihn innerlich lächeln ließen. Sicherlich würde er nicht ohne das ein oder andere klärende Gespräch zur Tagesordnung übergehen, aber der Anfang war gemacht. Harry war unendlich erleichtert, dass er diese Last nicht mit in das neue Jahr nehmen musste.
Ein neuer Besucherstrom unterbrach seine Gedanken. Shacklebolt, Hestia Jones und Mad Eye Moody traten durch das Gartentor. Dicht gefolgt von Prof. Flitwick und Hagrid, der sichtlich stolz eine herausgeputzte Madam Maxine am Arm führte. Fleur und Gabrielle brachen in Freudenjubel aus und begrüßten ihre Professorin.
Selbst Prof. McGonagall hatte sich in ihren trendigen Festumhang aus schottischem Karo geschmissen und lachte wie ein junges Mädchen über einen Witz von Dädalus Diggel.
Harry sah einige jüngere Gryffindors aus Ginnys Jahrgang, die ihm fast schüchtern zuwinkten. Er begrüßte Colin Creevey und verhinderte in letzter Sekunde, dass dieser ein Foto von einer sich in die Stachelbeerhecke übergebenden Fleur machte. Offenbar war ihr die Freude über den unerwarteten Besuch ihrer Lehrerin auf den Magen geschlagen.
"Wahnsinn, oder?", fragte Ginny plötzlich neben ihm und Harry konnte gar nicht anders als nicken. Ginny wirkte aufgekratzt und ließ das Gartentor nicht aus den Augen.
"Und, ist dein 'jemand' schon hier?", fragte er und erntete einen Klaps auf den Arm.
Sehr zu seiner Überraschung antwortete Ginny dennoch: "Nein, noch nicht."
"Hallo, Harry, Ginny.", ertönte eine schüchterne Stimme. Ginny und Harry wandten sich um.
"Hallo, Neville… hallo, Mrs. Longbottom.", begrüßte Ginny Nevilles Großmutter artig.
Auch Harry brachte einen Gruß heraus. Neville lächelte etwas schüchtern und seufzte sichtlich erleichtert, als seine Großmutter sich verabschiedete um Molly zu begrüßen. "Oh man, bin ich froh, dass wir endlich hier sind. Oma hat mir ungefähr zwei Stunden lang einen Vortrag darüber gehalten, wie ich mich in so einer Gesellschaft zu benehmen hätte! Ehrlich, als ob ich mich nackt an einer der Lichterketten rumschwingen würde!"
Ginny und Harry lachten.
"Tu dir keinen Zwang an, nach allem, was ich schon über Potter gehört hab, habt ihr Gryffindor-Kerle ja einiges zu bieten. Also los, überrasch mich, Longbottom!"
Neville wurde kreidebleich und Ginnys Lachen wurde zu einem albernen Kichern.
"Hallo Pansy.", begrüßte Harry die Slytherin. Pansy nickte ihm zu und lächelte: "Schönen Gruß von Draco, es tut ihm wirklich leid, dass er nicht hier ist. Wo gibt's was zu trinken?"
Ginny zwinkerte Harry zu und fasste Pansy am Arm: "Ich zeigs dir. Kommt Blaise auch?" Pansys Antwort bekam Harry nicht mehr mit, statt dessen hörte er Neville erschüttertet murmeln: "Meine Güte, die hat ja Sprüche drauf."
"Oh, das war noch gar nichts!", behauptete Harry und musste über Neville Verlegenheit lachen.
Ron und Hermine gesellten sich zu ihnen. Nach und nach trafen immer mehr ihrer Mitschüler ein und Harry kam nicht umhin sich darüber zu wundern, dass fast alle Häuser vertreten waren. Selbst Slytherin, denn neben Pansy hatte er auch Blaise Zabini ausgemacht, der mit Fred in ein Gespräch vertieft war.
Die Stunden vergingen wie im Flug zwischen lachen, essen, trinken, unterhalten, den Scherzen der Zwillinge, noch mehr essen, noch mehr trinken und noch viel mehr lachen und so war Harry einigermaßen schockiert, als Fred und George sich verabschiedeten um das Feuerwerk vorzubereiten.
"Wieviel Uhr ist es?", fragte er verdutzt in die Runde seiner Mitschüler. Im Laufe des Abends hatten sich die meisten Hogwarts-Schüler am Rande des Zeltes versammelt. Es herrschte eine Eintracht, die ihren Lehrkräften die Tränen des Stolzes in die Augen trieb und Harry beobachtete mehr als einmal, wie stolz McGonagall immer wieder zu ihnen hinübersah.
"Halb zwölf.", antwortete Blaise und winkte zustimmend, als Fred ihm zurief, er möge ihnen kurz helfen. Blaise drückte Ginny sein Glas in die Hand und lief quer über den Rasen auf die Zwillinge zu.
"Was? Schon?" Auch Hermine schien überrascht.
"Dann lasst uns schon mal langsam was zum Anstoßen besorgen.", schlug Parvati vor.
"Lasst mal, ich mach das schon.", antwortete Ron und acciote kurzerhand einige Flaschen Champagner zu ihnen herüber.
"Ist euch mal aufgefallen, dass heute Abend echt alle Häuser vertreten sind? Sogar Slytherin.", sagte Luna und ließ sich von Neville das Glas auffüllen.
"Jaaah, nur Slytherin ist eindeutig in der Unterzahl.", antwortete Dean ohne Harry anzuschauen.
"Stimmt. Und wisst ihr, was ich mich schon den ganzen Abend frage?", selbst mit seinem irischen Dialekt klang Seamus plötzlich ziemlich frostig. Nicht nur Harry schien zu spüren, wie die Stimmung zu kippen drohte, denn Hermine runzelte missbilligend die Stirn und Ginny trat näher an ihn heran.
"Wie du deine Hose alleine aufbekommst?", fragte Pansy, doch ihre dunklen Augen sprühten so deutliche Funken, dass sie beinahe Ginnys Haare in Brand setzten, welche ihr am nächsten stand.
"Ach, halt dich doch da raus, Parkinson!", erwiderte Seamus unbeeindruckt. Sein Blick war auf Harry fixiert. "Wo ist Malfoy? Wenn ihr beide jetzt so dicke miteinander seid, warum ist er dann nicht hier? Ist sich dein Lover etwa zu fein für ein Fest mit uns?"
Lavender stieß ihm einen Ellenbogen in den Magen. "Finnigan! Du bist so ein Trottel!"
"Nein, er hat Recht! Also, Harry, wo ist denn dein toller Freund?", fragte eine Harry nur allzu gut bekannte Stimme.
"Winters! Wer zum Henker hat dich denn eingeladen?", schnappte Pansy wütend.
"Sein Daddy ist der Vorgesetzte meines Vaters…", sagte Ron in einem so abwertenden Tonfall, als sei dieser Berufsstand etwas besonders Verachtenswertes, "Deshalb mussten wir seine Eltern einladen."
"Na, Jensen, wie war denn deine Traumwelt so in letzter Zeit?", erkundigte Ginny sich mit einem falschen Lächeln. Der Ravenclaw wurde sichtlich blass um die Nasenspitze, schüttelte sich dann jedoch, als wolle er unliebsame Gedanken verdrängen und fixierte Harry erneut. "Was ist Potter, schaffst du es nicht mal allein zu antworten? Wo ist dein Loverboy?"
Sehr zu seiner eigenen Überraschung blieb Harry merkwürdig ruhig, als er in neutralem Tonfall antwortete: "Weißt du, Jensen, Draco wird dich nicht zurückhaben wollen, selbst wenn du hier einen auf Stalker machst."
Überraschte Rufe wurden laut und Jensen lief rot an. "Du dämliche kleine Schwuchtel!" Er machte einen Schritt nach vorn und Harry griff nach seinem Zauberstab. Merkwürdigerweise stockte Jensen jedoch mitten in der Bewegung und Pansy begann zu grinsen. Dann geschah alles auf einmal.
Harry wurde zur Seite geschoben, als sich jemand an ihm vorüberdrängte. Jensen machte mit aufgerissenen Augen einige taumelnde Schritte rückwärts. Pansy, Ginny, Ron und Luna wichen zur Seite aus, bevor Jensen an den Aufschlägen seines Festumhanges gepackt und geschüttelt wurde, wie ein nasser Hund.
"Winters! Das ist die allerletzte Warnung! Sollte ich dich noch ein einziges Mal in seiner Nähe erwischen, werde ich meinen toten Vater stolz machen und meinen ersten Unverzeihlichen benutzen!" Dracos Stimme war so dunkel vor Wut, dass Harry ihn kaum wieder erkannte.
Harrys Eingeweide schlugen einen Purzelbaum nach dem anderen vor Aufregung und er konnte sich nicht entscheiden, was er zuerst empfinden sollte. Freude über Dracos unerwartetes Auftauchen, Ärger über Winters, Schadenfreude weil Winters - nach einem letzten mordlustigen Blick von Draco - davonschlich wie ein geprügelter Hund.
"Ich möchte wirklich wissen, wie der Kerl das immer mit diesen passenden Auftritten macht! Ich wette, er saß schon seit Stunden in einem der Bäume und hat auf den passenden Moment gewartet.", murmelte Pansy. Ihr breites Lachen strafte ihre Worte Lügen.
Harry war dankbar für Pansys Sprüche, denn es war ein merkwürdiger Moment. Er war sich den Blicken seiner Mitschüler überdeutlich bewusst, als Draco sich nun umdrehte und ihm entgegenging. Die letzten Reste seiner Wut verrauchten und ein zärtlicher Ausdruck lag in seinen klaren Augen, als er Harry erreichte.
"Hi.", sagte Draco leise und lächelte.
Harry konnte gar nicht anders als ebenfalls zu lächeln. Es bemerkte nicht, dass es still um sie wurde, als er nach Dracos Umhang griff und ihn näher zog. Wie sehr hatte er sich danach gesehnt Draco zu sehen, ihn zu berühren, im nahe zu sein? Harry hätte Draco geküsst. Vor aller Augen, wenn nicht Pansy ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte: "Jungs! Hebt euch das für Mitternacht auf! Typisch Kerle, immer zu früh dran! Wo bleibt denn da die Romantik, wenn ihr euch jetzt schon die Zunge in den Hals steckt?"
"Boah, Parkinson! Nicht so bildlich!!! Bitte!!!", warf Ron gequält ein und das aufkommende Lachen brach die Spannung.
Sehr zu Harrys Missfallen brachte Draco tatsächlich etwas Abstand zwischen sie. "Tja, wo die Frau Recht hat, hat sie Recht."
Harry rollte mit den Augen. Dann fiel ihm etwas ein. "Was machst du eigentlich hier? Was ist mit Snape und…", Harry unterbrach sich gerade rechtzeitig, um nicht doch noch Snapes Freundin ins Spiel zu bringen. "…der Schweiz?", sagte er statt dessen.
Draco grinste und zwinkerte zu Harrys größter Überraschung - und Rons Empörung - Hermine zu, bevor er antwortete. "Ich kann auch nicht lange bleiben. Hermine hat mich auf die Idee gebracht… der Zeitunterschied."
"Hä?", machte Harry verständnislos.
"Der Zeitunterschied, Babe. Hier ist es bald Mitternacht, aber die Schweiz hinkt eine Stunde hinterher. Ich kann also hier mit dir den Jahreswechsel feiern und eine Stunde später mit Severus in der Schweiz noch mal.", erklärte Draco grinsend.
Lavender und Parvati stießen gleichzeitig ein gerührtes "Haaach!" aus, was Harry einen schamvoll geröteten Kopf brachte. Nichtsdestotrotz war er glücklich, dass Draco da war und… hatte er ihn grade 'Babe' genannt?
"Hast du was dagegen, wenn ich Hermine abküsse für diese Idee?", erkundigte Harry sich beiläufig.
"Nein, dann kannst du gleich bei Ginny weitermachen, die hat mir ja die Einladung geschickt.", antwortete Draco und warf einen zweideutigen Blick in Pansys Richtung, welche ihm die Zunge herausstreckte.
"VETO!", rief Ron und übernahm die Sache mit 'Hermine abküssen' dann doch lieber selbst.
Ein weiteres mehrstimmiges "Haaach!" ertönte.
"So, liebe Leute und bevor wir jetzt alle anfangen rosa Herzchen und kleine weiße Plüschhasen zu sehen… schnappt euch 'nen Glas, es ist gleich soweit!", kommandierte ein wieder aufgetauchter Blaise und wedelte wild mit den Armen.
Einige Momente aufkeimender Hektik später, war jeder der Anwesenden mit einem Glas Orchideenchampagner versorgt und man versammelte sich vor dem Eingang zum Fuchsbau. Fred und George ließen zwei Raketen steigen und als sie explodierten, erschien eine monströse Uhr, welche die letzten Sekunden des alten Jahres als rote Schrift in den Nachthimmel zeichnete.
Begeistert zählten alle mit: "10... 9... 8... 7... 6... 5.… 4... 3... 2... 1..."
Ein Orkan aus Dutzenden Stimmen rief "FROHES NEUES JAHR!" und erschütterte den wesleyschen Fuchsbau in seinen Grundfesten.
Fred und George ließen die Raketen steigen und Funkenregen prasselte auf die Gäste nieder. Überall klirrten Champagnergläser aneinander, regnete Konfetti hinab und wurden Wunderkerzen angezündet.
Harry bekam von alledem nichts mit. Er war mit seinem eigenen ganz persönlichen Feuerwerk beschäftigt, welches sich in Dracos strahlenden Augen abspielte.
"Frohes neues Jahr, Draco.", flüsterte Harry.
"Ich liebe dich.", wisperte Draco, bevor er Harrys Lippen mit einem zärtlichen Kuss versiegelte.
Während die Augen der meisten Anwesenden auf dem wahrlich spektakulären Feuerwerk der Zwillinge ruhten, waren doch ein oder zwei Personen dabei, welche den Kuss zwischen Harry und Draco um einiges interessanter fanden.
Gut, seien wir ehrlich. Fred und George schossen in den ersten beiden Minuten die alten Raketen des Vorjahres ab, weil sowieso niemand zusah, denn ALLE gafften auf dieses Unwahrscheinlichste aller Paare in ihrer Mitte.
Einige mit einem zufriedenen Lächeln, wie Ginny, Pansy, Hermine und Blaise. Wieder andere mit einem undefinierbaren Ausdruck, da sie noch nicht wussten, was sie von diesem Schauspiel zu halten hatten, wie Ron, Seamus, Dean und Colin Creevey, der sogar vorübergehend vergass, dass er eine wild vor sich hinknipsende Kamera in den Händen hielt.
Erst nachdem sich Harrys Lippen von Dracos getrennt hatten, begannen Fred und George mit dem eigentlichen Feuerwerk und das wurde wahrlich furios. Auch Harry genoss das Farbspiel in vollen Zügen. Draco war hinter ihn getreten und schlang beide Arme um seine Taille. Gemeinsam blickten sie nach oben und hatten den Anstand dezent zu erröten, als Fred und George einen goldenen Löwen mit einer silbernen Schlange emporsteigen ließen, die aufeinander zurannten und in dem Moment, als sie sich berührten, in einer Kaskade aus fürchterlich kitschigen Herzchen explodierten.
"Zabini!", rief Draco empört einem breit grinsenden Blaise zu.
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Nur wenige Minuten, nachdem der letzte Funken des Feuerwerkes erloschen war, wurde Harry von Draco in einen ruhigeren Teil des Gartens gezogen. Nach einem letzten - SEHR - leidenschaftlichen Kuss, verabschiedete Draco sich widerwillig. Harry sah ihm ein wenig traurig hinterher, bis er aus dem Gartentor hinausgetreten war und disapparierte. Angesichts der Tatsache, dass er nicht ständig seinen Festumhang in der Leistengegend zuhalten wollte, beschloss Harry spontan noch ein paar Minuten der friedlichen Stille zu genießen, bis sein Blut sich wieder einigermaßen beruhigt und in obere Gefilde zurückgezogen hatte.
"Na mein Junge, war das ein Sylvester nach deinem Geschmack?"
Harry konnte es kaum glauben Santa Clause - noch immer in voller Weihnachtsmontur - in dem Baumwipfel über sich sitzen zu sehen.
"Ja.", antwortete er irritiert, obwohl ihm eigentlich eher danach zumute war, aus vollster Kehle ein zustimmendes "JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!" zu schreien.
"Äh… was machst du denn schon wieder hier?", fragte er vorsichtig. Die Drohung des Weihnachtsmannes bzgl. des Rückgängigmachens der vergangenen Wochen war ihm noch allzu gut in Erinnerung.
"Oh, ich bin nur hier um nach dem Rechten zu schauen, keine Angst.", sagte Santa Clause und schwebte vom Baum hinunter. Dicht neben Harry blieb er stehen.
"Ist denn der Weihnachtswunsch nun endlich erfüllt?", erkundigte Harry sich und war froh Santa Clause lächeln zu sehen.
"Ah, noch nicht ganz, aber das wird sich in den nächsten Sekunden erledigt haben.", antwortete dieser kryptisch.
Harry war verwirrt. "Wie denn das? Draco ist nicht mehr hier… was könnte sich denn da noch ändern? Außerdem waren wir doch schon vorher zusammen und Dracos Wunsch müsste schon…"
Santa schmunzelte. "Wie kommst du eigentlich auf die Idee, dass es Draco Malfoys Wunsch war, den ich zu erfüllen hatte?"
Harrys Verwirrung wurde zu einem ausgewachsenen Trauma. "Wie… was? Aber ich dachte… du hast mir Draco doch gezeigt und da dachte ich…", stammelte er.
"Sicher, weil auch Draco ein Teil des Weihnachtswunsches war. Erinnerst du dich noch daran, was ich dir gesagt habe, als du mich gefragt hast, warum du mich noch nie vorher gesehen hast?"
"Dass du nur den Alleingelassenen erscheinst, die niemanden haben, der sie liebt."
"Genau."
Harry brauchte noch volle 20 Sekunden, bevor er begriff, auf was Santa Clause hinaus wollte. "Aber… dann war es gar nicht Dracos Weihnachtswunsch?"
Santas Lächeln wurde breiter. "Nein, Draco hatte immer jemanden, der ihn liebt. Auch wenn man es ihm nicht ansieht und er es wahrscheinlich auch niemals öffentlich zugeben würde, hat Severus Snape in Draco immer den Sohn gesehen, den er niemals hatte. Er liebt Draco wie sein eigenes Kind."
Ein Großteil seiner Hirnzellen schwenkten die weiße Flagge und winselten um Gnade, so verwirrt war Harry über das Gehörte. Draco hatte sich nicht gewünscht mit ihm zusammen zu sein? Eisige Enttäuschung sickerte in Harrys Herz und er war viel zu schockiert um das Offensichtliche zu erkennen.
Santa Clause beschloss seinem Ruf einmal gerecht zu werden und Harry glücklich zu machen. "Aber nur weil Draco den Weihnachtswunsch nicht ausgesprochen hat, heißt das nicht, dass er es sich nicht gewünscht hätte. Denk daran, was ich dir über die Liebe gesagt habe und zweifele nicht länger, Harry Potter. Draco liebt dich ebenso sehr, wie du ihn liebst, ob dir das jetzt passt, oder nicht."
Harry brachte ein halbherziges Grinsen zustande. "Aber… wer hat denn dann?"
Santa blickte plötzlich auf und ein sehr zufriedenes Grinsen legte sich über seine Züge. Genau genommen sah er auch irgendwie gerührt aus und war das eine Träne in seinen Augenwinkeln?
"Der Weihnachtswunsch ist erfüllt." Santas Stimme klang belegt und er zwirbelte einen Augenblick zu lange an seinem Bart herum, um unauffällig zu sein.
"Aber wie?", fragte Harry.
"Fangen wir doch mit dem Wunsch an. Willst du wissen, wie er lautete? Jetzt, wo er erfüllt ist, kann ich ihn dir auch verraten."
Harry nickte hastig.
"Ich wünschte, sie würde mich einmal so verliebt ansehen wie Potter, diesen Deppen. Nur für einen Augenblick möchte ich wissen, wie es ist, so geliebt, so begehrt zu werden. Selbst Draco sieht Potter mit diesem Blick an. Aber wahrscheinlich würde Draco nicht schnallen, dass er auf Potter steht, selbst wenn Potter ihn abknutschen würde. Blaise hat es Draco ins Gesicht gesagt und was macht dieser Idiot? Lachen. Typisch Kerl! Kann das nicht einfach passieren? Es ist Weihnachten! Warum kann mich nicht auch jemand so lieben wie diesen blöden Gryffindor. Ich wünschte, sie würde mich so sehr lieben."
"He, das ist aber mehr als ein Wunsch.", platzte Harry ohne nachzudenken heraus.
Santa verdrehte genervt die Augen. "Ja, ich bin halt großzügig und hab alles auf einmal abgearbeitet! Ein Wunsch erfüllt und vier Menschen glücklich gemacht, wer ist denn da noch so kleinlich und schaut nach, ob es wirklich nur ein Wunsch war!"
"Vier?"
"Vier.", antwortete Santa und deutete unter eine große Kastanie zu ihrer Linken, nicht weit von Harry entfernt. Im Schatten des Baumes konnte Harry zwei Gestalten erkennen, die offenbar ganz und gar mit sich selbst beschäftigt waren.
"Zuerst wären da Draco und du…", begann Santa aufzuzählen.
Harry machte einen Schritt näher und verengte die Augen um zu sehen, wer sich da so verliebt anschmachtete. Gütiger Himmel! War das Ginny? Und… und… NEIN!
"Und Pansy und Ginny.", beendetet Santa seine Aufzählung. Er klang sehr zufrieden.
Bevor seine Worte jedoch bei Harry ankamen, sah dieser, wie Ginny sich auf die Zehenspitzen stellte und Pansy einen zarten, schüchternen Kuss auf die Lippen drückte. Pansy griff nach Ginnys Hand.
"Pansy…", brachte Harry fassungslos hervor. "Es war Pansys Weihnachtswunsch."
The End.
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Vielleicht lesen wir uns ja bald wieder ---noch mal wink--- - ---und ab---
