Vielan dank für die lieben Kommis.
Es werden mit an 99 Wahrscheinlichkeit 20 Kapitel werden. Falls ich nicht noch mehr Pittelchen auseinander pflücke, weil sie zu lang werden.
Ich bin jetzt erstmal eine Woche in London, deshalb wird das nächste Kapitel etwas auf sich warten lassen ich hoffe ihr seid mir nicht böse ''
So zu diesem Kapitel.. meiner Meinung nach ist es furchtbar kitschig geworden... schüttel aber seht selbst.
Schon fast von der Fähre zurückwink,
Sal
9. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben
Es war zwei Uhr und Harry saß am Küchentisch um zu essen. Aber so richtig wollte das nicht hinhauen, denn er hatte kein bisschen Hunger. Hermine amüsierte sich über ihn, sie meinte, er sei so aufgeregt wie vor einem ersten Date. Was es ja auch eigentlich war, so rein formal gesehen.
„Was wirst du jetzt eigentlich machen? Wirst du das Ritual durchziehen?", fragte sie, um ihn etwas abzulenken.
„Ich… Ich würde es schon machen, aber erst muss er erfahren, wer ich bin und muss sich der Konsequenzen, die daraus entstehen, klar werden. Dann werde ich es machen, wenn er immer noch will, was ich allerdings stark bezweifle."
Harry war aufgestanden und lief wie ein eingesperrter Tiger in der Küche rum. Plötzlich blieb er stehen.
„Hermine… Ich war so beschäftigt, dass ich…"
Harry biss sich betreten auf die Unterlippe.
„Würde es dir eigentlich etwas ausmachen, wenn ich einen Mann als Partner hätte…? Also, du bist meine beste Freundin und ich Egoist hab dich nicht mal gefragt, was du von allem hältst."
Ein breites Grinsen stahl sich auf das Gesicht des Mädchens.
„Ach, kein Problem. Du hattest bei Merlin genug, worüber du dir den Kopf zerbrochen hast. Aber nein, es würde mir nichts ausmachen. Du bist wie ein Bruder für mich und ich freue mich, wenn er dich glücklich macht. Das ist alles was zählt."
Mit zwei großen Schritten war Harry bei ihr und nahm sie in den Arm.
„Danke Hermine, vielen Dank. Glaubst du, dass Ron es auch so gut aufnehmen würde? Er war schon immer etwas verklemmt, wenn es um solche Angelegenheiten ging."
„Ich weiß nicht, wie er reagieren wird, falls du es ihm sagst. Ich mache mir etwas Sorgen. Er meinte ja, wir beide hätten was."
„Wie kommt er denn darauf? Das ist doch lächerlich."
„Ja schon, aber er hat mir eine Eule geschickt. Da hat er so etwas gesagt."
Hermine schüttelte betreten den Kopf.
„Mach dir nichts draus. Er wird sich schon wieder einkriegen. Wann musst du heute arbeiten gehen?"
„Ich hab die Abendschicht von sechs bis zwölf. Da wird man besser bezahlt als tagsüber."
„Okay, es ist halb drei, ich gehe dann. Sieht man die Narbe oder ist der Illusionszauber intakt? Schließlich will ich Voldemort nicht auf mich aufmerksam machen."
„Ist alles in Ordnung, man sieht nichts. Und bevor du fragst, du siehst gut aus. Und jetzt los mit dir. Weißt du, wo du im Park ungesehen apparieren kannst?"
„Ja. Tschau."
Harry drückte seiner Freundin noch einen Kuss auf die Wange und stürmte in die Eingangshalle. Hoffentlich lief alles gut und Voldemort flöhte ihm nicht dazwischen.
Nervös lief Harry durch den Park. Sie wollten sich am Nordzipfel des Sees treffen. Rasch beschleunigte er seine Schritte und sein schwarzer Zaubererumhang bauschte sich im Wind auf.
Plötzlich blieb er stehen. Vor ihm, von ihm abgewandt, stand Seth. Die goldenen Lichtstrahlen brachen sich in seinem Haar und verliehen ihnen ein sanftes Strahlen. Wie er dort stand, schien er etwas Übernatürliches zu sein. Harry ging langsam auf ihn zu. Er wusste, dass ihn der andere schon bemerkt hatte, doch dieser drehte sich nicht um.
„Hallo", flüsterte Harry und umschlag Seth an den Hüften.
Harry war etwas kleiner, so verbarg er sein Gesicht an der Schulter und atmete den angenehmen Geruch des anderen ein.
„Du hast mich nicht geweckt", meinte Seth vorwurfsvoll, während er sich zu ihm umdrehte.
„Du hast mich nicht geweckt und ich wusste nicht, ob du heute kommst. Oder ob du überhaupt noch etwas mit mir zu tun haben willst."
Seths Stimme klang erstickt und er vergrub sein Gesicht in Harrys seidigem Haar.
„Ich hatte Angst... Angst, dass ich zu viel von dir erwartet habe. Ich möchte das Ritual machen, aber wenn du nicht willst oder es zu früh ist, dann verstehe ich das."
Er presste Harry nur noch mehr an sich. Dieser erwiderte die Umarmung und flüsterte erstickt: „Das wollte ich nicht, ich war nur so durcheinander. Diese Möglichkeit kam so plötzlich. Es gibt so viele mögliche Konsequenzen, besonders in diesen unsicheren Zeiten. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich dir überhaupt vertrauen kann. Ich weiß nur, was mir mein Gefühl sagt. Und auch du weißt nicht, wer ich bin. Aber…"
Harry löste sich ein Stück von Seth, so dass er diesem in die Augen sehen konnte. „Wenn du noch immer willst, gehe ich das freiwillige Band mit dir ein."
Seth sah ihn einen Moment mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck an, doch dann zog er den Kleineren in einen stürmischen Kuss. Als sie sich wieder voneinander lösten, rief er aus: „Natürlich will ich!"
Etwas unsicherer fügte er hinzu: „Und du bist sicher, dass du das Band mit mir eingehen willst?"
Sie sahen sich unverwandt in die Augen.
„Ja, das bin ich. Aber das Ritual könnte für dich ungeahnte Konsequenzen haben, deshalb solltest du besser erfahren, wer ich bin. Mein Nam-"
„Es ist nicht wichtig, wer du bist. Oder wie du heißt. Meinetwegen kannst du auch der Zaubereiminister sein und es wäre mir egal", wurde er rüde unterbrochen. „Ich liebe dich! Das reicht vollkommen."
Heftig zog Seth ihn wieder an sich.
„Es reicht mir!"
„I-„
„Na, wen haben wir denn da? Wieder zwei Clowns mit Umhang. Ihr müsst ja wirklich 'ne Geschmacksverirrung haben oder ist das Sektenstyle?"
Eine Gruppe Jugendlicher kam auf die beiden Zauberer zugeschlendert. Und der eine, der gerade gesprochen hatte, stand in der Mitte und heischte bei den anderen um Anerkennung. Als er diese dann auch bekam, fügte er hinzu:
„Das hier ist unser Platz. Verzieh dich mit deiner Kleinen woanders hin, Schönling."
Der Jugendliche hatte zu Seth gesprochen und Harry, der deutlich bemerkte, wie sich sein Geliebter versteifte, drehte sich in dessen Umarmung um, um die Clique anzusehen.
„Ui!", meinte der bullige Junge nun. „Das Mädel ist ja ein Kerl. Treibt es doch bitte woanders, wir können hier keine von Euch gebrauchen."
Dabei betonte er das „Euch" so abfällig, dass es Malfoy alle Ehre gemacht hätte.
„Ach", seufzte Harry theatralisch. „Und wenn wir nicht vorhaben wegzugehen? Wirst du dann zu deiner Mama rennen und petzen, dass die bösen Leute vor deiner Nase unartige Sachen gemacht haben und du nicht mitmachen durftest?", entgegnete Harry angriffslustig.
„Als ob ich mitmachen wollte! Ich will bestimmt nicht so wie du in den Arsch gefickt werden!"
„Ja, du hast Recht. Ich werde gerne „in den Arsch gefickt", wie du es so geistreich artikulierst. Aber wenigstens habe ich es nicht nötig, meine kleinen Geschwister mit Spielzeug zu bestechen, damit sie für mich die Beine breit machen und noch nicht mal richtig wissen was abgeht."
Sein Gegenüber starrte ihn nur fassungslos an und meinte dann wütend:
„Pah, so was mache ich nicht. Was hast du denn für perverse Gedanken?"
„Wer hat denn gesagt, dass sich meine Bemerkung auf dich bezogen hat? Schön, dass du es so vehement bestreitest, da fühlt man sich doch sofort bestätigt", sagte Harry listig, drehte sich dann zu Seth um, der das Wortgefecht amüsiert verfolgt hatte, und zog ihn in einen kurzen, demonstrativen Kuss.
„Wir sollten gehen. Ich glaube, der muss erst mal sein Spatzenhirn zusammenkramen um mitzubekommen, dass er sich gerade selbst reingelegt hat", meinte Harry gut vernehmlich, bevor er, seinen Geliebten hinter sich herziehend, den Kiesweg hinunter stolzierte.
„Deine letzten Bemerkungen waren deutlich unter der Gürtellinie", sagte Seth, als sie außer Hörweite waren.
„Ich weiß auch nicht, warum ich so wütend geworden bin. Vielleicht, weil ich an die Worte eines Bekannten denken musste."
Gedankenverloren erinnerte sich Harry an Charlies Angst vor Ablehnung. Wenn er wirklich mit Seth zusammen sein wollte, musste er sich wohl auf noch mehrere dumme Sprüche gefasst machen.
Sie standen nun an einem verlassenen Fleck, von wo aus sie apparieren konnten.
„Wohin jetzt?"
Harry holte tief Luft. „Wollen wir das Ritual heute schon ausführen? Es braucht, soweit ich weiß, keine Vorbereitungen."
Seth sah ihn überrascht an. „Du meinst jetzt gleich?"
„Ja. Jetzt ist so gut wie jeder andere Zeitpunkt. Und ich habe das Gefühl, wenn ich warten würde, würde ich nur Panik bekommen, dass etwas schief geht. Aber wenn du nicht willst, können wir auch warten."
„Nein! Natürlich können wir es jetzt durchführen."
Seth strahlte ihn geradezu an.
„Wohin gehen wir? Wir könn-", bevor er zu Ende gesprochen hatte, wurde er schon von Harry unterbrochen. „Lass dich von mir führen, ich weiß, wo wir hin apparieren können." Seth zog ihn näher an sich.
„Dann los, Süßer."
Sie apparierten in einen großen, düsteren Raum. Die Eingangshalle des Black Hauses.
„Wir müssen die Treppe hoch. Außer der Einganshalle ist das ganze Haus mit einem Anti-Apparierzauber belegt."
Sie gingen die Treppe hoch, beide in Gedanken versunken, als ihnen Hermine entgegenkam.
„Hallo. So früh hatte ich dich nicht zurückerwartet. Du musst Seth sein", begrüßte sie die beiden und hatte sich auch schon vorbeigedrängt.
„Ich muss zur Arbeit, bin schon spät."
Als sie unten in der Eingangshalle ankam, hörte man nur noch ein leises Plopp und sie war verschwunden.
Beide Zauberer sahen ihr hinterher.
„Das war Hermine. Ich hatte dir von ihr erzählt."
„Hat sie es immer so eilig?"
„Ich bin sicher, sie hat mal wieder über ihren Büchern die Zeit vergessen. Passiert ihr öfters", lachte Harry, während sie zu seinem Zimmer hochgingen.
Vor der Tür zischte er das Passwort und sie traten ein.
„Zuflucht, wie passend. Sind alle Türen hier mit einem Passwort gesichert?"
„Nein, nur die in diesem Korridor. Ist mein Privatbereich."
„Du vertraust wohl keinem? Nicht mal deiner Freundin, Hermine hieß sie, oder?"
„Doch, ich vertraue ihr. Aber so fühle ich mich sicherer. Und was Vertrauen angeht, wäre ich so paranoid, wärst du nicht hier."
„Da hast du recht", meinte der Zauberer und zog ihn an sich.
„Ich glaube, wir hatten heute noch was vor, oder?"
„Ja", schnurrte Harry, als Seth ihm den Umhang abstreifte. Provozierend langsam begannen sie sich gegenseitig auszuziehen, während sie sich dabei in die Augen sahen. Es war ein seltsames Gefühl, nicht zu sehen was man tat, doch lange hielten sie dies nicht aus. Noch bevor Seths Hemd zu Boden gefallen war, umschlangen sie sich gierig und rissen sich die Kleider vom Leib. Dabei fielen sie auf Harrys großes Bett.
Seth drückte ihn bedingungslos in die Kissen und begann dann seine geschwungenen Lippen über den ganzen Körper seines Partners wandern zu lassen, entdeckte jede Narbe und jeden Flecken der salzigen Haut von neuem. Genießerisch schloss Harry die Augen, um die Liebkosungen nur noch mehr zu verinnerlichen. Seth reizte ihn, verwehrte es ihm aber selbst zu handeln.
„Was ist das für ein Amulett?", fragte er auf einmal rau.
Als Harry wieder die Augen öffnete, sah er, dass er mit dem gefälschten Medaillon Slytherins spielte.
„Nichts wichtiges. Erzähl ich dir irgendwann", brachte er heraus.
Doch Seth betrachtete es nur weiter.
„Wenn du nicht sofort weitermachst, werde ich mir noch überlegen, ob ich es dir überhaupt irgendwann erzähle."
Mit diesen Worten griff er nach dem Amulett und warf es neben ihre Kleidung auf den Boden.
Seth achtete auch nicht weiter darauf, denn ihn schienen die aufgerichteten Brustwarzen des anderen viel mehr zu interessieren, sodass er sie auch gleich mit seinen Lippen umschloss, während seine Hände Harrys Innenschenkel zu streicheln begannen. Der junge Körper wölbte sich ihm entgegen, doch Seth nahm eine seiner Hände zu Hilfe um ihn festzuhalten.
Harry begann bei dieser Behandlung nur noch mehr zu wimmern, denn sein Glied pochte nun schon schmerzhaft.
„Nimm mich!", brachte er unter einem lang gezogenen Stöhnen zustande, als Seth gerade mit seinen Zähnen über die seidige Haut fuhr. Dieser ließ nun von dem Körper ab, um die Lippen des anderen in Beschlag zu nehmen. Als sie sich wieder lösten, hörte Harry eine raue Stimme an seinem Ohr. „Sofort?"
Harry richtete sich daraufhin auf und begann etwas aus der Nachtischschublade herauszukramen.
Großzügig verteilte er das Gleitmittel auf der aufragenden Erektion des anderen, bevor er sich wieder zurücklegte. „Sofort", antwortete er, bevor er Seth in einen gierigen Kuss zog.
Hart stieß Seth in den unvorbereiteten Körper unter ihm. Harry schrie auf vor Schmerz, doch drängte er sich seinem Geliebten nur weiter entgegen. Während ihn neue Wellen von Lust und Schmerz überrollten, tastete er nach dem Dolch, den er auch hervorgeholt hatte, und ritzte damit die Haut an Seths Schulter.
Er ließ der Wunde nicht genug Zeit, heftiger zu bluten, als er auch schon seine Lippen begierig auf das Blut senkte.
Harry wusste nicht, wie lange es dauerte, doch lange konnte es nicht gewesen sein, als er auch schon spürte, wie sich sein Orgasmus anbahnte. Ein letzter heftiger Stoß riss sie beide mit weg, doch konnte selbst dies ihre Lust nicht mildern.
Schwer atmend glitt Seth aus dem anderen heraus, nur um sich Sekundenbruchteile später in die Kissen gedrückt wieder zu finden. Er spürte feuchte Finger seinen Muskelring massieren und eine gierige Zunge plünderte seinen Mund. Stöhnend bäumte er sich auf und bemerkte, wie ein Finger in ihn eindrang.
Harry hatte nie das Verlangen gespürt Seth zu dominieren, doch in diesem Moment beherrschte es ihn in solch einem Ausmaß, dass er sich stark zurückhalten musste. Er konnte nicht lange warten, zu sehr durchflutete ihn noch immer das Verlangen und dem anderen schien es nicht besser zu gehen, denn dieser krallte sich in seine Schultern, während Harry die Eichel mit seiner Zunge umspielte und sich langsam wieder bis zu Seths Gesicht hoch küsste. Er weitete ihn ganz vorsichtig, darauf bedacht ihm nicht unnötig wehzutun.
„Bitte", wisperte Seth leise und drängte sich ihm noch weiter entgegen. Als Harry dies hörte, stöhnte er gequält, entfernte die Finger und platzierte die Spitze seiner Erektion an Seths Eingang.
Langsam ließ er sich in ihn gleiten und es kostete ihn seine ganze Beherrschung, nicht sofort heftig zuzustoßen. Schwer atmend verharrte er und ließ seinem Geliebten die Möglichkeit sich an ihn zu gewöhnen, doch diesen schien dies nicht zu interessieren, denn er wies ihn mit ein paar lustgetränkten Worten an weiter zu machen.
Vorsichtig begann er sich zu bewegen, doch lange hielt dies nicht, da Seth ihm immer gieriger entgegen kam, sodass sie in einen heftigen, unkontrollierbaren Rhythmus verfielen. Auf einmal spürte er kalten Stahl an seiner Haut, der schnell von weichen Lippen abgelöst wurde. Der kurze Schmerz, gepaart mit seiner eigenen Lust, ließ ihn nur noch schwerer atmen. Er spürte Seth, wie dieser immer mehr seines Blutes zu trinken begann, und die heiße Enge um ihn herum, die ihn zu versengen drohte. Er spürte das unkontrollierte Zucken und hörte sich selbst stöhnen. Es war, als würde er sich immer weiter in die Ekstase reinsteigern, ohne etwas dazu beizutragen, bis zur Explosion, als sich seiner Kehle ein paar unverständliche Worte entrangen, bevor er in die Bewusstlosigkeit entschwand.
Schwer atmend und eng umschlungen kamen die beiden Männer wieder zu sich. Harry glitt von dem anderen herunter und schmiegte sich an seinen Liebhaber. Er konnte die Bindung fast körperlich spüren. Er wusste, es hatte funktioniert. Die Gefühle, die er vorher schon für diesen Mann empfunden hatte, waren jetzt nur noch übermächtiger geworden. Zufrieden streichelte er über die Brust seines Partners. Nein, er bereute es nicht. Dieser Mann war das Beste, was ihm bis jetzt passiert war.
Zufrieden lächelnd betrachtete er Seths Gesicht, welches nun nachdenklich war. Die Finger des anderen strichen über eine fransige Narbe an Harrys Arm.
„Woher hast du die?", erkundigte er sich.
Harry sah erst gar nicht hin, er wusste, wovon er sie zurückbehalten hatte.
„Von einem Drachen. Er war nicht sehr erfreut mich zu sehen und fand es wohl amüsant, mir sein Feuer auf den Hals zu jagen. Nach der Heilung ist eben die Narbe zurück geblieben."
„Du hast dich mit einem Drachen angelegt? Entweder bist du unheimlich mutig oder einfach nur dumm. Aber… da fällt einem wieder auf, wie wenig wir übereinander wissen."
Harry sah ihm tief in die Augen. Und was er sah, hatte er nicht erwartet. Angst.
„Was hast du, Seth?"
Der andere setzte sich leicht auf und zog Harry wieder an seine Brust.
„Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, dass du erfährst, wer ich bin… Bitte, was immer du über mich weißt, gib mir eine Chance."
„Wa-", wollte Harry fragen, doch wurde er von einem Finger, der sich auf seine Lippen legte, unterbrochen.
„Ich weiß nicht genau, wo ich anfangen soll. Ich könnte dir auch einfach nur sagen, wer ich bin, aber ich weiß nicht, ob du mir dann bis zum Ende zuhörst. Ich bin nur zur Hälfte ein Zauberer, meine Mutter war eine Hexe, mein Vater ein Muggel. Ihr Name war, soweit ich herausgefunden habe, Merope Gaunt. Sie-"
„Was!", rief Harry aus und wich ein Stück von dem anderen zurück.
„Das kann nicht sein, Gaunt!?"
Doch Seth nickte nur.
Harrys Stimme begann zu zittern, als er sich auf einmal der Bedeutung bewusst wurde.
„Und dein Vater hieß Tom. Tom Riddle. Das ist unmöglich!"
Eine Zeit lang sahen sie sich nur an. Doch Seth sah nicht so aus, als würde er etwas verneinen, sodass Harry einmal tief Luft holte und wie in Trance Worte runter zu rattern begann, als hätten sie sich in sein Gedächtnis eingebrannt.
„Tom Riddle. Du hast ihn getötet... Tom Marvolo Riddle. Nach deinem Vater und deinem Großvater benannt. Wie es der letzte Wunsch von Merope war… bevor sie verstarb und du in einem Waisenhaus aufgewachsen bist."
Tränen liefen dem jungen Zauberer über die Wangen. Stumme Tränen. Erstickt sprach er weiter. In einem hoffnungslos zitternden Ton.
„Wie konnte ich nur nicht darauf kommen? Du hast selbst gesagt, dass du in einem Waisenhaus aufgewachsen bist. Dass du kein Todesser bist, aber doch so in die schwarze Magie versunken. Deine Verwunderung, dass ich so viel über ihn wusste… und du, du wusstest noch mehr. Das Dunkle Mal, und wie es arbeitet. Und…", fiel es Harry auf einmal ein, „…du verstehst Parsel. Mein Passwort, Zuflucht, in Parsel. Warum ist mir das nicht aufgefallen? Es gab noch so viel mehr Anzeichen."
Harry schluckte und sah auf, direkt in die roten Augen mit den schlitzförmigen Pupillen. Die Augen des Dunklen Lords.
„Ja, du hast Recht. Ich bin Tom Marvolo Riddle. Der Dunkle Lord. Lord Voldemort. Es sind nur Namen… Ich liebe dich."
Tom wollte den aufgelösten Zauberer an seine Brust ziehen, doch dieser schüttelte ihn ab. „Das ist unmöglich!", rief dieser aus.
„Das kann nicht sein! Das darf nicht sein!" Seine Stimme wurde immer verzweifelter.
„Es ist aber so. Ich hatte Angst, dass du mich wegstößt, wenn du es vor dem Ritual erfährst. Ich will dich behalten. Ich habe nie etwas wie das empfunden, was uns verbindet. Und ich war mir sicher, dass ich es auch nie wieder empfinden würde. Es war das erste Mal, dass ich bereut habe, Lord Voldemort geworden zu sein!", seine Stimme wurde immer lauter bis er verstummte und dann flüsterte: „Ich brauche dich."
Eine wilde Verzweiflung lag in seiner Stimme.
„Mit einem hast du Recht. Ich hätte diesem Ritual niemals zugestimmt, wenn ich gewusst hätte, wer du bist. Aber das hier", Harry wies auf sie beide, „kann nicht gut gehen."
Der Unglaube hatte den jungen Zauberer verlassen. Er glaubte, dass dieser Mann vor ihm Voldemort war. Diese exotischen roten Augen hatte er bis jetzt nur bei einer Person gesehen. Das erste Mal war vor ein paar Jahren gewesen, als er auf einem alten Friedhof gewesen war. Diese roten Augen, die ihn hatten töten wollen, die ihn monatelang in Alpträumen verfolgt hatten.
Diese vielen kleinen, unbedachten Äußerungen, die alleine keinen Sinn gaben. Dass er Parsel verstand. In sich hatte er wohl die ganze Zeit gewusst, wer sein Gegenüber war, nur hatte er es nicht wahrhaben wollen. Er war fasziniert von diesem Mann gewesen, wie er es auch von Voldemort gewesen war. Diesem jungen Mann, der mit Geschick und Schmeichelei alles bekam, was er wollte, bis er letztendlich zu einem Monster wurde. Er hatte es gewusst. Das einzige Wesen, zu dem er eine magische Verbindung hatte, Lord Voldemort. Der Mann, den er mehr als alles andere hasste, der Mann, der sein Leben bestimmt hatte. Der Mann, an den er sein Herz verloren hatte.
Mit einer einzigen Bewegung warf sich Harry an den nackten Mann vor ihm und weinte. Es war kein Zorn und kein Hass in ihm, auch keine Wut, nur Trauer, die ihn zu verschlingen drohte. Trauer, dass er diesen Zauberer, den er so sehr liebte, eigentlich nicht lieben durfte.
Sie küssten sich, unglaublich schön und schmerzhaft. Er wollte vergessen, doch er konnte es nicht. Er küsste den Mörder seiner Eltern, den Mann, der so viele Leben zerstört hatte. Auch seines. Umso mehr ihn die Erinnerungen zu überrollen drohten, umso tiefer flüchtete er sich in ihre Verbindung.
Irgendwann lösten sie sich voneinander. Harry konnte nicht sagen, wie viel Zeit inzwischen vergangen war. Er saß da, im Schoß des Dunklen Lords und hatte die Arme um dessen Hals gelegt.
„Es kann nicht gut gehen", flüsterte er leise, wie in einem Mantra, die ganze Zeit vor sich hin.
Tom schlang seine Arme noch fester um ihn.
„Warum kann es nicht gut gehen? Keiner wird je etwas von unserer Verbindung erfahren. Wenn der Krieg gewonnen ist… Wir haben ewig Zeit. Ich bin unsterblich. Wir sind unsterblich. Eine Ewigkeit…"
Harry schüttelte traurig den Kopf und sah seinen Geliebten an.
„Du verstehst nicht… Ich bin Harry, Harry Potter. Der Junge, der lebt, der Auserwählte. Der Retter der Zaubererwelt."
Harry sah Tom unverwandt an. In den Augen seines Gegenübers zeichnete sich nur Unglaube ab, sodass Harry sich konzentrierte und die Illusion, die er über seine Narbe gelegt hatte, nachließ. Entsetzen spiegelte sich in den blutroten Augen, als sie die Narbe erblickten.
Zärtlich hauchte Harry einen Kuss auf die Lippen des erstarrten Zauberers, bevor er sich wieder an ihn schmiegte. Lange verharrten sie so und hingen ihren Gedanken nach. Bewegungslos.
Ein Muggelsprichwort ging Harry durch den Kopf. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Der Morgen graute.
