Kapitel 10: Einsamkeit

Verwirrt lief Harry durch die Gänge mit keinem richtigen Ziel im Sinn. Die gesamte Schule würde bald von seinen Problemen wissen. Er wollte nicht wieder im Mittelpunkt stehen und schon gar nicht bei solchen Punkten. Nie hatte er jemanden all diese Dinge erzählt, die ihn von morgens bis abends und sogar über die Nacht hinaus plagten. Und nun, von einem auf den anderen Tag, von einer Schulstunde auf die andere wussten es so unheimlich viele.

Und was ihn dabei am meisten störte war, dass Draco ihm all diese Fragen gestellt hatte. Er konnte nicht verstehen, wie jemand so etwas überhaupt tun konnte und wie Snape die Verhörung nicht nach ein oder drei Fragen abgebrochen hatte.

Auch Hermine und Ron würden ihn jetzt wieder mit Fragen löchern, die anderen würden ihm mitfühlende Blicke zuwerfen, der Tagesprophet würde sich wieder irgendetwas dazu reimen und die Slytherins hatten neue Gründe, um ihn weiter und schlimmer denn je beleidigen zu können.

Das einzig Positive an der Sache war, dass Hermine nach Cedrics Tod gefragt hatte. Er selbst hatte sich oft die Schuld an genau diesem gegeben und plötzlich hatte er schlicht weg mit ‚Nein' geantwortet. Jedenfalls etwas Gutes hatte es mit sich gebracht, doch schienen die schlechteren Dinge einfach zu überwiegen.

Er hasste Snape und er hasste Draco für das, was er getan hatte. Er hasste seine Mitschüler, die nichts unternommen, ihn nur angestarrt hatten, er hasste Hogwarts und Dumbledore, der jetzt wieder irgendetwas komplett Idiotisches unternehmen würde und vor allem hasste er sich selbst und sein Leben.

Er war froh darüber, dass das Ganze doch noch rechtzeitig abgebrochen worden war, denn die schlimmsten Ereignisse, die ihn jede Nacht quälten, hatte er für sich behalten können.

Noch immer wanderte er sinnlos umher, bis er schließlich beschloss, in sein Zimmer zu gehen, um den Schlaf der vorigen Nacht aufholen zu können.

Er murmelte der fetten Dame das Passwort zu und trat in den Gemeinschaftsraum, in dem sich ausnahmsweise mal kein einziger Schüler befand. Müde torkelte er die Treppen empor und ließ sich schlaff in sein Bett sinken, wo er mit dem Nachdenken noch etwas fortfuhr.

Blaise hatte ihn tatsächlich als Einziger verteidigt, ausgenommen Nevilles kleinem Versuch, was Harry aber auch ziemlich mutig fand.

Blaise...

Warum tat er das und warum tat Draco genau das Gegenteil?

Als er so über Blaise nachdachte, richtete er sich auf einmal erschrocken im Bett auf und erinnerte sich an dessen einzig gestellte Frage, ob er schwul sei.

Harry hatte mit ‚Ich weiß es nicht!' geantwortet. Sein Magen drehte sich um und er ließ sich noch härter zurück ins Bett fallen. Okay, jetzt wussten alle, dass er heulte, dass er oft Albträume hatte und mit vielen Problemen zu kämpfen hatte, zudem wussten sie, dass er sich nicht sicher war, ob er schwul war oder nicht.

Sein Magen grummelte, wobei er nicht wusste, ob es Hunger oder wirkliche Übelkeit war. Vielleicht waren es auch nur die Nachwirkungen des Trankes.

Harry musste wirklich unglaublich müde sein, da er nach weiteren Minuten tatsächlich in einen tiefen Schlaf überdriftete.

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Die nächsten beiden Wochen waren Harrys Meinung nach viel zu langsam vergangen. Er mied Ron und Hermine nach wie vor, die jedoch auch nicht wirklich mit der jetzigen Situation klarzukommen schienen. Blaise und Draco schienen sich irgendwie gestritten zu haben, weil sie im Unterricht nicht wie üblich ständig nebeneinander gesessen hatten. Auch hatte Draco Harry oft entschuldigende Blicke zugeworfen, doch Harry hatte diese zunehmend ignoriert und auch Blaises Versuche, mit Harry zu reden, scheiterten.

Harry schwieg von Tag zu Tag mehr, aß von Tag zu Tag weniger, hielt sich beinahe nur noch im Schlafraum auf und verschwand nachts oft plötzlich, da er dann immer zu seinem Lieblingsort, dem Quidditchfeld ging.

Seine Hausaufgaben hatte er in diesen zwei Wochen mehrere Male vergessen zu machen, wodurch er auch noch dreimal nachsitzen und zweimal einen Flur schrubben musste.

Doch Harry war dies nur Recht, denn so hatte er jedenfalls etwas zu tun und war weit von den anderen entfernt.

Durch den Schlafmangel und seiner Appetitlosigkeit war er unheimlich blass geworden und hatte kleine, dunkle Augenringe bekommen. Seine Haare waren noch zerzauster denn je und auch hatte er nicht gemerkt, dass er drei Tage hintereinander die gleiche Kleidung getragen hatte.

Jeder Versuch, Harry auch nur etwas in ein Gespräch zu verwickeln, scheiterte und auch die Lehrer warfen ihm langsam besorgte Blicke zu. Die Albträume, die ihn plagten, wenn er jedenfalls mal für wenige Stunden Schlaf gefunden hatte, waren umso schlimmer gewesen.

Harry fühlte sich leer...leer, einsam und unverstanden.

Die besorgten Blicke der anderen nervten ihn und am liebsten wäre er nur noch in seinem Schlafraum geblieben.

Tatsache war, dass er sich nicht nur einsam fühlte, denn er WAR es tatsächlich, einsam und allein.

Heute war Freitag und der Unterricht, Kräuterkunde, war gerade zu Ende. Alle liefen eilig und hungrig in die große Halle, nur Harry trotte langsam hinter den anderen her, bis ihn auf einmal jemand von hinten anstieß. Erschrocken, da er so aus seinen Gedanken gerissen wurde, drehte er sich um und blickte in ein ziemlich besorgtes Gesicht Blaises. Harry verdrehte die Augen und wollte gerade weitergehen, als Blaise hinter ihm herlief und sich schließlich vor ihn stellte, um ihm den Weg zu versperren. Harry wollte ausweichen und rechts an Blaise vorbeigehen, doch somit trat Blaise ebenfalls einen Schritt zur Seite. Das Gleiche versuchte Harry links noch einmal, doch auch dort scheiterte sein Versuch, bis er schließlich genervt aufgab und Blaise anblickte.

„Was willst du, Zabini?", fragte er kühl und sprach Blaise wieder bei seinem Nachnamen an.

„Mit dir reden!", erwiderte Blaise streng.

„Worüber? Über das Wetter?", Harry lachte hohl auf.

„Nein, über dich!", erwiderte Blaise und benahm sich dabei wie Draco, indem er Harrys Sarkasmus einfach überspielte.

„Ich wüsste nicht, was es über mich zu reden gibt und vor allem nicht, warum ich überhaupt mit dir reden sollte!", Harry machte den Ansatz weiterzugehen, doch Blaise stellte sich wieder vor ihn.

„Na, wer hat den dabei geholfen, dass das Gefrage vor zwei Wochen in Snapes Unterricht endlich aufhört?"

„Du?", fragte Harry gelangweilt zurück.

„Richtig...fünf Punkte für Gryffindor!", scherzte Blaise, ebenso sarkastisch.

„Ich habe dich ja nicht dazu gezwungen!", erwiderte Harry mit funkelnden Augen.

„Aber du bist mir trotzdem dankbar. Wer weiß, was du noch alles ausgeplaudert hättest!"

„Schön...danke!", zischte Harry und wollte abermals weitergehen, doch wie schon einige Male zuvor, scheiterte es.

„Hör' mal...ich mach' mir wirklich Sorgen um dich und ich denke, da bin ich nicht der Einzige!"

Harry blickte nun noch wütender: „Noch einer, der mich bemitleidet. Danke, Blaise, davon hab' ich genug!"

„Ich bemitleide dich nicht, ich mach mir nur Sorgen. Merkst du denn selbst nicht, was mit dir los ist?", fragte Blaise entsetzt.

„Außer, dass ich gerade ziemlich genervt bin...nein!", erwiderte Harry kühl.

„Du bist kreidebleich, hast Ränder unter den Augen, wirst von Tag zu Tag dünner, vergisst deine Hausaufgaben, kommst zu spät zum Unterricht! Kurz gesagt: Es geht dir beschissen!"

„Ach? Und das weiß Mister Slytherin?", fragte Harry zurück.

„Das weiß ganz Hogwarts, Harry."

„Ich bin nicht schuld daran, dass ihr mich ausgequetscht habt!", erwiderte Harry nun zornig.

„Ja, und ich bin ebenso sauer auf Draco. Ich rede seit dem Tag an kaum noch mit ihm."

„Erwartest du jetzt Mitleid?"

„Nein, aber ich erwarte, dass du dir helfen lässt!", antwortete Blaise.

„Von wem? Soll ich einen Psychiater aufsuchen oder was?", fragte Harry verärgert.

„Einen was?"

„Vergiss es...", zischte Harry.

„Ich möchte nur, dass du dich wieder integrierst. Du kannst dich nicht ewig von allen isolieren. Rede doch mal mit deinen Freunden: Ron, Hermine, Ginny, Hagrid!", zählte Blaise auf.

„Du nennst sie beim Vornamen?", fragte Harry erstaunt.

„Ich kann sie auch gern beim Nachnamen nennen, wenn's dir lieber ist!", konterte Blaise.

„Und hör' mal, so sehr ich auch sauer auf Draco bin, ich merke, dass er ziemlich bereut, was er getan hat!", erklärte Blaise.

„Wieso sollte er? Von den anderen Slytherin wird er doch nun umso mehr wie ein König behandelt!"

„Darum geht es doch gar nicht. Es tut ihm leid, ihm persönlich. Hör' mal, der Grund, warum ich so sauer auf ihn bin, hat mehrere Hintergründe. Er hat dich praktisch mit Dingen aufgezogen, die ihn sel..."

„Ja?", fragte Harry und hob eine Augenbraue.

„Rede mit ihm oder rede mit deinen Freunden...rede einfach mit irgendjemandem!", flehte Blaise.

„Warum ist dir das überhaupt so wichtig?"

„Weil ich dich eigentlich ganz sympathisch finde...oder besser fand!", grinste Blaise.

„Und du glaubst, nur weil du jetzt hier angekrochen kommst und dich bei mir einschleimst, tu ich genau das, was du mir empfiehlst?", Harry schüttelte seinen Kopf, „Du wurdest bestimmt nur geschickt, von Dumbledore oder von Malfoy persönlich! Vergiss es, Blaise! Und lasst mich endlich alle in Ruhe! Ist das so schwer zu verstehen?"

Blaise setzte an, um etwas zu erwidern, schloss seinen Mund jedoch schnell wieder. Es hatte tatsächlich keinen Sinn.

Harry drängelte sich nun endlich an Blaise vorbei und verschwand in der großen Halle, doch setzte er sich nicht, um etwas zu essen, sonder ging sofort zurück in seinen Schlafraum, um endlich, nach diesem langen Tag, wieder seine Ruhe haben zu können.

Doch nicht einmal das sei ihm gegönnt, denn nach etwa fünf Minute stürmte Ron ins Zimmer. Harry drehte sich um und stopfte sein Gesicht ins Kissen, doch Ron ließ sich davon nicht abschrecken.

„Du sollst zu Dumbledore. McGonagall meint, es sei wichtig!", Ron war völlig außer Atem.

„Warum sagt sie mir das nicht selbst?", erwiderte Harry unfreundlich.

„Vielleicht, weil sie nicht wirklich die Chance dazu hat, wenn du immer gleich verschwindest!", antwortete Ron.

Harry richtete sich stöhnend auf, schlüpfte träge zurück in seine Schuhe und verließ das Zimmer möglichst schnell, um nicht weitere Fragen oder Aussagen von Ron an den Kopf geworfen zu bekommen.

Langsam ging er die Treppen herunter und bog in den Flur ein, der zum Wasserspeier führte.

„Na, toll...", nuschelte Harry, als ihm auffiel, dass er das Passwort überhaupt nicht wusste.

Er hatte keine Lust und Kraft nach irgendeinem Begriff zu raten, weshalb er sich an der kalten Wand niederließ und die Augen für einen Moment schloss. Selbst die Treppen und kleinsten Bewegungen fielen ihm zurzeit schwer, da er durch die wenige Nahrung, die er zu sich nahm und den fehlenden Schlaf einfach zu geschwächt war.

Er öffnete die Augen, doch sofort wurde ihm schwindelig, weshalb er sie schnell wieder schloss und wartete. Er wusste nicht, wie lange er dort saß und sein Rücken durch die Steinwände schon völlig durchkühlt war, doch irgendwann wurde er von einer leisen Stimme zurück in die Realität geholt.

Angestrengt öffnete er seine Augen und entdeckte einen sich hingehockten Malfoy vor ihm.

„Nein...", grummelte Harry und drehte seinen Kopf mit verzerrtem Gesicht und für kurze Zeit wieder geschlossenen Augen zur Seite.

„Was machst du hier, Potter?", fragte Draco vorsichtig, während er sich wieder aufrichtete und somit in dieser Position um einiges größer als Harry war.

„Das geht ‚dich' als allerletztes etwas an.", sagte Harry zornig.

Draco blickte ihn noch eine Weile an, bevor er sich dem Wasserspeier zuwandte und laut sagte: „Sahnetorte!"

„Moment mal!", verwirrt blinzelte Harry in Dracos Richtung.

„Ja?"

„Was willst du bei Dumbledore?", fragte Harry verwundert.

„Er hat gesagt, dass ich heute vorbeikommen soll. Es sei ziemlich wichtig...oder so ähnlich!", erklärte Draco und wollte gerade hinter der Treppe verschwinden.

„Warte...ich!", ächzte Harry und versuchte sich aufzurichten, doch war er in diesem Moment sogar zu schwach dafür.

Beschämt ließ er seinen Kopf hängen, zudem wurde ihm schon wieder schwindelig.

„Ich soll auch zu Dumbledore...hatte das Passwort bloß nicht gewusst!", murmelte Harry und stütze sich erneut mit seinen Händen am Fußboden ab, doch schien es, als bestehe sein gesamter Körper aus Blei und schien ihn somit immer wieder zum Boden zurückzuziehen.

Draco wartete eine Weile, bevor er zurück aus der Treppe trat, sich vor Harry stellte und ihm eine Hand entgegen streckte.

„Ich schaff' das allein!", sagte Harry verärgert.

„Na, schön!", Draco verschränkte die Arme vor der Brust und beobachtete Harrys Abmühungen, bis er sich schließlich einfach bückte und Harry mit den Worten: „Ich hab' nicht den ganzen Tag Zeit!", hochhalf.

Harry warf ihm einen finsteren Blick zu und folgte ihm schließlich. Als sie beide auf der steinernen Treppe standen, begann sich der Wasserspeier samt Treppe zu drehen, bis sie vor Dumbledores großen Tür standen.

Draco blickte zu Harry herüber, doch dieser mied seinen Blick, also trat er schließlich selbst nach vorne und klopfte stark gegen das Holz, was sich vor ihnen befand.

„Kommen Sie nur herein!", klang eine freundlich Stimme vom Inneren des Raumes.

Draco trat zuerst ein, dicht gefolgt von einem mies dreinblickenden Harry.

„Setzten Sie sich doch!", forderte Dumbledore seine beiden Schüler auf und deutete auf zwei Stühle, die sich vor seinem Schreibtisch befanden.

Erst jetzt kamen Snape und McGonagall aus einer der hinteren Ecken des riesigen Raumes.

Verwirrt blickte Harry Dumbledore an, bevor er sich dankbar setzte und alle drei Lehrkräfte abwechselnd ansah. Draco hingegen blieb ungerührt, setzte sich und fragte knapp: „Und warum sind wir nun hier?"

„So, so...Mr. Malfoy, sie haben doch noch den ganzen Tag Zeit, warum also so eilig?", fragte Dumbledore ruhig und lächelte.

„Entschuldigen Sie, aber ich möchte nur den Grund wissen, warum wir hier sind!", wiederholte Draco sich etwas empört.

Harry beobachtete derweilen Fawks, den Phoenix, der auf seiner Stange saß und das Geschehen ebenfalls zu belauschen schien.

„Harry und Sie, Mr. Malfoy, werden sich ab sofort ein Zimmer teilen müssen!"

„WAS?", erschrocken sprang Draco auf und blickte seinen Hauslehrer hilfesuchend an, der jedoch nur mit den Schultern zuckte und Dracos Blick dann ignorierte.

„Das meinen Sie nicht ernst, oder?", wieder blickte Harry alle drei Lehrer nacheinander an.

„Oh, doch, Harry!", erklärte Dumbledore, „Und es ist sehr wichtig!"

„Ich weigere mich und richte das meinem Vater aus, der wird schon irgendwas tun!", Draco war sich selbst darüber bewusst, dass sein Vater das nur begrüßen würde auf Grund seines auszuführenden Plans.

„Da wird selbst Lucius nichts tun können! Und nun reißen Sie sich gefälligst zusammen, Malfoy!", zischte McGonagall.

„Sie bekommen eines der freien Vertrauensschülerzimmer, das eigentliche Ersatzzimmer. Es befindet sich in der Nähe des Astronomieturmes. Das Passwort lautet: „Nachtvogel!", erklärte Dumbledore, „Sie werden den Raum schon nicht verfehlen. Ihre Koffer werden gerade jetzt in genau diesen Raum gebracht von unseren fleißigen Hauselfen.", Dumbledore lächelte erneut, während die Hauslehrer der beiden, genau die gegenteiligen Emotionen im Gesicht stehen hatte.

„Aber warum?", fragte Harry nörgelnd, während Draco so sauer zu sein schien, dass er überhaupt kein Wort mehr hervor brachte.

„Das werden sie noch früh genug erfahren!", Dumbledore zwinkerte den beiden zu, „Sie dürfen nun gehen. Ich wünsche ihnen noch ein wunderschönes Wochenende!"

Draco und Harry verabschiedeten sich nicht, sondern verschwanden direkt hinter der großen hölzernen Tür. Sie schritten den langen Flur entlang ohne auch nur ein einziges Wort auszutauschen. Warum zum Teufel machten die Lehrer das mit ihnen. Harry fühlte sich ganz und gar nicht wohl. Mit Draco in einem Raum...

Mit dem Jungen, der ihm in Zaubertränke all diese Fragen gestellt hatte und auch ihre Antworten wusste. Zudem hatte Harry Albträume, Draco würde dies doch sofort mitbekommen.

Mit sämtlichen Fragen im Kopf, die sie sich gegenseitig genau so wenig beantworten könnten, schritten die beiden nun die Flure und Gänge entlang bis fast ganz hinauf zum Astronomieturm, wo sie vor den letzten Treppen stehen blieben.

Harry schnappte angestrengt nach Luft, die ganzen Treppen waren nun wirklich zu viel für ihn gewesen. Er wurde noch bleicher, als er es schon war und genau das fiel dem Slytherin sofort auf.

„Alles in Ordnung, Potter?", fragte er und ging einen Schritt auf Harry zu.

Doch Harry antwortete nicht mehr, der Klang von Dracos Stimme schallte mehrere Male in seinem Kopf wieder und um seine Augen herum wurde alles dunkel, während sein Blickfeld sich einschränkte.

Draco trat noch einen Schritt auf Harry zu und half diesem schließlich zu Boden, so dass er sich hinsetzten konnte.

Harry behielt seine Augen geschlossen und wartete darauf, dass der Schwindel verschwand, was dann auch endlich nach einigen Minuten geschah. Er öffnete seine Augen nur zu Hälfte und blickte Draco verwirrt an.

„Potter, du solltest wirklich mal wieder was essen. Das muss ich nicht jedes Mal haben, wenn ich mit dir hier rauf gehe!"

Auf Grund dieses unfreundlichen Kommentars erwiderte Harry nichts weiter, sondern schloss seine Augen nur langsam wieder. Sobald es ihm irgendwie schlecht ging, war Draco hilfsbereit und besorgt, gar nicht mehr so malfoytypisch, doch genau das Gegenteil geschah, wenn es Harry gut ging, auch wenn es ihm eigentlich nie gut ging. Aber jedenfalls wenn es den Anschein hegte.

„Okay, du bleibst da sitzen und ich such den Eingang!", sagte Draco bevor er den dunklen Gang entlangschlich.

Es dauerte nicht lange als er schrie: „Ich glaub', ich hab' ihn!"

Kurz darauf hörte Harry, wie Draco das Passwort murmelte und daraufhin ein lautes Geräusch ertönte, gerade so, als ob jemand zwanzig Kilo Steine verschieben würde.

Und als Harry seine Augen nun zum tausendsten Mal an diesem Tag wieder öffnete, blickte er in das Gesicht eines zufrieden grinsenden Dracos.

„Glaubst du, du kommst allein hoch?", fragte dieser gehässig.

Harry überlegte nicht lange, bevor er kaum merkbar den Kopf schüttelte.

„Na, toll...", stöhnte Draco und half Harry trotz alledem vorsichtig hoch.

Er wollte ihn sogar noch bis zum Raum stützen, doch Harry nuschelte ein leises: „Danke, geht schon..."

Sie kamen an einem kleinen Eingang an, auf dessen beiden Seiten zwei Drachen aus Stein standen.

„Mal gespannt, wie's aussieht!", sagte Draco leise und trat ein.

Harry verdrehte die Augen bevor er ihm langsam hinterher ging. Kaum waren beide Jungen drinnen, schloss sich die Steinplatte hinter ihnen wieder.

Harry beobachtete diese Prozedur, bevor er endlich nach vorne in das riesige Zimmer blickte. In genau diesem Moment, hörte er von Draco ein leises: „Wow!"

oooO0Oooo

„Wieso ausgerechnet mein Pate?", fragte Snape verärgert.

„Und wieso genau ‚dein Pate' mit Harry!", äffte McGonagall ihn nach.

„Ganz einfach...", lächelte Dumbledore, „Weil Draco Ende diesen Jahres dazu bestimmt ist Todesesser zu werden. Das steht eigentlich fest. Draco hat so viel Böses in sich, er kann jedoch nichts dafür, denn es wurde ihm anerzogen und soweit ich Lucius kenne, eingeprügelt!", Dumbledore atmete tief durch, „Und Harry hat die Kraft..."

„...der und Kraft?", fragte Snape lachend, „Haben Sie sich ihn mal angeguckt in letzter Zeit?"

Dumbledore ließ sich jedoch nicht irritieren, „Jedenfalls hat Harry die Kraft und die Chance, wenn nicht sogar die einzige Chance, das Gute in Draco zu wecken. Und mit genau diesem Guten hilft Draco Harry wiederum. Das heißt kurz gesagt, dass sie sich gegenseitig helfen können, nur sie!"

„Und wieso sollte Potter irgendwas in Draco wecken?", fragte Snape und spuckte das Wort ‚Potter' geradezu aus.

„Er hat etwas, was Draco nicht hat und Draco hat etwas, was Harry nicht hat. Das ergänzt sich!", erklärte Dumbledore.

„Und das wäre?", fragte McGonagall nun spöttisch.

„Harry hat Herz, Draco hat Stärke."

TBC

A/N: Und da ich heute extra zwei Kapitel upgedated habe, könnte ich mein Review-Limit doch auf 15 erhöhen, oder? Also, ich hoffe es hat euch gefallen und ich freue mich auf eure Meinung und eure Kommentare,

Phoenix-vulpecula -.-