Disclaimer: Harry Potter und das dazugehörige Imperium gehört nicht mir. Wenn es so wäre, wäre dies keine Fanfiction. ;-)
Warnung: In dieser Geschichte wird Harrys Welt gehörig auf den Kopf gestellt. Freunde werden zu Feinden, Feinde zu Verbündeten. Dumbledore ist nicht der gute Direktor, sondern hat seine eigenen, perfiden Pläne. Außerdem wird es Harry eine ganze Weile lang ziemlich schlecht gehen. Wer solche Geschichten nicht mag, sollte daher lieber Abstand nehmen.
Anmerkungen: Hallo! Mit einem Tag Verspätung geht es heute weiter, und ich hoffe doch sehr, dass ihr trotz der Hitze euren Spaß damit haben werdet. Vielen Dank auch für eure Reviews und Favos, das macht mich immer wieder glücklich ^_^
„Wie sehen Sie denn aus?" begrüßte Harry die beiden Männer, als sie ihn ein paar Stunden später in St. Mungos besuchen kamen. „Geht es Ihnen gut?"
Lucius und Snape warfen sich einen kurzen Blick zu. Harrys Frage war durchaus berechtigt, denn beide sahen nicht nur übernächtigt sondern auch noch total erledigt aus. Außerdem trug Lucius seine Krawatte heute so hochgebunden, dass er besonders steif und unnahbar wirkte. Aber das war nicht alles. Auch ihre Bewegungen waren gemessen, beinahe schon vorsichtig.
„Ihnen auch einen guten Tag, Mr. Potter", sagte Snape trocken. „Wie schön, dass es Ihnen schon wieder gut genug geht, um impertinente Fragen zu stellen."
Harry ließ sich nicht einschüchtern. „Ja, mir geht es blendend!" Er streckte seine Hände und Finger. „Als ob ich Bäume ausreißen könnte!"
„Das freut uns zu hören, Harry", sagte Lucius. Sein Mundwinkel kräuselte sich, als Harry aufsprang und ungeduldig auf den Fußballen wippte. „Und wie ich sehe, bist du hellwach."
Alles in Harry kribbelte vor Energie. „Hellwach", bestätigte er. „Vielen Dank, dass Sie mir geholfen haben!"
Von einer heftigen Gefühlsregung gepackt trat Harry an Snape heran und umarmte ihn fest. Nach einigen Sekunden ließ er ihn los und schlang die Arme auch um Lucius, der seine Überraschung besser im Griff hatte und die Umarmung erwiderte.
„Dafür nicht", sagte Snape finster. Sein Blick ruhte auf Harrys Hand, auf der immer noch Lucius' Lippenabdruck prangte. „Aber wenn Sie uns mal einen Gefallen tun wollen, sagen wir sicher nicht nein."
In diesem Moment kam Heiler Arnold zusammen mit Heilerin Worms ins Zimmer.
„Ah, Severus, Lucius, wie ich sehe, habt ihr Mr. Potter schon in Augenschein genommen." Sie lächelte breit. „Es ist doch erstaunlich, wie gut es einem plötzlich gehen kann, nicht wahr?"
Harry tänzelte regelrecht auf sie zu und lächelte ebenso breit zurück. „So gut ging es mir noch nie. Ich würde mich gerne bei allen bedanken, die mir aus meinem Schlamassel geholfen haben."
Heilerin Worms lachte laut auf. „Das trifft sich gut, sie warten nämlich alle schon vor der Tür. Kommt rein!"
Das ließen sich die Heiler und Schwestern nicht zweimal sagen. Das Zimmer füllte sich mit den Zauberern und Hexen, die gestern Nacht an Harrys Bett Wache und die Blockade in Schach gehalten hatten. Harry gab jedem einzelnen die Hand und bedankte sich überschwänglich. Die meisten lachten über seine gute Laune, aber einige sahen ihm auch wehmütig nach und ballten die Hände zu Fäusten, als wollten sie das prickelnde Gefühl seiner Magie noch etwas länger auf ihrer Haut behalten.
„Nun denn, wir müssen los", sagte Lucius, als endlich alle dran gewesen waren. „Mein Sohn und Mr. Potters Freunde warten schon. Bis nach den Feiertagen, Sally."
„Frohes Fest, Lucius, Severus! Bis in drei Tagen, Mr. Potter!"
Harry leistete keinen Widerstand, als Snape ihm den Arm um die Schultern legte und sie beide per Portschlüssel ins Foyer des Malfoy Stadthauses brachte. Lucius kam nur Sekunden nach ihnen an.
„Harry!" rief Hermine. Sie hatte auf einer Besucherbank gewartet und sprang auf, als wäre sie gestochen worden. Schluchzend fiel sie ihm um den Hals, ohne sich um Snapes Anwesenheit direkt neben Harry zu kümmern. „Wir haben uns solche Sorgen gemacht, als gestern der Brief kam. Was ist denn genau passiert? Wie geht es dir jetzt? Bist du diese bescheuerte Blockade los?"
Harry lachte und umarmte sie fest. Diese Szene erinnerte ihn sehr stark an den Moment, als er Anfang des Schuljahres in Snapes Quartier aufgewacht war und Hermine ihn begrüßt hatte. „Hey Mine! Wow, nicht so fest! Mir geht es gut, ehrlich! Und ja, ich bin die Blockade los. Fühlt sich toll an!"
„Bravo Potter, du bist jetzt also wieder das blühende Leben", sagte Draco gelangweilt. „Wenn das alles ist, können wir jetzt bitte losgehen? Ewig haben die Geschäfte auch nicht offen."
„Geschäfte?"
„Wir wollen noch kurz einkaufen gehen", sagte Hermine freudig. „Mr. Malfoy hat gesagt, dass wir für dich mit einkaufen gehen sollten, aber vielleicht magst du ja mitkommen, wenn du dich so gut fühlst?"
„Oh ja, das hatte ich völlig vergessen. Ich würde mir gerne mal die Beine vertreten", erwiderte Harry. „Wann geht's los? Jetzt gleich?"
Snape seufzte tief. „Womit habe ich das verdient?"
„Ach komm, Severus, es ist Weihnachten", neckte Lucius. „Begleiten wir die Kinder. So kommt wenigstens niemand auf dumme Ideen."
Überlegend sah Snape einen nach dem anderen an. „Mir ist außerdem nicht entfallen, dass sich mir einige von euch als Kofferschlepper zur Verfügung gestellt haben." Er lächelte finster. „Das wird ein Spaß."
„Irgendwo habe ich das schon mal gehört", murrte Pansy und sah Luna finster an, die wie immer verträumt an Nevilles Arm hing und nichts Bestimmtes im Blick hatte.
„Na dann, auf mit euch. Zieht euch warm an, in zehn Minuten gehen wir los", sagte Lucius. „Sparkle, hilf den Kindern beim Anziehen."
„Kannst du bitte aufhören, uns als Kinder zu bezeichnen?" nölte Draco. „Du bist ja schlimmer als Mutter."
So ganz konnte Harry sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen, aber gleichzeitig wünschte er sich – wie so oft-, dass auch er Eltern hätte, die ihn so ärgern konnten.
„Apropos, wo ist Mrs. Malfoy eigentlich?" fragte Hermine an Lucius gewandt. „Ich hoffe, Sie bekommen unseretwegen keinen Ärger."
„Keine Sorge, Miss Granger. Meine Exfrau hat ganz sicher nichts dagegen, wenn ich jemanden in mein Stadthaus einlade", erwiderte der gelassen. Ein diabolisches Grinsen glitt über sein Gesicht. „Zumindest nicht, wenn sie weiß, was gut für sie ist."
„Vater", tadelte Draco augenrollend.
„Lass mir doch den Spaß, Junge." Lucius sah verdammt danach aus, als würde er schmollen, aber der fröhliche Ausdruck um seine Augen machte diesen Eindruck beinahe sofort zunichte.
„Master Lucius, junger Master Draco und Gäste sind eingekleidet", quiekte Sparkle.
„Sehr schön. Dann folgt mir bitte alle nach draußen, wir nehmen wieder die Kutsche."
Diesmal half Lucius Harry in die Kutsche, doch es war Snape, neben dem er saß. Harry hatte sich inzwischen daran gewöhnt, dass er die Auren von jedem sehen konnte, der ihm begegnete, daher überraschte es ihn auch nicht sonderlich, als Snapes dunkle Aura gegen seine eigene, schwarze kam. Nur entstand diesmal ein äußerst interessantes, kribbelndes Gefühl dabei, obwohl sie sich körperlich überhaupt nicht berührten.
Neugierig und übermütig wie er war, bewegte Harry von den anderen unbemerkt leicht seine Finger und strich so gegen die fremde Aura. Noch immer berührte er Snape nicht direkt, doch der merkte es und starrte Harry aus unergründlichen, endlos schwarzen Augen an.
„Bist du fertig mit spielen?" raunte er dunkel.
Harrys Innerstes schlug Kapriolen. Mutig schüttelte er den Kopf und flüsterte: „Noch nicht ganz."
Mutiger geworden streifte nun sein ganzer Handrücken gegen Snapes Aura, die sich unter seiner Haut glätte und dann wieder ausbreitete. Harry gluckste; es sah beinahe aus als würde er widerspenstiges Katzenfell glattstreichen wollen – oder seine eigenen Haare.
„Fühlt sich … interessant an", murmelte er. Ein verschmitztes Lächeln lag auf seinen Lippen. Noch mutiger geworden drehte er die Hand, so dass er die Aura mit seiner Handfläche berühren konnte. Es fühlte sich wundervoll an. Ganz weich und warm!
Snape entwich ein überraschter Laut.
„Ist alles in Ordnung, Professor?" fragte Luna sanft. Ihr Blick fing Harrys auf, dann zwinkerte sie.
Nun waren natürlich auch die anderen neugierig, aber Snape ignorierte sie. Vorsichtig lugte Harry zu Lucius, der ihnen gegenüber saß. Seine Augen glänzten wie flüssiges Silber … als hätte jemand die Iris gegen polierte Münzen ausgetauscht. Außerdem atmete der Mann angespannt durch die Nase, als würde er etwas riechen, das ihm sehr gefiel.
Eigentlich hätte es gruselig sein müssen, von so einem Blick durchbohrt zu werden, doch Harrys gute Stimmung machte ihn lediglich noch übermütiger. Noch einmal berührte er Snapes Aura und strich vorsichtig von der Hand bis zur Mitte des Arms. Snape schauderte leicht, aber er blieb stumm.
„Hmmm, das sollte ich näher untersuchen", flüsterte Harry. Er wusste, dass er Snape sehr wahrscheinlich gerade reizte, aber er kannte ihn inzwischen schon so lange, dass es ihm nichts mehr ausmachte, sich eine Strafarbeit einzufangen. Im letzten halben Jahr waren die ja durchaus erträglich gewesen. „Finden Sie nicht?"
Snapes schwarze Augen waren zu Schlitzen verengt, als sie Harry musterten. „Wenn du das Echo verträgst, Potter …" Mit einer blitzschnellen Bewegung hatte Snape seinen Arm unter Harrys Hand weggezogen und hielt nun seinerseits seine Handfläche an Harrys Aura. Sachte glitt die große, feingliedrige Hand über Harrys Unterarm, ohne ihn zu berühren. Der Kontakt hinterließ rotglühende Spuren auf der Aura.
„Oh-wow", keuchte Harry. Ihm wurde kurz schwindelig und warm, als seine Magie, seine Essenz so gestreichelt wurde. Noch Sekunden später brannte ein enormes Gefühl der Erregung in seinem Körper, das er am Liebsten sofort ausgenutzt hätte, so heftig war es. Dieses Gefühl kannte er nicht sehr gut – meistens verschwand es schneller, als ihm selber lieb war, und das ließ ihn auf der Stelle rot anlaufen.
Snapes Lächeln war sehr selbstzufrieden, als Harry sich wieder halbwegs unter Kontrolle hatte. „Mmmh, wohl nicht."
Harry wusste nicht, was ihn ritt, als er das erste sagte, was ihm in den Sinn kam. „Oh, doch."
Lucius atmete scharf ein und lehnte sich vor.
„Was macht ihr denn da?" fragte Hermine. Geflüsterte Unterhaltungen weckten immer ihre Neugier. „Geht es dir gut, Harry? Hast du Fieber? Du bist so rot im Gesicht."
„Potter geht es ausgezeichnet", antwortete Snape an Harrys Stelle. „Ich habe lediglich einen Flusen von seinem Mantel entfernt."
„Ich würde auch gern einen … Flusen entfernen", gurrte Lucius. Er starrte Harry wie hypnotisiert an.
Seine Aura, das bekam Harry noch mit, ehe er von Lucius' Attraktivität überwältigt wurde, loderte auf wie eine kalte Flamme und verbreitete sich in sekundenschnelle im Inneren der Kutsche. Das blasse Licht des Vormittags ließ Lucius' hellblondes Haar wie Seide glänzen, und das Gesicht, das normalerweise schon mehr als überdurchschnittlich gutaussehend war, wirkte noch attraktiver. Harry war wie gelähmt vor Verlangen, und den anderen Insassen ging es kaum besser, wenn auch aus anderen Gründen.
„Lässt du mich?" schnurrte Lucius mit tiefer Stimme.
Wortlos und mit trockenem Mund hielt Harry Lucius seinen rechten Arm hin. Der Mann verlor keine Zeit, wenige Zentimeter über dem Stoff des Mantels Harrys Aura zu berühren.
Ein gutturales Stöhnen bahnte sich seinen Weg aus Harrys Brust, als die warme Hand seine schwarze Aura berührte, an ihr entlang strich und mit den Fingerspitzen leicht massierte. Dort, wo Lucius sie berührte, färbte sie sich tiefgolden, als würde die Sonne untergehen.
„Oooooh", seufzte er. Hitze flutete unerwartet seine Wangen. Lucius rückte noch näher nach vorn und wiederholte die Bewegung. „Mmmmm!" Hilflos vor Verlangen rutschte Harry ebenfalls nach vorn. Sein Blick war von Lucius' Silberaugen eingefangen; es gab nichts, das ihn im Moment ablenken könnte ... aber es gab etwas, oder besser jemanden, der Lucius ablenken konnte.
„Oh, lass das, Vater!" beschwerte Draco sich von seinem Platz am anderen Fenster. „Das ist ja widerlich!"
Fauchend fuhr Lucius herum. Seine Züge nahmen entschieden raubtierhafte Züge an, als er seinen Sohn mit ausgefahrener Klaue bedrohte. Pansy, die zwischen Lucius, Blaise und Draco saß, quiekte erschreckt auf. Draco hingegen wich kaum zurück. Mit finsterer Miene versuchte er seinen Vater in Grund und Boden zu starren, was ihm natürlich nicht gelang.
„Hermine", murmelte Blaise in die angespannte Stille. Seine Augen waren unverwandt auf das Mädchen gerichtet und er hielt ihre rechte Hand fest in seinen. „Amore mio, ti amo …"
„Was?" kiekste Hermine erschreckt. Knallrot im Gesicht versuchte sie, ihre Hand zu befreien, doch Blaise war hartnäckig und drückte ihr sogar einen heißen Kuss auf den Handrücken.
„Ich … hab dich gern", keuchte der Slytherin. Seine Augen glühten vor Leidenschaft.
„Oh, äh", stotterte sie, während sie gleichzeitig versuchte, sich gegen seine Küsse auf ihrer Hand und ihrem entblößten Handgelenk zu wehren.
„Hmm", seufzte Neville unterdessen in Lunas Halsbeuge, „ich versteh zwar nicht, was los ist, aber ich würde dich am Liebsten auffressen."
Sie kicherte. „Ich wusste, dass es lustig wird!" Übermütig küsste sie Neville auf den Mund, der die Einladung nur zu gern annahm und sie stürmisch zurückküsste.
„Genug", brummte Snape milde, als Lucius den vor Lust beinahe kopflosen Harry noch ein drittes Mal gestreichelt hatte, seinen angewidert aussehenden Sohn völlig ignorierend. „Die Kinder drehen noch durch, wenn du dich nicht gleich zusammenreißt."
Harry seufzte enttäuscht, als Lucius widerwillig von ihm abließ. Nur langsam flaute das Gefühl der Anziehung und der Erregung ab und ließ die jugendlichen Insassen der Kutsche sprachlos und nicht wenig peinlich berührt zurück.
„Oh Merlin, es tut mir so leid", sprudelte Blaise hervor. Geschockt ließ er Hermines Hand los, als er sich gefangen hatte. „Ich weiß nicht, was über mich gekommen ist."
„Ich schon", maulte Draco. „Merlin noch eins, ich kann es nicht fassen, Vater!"
„Ich auch nicht", sagte Pansy atemlos, aber durchaus nicht unerfreut. Sie lockerte ihren Schal und wischte sich dann dezent über die Stirn. „Ich hab damit gerechnet, aber es zu erleben ist was völlig anderes. Meine Güte!"
Snape musterte beide mit kühler Miene. „Was auch immer ihr davon haltet, ich wäre euch verbunden, wenn ihr eure Meinung für euch behalten würdet."
„Was ist los?" fragte Harry. Er war immer noch verwirrt und spürte noch den letzten Resten dieser wunderbaren Berührungen nach. „Hab ich was falsch gemacht?"
„Du nicht." Draco verschränkte die Arme vor der Brust und sah seinen Vater giftig an.
„Oh, wir sind da!" jauchzte Luna fröhlich. „Kommt, lasst uns einkaufen gehen!"
Snape sah immer noch gefährlich aus, als er die Tür der Kutsche aufstieß und dabei beinahe den armen Kutscher erwischte. „Lassen Sie sich nicht aufhalten, Miss Lovegood. Sie, Miss Granger, Mr. Longbottom und Mr. Potter werden mich um Punkt zwölf Uhr am Apothekarium treffen, damit Sie Ihren Teil der Abmachung einlösen können."
„Okay", murmelte Harry. Er war unzufrieden. Besser gesagt, sein Körper war unzufrieden. Seine Wangen liefen prompt rot an, als er sich vorstellte wie es wäre, mit diesen Streicheleinheiten allein zum Höhepunkt zu kommen.
„Auf dich", Snapes Stimme wurde zu einem dunklen Schnurren, als er Harry wissend ansah, „lege ich allerdings noch einen Verfolgungszauber. Falls du entführt werden solltest, werden Lucius und ich dich finden." Er zog seinen Zauberstab und hielt die Spitze so dicht vor Harry, dass sie seine Aura berührte.
„Oh, ja", sagte Harry atemlos, als das prickelnde Gefühl prompt in seine untere Körperregion schoss. „Bitte verzaubern Sie mich."
„Oh pfui! Bäh! Ärks!" schimpfte Draco hinter Snapes Rücken. „Ich will sowas nicht hören!"
Snapes Mundwinkel hoben sich in einem anzüglichen Lächeln. „Wenn du wüsstest, wie sehr ich mir gewünscht habe, genau das zu tun, Potter …" Snape sprach den Zauber, der problemlos von Harry angenommen wurde, und steckte dann den Zauberstab wieder weg. An alle gerichtet sagte er: „Ich sehe Sie um zwölf."
Lucius trat an Harry heran. Noch immer schimmerten seine Augen in diesem seltsamen Silberton. „Lass dir nicht einfallen, dich wegfangen zu lassen, Harry. Wir haben ein Auge auf dich, aber bei dir weiß man offensichtlich nie, was als nächstes kommt."
„Ich gebe mir Mühe." Harry lächelte den blonden Zauberer zaghaft an, der mit dieser Antwort zufrieden zu sein schien. Snape schenkte Harry einen letzten, strengen Blick, bevor er mit dramatisch wehenden Roben auf dem Absatz wendete. Lucius folgte ihm ohne ein weiteres Wort.
Sobald die beiden Männer und die Kutsche weg waren, fuhr Hermine zu Harry herum. „Sag mal, was ist denn nur los mit dir? Hast du etwa mit Mr. Malfoy geflirtet?" zischte sie, so laut sie konnte, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. „Und mit Snape?"
„Nicht so laut, Granger! Auch die Nebenstraßen haben Ohren", sagte Draco kalt.
„Hast du?" bohrte Hermine nach. Neville, Blaise und Pansy machten lange Hälse und spitze Ohren, um ja nichts zu verpassen.
Harry spürte, wie er rot wurde. Verlegen sah er auf seine Schuhspitzen. „Nicht mit Absicht", nuschelte er.
„Oh Harry, Mr. Malfoy mag ja gut aussehen, aber er war verheiratet. Bestimmt mag er keine Jungs, und schon gar nicht so junge wie dich", seufzte Hermine. Dracos gemurmeltes: „Wetten doch?" ignorierte sie mit gefasster Miene. „Sicher bist du gerade nur etwas durcheinander, weil er dir geholfen hat und deine Magie sich erst wieder beruhigen muss." Ernst sah sie ihm in die Augen. „Von Snape fange ich besser gar nicht erst an. Ich will nicht, dass du unglücklich bist, Harry."
Pansy stimmte ihr zu. „Der Fisch ist ein bisschen zu dick, sogar für dich, Potter." Sie lächelte tröstend. „Aber das gilt für uns anderen ja auch."
Draco stöhnte. „Nicht du auch noch, Pansy! Was ist nur los mit euch? Das ist doch nur mein Vater!"
Blaise grinste wissend. „Aah, da hat aber jemand schlechte Laune. Sag bloß, deine Hormone fangen wegen der ganzen Pärchen an, verrückt zu spielen?"
Vor Wut fauchend drehte der junge Malfoyspross sich um und stapfte aus der Nebenstraße, in der die Kutsche gelandet war.
„Oh je, da steht uns ja was bevor", sagte Blaise mit einem breiten Grinsen. „Ich für meinen Teil werde meinen Fotoapparat bereithalten und die Show genießen!"
„Welche Show?" fragte Neville verständnislos.
„Kommt einfach mit." Blaise drehte sich um und folgte Draco aus der dunklen Nebenstraße auf die Winkelgasse. „Es wird früher oder später immer lustig, wenn Draco so drauf ist."
Die anderen zuckten mit den Schultern und taten wie geheißen. Zielstrebig lief Draco in ein Edelgeschäft für Schals und Handschuhe, auf das keiner so richtig Lust hatte, nicht einmal Pansy. Nur wenig später stolzierte der Slytherin, der immer noch sichtlich genervt war, die Winkelgasse entlang. Kein Laden schien ihm gut genug zu sein, aber da niemand wirklich noch große Einkäufe machen musste, ließen sie ihn vorangehen und amüsierten sich lieber über seine schlechte Laune.
„Oh, wir sind wieder bei den Weasleys angekommen", stellte Blaise fest, als das Scherzartikelgeschäft in Sicht kam. „Und schaut mal, wie voll es ist."
„Würde mich nicht wundern, wenn die beiden es schaffen, den Namen Weasley wieder in den Geldadel zu heben, so gut wie ihr Laden läuft", sagte Pansy beeindruckt. „Außerdem mag ich ihre Scherze."
„Wollten wir nicht eh zu Fred und George?" fragte Harry in die Runde.
„Wir sollten uns noch bei ihnen bedanken", stimmte Hermine zu. „Sie haben eine wichtige Zutat gespendet, die Professor Snape für den Zaubertrank brauchte." Als Harry sie fragend ansah, erklärte sie ihm, was gestern Abend passiert war, nachdem Harry zu Gringotts gegangen war.
Harry verzog das Gesicht, als er sich an den widerlichen Geschmack des Zaubertranks erinnerte, der ihm eingeflößt worden war. „Offensichtlich hat es geholfen. Ich hoffe nur, dass sie Zeit für uns haben."
Draco war ihnen immer noch voraus und hatte vor dem mit Kunden überlaufenen Laden Halt gemacht. Er wirkte ein wenig desorientiert und seine Pupillen sahen unnatürlich groß aus.
„Komm Drake, wir wollen hier noch mal kurz rein." Blaise schob Draco an und durch die offene Tür hindurch. „Mann, stell dich doch nicht so an … Marsch!"
Der Laden war wirklich gerammelt voll. Kinder rannten lachend und kreischend herum, während gestresste Erwachsene Scherzartikel aussuchten und bezahlten. Überall an den Wänden hingen knallige Poster, die ankündigten, dass bald ein zweiter Laden am anderen Ende der Winkelgasse öffnen würde.
„Mmh, es riecht gut hier drin", sagte Draco abwesend. Er sah sich das Chaos an, schien aber gar nicht viel davon mitzubekommen.
„Ich glaube, du bist der nächste, der einen an der Waffel hat", kommentierte Pansy trocken. „Es riecht allenfalls nach Rauch und irgendwelchen Stinkbomben." Sie schüttelte den Kopf.
,Whooohoooo, schau her wen wir da haben!" rief Fred über den Lärm. Er rutschte ein Treppengeländer herab und landete genau vor Harrys Nase. „Wir haben dich schon ewig nicht mehr gesehen!" Gut gelaunt umarmte er Harry. „Und gut siehst du aus!"
„Danke, du auch. Wo ist George?"
Fred grinste. „Bist immer noch der einzige, der uns sicher auseinander halten kann. George ist oben, er erklärt Bill gerade, was er tun soll."
„Bill ist hier?" fragte Harry aufgeregt. „Seit wann?"
„Seit heute. Wir haben ihm gefloht, wegen Hermines Idee, und er hatte frei, also ist er einfach rübergekommen." Fred grinste. „Wir sind froh über seine Hilfe, ihr seht ja, was hier los ist."
Hermine kam neben Harry und sah Fred mahnend an. „Können wir ihm vertrauen?"
„Absolut." Fred stellte einen Karton auf die Theke. „Wenn ihr demnächst Zeit habt, können wir alles in Ruhe besprechen."
„Das wäre super." Harry fielen die goldenen Schwurmale auf Freds Hand auf. „Was hast du denn da gemacht?"
„Hab einen Schwur geleistet, Dummerchen", erwiderte der Rotschopf gelassen.
„Ach ja? Auf was denn?" Verwundert schüttelte Harry den Kopf. Es wurde gerade viel geschworen, wie es schien.
„Na auf dich, du Torfnase." Fred stieß ihn breit lächelnd an. „Minchen hat uns auf die Idee gebracht."
„Oh … danke! Und danke auch für eure Hilfe gestern Nacht. Mir ging es wirklich ziemlich mies." Harry zog Fred in eine unbeholfene Umarmung. Es tat gut zu wissen, dass die Zwillinge nach wie vor seine Freunde waren.
„Dafür nicht", winkte Fred ab. „Oh, da kommen George und Bill ja."
George kam, genau wie Fred, das Geländer heruntergerutscht und schnappte sich Harry für eine feste Umarmung. Sie tauschten die üblichen Fragen aus, Harry bedankte sich auch bei ihm und wurde von George lachend dafür gerügt.
„Hey, Harry!" rief Bill, der das Spektakel verfolgt hatte. „Mensch, gut siehst du aus!"
Lachend umarmten sie sich.
„Du aber auch", gestand Harry.
Bill war immer noch riesig, gut trainiert und trug sein langes Haar zum Pferdeschwanz gebunden. In seinem linken Ohr baumelte der Schlangenzahnohrring, den Mrs. Weasley so verabscheute. Da es in England im Winter ziemlich kalt und nass war, trug er einen weichen, teuer aussehenden Pullover, Jeans und Drachenlederstiefel. Die ägyptische Sonne hatte seine Haut braungebrannt, so dass er sehr verwegen aussah.
„Ich hab mitbekommen, was meine Eltern, Ron und Ginny gemacht haben", sagte Bill dann ernst. „Charlie und ich haben damit nichts zu tun, das musst du uns bitte glauben. Wenn du Hilfe brauchst, melde dich, okay?"
„Danke", murmelte Harry. Er war gerührt und erleichtert. „Du aber auch, ja?"
Bill zerwuschelte ihm das Haar, danach umarmte er auch Hermine fest. „Du wirst auch immer hübscher, was?" fragte er lachend. „Ich wette, du hast Dutzende Verehrer."
„Nur einen", grinste Harry, „aber der ist eine Handvoll."
„Oho!" Bill wackelte vielsagend mit den Augenbrauen. „Wer ist denn der mutige Kerl? Kenne ich ihn?"
„Es ist Blaise Zabini. Der Typ, der da hinten neben Malfoy steht." Er deutete auf Blaise und Malfoy, die sich in eine relativ ruhige Ecke verzogen hatten. Er ignorierte Hermines saures Gesicht.
„Gar nicht schlecht, Süße. Er hat was … für einen Slytherin." Bill sah etwas genauer hin. „Das neben ihm ist Malfoy? Ich kenne ihn nur als kleinen, rotznasigen Bengel, den man am Liebsten übers Knie legen würde."
„Glaub mir, das will man immer noch", erwiderte Hermine trocken.
Grinsend legte Bill jeweils einen Arm um Harry und Hermine. „Davon will ich mich selbst überzeugen. Stellt mich vor!"
Augenrollend brachten sie Bill also zu Blaise und Draco. Pansy folgte ihnen, da sie ohnehin nichts Besseres vorhatte.
„Der Kerl hier besteht darauf, euch kennen zu lernen", sagte Hermine bissig. „Blaise Zabini, darf ich dir Bill Weasley vorstellen? Bill, das ist Blaise Zabini."
„Freut mich", sagte Bill freundlich. Er schüttelte Blaises Hand und musterte dann Malfoy eingehend, der ihn aus großen Augen anstarrte. „Dann musst du Draco Malfoy sein. Bist ja in den paar Jahren ganz schön gewachsen. Ich hätte dich nicht wiedererkannt."
Er hielt auch Draco die Hand hin, doch der starrte Bill an wie eine Erscheinung und rührte sich nicht. Lediglich seine Nase schien zu funktionieren; er schien etwas zu riechen, das er sehr interessant fand. Prompt fühlte Harry sich an Lucius erinnert, der nur kurz zuvor das Gleiche getan hatte.
„Moment", sagte Blaise. „Das ist genau der Moment, den ich meinte. Ich hätte nur nicht gedacht, dass er so schnell kommt." Er wühlte in seiner Umhangtasche und förderte eine kleine Kamera zutage. Gelassen bereitete er sie vor und schoss dann ungeniert ein Foto.
Bill grinste wölfisch. „Von diesem Foto hätte ich gerne einen Abzug. Oder fünf."
„Ich auch", kicherte Pansy.
Blaise grinste zurück. „Aber sicher doch."
Der Blitz holte Draco aus seiner Versunkenheit. Ihm wurde bewusst, dass er Bill wie ein Idiot angestarrt hatte und wurde feuerrot im Gesicht.
„Na, na, so beeindruckend bin ich nun auch nicht", gluckste der Rothaarige. „Versuchen wir es noch mal: Ich bin Bill Weasley und du musst Draco Malfoy sein. Freut mich, dich wiederzusehen."
Draco quiekte sehr unmännlich, als Bills breite, von Arbeit gezeichnete Hand seine eleganten Finger umschloss und schüttelte. Blaise schoss noch ein Foto.
Bills blaue Augen glitzerten vor unterdrücktem Lachen. „Ich hätte nicht gedacht, dich jemals so sprachlos zu erleben, Malfoy. Hermine hat behauptet, du hättest Zähne und Krallen, aber auf mich wirkst du eher wie ein kleines, süßes Lämmchen."
„Oh, er wird so ausrasten, wenn er sich wieder eingekriegt hat", sagte Blaise fröhlich.
Bill lachte laut. „Es scheint, dass es mein Schicksal ist, von kleinen Schönheiten verfolgt zu werden." Seine Hand hielt Dracos immer noch fest. „Aber keine war bisher so schüchtern wie du, Malfoy."
Baff vor Erstaunen sahen Harry und Hermine sich die Szene an, die so gar keinen Sinn ergab. Im Grunde fand Harry es auch witzig, dass Draco ausgerechnet vor einem Weasley stammelte wie ein kleiner Schuljunge, aber schnell wurde ihm klar, dass mehr dahinter stecken musste. Die Verwirrung wich nach einigen weiteren Augenblicken aus Dracos Gesicht und machte ehrlicher Angst und Verärgerung Platz.
„Weasley", sagte er steif. „Meine Schüchternheit geht dich einen feuchten Dreck an."
„Doch, wenn ich der Grund dafür bin." Überlegen lächelnd sah Bill auf sein Gegenüber herab. Sein Daumen strich leicht über Dracos Handrücken. „Es steht dir."
Grob zog Draco seine Hand aus Bills und trat einen Schritt zurück. „Freut mich, dass du dich auf meine Kosten amüsieren konntest, Wiesel", fauchte er. „Ich bin hier raus."
„He, warte Malfoy!" rief Bill. „Ich meinte es nicht böse!"
Doch der blonde Junge ignorierte ihn und flüchtete regelrecht aus dem Geschäft.
„Vergiss es", sagte Blaise ruhig, als Bill Anstalten machte, ihm zu folgen. „Du weißt Bescheid, oder? Gib ihm Zeit. Er wird sich erst mal bei seinem Vater ausheulen. Ich lasse es dich wissen, wenn er sich abgeregt hat."
Bill legte den Kopf schief und musterte Blaise eindringlich. „Weißt du, ich werde wirklich von ihnen verfolgt. Ich habe keine Lust, mich mit einer Familie anzulegen, die meine sowieso schon nicht ausstehen kann."
„Er hat wohl kaum eine Wahl", erwiderte Blaise. Bill sah ihn noch durchdringender an. „Schau nicht so, es ist die Wahrheit. Ich weiß alles darüber, für den Fall der Fälle. Was immer du vorher erlebt hast, es war nicht das."
Nach langen Momenten entspannte sich Bill plötzlich und rubbelte mit den Händen über sein Gesicht. „Na großartig. Wie bringe ich das bitte meiner Familie bei? Und Fleur wird ausrasten."
„Ach, bis es soweit ist, wird er dich schon auf Trab halten. Mach dir darüber mal keine Gedanken." Blaise winkte ab. Er wühlte in seiner Umhangtasche und förderte eine Visitenkarte zutage. „Hier, da stehen alle meine Kontaktdaten drauf. Wenn du was wissen willst, schreib mir."
„Äh, Blaise, ich will nicht unhöflich sein, aber worum geht es hier eigentlich?" fragte Harry verwirrt.
Doch Blaise zog nur eine Grimasse. „Das verrate ich besser nicht auf offener Straße. Wir sind die ganzen Ferien über hier, irgendwann kommt es sicher zur Sprache. Nutzt einfach eine günstige Gelegenheit, um zu fragen."
„So einfach wird es wohl nicht werden", sagte Harry. Er war immer noch ziemlich verwirrt.
Hermine starrte nachdenklich ins Leere und knabberte auf ihrer Lippe herum, was wiederum Blaises Aufmerksamkeit erfolgreich ablenkte. Harry rollte innerlich die Augen darüber, wie vernarrt der Slytherin war. Er erfüllte alle Klischees: Er war gutaussehend, aus gutem Hause, war nicht gerade arm und hatte auch noch einen klugen Kopf auf seinen Schultern. Kurz, er könnte jedes Mädchen haben. Aber wie es so oft der Fall war, wollte er das, was eben nicht so leicht zu erobern war.
Und vielleicht ist das auch ganz gut so, dachte Harry. Umso weniger Sorgen musste er sich um seine Freundin machen.
„Na schön, Zabini, dann halt mich mal auf dem Laufenden, was unsere kleine Kratzbürste angeht." Bills Stimme holte sie alle aus ihren Gedanken zurück. „Hier hast du meine Karte, falls was Dringendes sein sollte."
„Wie lange bist du noch in London?" Blaise musterte Bill kurz von oben bis unten. „So, wie du aussiehst, arbeitest du nicht hier."
„Gut erkannt. Ich arbeite in Ägypten für Gringotts."
„Er ist Fluchbrecher", erklärte Hermine mit einem Hauch Bewunderung. „Das ist nicht gerade der leichteste Beruf."
„Und man verdient gut bei den Kobolden", fügte Blaise anerkennend hinzu. „Gut für dich, Weasley."
Bill grinste. „Anscheinend."
„Ich komm immer noch nicht mit", beschwerte Harry sich. „Ich hasse das!"
Lachend wuschelte Bill ihm durch das Haar. „In diesem Fall lasse ich euch mal lieber in Ruhe. Fred oder George guckt mich schon böse an, weil ich so viel Zeit mit euch und Malfoy verplempere. Sie wollten ein Rezept für ägyptische Zitronenbonbons haben und brauchen jemanden, der auf den Laden aufpasst, während sie dran tüfteln."
„Na dann lass dich nicht aufhalten", lächelte Hermine. „Mach's gut, Bill. Grüß die Zwillinge und Charlie lieb von mir, ja?"
„Wird gemacht." Bill umarmte sie, wobei das zierliche Mädchen beinahe in seinen Armen verschwand. „Grüßt mir die anderen herzlich."
Harry umarmte den ältesten Weasleysohn noch einmal, sah zu, wie er Blaise die Hand gab und dann mit langen, selbstsicheren Schritten zurück zur Theke schlenderte, wo einer seiner Brüder, George, auf ihn wartete und sofort auf ihn einredete.
„Irgendwie war das gerade sehr gruselig", sagte er zu niemand bestimmtem.
Blaise lachte. „Oh, das kannst du laut sagen, Potter! Ich verspreche, dass diese Ferien die besten unseres Lebens werden." Er winkte mit der Kamera. „Das hier ist das beste Erpressungsmaterial aller Zeiten! Colin Creevey wird vor Neid platzen."
„Hoffentlich nicht, den brauchen wir noch", entgegnete Hermine. „Na dann wollen wir mal. Es ist sowieso gleich um zwölf. Wir lassen Professor Snape besser nicht warten."
Auf dem Weg nach draußen holten sie Neville und Luna ab, die einige Kleinigkeiten gekauft hatten. Niemand hatte das Bedürfnis, etwas zu sagen. Es waren einfach zu viele fremde Menschen um sie herum unterwegs und sie hatten genug damit zu tun, unauffällig nach möglichen Angreifern Ausschau zu halten.
Glücklicherweise passierte nichts und sie kamen relativ heil vor dem Apothekarium an, wo Snape und Lucius schon warteten. Beide sahen wesentlich besser aus als am Morgen. Harry vermutete, dass sie irgendwo gut gefrühstückt hatten; bei Männern machte so etwas oft einen großen Unterschied, das merkte er ja bei sich selbst.
„Wie ich sehe, konnten Sie sich erfolgreich aus Ärger raushalten", sagte Snape zur Begrüßung. „Leider gilt das nicht für alle." Seine Mundwinkel zuckten, so dass Harry sicher war, dass er auf Draco anspielte.
Seine Vermutung bewahrheitete sich nur Sekunden später.
Lucius' Augen blieben nach einem Blick über die anderen an Harry hängen. „Falls ihr euch fragt, wo Draco geblieben ist, kann ich euch beruhigen. Er ist nach Hause gegangen. Ihr habt sicher Verständnis dafür."
Blaise, Pansy und Luna nickten, während Harry sich einmal mehr wie ein Idiot vorkam. Doch er widerstand dem Drang, nachzufragen und folgte Snape zusammen mit den anderen in den Laden.
„Da ich weiß, wie wenig Sie von solchen Einkäufen begeistert sind, habe ich alles schon erledigt", sagte Snape. Er wies auf diverse Tragetaschen, die auf dem Verkaufstresen standen und nur darauf warteten, angenommen und weggetragen zu werden. „Die Waren da drin sind sehr empfindlich, deshalb kann man sie nicht schrumpfen. Viel Vergnügen."
Seufzend nahmen die Gryffindors und Luna je zwei Beutel und folgten Snape aus dem Geschäft. Blaise bot Hermine sofort seine Hilfe an, die sie auch nach einem kleinen Seitenblick auf Snape annahm. Pansy nahm Luna immerhin einen Beutel ab, was vermutlich ihre gute Tat für dieses Jahr war.
„Hört auf zu jammern", sagte Snape ungerührt, als Pansy wegen des großen Gewichts rebellisch vor sich hinmurmelte. „Lucius ist schon so freundlich gewesen, die Kutsche zu rufen. Ihr müsst die Sachen ja nur reinstellen." Wenn Augenrollen nicht unter seiner Würde gewesen wäre, hätte er es vermutlich getan.
„Ich weiß nicht, was ihr habt", meinte Harry. „Der ganze Kram wiegt doch fast nichts." Schulterzuckend hob er einen der Beutel an und balancierte ihn sogar auf einem Finger.
„Spinner", knurrte Blaise. „Das Zeug wiegt eine Tonne!"
„Potter, ich wäre sehr dankbar für etwas mehr Vorsicht." Snape trat neben Harry und sah ihn so lange streng an, bis er die Träger des Beutels wieder richtig in der Hand hielt. „Manche dieser Zutaten sind in Gold nur schwer aufzuwiegen."
Nachdenklich sah Harry ihm direkt in die Augen. Irgendwann blinzelte er und räusperte sich verlegen. „Ähm, wo wir gerade von Gold reden … ich würde gerne noch mal kurz bei Gringotts reinschauen und nachfragen, ob jetzt alles in Ordnung ist. Geht das?"
„Es ist dein Gold", sagte Snape gleichmütig. „Solange du diese Taschen zur Kutsche bringst, kannst du danach machen, was du willst."
„Könnten Sie vielleicht … mitkommen?" fragte Harry unsicher. „Ich meine, ich hab ja keine Ahnung von Bankrecht. Was, wenn ich einen dummen Fehler mache?"
Snapes Mundwinkel verzogen sich zu einem herablassenden Lächeln. „Sag nichts mehr, Potter, bevor es noch peinlicher wird."
„Entschuldigen Sie Professor, aber-"
„Miss Granger", schnurrte Snape finster, „lassen Sie mich bitte ausreden. Nicht Potter sollte es peinlich sein, dass er nichts weiß, sondern der Schule, die sich beste Schule Britanniens schimpft." An Harry gewandt sagte er: „Selbstverständlich begleite ich dich, aber ich muss darauf bestehen, spätestens um fünf zurückzugehen."
„Okay, Sir." Harry fragte gar nicht nach, wieso. Für ihn war es schon eine riesige Erleichterung, dass überhaupt jemand, den er kannte und der sich wiederum mit Gringotts auskannte, ihm Rückendeckung gab. Es stimmte wohl, dass er jetzt Zugang zu sehr viel Gold hatte, aber was er damit anfangen sollte, wusste er beim besten Willen nicht.
„Nun, dann wollen wir Mr. Doyle nicht länger warten lassen, nachdem das geklärt ist", sagte Lucius. „Kommt, die Kutsche steht gleich da hinten in der Gasse."
Erleichtert stöhnten die Taschenträger auf. Harry fragte sich wirklich, was sie schleppten. Scheinbar hatte er die Federn und losen Kräuter bekommen. Da der Weg aber ohnehin so kurz war, sparte er es sich, einem von den anderen einen Tausch anzubieten.
An der Kutsche angekommen koordinierte Lucius das Einräumen (er erklärte, dass er durch seine Exfrau sehr viel Übung darin hatte, wertvolle Dinge sicher zu verstauen) und scheuchte dann alle Schüler bis auf Harry hinein.
„Wir sehen uns spätestens um fünf", waren seine Abschiedsworte. Er schenkte Harry noch einen undefinierbaren Blick, dann setzte die Kutsche sich in Bewegung und war innerhalb kürzester Zeit im Stadtnebel Londons verschwunden.
Ende Teil 10
