A/N: Vielen Dank an Cadiya und Reni fürs Reviewen. Cyber-Kuchen hat zum Glück sehr wenige Kalorien, aber vielleicht backt Remus im nächsten Kapitel Marauders einen schönen Schokoladenkuchen für Sirius, damit der mal ein bisschen was auf die Rippen kriegt ;-)

Disclaimer: Sie gehören immer noch nicht mir, leider. Aber ich liebe sie trotzdem. Auch wenn ich kein Geld mit ihnen verdiene.



Kapitel 10

Severus schloss die Augen. Obwohl es dämmrig war in dem Raum, der nur von ein paar Kerzen und den Fackeln links und rechts neben den Türen erleuchtet war, blendete ihn das Licht nach dieser totalen Finsternis.

Georgia griff sich den Hund, der noch nicht ganz wieder im Diesseits war, hinter den Vorderläufen und zog ihn gänzlich durch das Tor. Er ließ ein Mitleid erregendes Fiepen hören. Sie streichelte ihm beruhigend über den Kopf. Dann hob sie eines seiner weichen Schlappohren an und flüsterte ein paar Worte hinein. Er krümmte sich zusammen und vollzog unter Aufbietung seiner letzten Kräfte die Transformation.

Behutsam drehte Georgia ihn auf den Rücken, besah sich das Brandloch in seiner Brust, legte ihre Hände links und rechts daneben und murmelte eine Heilungsformel. Blaue und goldene Energieströme krochen über seine Haut und verschwanden in dem kleinen Krater. Der Brustkorb hob sich an, wie von unsichtbaren Fäden hochgezogen und ein lautes, rasselndes Einatmen war zu hören. Danach begann Sirius zu husten, kleine dunkelgraue Rauchwölkchen verließen seinen Mund. Beim nächsten Atemzug waren die Nebengeräusche fast verschwunden, noch einmal spuckte er etwas Rauch, dann war es vorbei. Er atmete ruhig und gleichmäßig.

Severus hatte die Szene durch halb geschlossene Lider beobachtet. Als er nun sah, dass Sirius lebte, rutschte er auf die beiden zu, auf allen vieren, denn er war zu erschöpft, um aufzustehen. Er legte seine Arme um Georgia und schmiegte seine Stirn an ihren Hals.

„Danke. Ich bin dir so unendlich dankbar. Ohne dich hätten wir es nie geschafft", flüsterte er.

Fast scheu legte sie ihren rechten Arm um seinen Rücken, mit der linken strich sie weiter durch Sirius' Haar. Severus hauchte ihr einen Kuss auf die Halsbeuge, ein überraschendes Geschenk, das sie lächelnd annahm. Dann löste er sich aus ihrer Umarmung, ließ sich neben Sirius zu Boden gleiten und zog ihn an sich. Seinen eigenen Kopf bettete er dabei in ihren Schoß und verharrte so eine kleine Weile.

Georgia betrachtete sie zärtlich. Es war ein Moment vollkommenen Friedens. Sie hatten zusammen etwas Einmaliges, etwas noch nie Dagewesenes erreicht. Es hatte Kraft, Mühe und Opferbereitschaft gefordert, doch es war geschafft. Die Anspannung wich allmählich einer tief empfundenen Erleichterung. Es war das Richtige gewesen. Diese beiden zu sehen, wie sie sich glücklich aneinander kuschelten, war eine Bestätigung dieses Gefühls. Sie gehörten zusammen.

Sie hatte Severus' Gesicht noch nie mit diesem Ausdruck tiefster Zufriedenheit gesehen. Er wirkte völlig gelöst, obwohl ihm die Anstrengung immer noch anzusehen war. Als sie ihre Hände auf den beiden schwarzen Häuptern ruhen ließ, fühlte sie die Vollkommenheit dieser Verbindung. Ihre Energien ergänzten sich perfekt.

Zu Beginn dieser Beziehung hatte sie eine Eifersucht verspürt, die sie jetzt als vollkommen unsinnig empfand. Doch in diesem Augenblick konnte sie begreifen, warum diese zwei sich so leidenschaftlich liebten. Wenn sie zusammen waren, dann verschmolzen ihre Auren miteinander, anders als bei anderen Menschen, wo es meistens zu Reibungen oder Interferenzen kam. Sie erweiterten sich und bildeten einen Schutzraum um sie herum, wie ein Zelt. Und Georgia war ihnen so nahe, dass sie innerhalb dieser Zone war, sie fühlte sich als Teil dieser Einheit, nicht ausgeschlossen. Sie spürte, wie die Kraft dieser vereinigten und sich gegenseitig harmonisierenden Energien durch sie hindurchfloss, ihre eigene mit aufnahm und einen Kreislauf bildete, der ihre Herzen, ihr Fühlen und Denken in Einklang brachte.

Sie konnte nicht nur fühlen, sondern mit ihren eigenen Augen sehen, wie ihrer aller Auren Gestalt annahm in Form eines Schimmers von perlmuttfarbenen und goldenen Schlieren, die sich verwirbelten, einander umfingen, sich miteinander verbanden, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Ohne nachzudenken wusste sie, dass der Rest ihrer Jahrtausende alten Schuld getilgt war. Sie war im wahrsten Sinne des Wortes bereit gewesen, den Mann, an dem ihr Herz hing, gehen und seine Liebe suchen zu lassen, selbst auf die Gefahr hin, ihn zu verlieren. Und was hatte sie zurückbekommen? Das größte Geschenk von allen – zwei liebende Männer und allumfassende Vergebung. Ihr Herz fühlte sich von jedem Druck befreit an, als würde es anwachsen und jeden Moment ihren Brustkorb sprengen.

Aus einer unendlichen Dankbarkeit heraus hatte sie das Bedürfnis, einen bestimmten Ton anzustimmen, den Grundton ihrer Seele. Es überraschte sie nicht, dass sowohl Severus als auch Sirius fast gleichzeitig mit ihr zu summen begannen, jeder seinen eigenen Ton, die aber mit ihrem als Akkord die vollkommene Harmonie bildeten. Die Schwingungen prickelten über ihre Haut und auf ihren Trommelfellen, es war wie ein akustisches Feuerwerk, bezaubernd, erleuchtend, inspirierend.

Der Schimmer nahm die Vibration auf, alles um sie herum wurde zu einem intensiven Leuchten, wuchs an zu einer dicken Schicht von sanften, farbigen Strahlen, bis der ganze Raum um sie herum heller wurde. Die Wände schienen Licht und Klang gleichermaßen aufzunehmen wie zu reflektieren, die Schäden, die durch den Kampf an den Stufen verursacht worden waren, heilten auf magische Weise.

Eine Vision entstand vor Georgias geistigem Auge, auf welchem Wege der Dunkle Lord zu vernichten war. Diese Macht, die er nicht kannte und geringschätzte, würde ihn hinwegfegen. Er hatte sie schon einmal unterschätzt, als er Harry angegriffen hatte. Nur durch einen schmutzigen Trick hatte er überlebt, aber das nächste Mal würde sie ihn endgültig eliminieren, egal in wie viele Teile er seine kranke Seele gespalten haben mochte. Welche Kraft würde es entwickeln, wenn man es schaffte, den Personenkreis zu erweitern, der diesen Energiestrom erzeugte? Wenn man die magische Zahl von sieben oder neun erreichte? Drei, sieben, neun. Die großen magischen Zahlen. Zu dritt hatte sie schon eine erschütternde Kraft entwickelt. Georgia war sich sicher, dass jede weitere Person, die man in diesen Kreis integrieren konnte, die Kraft potenzieren würde. Mit einem Kreis aus sieben Menschen würde man jeden Angreifer von diesem Planeten fegen, mit neun würde man ihn vermutlich in die übernächste Galaxie katapultieren.

Ihr Dreiklang schwebte noch einige Sekunden im Raum, nachdem sie zu summen aufgehört hatten, verebbte ganz allmählich zwischen den uralten Stufen. Als er endete, fühlten sich alle drei erfrischt und mit neuer Energie geladen. Sie lächelten sich gegenseitig an, denn keiner von ihnen hatte ein solches Erlebnis zuvor gehabt. Es verband sie und machte sie gleichzeitig frei. Sie hatten auch nicht das Bedürfnis, miteinander darüber zu sprechen, Worte hätten hier nur gestört. Ihre Seelen hatten miteinander gesprochen, es war bereits alles gesagt. Oder fast alles.

„Danke", sagte Sirius und gab Georgia einen Kuss auf die Wange, „dafür, dass du mich geheilt und uns den Rückweg offengehalten hast. Du bist jetzt ein Teil von uns, aber das weißt du schon, nicht wahr? Ich liebe dich."

Georgias Mundwinkel zuckten leicht. Sie wusste, dass Sirius in dieser Beziehung das Gemüt eines Kindes (oder Hundes) hatte. Er konnte seine Gefühle ohne Scham zum Ausdruck bringen, mit Worten oder Gesten. Seine Offenheit grenzte manchmal an Peinlichkeit, besonders wenn er Leute nicht mochte. Doch hier war es ungemein wohltuend.

Sie streichelte seine Wange und sagte: „Ich bin froh, dass ich euch beide kennenlernen durfte. Was wir hier gerade erlebt haben, war auch für mich unerwartet. Es hat mir ganz neue … Perspektiven eröffnet. Jetzt sollten wir aber von hier verschwinden."

„Wie lange war ich dort?", fragte Severus.

„Eine gute Stunde, würde ich sagen. Genau weiß ich es aber nicht. Wenn ich mich so konzentrieren muss, vergesse ich leicht die Zeit."

„Es kam mir viel länger vor", sagte er leise.

„Wir brauchen einen Plan", sagte Georgia und sah die beiden ernst an. „Severus, du hast noch einiges vor dir, der Ablauf will gut durchdacht werden."

„Ja", seufzte er und sah Sirius mit Bedauern an. „Ich werde heute Nacht nicht mehr viel Zeit für dich haben, auch wenn ich dir versprochen habe …"

Sirius' Lippen zuckten amüsiert.

„Das wirst du aber jetzt nicht hier vor Georgia wiederholen, oder?", fragte er und verkniff sich den Lachanfall. „Ich kann darauf warten, ich weiß, dass du keine leeren Versprechungen machst", sagte er dann mit einem warmen Funkeln in den Augen. „Was ist denn alles noch zu tun? Kann ich irgendwie helfen?"

Georgia und Severus sahen sich an und waren sich einig. „Sirius, offiziell bist du tot. Vielleicht sollten wir es einfach dabei belassen."

„Was?", fragte Sirius perplex.

„Nun ja, außer uns hier weiß niemand, dass du noch lebst. Es würde dir eine ganz neue Form von Freiheit verschaffen. Wer tot ist, nach dem wird nicht mehr gesucht. Alles was du brauchst, ist ein neuer Name und eine veränderte Optik, vielleicht auch ein neuer Zauberstab", sagte Severus langsam.

„Oh, ja …", murmelte Sirius. Seinen Zauberstab hatte er irgendwo auf der anderen Seite verloren, er konnte sich nicht mehr erinnern, wann oder wie. Es war auch nicht mehr wichtig jetzt.


tbc