Silver
Das erste Mal als Jörmungdaal Sleipnir begegnete, hatte er unglaubliche Angst gehabt. Er war zu der Zeit noch ein Kind gewesen. Alles um ihn herum war neu und vollkommen fremd für ihn. Sich in den riesigen Gängen zu verlaufen, war daher keine Besonderheit. Irgendwie hatte er es geschafft, in die Stallungen von Asgard zu gelangen und sah sich dort einem riesigen Monster gegenüber.
Im ersten Moment war er vor Schreck davon gerannt. Doch er war zu dieser Zeit noch ein Kind und war genauso Schreckhaft wie neugierig. Als der erste Schreck erst einmal über wunden war, nährte er sich wieder dem Tier und erkannte nun, dass es überhaupt kein Monster war. Es war nicht weiter gewesen, als ein Pferd. Aber natürlich kein einfaches Pferd. Sein Fell war Silberfarben und glitzerte im Sonnenlicht. Eine solche Fellfarbe hatte Jörmungdaal bisher noch nie in seinem Leben gesehen. Zudem war das Tier unglaublich groß. Größer noch als sein Onkel Thor.
Was das Tier jedoch noch besonderer machte als sein Fell und seine erstaunliche Größe war, dass es statt vier Beinen acht hatte.
Nun war der kleine Junge vollends von dem Pferd fasziniert. Vorsichtig versuchte er es mit seiner Hand zu berühren. Er wollte wissen, ob sich das Fell so schön anfühlte, wie es aussah. Und zu seinem großen Erstaunen, neigte das Tier seinen Kopf zu ihm herunter und ließ sich berühren, als wäre er überhaupt kein Fremder.
Als der kleine Jörmungdaal seinem Vater von dem Zusammentreffen erzählte, beschrieb er ihm jede Einzelheit. Erzählte, wie sich das Fell des Tieres anfühlte und wie unglaublich schön und faszinierend er es fand. Andere würde es für ein Untier, gar eine Missgeburt halten, doch nicht er. Während er sprach, lächelte sein Vater ihn an. Doch es war nicht das typische väterliche Lächeln, welches er von ihm kannte. Es wirkte traurig, fast schmerzlich, als würde er das Tier, von dem er sprach, kennen.
„Habe ich etwas falsch gemacht?" fragte er und Loki schüttelte seinen Kopf. „Nein, keine Sorge. Du hast sogar etwas sehr gutes gemacht." Antwortete er ihm und erklärte ihm dabei um was für ein Tier es sich bei dem Pferd eigentlich handelte. So lernte er, dass das Pferd Sleipnir hieß und Odin gehörte. Zudem bestärkte sein Vater ihn darin, es öfters besuchen zu gehen und das tat er auch.
Wann immer er die Gelegenheit dazu hatte, schlich er sich in den Stall zu dem Pferd. Manchmal saß er einfach nur bei ihm und strich ihm durch das wunderschöne Fell. An anderen Tag erzählte er ihm Geschichten, die er in Büchern gelesen hatte. Nachdem seine Geschwister geboren waren, brachte er auch sie zu dem Tier.
Doch er erfuhr nie, wer dieses Tier wirklich war.
