Der Wahrheit einen Schritt näher (Chap 10... Jubiläum!*aufundabspring*)

Abends besuchte mich Lily und brachte Kitty mit. Als ich mein kleines Baby sah, bekam ich ein furchtbar schlechtes Gewissen, denn ich hatte mich ja nicht um sie kümmern können. Als hätte sie meine Gedanken erraten, grinste Lily leicht. "Wir haben wirklich versucht sie zu füttern, aber egal welche Art von Katzenfutter wir ihr angeboten, sie hat einfach nichts gegessen." Katzenfutter? Was sollte meine Kitty denn mit Katzenfutter? Keine Katze, die etwas auf sich hielt, aß Katzenfutter, da war ich mir sicher. Mein Baby jedenfalls weigerte sich strikt und ich konnte das nur zu gut verstehen. Warum? Okay, das war jetzt ein bisschen peinlich, aber ich hatte das Zeug tatsächlich probieren wollen, nur wurde mir schon bei dem Geruch schlecht und so ließ ich es lieber bleiben. Und ich konnte meinem Baby ja nun wirklich nichts vorsetzen, das nicht mal ich essen würde, oder? Und ich aß ja nun mal bekanntlich fast alles. Außer Porridge natürlich.

"Schließlich hat Remus sich dann um sie gekümmert," schloss Lily und blickte mich erwartungsvoll an. Oh, das war ja nett von ihm. Aber Sirius... hach, das musste ich Lily jetzt unbedingt erzählen. Seltsamerweise runzelte sie danach nur die Stirn. "Find ich ja wirklich cool von ihm. Aber immer kann er gar nicht bei dir gewesen sein, ich habe ihn ziemlich oft im Gemeinschaftsraum gesehen. Und ich dachte eigentlich, dass er den Rest der Zeit mit irgendwelchen Tussen in seinem Schlafsaal verbracht hat. Aber da habe ich mich dann wohl getäuscht." Ja, allerdings hatte sie das, Sirius war bei mir gewesen, das hatte er mir doch gesagt! Also wirklich, warum sollte er mich auch anlügen?

"Hat Remus eigentlich meine Unterlagen hier gelassen?" Ich schüttelte den Kopf. "Was denn für Unterlagen?" "Er wollte den Unterrichtsstoff nacharbeiten. Hat er dir gesagt, wo er die ganze Zeit war?" Nein, aber vermutlich hatte er mal wieder seine kranke Mutter besucht. Ich nahm mir vor, Remus später danach zu fragen, doch dann fielen mir Lilys strahlende Augen auf. Und während ich Kitty mit ein paar Pasteten fütterte, die eigentlich mein Abendessen hatten sein sollen, unterhielt ich mich mit meiner besten Freundin. "Und, was gibt's Neues?" "Och nichts Besonderes", Lily warf ihren Fingernägeln einen prüfenden Blick zu, "Ich hab ein 'O' in Zaubertränke bekommen, mich mit Black gestritten, heute allein 75 Punkte für Gryffindor verdient, aber dafür hat dieser Trottel 90 verloren, gehe mit Potter dieses Wochenende nach Hogsmeade, habe mir die Beine gewachst..." "WAS?" "Ja, das war echt schmerzhaft und ich mache es nie wieder. Wirklich nicht zu empfehlen."

"Das meinte ich nicht und das weißt du ganz genau. Du gehst mit James aus?" "Ähm ja", Lily wurde rot, "Ich dachte mir, dann hat er was er wollte und lässt mich in Ruhe." Sicherlich. Und deshalb grinste sie wie ein Honigkuchenpferd auf Drogen. Oh Mann, ich wollte gar nicht erst wissen, wie James sich gerade benahm. Armer Siri, er war sicherlich mit den Nerven völlig am Ende. Und armer Remus natürlich auch, hätte ich fast vergessen. "James ist dir also egal?" Lily nickte eifrig. Viel zu eifrig für meinen Geschmack. Also wirklich, konnte frau denn heutzutage nicht einfach zu ihren Gefühlen stehen? Oder wollte sie es selbst nicht sehen? Merlin sei Dank war ich nicht so.

"Dann macht es dir ja sicher nichts aus, wenn ich mal mit ihm ausgehe, oder?" Lilys Augen wurden groß, nur um sich Sekunden später zu Schlitzen zu verengen. "Das würdest du nicht tun." "Wieso denn nicht, du stehst doch nicht auf ihn, oder doch?" "Nein", erwiderte sie heftig und schien krampfhaft zu überlegen. Dann erschien ein triumphierendes Lächeln auf ihrem Gesicht. "Aber du bist in Sirius verliebt, da kannst du ja nicht mit seinem besten Freund ausgehen!" Oh Mist, war es so offensichtlich? Memo an mich selbst: An meinem Pokerface arbeiten. Dringend. Und wo ich schon dabei war: Memo zwei: Nicht mehr aus Frust literweise Eiscreme in mich hineinstopfen, dadurch werde ich auch nicht attraktiver, nur beliebter bei den Hauselfen. "Jessie?" Oh ja richtig, Lily hätte ich fast vergessen. Aber plötzlich war ich mir sicher, dass es sie viel mehr wurmen würde, wenn ich jetzt nichts sagte und so blieb ich still. Sie würde diese Nacht definitiv schlecht schlafen. Muahaha! Langsam fragte ich mich, ob es wohl heiß in der Hölle war, denn wenn ich so weitermachte würde ich mich auf eine lange Besuchszeit dort einstellen müssen.

Lily stand auf und ging zur Tür. Dann drehte sie sich noch einmal um und sah mich ernst an. "Halt dich von Black fern, er wird dir nur wehtun. Er ist nicht das, was du dir wünschst. Weißt du, manchmal sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht." Warum kam sie mir jetzt mit einem Muggelsprichwort? Wollte sie sich irgendwie klüger fühlen, weil ich es nicht verstand? Das war wirklich nicht nötig, sie war doch immer und überall die Beste. Sie merkte wohl, dass ich mit dem Satz nichts anfangen konnte und fügte noch erklärend hinzu: "Dein Glück ist dir so nah, dass du es gar nicht erkennst." Dann drehte sie sich um und ließ mich allein. Mein Glück? Wen oder was meinte sie denn? James? Sev? Hagrid? Peeves? Einen Lehrer? Oder sogar Peter? Lily hatte definitiv zu viel Zeit mit mir verbracht, langsam drehte auch sie am Rad.

Die nächsten Tage musste ich noch im Krankenflügel bleiben, was mich wirklich ankotzte. Zwar besuchten mich Remus, James, Lily und Sev oft, aber ich langweilte mich trotzdem. Sirius war nur noch einmal da gewesen um mich noch ein weiteres Mal nach einem Date zu fragen. Diesmal hatte ich zugestimmt. Als ich Remus davon erzählte war er sehr still geworden, ich vermutete, dass er neidisch war denn offenbar hatte er bei seiner Traumfrau immer noch nicht richtig Glück gehabt. Überhaupt sprach er seitdem wenig mit mir und ich vermisste ihn schrecklich. Aber wenigstens kümmerte er sich weiterhin um Kitty. Offenbar ein wenig zu gut, denn die Kleine bekam langsam ein kleines Bäuchlein. Wurde mir wirklich immer ähnlicher, die Gute.

Aber glücklicherweise durfte ich jetzt ja endlich den Krankenflügel verlassen. Schnell hastete ich in den Mädchenschlafsaal und von da aus ins Bad. Ich nahm eine ausgiebige Dusche und überlegte dann was ich anziehen sollte. Schließlich war heute mein erstes Date mit Sirius. Ich entschied mich nach gefühlten zehn Stunden für einen Jeansminirock und eine Bluse, die ich über dem Bauchnabel zusammenknotete. Dazu trug ich Highheels, die ich mit einem Spruch belegte, damit ich nicht umknicken konnte. Ja, ich hatte an alles gedacht. Wirklich wohl fühlte ich mich in meiner Aufmachung nicht, aber ich wollte Sirius ja schließlich gefallen und wenn er auf diese Art von Mädchen stand, dann würde er sie bekommen. Aufgeregt steckte ich mir die Haare hoch und legte noch etwas Parfüm auf. Das tat ich sonst auch nie, aber irgendwann war ja immer das erste Mal. Apropos, das erste Mal. Ich fragte mich, ob Sirius erwartete, dass ich heute schon mit ihm schlief. Ich konnte wirklich nur hoffen, dass er mir wenigstens noch etwas Zeit ließ, denn ich war noch lange nicht so weit. Andererseits würde ich fast alles tun, um endlich mit ihm zusammen zu sein.

Nachdenklich strich ich über Remus' Kette und nahm sie schließlich ab. Es war das erste Mal, dass ich sie ablegte, aber es kam mir nicht richtig vor, sie zu tragen wenn ich mich mit Sirius traf. Endlich war ich fertig und hüpfte aufgeregt in den Gemeinschaftsraum, wo ich nur Kitty entdeckte. Sie fauchte mich erstmal an, erkannte mich offenbar nicht. Das verunsicherte mich noch mehr, nicht mal meine eigene Katze fand mich hübsch! Na toll, jetzt war ich natürlich richtig beruhigt! Remus war auch nicht da, dabei hätte ich seine aufbauenden Worte jetzt wirklich gut gebrauchen können. Während ich mich auf den Weg in die Eingangshalle machte überlegte ich, wie es James und Lily jetzt wohl erging. Ich malte mir die verschiedensten Situationen aus. Vielleicht hatten sie sich schon ein Zimmer genommen und liebten sich nun leidenschaftlich? Oder James hatte sich mal wieder arrogant verhalten, Lily hatte ihn daraufhin erschlagen und war nun auf der Flucht? Irgendwie erschien mir der Gedanke viel wahrscheinlicher und ich nahm mir vor, nach James zu suchen, falls er um 22 Uhr noch nicht wieder da war.

Mittlerweile war es 14.10 Uhr und Sirius hätte eigentlich schon auf mich warten müssen. Gut, ich war zehn Minuten zu spät, aber er war doch sicher nicht sofort wieder weggegangen oder? Aber vielleicht dachte er auch, dass ich es nicht ernst gemeint hatte und lag jetzt heulend in seinem Bett. Okay unwahrscheinlich, aber immerhin möglich. Schleunigst machte ich mich zurück auf den Weg zum Gryffindorturm. Als ich dann endlich vor dem Jungenschlafsaal angekommen war, musste ich erstmal tief durchatmen. Memo an mich selbst: Kondition verbessern, sonst komm ich beim Sex auch so schnell außer Puste und das wäre doch peinlich. Leise legte ich mein Ohr an die Tür um zu hören, ob vielleicht wirklich jemand weinte. Ich hörte tatsächlich Geräusche, die mich irgendwie an ein gequältes Tier erinnerten. Vielleicht wurde dort jemand gefoltert? Ganz superwoman-like stieß ich die Tür auf um denjenigen zu retten. Aber die grausame Szene, die mich erwartete, übertraf selbst meine wildesten Fantasien.