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Kapitel 10

Mit einem Satz war Dean am Bett seines kleinen Bruders angelangt und lag auf den Knien. Aufmerksam verfolgten seine Augen erste zögerliche Anzeichen eines Erwachens des Jüngeren. Sams Kiefer zuckten und ein weiteres leises Stöhnen bahnte sich einen Weg nach außen.
Seine Lider flatterten noch unentschlossen vor den Augen. Offensichtlich fiel es ihm schwer die Kontrolle, nach dieser langen Zeit, über Körper und Geist zu gewinnen.
Sam bewegte leicht seinen Kopf . Mühselig quetschte sich seine Zunge durch die verschlossenen Lippen um sie zu befeuchten. Er schluckte trocken. Dabei bewegte sich sein Adamsapfel deutlich. Die Hände ballten sich kurz zu zitternden, kraftlosen Fäusten um sich anschließend wieder zu entspannen.
Schließlich öffnete Sam seinen Mund und mit einem tiefen Atemzug schien er Mut zu sammeln um seine Augen zu öffnen.

„Sammy?" Deans Stimme war rauchig und ungeduldig. Er beugte sich ganz nah über das Gesicht seines Bruders und registrierte mit Herzklopfen jede noch so winzige Bewegung. Dean hatte Sams Handgelenk ergriffen und seine Finger drückten sanft zu. „Sammy? – Ich bin hier – ich bin bei dir!"
Der Kopf des Jüngeren wandte sich augenblicklich in die Richtung aus der die vertraute Stimme kam. Langsam öffnete Sam seine Augen und blinzelte lichtscheu in den Raum. Seine Pupillen irrten noch etwas vernebelt durch das Zimmer bevor sie schließlich mit einem warmen Glanz, auf dem Gesicht seines Bruders haften blieben. Sam zog seine Augenbrauen etwas zusammen und kaum sichtbar hoben sich seine Mundwinkel zu einem stummen Lächeln dabei versuchte er angestrengt seinen Bruder zu fixieren.

„Mensch Kleiner" raunte Dean „du hast uns aber Sorgen bereitet."

Die kleinen Fältchen auf Sams Stirn gerieten in Bewegung. Er grübelte was sein Bruder gemeint hatte. Deans Stimme kam ihm irgendwie unendlich weit entfernt vor und Sam wusste nicht warum. In seinem Kopf war eine beruhigende, gähnende Leere. Sein Verstand benötigte eindeutig noch Zeit um sich aus der klebrigen Dunkelheit des zweitägigen tiefen Schlafes zu befreien. Sams Körper fühlte sich taub und matt an und widersetzte sich seinem Willen.

Aber als er Bobbys Gesicht schemenhaft über dem seines großen Bruder erkannte holte ihn seine Erinnerung in Bruchstücken grausam ein.
Ein Anflug von Panik zeigte sich in seinen Augen. Sam biss sich auf die Lippen, ein kurzer heftiger Luftstoß entwich pfeifend seiner Lunge und für eine Sekunde spannte sich jeder seiner Muskeln reflexartig an – wie bei einem Tier das flüchten wollte.
Sam erinnerte sich plötzlich an reißende Schmerzen, heisere Schreie, berstendes Holz in seinem Mund und an brutale Gewalt.

„He, he Samy – es ist alles ok" mit leisen Worten sprach Dean beruhigend auf seinen Bruder ein. Die Finger, die sein Handgelenk umgriffen hatten lösten sich und strichen sanft über Sams Wange. Dean hatte den Schrecken seines Bruders feinfühlig registriert. „Du hast es überstanden Kleiner". Er blickte in Sams Augen die ihn panisch flackernd anflehten. Dean ergriff mit beiden Händen Sams Kopf und sah ihm eindringlich in die Augen. „Sammy? Verstehst du mich?" Seine Hände zogen Sams Kopf behutsam noch näher an sich heran. … „Niemand tut dir mehr weh!"

Die Bedeutung der Worte breitete sich zähflüssig in Sams Gedanken aus.
Erschöpft sank er zurück ins Kissen und nickte stumm. Er schloss für einen Moment seine Augen um die qualvollen Erinnerungen zu sortieren. Schließlich wandte sich Sam erneut seinem Bruder zu und schluckte abermals um dieses Brennen im Hals los zu werden. Noch einmal holte er tief Luft bevor die ersten Worte zaghaft ihren Weg zu seinem großen Bruder fanden.
„He Dean" Sams zitterndes Flüstern klang kratzig als es stockend über seine ausgetrockneten Lippen kam. Er wusste wieder was passiert war.
„Wie lange habe ich geschlafen?" der letzte Satz ersticke ihm fast im Hals. Sams Augen sahen den Älteren fragend an.

Am liebsten hätte Dean seinen Bruder an sich gerissen und umarmt.
Aber er fürchtete sich.
Zum Einem hatte Dean Angst seinem kleinen Bruder in seiner stürmischen Euphorie weh zu tun. Zum Anderem musste er sein Gesicht bewahren – so wie er es vom Vater gelernt hatte. Solche Gefühlen waren was für Schwächlinge.
Und trotzdem: noch nie war ihm die Zeit so lang und schrecklich vorgekommen wie die verstrichenen Stunden in diesem Motelzimmer. Die ständige Angst Sam zu verlieren hatte ihn zermürbt. Er war unendlich froh Sams Stimme zu hören – auch wenn es nur ein kratziges Wispern war.

Dean kräuselte seine Stirn als er Sam ansah. Mit aller Macht konzentrierte er sich auf seine Stimme und zwang sich zur Ruhe, bevor er sich in die Faust räusperte, um in einem betont lässigem Ton zu antworten.
„Man Sam – du hast fast zwei Tage gepennt. Es wird ja Zeit dass du mal die Augen auf machst. Oder dachtest du ich mache den ganzen Scheiß hier alleine!"

Sam sah Dean aufmerksam und still an. Über seine Mundwinkel huschte ein gequältes Lächeln … denn Dean kam nicht weiter mit seiner Predigt.
Plötzlich stand dem Älteren das Wasser in den Augen und seine Stimme schlug Purzelbäume wie bei einem stimmbrüchigem Teenager.
„Sammy – man ich bin so froh dass es dir wieder besser geht." Er strich dem Jüngeren mit zitternden Fingern behutsam die verschwitzten Haarfransen von der Stirn. „ Ich hatte eine Todesangst." Explosionsartig sprudelten die Emotionen unaufhaltsam aus Dean heraus. „Ich schwöre dir wenn du das noch einmal machst – dann hau ich dir Eine rein"
Dean schluckte abrupt und blickte überglücklich in Sams sanfte blaugraue Augen, die sich für einen Moment erleichtert schlossen.
Als Sam die Augen wieder öffnete sah er den Älteren mitfühlend an. „Mhhh …" raunte er - noch immer fiel dem Jüngeren das Formulieren von Worten schwer. Sams Kopf wurde bleiern und sank kraftlos in Deans Hände, die ihn behutsam zur Seite gleiten ließen. Sam nickte noch einmal kurz bevor er von Müdigkeit übermannt wieder seine Augen schloss.

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Nach und nach spürte Sam wie das Leben in seine Adern zurückkehrte – mit ihm bedauerlicherweise auch der Schmerz. Hinter seinen Augen hämmerten Schlagbohrer. Sein Hals kratzte vor Trockenheit und seine Kiefergelenke schienen sich pulverisiert zu haben. Als er seine rechte Hand zitternd zum Kinn führte, um diese schmerzenden Kiefer zu betasten, meldete sich sofort sein rechter Brustmuskel energisch mit einem reißenden Stich zu Wort, um deutlich zu machen, das die tiefen Risse noch der Schonung bedurften. Überwältigt vom plötzlichen Schmerz entwich Sam ein kurzer heiserer Schrei. Ächzend erfror seine Handbewegung und sein Arm fiel zurück auf die Bettdecke.

„He he – mach langsam Tiger." Dean hatte sich einen Stuhl genommen und wartete geduldig am Bett bis Sam richtig zu sich kam.

Der Jüngere wollte sich erheben. Seine Arme stützen sich auf das Bett und versuchten den Körper in die Höhe zu stemmen. Der ziehende Stich den die Anspannung seiner Brustmuskeln auslöste ließ Sam zusammenzucken. Er presste seine Lippen aufeinander und zwang sich zitternd, dem Schmerz trotzend nach oben - bis er unerwartete Hilfe bekam.

Dean hatte seine Finger in Sams Schulter vergraben und half ihn auf. „Immer mit der Ruhe Sammy - du must hier nichts beweisen." Er sah besorgt in das Gesicht des Jüngeren. Vor lauter Anstrengung hatten sich schon wieder Schweißperlen am Haaransatz gebildet und glitten nun in schmalen Rinnsalen an Sams Schläfen und Stirn herunter.
Dean ergriff einen Plastikbecher: „Komm – trink erst mal einen Schluck." Er führte den Becher mit Wasser vorsichtig an Sams ausgetrocknete Lippen und der Kopf des Jüngeren bewegte sich gierig in diese Richtung.
„Langsam, langsam" flüsterte Dean seinem Bruder zu, der hastig trank. Eine Hand hatte Dean stützend in Sams Rücken gelegt.

Das Wasser löschte das Brennen in Sams Hals. „Nimm dir Zeit Sammy" Dean befürchtete das Sam sich in seiner Gier noch verschlucken würde. Nachdem der Becher leer war wandte sich Sam keuchend an seinen Bruder. „Wo ist Bobby?" Dean hob verheißungsvoll seine Augenbrauen und sagte: „Er kocht uns was zu essen."
Sam blickte erstaunt auf Dean. „Du brauchst was Richtiges Kleiner. Du musst wieder zu Kräften kommen." antwortete der Ältere und lächelte.
Sam nickte und ein Ruck ging durch seinen Körper als wollte er gleich aufspringen.
„Was ist?" fragend sah Dean seinen Bruder an.
„Ich muss ins Bad" flüsterte dieser dringlich.
„Oh …" verlegen kratzte sich Dean am Hinterkopf. „Klar – warte ich helf dir" sofort griff er nach dem Jüngeren um ihn aus dem Bett zu helfen.
„Lass das" zischte Sam „das krieg ich noch alleine hin!" Leicht errötend wehrte er Dean ab und schob seine Beine unter der Decke hervor. Als Sams Füße auf dem Boden standen und er nach unten sah, musste er fest stellen das dieses Bett über Nacht verdammt hoch geworden war. In seinem Kopf drehte sich plötzlich alles. Schnaufend blickte er an die Decke und schloss die Augen. Nach einem tiefen Atemzug stemmte er sein Gewicht auf die Beine und war dankbar, Deans helfende Hand an seinem Oberarm zu spüren.

„Geht's?" Sam nickte schwach auf Deans Frage hin und konzentrierte sich auf seine zitternden Knie. Dann zwang er sich gerade aus zu sehen, ignorierte den Schwindel und setzte langsam einen Fuß vor den anderen. Sam war erstaunt über sein eigenes Gewicht das ihn drohte zu Boden zu reißen.

Dean hatte seinen Bruder los gelassen, blieb aber bei jedem Schritt dicht hinter ihm - bereit Sam aufzufangen falls er stürzen sollte. Er hatte noch nicht sehr viel Vertrauen in den erschöpften Körper, der sich vor ihm mehr schwankend als gehend in Richtung Badezimmertür bewegte.

Endlich, nach einem unendlich lang erscheinenden Weg hatte Sam die Tür erreicht. Seine Hand legte sich erleichtert auf die Türklinke. Er wandte sich seinem Bruder zu der ihm offenbar folgen wollte: „Dean! Ich bin kein Baby. Ich kann das alleine!" beschämt knurrte er ihn an und seine Augenbrauen schoben sich vorwurfsvoll nach oben.

Dean zuckte unschuldig mit den Schultern und sah in Sams Gesicht. Es war rot vor Anstrengung und Schweißperlen rannen in Bächen von Sams Schläfen. Für den Älteren war es unübersehbar wie viel Energie jeder einzelne Schritt dem Jüngeren kostete und wie verkrampft Sam versuchte seine Schmerzen vor ihm zu verbergen. Aber gegen den dickköpfigen Stolz seines kleinen Bruders war kein Kraut gewachsen.

Dean schüttelte skeptisch seinen Kopf.
„Du hast Recht Sammy – du bist kein Baby mehr … aber ein sturer Esel!" erwiderte er rau.

Sam nickte zufrieden und öffnete die Tür.

Widerwillig ließ es Dean zu dass Sam allein im Bad verschwand.

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Der unwiderstehliche Duft von frisch gebrühtem Kaffee lag in der Luft. Sam hatte am Tisch Platz genommen und sah in Deans erwartungsvolle Augen.
Dieser saß Sam gegenüber und konnte es kaum glauben dass sein kleiner Bruder am Tisch saß.
Sam hatte mit beiden Händen den Kaffeebecher umfasst und schlürfte das schwarze belebende Getränk. Sein Blick glitt dabei immer wieder über Deans Gesicht das gezeichnet war von durchwachten Nächten. Unter seinen Augen waren dunkle Schatten und seine unrasierten Stoppeln gaben ihm ein schrecklich verwahrlostes Aussehen.

„Geht es dir gut?" die Frage die Sam seinem Bruder stellte war rhetorisch. Er wusste genau dass Dean wegen ihm kaum ein Auge zugemacht hatte. „Du solltest dich etwas hinlegen Dean – du siehst Müde aus." raunte Sam in seinen Kaffeebecher.
Fassungslos schüttelte Dean seinen Kopf. „Man Sammy! Wichtig ist, dass du wieder auf die Beine kommst. Jetzt hör bloß auf mit diesem Gequatsche"

Tadaaa … plötzlich schob sich ein Teller mit herrlich duftendem Fleisch, Gemüse und Bratkartoffeln direkt unter Sams Nase. Bobby war aus der Kochnische hervorgekommen und präsentierte stolz sein Werk.
Mit einem Schmunzeln blickte ihm Sam ins Gesicht. Bobby sah so … ungewöhnlich gewöhnlich aus – mit einer Grillschürze vor seinem Bauch.
„Guten Appetit Kleiner" Bobby zwinkerte Sam zu. „Es ist alles frisch zubereitet".
Mit strahlenden Augen verfolgte Dean das Geschehen. Dann sagte er keinen Widerspruch duldend zu Sam „Los iss was. Du musst doch hungrig sein wie ein Löwe."
Sam nickte und mit einem schmerzverzogenem Lächeln griff er zum Besteck. „Bobby – du solltest uns öfters begleiten" sagte er und machte sich über das Essen her.

„Man Jungs – mit euch habe ich mir ja was aufgehalst!" sagte Bobby grinsend, dann wendete er sich an Sam und seine Augen wurden feucht. „Es tut mir so leid Sammy – bitte verzeih mir!" Sam nickte nur während er sich, genüsslich kauend seinem Teller zu widmete.

Bobby war gegangen und brachte die anderen zwei Teller an den Tisch. „Euch Hitzköpfe kann man aber auch nicht allein lassen" nuschelte er, und schob einen Teller in Deans Richtung.

„Was ist mit dem Aufhocker?" fragte Sam den letzten Bissen kauend. Irgendwie konnte er sich an den Ausgang der Exkursion zum Blockhaus nicht mehr erinnern.

Dean sah ihn müde an. „Wir haben ihn eingesperrt"
Sams Augen weiteten sich entsetzt. „Er existiert noch?"
„Ja – er ist in der Blockhütte" antwortete Dean ohne ein zweites Mal seinen Kopf zu heben. „Bobby hat ihn in der Küche eingesperrt."

Bobby holte Luft. „Ich weiß nicht wie man ihn töten kann. Wir sollten versuchen ihn zu bannen."
Die Brüder blickten den Alten fragend an.
„Na ja – ich habe eine Fluchkiste gebaut" Bobby zuckte hilflos mit den Schultern. „Momentan ist es das einzige was mir einfällt." sagte er.

„Dieser Aufhocker muss doch irgend einen Ursprung haben" sagte Sam. Sein Gesicht sah müde aus. Das frische Shirt begann schon wieder durch die Hitze im Zimmer auf seiner Haut zu kleben. Der Jüngste stand auf und ging zum Nachttisch um unter den prüfenden Blicken seines Bruders ein kleines Röhrchen mit Tabletten, aus der Schublade zu holen. Rasch warf er sich zwei davon in den Mund und spülte sie mit Wasser runter. Dean sah dass Sam noch unter ziemlichen Schmerzen litt und forderte ihn mit seinem Blick auf sich wieder zu setzten.

„Du hast Recht Sam." antwortete der Alte. „Wenn dieses Ding in Deutschland seinen Ursprung hat muss es eingeschleppt worden sein. Ich habe mir die Chroniken dieser Stadt kopiert und werde nachher die Einwanderungsunterlagen durcharbeiten."

„Wenn es so ist sollten wir schnellstens zur Hütte fahren und die Sache beenden bevor wieder jemanden was passiert." seufzte Sam nachdem er erneut Platz genommen hatte. Er lehnte sich schnaufend zurück um eine Körperhaltung zu finden die dieses nervende Reißen in seinem Brustmuskel aufhob.

Dean holte tief Luft und sah streng in die Augen seines Bruders. „DU! ... Wirst nirgendwo hinfahren Sam – in deinem Zustand bist du mehr als fette Beute für dieses Ding!" Dean schlug warnend mit den Handflächen auf den Tisch. „Wir haben Zeit. Niemand sucht Miller. Also atme mal entspannt durch großer Krieger!" Sein Blick wurde wieder versöhnlicher als er weiter sprach: „Sammy! ... Wir haben dich fast verloren. Ich möchte sowas nicht noch einmal durchmachen. Hörst du! Du solltest ein bisschen vorsichtiger sein." Mit feuchten Augen sah Dean seinen Bruder an.

Sam senkte seinen Blick. Er wusste dass Dean Recht hatte. So angeschlagen wie er war würde er mit Sicherheit mehr im Wege stehen als behilflich zu sein.

„Das ist einfach unglaublich mit euch!" Bobby hatte das Wort ergriffen und sein Blick tadelte die beiden Brüder. Sie wirkten hier im dämmrigen Zimmer wie ein doppeltes Häufchen Elend. „Wir sollten uns alle etwas ausruhen bevor wir uns den nächsten Schritt überlegen - denn tot nützen wir keinem etwas!" Er griff nach den Tellern um sie ab zu räumen. „Ihr werdet jetzt beide etwas schlafen!" sein Blick traf keinen Widerspruch duldend auf die Jäger, die seine Beharrlichkeit bereitwillig akzeptierten.

*** *** ***

Die Stille im Zimmer wurde durch ein gleichmäßiges leises Atmen unterbrochen. Bobby hatte sich nachdem er abgewaschen hatte an den Tisch gesetzt um die Chronik der Stadt zu lesen. Es fiel ihm schwer im schummrigen Licht den Buchstaben zu folgen.
Er seufzte und sein Blick streifte durch das Zimmer. Dann stand er auf und war mit wenigen Schritten im schmalen Durchgangsstreifen der beiden Betten im Zimmer angelangt. Er beobachte mit einem bitteren Lächeln die jungen Winschesters, die rechts und links von ihm, leise schnaufend ins Land der Träume abgetaucht waren.
Ein liebevolles Lächeln schlich über sein Gesicht als er sich einen Stuhl nahm und ihn zwischen den Betten platzierte. Erneut sah er auf die Jungs. Ihre ausgezehrten Körper hatten den nötigen Schlaf nicht lange abwehren können. Schwer wie Blei lagen sie auf den Kissen und wirkten so verletzlich.
Bobby streckte sich auf seinem Stuhl und genoss den Frieden, der – und das wusste Bobby – nur für kurze Zeit hier Einzug gehalten hatte.

Das Schicksal hatte ihm eine eigene Familie verwehrt – und doch hatte er auf seinem schmerzreichen Weg als Jäger zwei Söhne gefunden die ihm ans Herz gewachsen waren.

Bobby würde ihnen beistehen – egal was kommen würde, denn er fühlte es: Familie hört nicht beim Blute auf.

**** Fortsetzung folgt ****

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