Kapitel 9: Going through the motions
Ja ich finde es etwas verwirrend xD Ich hoffe, ihr blickt da noch durch xD und findet es nicht ganz so schlecht^^
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Mittlerweile war es tiefste Nacht. Ich lag noch immer auf dem Boden und hatte mich seit Stunden nicht gerührt.
Ich war einfach erstarrt.
Ich fühlte eine Kälte in mir, wie ich sie noch nie gefühlt hatte.
Ich wusste aber auch, dass ich nicht den Rest meines Lebens hier liegen konnte.
Aber, dachte ich mir, warum eigentlich nicht?
Wer würde mich schon vermissen? Niemand.
Vielleicht ein paar Leute aus der SVU.
Wie Fin, Munch, Casey,… nein, auch sie standen wahrscheinlich schon im Bann von dieser tollen Shila.
Meine Tränen waren versiegt.
Es war, als wäre kein einziger Tropfen mehr in mir vorhanden.
Ich brachte alle Kraft auf, die ich noch besaß und erhob mich vom Boden.
Unfähig irgendetwas Sinnvolles zu machen, ging ich in die Küche.
Ich hatte hunger, wusste aber, ich würde keinen Bissen runter bekommen.
Alle meine Gedanken waren weg.
Ich dachte weder an Elliot noch an sonst jemanden.
Ich probierte, einfach weiter zu leben.
In der Küche angekommen, zog ich das Schubfach mit dem Besteck auf.
Eine Scheibe Brot würde mir gut tun.
Als ich das Messer sah, mein scharfes Brotschneidemesser, sein funkeln, sein glitzern, waren jegliche Gedanken wie ausgelöscht.
Ohne zu wissen was ich tat, nahm ich das Messer an seiner Klinge aus dem Schubfach.
Ich spürte die Klinge in meiner Handfläche.
Sie fühlte sich kühl an.
Genauso wie mein Herz.
Ich trat einen Schritt zurück und schaute dabei die ganze Zeit auf das Messer in meiner Hand.
Normalerweise nahm ich meine Messer immer mit dem Griff zuerst in die Hand, aber dieser Moment, die Atmosphäre, alles war anders.
Es fühlte sich falsch an, doch ich wusste auch, es war für mich richtig.
Ich drückte zu, meine Hand schloss sich enger um das Messer.
Den Schmerz den ich darauf fühlte, nahm ich als angenehm wahr.
Er verdrängte meine Sorgen.
Ich spürte warmes Blut, welches anfing, an meinem Arm herabzulaufen.
Es war ein gutes Gefühl, welches sich nicht beschreiben lies.
Ich kam mir schuldig vor. Dreckig.
Aber ich wusste, es tat mir gut.
Ich drückte noch etwas fester zu und ging mit dem Messer in meiner Hand ins Wohnzimmer.
Ich hinterließ einige Blutstropfen auf dem Boden.
Mir war das in diesem Moment reichlich egal.
Ich blieb an einem kleinen Schrank stehen.
Auf diesem Schrank standen verschiedene Gegenstände, wie Vasen, Bilder, ein Aschenbecher.
Ich fragte mich, wie der Aschenbecher dort hingelangt war.
Ohne zu registrieren was ich tat, nahm ich das Messer richtig in meine andere Hand und schnitt mir in den Unterarm.
Ein tiefer Schnitt.
Es blutete stark, aber das war mir egal.
Es befreite mich, ich konnte wieder atmen.
Ich wusste nicht, warum ich das tat.
Es war einfach da, dieses Gefühl.
Ich hatte meine Pulsader nicht getroffen.
Das wollte ich auch nicht, mich umbringen.
Nie im Leben.
Nicht wegen Elliot!
Es tat schlicht und einfach nur gut.
Das Blut floss an meinem Arm herunter und vermischte sich mit dem aus meiner Handfläche.
Ich hätte nie gedacht, dass ich mich zu so etwas herablasse.
Nur wusste ich gerade keine andere Lösung meinen Schmerz herauszulassen.
Es lenkte mich ab.
Der Schmerz, den ich durch den Schnitt hatte, verflog jedoch wieder schnell.
Der seelische Schmerz gewann erneut die überhand.
Trotzdem tat ich nichts dagegen, um die Wunde zu stoppen.
Stattdessen öffnete ich die oberste Schublade, in der sich viele Fotos befanden.
Als sie offen war, blickte mir ein Foto von Elliot entgegen.
Aufgenommen vor drei Jahren.
Es war eines meiner Lieblingsbilder.
Auf einer Weihnachtsfeier.
Ich erinnerte mich genau daran.
Sein Hemd war mit Ketschup oder ähnlichem bekleckert gewesen und seine Krawatte hing ziemlich chaotisch an seinem Hals.
Sein Lächeln war echt. Voller Freude.
Er war damals schon halb betrunken gewesen und kam auf mich zugerannt, wollte mir die Kamera abknöpfen.
Ich war jedoch schneller und drückte ab, bevor er mich auch nur erreichen konnte.
Danach landeten wir beide lachend auf dem Boden und der drohte mir, wenn ich dieses Foto jemanden zeigen sollte, würde ich mir das nie verzeihen können.
Ich hatte es nie jemanden gezeigt.
Jedoch hatte ich es immer aufgehoben.
Es heiterte mich auf, in guten wie auch in schlechten Zeiten.
Ich hatte es mir oft angeschaut.
Doch jetzt kam mir sein lachen darauf falsch und kalt vor.
Genau so wie der damalige Moment.
Alles nur vorgespielt.
Nichts davon war wahrscheinlich wahr gewesen.
Wie hatte ich mich nur so täuschen können.
Sowas durfte mir nie wieder passieren.
Ich schaute das Bild noch einige Sekunden länger an und ehe ich mich versah, nahm ich es in meine blutige Handfläche und zerknüllte es.
Doch das reichte mir nicht.
Ich faltete es wieder auseinander und Elliot sah nun reichlich lädiert aus.
Ich legte das Foto mit der Oberseite sanft auf den Schrank.
Er ging mir bis zur Schulter, so dass ich raufschauen konnte.
Ich blickte noch einige Sekunden auf das zerknitterte, blutverschmierte Bild und stieß darauf mit wutverzerrtem Gesicht das Messer genau in Elliot hinein.
Es steckte nun im Schrank, doch auch in Elliot.
Das reichte mir jedoch nicht.
Ich konnte nicht aufhören und fegte mit einem mal alles was sich auf dem Schrank befand, bis auf das Messer, auf den Boden.
Es schlug mit lautem Klirren auf.
Ich drehte mich um meine eigene Achse und überlegte fieberhaft, was als nächstes dran glauben musste.
Ich riss das Schubfach mit den Fotos aus seiner Verankerung und verteilte alle auf dem Boden.
Aus dem Augenwinkel sah ich meine Bilder an der Wand.
In den schönen Bilderrahmen.
Ich ging schnell auf die Wand zu und schmiss jedes Bild einzeln runter.
Das Glas der Bilderrahmen zersplitterte und flog in alle Richtungen.
Ich war froh, dass ich immer noch meine Schuhe trug und ich nicht mit meinen Füßen auf das Glas trat.
Ohne jedoch weiter auf den Schaden zu achten, lief ich schnell durch mein Wohnzimmer und versetzte es in absolutes Chaos.
Ich räumte alles was lose rum stand einfach aus dem Weg.
Ob Kerzenständer, Lampen
Ich schmiss den Tisch um, noch mehr Glas landete auf dem Boden.
Als ich vor meiner Couch stand, konnte ich nicht mehr.
Ich sah Elliot darauf sitzen.
Wie oft war er bei mir gewesen.
Hatte mir geholfen, mir beigestanden.
Vielleicht war auch das nur gespielt gewesen und jemand hatte ihn geschickt, oder er hatte ein schlechtes Gewissen gehabt.
Obwohl, der und ein schlechtes Gewissen? Wohl kaum.
Ich lies mich auf die Knie fallen und meine beiden Arme landeten ausgestreckt auf der Couch.
Mein rechter Arm blutete immer noch stark und ich hinterließ einen großen, roten Fleck auf dem Polster.
Ich fing wieder an zu weinen und schluchzte in mich hinein.
So konnte das nicht weitergehen.
Ich stand auf und wischte mir mit der gesunden Hand die Tränen weg und ging über das Chaos ins Bad.
Ich suchte das Desinfektionsmittel und meinem ersten Hilfekasten.
Nach dem ich meine Wunden desinfiziert hatte, wickelte ich mir einen dicken Verband um Hand und Unterarm und nahm mir zwei weitere Mullbinden mit.
Ich rannte daraufhin in mein Schlafzimmer und suchte einen Rucksack.
Ich wusste, ich hatte irgendwo noch einen alten rumliegen.
Nach kurzem Suchen fand ich ihn auch.
Eigentlich sah er total hässlich aus, die Farbe erinnerte mich an eine Mischung aus Erbrochenem und dem Durchfall eines Babys.
Wo hatte ich bitte diesen Rucksack her?
Ich konnte mir nicht vorstellen, ihn selber gekauft zu haben.
In aller Eile packte ich die beiden frischen Verbände und das nötigste ein, was man so brauchte.
Ausweise, Geld, frische Sachen und andere Kleinigkeiten.
Alles war schnell gepackt.
Mein rechter Arm pochte stark.
Ich hatte ihn die ganze Zeit genutzt und ihm keine Pause gegönnt.
Ich ging mit dem Rucksack zu meiner Wohnungstür und zog meine Jacke an.
Ich schmiss mir den Rucksack über die Schulter und als ich die Tür aufmachte, hörte ich unten Polizeisirenen.
Wahrscheinlich hatte jemand wegen dem Krach in meiner Wohnung die Polizei gerufen.
Es war jedenfalls nicht der Ton, den die SVU ausmachte.
Ein Glück.
Ohne meinen Schlüssel verließ ich die Wohnung und trat auf den Flur hinaus.
Ich schlug die Tür hinter mir zu und ging in Richtung des Hinterausganges, in der Hoffnung, die Polizei kam durch den Vordereingang.
Ich hatte es geschafft.
Ich ließ mein altes Leben hinter mir und machte mich auf den Weg in ein, hoffentlich, besseres Leben.
…
2 Tage später
…
„Und hast du schon was neues gehört?"
Casey stand direkt vor Elliot, der an seinem Schreibtisch hockte und Akten wälzte.
„Nein."
Elliot seufzte einmal tief und blickte daraufhin zu Casey auf.
„Sie kann nicht spurlos verschwunden sein. Sie muss einfach irgendwo sein. Wahrscheinlich hat sie die Stadt verlassen."
Casey blickte Elliot fragend an und er stimmte ihrer Theorie wortlos zu.
„Ihre Wohnung sah zwar aus wie ein Schlachtfeld, aber die Untersuchung des Blutes und anderer Fasern stammte nur von ihrer DNA, also kann sie keinem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sein."
Elliot hörte stumm zu und blätterte dabei weiter in seinen Unterlagen, als würde ihn das alles nichts angehen.
„Mein Gott Elliot, wie kannst du nur so abgebrüht sein? Olivia ist verschwunden und du bist Schuld!"
Nun schaute Elliot doch zu Casey auf und zog sie am Arm abwärts, auf den Stuhl, der neben seinem Schreibtisch stand.
Casey lies ein „huch" hören und fiel mit einem plumpsen auf den Stuhl.
„Casey, wenn du mir jetzt nicht sofort erklärst, warum ich Schuld bin und du mir lieber noch weitere fünfzig mal vorwirfst, dass ich Schuld bin, dann raste ich aus!"
Elliot schlug mit der flachen Hand auf den Tisch und in seinen Augen lag blanke Wut.
Casey ließ sich davon jedoch nicht einschüchtern und blitze ihn verächtlich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Hast du dich vielleicht ein einziges Mal gefragt, warum das Messer in deinem Foto steckte und nicht in einem von mir, oder Fin, oder sonst irgendjemanden?"
Shila, die die ganze Zeit gegenüber von Elliot saß, lächelte stillschweigend in sich hinein.
Elliot bemerkte ihren kurzen Blick jedoch, stand auf und zog Casey am Arm mit sich in eine stillere Ecke des Raumes.
Wenn man überhaupt von einer Stillen Ecke sprechen konnte.
Überall im Raum rannten Detectives und andere umher, da die SVU gerade in einem schwierigen Fall steckte.
Elliot ließ sich jedoch davon nicht abhalten, Casey noch einmal zu bitten, ihm endlich zu sagen, was los wäre.
„Das müsste ich eher dich fragen. Weißt du wie Olivia sich gefühlt hat, dass du die ganzen drei Wochen nicht einmal bei ihr im Krankenhaus warst?"
Casey schaute herausfordernd zu Elliot.
Dieser blickte jedoch erstaunt zu der Staatsanwältin.
„Was bitte?"
Elliots erstaunter Ausdruck verriet, dass er sich nicht denken konnte, was Casey ihm sagen wollte.
„Sprech ich Chinesisch rückwärts?", fragte sie ihn sarkastisch. „Oder bist du nur schwer von Begriff?"
„Liv wollte mich nicht mehr sehen. Also habe ich ihren Wunsch respektiert und bin sie nicht mehr besuchen gegangen."
Casey wusste nicht, was sie darauf sagen sollte.
Ihr Mund klappte auf und zu, wie bei einem Fisch, der auf dem Trockenen gelandet war.
„Wo hast du bitte diese Information her?", fragte sie ihn schließlich.
„Von Shila", antwortete er, ohne zu überlegen.
Casey lachte laut los und zog damit einige Blicke auf sich.
„Das ist jetzt nicht dein ernst", fragte sie ihn, jedoch war es eher eine Feststellung, als eine Frage.
Elliot sah Casey an, als wenn er gerade das natürlichste der Welt von sich gegeben hätte.
„Doch. Sie sollte mir ausrichten, dass Olivia sich erst über ihre Gefühle klar werden muss und mich nicht mehr sehen will."
Casey lachte erneut los.
Sie konnte es einfach nicht fassen, was sie dort von Elliot hörte.
„Sag mal bist du wirklich so dämlich?", fragte sie ihn anstachelnd.
„Sie ist eine hinterlistige, falsche Schlange, die dich und Olivia gegeneinander ausspielt. Merkst du denn nicht, wie sie dich und ihre neue Stelle anhimmelt? Sie will Olivias Platz einnehmen, an deiner Seite! Und du bist zu blind, dass zu merken. Ich fass das nicht. Was ist nur mit euch Männern los?"
Casey hätte gerne noch weitere Bemerkungen fallen gelassen, doch die beiden wurden von Munch unterbrochen.
„Elliot, Casey, könntet ihr nachher weiter streiten und euch das mal ansehen?"
Munch, der vor den Monitoren stand, blickte die beiden durch seine verdunkelte Brille erwartungsvoll an.
Casey schaute noch einmal kurz zu Elliot und dieser erwiderte ihren Blick mit starren Augen.
Ohne irgendetwas zu sagen, gingen die beiden gemeinsam zu Munch und Fin.
„Was gibt's denn?", fragte Casey Munch.
„Kannst du das verwenden?", antwortete Fin mit einer Gegenfrage.
Casey schaute gebannt auf die Monitore.
Soweit sie alles richtig verstanden hatte, hatten die beiden eine Website von ihrem jüngsten Verdächtigen gefunden, auf dem pornographische Filme zu sehen waren.
Der Verdächtige selbst war der Hauptdarsteller, der auf allen Filmen als Vergewaltiger zu sehen war.
„Die Seite wird als „sehenswert" beschrieben", berichtete Munch.
„Also ich weiß nicht, was daran sehenswert sein soll, aber ich glaube, wir haben den Fall schon so gut wie gewonnen."
Casey lächelte die beiden Männer an und lobte sie: „Gute Arbeit Jungs."
„Ihr könnt euch dann weiter streiten gehen", teilte Munch den beiden mit.
Casey blickte erwartungsvoll auf Elliot, doch keiner der drei hatte mitbekommen, dass er keinem zuhörte, sondern ganz gebannt auf einen der Monitore starrte.
„Hey Elliot", probierte Munch seine Aufmerksamkeit zu erregen, jedoch ohne Erfolg.
„Was hat er denn?", fragte Fin die anderen beiden, doch Casey und Munch konnten nur mit ihren Schultern zucken und ratlos zu Elliot schauen.
Die drei starrten ein paar weitere Sekunden auf Elliot, als dieser plötzlich Fin aufforderte: „Fin, klicke bitte sofort das unterste Video auf der rechten Seite an."
„Ich versteh zwar nicht, was…", setzte Fin an, wurde jedoch barsch von Elliot unterbrochen.
„Tu es verdammt nochmal einfach!"
„Schon gut, man", brummte Fin zurück und tat, wie ihm aufgetragen wurde.
Die Seite war so aufgebaut worden, dass fast auf dem ganzen Monitor das Video zu sehen war, welches gerade lief.
Über dem Video befand sich der Titel und neben dem Video befanden sich untereinander sechs weitere, zufällig ausgewählte Videos.
Fin klickte das letzte Video in der Reihe an und es öffnete sich nun an der Stelle, wo vorher noch das andere Video gelaufen war.
Zuerst sahen alle Anwesenden nur schwarz, denn das Video musste erst vollständig laden, was aber innerhalb von ein paar Sekunden abgeschlossen war.
Als der Film anfing, stockte allen Zuschauern der Atem.
Sie sahen Olivia.
Sie stand neben einer alten, verstaubten Matratze und schaute angstvoll in eine Richtung.
Sie hatte noch genau dieselben Sachen an, mit der Casey sie aus dem Krankenhaus abgeholt hatte.
Auf einmal schrie Olivia ängstlich auf und eine Gestalt eines Mannes, die sich als ihr Verdächtiger herausstelle, kam mit einem Messer bedrohend auf sie zu.
Olivia probierte nach ihm zu schlagen und dem Messer oder seinen Händen auszuweichen, was ihr aber nicht gelang.
Der Typ warf sie auf die staubige, alte Matratze, die sich in einem Keller oder ähnlichem befand und schmiss sich auf sie.
Olivia schrie um Hilfe und strampelte, was das Zeug hielt.
Ihr Angreifer war jedoch stärker und zerschnitt ihr Oberteil mit seinem Messer.
Die vier hörten Olivia schreien, er solle aufhören und erneute Hilferufe.
Fin schluckte schwer.
Er hatte damals nicht genau mitbekommen, was dort unten im Keller, in Sealview, passiert war, aber er hatte sich damals alles genau angesehen und auch diese alte Matratze entdeckt.
Er konnte sich bestens vorstellen, was Olivia dort gerade wieder durchmachen musste.
Doch diesmal blieb es nicht nur bei der Angst, diesmal wurde es die bittere Realität und er konnte nichts mehr tun, außer zusehen.
Der Kerl war nun soweit, dass er Olivias BH einmal in der Mitte durchschnitt und danach das Messer beiseite warf.
Er konnte sich jedoch mit bloßen Händen gegen sie aufbäumen.
Olivia schrie immer weiter, bis der Typ sie mitten ins Gesicht schlug.
Olivia war für kurze Zeit wie betäubt und fing danach an zu Wimmern.
„Dich hört hier niemand Schätzchen", erklärte der Kerl ihr gerade.
Eine seiner Hände wanderte weiter zu Olivias Hose und das war der Moment, in dem Casey sich umdrehte und flehte: „Macht das aus, ich kann mir das nicht ansehen."
Fin kam ihrem Wunsch nach und stellte das Video auf Stop.
Casey musterte Elliot, als sie sich umgedreht hatte und was sie sah, ließ sie fast in Angst ausbrechen.
Elliots Gesichtsausdruck war eiskalt.
Es regte sich kein Muskel.
Aber was sie in seinen Augen erblickte, war eine Mischung aus purer Mordlust, Wut, Verachtung, Besorgnis und eine Spur aus schlechtem Gewissen.
Am meisten machte ihr aber dieses gefährliche Glitzern nach Rache Sorgen.
Seine Hände hatte er zu Fäusten geballt und seine Fingerknöchel traten weiß hervor.
Sie hoffte, Elliot würde keine unbedachten Handlungen begehen.
Ehe sie ihn darauf ansprechen konnte, drehte er sich um und ging direkt auf Shila zu.
Als er vor ihr angekommen war, blieb er stehen und betrachtete sie finster.
Shila blickte zu ihm auf und schaute ihn fragend an.
Ehe sich überhaupt jemand äußern konnte, hob Elliot seine Hand und schlug Shila mitten ins Gesicht.
Ihr Gesicht wurde nach links geworfen und als sie wieder hochblickte, kam Blut aus ihrer Nase.
Und damit haben die unbedachten Handlungen angefangen, dachte Casey bei sich.
„Du hinterhältiges, kleines Miststück", redete er sie an.
Sein Gesichtsausdruck blieb unverändert, als er sie weiter ansah.
Shilas Hand wanderte zu ihrer Nase und sie bemerkte das Blut.
Alle Blicke im Raum richteten sich auf die beiden.
Man konnte jedes einzelne Geräusch, welches von keinem der Personen im Raum stammte, gezielt hören und feststellen, aus welcher Richtung es kam.
Shila stand auf um Elliot besser in die Augen sehen zu können.
Sie kam ganz nah an sein Gesicht heran und er sagte ihr im flüstern: „Verschwinde aus meinem Leben."
Shila kam noch näher und drückte Elliot ihre Lippen auf seine.
Es war nur ein Bruchteil der Sekunde, in der Elliot nicht sofort reagierte und damit den Kampf gegen Shilas Kuss verlor.
Als sie sich wieder von ihm löste, flüsterte sie in sein Ohr: „Jetzt hab ich Olivia wenigstens die Wahrheit gesagt."
Elliot musterte sie einfach nur und versuchte sich verzweifelt nicht die Beherrschung zu verlieren.
Er war sichtlich dankbar, als Shila kehrt machte und in Richtung des Ausganges lief.
Als Shila weg war und Elliot immer noch wie versteinert dastand, ging Casey auf ihn zu und probierte ihm mit einem liebgemeinten „Hey" ihre Hand auf seine Schulter zu legen, doch Elliot schüttelte sie ab und begab sich ebenfalls in Richtung des Ausganges.
…
2 Tage zuvor
…
Olivia saß verzweifelt in einer belebten Bar am Tresen.
Sie hatte keinen Platz zum übernachten bekommen und überlegte nun fieberhaft, wo sie die Nacht verbringen sollte.
Sie sah auch nicht sonderlich gepflegt aus, was wahrscheinlich den einen Hotelbesitzer davon abgehalten hatte, ihr ein Zimmer zu vermieten.
Oder es lag an ihrem Rucksack.
Olivia hoffte jedenfalls, dass sie nicht ganz verkommen aussah.
Sie war mittlerweile bei ihrem fünften Bier angekommen und ertränkte ihre Sorgen sichtlich in dem Alkohol.
Als sie sich gerade dazu entschlossen hatte zu gehen, denn ihr Bier war leer, gesellte sich ein gut aussehender Mann zu ihr, der sich als Larry Harris vorstellte und Olivia fragte, was so eine hübsche Frau ganz alleine in dieser Nacht hier zu suchen hatte.
Olivia fühlte sich sofort geborgen bei ihm.
Sie wusste nicht, ob es an dem Alkohol lag oder ihr der Typ wirklich sympathisch war.
Er
gab ihr ein Bier nach dem anderen aus und aus Olivias
Anfangsschüchternheit, wurde bald ein richtiges Gespräch.
Irgendwann erzählte sie ihm von ihren Sorgen, dass sie ein neues
Leben Anfangen wollte und diese Nacht keine Möglichkeit hatte,
irgendwo zu übernachten.
Glücklicherweise bot Larry ihr an, bei ihm die Nacht zu verbringen, ohne Gegenleistung.
Er versicherte ihr, sie einfach nur bei ihm übernachten zu lassen.
Olivia nahm das Angebot dankend an und die beiden machten sich nach einem schönen gemeinsamen Abend, auf zu Larry Harris Wohnung.
…
Wieder in der Gegenwart
…
Elliot hatte sich in sein Auto gesetzt und fuhr nun ziellos durch die Gegend.
Er hatte keinen genauen Plan, er wusste nur, er musste diesen Harris finden.
Am allerliebsten wollte er aber Olivia finden, ihr beistehen, sich entschuldigen.
Was hatte er nur getan?
Er hatte Shila geglaubt.
Olivias damalige Verfassung war wirklich nicht besonderlich gut gewesen und nach ihrem „Verschwindet", welches sie allen an den Kopf geworfen hatte, hatte er diesem Miststück von Shila wirklich Glauben geschenkt und Olivia in Ruhe gelassen.
Sie klang so glaubwürdig.
Er hatte sich daraufhin mit Shila gemeinsam in die verschiedensten Fälle gestürzt, sich abgelenkt, seine Freizeit mit seinen Kindern verbracht und doch waren seine Gedanken immer wieder zu Olivia zurück gewandert.
Nun fragte er sich, wieso er sie nur einfach nicht besuchen gegangen ist.
Er hätte nicht so blauäugig sein dürfen und hätte wissen müssen, dass er Olivia selber hätte fragen sollen.
Sie war seit so vielen Jahren seine Partnerin gewesen.
Sie waren durch Höhen und Tiefen gegangen und dann kam eine gutaussehende Frau als Ersatz und was tat er?
Ihr Glauben, sie wisse besser über Olivia Bescheid als er.
Es war absolut lächerlich.
Er war nicht einmal auf die Idee gekommen Casey, Fin oder jemand anderen zu fragen, wie es ihr ginge.
Einfach lächerlich.
Lächerlich, lächerlich, lächerlich.
Dieses Wort hallte in seinem Kopf wieder, wie ein schlechter Traum.
Obwohl, er befand sich gerade in einem schlechten Traum, einem Alptraum.
Er betete zu Gott, dass Olivia noch lebte.
Wiederrum hatte Harris bis jetzt keines seiner Opfer umgebracht.
Doch wer wusste schon, wo Olivia gerade steckte.
Wie war sie nur an diesen Kerl geraten?
Sie war ein Cop und kannte sich mit sowas aus.
Und was hatte Shila mit ihrem Satz vorhin gemeint?
Welche Wahrheit hatte sie Olivia erzählt?
Wäre nicht so eine furchtbare Wut vorhin in seinem Bauch gewesen und wären nicht so viele Zuschauer dagewesen, hätte er alles aus Shila rausbekommen.
Da war er sich sicher.
Casey hatte recht gehabt, er war schlicht und einfach nur dämlich.
Mit weiteren negativen Feststellungen über sich, fuhr er unaufhaltsam weiter.
Er hatte keinen Anhaltspunkt, wo er suchen sollte.
Niemand wusste, wo er war.
Vielleicht hätte er sich Verstärkung mitnehmen sollen.
Vier Augen sahen mehr als zwei.
Plötzlich drang ein schriller Ton an sein Ohr, welches sich als das Klingeln seines Handys entpuppte.
Ohne auf das Display zu achten, ging er mit einem unfreundlichen „Stabler" ran und Fin meldete sich am anderen Ende der Leitung.
„Elliot,
wir haben Harris. Er war so nett und ist uns vor irgendeinem
Apartment, welches hier in der Nähe ist, in die Arme gelaufen. Ich
glaube, er wollte gerade fliehen, denn das Auto, in welches er
steigen wollte, war nicht seins. Munch verhört ihn gerade und alles
was wir bis jetzt wissen, dass er behauptet, Olivia wollte es
so."
„Ok danke, ich bin sofort bei euch."
Elliot legte auf und wendete in einem rasanten Manöver, welches die Autos in seiner Umgebung zum Anhalten zwang und ein lautstarkes Hupkonzert startete.
Er achtete jedoch nicht darauf, stellte die Sirene an und raste weiter in Richtung des SVU Gebäudes.
…
Wenige Minuten später hielt er mit sehr abrupten Bremsen vor der SVU und rannte in das Gebäude hinein.
Oben angelangt stürmte er sofort weiter zum Verhörraum und bat den Captain, der davor stand, mit rein zu dürfen.
„Schicken sie Munch raus. Wir brauchen ihn hier."
Elliot nickte und öffnete die Tür.
Die beiden Männer im Raum sahen Elliot erwartungsvoll an und Elliot erklärte Munch: „Der Captain braucht dich. Ich übernehme."
Munch nickte und als er an Elliot vorbei ging, raunte er ihm zu: „Lass ihn am Leben."
Als die Tür hinter den beiden zuschlug, ging Elliot mit langsamen Schritten auf Harris zu und blieb direkt neben ihm stehen.
„Wo ist sie?", fragte er ohne ein weiteres Wort zu verschwenden.
„Wen meinen Sie mit sie?" Harris lächelte hinterlistig.
Bevor Elliot in den Raum gerannt war, hatte er die Beweisbilder, die jemand von Harris und Olivia ausgedruckt hatte, von der Wand gerissen und mitgenommen.
Er schmiss die Bilder vor ihn auf den Tisch und blickte Harris Finster an.
„Ach diese kleine Schnecke. War lustig mit ihr."
Elliots Wut kam so schnell zurück, wie es noch nie geschehen war.
„Wo ist sie?", wiederholte er seine Frage auffordernd.
„Ich hab sie irgendwann in der nächsten Nacht wieder nach Hause gebracht."
„Warum kaufe ich Ihnen das nur nicht ab?", fragte Elliot ihn sarkastisch.
„Das frage ich mich allerdings auch. Ich verstehe es nicht. Es war ein Abenteuer für uns beide, sie wollte es. Also warum halten sie mich hier fest?"
Elliots Wut stieg ins unermessliche.
Er wusste genau, wenn er nicht sofort hier raus gehen würde, würde es nicht gut enden.
Doch dies war ihm egal. Wenn es sein musste, würde er ihn umbringen.
„Wo haben Sie sie hingebracht??" Elliots Fragen wurden nun drängender, die außerdem darauf hinwiesen, dass er keinen Spaß mehr verstand.
„Ist sie Ihre Freundin? Oder warum machen Sie solch einen Aufstand?"
Elliot starrte Harris nur weiterhin an, ohne mit der Wimper zu zucken.
„Wissen Sie, wie sie um Hilfe geschrien hat, wie ein kleines Mädchen, was nach ihrer Mama ruft. Das hat mich erst richtig in Fahrt gebracht. Ihre Haut war so weich, richtig süß sah sie aus. Es war eigentlich viel zu schade, um sie wieder gehen zu lassen. Sind sie schon mal mit ihr im Bett gelandet? Sie geht ab wie eine Rakete, ich kann es nur empfehlen. Und dazu noch diese Tränen, die…"
Weitere Informationen konnte er nicht mehr rausrücken, denn Elliot schlug auf Harris ein.
Erst nur mit der Hand, doch als Harris vom Stuhl fiel, trat Elliot auch nach ihm und beugte sich darauf hin zu ihm runter, um ihn weiter mit der Faust zu bearbeiten.
Daraufhin riss er ihn hoch und schleifte ihn zur Wand.
Elliot wollte ihn gegen die Wand drücken, doch er legte etwas zu viel Kraft mit rein und Harris Kopf schlug hart gegen den Stein.
Elliot gefiel das. Er wollte Harris wehtun, wollte sich rächen.
Dafür, was er Olivia angetan hatte.
Doch tief im Inneren wollte Elliot, dass Harris zurück schlug.
Das hätte ihm einen Grund gegeben, seine Wut noch mehr herauszulassen.
Allerdings leistete Harris kaum Widerstand, so dass Elliot vermutete, er machte das mit den Frauen, weil er schwach war, zu schwach um sich gegen einen Mann zu wehren.
Bevor Elliot weiteren Schaden anrichten konnte, wurde die Tür aufgerissen und Cragen kam herein gerannt um Elliot von Harris wegzuziehen.
„Aufhören! Sofort!", schrie er Elliot an.
Dieser rebellierte noch kurz und ließ dann von Harris ab.
Harris blutete aus der Nase, aus dem Mund und leicht am Hinterkopf. Er rang keuchend nach Luft.
Er spuckte Blut auf den Boden und befahl Cragen: „Sie sollten ihn feuern. Dieser Cop ist unzuverlässig."
Bevor Elliot oder Cragen etwas sagen konnten, kam Casey in den Raum gestürzt.
„Kommt schnell!"
Cragen und Elliot drehten sich um und rannten aus dem Raum und Cragen schlug die Tür hinter sich zu.
Casey führte die beiden in ihr Büro, wo der Fernseher lief und eine Liveübertragung von irgendwo gesendet wurde.
Jedoch schenkte sie dem Fernseher keine Beachtung und reichte Cragen den Telefonhörer.
Bevor er den Hörer ans Ohr hielt, flüsterte Casey ihm zu: „Sie haben Olivia."
Cragen schaute überrascht auf Casey und wendete sich mit einem „Cragen" an seinen Gesprächspartner.
Elliot zog Casey zu sich heran und flüsterte ihr ins Ohr: „Wie meinst du das? Sie haben Olivia? Wer ist sie? Und wo ist Liv?"
„Irgendeine Polizeistation in Hartford. Olivia kam vor kurzen in ihr Revier. Sie wollte mit niemanden reden. Sie haben ihren Ausweis in ihrer Taschen gefunden und meine Telefonnummer."
Casey wendete sich ab, um den Telefongespräch zu lauschen, welches Cragen gerade mit dem Typen führte, mit dem Casey eben noch geredet hatte.
„Ok, behalten Sie Detective Benson bei Ihnen."…."Ja. Wir wissen Bescheid. Wir kümmern uns darum."…"Ich danke Ihnen für den Anruf."
Cragen legte sachte den Telefonhörer zurück auf die Ladestation und informierte daraufhin seine beiden Mitarbeiter: „Sie ist in Hartford. Im 69ten. Sie wirkt verstört und redet mit keinem. Wir werden jemanden hinschicken, der sie abholt und…"
Elliot schaute noch einmal kurz auf Casey und Cragen, drehte sich um und rannte erneut zum Auto.
Er wollte auf dem schnellsten Wege nach Hartford kommen.
Nein nicht irgendein anderer Detective oder sonst wer, würde sie abholen.
Er hatte einiges bei ihr gut zu machen.
Er wollte sie beschützen.
Sie wurde genug verletzt.
Ob der Captain was anderes vorgehabt hatte, war ihm egal. Ihn hielt keiner mehr auf.
…
Im Auto gingen Elliot die verschiedensten Gedanken durch den Kopf.
Warum war niemanden aufgefallen, wie verängstigt und panisch Olivia aussah?
Warum musste sie erst alleine bis zu einer Polizeistation laufen?
Elliot dachte sich, dass Olivia vor Harris geflohen war.
Nur warum war Harris hier in New York, während Olivia ihn Hartford war?
Elliot hätte vermuten können, Harris wollte sie mit dem Fahrzeug, welches er gerade stehlen wollte, suchen, aber er war zwei bis drei Fahrstunden von ihr weg gewesen.
Das ergab alles keinen Sinn.
Elliot drückte aufs Gaspedal.
Dank seiner Sirene wichen ihm die anderen Autos aus und er wusste, er würde keine zwei Stunden brauchen.
Die Fahrt zog sich jedoch für ihn hin, wie eine, nein zwei Ewigkeiten.
Elliot stellte seinen Gefühle auf Eis.
Sonst würde er vermutlich noch einen Unfall bauen, sollte ihm jemand nicht schnell genug ausweichen.
Seine Gedanken blockierte er ebenfalls.
Das Einzigste, worauf er sich noch konzentrierte, war, dass er auf dem schnellsten Wege zu Olivia kam.
…
In einer neuen Rekordzeit von nicht mal zwei Stunden, hielt Elliot mit quietschenden Reifen vor dem von Cragen genannten Revier.
Er hatte nicht gewusst, wie er hier her gelangt wäre, jedoch war Fin so freundlich, ihm eine Wegbeschreibung zu geben, nach dem Elliot Hartford erreicht hatte.
Sobald das Auto stand und Elliot den Motor abgeschaltete hatte, riss er seine Tür auf, stieg aus, schmiss sie genauso schwungvoll wieder zu und verriegelte das Auto.
Ohne weiter die Zeit zu verschwenden, rannte er in das Gebäude hinein und fasst in eine Angestellte, die gerade hinaus treten wollte.
Elliot entschuldigte sich nicht einmal, sondern schritt eifrig auf die Anmeldung zu.
Die Polizeistation sah recht lächerlich und spärlich eingerichtet aus.
So stellte er sich eine Polizeistation in schlechten Filmen vor.
Keine richtige Ausstattung, die Farbe blättere von den Wänden ab, eine fast eingegangene Pflanze stand mitten im Raum.
Wahrscheinlich sollte sie etwas Leben hier rein bringen, aber bei dieser Atmosphäre wäre Elliot auch lieber eingegangen.
Der dicke Polizist, wenn dies überhaupt ein Polizist war, hinter seinem Block, blickte gelangweilt auf, als Elliot vor ihm stand.
Kein Wunder, dachte er bei sich, dass Olivia nicht mit denen reden wollte.
„Kann ich Ihnen helfen?", fragte der Typ gelangweilt.
„Ich bin wegen Detective Olivia Benson hier. Sie haben mit meinem Captain ihn New York gesprochen."
Der Flummi, wie Elliot ihn innerlich nannte, schaute auf ein Blatt und gähnte herzhaft.
„Kenn keine Benson", war alles, was er von sich gab.
Elliot hasste diesen Schuppen jetzt schon.
„Hören Sie mal zu, einer ihrer Kollegen hat vor nicht mal zwei Stunden mein Revier angerufen und gesagt, dass einer unserer Detectives hier ist und sie wollen…"
Elliot wurde von einer jungen Frau unterbrochen, die nun neben ihm stand.
„Entschuldigen Sie die Unterbrechung, aber Detective Benson ist im hinteren Teil des Revieres untergebracht. Ich bringe Sie hin."
Elliot blickte die junge Frau dankbar an und fragte sich, als er ihr folgte, wie alt sie wohl sein mochte.
Sie sah zu jung aus, um hier zu arbeiten.
„Wissen Sie etwas über Detective Benson? Weswegen sie mit keinem reden will und hier in unserem Revier ist?"
Elliot fand, keinem hier ginge es etwas an, doch diese Frau war anders.
Wenn er die anderen Gesichter anschaute, diese trostlosen Grimassen sah, hoffte er, seine Begleiterin würde nicht auch einmal so enden. Zur Not bot er ihr einen Job in New York an.
„Nein, sie wurde seit zwei Tagen vermisst. Soviel wie wir wissen, wurde sie Opfer eines Verbrechens."
Die Frau nickte verständnisvoll und ergänzte: „Man hat mich beauftragt, mit ihr zu reden. Sie hat die ganze Zeit starr vor sich hingestarrt und irgendwas von „ich hasse ihn", „ich habe Angst" und „lassen Sie mich sofort gehen" geredet. Als wir sie untersuchen wollten, hat sie sich strickt gegen geweigert und nach einer Melinda verlangt."
Elliot hoffte inständig, Olivia meinte mit „ich hasse ihn" Harris, aber er war sich sicher, dass dies nicht der Fall war.
„Mehr habe ich jedoch nicht aus ihr herausbekommen", beendete sie ihre Information.
Die beiden waren mittlerweile an einem Verhörraum angekommen und Elliot konnte Olivia durch die Glasscheibe sehen.
Sie lief von einer Ecke zur anderen und blickte sich panisch um.
Die junge Frau öffnete die Tür und bat Elliot in den Raum.
Als Elliot durch die Tür trat und Olivia ihn erblickte, hielt sie abrupt an und starrte erschrocken, hasserfüllt und aber auch gleichzeitig erleichtert auf ihn.
„Warum?", war alles, was sie daraufhin fragte.
Diese Frage konnte viel bedeuten.
Fragte sie, warum ausgerechnet Elliot sie abholte, wollte sie wissen, warum sie das alles durchleiden musste oder wollte sie einfach nur wissen, warum Elliot sich die ganze Zeit nicht bei ihr blicken gelassen hatte.
Elliot hätte sie am liebsten gleich in die Arme geschlossen.
Es tat gut, nach der ganzen Zeit, sie wieder vor sich stehen zu haben.
Außerdem wusste er, dass sie litt und gerade eine schwere Zeit hinter sich hatte.
Doch allein Olivias Blick hielt ihn davon ab, ihr auch nur zu nahe zu kommen.
„Liv, ich bin hier, um dich zur SVU zu bringen. Du brauchst nicht länger hier bleiben."
Olivia setzte langsam einen Fuß vor den anderen und bewegte sich auf Elliot zu.
Dieser musste sich sichtlich beherrschen, einfach nur dazustehen und nichts Falsches zu sagen, geschweige denn, eine falsche Aktion auszuführen.
Als Olivia bei Elliot angelangt war, ging sie an ihm vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen.
Elliot bedankte sich noch kurz bei der Frau, drückte ihr seine Karte in die Hand und bot ihr an, falls sie es hier nicht mehr aushielt, doch mal in New York bei der SVU vorbeizuschauen.
Er beeilte sich, Olivia einzuholen, jedoch mit Abstand hinter ihr zu bleiben.
Die Anwesenden im Raum blickten kaum auf, als die beiden Partner an ihnen vorbei liefen.
Olivia rannte fast noch in einen Beamten rein, machte aber keine Anstalten, sich zu entschuldigen.
Das kam Elliot irgendwie bekannt vor. In gewissen Dingen waren sie sich doch sehr ähnlich.
Der Beamte rief ihr etwas hinterher, aber Olivia sah aus, als wenn sie keinen um sich herum wahrnahm.
Draußen angelangt, entdeckte Olivia das Auto und nach dem Elliot aufgeschlossen hatte, setzte sie sich schräg hinter dem Fahrer auf die Rückbank.
Elliot stieg einfach mit geschlossenem Mund ein.
Er wusste, er musste sie jetzt erst einmal in Ruhe lassen.
Er rief kurz darauf Fin an und sagte Bescheid, dass sie sich jetzt auf den Rückweg machten.
Die Fahrt verlief schweigsam und still.
Olivia weinte leise vor sich hin und Elliot wusste, wenn er nicht den harten Kerl spielen würde, wären auch ihm ein paar Tränen die Wangen runter gerollt.
…
Nach einer Stunde Fahrzeit mehr, hielt Elliot vor dem Gebäude der SVU.
Er war extra langsamer und vorsichtiger gefahren, da er wusste, dass Olivia nun im Auto saß.
Sein Blick ging gerade aus und er sagte mehr zu sich als zu Olivia: „Wir sind da."
Olivia machte jedoch nicht den Anschein, demnächst auszusteigen.
Elliot rief erneut bei Fin an und bat ihn, doch bitte Melinda nach unten zu schicken.
Wenige Minuten später trat Melinda aus dem Gebäude und ging auf Elliot zu.
„Was ist passiert?", fragte sie ihn.
Elliot zeigte mit seinem Kopf auf das Auto und informierte Melinda: „Olivia will nicht aussteigen und mit mir redet sie nicht."
Melinda nickte verständnisvoll und berichtete kurz: „Fin und Munch haben mir erzählt, was sie entdeckt haben. Ich glaube ich kann verstehen, was sie gerade durchmacht."
„Die Frau, die mich in Hartford zu Olivia gebracht hatte, hat mir gesagt, sie wollten Olivia untersuchen, jedoch hat Olivia sich geweigert und nach Melinda verlangt. Ich denke mir, nur du kannst jetzt bei ihr was ausrichten."
Melinda nickte Elliot noch einmal zu und ihre dunklen Locken wackelten dabei leicht.
Sie ging um das Auto herum und öffnete die Tür, wo Olivia hinter saß.
Als Olivia Melinda erblickte, erschien ein freudiger Ausdruck in ihren Augen.
„Olivia, komm", bat Melinda sie und Olivia stieg aus, um von Melinda begleitet, in das Gebäude zu gehen.
Elliot blieb ratlos zurück und schaute den beiden Frauen hinterher, bis sie verschwunden waren.
Er wusste im Moment nicht, was er tun sollte.
Er war ratlos und fühlte sich einsam.
Dieses letzte Gefühl verdrängte er allerdings wieder, denn er fühlte sich nie einsam, dafür war er nicht der Typ.
Obwohl ihm vorhin, als er Olivia nach fast einem Monat wieder in die Augen sehen konnte, klar geworden war, wie sehr er sie brauchte und er ohne sie ein niemand wäre.
Es war genug Zeit verstrichen und Elliot setzte sich in Richtung des Gebäudes in Bewegung.
Vor den Türen zum Fahrstuhl blieb er stehen und drückte auf den Knopf, um den Fahrstuhl zu holen.
Dieser kam jedoch nicht sofort und Elliot hatte das dringende Gefühl, irgendwo gegenzuschlagen und ehe er sich versah, landete seine geschlossene Faust an der Wand.
Er spürte keinen Schmerz.
Die Haut an seinen Knöcheln war sofort abgeschürft und es sickerte leicht Blut hervor.
Er ließ seine Hand an der Wand, bis die Fahrstuhltüren aufglitten.
Leichte Spuren seines Blutes blieben dort zurück, wo eben noch seine Faust gelegen hatte.
Ein Glück stieg niemand aus, so dass er keine ihn nervenden Blicke auf sich zog.
Er fuhr in die Etage, in der ihre Büroräume lagen und ging, als er dort angekommen war, sofort zu seinem Schreibtisch.
Er nahm etwas mit seiner verletzten Hand von seinem Schreibtisch und hörte kurz darauf von Fin, der neben ihm stand: „Hey Mann, was hast du denn mit deiner Hand gemacht?"
„Nichts weiter", antwortete er.
„Du solltest das desinfizieren." Fin blickte Elliot leicht besorgt, aber doch mit hochgezogener Augenbraue an.
Elliot ging ein Stück vom Schreibtisch weg.
Auf einem anderen Schreibtisch sah er Desinfektionsmittel stehen und nahm sich dieses.
Er drehte sich provokativ zu Fin um, öffnete den Deckel und schüttete sich davon etwas über seine Verletzung.
Es tropfte an seiner Hand runter, aber er machte sich nicht die Mühe, den Boden dort trocken zu wischen.
Elliot blickte nun Fin an und dieser schüttelte nur ungläubig den Kopf.
Nach dem diese Sache erledigt war, ging Elliot zu seinem Schreibtisch zurück und fing an, über Harris einen Bericht zu schreiben.
Er musste sich sehr beherrschen sachlich zu bleiben, was ihm allerdings sehr, sehr schwer viel.
Eine halbe Stunde später stand Melinda vor ihm und holte ihn aus seinem Schreibwahn.
„Hey Elliot", sagte sie.
Elliot blickte verwundert auf, wer ihn ansprach, doch als er sah, dass es Melinda war, ließ er den Stift sinken.
Melinda zog sich einen Stuhl heran und fing an zu berichten: „Ich habe Olivia untersucht. Sie wurde nicht vergewaltigt, der Typ war aber kurz davor. Sie hat es allerdings geschafft, sich zu wehren."
„Hat sie das nur erzählt oder hast du Stichfeste Beweise?", fragte er zweifelnd.
„Nein, ich habe sie untersucht. Es sind keine Spermaspuren zu finden und auch keine Verletzungen, die auf eine Vergewaltigung hindeuten würden."
Elliot schaute Melinda tief in ihre dunklen Augen.
Er wollte herausfinden, ob sie eventuell log, um ihm die Sache leichter zu machen.
Allerdings frage er sich, warum sie sowas tun sollte.
„Wo ist Liv jetzt?", wollte Elliot darauf wissen.
„Sie ist gerade kurz bei Cragen, spricht danach mit Huang und ich werde sie danach nach Hause fahren."
Melinda stand wieder auf und Elliot hielt sie an der Hand fest: „Melinda, und du bist dir 100 Prozent sicher, dass sie nicht vergewaltigt wurde?"
„Ja, dass bin ich." Melinda seufzte. „Aber ihr Erlebnis ist schlimm genug. Sie hat mir nicht alles erzählt, aber nach den Verletzungen zu urteilen, kann ich mir viel denken."
Sie drehte sich nun endgültig um und entschuldigte sich mit den Worten: „Ich hab noch was zu erledigen, bevor ich Olivia nach Hause bringe."
Elliot blickte ihr erleichtert hinterher und war sichtlich froh, dass Olivia wenigstens nicht vergewaltigt worden war.
Doch wenn sie heute erst in die Polizeistation gekommen war, wo hatte sie den gestrigen Tag und die heutige Nacht verbracht?
Er verstand das alles nicht.
Aber er war sich sicher, dass er dieser Sache auf den Grund kommen würde.
Wie die Sache mit ihr weitergehen würde, wusste er allerdings nicht.
…
