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So außerordentlich heiß und erbarmungslos hatte House ihn lange nicht mehr erlebt. Aufgrund ihrer Eile hatte er nicht mehr an das Gleitmittel gedacht. Wenn schon nicht K-Y, befand sich sicher etwas Vergleichbares in Wilsons gut sortiertem Spiegelschrank. Aber in seinem Zustand schaffte er die Stiegen kein zweites und drittes Mal, vor allem dann nicht, wenn er Chase' ekstatisch verzücktes Gesicht vor sich sah, makellos und schweißüberströmt, mit fiebrigen Flecken auf den Wangen, und seine subtil verlangenden, unartikulierten Laute im Ohr hatte.
Unter der Dachschräge neben dem Zimmer gab es eine kleine Nasszelle, in der Bonnie eventuell ihre Feuchtigkeitscremes als Alternative aufbewahrte, doch er war nie darin gewesen, und das Risiko, ihn jetzt zu verlassen, seinen sich sehnsüchtig nach ihm ausstreckenden Hirtenjungen, war ihm zu hoch.
Feingefühl war unabdingbar, und er bezweifelte, dass es für seinen jungen Liebhaber eine willkommene Erfahrung wäre. Es sei denn, er machte sie dazu. Er fuhr fort, seine Reizbarkeit zu massieren, außen erst, über Damm und die enge, jetzt noch feste Öffnung. Allein ihn anzufassen, ihn stimulieren zu dürfen und sich der rasenden Reaktion darauf sicher zu wissen, brachte ihm sein Ziel ein Stück näher.
Jäh warf Chase sich auf, drückte den Bauch heftig gegen seinen Brustkorb, und er war Seide und Samt unter ihm. Innen fühlte er sich weich, unschuldig und verlockend an und dazu bestimmt, von ihm erobert zu werden. Demütig umkreiste House den ringförmigen Muskel, der sich beim Penetrieren zusammenzog, unweigerlich Kontraktionen ausführte, die seinen Finger nach einem streichenden, beruhigenden Vorwärtsdringen weiter einließen. Glatt und fließend, hart und eng arbeiteten die Muskeln in seine kreisenden Bewegungen hinein, intensivierten seine Gefühle und verrieten ihm, dass es gut war.
Wimmernd langte Chase über den Kopf, umklammerte den Bettpfosten und wölbte den Unterleib, die Fersen in seine Schulterblätter bohrend.
Mit den Lippen quetschte House seinen Nabel und hoffte, ihn und sich ein wenig abzukühlen, doch sein sinnlich herber Geruch und der Geschmack nach metallischer Kälte, Laub und feuchtem Moos trugen nicht dazu bei, als er über seine angespannte Wirbelsäule tastete, sich weiter zu ihm schob. Im geraden Verlauf seiner vor Erregung zitternden Arme lag er, ließ sich anheben und unterstützte ihn dabei, indem er sich über seine Schultern hoch drückte, perfekt in seiner einzigartig anmutigen, rosigen Nacktheit. Seine Entschlossenheit und das Glänzen seiner Augen sagten ihm, dass er soweit war.
Süßer, wundersamer, tollkühner Chase. Ich will dich haben und deine Unschuld jeden Tag beanspruchen, sie rauben und sie dir wiedergeben, wenn du mich darum bittest.
Als er in ihn drang, zuckte er zusammen, zog sich nach oben und schrie auf. Mehrmals, unverhältnismäßig laut und gellend brüllte er ihm seinen durchdringenden Schmerz entgegen, was er zuvor nie getan hatte. Er hatte dennoch damit gerechnet und zwang sich, ihn nicht loszulassen und zog stattdessen behutsam die Arme unter ihm weg, damit er vollends auf dem Bett zu liegen kam, wo ihm ein wenig mehr Bewegungsfreiheit erlaubt war. Unverzüglich nutzte er sie, um ihn blindwütig tiefer zu dirigieren, stemmte die Fersen in die Matratze und ließ seine Beckenbodenmuskulatur etwas ausführen, das ihn beinahe um ein längeres Zusammensein mit ihm brachte.
Keuchend nahm er seinem leidenschaftlichen Ausbruch den Schwung, indem er seine Hüften umfasste und sie festhielt. „Langsam. Ganz langsam. Ich bin kein Zwei-Minuten-Mann, das sollten Sie inzwischen wissen."
Es erstaunte ihn, dass er sich einigermaßen artikulieren konnte und noch mehr, dass der Junge gehorsam innehielt. Begütigend streichelte er über seine Halsseiten hinab zu den kräftigen Armen. Er schluckte, öffnete stumm die Lippen und erschauderte unter einer neuerlichen Muskelzuckung, bei der er nicht sicher war, was sie verursacht hatte, ob sie Schmerz oder das Gegenteil aufzeigte.
„House-…" flüsterte er erschüttert, machte jedoch keine Anstalten, ihn wegzustoßen. Stattdessen presste er die Handgelenke in einer ausdrucksvollen Geste an die Stirn, und er zog sie von seinem Gesicht, um zu begreifen, was in ihm vorging. Ein Rätsel würde er nichtsdestoweniger immer bleiben. „Nicht so. Ich kann nicht mehr..." Sein Körper sprach eine andere Sprache, drängte ihn weiter in sich. Es war unglaublich. Wie ein Sog, in dem er ertrinken wollte. Trotzdem. Wenn dieser Rausch mit Schmerzen für Chase verbunden war, verzichtete er, so schwer es auch fiel.
„Lassen Sie mich gehen."
„Nein… niemals. Will Sie… lieben."
„Das ist nicht das, was ich darunter verstehe. Ich will Ihnen nicht schaden."
„Früher… Sie wollten es immer."
Dass er sich ausgerechnet jetzt daran erinnerte. An seine Schikanen, seine Aufstachelungsversuche, dem stoischen Aussie-Jungen eine Regung zu entlocken, vorzugsweise eine, die ihn sich ihm überlegen fühlen ließ, weil ihn die fast schon resolute Abgeklärtheit in dem Kindergesicht irritiert hatte.
Die Genugtuung hatte Chase ihm erst gegönnt, als sie nicht mehr nötig gewesen wäre. Er war anders, wenn die Tür der Klinik sich hinter ihm schloss, wenn jemand auf ihn wartete, dem er etwas bedeutete. Er hatte ihm unrecht getan. Seine zur Schau gestellte Dickfelligkeit hatte den Zweck von Selbstschutz erfüllt, bis er einen Gleichgesinnten gefunden hatte.
Stück um Stück gab er ihm nach, koste die festen, unbegreiflich sinnlichen Bögen seiner Gesäßmuskeln und blieb in ihm, wie er es beabsichtigte. Irrsinnig schön war er, faszinierend anschmiegsam, wie er ihn gewähren ließ trotz seiner Anstrengung, die er durch kleine Seufzer kundtat und die ihm mit fortlaufender Dauer des langsam angehobenen Tempos und veränderter Modulation sagten, dass sie sich in ein Gefühl der namenlosen Befriedigung verkehrte.
Chase' Lider flatterten, und er spürte ihn, seinen nervösen, ruhelosen Tonus, seine Energie und Beharrlichkeit, mit der er ihn vereinnahmte. Als er die Augen wieder öffnete, lag Erleichterung darin, vielleicht sogar Dankbarkeit. Er lächelte. Aber er war viel zu verkrampft. Zu allem Überfluss war es kalt im Schlafzimmer; vielleicht hätte er ihn unten vor dem Kamin nehmen sollen. Eine behagliche Atmosphäre war wichtig für ihn, um sich treiben lassen zu können. Das sanfte, berauschende Wogen, das sie üblicherweise beide nach kurzer Zeit erfasste, stellte sich nicht ein. Sie kämpften. Seit seiner Veränderung war er nie so zögerlich gewesen, angstvoll nach dem Schmerz.
Ein wenig energischer, aber immer noch taktierend und sachte begann er in ihn zu drängen, und er passte sich an, biegsam und wertvoll und unsagbar überzeugend in seiner jungen, ungebändigten Wildheit. Allmählich gelang es ihm, ihn zu entkrampfen, die Muskeln zu lockern.
Schließlich hatte er ihn, hörte ihn die kleinen, antreibenden Töne im Rhythmus seiner Vorwärtsbewegungen von sich geben, die man vernommen haben musste, um zu wissen, was sie auslösten. Die Tatsache, dass er jetzt ganz bei ihm war und nichts mehr seine Freude an der Körperlichkeit trübte, berauschte ihn, und er wagte es, die kleine runde Empfindsamkeit in ihm zu verwöhnen, indem er ihn bestimmter und zielstrebiger stimulierte. Konsequent zog er ihn zu sich, bis der Jüngere sich unter ihm bog vor überwältigender Ekstase.
Unbeherrscht bäumte er sich auf, drückte Kopf und Ellenbogen in die Matratze und jaulte, hemmungslos vor Lust. House' Fingerknöchel knackten unter dem Druck, den seine Hand ausübte, aber er fühlte keinen Schmerz. Der Anblick seines euphorischen, sich hingebenden Geliebten löschte ihn aus, bevor er fähig war, ihn zu registrieren. Er hob ihn zu sich, wollte ihn noch einmal nehmen, die sensationell erregenden Wellen seines mehrfachen Orgasmus dicht an und in sich spüren, seine Süße und Schärfe kosten und sie sich zu Eigen machen.
Überrascht ächzend presste Chase erneut die Beine um ihn, als hätte er ihm nicht schon sein Bestes gegeben. Begehrlich und doch ermattet schenkte er ihm den Rest seiner orgastischen Impulsivität, die so unfassbar und großartig war wie er, als er sich ein letztes Mal straffte, ihn das Spiel seiner Muskeln so innig empfinden ließ, als seien sie ein Teil von ihm selbst.
Er brauchte Minuten, um zu sich zu kommen, nachdem er ihn losgelassen und sich zur Seite gerollt hatte. Schnaufend lag er da, zitternd unter den ausgeschütteten Hormonen, die Augen geschlossen, und er bewunderte ihn, fragte sich, wie es ihm gelang, so schön und verführerisch zu wirken bei einer Sache, in der Ästhetik nicht unbedingt an erster Stelle stand.
Zwischen den Schenkeln war er nass von seinem Samen, wie er mittels eines bedächtigen, aber auch prüfenden Streichelns feststellte, doch glücklicherweise blutete er nicht. Respektvoll und ernst, geradezu feierlich wühlte er erleichtert in dem verschwitzen Haar und biss sanft in seine hübsche Nasenspitze, um ihn langsam in die Gegenwart zu holen. Er war müde und voll strotzender, erbebender Jugend, die durch seine Venen jagte. Seine Behauptung, nur noch in seinen sicher nicht immer angenehmen Träumen da zu sein, strafte der Lebhaftigkeit, die er ihm gerade gezeigt hatte, Lügen.
Beinahe konnte man neidisch werden auf das, was er ihn hatte fühlen lassen; etwas, das er vermutlich um das Zehnfache in seinem eigenen, sensiblen Körper multiplizierte. Entgegen seiner Ängste war es da und würde bleiben, solange er dafür sorgte. In den letzten, spürbaren Zügen seines Orgasmus liegend musterte ihn Chase wissend hinter schweren Lidern, und er strich ihm das Haar ungestüm und ein wenig verlegen ob seines tiefgründigen Blickes übers Gesicht. Der Junge schnaubte belustigt, machte jedoch keine Miene, sich ihm zu entziehen.
„Ich gebe es zu", sagte er. „Ich liebe Sie nicht nur in Betten und Badewannen. Ich habe Sie immer gewollt, von dem Moment an, als Sie zum ersten Mal in mein Büro kamen und schüchtern und stolz in Ihrer tragikomischen Förmlichkeit waren und fest entschlossen, den Job zu bekommen. Sie haben mich verunsichert. Mit Ihrer Distanziertheit, Ihrer Raffinesse und Ihrem ärgerlich dichten Mädchenhaar. Darum habe ich Sie verletzt und provoziert. Aber ich hätte nie gedacht, dass Sie mich einmal so weit bringen. In Wilsons Bett auf Ihren süßen Bauch."
Mental zwischen zwei Welten lächelte er, während er House' Finger umschloss und mit der rechten Hand selbstvergessen Kreise in seine Schulter malte. Das zufriedene Grinsen blieb, ein wenig zuckend, aber rührend. Er hätte sein rechtes Bein gegeben, um hinter die hübsche Stirn zu schauen und in die unbeständigen Gedanken in seinem Kopf eingeweiht zu werden. Vielleicht konnte er es nicht einmal selbst sagen, wenn er ihn fragte, doch schließlich zog er ein Resümee.
„Wir haben viel erreicht zusammen."
Aus einem Impuls heraus küsste er ihn für dieses Fazit, verweilte auf seinen Lippen, nur um sie zu spüren. Er schmeckte nach Punsch, Gewürzen und Zimt, anders als sonst, aber nichtsdestotrotz erregend. Manchmal glaubte er, er war dazu da, um seine Sinne zu verwirren, den Rationalisten in ihm lahm zu legen.
„Viel mehr als Ihr hinreißend naiver Verstand ahnt."
„Wollte ich Sie?"
„Zur Hölle gewünscht haben Sie mich. Wenn Sie mich nicht gerade für den Satan persönlich hielten."
Nach einem ungläubigen, amüsierten Flunsch, den keiner so unerhört aufreizend zustande brachte wie er, lachte er prustend, erst mit geschlossenem Mund, ehe er ihn seine großen, strahlenden Zähne sehen ließ.
Er wollte ihn und fragte sich, wie er es machte, womit er ihn verzaubert hatte und brauchte ihn doch nur anzuschauen und zu berühren, um es zu wissen. Alles wollte er tun mit ihm, sich durch das klamme Bett wälzen, sein ekstatisches Keuchen hören, sein Leben haben, seine vorbehaltlose Hingabe, die er längst hatte und nie wirklich bereit war, es zu glauben. Wahrscheinlich war sie das Wertvollste, das er besaß und je besitzen würde. Ein bitterer Nachgeschmack hinterließ das Gefühl, sie sich jeden Tag neu erkämpfen zu müssen. Selbst für einen mental veränderten Chase wäre eine Liebe zwischen Männern nie selbstverständlich. Gesagt hatte er es ihm nicht, doch hin und wieder konnte er es in seiner Gestik lesen. So wie heute.
Auf der Treppe hatte er nicht kokettiert. Es war Angst gewesen, Kapitulation vor dem Stärkeren. Immerhin war er fähig, sie in etwas zu verwandeln, das für sie beide letztlich ein Gewinn bedeutete. Ihre Beziehung war kostbar, aber nicht gefeit vor Krisen oder Chase' Zweifel, die er häufig unterschätzte, sie nicht ernst nahm, weil er sie nicht mehr verbal äußerte. Er musste darauf achten, durfte sie nicht durch eine Indiskretion wie damals im Rahmen der Schwimmtherapie aufs Spiel setzen. Was er mit Chase hatte, war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.
Chase verschränkte die Arme hinter seinem Rücken, um ihn zu sich herunter zu ziehen, ganz auf sich, auf den unter Endorphinüberschuss bebenden, schlanken Leib, der Dinge tun konnte, die ihn zuweilen vergessen ließen, dass er ein Mann war. Schimmernde, glatte, feuchte Haut rieb sich sanft gleitend an seiner, sein üppiger Mund saugte besinnlich an seinem Hals. Das charakteristische, dunkle, männliche Lachen und der exotisch anmutende ozeanische Akzent. Himmel, er war gut gewesen und war es noch. Die Aussicht, den Tag mit ihm faul in diesem Zimmer zu verbringen, hatte durchaus etwas für sich.
„Sie lügen."
„Ein bisschen vielleicht. Leicht zu durchschauen waren Sie nie. Auch nicht mit intaktem Hirn. Eigentlich haben Sie sich nicht viel verändert." Leicht knabberte er an seiner Ohrmuschel, und Chase hob sich ihm unweigerlich mit einem tiefen Stöhnen entgegen.
„Unwiderstehlich sind Sie. Geben Sie mir eine halbe Stunde", murmelte er lächelnd und drückte ihn nachsichtig an der Lendengegend mit beiden Händen auf das Bett zurück, seinen wilden, jungen, hungrigen Australier, der viel zu schön und heiß war, um seine Wünsche unerfüllt zu lassen, die auch seine waren. „Bis ich etwas in dieser gottverdammten Wildnis gefunden habe, das es Ihnen leichter macht. Handschellen oder reißfeste Stricke im Schuppen nebenan."
Er lachte nicht mehr. Fast ängstlich klammerte er sich an ihn; sein Atem fuhr keuchend an seinem Ohr vorbei, bevor er ihm kaum hörbar seine Frage zuflüsterte, als sei sie ein Vergehen. „Ist es gut mit uns?"
„Ja", bestätigte er, sich nicht im Klaren darüber, ob er fieberte oder gerade allen Ernstes ein tiefsinniges Gespräch in Gang zu bringen gedachte. „Ja, es ist gut. Ich war noch nie so glücklich wie mit Ihnen. Glauben Sie mir, Sie sind es auch mit mir."
„Ich wollte Sie nicht als mein Vater. Obwohl er nie da war. Es wäre das Nächstliegende gewesen, oder? Ein Ersatz. Aber ich… ich habe mich damit nicht zufrieden gegeben. Ich wollte mehr von Ihnen. Warum?"
Beruhigend strich er ihm das Haar aus dem schmalen, heißen Gesicht. „Weil Sie sich nicht mit dem Erstbesten begnügen. Genau wie ich. Sie sind weder mein Kind noch mein Spielzeug. Unsere Suche ist zu Ende, Chase. Und wenn es Ihnen wichtig ist, werden wir gemeinsam einen Weg finden, der Sie wieder zu dem macht, der Sie sein wollen."
Chase gab ein undefinierbares Brummen von sich; eines, das sowohl Zustimmung als auch Missfallen ausdrücken konnte. Er wandte sich ab, und für einen Moment fürchtete House, ihn verärgert zu haben. Doch dann presste er seine betörende, noch feuchte Kehrseite an ihn und schlang seinen Arm um sich, wie um ihm zu zeigen, wohin er gehörte und was ihm, dem Älteren, erlaubt war. Was er an ihm hatte. Es war nicht nur das Körperliche, das sie verband, doch es war etwas, das sie beide auf hemmungslose Art genossen, weil es die beste Möglichkeit war, ihre Gefühle füreinander mitzuteilen. Besser und effektiver als Worte oder Briefe es vermocht hätten. Große Redner waren sie beide nicht.
„Nicht das Erstbeste", wiederholte er, wobei sein Akzent herrlich träge und verwaschen über die vollen, weichen Lippen kam. „Nur das, was mir zusteht."
„Niemand weiß besser als ich, was das ist."
„Es ist nicht nur der Sex." Seufzend und träge regte er sich ein bisschen, rutschte von ihm weg. Die makellose Haut schimmerte matt und golden im Glanz seines Schweißes, und er widerstand der Versuchung, ihn erneut zu sich herzuziehen, um ihm so nahe zu sein, dass sich ihre Glieder ineinander verschlangen wie zuvor. „Sie werden nicht immer mein Liebhaber sein können."
Jetzt zog er ihn doch wieder in die Arme und sprach in Chase' verschwitzen Nacken. „Sondern?"
„Kein so ausdauernder, jedenfalls."
House lachte. An die Zukunft wollte er nicht denken. Nicht jetzt. Nicht weiter als bis ins nächste Jahr. „Was ist der Plan?"
„Die Gegenwart."
„Denken Sie ein bisschen weiter. Ich habe Tickets für Papeete gebucht. Tahiti. Zwei, ohne Rückflug. Ich will Sie dort im weißen Sand unter Palmen lieben, solange ich noch kann. Oder im türkisblauen Wasser, wenn die Gezeiten günstig sind. In spritzender, schäumender Gischt."
Jetzt war es an Chase, ein Lachen auszustoßen und sich dabei umzudrehen in der Absicht, ihn mehrmals hintereinander übermütig und scherzhaft zu ohrfeigen. „Das haben Sie nicht."
Er umfasste sein Handgelenk, und Chase ließ die Hand an seiner Wange ruhen, um mit leicht gekrümmten Fingern wie blind sein Gesicht zu liebkosen. Beinahe abwesend fuhr sein Daumen über die Linie vom Nasenflügel zum Mund. Es war eine Geste, die House in ihrer erkundenden Vorsicht rührte, und er schluckte, während er auf ihn hinabsah, nicht daran denkend, ihn erneut in seinem Entdeckerdrang zu unterbrechen. Es war merkwürdig, wie Chase ihm allein durch Gesten und Blicke das Gefühl gab, ihn immer neu entdecken zu können. Liebenswert auch.
Immer noch spielte ein schmollendes Lächeln um seine Lippen. Lippen wie zum Küssen gemacht.
„Ich mag es nicht, wenn Sie mich zum Narren halten."
„Sie trauen mir wenig zu. Werfen Sie einen Blick in unseren neuen Briefkasten, wenn Sie mir nicht glauben."
„Später."
Einen Moment hielt er den Atem an, als Chase mutwillig seine Hand nahm und sie hinunter über die zarte, dünne Haut des Hüftknochens führte, wo er vorsichtig weiter die feine, dunkle Haarlinie zum Schambereich erkundete, die sich erstaunlich seidig anfühlte. Wie der Rest von ihm. Wie sein blondes Haar und sein mehr als verlockender, enger Hintern, dem er danach respektvoll und doch eindeutig seine Aufwartung machte, indem er mit der anderen Hand über seine Spalte fuhr und den Eingang umkreiste. Heiß und weich, völlig ohne Widerstand. Wie eine Einladung. Es wäre ein Kinderspiel, ihn jetzt zu nehmen.
Ein leises, behagliches Grunzen und die ungeduldige Bewegung in seine hinein ermutigten ihn, über den erregt angespannten Leib zu streichen und tiefer zu gehen.
Sein Goldkind. Sein Wunder. Immer wieder stürzte es ihn in kaum gekanntes, wildes Entzücken, wenn er ihn berührte. Um ihn deutlicher zu spüren, schloss er die Augen und fühlte ihn unter seinen Fingern beben und hörte ihn beinahe mit Demut, in die sich unerwartete Euphorie mischte, dieses kleine, anbetungswürdige Winseln ausstoßen, als er nachdrücklicher wurde und ihn sachte reizte und triumphierend das heftiger werdende Pulsieren und Pochen der sensiblen Haut unter seiner Hand spürte. Wenn er müde war, würde er entspannter sein beim nächsten Mal. Und er würde gewiss nicht lange darauf warten müssen. Er war groß. Beeindruckend.
Einen kurzen, wahnwitzigen Moment lang überlegte House, wie er sich in ihm anfühlen würde, verwarf den Gedanken aber sofort wieder. Sie hatten nicht viel übrig für einen Rollenwechsel. Noch nicht. Später, irgendwann.
Denn irgendwann wäre Chase nicht mehr das, was er immer noch in ihm sah: ein kleiner, staunender Junge, der nach Führung verlangte. Schon früh hatte House begonnen, das in ihm schlummernde Potential auf beruflicher Basis zu fördern und damit entscheidend dazu beigetragen, seinen Charakter zu entwickeln. Und bei Gott, er würde es auch weiterhin auf persönlicher tun. Der Anfang war vielversprechend gewesen; weder er noch der junge Australier hatten versagt. Eigentlich freute er sich auf einen erwachsenen, unabhängigen Chase fast noch mehr. Es würde eine spannende Reise sein, die sie beide zu gleichen Teilen genießen würden.
„Ich will Sie lieben. Hart und schnell, und dann zart und langsam. Immer so, wie Sie es möchten. Wie Sie es brauchen. Die ganze Nacht hindurch und die nächste bis ins neue Jahr", raunte er an seinen gierig nach ihm suchenden, samtweichen Lippen, und er meinte es ernst.
Ein ungläubiges, aber auch geschmeicheltes Schnaufen quittierte seine Drohung, das ihn fast wieder hart werden ließ. Himmel. Der Junge war unglaublich.
„Das würde Ihnen gefallen."
„Nicht mehr als Ihnen."
Chase lachte ein bisschen auf diese einzigartige, schnaubende Weise und legte genießerisch den Kopf zurück, als House begann, seinen Nacken zu kosen, ihm das Haar mit dem Atem aufzuwühlen und ihn spielerisch zu beißen, bevor er um ihn herum griff, um ihn auf den Rücken zu drehen, was er bedenkenlos geschehen ließ.
House schob sich ein Stück hinunter, um Chase' Unterleib und den Schaft seines erigierten Glieds mit Küssen und aufmerksamen, leichten Bissen zu bearbeiten (Oh, es war alles andere als Arbeit), und er fühlte Chase erzittern, als der Jüngere haltsuchend mit beiden Händen in das Kissen griff, tief einatmete und fordernd die Hüfte unter ihm bewegte, um ihm Raum zu geben.
Oh, er duftete wunderbar und schmeckte gut. So unerhört gut nach Sex, Sinnlichkeit und Lust, dass er sich vergessen und den Verstand verlieren wollte und den Gesetzen der Natur ein Schnippchen schlagen, die ihm verboten, ohne Verzögerung erneut über ihn herzufallen. Und er war mehr als bereit. Bereiter als er, offen und nachgiebig jetzt und jung und so stark und tapfer. Er war jederzeit dermaßen empfänglich für das, was er mit ihm tat; es wäre ein Versäumnis, ihn jetzt einschlafen zu lassen.
„Eigennütziger, verdorbener Strolch", neckte er ihn, sich immer noch mit ihm vergnügend. „Glauben Sie nicht, ich wüsste nicht, was Sie mir sagen wollen. In zehn Minuten bereuen Sie es."
„Böser alter Mann." Aber er streckte sich wohlig und hatte nichts dagegen, während sich seine Finger in seine Schultern gruben und er vergeblich versuchte, ein Stöhnen zu unterdrücken.
„Ich mag die Art, wie Sie sich bewegen, wenn ich in Ihnen bin. Ich bin verrückt nach Ihrem Körper und dem, was er tun kann", gab House zu. „Aber noch verrückter bin ich nach Ihrem Geist. Wenn ich Sie habe, ist es, als ob ein Teil davon mir gehört. Lassen Sie sich niemals brechen."
Leuchtende Augen unter schweren Lidern fanden seinen Blick und spiegelten den Ernst darin wider. „Versprechen Sie mir dasselbe."
„Ich verspreche nie etwas, das mich selbst betrifft. Zu viele Verpflichtungen. Aber dass ich Sie bis zum nächsten Jahr nicht aus diesem Bett herauslasse, dafür haben Sie eine Garantie. Unbefristet."
Chase gluckste. Heiter, glückselig. Beschwingt. Unmissverständlich wanderte seine Hand über House' Oberschenkel und weiter zur Körpermitte hin. „Einverstanden."
Mit Chase, dachte er zufrieden, während ein angenehmer Schauer von freudiger Erwartung über seine Wirbelsäule und Leisten rann, mit Chase hatte er all das gefunden, wonach er sein Leben lang gesucht hatte.
~ Fin ~
A/N: So gern ich weiterschreiben würde und mir Chase und House Kokosnussmilch schlürfend unter Palmen auf einer sonnigen Südseeinsel vorstelle - meine Geschichte endet hier, und der Rest ist eurer Phantasie überlassen. Danke fürs Lesen, und vielleicht meldet ihr euch mal und schreibt mir, wie (und ob) es euch gefallen hat.
Special thanks to Pallada!
Beenie.
