A/N: (30.04.2007) Wie immer an dieser Stelle mein Dank für eure lieben Reviews. Für das vorhergende Kapitel haben Hermine Potter, Andy Gryffindor-Potter, Schattenfee 111, Thommel, Harryboy und Harry Granger-Potter ein Feedback hinterlassen. Danke! Vor allem danke ich HG-P für sein Mega-Review - ich war echt platt gewesen!
Wie ihr vielleicht durch KNV schon mitbekommen habt, funktioniert derzeit mein FTP-Zugang zu meiner Homepage nicht. Also müsst ihr euch noch ein bisschen gedulden, bis dieses Kapitel hier und vor allem meine Antworten auf eure Reviews auf meiner Webseite online sind. Sorry! Warum müssen die Webprovider auch so lange brauchen, um ein neues FTP-Password zu generieren???
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Update 15.05.2007: Der FTP-Zugang zu meiner Homepage funktioniert wieder. Ihr könnt dort nun auch dieses Kapitel online lesen, aber auch die Kapitel 1 - 10 als PDF downloaden zum offline-lesen, drucken etc.
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Update 19.05.2007: Auf meiner Homepage hatte ich zu jedem Kapitel von "KNV" und "DMD6F" zusätzliche Seiten eingerichtet, auf denen ich bisher eure Reviews und vor allem meine Antworten dazu veröffentlicht hatte. Wie steht ihr zu diesen zusätzlichen "R&A"-Seiten? Liest das überhaupt noch jemand? Soll ich das in Zukunft beibehalten, oder kann ich mir das schenken? In diesem Fall würde ich zukünftig nur noch per PM / Email auf eure Reviews antworten, auf meiner Homepage aber weder neue Reviews noch meine Antworten darauf veröffentlichen. Schreibt mir bitte eure Meinung dazu!!!
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So, genug geschwafelt - viel Spaß beim lesen!DMD6F - Kapitel 10: DER ANSCHLAG
Im Büro des Schulleiters wurden sie schon von einer gehetzt wirkenden Tonks erwartet. „Albus, es hat einen Anschlag gegeben!", keuchte sie, kaum das Dumbledore mit seinen beiden Schützlingen durch das Portal getreten war. „Was ist geschehen?", fragte Albus mit ernster Stimme. „Vor etwas mehr als einer Stunde hat es einen Anschlag auf die Londoner U-Bahn gegeben, und seitdem versucht Moody dich zu erreichen. Was genau passiert ist kann ich auch nicht sagen; ich weiß nur dass es sehr viele Tote und Verletzte geben muss." „Kannst du uns sagen, welche Station betroffen ist?", wollte Dumbledore wissen. „St. James's Park", wisperte Tonks, die immer noch nicht glauben konnte, was da passiert war. „Ach du Schei…", entfuhr es ausgerechnet Hermine, der relativ schnell klar war, welche Bedeutung allein schon die Örtlichkeit dieses Anschlages hatte. „Ihr wisst, was das bedeutet?", fragte Dumbledore auch schon. Harry, der zu wenig von den Muggels wusste, obwohl er unter ihnen aufgewachsen war, schüttelte seinen Kopf, während Tonks verständnislos daher schaute. „Hermine?", fragte Dumbledore, und seine wohl beste Schülerin verstand.
„Also, die U-Bahn-Station St. James's Park liegt im Zentral-Londoner Stadtbezirk City of Westminster, in direkter Nähe zum Buckingham Palace und der Downing Street, also dem Palast der britischen Königsfamilie und dem Sitz des britischen Premierministers", ratterte Hermine herunter. „Der Park nördlich der U-Bahn-Station ist einer der königlichen Parks; in ihm selbst ist ein See, unter dem eine der U-Bahn-Linien hindurchführt. Im Norden des Parks befindet sich St. James's Palace, dem offiziellen Verwaltungssitz des königlichen Hofes. Hier werden die Botschafter von Großbritannien akkreditiert. Auch die Proklamation eines neuen Monarchen findet hier statt. Heute wird der Palast vom Prince of Wales und anderen Verwandten der Queen bewohnt. Das Anwesen wird nur durch den St. James's Park vom Buckingham Palast getrennt." Hermine verstummte kurz. „Der Tropfende Kessel und der Eingang zum Zaubereiministerium befinden sich nur ein paar Straßen weiter", fügte sie noch an Harry gewandt hinzu.
„Danke, Hermine. Tonks, hat Alastor dir gesagt, wo wir ihn finden können? Hat er sonst noch etwas gesagt?" Tonks schüttelte ihren Kopf. „Nein, er hat mir nur aufgetragen dich, Minerva und Remus zu informieren. Aber Fawkes ist bei ihm, damit er die anderen rufen kann." „In Ordnung, dann kann ich ihn orten. Tonks, du bleibst bitte hier in meinem Büro, damit ich einen Ansprechpartner habe, sollte noch etwas sein. Und ihr beide…" Nachdenklich sah Dumbledore zu Harry und Hermine. „Ich weiß nicht was uns erwartet, aber vielleicht kann ich eure Hilfe gebrauchen. Begleitet ihr mich?"
Harry und Hermine brauchten sich nicht erst anzusehen um zu wissen, dass dies der Moment war, auf den sie schon lange gewartet hatten – endlich würden sie aktiv etwas tun können. Daher stimmten sie schnell zu, bevor Albus es sich noch einmal anders überlegen konnte. „Natürlich kommen wir mit! Aber wenn du gestattest, ziehen wir uns schnell noch um." Damit waren beide verschwunden, nur um wenige Sekunden später wieder vor Albus und Tonks zu erscheinen – nur waren Harry und Hermine dieses Mal in ihre auf Avalon geschneiderten Lederanzüge gekleidet. Und sie hatten – für alle anderen unsichtbar – ihre Waffen mit dabei, zur Sicherheit für alle Fälle. „Wenn du einverstanden bist machen wir uns unsichtbar und nehmen dich in unsere Mitte, wir können Fawkes auch sehr gut orten. Hermine hat ihm schon bescheid gegeben; er weiß dass wir kommen", erklärte Harry. Dumbledore nickte, griff nach seinen beiden Schützlingen, und schon wurden sie innerhalb von Sekundenbruchteilen unsichtbar. Tonks spürte nur noch einen leisen Lufthauch, als die drei verschwanden.
Als Albus, Harry und Hermine unsichtbar nur wenige Schritte neben Alastor Moody auftauchten, bot sich ihnen ein Bild des Grauens: Von der recht großen U-Bahn-Station war nichts als ein riesiger Krater übrig geblieben. Zwischen all den Trümmern lagen zerfetzte Leichen, Leichenteile, sowie Verletzte herum, zwischen denen unzählige Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter der Muggel herum hasteten, auf der Suche nach Überlebenden. Hier und dort konnte man auch bekannte Gesichter entdecken – Angestellte des Zaubereiministeriums in Muggel-Kleidung. Und über allem schwebte ein feiner Nebel aus aufgewirbeltem Staub und Dreck, vermischt mit dem Qualm des noch immer brennenden Bahnhofs und dem Geruch des Blutes der Opfer.
Alastor fuhr herum, als er mittels seines magischen Auges die drei Neuankömmlinge durch das plötzliche Auftauchen ihrer Auren bemerkte. Schnell sprach er einen Ablenkungszauber, damit Albus und seine beiden Begleiter sichtbar werden konnten, ohne von den Muggels entdeckt zu werden. Moody schüttelte jedoch seinen Kopf, als er Harry und Hermine erkannte – sie sahen ohne ihre Hogwarts-Roben gleich ganz anders aus.
Die Begrüßung fiel unter diesen Umständen mehr als knapp aus – Moody nickte den Dreien nur kurz zu, bevor er ihren Wissensstand aktualisierte: „Bis jetzt weiß noch niemand, was genau eigentlich passiert ist oder wie viele Opfer es gegeben hat – wir wissen nur, das der unterirdische Bahnhof in die Luft geflogen ist. Hier auf dem Bahnhofsvorplatz muss es eine Schießerei mit Muggelwaffen gegeben haben, da die Opfer hier allesamt Schusswunden aufweisen. Es gab nur ein kleines Dunkles Mal, aber das beweist uns, dass hier Todesser beteiligt waren. Allerdings konnte ich eine mir fremde Art der Schwarzen Magie feststellen, aber nicht einordnen. Es scheint, als ob neben den Todessern noch andere beteiligt gewesen waren. Das erst einmal dazu. Bisher sind auf unserer Seite etwa dreißig Ministeriumsangestellte anwesend; vom Orden sind außer uns noch Kingsley und Arthur hier. Bei den Muggels sind die üblichen Einsatzkräfte anwesend; also Polizei, Feuerwehr, Sanitäter und Ärzte, sowie einige Beamte von Scotland Yard, also dem Metropolitan Police Service. Der leitende Ermittlungsbeamte vor Ort ist übrigens Joe Whidbey (1). Ich habe schon mit ihm gesprochen und dich ihm angekündigt. Aber bevor ich den Ablenkungszauber aufhebe, solltest du vielleicht deine Kleiderordnung überprüfen, Albus!"
Dumbledore sah an sich herunter – er trug immer noch seine für Hogwarts übliche Robe. Ein kleiner Schwenker mit seinem Zauberstab genügte, um ihn in einem bei den Muggels gebräuchlichen Anzug erscheinen zu lassen. Auch sein Bart und sein Haar waren nun sorgfältig gestutzt, nur die gewohnte halbmondförmige Brille saß wie immer auf Dumbledores Nase. Zufrieden nickte Moody, dann hob er den Zauber auf und gemeinsam gingen sie hinüber zu Arthur, der neben dem Mann von der britischen Kriminalpolizei stand.
„Hallo Joseph, hallo Arthur", begrüßte Dumbledore die beiden. „Hallo Albus! Schön dass du kommen konntest!", wurde er von dem Polizisten begrüßt. „Oh, hallo Hermine, hallo Harry!", fügte Arthur Weasley dem noch hinzu. „Joseph, darf ich dir meine beiden Schützlinge vorstellen: Harry Potter und seine Partnerin Hermine." „Wer? Oh! Bitte entschuldigen Sie, Mr. Potter! Natürlich ist mir Ihr Name bekannt, ich hatte Sie nur optisch anders in Erinnerung", spulte Whidbey wie ein überschnelles Tonband herunter, während sich sowohl Harrys als auch Hermines Gesicht in Fragezeichen verwandelten, Arthur grinste und Albus sich ein Kichern verkneifen musste. „Harry, Hermine – dies ist Joseph 'Joe' Whidbey, ehemaliger Auror und unser für London zuständige Verbindungsmann zum Scotland Yard", stellte Dumbledore nun endlich auch den grauhaarigen, drahtig wirkenden Mitfünfziger vor.
„Kannst du uns schon Genaueres sagen? Alastor meinte, hier wären Todesser und noch eine andere Gruppe am Werk gewesen", fragte Dumbledore. Doch Whidbey konnte nichts Neues sagen, auch er tappte noch völlig im Dunkeln. „Wir konnten bis jetzt noch nicht in den Explosionskrater vordringen – wir wissen also nicht, ob es nur den Bahnhof oder auch einen oder mehrere Züge getroffen hat. Die Dispatcher der U-Bahn-Gesellschaft haben uns bereits gemeldet, dass zum Zeitpunkt der Explosion kein Zug eingefahren war; allerdings weiß keiner, ob die Druckwelle, die es zweifellos im U-Bahn-Tunnel gegeben haben muss, nicht doch noch einen der fahrenden Züge erwischt hat. Wir haben bisher noch keine Ahnung, wie es da unten aussieht. Es muss aber auf jeden Fall eine gewaltige Explosion gewesen sein – oder mehrere. Der Zugang zum Bahnhof existiert nicht mehr. Die Rolltreppen haben sich einfach in Luft aufgelöst. Es sieht so aus, als wenn das Zentrum des Kraters direkt über dem Versorgungsmodul des Bahnhofs liegt. Sogar die Belüftungsschächte aus Edelstahl sind weggesprengt worden – einer ist im Hyde-Park eingeschlagen, die anderen drei wurden noch nicht gefunden. Wir haben Einheiten der Army mit schwerem Pioniergerät angefordert, aber die brauchen wohl noch einige Zeit bis sie hier sind. Selbst die Feuerwehr ist hier machtlos, sie können einfach nichts tun außer die Ärzte und Sanitäter zu unterstützen. Die Auroren suchen nach Verschütteten, aber auch nach Zeugen, beides jedoch bisher mit mäßigem Erfolg. Das ist im Moment alles was ich euch berichten kann." „Hm, das ist in der Tat nicht viel. Können wir uns ein wenig umsehen?", wollte Dumbledore wissen. Der Beamte hatte nichts dagegen.
Albus drehte sich zu Harry und Hermine um und blickte in ihre vom Schock kalkweißen Gesichter. „Ihr braucht das nicht zu machen", meinte er mit sanfter und leiser Stimme zu ihnen. „Ich habe vollstes Verständnis für euch, wenn ihr lieber zurück nach Hogwarts wollt." Doch obwohl ihnen das Entsetzen mehr als deutlich anzusehen war, schüttelten beide Schüler stumm ihre Köpfe. „Nein, Albus, wir bleiben hier und helfen mit", krächzte Harry. „Seid ihr euch sicher? Also gut. Ich möchte euch bitten, euch die Reste der magischen Energie anzusehen, damit wir herausfinden können was hier passiert ist und wer dafür verantwortlich ist. Und ich habe noch eine zweite Aufgabe für euch: Versucht mögliche Verschüttete zu orten, damit sie geborgen werden können. Schafft ihr das?" Froh darüber endlich eine vernünftige Aufgabe zu haben, stimmten Harry und Hermine zu. Zu dritt suchten sie sich eine ruhige Ecke, wo Harry und Hermine kurz meditierten um sich selbst zu beruhigen, während Albus über sie wachte und die anderen Rettungskräfte und Neugierigen von ihnen fern hielt.
Nachdem sich die beiden Schüler soweit beruhigt hatten, dass sie sich voll auf ihre Aufgaben konzentrieren konnten, sahen sie sich zuerst ihre Umgebung genauer an. Dazu wechselten sie ihren Blick, wie sie es nannten, um die magischen Energien sehen zu können. Ziemlich schnell stellten sie fest, dass die hier verwendete Schwarze Magie unterschiedliche Signaturen besaß, also nicht nur von unterschiedlichen Personen stammte, sondern auch unterschiedlich gewirkt wurde. Keine der Signaturen kam ihnen bekannt vor, aber das musste nicht unbedingt etwas bedeuten. Schließlich konnten sie eine magische Signatur nur dann zweifelsfrei zuordnen, wenn sie den jeweiligen Anwender bereits schon einmal in Aktion gesehen und sich dabei seine oder ihre Aura angesehen hatten. Die Signaturen ihrer Freunde und einige der Lehrer und Ordensmitglieder kannten sie inzwischen, so konnten sie herausfiltern und ausblenden, wo Moody, Shaklebolt und Arthur Weasley gezaubert hatten.
Danach baten sie um Arthurs und Alastors Anwesenheit, um von ihnen schneller zu erfahren, welche Zauber von den Ministeriumskräften eingesetzt worden waren, damit sie diese ebenfalls herausfiltern konnten. So nach und nach sahen sie schließlich nur noch die Restenergie der Schwarzen Magie, die sich aber zunehmend verflüchtigte. „Wie es scheint, sind dieses Mal die drei Unverzeihlichen nicht eingesetzt worden", gab Harry murmelnd von sich. „Einige der Flüche sehen wie Sprengflüche aus", meinte Hermine. „Harry, siehst du den einen da? Der sieht aus als wenn damit etwas gezeichnet worden wäre." „Damit haben sie wohl das Dunkle Mal gemacht", entgegnete Harry. „Was seht ihr noch?", fragte Moody, während sein magisches Auge wie wild in seiner Höhle umher rollte. „Hauptsächlich Sprengflüche. Aber da gibt es einen Fluch, der eine Art gemischte Signatur trägt. Es scheint, als ob er von mehreren Personen gleichzeitig gesprochen wurde", gab Hermine von sich. „Er sieht aus, als wenn er irgendetwas verstärken würde; aber wir können nicht herausfinden was."
„Wer ist das?", fragte Harry plötzlich; er hatte neue Anwesende bemerkt. „Die Suchhundestaffel der Muggel ist eingetroffen", antwortete Whidbey, der gerade in diesem Moment zu ihnen getreten war. „Habt ihr schon etwas herausgefunden?" „Ja, es sieht so aus als wenn eine ganze Menge Sprengflüche eingesetzt worden wären, und ein von mehreren Personen gleichzeitig gesprochener Fluch, der irgendeine verstärkende Wirkung hatte. Die Unverzeihlichen scheinen nicht eingesetzt worden zu sein", gab Moody Auskunft. „Halt, da ist noch etwas!", rief Harry auf einmal. „Da ist noch ein Spruch, der von dem Verstärkungszauber zum größten Teil überdeckt wird – so etwas habe ich noch nie gesehen!" „Kannst du uns beschreiben, was du siehst?", fragte Dumbledore. „Der Spruch scheint von dort drüben" – Harry zeigte zum Eingang des Parks – „gewirkt worden sein. Es ist schwer ihn zu erfassen, er ist recht undeutlich und verschwommen. Leicht gewellt, von der Farbe her in dunkles Grau, an den Rändern zerfasert. Weder schwarz noch weiß, eher neutral von der Einstufung her. Sehr machtvoll, von nur einer Person gesprochen. Scheint etwas zu pulsieren; wird mal stärker, mal schwächer. Verblasst insgesamt immer mehr und dürfte wohl in kurzer Zeit nicht mehr zu sehen sein." „Am auffälligsten ist, das die Umgebung noch immer mit der Restenergie des Spruches zur reagieren scheint", fügte Hermine Harrys Ausführung noch hinzu.
„Jetzt noch, nach über einer Stunde?", entfuhr es Moody. „Albus, weißt du was das bedeutet?" „Ja", antwortete Dumbledore bestürzt. „So etwas tritt in der Regel nur bei zeitmanipulativen Sprüchen auf." „Zeitmanipulative Sprüche?", fragte Harry nach, der den Begriff bisher noch nicht gehört hatte. „Bei Duellen werden manchmal bestimmte Sprüche eingesetzt", erklärte Dumbledore, „mit deren Wirkung man sich schneller als der Gegner bewegen kann, oder der Gegner verlangsamt wird. Alastor kann mit seinem Auge solche Sprüche wahrnehmen, in dem Moment in dem sie ihre Wirkung entfalten." „Also wurde hier etwas beschleunigt oder verlangsamt", schlussfolgerte Hermine. „Kluges Kind", meinte Moody versonnen, woraufhin Hermine im Gesicht rot wurde und Harry trotz der Umstände grinsen musste.
„Ich habe noch eine Staffel Sprengstoffspürhunde angefordert", meldete sich Joe wieder zu Wort. „Wenn hier Sprengsätze explodiert sein sollten – und meiner Meinung nach sieht es ganz danach aus – dann werden die Hunde das feststellen können. Ihr sagt also, dass hier a) Sprengflüche, b) kombinierte Verstärkungszauber und schließlich c) ein zeitmanipulativer Spruch eingesetzt wurden?" Harry und Hermine bestätigten dies. „Hm, wenn das stimmt, dann vermute ich, dass hier ein oder mehrere Sprengsätze eingesetzt wurden, welche durch Magie verstärkt und verzögert zur Zündung gebracht worden sind. Das bedeutet aber auch, dass hier Schwarze Magie mit Muggel-Technologie – sprich Bomben – kombiniert wurde. Lehnen die Todesser nicht strikt alles ab, was mit den Muggels zusammen hängt?" „Das sind die Punkte, die wir zu klären haben, Joseph", erwiderte Dumbledore nicht einmal eine halbe Stunde nachdem er hier mit seinen beiden Schützlingen eingetroffen war.
„Harry, Hermine, könnt ihr sonst noch etwas feststellen?", fragte Moody. „Nein, im Moment nicht. Sollen wir jetzt nach Verschütteten suchen?" „Ich bitte euch darum!" Wieder konzentrierten sich Harry und Hermine auf ihre Umgebung, allerdings richteten sie dieses Mal ihren Blick auf die Aura, die ein jedes Lebewesen umgab, ob Tier, ob Mensch, ob Zauberer oder Muggel; überlagert von einem Abbild ihrer Umgebung. Doch in diesem Gewimmel von Such- und Rettungskräften war es gar nicht so einfach, mögliche weitere Opfer zu erkennen. Da sie hier ihrer Umgebung keine Energie entziehen konnten um ihre Fähigkeiten zu steigern – sie würden damit vor allem die Muggel und die Suchhunde beeinträchtigen und außerdem die Restenergie der beim Anschlag verwendeten Magie ganz zerstören – verbanden sich Harry und Hermine erneut tief auf geistiger Ebene, um ihre Kräfte und Sinne zu koppeln. Nun schafften sie es auch, die an der Oberfläche arbeitenden Rettungskräfte und die bereits versorgten bzw. geborgenen Opfer nach und nach auszublenden, damit sie sich auf eventuell unter dem Trümmer- und Schuttberg Begrabene konzentrieren konnten.
Es dauerte für die Wartenden einige qualvolle Minuten, bis Harry und Hermine gemeinsam ein paar erste Umrisse von menschlichen Körpern ausmachen konnten. Aber zu ihrem Entsetzen verblasste die Aura bei jedem einzelnen, was bedeutete, dass diesen Menschen nicht mehr geholfen werden konnte. Je mehr sich die beiden an diese Sicht gewöhnten, desto mehr Leichen nahmen sie unter den Trümmern wahr – jedoch konnten sie keinen einzigen Lebenden ausfindig machen. Nur Tote, nur Leichen. Tote Männer, tote Frauen, tote Kinder, und den einen oder anderen toten Hund, der wohl sein Herrchen oder Frauchen mit in den Tod begleitet hatte. Immer wieder suchten Harry und Hermine das gesamte Gelände des ehemaligen Bahnhofs ab, aber selbst nach über zwanzig Minuten hatten sie keinen Überlebenden gefunden. Verstört und geschockt brachen sie die Suche schließlich ab, denn sie konnten inzwischen kaum noch die Augen offen halten, in denen der Staub und der Qualm furchtbar brannten.
„Lasst es gut sein", kam es sanft und mitfühlend von Harrys Ururgroßvater, und er zog die beiden an sich. Er wusste, wie es einem mitnahm, wenn man zum ersten Mal ein solches Bild der Zerstörung zu Gesicht bekam, wenn man zum ersten Mal so viele Tote sah. Zugegeben, beide - sowohl Harry als auch Hermine - hatten schon mehrmals dem Tod ins Antlitz sehen müssen, zuletzt als Sirius gefallen war; aber diese verstümmelten und zerschmetterten Leichen hier an der Stelle des Anschlags, das war etwas ganz anderes.
Noch einmal ließ Harry seinen Blick über die Umgebung schweifen. Als er sich gerade den See im St. James's Park ansah, keuchte er plötzlich erschrocken auf. „Hermine!", rief er und zerrte an ihrem Arm. „Sieh dir den See an!" „Was meinst du?" Hermine konnte ihm nicht so ganz folgen. „Der U-Bahn-Tunnel unter dem See!" „Was? Oh Jesus!" „Komm!" Ohne ein weiteres Wort zu sagen teleportierte Harry mit Hermine im Schlepptau in den Tunnel der U-Bahn. Nur wenige Sekunden nach ihnen erschienen auch die anderen, und nun sahen sie auch, was die beiden Schüler so in Aufregung versetzt hatte: Über ihren Köpfen waren Risse und Spalten in der Tunneldecke zu sehen, die scheinbar durch den Explosionsdruck entstanden waren. Aber das schlimmste jedoch war, dass aus diesen Rissen und Spalten Unmengen von Wasser in den Tunnel eindrangen, denn sie befanden sich nun direkt unterhalb des Sees im Park.
„SCHEISSE!", fluchte Whidbey genau in dem Moment, in dem sich ein Stück Tunneldecke löste und genau vor seine Füße fiel. „RAUS HIER! RAUS!", brüllte er, doch Moody ergriff ihn am Arm und deutete hinüber zu Harry und Hermine. Diese hatten sich an den Händen gefasst, hielten die Augen geschlossen, und murmelten leise vor sich hin. Dann lösten sie sich von einander und Harry drehte sich um, so dass sie nun Rücken an Rücken standen. Erst langsam beginnend und dann immer schneller werdend, webten sie ein Schutzschild, dass stabil genug war um dem Gewicht des Erdreiches und des Wassers über ihren Köpfen stand zu halten. Arthur, Alastor und Joe sahen ihnen mit offenen Mündern zu, eine derartige Magie hatten alle drei noch nie zuvor gesehen. Nur Dumbledore wachte wieder über seine beiden Schützlinge; je öfter er sie bei solchen Aktionen beobachtete, desto besser konnte er ihren Energielevel einschätzen.
Als Harrys und Hermines Energie auf einen gefährlichen Pegel zu sinken drohte, rief Dumbledore die anderen drei Erwachsenen zu sich. „Schnell! Fasst sie irgendwo an, aber behindert sie nicht! Sie brauchen mehr Energie! Ich kann euch nicht dabei helfen, sonst kann ich uns nachher nicht mehr hier raus bringen!" Moody verstand augenblicklich was Albus von ihnen wollte; er zog Arthur und Joe mit sich und zu dritt berührten sie die beiden in einem unbeschreiblichen Lichtschimmer leuchtenden Schüler. Beinahe sofort konnte Dumbledore die Wirkung beobachten: Die zuvor noch schwächer werdenden Bewegungen von Harry und Hermine wurden wieder wesentlich kraftvoller, und somit verstärkten sich auch ihre nach Elfenart gewobenen Zauber.
Nach einer knappen Stunde war es schließlich geschafft. Harry und Hermine verlangsamten ihre Bewegungen; sie zupften nur noch mal hier, mal dort, um dem Schutzschild den letzten Schliff zu geben. Dann jedoch sanken sie erschöpft und völlig verausgabt zu Boden, selbst die vier Erwachsenen konnten sie nicht schnell genug auffangen. „Was haben sie gemacht?", wollte Arthur mit matter Stimme wissen. Auch er war genau wie Joe und Alastor total erschöpft und kraftlos, aber alle drei konnten sich wenigstens noch einigermaßen auf den Beinen halten. „Genau kann ich euch das nicht erklären, aber ich würde sagen, Harry und Hermine haben einen Elfenschutzschild gewoben, um die Decke über uns zu stabilisieren. Wie genau das funktioniert weiß ich nicht; mir ist nur bekannt dass sie dazu ihre eigene Magie auf die magische Energie ihrer Umgebung fokussieren müssen, damit sie eben diese nutzen und verändern können. Auf Grund des enormen Gewichts der Wassermassen und des Gesteins über uns brauchten sie mehr Energie als ihnen im Moment zur Verfügung stand, daher solltet ihr sie berühren. Sie haben euch einen Teil eurer magischen Energie, also eurer Magie selbst, entzogen und ihrer eigenen hinzugefügt. Ich empfehle euch, in nächster Zeit nicht zu zaubern. Am besten wäre es wohl, wenn ihr mit nach Hogwarts kommen würdet; Poppy kann euch dort mit Sicherheit relativ schnell wieder aufpäppeln", erklärte Dumbledore und beschwor einen Portschlüssel direkt in den Krankenflügel der Schule.
In Hogwarts angekommen ließ Dumbledore Harry und Hermine auf ein Bett schweben, welches er schnell noch vergrößert hatte. Dann rief er nach Madam Pomfrey und Dobby. Letzteren schickte er nach Ginny Weasley und den anderen Freunden von Harry und Hermine, denn er wusste, dass auch sie auf Avalon gelernt hatten magische Energie von oder zu anderen Personen zu transferieren. Kaum war Dobby mit einem lauten 'Krack' verschwunden, erschien auch schon Hogwarts Krankenschwester. „Direktor, was ist passiert?", fragte sie alarmiert, als sie den kleinen Menschenauflauf bemerkte. Noch hatte sie jedoch Harry und Hermine noch nicht gesehen. Daher wies Dumbledore stumm auf das Bett, in dem sein Ururenkel und seine Frau lagen. Leise erklärte er der Krankenschwester, was in London vorgefallen war. „Albus, musstest du sie mitnehmen? Sie sind doch noch Kinder!", ereiferte sich Pomfrey, doch Moody fiel ihr gleich ins Wort. „Poppy, halt mal die Luft an! Du weißt was auf den Jungen noch zukommt! Außerdem haben wir sie gebraucht, um schneller nach Überlebenden zu suchen und um die Ursachen des Anschlags herauszufinden!" Madam Pomfrey schnappte mehrmals nach Luft. Noch nie in ihrem Leben hatte es auch nur irgendjemand gewagt, sie dermaßen anzublaffen!
„Beruhigt euch!", ging der Schulleiter dazwischen. „Wir sind alle ein wenig angespannt! Poppy, kannst du bitte Joseph ein paar Stärkungstränke geben? Ich denke, er will schnell wieder nach London zurückkehren." „Für mich auch bitte", kam es von Arthur Weasley. „Ich muss schnell wieder zurück ins Ministerium!" Aber daraus sollte es erst einmal nichts werden, denn in diesem Moment kamen nicht nur Luna und Neville ins Krankenzimmer gestürmt, sondern auch Ginny und Ron. Als sie ihren Vater entdeckten, riefen sie laut und wie aus einem Mund: „Dad! Ist dir was passiert?!"
Gerade als Arthur seine beiden jüngsten Kinder begrüßte und in seine Arme schloss, betraten auch Tonks und Remus das Krankenzimmer, und kurz nach ihnen Hagrid. Alle redeten durcheinander, jeder wollte wissen was passiert war und wie es nun um Harry und Hermine stand. Daher stand Dumbledore auf und verschaffte sich Gehör. „Freunde, ich weiß ja, dass ihr alle besorgt seid, aber so geht das nun wirklich nicht. Sucht euch bitte einen Platz zum Hinsetzen, dann werde ich euch berichten." Nachdem sich jeder eine Sitzgelegenheit gesucht hatte, konnte der Schulleiter endlich in Ruhe berichten, was an diesem Vormittag in London vorgefallen war. Er wurde nicht ein einziges Mal unterbrochen, zu geschockt waren seine Zuhörer.
„Ich möchte euch nun bitten, Mr Whidbey etwas Energie zu spenden, damit er wieder nach London zurückkehren und seine traurige Arbeit fortsetzen kann", wandte er sich zum Schluss an Ginny, Ron, Neville und Luna. Die vier taten worum sie gebeten wurden, bis Joe meinte dass es genug sei. Dann konfigurierte er einen Portschlüssel, verabschiedete sich und verschwand. Als nächstes war Moody an der Reihe. Sobald auch er wieder genug Energie hatte, verschwand er ebenfalls nach London, um Whidbey und die Auroren des Ministeriums zu unterstützen.
„Arthur, ich denke du bleibst erst einmal hier", meinte Dumbledore. „Ich werde Cornelius und natürlich auch Molly bescheid geben." Nun sah man ihm ganz deutlich die Erschöpfung an, aber auch die Anspannung, die seit dem bekannt werden des Anschlages auf ihm lastete. „Ich bin in meinem Büro; ich muss über einige Dinge nachdenken. Höchstwahrscheinlich wird es noch heute Nachmittag noch eine dringende Ordenssitzung geben. Kümmert euch bitte gut um Harry und Hermine – sie haben heute Unwahrscheinliches geleistet. Sorgt bitte dafür, dass sie sich so schnell wie irgendwie möglich wieder erholen; ich fürchte, ich muss noch heute erneut auf sie zurückgreifen, auch wenn es weder mir noch euch gefällt."
Kaum das Dumbledore gegangen war, kam Poppy mit einem Tablett voller dampfender Kelche – Stärkungstränke für alle. Arthur kippte seinen Trank ohne Kommentar hinunter, aber seine beiden jüngsten Kinder sowie Neville konnten sich ein „uarrrgs" nicht verkneifen. Luna verzog lediglich ihr Gesicht.
Frisch gestärkt, widmeten sich die vier ihren besten Freunden. Ginny und Luna kümmerten sich um Hermine, Ron und Neville um Harry. Indem sie ihre Hände auf die beiden immer noch Bewusstlosen legten, transferierten sie einen guten Teil ihrer eigenen Energie in Harry bzw. Hermine, nur gesteuert durch ihren eigenen Willen. Sie brauchten etwa zehn Minuten, bis der Energiepegel der beiden wieder soweit angehoben war, dass sie mit einem Stöhnen aus ihrer Ohnmacht erwachten. „Arrrgh, nicht schon wieder", fluchte Harry leise, kaum dass er erkannt hatte, dass er einmal mehr im Krankenflügel gelandet war. Nachdem auch Hermine wieder ansprechbar war, drängte Madam Pomfrey die vier Energiespender zur Seite, damit sie ihren wohl häufigsten Patienten und seine Gefährtin untersuchen konnte.
Einige Zeit später kam sie zu einem Urteil: „Körperlich fehlt euch nichts, von der tiefen Erschöpfung einmal abgesehen. Aber irgendwie scheint ihr mir immer noch ein bisschen unter Schock zu stehen; kein Wunder bei dem was heute passiert ist und was ihr da gesehen habt! Aber gut. Der Direktor hat angeordnet, dass wir euch so schnell wie möglich wieder aufpäppeln sollen, falls er euch heute noch einmal braucht. Ich fürchte, angesichts der Umstände kann ich mich dem nicht widersetzen. Habt ihr eine Möglichkeit, euer Energielevel schneller wieder auszugleichen als ich es mit meinen Heiltränken vermag?" „Ja, diese Möglichkeit haben wir. Aber dazu müssen wir in den Wald…"
„Ich begleite euch, wenn ihr nichts dagegen habt", ließ sich daraufhin Hagrid vernehmen; und auch Remus und Tonks signalisierten, dass sie ebenfalls mitkommen würden. „Also gut, dann geht, und ich sage dem Direktor bescheid", entgegnete Poppy, bevor sie ihre Sachen zusammen suchte und aufräumte. „Willst du so gehen?", fragte Hermine und deutete auf Harrys verdreckten Wildlederanzug. „Nein, eine Robe wäre wohl hier in Hogwarts angebracht, falls uns andere Schüler sehen…" Mit zwei kleinen Handbewegungen war zumindest ihre Kleidung wieder sauber. „Dobby", rief Harry in den Raum hinein, und nur Sekunden später stand der kleine Hauself vor ihnen. „Master Harry haben gerufen, Sir?" „Dobby, kannst du bitte so schnell wie möglich je einen Hogwarts-Umhang für Hermine und mich her holen? Ich fürchte, wir haben momentan nicht die Kraft, um im Schloss umher zu teleportieren…"
Kurze Zeit später konnte man eine kleine Gruppe beobachten, wie sie zielstrebig den verbotenen Wald aufsuchte. Harry und Hermine wurden nicht nur von ihren Freunden begleitet; auch Arthur, Remus, Tonks und Hagrid hatten es sich nicht nehmen lassen mitzukommen. Nachdem Harry dem Wildhüter seine Vorstellungen mitgeteilt hatte, führte dieser die Gruppe zu einer kleinen Lichtung. „Der Platz ist gut", bestätigte auch Hermine, die ja wusste was Harry wollte. Während ihre Freunde verstanden, wurde das junge Ehepaar von den Erwachsenen nur ratlos angeschaut. Also erklärte Hermine mit kurzen Worten, was sie vorhatten.
Mit gemischten Gefühlen beobachteten dann auch die vier Erwachsenen das Treiben der Jugendlichen. Diese hatten sich gegenseitig die Kleidung so verzaubert, dass ihre Arme und Beine mehr oder weniger frei waren. Anschließend hatten sie sich nahe beieinander ins Gras gelegt, und nun fassten sie sich an den Händen. Gemeinsam meditierten sie um die nötige innere Ruhe zu erlangen; und dann war es soweit: Harry und Hermine drangen mit ihren Sinnen in ihre Umgebung ein, dabei wurden sie so gut es ging von ihren Freunden unterstützt.
Was genau die Jugendlichen da machten, konnten Arthur, Remus, Tonks und Hagrid nicht erkennen, aber sie spürten deutlich, wie sich ihre Umgebung zunehmend veränderte. Das dichte Buschwerk, welches die Lichtung nach allen Seiten hin begrenzte, fing auf einmal an zu wachsen und streckte und reckte sich, um auch noch die kleinste Lücke zwischen den Bäumen zu füllen und diese dadurch miteinander zu verbinden. Die Bäume rings um die Lichtung knarrten und ächzten, als sie ihre Wurzeln durch den Waldboden bis mitten unter die Gruppe der da liegenden Jugendlichen schickten und auch ihre Äste wachsen ließen und sie bis zu den Zauberern und Hexen hinab beugten. Schlingpflanzen kamen aus allen Richtungen auf die sechs Freunde zu gekrochen und begannen sich vorsichtig um die Arme und Beine der Jugendlichen und um die hinab reichenden Äste der Bäume zu wickeln. Das Gras fing an zu sprießen, bis es die sechs Körper fast vollständig bedeckt hatte.
Auch die Tierwelt zeigte sich in diesem beeindruckenden Schauspiel. Eichhörnchen sprangen von Ast zu Ast, bis sie bei den Jugendlichen angekommen waren. Wildkaninchen hoppelten herbei und gesellten sich zu den Eichhörnchen. Mehrere Rehe und auch der eine oder andere Hirsch gesellte sich dazu, ebenso wie eine Unmenge der verschiedensten Vögel. Am unheimlichsten war jedoch, dass selbst sechs Thestrale auf der Lichtung erschienen und sich um die sechs am Boden liegenden Freunde gruppierten. Es wusste zwar niemand, aber es waren genau jene sechs Thestrale, die im vergangenen Jahr die sechs Freunde nach London geflogen hatten. Kurz nach ihnen schlich sich ein kleines Rudel Wölfe auf die Lichtung. Eigenartiger Weise interessierten sie sich nicht für die Kaninchen, Hasen und Eichhörnchen, sondern sie legten sich einfach neben die Thestrale.
Schließlich legte sich eine friedliche Ruhe über die Lichtung. Dadurch konnte man ein leises Schnauben hören. Es stammte von dem Einhornhengst, der beinahe lautlos am Rande der Lichtung erschienen war. Hinter ihm konnte man weitere Einhörner erkennen. Auch diese edlen und ebenso anmutigen wie scheuen magischen Wesen gesellten sich zu dem Reigen, allerdings bewahrten sie einen gewissen Abstand zu den anderen. Es schien so, als ob die Einhörner das Ganze irgendwie zu überwachen schienen. Allerdings waren sie auch deshalb so vorsichtig, weil sie den anwesenden Werwolf gewittert hatten, auch wenn er momentan nicht verwandelt war.
Kaum dass sich die Einhörner gruppiert hatten, ertönte ein leiser Knall, und Fawkes erschien in seiner üblichen Stichflamme. Nachdem er ein paar Runden über den Köpfen der Anwesenden gedreht hatte, ließ er sich auf dem Rücken des Einhornhengstes nieder. Als Fawkes es sich bequem gemacht hatte, schaute er mehrmals in die Runde; scheinbar um zu prüfen ob alles in Ordnung war. Dann begann er eine seiner schönsten Melodien zu trällern und zu zwitschern, auf dass es sämtlichen Anwesenden warm ums Herz wurde. Unaufhörlich sang der Feuervogel – und lenkte so das Geschehen auf der Lichtung.
Während die Jugendlichen in einen tiefen, komaähnlichen Schlaf fielen, erwachte ein sanftes, in allen Regenbogenfarben schillerndes Glühen auf der Lichtung. Zwar schien es von den Pflanzen auszugehen, aber schnell hatte es alle Anwesenden – bis auf Fawkes – erfasst, selbst die etwas unbeholfen am Rande der Lichtung stehenden vier Erwachsenen. Die Tiere entspannten sich, während Fawkes unaufhörlich sang. Die Blätter der Bäume raschelten leise im aufkommenden sanften Wind, und das Gras wiegte sich im gleichen Rhythmus. Wie ein Netz legte sich die friedliche Ruhe über alles; und alle Anwesenden spürten bewusst oder auch unbewusst tief in sich selbst einen Frieden mit sich und dem Wald und seinen Bewohnern.
Und Fawkes sang immer noch.
Langsam senkten die im Kreis um die Gruppe stehenden Einhörner ihre Köpfe, während der Wind mit ihren Mähnen und Schweife spielte. Vom Willen dieser absolut friedliebenden Wesen und von Fawkes Gesang gelenkt, sprang das allgegenwärtige Glühen sofort auf die schneeweißen Tiere über. Von ihren Hörnern ausgehend, bildeten sich erst vereinzelt und dann immer mehr zunehmend Blitze magischer Entladungen, bis sie eine Art Schild zwischen den Einhörnern bildeten. Schließlich wölbte sich dieser Schild, bis er die gesamte Gruppe umschloss. Der Wind nahm um einiges zu, so dass er beinahe mühelos das ständige Knistern der Entladungen übertönte. Vor allem aber sorgte der Wind dafür, dass das bei den Entladungen entstehende Ozon abtransportiert und durch frischen Sauerstoff ersetzt wurde. So wichtig das Ozon auch für alle Lebewesen war – immerhin hielt es die schädlichen Anteile der Strahlung der Sonne von den Bewohnern dieses Planeten ab – so schädlich war es auch für sie, wenn es in diesem Mengen eingeatmet wurde.
Und Fawkes sang und wachte über alles.
Langsam fingen die Äste und Wurzeln der Bäume und auch die Schlingpflanzen an zu pulsieren, während die Lebensenergie des Waldes durch sie gebündelt in die sechs am Boden liegenden Menschen strömte. Die Einhörner sorgten mit ihrem Schild dafür, dass die Energie richtig verteilt wurde – eine zu große Energiemenge würde den Jugendlichen genauso schaden wie es den Wald belasten würde, wenn er zu viel Energie verlieren würde. Dann nämlich würden Teile des Waldes schlicht und einfach absterben.
Aber Fawkes sang und wachte über alles.
Nach noch nicht einmal zwanzig Minuten verringerte sich das Pulsieren, es floss immer weniger Energie zu den Jugendlichen, bis der Strom ganz versiegte: Der Energieausgleich zwischen den Menschen und dem Wald war abgeschlossen. Langsam senkte sich der Schild der Einhörner, während die magischen Entladungen zwischen den Spitzen ihrer Hörner immer weniger wurden, bis auch sie gänzlich aufhörten und der Schild dadurch zusammen brach. Leise schnaubend traten diese wunderschönen Tiere zurück, bevor sie sich um ihren Leithengst sammelten. Auch die anderen Tiere erwachten nach und nach aus ihrer Starre und verließen die sechs Menschen in ihrer Mitte. Allerdings blieben sie alle noch auf dieser Lichtung, sie sammelten sich nur am Rande. Die Hasen und Kaninchen blieben beieinander, ebenso die Eichhörnchen. Auch die Wölfe rotteten sich zusammen genauso wie die Thestrale. Die ganzen Vögel flatterten in die Bäume, auf deren Äste und Zweige sie sich erneut nieder ließen.
Und Fawkes sang und wachte über alles, während er immer noch auf dem Rücken des Einhorn-Hengstes saß.
Langsam, erwachten die sechs Schüler, einer nach dem anderen. Zuerst öffnete Luna ihre Augen, dann Ginny, Neville und Ron. Es dauerte nur kurz, bis sie sich orientiert hatten. Gespannt und besorgt zugleich blickten die vier zu Harry und Hermine, genau in dem Moment als die Braunhaarige ebenfalls erwachte. „Wie fühlst du dich?", fragte Ginny, nachdem sich Hermine aufgesetzt hatte. Diese schien sich selbst zu prüfen, bevor sie antwortete. „Gut, aber irgendetwas ist anders, ich weiß nur noch nicht was…" Suchend sah sich Hermine um. Etwas verwundert registrierte sie den Aufmarsch der Tiere und magischen Wesen, sagte aber nichts dazu. Schließlich blickte sie neben sich, wo Harry noch immer friedlich schlummerte.
Fawkes sang noch immer.
Mit ernstem Blick musterte Hermine ihren Mann, aber ihm schien nichts zu fehlen. Er lag nur schlafend da, mit einem äußerst friedlichen Gesichtsausdruck. Dadurch verschwand auch Hermines besorgter Gesichtsausdruck; er wich einem liebevollen Blick, mit dem sie nun Harry bedachte. Mit einer sanften Handbewegung strich sie eine vorwitzige Haarsträhne aus Harrys Stirn, bevor sie sich hinunter beugte und ihm einen Kuss auf die Lippen hauchte. Wie überrascht war sie aber, als sich plötzlich zwei starke Arme um sie legten und sie noch weiter hinunter zogen! „Hey!", wollte Hermine noch protestieren, als sie auch schon wieder Harrys Lippen auf den ihren spürte. Mit einem Seufzen ergab sie sich in diesen Kuss, bis sich Ginny laut und deutlich räusperte. Etwas widerwillig löste sich Hermine von Harry und stemmte sich hoch. „Man, Herminchen, seit wann hast du denn so einen Schlafzimmerblick drauf?", witzelte ihre rothaarige beste Freundin grinsend. Hermine wurde etwas rot um die Ohren, aber glücklicher Weise sah das niemand, da ihre Haarpracht alles verdeckte. „Ich weiß nicht was du meinst", entgegnete sie etwas spitz, bevor sie Harry auf die Beine half, dem irgendjemand ein unschuldiges Grinsen ins Gesicht geschraubt hatte.
Und Fawkes sang noch immer.
„Alles in Ordnung mit euch? Wie fühlt ihr euch?", fragte Remus, der nun gemeinsam mit den anderen Erwachsenen näher kam. „Ich fühl mich einfach nur blendend", erwiderte Harry, und seine fünf Freunde stimmten ihm zu. „Was war das eigentlich? Was habt ihr gemacht?", fragten nun auch Tonks und Arthur neugierig; und Hagrid brummte etwas in seinen Bart, was niemand verstand. Harry wollte gerade zu einer ersten, vorsichtigen Erklärung ansetzen, als sich etwas änderte.
Fawkes sang nicht mehr.
Stattdessen breitete er seine Flügel aus und flatterte hinüber auf Harrys Schulter. „Hallo Fawkes", begrüßte dieser den Feuervogel und strich ihm übers Gefieder. #Hallo Harry#, wurde er zurück gegrüßt. #Fawkes, was machen denn die Einhörner und die ganzen Tiere hier?#, wollte Harry wissen. #Nun, als ihr den Wald mental um Hilfe gebeten habt, hat der Wald euren Hilferuf an seine Bewohner weiter geleitet. Viele Tiere haben darauf geantwortet, und einige sind zu euch gekommen, um euch ihre Unterstützung anzubieten. Die Einhörner habe ich gerufen, damit sie mir helfen konnten, den Energiefluss zu euch zu kontrollieren. Es war auch für mich das erste Mal, dass ich etwas Derartiges gemacht habe… Ich habe die Einhörner darüber informiert was heute passiert ist und warum ihr euch so schnell regenerieren musstet, und sie haben mich gebeten, euch ihre Unterstützung auszurichten. Aber wenn du dich verwandelst, kannst du dich selbst mit ihnen unterhalten. Willow – der Leithengst – scheint sehr von dir und Hermine angetan zu sein. Er kennt übrigens auch Aladahan, genauso wie Serephina, seine Lieblingsstute.# #Aladahan ist hier?#, fragte Harry überrascht. #Derzeit leider nicht; er ist vor gut zweihundert Jahren nach Ägypten geflogen um bei seinem Rudel zu sein… Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört.# #Aber das bedeutet ja, das Willow und Serephina mindestens zweihundert Jahre alt sein müssen – in unserem Lehrbuch für ‚Pflege magischer Geschöpfe' steht aber nichts davon, dass Einhörner eine so hohe Lebenserwartung haben…# #Das haben sie normaler Weise auch nicht, Harry. Es liegt an diesem besonderen Wald hier, der eigentlich für alle Menschen verboten ist. Aber das soll dir Willow selbst erklären!#
Schnell informierte Harry seine Frau und seine Freunde über das was er gerade von Fawkes erfahren hatte. Dann stellte er sich einige Schritte vor den Leithengst der Einhörner, neigte kurz sein Haupt, und verwandelte sich dann ebenfalls in einen Einhornhengst. Hermine tat es ihm gleich bis auf den Umstand, dass sie sich in eine Einhornstute mit einer etwas buschigen Mähne verwandelte. Dadurch wurden zwar die Wölfe etwas unruhig, aber durch die Nähe der Thestrale wagten sie es nicht sich von der Stelle zu rühren.
#Du bist also der Auserwählte#, wurde Harry mental von Willow begrüßt. #Ich weiß nicht, ob ich der Auserwählte bin. Normaler Weise werde ich ‚der-Junge-der-lebt' genannt, falls es das ist was du meinst. Aber mein Name lautet Harry, einfach nur Harry#, entgegnete der Schwarzhaarige. #Wenn du derjenige bist, der zusammen mit seinem Weibchen auf der Magischen Insel ausgebildet wurde, der sich in vielen Gebieten längst vergessener Magie auskennt, der sich beinahe beliebig verwandeln kann und als einziger Mensch einen Todesfluch überlebt hat – dann bist du der Auserwählte.# Harry neigte erneut seinen Kopf. #Dann ist dem wohl so.# Beide schwiegen einen Moment, in dem sie sich ausgiebig musterten. Dann nickte und schnaubte Willow kurz.
#Ich bin heute mit einem Teil meiner Herde zu dir gekommen, weil ich dir unsere Unterstützung anbieten möchte. Wann immer du die Hilfe des Waldes benötigst, er wird dich und deine Gefährten willkommen heißen. Auch auf unsere Hilfe kannst du jederzeit bauen. Wir haben heute ein kleines Ritual in unserer eigenen Magie abgehalten, um den Energieausgleich kontrollieren zu können. Aladahan hatte mir zwar erzählt, was ihr in etwa auf Avalon gelernt habt, aber heute hättet ihr gewaltige Probleme bekommen! Ihr hättet mit dem Energietransfer eure Freunde überlastet, da ihr beide – du und dein Weibchen – ein wesentlich höheres Energieniveau habt als eure Freunde. Zusammen mit Fawkes haben wir das versucht auszugleichen.# #Danke! Uns war das gar nicht bewusst gewesen#, erwiderte Harry doch etwas verblüfft. #Das haben wir bemerkt. Du musst lernen, den Energiefluss bei deiner Regeneration zu kontrollieren, Auserwählter. Sonst schadest du allen Anwesenden, sowohl Menschen, Tieren, Pflanzen, ja sogar dem Wald! Ich vermute jedoch, dass du dieses Wissen bereits in dir trägst, dir dessen nur noch nicht bewusst geworden bist. Wenn du Schilde nach Elfenart weben kannst, kannst du bereits den nötigen Energiefluss beherrschen und lenken. Genau so musst du es auch bei deiner Regeneration machen.#
Harry dachte eine Weile über das Gehörte nach, dann nickte er als Zeichen dass er verstanden hatte. #Daran werden wir noch arbeiten müssen. Hermine und ich müssen uns noch zu stark darauf konzentrieren, den Energietransfer überhaupt erst einmal einzuleiten…# #Ich weiß#, erwiderte Willow nachsichtig. #Ich konnte es fühlen. Dabei müsst ihr dem Wald doch nur sagen was ihr wollt – wenn er euch wohlgesonnen ist, und dieser Wald ist es mit Sicherheit, dann wird er euch helfen so gut er kann! Das ist auch der Grund, warum die Tiere und Wesen in diesem Wald recht friedlich miteinander leben – der Wald lässt es nicht zu, dass sich zwei seiner Geschöpfe gegenseitig töten! Er gibt uns alles was wir brauchen, und noch viel mehr. Er schenkt uns sogar ein wesentlich längeres Leben, solange wir seine uralten Gesetze achten. Eines Tages wirst auch du diese Gesetze erkennen, denn sie gelten für alle Lebewesen. Aber dieser Tag ist heute noch nicht gekommen, daher kann ich dir jetzt nicht mehr darüber sagen. Nun geh, Auserwählter, der Weise Mann wartet schon auf dich!#
Damit verneigte sich Willow ein letztes Mal, bevor er schnaubend nach Serephina rief und dann gefolgt von den anderen Einhörnern langsam die Lichtung verließ. Harry dagegen stand noch eine ganze Weile so da und grübelte über das was der Hengst zu ihm gesagt hatte. Er bekam nicht einmal mit wie sich Hermine zurück verwandelte als Albus Dumbledore die Lichtung betrat. Erst als seine Frau ihn sanft zwischen den Ohren kraulte kehrten seine Gedanken in die Wirklichkeit zurück. Kurz genoss er Hermines Streicheleinheiten, dann verwandelte sich auch Harry wieder zurück in seine menschliche Form. Überrascht registrierte der Schwarzhaarige, dass nun auch sein Mentor anwesend war. Immer noch mit dem von Willow Gehörtem beschäftigt, war Harry momentan nicht in der Lage auf die fragenden Blicke seiner Freunde zu reagieren.
Dumbledore hatte gerade noch sehen können, wie die Einhörner die Lichtung verlassen hatten. Dadurch war ihm auch einiges klar, denn er wusste zumindest zum Teil von den Fähigkeiten dieses besonderen Waldes und seiner Bewohner, auch wenn er wohl niemals auch nur einer Menschenseele davon würde berichten können. Mit einem leichten Seufzen schritt er langsam zu Harry hinüber, der ihn mit einem irgendwie der Welt entrücktem Blick anstarrte, und legte dem Jungen sanft eine Hand auf die Schulter. „Komm schon, mein Junge, die anderen Tiere warten noch darauf, dass du ihre Unterstützung anerkennst. Mach es wie bei den Einhörnern – verwandle dich in einen von ihnen, damit du ihr Geschenk annehmen kannst. Dann sollten wir zusehen dass wir zurück ins Schloss kommen, es gibt viel zu besprechen. In Ordnung?"
Harry nickte. Aber er setzte sich erst in Bewegung, als Hermine sanft seine Hand drückte und ihn zu den Wölfen schob. In Anbetracht dieser normalerweise doch nicht gerade lammfrommen Tiere sammelte sich Harry wieder, und blieb mit gefasstem Blick vor dem deutlich erkennbaren Leitwolf stehen. Dieser blickte ihn abwartend an, bevor er sich vor Harry auf seine Hinterläufe setzte. Nach ein paar Augenblicken verwandelte sich Harry in einen Wolf; er blieb aber auf allen Vieren vor dem Leitwolf des Rudels stehen. Dieser neigte seinen Kopf bis fast hinunter auf die Erde, als Zeichen dass er sich und damit auch sein ganzes Rudel Harry unterordnete. Harry akzeptierte dies, indem er kurz Laut gab und dem bisherigen Leitwolf mit der Zunge über die Schnauze strich. Damit war nun Harry der Leitwolf dieses Rudels, das Alphamännchen; und es gab niemanden im Rudel, der ihm diese Position streitig machte, da sie ihm auf Grund seiner Stellung als Auserwählter freiwillig angeboten worden war. Allerdings – das ahnte Harry zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal – war dies nur möglich geworden, weil ihn die Einhörner als Auserwählten bestätigt hatten. Denn vor den Einhörnern hatte einfach jeder hier im Wald gebührenden Respekt.
Nachdem dies getan war, trat Harry ein paar kleine Schritte zurück und gestattete es somit dem alten Leitwolf, sich zu erheben. Dieser stand dann auch recht schnell auf, schüttelte sich kurz, und dann sah er Harry tief in die Augen. Als der Kontakt kam, meinte Harry auf einmal, dass noch eine andere Präsenz in seinem Kopf wäre. Doch der alte Wolf schickte ihm nur Bilder – Bilder von seinem Rudel einschließlich der jüngsten Welpen und der ältesten Alten. Ganz besonders ein Bild stach deutlich hervor, nämlich das einer vollkommenen weißen Wölfin in mittleren Jahren. Irgendwie erfuhr Harry durch die Bilder, dass diese Wölfin Aylia hieß und magische Kräfte hatte. Sie war schon seit Generationen das Alphaweibchen des Rudels und warte nun auf Harry, den neuen Leitwolf.
Harry war erst einmal schockiert – er hatte keine Ahnung wie er darauf reagieren sollte. Er hatte doch schon sein Alphaweibchen – Hermine! Nach kurzem Zögern versuchte er auch dies dem alten Wolf mitzuteilen, doch er war sich nicht sicher, ob dieser ihn verstanden hatte. Darum bat er Hermine telepathisch darum, sich auch in einen Wolf zu verwandeln und sich an seine Seite zu stellen. Die Braunhaarige reagierte umgehend, und als sie dicht an Harrys Seite stand, verstand auch der alte Wolf. Er hatte tatsächlich Harrys Botschaft nicht verstanden, die Bilder waren ihm zu kompliziert. Er war schließlich „nur" ein normaler Wolf, wenn auch mit einer durch den Wald ‚geringfügig' verlängerten Lebensspanne. Er hatte ja noch nicht einmal einen richtigen Namen – er wurde von seinem Rudel einfach nur „Der Alte" gerufen!
Der alte Wolf sandte Harry noch einmal die Bilder, wo er das Rudel finden konnte, dann drehte er sich um und trottete davon. Das Rudel folgte ihm, einer nach dem anderen. Als Harry sich zurück verwandelte und sich anschließend umsah, erkannte er, dass nunmehr nur noch die Thestrale und die Vögel da waren. Die Eichhörnchen, Kaninchen und Hasen waren irgendwann gegangen; wann hatte er gar nicht mitbekommen.
Vor den Thestralen brauchte Harry sich nicht verwandeln. Sie kannten ihn ja bereits – es waren dieselben Thestrale, die ihn und seine Freunde damals nach London ins Ministerium gebracht hatten. Das Leittier schnaubte leise, als es an Harry heran trat, und rieb seinen Kopf an Harrys Schulter. „Ich danke euch", flüsterte Harry, während er das Tier streichelte. Der Thestral schnaubte noch einmal, dann löste er sich von Harry und trat ein paar Schritte zurück. Mit einem Male machte er sich unsichtbar und verschwand so mit seinen Artgenossen vor den Augen der Zauberer.
Als die Thestrale verschwunden waren, lösten sich auch die ganzen Vögel von ihren Sitzplätzen in den Bäumen. Sie drehten eine Runde um Harry (und eine kleinere über Hermine), dann suchten auch sie das Weite. Nun waren nur noch die Zauberer und Fawkes auf der Lichtung, jeder von ihnen mehr oder weniger tief beeindruckt, aber alle mit einer ganzen Menge Fragen im Kopf. „Kommt, lasst uns zurück ins Schloss gehen", meldete sich irgendwann der Schulleiter wieder zu Wort. Schweigend machte sich die Prozession auf den Weg, wobei Hagrid den Abschluss machte.
Im Schloss angekommen, leitete Dumbledore die Gruppe ins Besprechungszimmer der Professoren. Hier hatten alle bequem Platz, und sie konnten hier auch nicht abgehört werden. Nachdem sich alle nieder gelassen hatten, zauberte Dumbledore schnell noch Getränke für alle herbei.
„Nun, meine Lieben", ergriff der Schulleiter schließlich das Wort, „ich muss schon sagen, das war heute ein ganz schön starkes Stück Magie, was ihr das gezeigt habt. Ich konnte es sogar noch hier im Schloss spüren, als ihr den Energietransfer eingeleitet habt. Aber ich glaube, Willow hat dir schon einiges dazu gesagt, Harry, oder irre ich mich da?" Verblüfft blickte Harry seinen Mentor an. „Du kennst Willow?" „Natürlich, mein Junge", entgegnete Dumbledore mit einem Zwinkern. „Ich habe ihn kennen gelernt, als ich vor knapp einhundertvierzig Jahren selbst als Schüler hier war…" Harry schluckte kurz. Manchmal vergaß er einfach, wie alt sein Ururgroßvater eigentlich schon war.
Wenig später berichtete er davon, was er heute von Fawkes und vor allem von Willow erfahren hatte. Er wollte schon ansetzen sich bei seinen Freunden zu entschuldigen, dafür dass er sie ohne dem Eingreifen von Fawkes und den Einhörnern in Gefahr gebracht hätte, als Ginny ihm glatt über den Mund fuhr. „Vergiss es, Harry, denk nicht mal daran! Es war unsere Entscheidung, euch auf die Lichtung zu begleiten; und es hat keiner von uns gewusst oder geahnt – auch du nicht! – was hätte möglicher Weise passieren können! Also spar dir deine Entschuldigung und erzähl uns lieber, was heute Vormittag passiert ist!"
Nach einem kurzen Blick zu Hermine und zu Albus begann Harry mit dem Bericht, doch er wurde recht schnell vom Schulleiter abgelöst, denn er bemerkte, dass es Harry scheinbar recht schwer fiel, von dem erlebten Grauen zu berichten. Schockiert hörten die Jugendlichen zu, aber auch Hagrid, Remus und Tonks, denn sie waren ja nicht vor Ort gewesen. Nachdem Dumbledore geendet hatte, herrschte erst einmal eine ganze Zeit lang Schweigen im Raum, denn ein jeder musste das Gehörte erst einmal verdauen.
„Ich habe für heute Abend verschiedene Leute zu einer Konferenz eingeladen", fuhr Dumbledore irgendwann fort. „Dabei soll darüber diskutiert und entschieden werden, wie wir auf diesen Anschlag reagieren, und wie wir uns bei möglichen zukünftigen Anschlägen dieser Größenordnung verhalten wollen. Ich habe dazu als Vorsitzender des Zaubergamots nicht nur Mitarbeiter unseres Ministeriums eingeladen, sondern auch Vertreter der Muggel-Regierung. Ich verspreche mir nicht besonders viel von dieser Sitzung, jedoch müssen wir irgendwie reagieren – aber keiner weiß wie. Sollen wir mit einem Zeitumkehrer zurück reisen und den Anschlag verhindern und dabei wohl möglich ein Zeitparadoxon auslösen? Sollen wir gar nichts machen außer den üblichen Aufräumarbeiten? Ich weiß es nicht. Und mir ist es noch nie so schwer gefallen wie in diesem Fall, angemessen zu entscheiden…"
Die Anwesenden waren beinahe entsetzt. Noch nie hatten sie das Oberhaupt der Seite des Lichts so ratlos und müde gesehen! Doch dieses Gefühl wich rasch wieder, denn Harry stand unvermittelt auf und hockte sich neben den Stuhl seines Vorfahrens. „Großvater", sagte er leise, als er seine Hand auf Dumbledores Arm legte, „sollen wir heute Abend mitkommen? Wir könnten uns unsichtbar in irgendeine Ecke setzen und das Ganze beobachten, vielleicht fällt uns ja was auf dabei oder wir bekommen die eine oder andere Idee…" „Das wäre nett von euch, mein Junge", entgegnete Dumbledore müde, aber trotzdem lächelnd. „Aber ich möchte, dass nur du und Hermine mitkommt – ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich euch heute Abend noch brauchen werde…"
Der Schulleiter überlegte eine Weile, bevor er sich entschieden hatte. „Harry, Hermine, ich möchte dass ihr euch noch ein bisschen ausruht. Geht in euer Quartier und versucht zu schlafen. Ron, Ginny, Neville und Luna: Von euch möchte ich, dass ihr ein Alibi für Harry und Hermine schafft. Lasst meinetwegen das Gerücht umgehen, dass ihr zusammen die nächsten Samstagsunterrichte vorbereitet und deswegen nicht gestört werden wollt; oder irgendetwas in dieser Art. Sorgt dafür, dass niemand Fragen stellt, wo Harry und Hermine heute Abend sind. Wohlmöglich wird sich das bis morgen hinziehen; aber sollte das eintreten, werde ich euch noch entsprechend informieren. Arthur, du beziehst bitte deinen Posten im Ministerium, aber gebe noch Molly bescheid, damit sie sich keine Sorgen macht. Hagrid, du machst bitte weiter wie bisher. Remus, du weißt auch was du zu tun hast. Tonks, du wirst wohl im Ministerium gebraucht werden, schätze ich. Richtet euch aber bitte darauf ein, dass ich euch alle in den nächsten Tagen brauchen werde, sobald wir Näheres zu diesem Anschlag wissen. Ich werde beim Abendessen ein kurzes Statement abgeben und danach ins Ministerium gehen, zu der Konferenz. Bis dahin werde ich noch die restlichen Ordensmitglieder informieren. Also, wir haben alle zu tun…" Damit scheuchte Dumbledore die Meute aus dem Raum.
Harry und Hermine taten, was Albus ihnen angeraten hatte. Sie zogen sich in ihr Quartier zurück; und nachdem sie eine Kleinigkeit gegessen hatten, legten sie sich hin. So richtig schlafen konnten zwar beide nicht, aber sie konnten sich immerhin einigermaßen entspannen und ausruhen. Allerdings schafften sie dies auch erst, nachdem sie mittels ihrer Okklumentik-Übungen ihre Gedanken geklärt und ihren Geist geleert hatten. Ansonsten hätten wohl beide über das nachgegrübelt, was sie am heutigen Vormittag erlebt hatten.
Ron und Ginny hatten es sich im Gemeinschaftsraum der Gryffindors bequem gemacht, wo sie sich leise über den Samstagsunterricht unterhielten. Natürlich erregte dies – wie geplant – die Aufmerksamkeit ihrer Mitschüler; und so berichteten die beiden jüngsten Weasleys, dass Harry und Hermine an der Planung für die nächsten Unterrichtseinheiten arbeiteten, während sie sich mehr Gedanken über die Gruppeneinteilungen machten. Kurze Zeit später tauchten auch Luna und Neville im Gemeinschaftsraum auf. Selbstredend hockten sie sich zu den beiden Rotschöpfen und unterstützten diese, zufrieden damit, dass die gewünschten Gerüchte erfolgreich aufgenommen wurden. Nach einer angemessenen Zeitspanne verabschiedeten sich jedoch die vier Freunde und zogen sich in ihre eigene Bibliothek zurück, um – wie sie sagten – ihre eigenen Unterrichtsvorbereitungen zu treffen. Dass sie allerdings etwas ganz anderes taten, ging ihre Mitschüler nun einmal nichts an. Tatsächlich diskutierten sie nämlich über das, was sie über den Anschlag von Dumbledore erfahren hatten.
Molly Weasley nahm es anfangs überhaupt nicht gut auf, was Arthur ihr da berichtete. Zum einen war sie natürlich geschockt über den Anschlag und dessen Opfer an sich, zum anderen aber sorgte sie sich gewaltig um ihre Kinder, zu denen sie Harry und Hermine schon seit einiger Zeit mit dazurechnete. Jedoch war ihre Sorge einmal mehr unbegründet, wie Arthur versuchte ihr beizubringen, denn ihre Kinder konnten inzwischen ganz gut für sich selbst sorgen – besser, schneller und effektiver noch als es die Heiler aus St. Mungo hätten tun können. Arthur machte sich allerdings umso mehr Sorgen. Ihm blieb nicht verborgen, dass seine Frau von ihren Sorgen und ihrem Kummer innerlich mehr und mehr aufgefressen wurde. Aber er kannte sie nun lange genug um zu wissen, dass er ihr dies nicht ausreden konnte. Dazu war Molly einfach zu stur. Also, wie könnte er dieses langsam aber sicher größer werdendes Problem lösen? Arthur nahm sich vor, bei einer passenden Gelegenheit mal mit seinen Kindern und vielleicht auch mit seinen Freunden darüber zu reden. Sonst würde Molly irgendwann einmal daran einfach kaputt gehen.
Hagrids Aufgabe bestand im Wesentlichen darin, Kontakt mit Olympe Maxime – seiner Freundin – aufzunehmen, sie zu informieren und im Gegenzug ihre neuesten Informationen für den Orden in Empfang zu nehmen. Wie praktisch war es doch, dass sein riesiger Kamin inzwischen ans Flohnetzwerk angeschlossen worden wurde, wenn er auch nur von wenigen, genau ausgesuchten Gegenstellen erreicht werden konnte.
Tonks musste sich im Ministerium als erstes einen gewaltigen Rüffel von Cornelius Fudge abholen – der Mann hatte einfach etwas dagegen, wenn seine Auroren zu oft bei Dumbledore waren. Das Tonks ganz offiziell für das gesamte Schuljahr nach Hogwarts abkommandiert war, hatte er wohl vergessen… 'So ein Blödmann', dachte sich Tonks, während sie in die Aurorenzentrale ging, um sich bei Kingsley zu melden.
Remus hingegen hatte eine ganz besondere Aufgabe: Nachdem alle das Büro des Schulleiters verlassen hatten, ging er umgehend in seine eigene Unterkunft, um sich reisefertig zu machen. Dazu gehörte es auch, dass er eine ganze Menge vorbereitete Portschlüssel einsteckte, denen nur noch das Ziel eingegeben werden musste. In einen neuen und sauberen Reiseumhang gekleidet, verließ er seine Räumlichkeiten und begab sich zum vereinbarten Treffpunkt. Er war einer der handvoll Eingeweihten, die wussten dass es diesen Raum überhaupt gab, und wie er zu erreichen war. Remus wusste auch, dass dieser spezielle Raum ihm eine unentdeckte Ab- und Anreise erlauben würde; und das zudem nicht nachverfolgt werden konnte, woher er kam und wohin er ging. Die speziellen Schutzzauber um diesen Raum verhinderten dies.
Albus Dumbledore hatte in diesen Momenten am meisten von allen zu tun: Er musste nämlich noch die restlichen Einladungen für das geplante Treffen schreiben und die Adressen für Remus notieren. Den Orden musste er auch noch informieren… Obwohl, dies könnte doch auch Minerva machen, oder? Da sie sowieso schon über den Anschlag informiert war, brauchte er sie ja nur noch auf den neuesten Stand bringen. Dies war schnell getan, und schon war seine Stellvertreterin unterwegs. Nun hatte Dumbledore etwas mehr Zeit, die er auch benötigte, denn einige der Einladungen wollten wohl formuliert sein… Aber irgendwann hatte er auch dies geschafft, und umgehend begab er sich zu dem mit Remus vereinbarten Treffpunkt.
In einem längst vergessenen Raum, tief im Gemäuer unter Hogwarts und nur durch Geheimgänge zu erreichen, trafen sich Albus und Remus. Sie benötigten nur wenige Worte, denn die Zeit drängte und Remus war seine Aufgabe ohnehin klar. Er übernahm die mit dem Wappen des Zaubergamots versiegelten Pergamentrollen und die Adressen, und nur wenige Augenblicke später war auch er unterwegs. Der Reihe nach suchte er die wichtigsten Mitglieder des Gamots auf, um ihnen Dumbledores Nachrichten zu überbringen. Madam Bones übergab er die Einladungen für bestimmte Ministeriumsmitarbeiter, damit diese sie weiter gab. Danach verwandelte Remus seine Kleidung in angemessene, geschäftsfähige Muggelkleidung, denn der Londoner Regierungsbezirk der Muggel war nun sein nächstes Reiseziel. Auch hier überbrachte Remus die ihm anvertrauten Dokumente, auch wenn er dafür wesentlich mehr Zeit brauchte. Aber schließlich hatte er alle Adressaten erreicht, und um einiges erleichtert kehrte er nach Hogwarts zurück.
Als es Zeit zum Abendessen wurde, weckte Ginny wie vereinbart Harry und Hermine. Gemeinsam gingen sie in die Große Halle. Ron, Neville und Luna stießen nur kurze Zeit später zu ihnen. Deutlich konnte man die Anspannung unter den Professoren spüren, aber - bis auf sechs Ausnahmen – wusste offenbar kein Schüler, warum dies so war. Niemand, der informiert war, erwähnte den Anschlag; selbst der Abendprophet schwieg – das Ministerium hatte dem Chefredakteur unter Androhung schwerster Strafen einen Maulkorb verpasst.
Während Harry und Hermine ihr Abendbrot verspeisten, wurden sie von einem Paar sehr scharfer und aufmerksamer Augen beobachtet. Kaum das sie mit dem Essen fertig waren, segelte auch schon Hedwig auf Harry zu und überbrachte ihm eine Botschaft, die aus nur einem Wort bestand: JETZT! Harry jedoch tat so, als ob er einen längeren Text zu lesen hätte, bevor er das Pergament zusammen rollte und Hedwig etwas Speck und Toast anbot. Mit normaler Lautstärke – damit ihn auch ja zumindest einige seiner Hausgenossen hörten – wandte er sich an seine Frau: „'Mine, das Ministerium möchte unseren Stundenplan für den Samstagsunterricht sehen und welche Flüche wir mit behandeln wollen. Sie befürchten wohl, dass wir unseren Mitschülern hier in Hogwarts Schwarze Magie beibringen oder so was…" Während Hedwig zurück zur Eulerei flatterte, richtete sich Harry an seinen rothaarigen Freund: „Tut mir leid, Ron, aber aus dem Schachspiel wird wohl nichts. Ich weiß nicht wie lange die Anhörung dauert, wartet besser nicht auf uns…" Damit standen Harry und Hermine auf und gingen nach vorn zum Tisch der Lehrer, um Dumbledore – gut sichtbar für ihre Hausgenossen – zu zeigen und um ihn von der „Anhörung" zu unterrichten. Schließlich wussten auch die meisten Lehrer nichts von dem Anschlag und demzufolge auch nichts von dem geplanten Treffen. „Ich komme mit euch", meinte der Schulleiter daraufhin; und wenig später waren sie nach London unterwegs…
(1) Joseph Whidbey war im Original ein britischer Entdecker und Erkunder aus dem 18. Jahrhundert, erster Offizier unter George Vancouver. Nach ihm wurde eine Insel im Nordwesten von State Washington benannt. Ich bin mal bei irgendeiner Recherche auf ihn gestoßen, und irgendwie ist der Name bei mir hängen geblieben. Ich finde, er passt ganz gut mit hier her.
