Hi Leute! Vielen Dank für die Reviews und viel Spaß beim Lesen! :)
Daniel Freund: Danke für deinen ausführlichen Review. :) Und nun zu deinen Fragen... ;) Da Regulus und Sirius dieselbe Schule besuchen, werden sie sich bestimmt noch einmal über den Weg laufen. Die Fluchnarbe hat Sirius in der vierten Klasse von Walburga verpasst bekommen, als er über Weihnachten im Grimmauldplatz war. Hm, ich schätze, Walburga hat Sirius noch in derselben Minute aus dem Stammbaum gebrannt, in der Sirius auf seinem Besen davon geflogen ist. *lol* Wann Sirius Snape das Geheimnis der Peitschenden Weide verrät, wirst du schon noch lesen. ;) *lol* Und wenn du die Bände im realen Handel willst, kannst du ja bei J. K. Rowling nachfragen, ob sie einverstanden ist. ;)
Floh: Freut mich, dass dir die Flucht gefallen hat. Mir war es auch wichtig, sie richtig schön dramatisch zu machen. ;)
DISCLAIMER: WELT UND PERSONEN GEHÖREN J. K. ROWLING.
Verräter (3/4)
Am nächsten Morgen hatten Sirius, James, Remus und Peter ausnahmsweise mal keine Schwierigkeiten, früh aufzustehen, obwohl sie nachts spät ins Bett gegangen waren. Und sie hatten nicht zu viel erwartet. Die Rumtreiber hatten sich noch nicht mal an den Gryffindor-Tisch gesetzt, als Jackson Finley rief: „He, Potter, Black, Lupin, Pettigrew, wisst ihr schon das Neuste? Ihr habt einen Verehrer!"
„Wohl eher eine Verehrerin", erklärte Sirius und roch demonstrativ an einem Blumenstrauß, den er heraufbeschworen hatte, bevor sie in die Große Halle gegangen waren. Finleys Grinsen wurde breiter.
„Nein, einen Verehrer. Sagt nicht, ihr habt die Zettel noch nicht gefunden."
James sah ihn mit großen Augen an.
„Welche Zettel?"
„Na, diese hier!" Jackson Finley griff in seine Tasche und holte eine Handvoll Pergamentfetzen hervor. „Lieber Sirius", las er laut vor, „ich weiß, ich hatte nie den Mut, es dir zu sagen, aber ich finde dich einfach wundervoll. Dein umwerfendes Aussehen, dein unglaubliches Talent, dein scharfsinniger Verstand... Meinst du, du könntest mir vielleicht Unterricht in Arithmantik geben? In Liebe, dein Serverus."
Sirius' Gesicht verwandelte sich in eine Fratze des Entsetzens. Er ließ den Blumenstrauß fallen und begann, seine Hand hektisch mit einer Serviette abzuwischen.
Jackson Finley nahm den nächsten Zettel und las weiter: „Lieber James, seit ich dich das erste Mal gesehen habe, muss ich immer an dich denken. Ich wünschte ich wäre auch so gut aussehend und schlau wie du. Kannst du mir vielleicht Flugunterricht geben? In Liebe, dein Severus."
James machte ein würgendes Geräusch und fasste sich an die Kehle.
„Und ich habe diesen Schokofrosch heute Morgen gegessen, ohne vorher die Karte zu lesen!"
„Lieber Peter...", las Jackson derweil genüsslich weiter. Inzwischen machten die Briefe auch an den anderen Haustischen die Runde. Sirius stand auf und ging hinüber zum Slytherin-Tisch, wobei er sorgfältig darauf achtete, an Regulus vorbeizusehen. Mit einer theatralischen Geste warf er Snape den Blumenstrauß in den Schoß.
„Am besten verliebst du dich in dein Spiegelbild, Schniefelus! Denn niemand, der nicht blind oder eine hässliche alte Fledermaus ist, würde einen Schleimbeutel wie dich mögen!"
Snape gab mit keiner Regung zu erkennen, dass er Sirius gehört hatte. Mit einem Schlenker seines Zauberstabes ließ er die Blumen verschwinden und aß weiter. Aber an seinen verkrampften Händen und den angespannten Schultern sah Sirius ganz genau, dass Schniefelus vor Wut schäumte.
Den ganzen Tag über tauchten immer wieder Liebesbriefe und Tagebucheinträge von Snape an bzw. über die Rumtreiber auf Pergamentfetzen oder an den Tafeln der Klassenräume auf. Irgendwann fingen sogar die Rüstungen an, Liebeslieder zu singen. Sirius und James hätten nicht zufriedener sein können. Wenn Schniefelus nicht riskieren wollte, sich abermals vor der gesamten Schule der Lächerlichkeit preiszugeben, konnte er ihnen in Zukunft weder hinterherschleichen noch gefährliche Theorien über Remus verbreiten. Es lief alles nach Plan.
Der Februar kam mit jeder Menge Schnee und einem Glücksfall für die Gryffindor-Mannschaft: Bei einer Schneeballschlacht wurde der Ravenclaw-Hüter so unglücklich von einem verhexten Schneeball getroffen, dass er am Quidditch-Spiel gegen Gryffindor nicht würde teilnehmen können.
„Nicht, dass wir das bräuchten, um die Ravenclaws zu schlagen", fügte James augenzwinkernd hinzu, als er ihnen davon erzählte, „aber ich hätte nichts dagegen einen neuen Torrekord aufzustellen. Was meint ihr?"
Das Team stimmte ihm lauthals zu. Sie hatten trotz der manipulierten Klatscher mit 180 Punkten Vorsprung vor Hufflepuff gewonnen und hart trainiert. Jackson Finley hatte sich an seine Position als Jäger gewöhnt, Marcia Finley hatte ihre Wurftechnik verbessert, Sloper kam langsam etwas näher an die legendäre Hüterin Meaghan McCormack heran, Gudgeon hatte in den letzten Trainingseinheiten ein paar außergewöhnliche Paraden gezeigt, Podmore entwickelte mehr und mehr Selbstbewusstsein, Sirius war nach dem schwarzmagischen Angriff durch die Slytherins wieder in Topform und James war der beste Jäger der Schule. Sie konnten einfach nur gewinnen.
Vermutlich war es nur ein Zufall, aber kurz danach verschluckte ein Ravenclaw-Jäger versehentlich eine Zaubertrankzutat und landete mit einer schweren Vergiftung im St. Mungo. Geradezu unheimlich wurde es, als den Ravenclaw-Sucher ein so schwerer Anfall von Verwirrtheit befiel, dass Madam Pomfrey ernsthaft überlegte, ob sie ihn ebenfalls nach St. Mungo überweisen sollte. Letztendlich blieb der Ravenclaw in Hogwarts, aber auch er würde am kommenden Spiel nicht teilnehmen können.
Inzwischen war niemanden mehr im Gryffindor-Team nach lachen oder einem neuen Torrekord zumute. Die Stimmung war angespannt. Wer sagte, dass ihnen nicht das Gleiche widerfahren konnte? Aber es passierte nichts – bis eines Morgens die Kapitäne der Ravenclaw- und der Slytherin-Mannschaft vor James standen.
„Potter, auf ein Wort", sagte der Ravenclaw-Kapitän, während der Slytherin nur grinste. James, der mit Sirius, Remus und Peter gerade auf dem Weg zu Zaubertränke gewesen war, blieb stehen und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ja?"
„Ich setze dich hiermit in Kenntnis, dass Slytherin und Ravenclaw getauscht haben", erklärte der Ravenclaw-Kapitän steif.
„Wie bitte?", entfuhr es James. „Was soll das denn heißen?"
„Das Tauschen ist erlaubt, wenn beide Mannschaftskapitäne zustimmen und die zuständige Lehrkraft, also Madam Hooch, ihre Zustimmung geben", erläuterte der Ravenclaw. „Du kannst das gerne in der Schulordnung nachlesen, Potter."
„Und wir haben zugestimmt", sagte der Slytherin und grinste noch breiter.
„Ravenclaw hat in der letzten Woche drei Stammspieler verloren, darunter den Sucher", fuhr der Ravenclaw-Kapitän fort. „In dieser Konstellation hat Ravenclaw keine Chance auf den Sieg. Wir spielen im Frühjahr gegen Gryffindor."
„Ihr hattet auch so keine Chance auf einen Sieg", murmelte James, unglücklicherweise nicht leise genug.
„Da scheinst du dir ja sehr sicher zu sein", gab der Ravenclaw schneidend zurück. „Ich frage mich, ob das reines Wunschdenken ist oder ob da nachgeholfen wurde, Potter!"
Sirius trat einen Schritt vor.
„Was soll das heißen?"
„Gar nichts, Black", warf der Slytherin ein, bevor der Ravenclaw etwas sagen konnte. „Nur dass es bedauerlicherweise drei Unfälle gegeben hat und das unglücklicherweise in den Wochen vor dem Quidditch-Spiel."
„Und da habt ihr edelmütig angeboten, in die Bresche zu springen?", spottete Sirius.
„Genau genommen, haben wir die Slytherins um den Tausch gebeten", stellte der Ravenclaw-Kapitän klar. „Wir sehen uns im Mai auf dem Quidditch-Feld."
Und damit drehte er sich steif um und stolzierte davon. Der Slytherin ging ebenfalls, nicht ohne Sirius und James mit der Schulter anzurempeln.
„Solche verdammten..." James schienen vor Empörung die Worte zu fehlen. „Ist euch klar, was hier gespielt wird? Die Slytherins haben die die drei Ravenclaw-Spieler ausgeschaltet! Und natürlich hatten die Ravenclaws keine andere Möglichkeit, als mit den Slytherins zu tauschen, weil wir gegen Hufflepuff schon gespielt haben!" Er sah zu Sirius hinüber. „Du musst nicht spielen, Tatze. Shacklebolt ist genauso gut wie du, er kann dich vertreten."
„Wie bitte?" Sirius glaubte, seinen Ohren nicht zu trauen. „Glaubst du, ich habe Angst vor einer Horde feiger Slytherins? Natürlich spiele ich!"
„Du weißt genau, was sie vorhaben!", entfuhr es James aufgebracht. „Verdammt, Sirius, die werden dich fertigmachen wollen! Und du bist gerade erst wieder gesund geworden!"
Sirius warf James einen kalten Blick zu.
„Ich weiß."
Damit drehte er sich um und setzte den Weg zu den Kerkern fort. Wenn die Slytherins Blut sehen wollten, sollten sie nur kommen. Er hatte einen Cruciatus-Fluch durch Voldemort persönlich überlebt. Er hatte mit Werwölfen gekämpft. Er hatte seine Familie verlassen. Er war enterbt worden. Sirius glaubte nicht, dass es noch viel gab, was man ihm antun konnte.
Bisher hatte niemand das Gryffindor-Team angegriffen, aber das änderte sich schlagartig, als der Tausch zwischen Ravenclaw und Slytherin offiziell wurde. Glücklicherweise gab es keine Attentate wie auf die drei unglücklichen Racenclaw-Spieler („Ist eigentlich irgendjemandem mal aufgefallen, dass alle drei mugglestämmig oder Halbblüter waren?", fragte James wütend), aber kein Gryffindor-Spieler konnte in die Große Halle oder zum Unterricht gehen, ohne dass er oder sie nicht mindestens mit einem Stolper- oder Wabbelbeinfluch angegriffen wurde. Und das waren nur die harmlosen. Sloper wurde von einem hässlichen Schneidefluch erwischt, für den Madam Pomfrey glücklicherweise einen Gegenzauber parat hatte. Und Lara Crawford wurde von einem Fluch getroffen, der sogar der Schulkrankenschwester erst mal Kopf zerbrechen bereitete, als sie sich todesmutig vor Sturgis Podmore warf. Daraufhin beschloss James, dass ihre nächste Trainingseinheit neben der Faultierrolle und anderen Ausweichmanövern auch einfache defensive Zauberei umfassen würde.
Trotz dieser Widrigkeiten und dem einen oder anderen Besuch bei Madam Pomfrey war am Samstag das gesamte Team einsatzfähig. Am ehesten hätte noch Remus in den Krankenflügel gehört, der fiebrig und krank wirkte, aber er weigerte sich, das Spiel zu verpassen.
„Und weißt du, was das Beste ist?", fragte James, als er und Sirius zusammen in die Umkleidekabine gingen. Sirius zuckte mit den Schultern.
„Nein?"
„Dass heute Valentinstag ist!", rief James fröhlich. „Ich habe Evans Rosen geschickt..."
Hinter James machte Finley ein würgendes Geräusch.
„...und wenn wir gewinnen, frage ich sie, ob sie mit mir nach Hogsmeade geht. Sie muss einfach ja sagen, wenn wir die Slytherins schlagen!"
Das bezweifelte Sirius, aber er war klug genug, es James nicht zu sagen. Ein liebeskranker Kapitän im wichtigsten Spiel dieser Saison wäre eine Katastrophe. Sirius selbst hatte niemandem etwas geschickt – die Sirupbonbons für Mary MacDonald zählten nicht und eventuell hatte er ein paar Schluckaufdrops dazwischen gemischt – aber wie üblich jede Menge Karten bekommen. Remus hatte weise bemerkt, dass sein Weglaufen von zu Hause ihm einen gewissen verruchten Ruf eingebracht habe, der anscheinend attraktiv wirkte. Sirius war es recht, solange er Lakritzzauberstäbe und Schokofrösche zugeschickt bekam und er mehr Karten hatte als Rex Shacklebolt.
„Bereit?", fragte James neben ihm und wandte sich dem Team zu.
„Sloper fehlt", sagte Jackson Finley.
„Wie bitte? Er war doch eben noch da!"
„Er hatte was vergessen und wollte es schnell noch holen gehen", erklärte Gudgeon. James fluchte.
„Okay, geh ihn suchen, Gudgeon. Das Spiel geht in zwei Minuten los!"
Gudgeon nickte und verschwand.
„Gut", fuhr James fort und sah sie ernst an. „Wir sind das bessere Team, aber die Slytherins werden es uns nicht leicht machen. Und damit meine ich nicht nur, dass sie gut spielen werden, sondern vor allem dass sie foulen werden. Deshalb versucht, Abstand zu halten. Wenn das nicht geht...", er schien einen Moment lang mit den Worten zu ringen, „lasst euch nichts gefallen."
So wenig James auf Regeln gab, beim Quidditch war ihm ein sauberes Spiel wichtig. Daher sah sich Sirius in der Regel für die schmutzige Arbeit verantwortlich.
Jackson Finley schlug mit der Faust in die flache Hand.
„Darauf kannst du dich verlassen!"
In diesem Augenblick ging die Tür auf und Gudgeon stürzte wieder hinein.
„Ich habe Daniel gefunden! Ich glaube, er ist ohnmächtig oder so!"
„Wo ist er?"
„Draußen, gleich um die Ecke." Davey Gudgeon ballte die Fäuste. „Ich glaube, jemand hat ihn angegriffen."
James fluchte. Dann wandte er sich an Sirius: „Übernimm du mal kurz. Ich kümmere mich um Sloper."
Und er folgte Gudgeon nach draußen.
„In Ordnung." Sirius warf seinen Schläger in die Luft und fing ihn wieder auf. „Was James euch vorhin eigentlich sagen wollte: Die Slytherins spielen schmutzig. Wenn ihr also die Chance habt, einem von ihnen den Ellenbogen ins Gesicht zu rammen, wenn Madam Hooch gerade nicht hinsieht – tut es."
Sturgis Podmore wurde eine Spur bleicher.
„Von dir", wandte sich Sirius an ihn, „brauchen wir einen schnell Schnatzfang. Du hältst dich von den Slytherins fern." Er sah wieder den Rest des Teams an. „Wenn irgendjemand von euch die Wahl hat, Podmore vor einem Angriff zu schützen oder ein Tor zu machen, dann..."
„Ich brauche keinen Schutz." Sturgis Podmore war einen Schritt vorgetreten. „Ich bin schnell. Ich kann ihnen ausweichen."
Der Sucher war kreidebleich, aber seine Stimme klang entschlossen. In diesem Augenblick ging die Tür der Umkleidekabine auf und James kam herein, gefolgt von Davey Gudgeon.
„Sloper ist im Krankenflügel", verkündete er. „Wir können so schnell keinen Ersatz auftreiben, also spielen wir heute ohne Hüter. Jeder übernimmt einen Teil der Abwehr, aber nicht auf Kosten des Angriffs. Erst wenn die Slytherins 120 Punkte Vorsprung haben, bist du", er sah Jackson Finley an, „nur noch für die Verteidigung zuständig. Schaffst du das?"
Finley nickte entschlossen.
„Dann los!"
Als sie zusammen nach draußen gingen, sah Sirius wie James Podmore die Hand auf die Schulter legte.
„Egal, was passiert, versuch so schnell wie möglich den Schnatz zu fangen, okay?"
Podmore nickte wortlos.
Das Quidditch-Feld war von einer kniehohen Schneeschicht bedeckt. Die Wolken hingen so tief, als könnte es jeden Augenblick wieder anfangen zu schneien. Sirius wusste, dass die Tribüne bis auf den letzten Platz besetzt war, aber er nahm den Jubel, das Klatschen und die Anfeuerungsrufe nur dumpf wie durch einen Nebel wahr. Mulciber schlug mit seinem Schläger in die Luft und Laurence ließ seine Knöchel knacken. Wilkes grinste dämlich. Dann gaben sich die Kapitäne die Hände und Madam Hooch blies in ihre Pfeife. Sirius stieß sich vom Boden ab.
James erwischte den roten Quaffel wie gewöhnlich als erster. Sirius jagte demselben Klatscher hinterher wie Mulciber. Er blockte den Slytherin ab, wich einem Schlag mit dem Schläger aus und hieb den Klatscher zu Rosier hinüber. Dieser wurde zu einer raschen Kehrtwende gezwungen und James hatte freie Bahn. Er täuschte nach rechts an, warf den Ball nach links und machte das erste Tor für Gryffindor. Zehn zu null.
Der Slytherin-Hüter warf den Quaffel weit über das Feld zu Gryffindor hinüber. Sirius hieb einen Klatscher in Wilkes' Richtung. Dieser verfehlte daraufhin den Quaffel, doch Rosier fing ihn auf und jagte auf die Torringe zu. Einem Klatscher von Gudgeon wich er aus, warf – doch da raste James heran, erwischte den Quaffel mit den Fingerspitzen, machte eine Kehrtwendung und warf ihn hinüber zu Jackson Finley. Ein Klatscher von Sirius verschaffte ihm freie Bahn, eng an seinen Besen gepresst flog er nach vorne – und krachte mit Laurence zusammen. Finley ließ den Quaffel fallen, Marcia Finley war zur Stelle, um ihn aufzufangen, aber Wilkes hatte sie an den Haaren gepackt. Mit einem Schrei wurde sie samt ihren Besen herumgerissen und stieß mit ihrem Bruder zusammen, während der Quaffel von Rosier aufgefangen wurde. Sirius holte aus, um den Jäger mit einem Klatscher aufzuhalten, doch in diesem Augenblick traf ihn ein Treiberschläger ins Gesicht. Schmerz explodierte in seinem Gesicht und er schmeckte Blut.
„Wir machen dich fertig, Blutsverräter!", zischte Mulciber und zog Sirius den Schläger über den Hinterkopf. Einen Augenblick lang fühlte sich Sirius benommen, dann brachte ihn Madam Hoochs Pfeife in die Wirklichkeit zurück.
„Sie sollen die Klatscher schlagen, nicht andere Spieler!", fauchte Madam Hooch, aber Sirius wusste, dass Mulciber noch nicht mal versucht hatte, den Klatscher zu treffen. Inzwischen stand es 20 zu null für Gryffindor. Jemand, vermutlich James, musste noch ein Tor gemacht haben, während Mulciber Sirius die Nase gebrochen hatte. Die Slytherins versuchten noch nicht einmal ernsthaft, die Gryffindors aufzuhalten. Sie waren sich sicher, dass sie gewinnen würden.
„Zwei Strafstöße für Gryffindor!"
James verwandelte alle beide. 40 zu null. Der Hüter warf den Quaffel zu Rosier, welcher Jackson Finley auswich und nach vorne jagte. Sirius tat, als hätte er den Slytherin-Treiber unabsichtlich beim Ausholen ins Gesicht getroffen, konnte den Klatscher aber nicht mit der gleichen Kraft wie sonst in Rosiers Richtung treiben, weil Mulciber ihm in dem Moment den Schläger gegen die Rippen drosch. Rosier wich ohne Mühe aus, konnte sich dann aber nur um Haaresbreite vor einem gut gezielten Klatscher von Gudgeon in Sicherheit bringen. Er warf den Quaffel zu Wilkes, doch in dem Augenblick tauchte plötzlich James auf, erwischte den Quaffel und warf ihn hinüber zu Marcia Finley. Doch bevor sie ihn fangen konnte wurde sie gleichzeitig von Wilkes und Laurence gerammt, sie trudelte und wäre gefallen, wenn ihr Bruder sie nicht festgehalten hätte. Rosier fing den Quaffel, raste nach vorne – und verwandelte. 40 zu zehn.
Da Gryffindor keinen Hüter hatte, kam der Quaffel durch Madam Hooch zurück ins Spiel. James hätte ihn wie üblich als erstes erwischt, aber Wilkes hatte seinen Nimbus gepackt und ehe James reagieren konnte, hatte Rosier den Quaffel gefangen und mit einem lässigen Wurf durch die Ringe befördert, gerade bevor Madam Hooch pfeifen konnte. Gryffindor bekam einen Strafstoß zugesprochen, aber diesmal hielt der Hüter. 40 zu 20.
Als der Slytherin-Hüter ausholte, um den Quaffel zu werfen, änderte Sirius seine Taktik. Er ging in den Sturzflug – hinter sich hörte er Mulciber überrascht grunzen – und raste direkt in die Slytherin-Jäger. Statt Wilkes fing Jackson Finley den Quaffel – oder hätte es getan, wenn Rosier ihm den Quaffel nicht vor der Nase weggeschnappt hätte. Sirius wusste nicht, was danach geschah, denn etwas zog ihn mit einem Ruck zurück, sein Umhang schnürte sich an der Kehle zu und dann traf eine Faust seine gebrochene Nase. Der Schmerz war so stark, dass ihm für ein paar Sekunden schwarz vor Augen wurde. Ein frischer Blutschwall rann seine Rachenwand hinab und Sirius rang würgend nach Luft. Blind schlug er nach hinten und hörte einen Schrei, als sein Schläger einen Arm traf. Der Griff um seinen Umhang ließ nach. Sirius wirbelte mitsamt seines Besens herum und schlug Mulciber mit aller Kraft ins Gesicht.
Madam Hooch war außer sich vor Zorn.
„Sie beide da! Das hier ist ein Quidditch-Spiel, keine Prügelei! Strafstöße für Gryffindor und Slytherin!"
Nach den Strafstößen stand es 50 zu 50. Sirius fiel es zunehmend schwerer, dem Spiel zu folgen. Durch seine Nase konnte er praktisch schon seit Spielbeginn nicht mehr atmen, aber jetzt lief so viel Blut seine Rachen hinunter, dass er Mühe hatte, überhaupt noch Luft zu bekommen. Mulciber und der andere Treiber kümmerten sich kaum noch um das Spiel. Der Vorteil daran war, dass Gudgeon praktisch freie Bahn hatte und Gryffindor mehr Strafstöße als Slytherin zugesprochen. Vermutlich war das der einzige Grund, warum sie bislang nur 20 Punkte im Rückstand waren (80 zu 100), obwohl ihnen der Hüter fehlte. Der Nachteil war, dass Sirius sich ein paar Minuten später kaum noch auf seinem Besen halten konnte. Und dann fing es auch noch an zu schneien. Große, weiße Flocken fielen lautlos vom Himmel und hüllten die Spieler ein.
Sirius hatte gewusst, dass es so laufen würde. Er hatte gewusst, dass die Slytherins das Quidditch-Spiel nutzen würden, um sich an ihm zu rächen, ohne dabei mehr zu riskieren als ein paar Strafstöße. Er hätte Rex Shacklebolt für sich spielen lassen können, aber die Slytherins hatten genau gewusst, dass er das nicht tun würde. Gryffindors sind eben so berechenbar, schoss es ihm unsinnigerweise durch den Kopf, als er den Quaffel von den Torringen wegkickte und sich gleichzeitig unter einem Ellenbogen wegduckte. James fing den Quaffel auf und warf ihn zu Jackson Finley, dieser zu Marcia und diese wieder zu James. Sirius bremste Mulciber aus, flog ebenfalls nach vorne, den Schläger zum Angriff bereit, und – etwas traf ihn in den Rücken. Die Luft wurde ihm aus den Lungen gepresst, Schmerzen schossen seinen rechten Arm entlang und beinahe wäre ihm der Schläger aus der Hand geglitten, sein Besenstiel war plötzlich ganz nahe und Sirius begriff, dass er nach vorne gefallen war. Vor ihm tauchte die Tribüne auf, Leute schrien – im allerletzten Augenblick packte Sirius seinen Besen mit dem heilen linken Arm und zog seinen Nimbus nach oben. Aber was er da sah, ließ das Blut in seinen Adern vor Schreck erstarren: Ein roter und ein grüner Farbschleier, durch den dichten Schnee kaum erkennbar, jagten beide auf etwas über ihnen zu und es war klar, wer gewinnen würde.
Ohne weiter Zeit zu verschwenden, zog Sirius den Besen noch steiler nach oben und raste eng an seinen Nimbus gepresst auf Regulus zu. Der Slytherin, völlig auf den goldenen Schnatz konzentriert, bemerkte ihn zu spät. Er versuchte noch auszuweichen, aber da krachte Sirius schon in ihn hinein. Sekunden später tauchte auch Mulciber auf. Sirius, der ihn schon erwartet hatte, begrüßte ihn mit einem Ellenbogen in die Magengrube.
„Na, wie gefällt dir das, du..."
Etwas traf ihn am linken Ohr und im nächsten Augenblick hatte er das Gefühl, sein Schädel würde ihm gespalten. Rote Sterne explodierten vor seinen Augen und alles wurde plötzlich dumpf und leise. Der Besenstiel entglitt seinen Händen und Sirius sackte ein paar Meter ab.
„Ihr Idioten, jetzt ist der Schnatz weg!", hörte er Regulus' Stimme seltsam verzerrt.
„Und wenn schon. Jetzt machen wir den Blutsverräter endgültig fertig!"
Und zum dritten Mal traf Sirius ein Treiberschläger auf seine ohnehin schon lädierte Nase. Der Schmerz war so stark, dass er aufschrie, gefolgt von einem erstickten Röcheln, als frisches Blut in seinen Mund und seine Kehle drang. Ihm war schlecht und schwindelig und seine Arme und Beine fühlten sich plötzlich schwach und zittrig an. Etwas traf ihn gegen die verletzte Schulter und er konnte sich endgültig nicht mehr dem Besen halten. Der Stiel entglitt seinen Beinen, instinktiv tastete Sirius nach etwas, um sich festzuhalten – und erwischte mit der gesunden Hand einen nassen, schweren Umhang.
„Was zur Hölle...!"
Es war Mulciber. Sirius zwang sich, den Kopf zu heben, und ihm ein blutiges Grinsen zuzuwerfen, auch wenn er dabei das unangenehme Gefühl hatte, dass sich dabei Knochenstückchen in sein Fleisch bohrten.
„Wenn ich falle, fällst du mit, Arschloch!"
„Lass los, Blutsverräter!"
Aber Sirius ließ nicht los. Mulciber fluchte, aber er konnte nichts machen, als sein Besen zu trudeln anfing und sie sich um die eigene Achse drehend in die Tiefe stürzten. Die Schneeflocken klatschten ihnen ins Gesicht, der Wind blähte Sirius' Umhang und rauschte in seinen Ohren. Hände griffen nach ihnen, um sie aufzufangen, aber mittlerweile waren sie viel zu schnell. Vielleicht noch zehn Meter...noch fünf...noch drei...noch... Sirius schlug auf den Boden auf.
„Sie haben ihn echt übel zugerichtet, oder?"
„Ich frage mich, was da oben passiert ist..."
„Glaubt ihr, Madam Pomfrey kriegt seine Nase wieder hin?"
„Die ist ganz schön zermatscht..."
„Was is mit meiner Nase...?", nuschelte Sirius. Sein Gesicht fühlte sich fremd und geschwollen an und seine Zunge schien ihm nicht richtig gehorchen zu wollen.
„Er ist wach!"
„He, Black, willst du mal dein Spiegelbild sehen?"
„Lass ihn in Ruhe, Jackson!"
Mühsam schlug Sirius die Augen. Das gesamte Team mit Remus, Peter und Podmores Freundin Crawford hatte sich um sein Bett versammelt. James beugte sich über ihn.
„Wie geht es dir, Sirius?"
„Mein Gesicht fühlt sich komisch an..."
„Von welchem Gesicht redest du...aua!"
Marcia Finley hatte ihrem Bruder den Ellenbogen in die Seite gerammt.
„Du hast ganz schön was abgekriegt, Tatze, aber Madam Pomfrey ist gerade dabei, dich wieder zusammenzuflicken", sagte James beruhigend.
„Selbst Pomfrey hat ihre Grenzen...he, lass das!"
Aber Marcia Finley hatte ihren Bruder am Arm gepackt und zerrte ihn aus dem Krankenflügel.
„Wie ham wir gespielt?", fragte Sirius mit schwerer Zunge, der lieber nicht über sein Gesicht nachdenken wollte.
„280 zu 260. War nicht ganz einfach ohne Hüter und mit nur einem Treiber..."
„Wenigstens nich so viele Punkte verloren..."
„Verloren?", wiederholte James und ein breites Grinsen breitete sich über seinem Gesicht aus. „Wir haben gewonnen, Sirius! Podmore hat den Schnatz gefangen!"
Er schob den schüchternen Viertklässler nach vorne. Dieser sah nervös auf seine Fingerspitzen.
„Ich hab noch versucht, dich festzuhalten, als du gefallen bist, aber ihr habt angefangen, euch zu drehen, und beinahe hätte mich noch Mulcibers Besen erwischt..."
Sirius versuchte, seinen Mund zu seinem üblichen Grinsen zu bewegen, aber es musste ziemlich furchtbar aussehen, denn er hörte Lara Crawford leise murmeln: „Ich hoffe wirklich, Madam Pomfrey kriegt sein Gesicht wieder hin..."
Am Ende beschränkte er sich darauf zu sagen: „Du bist'n verdammter Held, Podmore."
Der Sucher strahlte, als hätte Sirius ihm verkündet, es sei gerade Weihnachten.
„Das reicht jetzt!", unterbrach Madam sie streng. „Ich habe gesagt, nur drei Besucher! Gehen Sie, los, los..."
Und sie scheuchte alle bis auf Remus aus dem Krankenflügel.
„Ich bleibe hier", erklärte Remus auf Sirius' fragenden Blick hin. „Morgen ist Vollmond."
Bevor sie noch mehr sagen konnten, kam Madam Pomfrey zurück.
„Trinken Sie das!", erklärte sie energisch und hielt ihm einen Becher hin. Sirius ignorierte ihn.
„Was is mit meiner Nase...?"
„Ihre Nase wird schon wieder, Black. Jetzt trinken Sie endlich oder ich lasse sie schief zusammenwachsen."
„Das dürfen Sie gar nich..."
Aber vorsichtshalber leerte Sirius doch lieber seinen Becher.
„Quidditch!", hörte er Madam Pomfrey noch angewidert schimpfen, bevor ihn der Schlaf übermannte. „Das ist kein Spiel, das ist eine ausgemachte Katastrophe!"
Am nächsten Tag ging es Sirius schon wieder besser, vor allem nachdem Remus ihm versicherte, ja, seine Nase sehe fast wieder normal aus und nein, sie sei nicht schief. Gegen Mittag erhielten sie überraschend Besuch von James und Peter. Inzwischen hatte Sirius sein Gesicht im Spiegel begutachten dürfen und war zu dem Schluss gekommen, dass es tatsächlich normal aussah, nur noch etwas geschwollen.
„Was erwarten Sie denn?", fuhr Madam Pomfrey ihn unwirsch an, bevor sie ihm den Spiegel wieder aus der Hand riss. „Sie sind 50 Meter in die Tiefe gestürzt, junger Mann!"
James lachte.
„Merlin, Tatze, du bist ja schlimmer als ein Mädchen!"
Sirius warf ihm einen säuerlichen Blick zu und griff demonstrativ nach seinem Zauberstab.
„Wenn dir dein gutes Aussehen so egal ist, können wir ja mal ein paar Sachen mit deiner Nase ausprobieren."
Augenblicklich flog James' Hand schützend zu seinem Gesicht.
„Auf keinen Fall! Dann habe ich erst recht keine Chance mehr bei Evans."
Remus, der in dem Bett neben Sirius saß, schüttelte in stummer Verzweiflung den Kopf und vergrub das Gesicht in den Händen. James beachtete nicht.
„Stell dir vor", sagte er und setzte sich zu Sirius an die Bettkante, „gestern hat meine Mannschaft das Unmögliche vollbracht: Sie hat mit einem Spieler weniger gegen Hogwarts' zweitbestes Team gewonnen. Und ich habe die meisten Tore geschossen! Man sollte doch meinen, dass das genug ist, um mit jemandem nach Hogsmeade zu gehen, oder?"
Sirius zuckte mit den Schultern.
„Beruhig dich, Krone, wahrscheinlich geht sie nur mit MacDonald."
„Tut sie nicht", gab James düster zurück. „Sie geht mit so einem Ravenclaw-Vertrauensschüler, Bertram Aubrey."
„Tatsächlich?" Plötzlich war Sirius alarmiert. „Und MacDonald geht alleine?"
„Nee, die geht mit Rex Shacklebolt."
„Mit diesem Vollidioten?"
„Sie hat dich gestern Abend noch besucht, aber du hast schon geschlafen", warf Remus neutral ein.
„Oh super! Sie scheint ja schnell Ersatz gefunden zu haben."
Wütend boxte Sirius in sein Kissen. Wenn er nur nicht abgestürzt wäre, dann wäre er gestern bei der Siegesfeier im Gemeinschaftsraum dabei gewesen und hätte Shacklebolt zuvorkommen können. Wo war eigentlich Mulciber? Er war genau in der richtigen Stimmung für ein paar fiese Hexereien. Aber die anderen schüttelten bedauernd den Kopf.
„Mulciber ist gestern schon entlassen worden", erklärte Remus.
„Was?!" Sirius konnte es nicht glauben. „Aber er ist mit mir abgestürzt!"
„Ja und auf dir gelandet", erklärte Remus trocken, „und dann hast du auch noch seinen Besen abbekommen. Wenn Dumbledore nicht eingegriffen hätte, wärt ihr jetzt übrigens beide tot."
Sirius fühlte sich betrogen.
„Wenigstens kannst du nach Hogsmeade. Ich sitze hier im Krankenflügel fest."
James machte eine wegwerfende Handbewegung.
„Ich kann immer nach Hogsmeade. Was bringt mir das? Ich wollte mit Lily hin."
„Ich finde es jedenfalls nett, dass ihr uns Gesellschaft leistet", mischte sich Remus ein. „Peter, ich glaube, du wolltest einen Vorschlag machen."
Alle Augen richteten sich auf Peter, der prompt rot wurde.
„Ich...äh...ich dachte, wir könnten Zauberschnippschnapp spielen. Oder Koboldstein...oder so."
„Ich halte das für eine hervorragende Idee", erwiderte Remus, bevor James und Sirius etwas sagen konnten.
Insgesamt wurde der Nachmittag angenehmer als Sirius erwartet hatte. James und Peter verzichteten tatsächlich auf ihren Ausflug nach Hogsmeade und blieben im Krankenflügel. Während sie abwechselnd zusammen Karten und Koboldstein spielten und hin und wieder eine Partie Zaubererschach, futterten sie sich durch ihre Süßigkeiten, die sie am Valentinstag bekommen hatten. Doch dann erlebten sie eine böse Überraschung.
Kurz vor dem Abendessen flog plötzlich die Tür zum Krankenflügel auf.
„Was erlauben Sie sich...", fuhr Madam Pomfrey auf, verstummte jedoch, als sie Dumbledore und Prof. McGonagall erblickte. Auch James, Sirius, Remus und Peter sahen sich neugierig um.
„Mr. Potter, Mr. Pettigrew, ich muss sie auffordern zu gehen", sagte Dumbledore.
„Sie auch Shacklebolt", fügte Prof. McGonagall an den großen, dunkelhäutigen Jungen gewandt hinzu, der mit ihnen hereingekommen war. „Miss MacDonald ist hier in guten Händen. Es gibt nichts mehr, was sie tun können."
In diesem Augenblick entdeckte Sirius die leblose Gestalt mit den langen blonden Haaren, die zwischen Prof. Dumbledore und Prof. McGonagall schwebte.
„Mary! Was hast du mit ihr gemacht, du...!"
„Reißen Sie sich zusammen, Black, oder ich lasse Ihnen von Madam Pomfrey einen Beruhigungstrank geben!", fauchte Prof. McGonagall.
„Mr. Potter, Mr. Pettgrew, Mr. Shacklebolt, wenn ich bitten darf", sagte Dumbledore ruhig und öffnete die Tür. Widerwillig gingen die drei hinaus.
„Wenn Sie vielleicht einen Wandschirm hätten, Poppy..."
„Natürlich."
Mary MacDonald verschwand hinter einem Vorhang.
Prof. Dumbledore und Prof. McGonagall gingen nicht sofort. Sie blieben noch am Bett stehen und unterhielten sich leise. Sirius hörte sie flüstern, aber er konnte kein einziges Wort verstehen. Und Madam Pomfrey hatte sich so postiert, dass sie ihn die ganze Zeit über im Auge hatte.
Nach dem Abendessen brachte Madam Pomfrey Remus in die Heulende Hütte. Sirius wartete ungeduldig darauf, dass sie zurückkam. Als sie wieder da war, tat er so, als würde er schlafen, um sich dann in einem unbeobachteten Moment hinauszuschleichen. Unglücklicherweise erwischte ihn Madam Pomfrey praktisch sofort und schickte ihn zurück ins Bett. Sirius nahm scheinbar gehorsam einen Schlaftrunk von ihr entgegen, trank ihn aber nicht, sondern ließ ihn mit dem Zauberstab verschwinden. Er musste unbedingt in die Heulende Hütte! James konnte in seiner Hirschgestalt den Wolf auf Abstand halten und ihn mit seinem Geweih notfalls beherrschen, aber er konnte nicht mit ihm kämpfen und spielen wie Sirius es in seiner Hundegestalt konnte.
Später machte er einen zweiten Fluchtversuch, aber Madam Pomfrey schien nie zu schlafen und Augen im Hinterkopf zu haben, jedenfalls kam er auch diesmal nicht mal in die Nähe der Tür. Danach gab Sirius auf. Er lag fast die ganze Nacht wach und fragte sich, was wohl gerade in der Heulenden Hütte vor sich ging. Manchmal glaubte er, das Heulen eines Wolfs zu hören, aber das war vermutlich nur Einbildung. Irgendwann musste er aber doch eingeschlafen sein, denn am nächsten Morgen wurde er durch gedämpfte Stimmen am Bett neben ihm geweckt.
„Seien Sie bitte nicht enttäuscht, Lupin. Das war zu erwarten. Shhh, ich weiß, dass das wehtut. Sie können gleich schlafen... Es ist immer noch viel besser als letztes Jahr. Hier, trinken Sie..."
Sirius ballte unter der Bettdecke die Fäuste. Er hatte Recht gehabt. Und an allem waren nur die Slytherins Schuld! Sie hatten die Ravenclaw-Spieler angegriffen, sie hatten Sloper angegriffen und sie waren Schuld daran, dass Sirius 50 Meter in die Tiefe gestürzt war und die Nacht hatte im Krankenflügel verbringen müssen statt in der Heulenden Hütte.
Nach dem Frühstück ließ Madam Pomfrey Sirius gehen. Remus schlief noch und Madam Pomfrey ließ niemanden zu Mary MacDonald. Auch Sloper wurde entlassen. Er freute sich, dass Gryffindor gewonnen hatte, schäumte aber immer noch vor Wut über die Slytherins („Sie haben mich von hinten angegriffen, diese feigen Arschlöcher!"). Und als wäre das nicht schon schlimm genug, hatte Sirius als erstes eine Doppelstunde Zaubertränke – mit den Slytherins. Als er leicht verspätet in die Klasse kam, saß an ihrem gewohnten Platz jedoch nur Peter.
„Wo ist James?", fragte Sirius flüsternd, während Slughorn irgendetwas von Antitoxinen erzählte.
„Er ist k.o.", kam die leise Antwort zurück. „Er ist im Gryffindor-Turm und schläft."
Das trug nicht gerade dazu bei, Sirius' Laune zu heben. Dazu kam, dass Avery es sich nicht nehmen ließ, Sirius' Sturz pantomimisch darzustellen, und Mulciber, offensichtlich völlig unverletzt, unverhohlen dazu grinste. Schließlich riss Sirius der Geduldsfaden. Er belegte Avery mit Tarantallegra, der daraufhin sämtliche Slytherin-Kessel umtanzte, und begann ein Duell mit Mulciber, nachdem dieser Mary MacDonald als Schlammblut bezeichnet hatte. Sirius ahnte, wer für ihren Zustand verantwortlich war.
Slughorn, bei Sirius normalerweise eher nachsichtig, zog Gryffindor 60 Punkte ab und verdonnerte ihn zu einer Woche Nachsitzen. Als Sirius ihn darauf aufmerksam machte, dass er sich dann wohl mit Prof. Kesselbrand absprechen müsse, zog er Gryffindor weitere zehn Punkte ab und erklärte die Stunde für beendet.
Danach hätten sie eigentlich Geschichte der Zauberei gehabt, doch Sirius ließ den Unterricht ausfallen und ging stattdessen zu James in den Schlafsaal.
„He, Potter!", begrüßte er seinen besten Freund und zog die Vorhänge seines Himmelbetts zur Seite. James stöhnte auf und vergrub seinen Kopf in den Kissen. Erst nach einer Minute tauchte er allmählich aus dem Federbett auf und tastete nach seiner Brille auf dem Nachttisch.
„Du bist ein verdammter Folterknecht, Black!", murmelte er und strich sich die zerzausten Haare aus dem Gesicht.
„Alles in Ordnung?", wollte Sirius leicht besorgt wissen und ließ sich am Fußende von James' Bett nieder. James nickte.
„Hmmm. Bin nur müde. Ich hab heute Morgen alles geheilt, aber mir tut trotzdem jeder Knochen weh."
„Bist du dir sicher, dass du nichts übersehen hast?"
Wieder nickte James.
„Ja. Es ist wirklich alles in Ordnung. Ich bin nur müde." Er zögerte kurz. „Wie geht es Remus?"
Sirius zuckte mit den Schultern.
„Ich weiß es nicht genau. Ich habe gehört, dass Madam Pomfrey gesagt hat, es wäre nicht so schlimm wie letztes Jahr. Aber es hörte sich an, als wäre es schlimmer als die letzten Monate. Er hat geschlafen, als ich gegangen bin."
„Der Wolf war ziemlich wild. Und nachdem er sich ein paar Mal gegen eine Wand geworfen hat, hat er gehinkt..." James gähnte herzhaft. „Ich finde, wir sollten Moony nach dem Mittagessen besuchen. Gucken, wie's ihm geht."
Sirius nickte zustimmend.
„Die Slytherins haben MacDonald angegriffen", wechselte er das Thema. „Mulciber hat eine Andeutung gemacht. Und es wäre ja auch nicht das erste Mal. Erinnerst du dich an Halloween? Mulciber hat sie mit einem schwarzmagischen Fluch belegt und Shacklebolt hat daneben gestanden und geredet! Heute Abend knöpfe ich mit den Mistkerl erst mal vor!"
James nickte.
„Sie ist übrigens nicht die einzige, die angegriffen wurde." Er hielt eine Ausgabe des Tagespropheten hoch. „Die Prewitt-Brüder sind attackiert worden. Anscheinend haben sie Amelia Bones geholfen, als sie damals angegriffen wurde."
„Sind sie verletzt?"
„Nur leicht." James grinste. „Es sieht so als, als hätten die Prewitt-Brüder die Todesser in die Flucht geschlagen. Die beiden sind ziemlich gut."
Sirius grinste zurück, als er an die beiden ehemaligen Treiber dachte.
„Das stimmt. Sonst noch irgendwas Neues? Hat dieser geheimnisvolle Angreifer wieder zugeschlagen"
„Nein, aber das Zaubereiministerium hat gesagt, dass sie nicht mehr davon ausgehen, Sharez noch zu finden."
„Sharez?" Sirius musste einen Augenblick lang überlegen. „Das war doch dieser Typ von Gringotts, oder? Der sich für die Kobolde eingesetzt hat."
James nickte grimmig.
„Und dann ist er verschwunden."
„Und Malfoy ist vom Zauberergamot freigesprochen worden", erinnerte sich Sirius. „Aber das habe ich dir ja gleich gesagt."
„Ja, ja. Aber weißt du, was das Tollste ist?", fragte James. Sirius schüttelte den Kopf.
„Nein, was?"
„Die Leute regen sich jetzt nicht etwa über Malfoy oder die Todesser auf, sondern über die Kobolde, weil Gringotts keine Stellungnahme zu Sharez Verschwinden gegeben hat! Mike Mishepp nennt sie sogar kleine grüne Giftzwerge, die Gringotts nur gegründet haben, um den Zauberern das Geld aus der Tasche ziehen."
Sirius zuckte mit den Schultern.
„Naja, nett sind Kobolde ja auch nicht gerade. Und wer ist überhaupt dieser Mishepp? Irgendwo habe ich den Namen schon mal gehört..."
„Er ist ein alter Freund von Bagman", erklärte James, „und hat sein ganzes Geld beim Freundschaftsspiel der Wimbourner Wespen gegen die Prides verloren. Das erklärt vielleicht, warum er so schlecht auf Gringotts zu sprechen ist", setzte er nachdenklich hinzu. Sirius schnaubte.
„Wie kann man nur so bescheuert sein, sein gesamtes Geld bei einem Freundschaftsspiel zu verwetten?"
„Gute Frage." James sah auf seine Uhr. „Ich würde sagen, Mittagessen und dann gehen wir Remus besuchen."
Als sie in den Krankenflügel kamen, war Remus wieder wach und hatte Gesellschaft durch Peter. Der Werwolf sah bleich und erschöpft aus, aber er versicherte ihnen, dass Madam Pomfrey ihn übermorgen gehen lassen wollte.
„Und wie geht es dir, James? Peter hat gesagt, du bist nicht zu Zaubertränke gegangen."
Der vorwurfsvolle Ton war nicht zu überhören, obwohl Remus ehrlich besorgt schien. Während James versuchte, sich herauszureden, wurde Sirius' Blick wie magisch durch den Vorhang angezogen, hinter dem Mary MacDonald lag. Unauffällig schlenderte er hinüber und warf einen vorsichtigen Blick hinter den Vorhang. Zu seiner großen Überraschung war Mary MacDonald wach. Sirius sah sich noch einmal über die Schulter, aber Madam Pomfrey war beschäftigt. Er trat näher.
„Hey."
Mary schreckte auf und schien ihn erst jetzt zu bemerken.
„Geh weg!"
Sirius warf ihr einen irritierten Blick zu angesichts des schroffen Tonfalls.
„Ich wollte nur wissen, wie es dir geht."
„Mir geht's scheiße! Und jetzt geh weg!"
„Wenn du mir sagst, wer das war..."
„Als ob du das nicht wüsstest! Hau endlich ab!"
Bevor Sirius antworten konnte, legte sich eine Hand auf seine Schulter.
„Black, ich glaube, Miss MacDonald hat sehr deutlich gemacht, dass sie nicht mit ihnen sprechen will", sagte Madam Pomfrey streng und bugsierte ihn von Marys Bett weg.
„Aber..."
Doch Madam Pomfrey ließ keine Widerrede zu. Aus den Augenwinkeln sah Sirius, wie Mary MacDonald die Beine an die Brust zog, ihr Gesicht zwischen den Knien vergrub und lautlos schluchzte.
„Ihr müsst sowieso gehen", mischte sich Remus ein, „Verteidigung gegen die dunklen Künste fängt gleich an."
Nichts interessierte Sirius im Moment weniger. Aber James hatte ihn bereits am Arm gepackt und nach draußen gezerrt.
