Hi, back again für ein weiteres Kapitel meiner Fortsetzungsgeschichte. Auch wen Hermine und Severus wieder mal nicht auftauchen – ich verspreche euch, ihr werdet noch genug von den Beiden kriegen!

Kapitel 9

Die Treffen des Zauberergamots fanden in einem alten Haus, genauer gesagt in einer alten Villa in Hampton Court, die in unmittelbarer Nähe des Schlosses stand, statt. Das Haus war verborgen in einem verwilderten Garten und seine Schutzzauber hinderten die Muggel daran, das Grundstück zu betreten.

Normalerweise schätzte Minerva McGonagall die Zusammenkünfte mit den Kollegen, die sich aus Zauberern zusammensetzten, die zu den Weisesten der Zunft gehörten. Das war jedenfalls so, solange Dumbledore noch den Vorsitz innehatte. Sein Nachfolger der Zaubereiminister, was neu war, denn bislang gab die Allianz zwischen dem Vorsitzenden des Zauberergamots und dem Minister für Zauberei nicht. Aus gutem Grund, wie Minerva fand. Der Zauberergamot sollte das Organ sein, das die Entscheidungen des Ministeriums überwachte und bei Bedarf sogar korrigieren konnte. Doch in den Kriegszeiten waren manche der geltenden Regeln über Bord geworfen worden und die Macht hatte sich immer mehr auf einzelne Gruppierungen konzentriert. Als Minerva eintraf, war der Rest des Vorstands bereits versammelt. Der Vorstand bestand aus 7 Personen:

- Rufus Scrimgouer - Vorsitzender

- Brian McGregor – stv. Vorsitzender

- Minerva McGonagall

- Kingsley Shacklebolt

- Dr. Sean Pennelly -Leiter des St. Mungos Hospitals -

- Professor Tofty - ältester Ministeriumszauberer

- Roland Russo

Der Vorsitzende hatte letzteres Mitglied ernannt – Russo war Chefredakteur des Tagespropheten und hatte damals unter Cornelius Fudge bereits die Kampagne gegen Harry Potter ins Leben gerufen. Er stellte sich mit seiner Zeitung und seinen Ansichten loyal hinter das Zaubereiministerium.

Minerva McGonagall sah in der Zusammensetzung des Vorstands des Zauberergamots einen weiteren Hinweis auf den Verfall der Maßstäbe in der Zauberergemeinschaft. Die Unabhängigkeit war dahin, als Scrimgouer den Vorsitz an sich gerissen hatte – Zeiten wie diese erfordern konsequentes Handeln und die Personen, die dies erfüllen können – und er hatte es geschafft, weitere Günstlinge einzuschleusen. Neben Russo war auch Dr. Pennelly von Scrimgouers Wohlwollen abhängig – seine Nominierung zum Chef von St. Mungos war nicht unumstritten. Bestimmte wissenschaftliche Kreise hielten Dr. Pennellys direkten Konkurrenten, Dr. Pete Branson, der im Übrigen ein guter Freund Professor Dumbledores gewesen war, für den von den heilerischen und menschlichen Kompetenzen gesehen, geeigneteren Kandidaten für dieses außerordentlich wichtige Amt in der Zauberergemeinschaft.

Doch Scrimgouer hatte sich durchgesetzt. Er verfügte über einen überaus ausgeprägten Machtanspruch. Und dieser hatte ihm bisher dazu gedient, durch die richtige Personalauswahl eine immer größere Machtkonzentration zu erreichen. Auch an diesem Abend wurde diese inzwischen ausgeprägte Machtfülle wieder einmal ausgenutzt, wie Minerva mit Entsetzen feststellte.

Zur heutigen Sitzung hatte sich Scrimgouer unerwartete Unterstützung aus dem Ministerium mitgebracht – und zwar in Form einer bei einigen Mitgliedern wenig geachteten bis verachteten Person mit Namen Dolores Umbridge. Scrimgouer eröffnete die Sitzung mit seinen üblichen Worten zum Ernst der Lage und wie sehr die Zaubererwelt darauf angewiesen sei, ganz eng zusammenzurücken – was nichts Anderes bedeutete, als dem Ministerium freie Hand bei allen Entscheidungen zu lassen. Die Politik der Nichteinmischung und die bedingungslose Unterstützung der vom Ministerium gesteuerten Maßnahmen war die umfassende Forderung des Zaubereiministers. Er strebt eine Diktatur an. Minerva McGonagall war sich sicher, dass Scrimgouer nichts anderes im Sinn hatte, als unter seiner Regie den Kampf gegen Voldemort zu gewinnen. Er wollte dabei alle Institutionen wie das Ministerium und den Zauberergamot sowie alle Personen, die ihm nützlich waren – vor allem natürlich Harry Potter – für seine Zwecke einsetzen. Er wollte am Ende als Sieger aus dem Gefecht gegen Voldemort hervorgehen – er und kein Anderer!

Minerva erhielt umgehend eine Bestätigung ihres Verdachts. Scrimgouer wies auf Voldemorts neuesten Erpressungsversuch hin – die Entführung des Sohnes des stellvertretenden Vorsitzenden des Zauberergamots – und seine Rede hatte zum Ergebnis, dass dieser wegen Befangenheit von seinem Posten zu entbinden sei. Zum allergrößten Bedauern des Vorsitzenden, wie Scrimgouer mit bitterernster Miene versicherte. Die Reaktion auf diese Forderung war geteilt. Der Betroffene selbst war erschüttert – dieses Ansinnen hatte er nicht erwartet. Brian McGregor war ein äußerst integrer Mann, der sich als Politiker und Diplomat in der Zaubererigemeinschaft der gesamten Zaubererwelt viele Verdienste erworben hatte.

Er blickte sich hilfesuchend zu den anderen Mitgliedern des Vorstands um. Minerva McGonagall und Kingsley Shacklebolt reagierten sofort mit abweisenden Gesten. Professor Tofty überprüfte sein Hörrohr – offensichtlich war ihm die Brisanz der Forderung entgangen. Dr. Pennelly und Roland Russo nicken zustimmend.

Scrimgouer sah sich in der Runde um - die abwehrenden Gesten von McGonagall und Shacklebolt ignorierend – bemerkte er: „Also gut, wir sind uns einig. Mr. McGregor, der der Zaubererwelt unbestritten wichtige Dienste geleistet hat, ist befangen und wird vom stellvertretenden Vorsitz des Zauberergamots entbunden. Seine Stelle nimmt eine Person ein, die immer ebenso unvoreingenommen wie loyal der Zaubererwelt gedient hat. Ich berufe zur neuen stellvertretenden Vorsitzenden des Zauberergamots die verdiente Mitarbeiterin des Zauberereiministeriums Dolores Umbridge!"

Russo und Pennelly klatschten begeistert Beifall, der Rest des Zauberergamots, einschließlich Professor Toftys, der sein Hörrohr wieder aktiviert hatte, schwiegen. Umbridge hatte es, nachdem sie für einige Jahre nach ihrem gescheiterten Hogwarts-Einsatz abgetaucht war, geschafft, sich bei Scrimgouer einzuschleimen und war die Erfolgsleiter beim Ministerium immer weiter emporgeklettert.

Scrimgouer räusperte sich zufrieden. „Nachdem dies geklärt ist, bitte ich um Vorschläge, wie wir mit dem neuerlichen Vorfall umgehen."

Minerva McGonagall sah sich fragend zu Kingsley Shacklebolt um, der seinerseits mit den Schultern zuckte und den Finger kurz auf seinen Mund legte. Minerva seufzte leicht und nickte beinahe unmerklich. Der Gedankenaustausch der beiden Mitglieder des Ordens des Phönix war von niemandem sonst wahrgenommen worden, da die übrigen Vorstandsmitglieder eifrig mit Dolores Umbridge applaudierten, nachdem der Vorsitzende sich mit warmen Worten des Dankes für ihren selbstlosen Einsatz beim Zauberergamot, den sie neben ihren zahlreichen Pflichten nun auch noch wahrnahm, bedankte.

Scrimgouer fuhr fort: „Liebe Dolores – ich darf Sie doch so nennen, unter Kollegen?" Die rhetorische Frage des Ministers wurde von Umbridge mit einem ebenso süßen wie falschen Lächeln und einem gehauchten: „Aber sicher, lieber Rufus" quittiert. „Ich bin sicher, Sie haben zu dem gerade anstehenden Problem der Entführung des Sohnes des ehemaligen Stellvertretenden Vorsitzenden eine Lösung parat?"

Umbridge lächelte so breit, dass die Ähnlichkeit mit einer Kröte unverkennbar war. „Aber sicher habe ich schon meine Vorstellungen zu diesem Problem, lieber Rufus und verehrte Kollegen", säuselte sie. Sie fügte hinzu: „Und ich habe auch nichts dagegen, dass ausnahmsweise ein Nichtmitglied des Vorstands an unserer Sitzung teilnimmt."

Nach diesen Worten herrschte einen Augenblick Stille. Dann war ein deutliches Zähneknirschen zu hören – Kingsley Shacklebolt hatte sofort erfasst, was die alte Hexe mit ihrer Äußerung meinte. Auch Minerva McGonagall reagierte, indem sie von ihrem Sessel aufsprang und Umbridge anherrschte: „Es ist wohl das Mindeste, was wir für Brian tun können, nämlich ihn an der Sitzung, in der es um die Freilassung seines entführten Kindes geht, teilnehmen zu lassen!"

McGonagalls bedrohliches Funkeln in den Augen hätte schon manchen gestandenen Zauberer zum Erzittern gebracht, doch Dolores Umbridge gab sich gelassen und erklärte - an Minerva gewandt – mit ihrem breitesten Lächeln: „Genau das habe ich doch gesagt, meine liebe Minerva. Kann es sein, dass Sie mir nicht zuhörten? Oder haben Sie Probleme mit Ihrer Arbeit im Zauberergamot, seitdem Ihr Freund und Gönner Dumbledore von uns gegangen ist?"

Allein für die letzten Worte hätte Minerva ihr am liebsten den Kicherfluch auf den Hals gehetzt, so dass Umbridge ihr Leben lang mit ihrem aufgesetzten Krötenlächeln hätte herumlaufen müssen. Doch sie zwang sich, ruhig zu bleiben. „Ich habe keine Probleme mit meinem Amt hier, Dolores", erklärte sie mit einem ebenso falschen Lächeln. „Aber es mag sein, dass Sie noch lernen müssen, sich korrekt auszudrücken, so dass wir mit unnötigen Wortdefinitionen keine Zeit verschwenden müssen. Nehmen Sie dies als gut gemeinten Rat eines langjährigen Mitglieds des Vorstands im Zauberergamot an. Und nun bin ich – wie bestimmt alle anderen Kollegen auch – gespannt auf ihre Lösung des derzeitigen Konflikts."

Umbridges Lächeln gefror auf ihrem Gesicht, doch sie äußerte nichts. Minerva McGonagall nahm ihren Sieg mit gemischten Gefühlen wahr. Sie wusste – irgendwann musste sie dafür büßen.

Umbridge wandte sich dem Minister zu und erklärte mit ihrer süßesten Mädchenstimme, aus der allerdings der unterdrückte Zorn herauszuhören war: „ Lieber Rufus, ich plädiere dafür, einen Boten zur Verhandlung mit dem Dunklen Lord über das Leben des Kindes zu senden. Dieser Bote ist in Wirklichkeit ein speziell ausgebildeter Auror, der sich das Kind greift, mit gezielten Aktionen für Verwirrung sorgt und mit dem Sohn unseres verehrten Mr McGregor disappariert."

Dolores Umbridge sah sich nach diesen Worten strahlend in der Runde um; sie erwartete unverkennbar Applaus für ihren Vorschlag.

Rufus Scrimgouer nickte bedächtig und anerkennend. Er murmelte: „Ein brillanter Vorschlag, so wie ich das von Ihnen erwartet habe. Die Spezialabteilung der Auroren hat sicherlich mehrere Agenten, die für einen derartigen Überraschungsangriff in Frage kommen. Wie Sie wissen, war ich selbst einmal der Leiter der Aurorenabteilung." Scrimgouer lächelte selbstgefällig. „Ich weiß also genau, was unsere Jungs leisten können." Auf McGonagalls finsteren Blick hin ergänzte er hastig: „Jungs und Mädels natürlich, meine ich. Die weiblichen Mitglieder der Auroren sind genauso breit einsetzbar wie ihre männlichen Kollegen, wenn nicht sogar breiter." Die Augen von McGonagall, Shacklebolt und sogar vom alten Zauberer wandten sich empört Scrimgouer zu, der hastig fortfuhr: „Will damit sagen, die weiblichen Auroren sind teilweise sogar flexibler als ihre männlichen Kollegen." Er lächelte erleichtert, als sich die Mienen der Anderen entspannten.

Minerva allerdings wirkte nicht sehr entspannt. Sie sagte: „Ich kann ihre Meinung zur Brillanz von Dolores Vorschlag leider nicht teilen. Glauben Sie wirklich, Voldemort" – die anderen mit Ausnahme von Shacklebolt zuckten zusammen – „würde sich von einem einzigen Ministeriumszauberer übertölpeln lassen? Und wenn dieser die Aurorenprüfung zehnmal mit der Note Eins bestanden hätte – glauben Sie mir, der Dunkle Lord kennt fast so viele Zauberkunststücke wie Dumbledore. Und er nutzt die Dunkle Magie voll und ganz aus, was ihn gegenüber uns in Vorteil bringt."

„Soll das etwa heißen, Minerva, Sie halten die Anwendung der Dunklen Künste in der Zaubererwelt für angemessen und erforderlich?" Umbridges Stimme ließ sich vernehmen – zitternd und mädchenhaft, so als hätte Minerva McGonagall soeben etwas Anstößiges geäußert.

„Nein, Dolores, das heißt es nicht", entgegnete McGonagall scharf, „und das wissen Sie ganz genau. Das heißt nur, dass wir uns vorsehen müssen. Und dass wir auf keinen Fall versuchen dürfen, Voldemort zu überlisten."

Shaklebolt mischte sich ein. „Ich bin ebenfalls Minervas Ansicht. Unser Unterhändler darf auf keinen Fall versuchen, den Dunklen Lord und seine schwarzen Magier hereinzulegen. Er wäre einer gegen Hundert! Mindestes! Keiner von uns weiß, wen ‚Du-Weißt-Schon-Wer' tatsächlich um sich geschart hat. Aber mir persönlich würden Voldemort und Snape schon reichen, um sämtliche Dummheiten zu unterlassen."

Bei dem Namen ‚Snape' zuckten die Anwesenden zusammen. „Woher wissen Sie, dass ‚Du-Weißt-Schon-Wer' Snape bei sich hat?", fragte Scrimgouer alarmiert.

Shacklebolt stieß sein tiefes Lachen aus. „Ich bitte Sie, Minister, glauben Sie wirklich, der Dunkle Lord verzichtet auf seinen fähigsten Mann? Und wo sollte Snape sonst sein, wenn nicht bei seinem Herrn und Meister? Wozu sonst sollte er Dumbledore umgebracht haben? Wenn nicht, um unendlichen Ruhm bei Voldemort zu erlangen?" Bei den letzen Worten war Shacklebolts Stimme in ein wütendes Zischen übergegangen.

Minerva sah ihn erstaunt an. Sie hatte bisher nicht gewusst, dass Shacklebolt Snapes Verrat so nahe ging.

Scrimgouer blickte finster vor sich in. Offenbar leuchteten ihm McGonagalls und Shacklebolts Argumente ein. Er sagte: „Und welche Vorschläge haben Sie mir anzubieten? Konkrete Vorschläge, wenn möglich!" Scrimgouers Stimme war nun barsch.

„Die Akzeptanz von Voldmorts Forderungen ist genauso unmöglich wie deren gesamte Ablehnung. Die Sendung eines Unterhändler wäre also sinnvoll." Shacklebolts Stimme war wieder ruhig und bedacht, als er diese Gedanken äußerte.

„Und wer soll der Unterhändler sein?", fragte Russo mit begieriger Miene. Er sah aus, als wittere er eine fette Schlagzeile für den Tagespropheten. Minerva nahm dies mit angeekelter Miene wahr. Der Mann war nichts anderes als ein schmieriger Paparazzo. Umbridge hingegen hatte wiederum ihr breites falsches Grinsen bereit. „Wer sonst als unser verehrter Kollege und verdienter Mitarbeiter des Zaubereiministeriums, Kingsley Shacklebolt? Oder kennen Sie einen fähigeren Mann für diese Mission? Minister?"

Scrimgouer nickte zustimmend. „Shacklebolt ist der richtige Mann", erklärte er.

„Einverstanden." Kingsley Shacklebolt nickte zustimmend. „Doch wie groß ist mein Verhandlungsspielraum?", fragte er. Wie weit darf ich ‚Du-Weißt-Schon-Wem' in seinen Forderungen entgegenkommen? Und was ist TABU?"

Schweigen herrschte in der Runde, als diese entscheidende Frage aufgeworfen wurde. Nun ging es um das Schicksal des kleinen Jungen einerseits und die Verteidigung des Standpunktes der Zauberergemeinschaft andererseits.

Wiederum meldete sich Minerva McGonagall zu Wort. „Nun, eine der Forderungen des Dunklen Lords scheint mir nicht allzu abwegig zu sein." Auf die fragenden Blicke der Kollegen und die angstvoll gespannte Haltung von Brian McGregor hin antwortete sie: „Als Schulleiterin von Hogwarts vertrete ich die Meinung, dass es ein Fehler ist, die Schüler, die der Sprechende Hut nach Slytherin schicken will, von der Schule auszuschließen. Ich meine, diese Schüler zu integrieren anstatt sie auszugrenzen, ist für die Zauberergemeinschaft sinnvoller. Deshalb schlage ich vor, Voldemort einen Deal anzubieten. Die eine Forderung – die Aufnahme von Slytherin-Schülern wird erfüllt, wenn er auf die andere – Lucius Malfoy zum Schulbeirat zu ernennen – verzichtet."

Nach einigen Diskussionen, die Minerva wie Scheingefechte vorkamen, einigte man sich darauf, ihren Vorschlag anzunehmen und Shacklebolt in den nächsten Tagen auf seine Mission zu Voldemort zu schicken. Als die Mitglieder des Vorstands des Zauberergamots die Sitzung verließen, hörte Minerva McGonagall, wie Brian McGregor Kingsley Shacklebolt am Arm packte und ihm mit angstvoller Miene zuflüsterte: „Sie bringen ihn mir wieder, nicht wahr, Shacklebolt?" Shacklebolt sah ihn mit versteinerter Miene an und machte sich los.

Minerva McGonagall beschlich ein ungutes Gefühl.