Kapitel 9
kitty: danke für die milch, wir katzen müssen doch zusammen halten..lol dabei hab ich eigentlich einen hund als haustier
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Jack und Ennis entschieden, sich den 4. Juli freizunehmen. Sie fanden, dass sie nonstop gearbeitet hatten, seit ihrer Ankunft im Mai – einen Tag Urlaub hatten sie sich verdient.
Sie gingen in die Stadt, um sich die Parade anzuschauen. Wie die meisten Kleinstadt-Paraden gingen darin die Highschool-Band, die Fahnengarde, männliche und weibliche Pfadfinder, Veteranen aus den Weltkriegen I und II, sowie Korea mit – die Veteranen aus dem Vietnamkrieg waren sichtlich abwesend. Auch gab es Oldtimer, Feuerwehrfahrzeuge und handgefertigte Boote von verschiedenen bürgerlichen Organisationen. Da ja „Bicentennial" war, gab es ein extra Kontingent an Männern und Frauen der VFW, die als Revolutionäre gekleidet waren. Die Frauen trugen lange Kleider und Schleppen; die Männer schwarze Mäntel mit Rüschenhemden und Kniestrümpfen. Die Temperaturen hatten schon um 10 Uhr morgens gegen 38°C erreicht und Jack fand, all die Leute sahen deshalb erbärmlich aus.
Als ein Teil der Feierlichkeiten gab es einen Handarbeitsmarkt, der die Main Street entlangführte. Nach der Parade schlenderten Jack und Ennis an den Buden entlang und nahmen einen kleinen Snack bestehend aus Hot-Dogs und Limonade ein. Es gab diverse Handarbeitsausstellungen, machne recht nett, andere den einheitlichen texanischen Hang für Kitsch repräsentierend. Einmal hielt Ennis einen gehäckelten Toilettenpapierüberzug hoch. „Was zur Hölle ist das denn?", flüsterte er Jack außer Hörweite des Besitzers zu, der sehr beschäftigt mit einem weiteren Exemplar war.
„Das willst du nicht wissen.", raunte Jack, nahm Ennis den Überzug aus der Hand und legte ihn auf seinen Platz zurück. „Keine Angst, ich kaufe keinen für unser Badezimmer."
Es gab einen Stand mit sehr schönen, handgemachten Western Shirts. Ennis blieb vor dem Ständer stehen, befühlte ein sehr schönes grünes und cremefarbenes Shirt und dachte an Junior.
„Das ist eins meiner Liebsten.", sagte die Besitzerin. „Denken Sie da an jemanden?"
„An meine Tochter.", sagte Ennis. Er zog ein Blatt Papier aus seiner Tasche. „Ihre Mutter sagt, sie trägt Größe 14."
„Größe 14 bei Kindergrößen oder Frauengrößen?", fragte die Besitzerin.
Ennis, der noch nie ein Stück weibliche Kleidung in seinem Leben gekauft hatte, sah verwirrt aus. „Ähm, sie ist 12.", sagte er. „Groß und dünn."
Die Frau lachte. "Dann wirds wohl Kindergröße sein." Sie ging zu einem Ständer hinter dem Tisch und ging ein paar Shirts an Kleiderbügeln durch. „Hier ist ein ähnliches, in einer Größe, die passen sollte."
Jack war währendessen herangekommen. „Das da ist schön.", sagte er. „Ich mag das grün." Ennis nickte. Er wusste, dass Jack grün mochte.
Er zog sein Stück Papier zu Rate. „Okay, meine andere Tochter braucht Größe 12."
„Mal sehn.", sagte die Besitzerin. „Ich denke, ein blaues Shirt wäre schön. Anders, aber sie würden einander ergänzen." Wieder wühlte sie in den Shirts und zog ein anderes, hauptsächlich blaues, mit einem cremefarbenen Kragen und roten, blauen und grünen Verzierungen hervor.
Ennis nickte. „Das mag ich. Jenny auch, denke ich." Er sah zu der Besitzerin. „Ich nehm sie beide."
Sie lächelte, packte die Shirts in Papier und dann in eine braune Tüte. „Leben Ihre Töchter bei Ihnen?", fragte sie.
Ennis schüttelte den Kopf. „Nein, ich bin geschieden. Wenn alles nach Plan verläuft, kommen sie mich in ein paar Wochen besuchen. Zum ersten Mal in Texas."
„Na dann.", sagte sie. „Diese Shirts sind ein Schatz. Echte texanische Westernkleidung."
Ennis lächelte. "Jap, ich denke, wir gehen zu einem Rodeo. Dann können sie sie anziehen."
Die Besitzerin, beziehungsweise Verkäuferin, zeigte auf einen Stand auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Meine Freundin verkauft dort drüben Hüte.", sagte sie. „Die werden sie brauchen, um auf die Shirts anzuziehen."
Ennis lachte. „Schätze, da haben Sie Recht." Und er überquerte die Straße, um sich die Ständer anzusehen.
Während Ennis damit beschäftigt war, ging Jack etwas herum. Er besah sich eine Ausstellung von handgefertigten Ledergürtlen, doch keiner gefiel ihm. Der nächste Stand zeigte ein Sortiment hölzerner Boxen mir handgemalten Vögeln und Wildblumen auf der Außenseite. Jack grinste in sich hinein, denn er musste daran denken, wie Ennis Hals alten Schnick-Schnack im Wohnzimmer weggeräumt hatte. Jack wusste, dass Ennis nicht sonderlich auf Plunder stand undd ging deshalb ohne einen weiteren Blick an den Holzarbeiten vorbei.
Er kam an einen Schmuckstand und blieb stehen. Dort lagen Ketten, Armbänder und ein paar silberne Ringe, welche auf einem schwarzen Seidenkissen ausgestellt waren. Er nahm einen der Ringe in die Hand – dieser war ungewöhnlich, eine Reihe silberner Fäden formten kompliziert ineinander verschlungen ein Band, und die Gruppe dieser Bänder lief dann zusammen. Eine hübsche, junge Frau mit langen, roten Haaren, die hinter dem Tisch stand – Jack schätze, dass sie die Silberschmiedin sein müsse – wies auf den Ring in seiner Hand. „Das ist meine Spezialität.", sagte sie. „Er heißt: „Lovers Braid".
"Hmm.", sagte Jack und drehte den Ring in seinen Fingern. „Der ist hübsch."
„Na, danke sehr.", sagte die junge Frau. „Ich hab ihn gemacht, ich freu mich immer über Komplimente. Ich bin Sarah, nebenbei. Ich komme aus Albuquerque."
„Albuquerque.", sagte Jack. „Das ist aber ein weiter Weg von Quanah."
"Ist es, aber das ist eben meine Arbeit.", gab sie zur Antwort. „Im Winter stelle ich den Schmuck her und reise im Sommer von einem Markt zum nächsten." Sie wies auf die Ringe. „Wie sie sehen können, gibt es verschiedene Arten. Dieser hier hat drei Silberreihen.", sagte sie und hielt einen empor. „Während der, den Sie sich gerade ansehen, sechs hat." Sie nahm einen dritten. „Dieser hat zwölf Reihen aber ich denke, der wäre zu breit für Ihren Finger. Den hab ich für wirklich große Jungs gemacht."
Jack grinste sie an. „Bin ich kein großer Junge?", fargte er schmeichelnd.
Sarah lachte. „Sie wissen schon, was ich meine…wirklich groß...wie Football-Spieler." Sie wies erneut auf den Ring in Jacks Hand. „Wollen Sie ihn anprobieren?"
In diesem Moment kam Ennis heran und stellte sich neben Jack. „Was schaust du dir da an?", fragte er. Jack zeigte ihm den Ring. „Der ist schön.", sagte Ennis. "Er gefällt mir."
Jack nickte hinüber zu Sarah. „Das ist Sarah. Sie hat all den Schmuck gemacht. Dieser Ring hier heißt "Lovers Braid". Er hielt inne. "Ach ja übrigens, ich bin Jack.", sagte er. "Und das ist mein Freund Ennis."
Sarah lächelte ihnen zu. „Nett, Sie beide zu treffen."
Jack sah zurück auf den Ring in seiner Hand und begann, ihn an den Ringfinger seiner rechten Hand zu ziehen. Er blieb beim Knöchel hängen.
„Er ist zu eng.", bemerkte er, zog ihn ab und reichte ihn Sarah.
„Mal sehen.", sagte sie. „Ich könnte ihn weiter machen oder vielleicht hab ich auch noch einen größeren." Sie zog eine schwarze Seidenkiste unter dem Tisch hervor. Innen waren diverse Reihen an Ringen, ihr Silber glänzte hell vor dem schwarzen Hintergrund. „Versuchen Sie den mal.", sagte sie und polierte ihn kurz mit einem Tuch, bevor sie ihn Jack gab.
Er probierte ihn an. Dieser ging leicht über den Knöchel und in der Sekunde, als er ihn ganz auf dem Finger hatte, berührte Ennis ihn. „Der ist es.", sagte Ennis und Jack schaute ihn an. Ein unausgespochenes Gelöbnis erschien in ihren Blicken.
Jack wandte sich an Sarah. „Ich denke, er passt perfekt." Er hielt die Hand in die Höhe und schaute ihn an. „Ja perfekt. Und jetzt ist mein Kumpel hier dran.", sagte er und gestikulierte in Ennis' Richtung. „Haben Sie noch einen?"
„Klar habe ich.", sagte sie. Zuerst besah sie sich Ennis' rechten Ringfinger und dann ihre Schachtel mit den Ringen. „Der sieht gut aus.", sagte sie und reichte Ennis den Ring.
Ennis drehte ihn in seiner Hand, hob ihn in die Höhe und zeigte ihn Jack mit einem Zwinkern. Jack nickte. Ennis schob ihn auf seinen eigenen rechten Ringfinger, während Jack, wie Ennis es zuvor getan hatte, ihn berührte, als er seinen Platz erreicht hatte." „Der ist es.", sagte Jack und lächelte Ennis zu. Sie hielten einen Moment inne und schauten sich unverwandt in die Augen. Dann wand sich Jack ab und schaute zu Sarah. „Hm.", sagte er. "Sieht aus, als hätten wir uns heute Ringe gekauft. Damit hab ich nicht gerechnet."
Sarah lächelte ihnen beiden zu. „Das war schön…sie sehen schön aus…die Ringe, meine ich. Aber, naja, ich denke, mein Schmuck sieht immer schön aus" Sie lachten gemeinsam darüber. „Und.", ergänzte sie. "Ich weiß, dass mein Schmuck, besondere Dinge passieren lässt." Jack und Ennis lächelten ihr zu. "Sie kosten jeweils 25$.", sagte sie.
Jack zog seine Brieftasche heraus und wollte den gesamten Betrag bezahlen, doch Ennis hielt ihn zurück.
„Ich will deinen bezahlen, Jack.", sagte er. „Du kannst meinen kaufen." Ennis zählte die Geldscheine aus seiner Brieftasche ab, während Jack es ihm gleich tat.
Sarah lächelte, als sie das Geld annahm. „Als kleinen Bonus, schenke ich ihnen eine Schatulle dazu.", sagte sie. „Und etwas Politur."
„Ich nehm die Politur.", sagte Jack. „Aber die Schatulle brauch ich nicht. Ich hab nicht vor, ihn auszuziehen."
„Ich auch nicht.", sagte Ennis, mit einem Lächeln, das aus seinem Inneren strahlte.
Sarah reichte beiden eine Visitenkarte. „Auf all meinen Schmuck gibt es Garantie.", sagte sie. „Wenn Sie jemals Ihren Ring geändert oder repariert haben möchten, rufen Sie mich einfach an. Sie können ihn einschicken und ich bessere ihn aus." Sie nahmen die Karten und steckten sie in ihre Taschen.
Jack lächelte ihr glücklich zu. „Danke nochmal.", sate er. „Ich bin froh, dass ich an Ihrem Stand angehalten hab. Sie haben echt schöne Sachen." Ennis nickte zustimmend.
„Ich bin auch froh, dass Sie stehen geblieben sind.", sagte Sarah. „Es war was Besonderes, nicht?" Ihre Worte verrieten, dass sie genau wusste, wovon sie gerade Zeugin geworden war.
Am Nachmittag lagen sie auf einer Decke am Fluss und ließen sich nach dem Schwimmen von der Sonne trocknen. Jeder genoss sein Bier. Jack war gerade mit dem andauernden, langsamen und bedächtigen Verteilen von Sonnencreme fertig geworden, was Ennis zuerst bei ihm getan hatte. Als Jack im Mai zum ersten Mal die Sonnencreme herausgeholt hatte, hatte Ennis ihn ungläubig angesehen. „Den Mist brauch ich nicht.", sagte er. „Ich hatte noch nie Sonnenbrand."
"Hast du denn jemals in der heißen Texas Sonne gebadet?", hatte Jack gefragt.
„Nein.", war Ennis' Antwort gewesen. „Aber wo ist der Unterschied?"
„Ennis, guck dich doch an!", hatte Jack gesagt. „Du hast blonde Haare und helle Haut. Du wirst bruzeln, wie ein Steak. Außerdem," er strich leicht über Ennis' Glied, "wette ich, dass der kleine Ennis noch nie die Sonne gesehen hat. Ich will nicht, dass ein Sonnenbrand seine Performance beeinträchtigt!"
Als er das gesagt hatte, hatte Ennis Jack in die Arme genommen und begonnen die Haut an seinem Hals zu küssen und zu lecken. „Ich vermute ja, dass du nur ne Ausrede dafür suchst, dass du mit deinen Händen an meinem ganzen Körper rumreiben kannst.", war Ennis' Kommentar und er strich über Jacks Hintern.
„Das auch.", hatte Jack gesagt und Ennis' Zunge genossen, die nun seine Brust hinabglitt. „Dreh dich rum, Cowboy, und lass mich auch den Rücken machen."
Seit diesem Tag, war das Verteilen der Sonnencreme zu einem immer ausgereifteren Ritual geworden und sie neckten sich spielerisch, wer denn nun als erster an die Reihe kam und wer als zweiter. Heute lag Ennis auf seinem Bauch und fühlte sich total entspannt, als Jack seine Ganzkörpermassage beendete.
Jack setzte sich nach hinten und schaute ihn an. „Noch ein Bier?", fragte er.
„Klar.", sagte Ennis und rollte sich auf den Rücken. Dann stützte er sich auf den Ellenbogen ab. „Du weißt, dass ich da nie nein sage." Ennis sah zu, wie Jack zum Kofferraum seines Trucks ging und zwei Bier aus der Kühlbox nahm. „Weißt du was, Jack.", sagte er. „Wir zwei sind faule Säcke. Wir fahren im Truck hierher, anstatt mit den Pferden herzukommen."
„Das war deine Idee, En.", sagte Jack. „Du hast gesagt, du willst nicht, dass die Pferde hier den ganzen Tag mit ihren Sätteln in der brütenden Sonne stehen."
Ennis lachte. „Und du bist dumm wie Scheiße, wenn du eine solch erbärmliche Ausrede glaubst!", sagte er. „Die Sättel könnten wir doch abnehmen." Er nahm einen großen Schluck aus der Bierflasche, die Jack ihm reichte.
„Also, warum haben wir dann den Truck genommen?", fragte Jack, nahm sein kaltes Bier und rollte es über Ennis' Brust.
Ennis keuchte leicht, als er die kalte Flasche spürte. „Hab ich dir doch gesagt – weil wir faule Bastarde sind, die ihren freien Tag genießen." Er ließ seine Augen an Jacks Körper hinabwandern. „Weißt du was, Jack, ich hab den Eindruck, als würde all die Sonnencreme, die wir aufeinander verteilen, wirken."
„Was meinst du?", fragte Jack.
„Guck dich doch an – du wirst braun."
Jack lachte und rieb mit seiner Hand über Ennis' Hüfte. „Du aber auch, Cowboy und keine Bräunungsstreifen. Sieht verdammt sexy aus, wenn du mich fragst."
„Ich hatte noch nie Bräunungsstreifen.", sagte Ennis zwinkernd. „Denn ich war noch nie braun."
„Ich bin sicher, dass du das warst, du Blödmann, aber es war die Bräune eines alten Famers. Das hier ist anders. Du siehst aus wie…weiß nicht...ein Model oder sowas." Er lächelte Ennis zu, während seine Hand fortfuhr, seine Hüfte zu streicheln.
Ennis beobachtete ihn eine Minute und genoss das Gefühl von Jacks Hand an seinem Körper. Er seufzte. „Oh Jack, du weißt, ich liebe die Art, wie du mich anfasst."
Jack lächelte. "Ja, das weiß ich, Cowboy.", sagte er und ließ seine Hand zu Ennis' Brust hinaufwandern. „Und ich liebe es, dich anzufassen."
Sie lächelten einander zu, doch als Jacks Hand in die Nähe von Ennis' Gesicht kam, ergriff dieser sanft Jacks Handgelenk. Er betrachtete den silbernen Ring, welchen Jack trug, und sah dann auf den identischen an seinem eigenen Finger. „Also, was war eigenlich damit?", fragte er mit weicher Stimme.
„Was war mit was?", fragte Jack.
Ennis lächelte. „Weißt schon. Da auf dem Jahrmarkt. Am Silberstand. Was ging da vor sich?"
Jack grinste. "Was denkst du denn, was vor sich ging?"
„Ich hab dich zuerst gefragt.", sagte Ennis mit einem Zwinkern.
Jack musterte Ennis. „Naja, ich bin nicht sicher, ob das die richtigen Worte sind, aber anders kann ich's nicht sagen…ich denke wir sind verheiratet. Wir haben einander geheiratet."
Ennis nickte. „Das hab ich auch gedacht.", lächelte er.
„Und ist das okay für dich?", fragte Jack. „Wir haben vorher nicht drüber geredet. Es ist einfach so passiert."
„Ich denke, dass es einfach so passiert ist, macht es erst so besonders.", sagte Ennis und lächelte Jack voller Liebe an. „Und ja, es ist okay für mich. Ich hab deinen Ring gekauft, oder etwa nicht?"
Jack lächelte zurück. "Du hast gesagt, du hast nicht vor ihn abzunehmen…"
„Und ich habs so gemeint.", gab Ennis zurück. „Ich will nicht kitschig klingen oder so aber ich liebe diesen Ring wirklich.", sagte er und besah sich seinen Finger. „Was hat das Mädel – Sarah – gesagt? Spezielle Dinge geschehen mit ihrem Schmuck? Das kann ich in diesem Ring fühlen. Ich will ihn nicht abnehmen."
Jack sah ihn an, ein wenig erstaunt über diese Offenbarung. „Du machst dir keine Sorgen, was die Leute denken könnten?", fragte er mit einem vorsichtigen Klang in der Stimme.
„Wir haben zwei Ringe an einem Jahrmarktsstand gekauft, Jack. Ich bin sicher, dass eine ganze Reihe anderer Leute da heut auch Ringe gekauft hat. Zur Hölle, wahrscheinlich läuft die halbe Stadt Quanah mit Sarahs Schmuck durch die Gegend. Wir passen uns nur der Masse an."
Jack setzte sich auf und lachte. „Du machst mich fertig, Del Mar.", sagte er und stieß Ennis in die Rippen. „Manchmal weiß ich einfach nicht, was ich von dir erwarten soll."
Ennis setzte sich neben ihn und sein Gesicht wurde plötzlich ernst. „Ich weiß, was du sagen willst, Jack. Hier sind wir nun, tragen identische Eheringe und ich finds okay? Oder hab ich Schiss und werd nervös…sodass ich den Ring abnehmen will, wenn ich unter fremden Leuten bin?"
Jack nickte. Das war exakt das, was er gedacht hatte. Er hatte zwar gehofft, dass sie eine Etappe im Leben erreichen würden, in der es möglich wäre, dass sie Ringe trugen – oder so etwas – um sich ihre Treue zu zeigen. Doch Jack hatte nicht erwartet, dass das so schnell der Fall sein würde und auf keinen Fall hätte er erwartet, dass es ohne vorherige Diskussion ablaufen würde. Er hatte Angst, dass ihre Hals-über-Kopf-Hochzeit etwas sein könnte, über das Ennis später anderer Meinung war.
Als ob er seine Gedanken lesen könnte, sagte Ennis: „Erinnerst du dich an Toms Philosophie, Jack? ‚Es gibt keine Zufälle, alles passiert aus einem Grund.' Das ist es, was heut mit uns geschehen ist. Alles – dass wir auf die Parade gegangen sind, auf den Jahrmarkt, dass wir Sarah getroffen haben – all das ist nur passiert, damit wir heute heiraten. Ich wusste nicht, dass es passieren würde, doch es passierte." Er hielt inne und fuhr dann fort. „Leute, die verheiratet sind, tragen Eheringe und nehmen sie nicht ab, wenn sie in den Supermarkt gehen."
Jack lachte, schob dann seine Hand in Ennis' Nacken und zog ihn an sich. „Du überraschst mich, Cowboy.", sagte er und sah Ennis tief in die Augen. „Und das ist ein Teil der Gründe, warum ich dich liebe."
Ennis lächelte Jack zu und ließ sch in einen langandauernden Kuss ziehen. Als sie ihn beendeten, schaute Jack erneut in Ennis' Gesicht. Dieser lächelte. „Ich sehe, dass du mir noch immer nicht glaubst.", sagte er.
„Nein, ich glaube dir.", erwiderte Jack. „Es ist mehr so, dass ich uns nicht glauben kann. Ich kann nicht glaube, dass wir es ausleben."
„So ist es.", sagte Ennis. „Wir leben es aus."
Jack sah ihn an und nickte. „So ist es.", sagte er.
Der Nachmittag verging in einem Wechsel aus Schwimmen, Dösen, Biertrinken und ein wenig Liebe. Schließlich rafften sie sich auf, als die Sonne begann, hinter den Weiden am anderen Ufer des Flusses zu verschwinden. Sie fühlten eine leichte Brise und bemerkten, dass die schlimmste Hitze des Tages vorüber war.
Ennis hatte vor, ein paar Minuten für einen Besuch bei Hal aufzuwenden. „Wir haben Urlaub, Jack.", sagte er. „Und es ist Sonntag. Diesmal kommst du mit."
Sie brachten Hal ein Stück Kuchen aus dem Haus des Bürgermeisters mit. Als ein Teil der Feierlichkeiten in Quanah hatte der Bürgermeister zwei große Kuchen gebacken – einer als die original amerikanische Flagge dekoriert, jedoch mit nur 13 Sternen, der andere zeigte die Lone Star Flagge von Texas. Und jeder der Stadt war auf einen Besuch eingeladen. Sie nahmen auch einen Umschlag mit neu entwickelten Fotos mit, die Jack am vergangenen Tag in der Drogerie abgeholt hatte.
Hal war erfreut, als sie durch die Eingangstür des Tagesraumes kamen. Er genoss den Kuchen und machte ein paar witzige Kommentare darüber, wie der Bürgermeister immer auf den Putz haute – er machte jedes Event, was es auch war, zu einer Möglichkeit, seine politische Karriere voranzutreiben. „Er sagt, er will irgendwann Governeur werden.", sagte Hal. „Könnt ihr euch das vorstellen? Der Bürgermeister einer verschlafenen Kleinstadt wie Texas, denkt er kann Governeur von Texas werden?"
„Könnte schlimmer sein.", sagte Ennis. „Was, wenn er Präsident werden wollte…"
„Gott bewahre.", sagte Hal. „Wenn das Arschloch je im weißen Haus endet...", er nahm seine Plastikgabel und aß etwas Kuchen. „Aber einen guten Kuchen hat er.", sagte er. „Auch, wenn er ein Trottel ist."
Wie sie erwartet hatten, war Hal sehr aufgeregt darüber, die Schnappschüsse zu sehen. Sie hatten Bilder vom Äußeren und Inneren des Hauses gemacht, die die frisch gestrichenen Wände und neuen Vorhänge zeigten. Hals Augen wurden etwas feucht, als er sie ansah. „Ich kann es nicht erwarten, nach Hause zu kommen.", sagte er. „Ich hoffe, bald."
Jack und Ennis sagten nichts dazu. Ennis bemerkte, da er jeden Tag herkam, dass es Hal nicht besser ging. Er wurde schneller müde, das Atmen bereitete ihm Mühe und selbst für mehr als ein paar Minuten zu reden, schien schwer für ihn zu sein.
Der letzte Packen Bilder war der mit denen, die Jack und Ennis voneinander gemacht hatten und ein paar von ihnen beiden zusammen. Ein erregte besonders Hals Aufmerksamkeit. Es zeigte die beiden auf der Verandatreppe sitzend, Ennis' Arm um Jacks Schulter gelegt. Sie sahen einander an, nicht in die Kamera. Ihre Gesichter waren völlig offen und natürlich und sie lächelten, als machten sie sich um nichts in der Welt Sorgen. „Das ist schön.", sagte Hal. „Wer hat es gemacht?"
Jack sah über seine Schulter auf den Schnappschuss. „Das ist auch mein Liebstes.", sagte er. „Ich will ein paar Abzüge davon machen lassen." Er ergänzte: „Tom hat es gemacht, als er vor zwei Wochen hier war."
Hal lächelte. „Tom ist in Ordnung, nicht wahr?", sagte er. Ennis hatte ihm die Geschichte erzählt, wie Tom sie beide auf der Couch erwischt hatte. Er hatte es etwas ausgeschmückt und witzig werden lassen. Hal hatte für fünf Minuten laut lachen müssen.
„Ja, er ist okay.", sagte Jack. „Ich weiß nicht, warum wir uns überhaupt Sorgen gemacht haben."
Als Jack die Bilder nahm und zurück in den Umschlag steckte, bemerkte Hal ihre Ringe. Ennis wusste, er würde dies. Hal hatte scharfe Augen und übersah nie etwas. „Ist das da was Spezielles?", fragte er.
Jack nickte. „Die haben wir heut auf dem Jahrmarkt gekauft.", sagte er und erzählte von Sarah und ihrer Ausstellung an Silberschmuck.
Hal griff nach Ennis' Hand und strich mit dem Finger über den Ring. Ennis lächelte ihm zu. „Wir sind zusammen, Hal.", sagte er. "Wir bauen uns ein Leben auf."
Hal erwiderte das Lächeln. „Ich hab dir schon mal gesagt, dass ihr mich etwas neidisch macht."
"Das wollten wir nicht.", sagte Jack.
„Ist ja nicht eure Schuld.", sagte Hal. „Es ist meine. Ich hab im Geheimen gelebt und jetzt bin ich alt und hab nicht sehr viel länger zu leben." Er hielt inne und sagte dann mit weicher Stimme: „Ich bin trotzdem froh, dass ich euch Jungs getroffen hab. Ihr habt mir etwas Abwechslung gebracht."
Sie standen auf, um zu gehen. Ennis beugte sich nach vorne und umarmte Hal leicht. „Bis morgen, Kumpel.", sagte er. „Schau dir heut Abend das Feuerwerk im Fernsehen an. Morgen kannst du mir davon erzählen."
Hal lächelte dankbar. „Du bist ein guter Freund, Ennis. Du auch, Jack.", fügte er hinzu. „Bis morgen."
Am Abend saß Ennis auf der Veranda, betrachtete den Sonnenuntergang und dachte bei sich daran, wie sehr er lange Sommertage genoss. Sie waren vom Pflegeheim zurückgekommen und hatten ein einfaches Abendessen aus den Resten eines Barbecues gehabt. Nach ihrem faulen Tag war das Aufwärmen in einem doppelten Boiler alles, was Jack an Energie fürs Kochen aufbrachte.
Jack kam nach draußen und brachte zwei Marmeladengläser und eine grüne Flasche mit. Er öffnete den Korken, der in die Nachtluft flog, schenkte dann ein Gals ein und gab es Ennis.
„Was ist das denn?", fragte Ennis und sah verwirrt auf sein Glas.
„Champagner.", sagte Jack lächelnd.
„Woher kommt der denn?", fragte Ennis.
„War im Kühlschrank.", sagte Jack.
„Wenn er im Kühlschrank war.", sagte Ennis. „Ist er wahrscheinlich hundert Jahre alt."
Jack lachte. „Eigentlich hab ich ihn gekauft.", sagte er. „Ich hab ihn geholt, um zu feiern, wenn wir das Haus fertig gestrichen haben, aber ich hab ihn vergessen." Er lächelte Ennis zu. „Ich denke, wir haben heute Abend was zu feiern."
Ennis betrachtete das Glas. „Ich hab noch nie Champagner getrunken.", sagte er und nahm einen vorsichtigen Schluck. „Nicht viel Geschmack dran."
„Es sind die Bläschen, denk ich.", sagte Jack. „Die Leute mögen die Bläschen."
Sie saßen einen Augenblick da und nippten an ihrem Champagner. Aus der Ferne hörten sie ein schwaches Rauschen, dann Boom-Boom-Boom. „Was ist das?", fragte Ennis. „Ein Sturm?"
"Feuerwerk.", sagte Jack. "Es ist der 4. Juli. Wir hätten in die Stadt fahren können, um es uns anzusehen."
„Nee, ich hab heut genug von der Stadt gehabt.", erwiderte Ennis. „Ich bin glücklich hier mit dir." Er wandte sich an Jack und grinste.
Jack grinste zurück. „Weißt du, Ennis,", sagte er. "Ich bin jetzt seit 33 Jahren auf der Erde und ich glaub, heute war der beste Tag meines Lebens."
„Wie das, Kumpel?", fragte Ennis. Er wusste sehr genau, wie, doch wollte er die Worte aus Jacks Mund hören.
"Heute war es perfekt.", sagte er. „Perfekt in jeder Hinsicht. Mir fällt keine Sache an diesem Tag ein, die ich ändern würde."
Ennis lächelte. „Ich fands auch perfekt.", sagte er und stand auf. Er reichte Jack eine Hand und half ihm auf die Füße. Dann nahm er die Champagnerflasche und die Gläser. „Lass uns gehen, Cowboy.", sagte er. "Ein paar Stunden das Tages sind noch übrig. Ich bin sicher, wir können noch etwas mehr Perfektion aus ihnen herauspressen. Außerdem…", sagte er zwinkernd. „Haben wir noch Arbeit."
"Arbeit?", fragte Jack, der Ennis nicht folgen konnte.
„Ja, wir haben ne Hochzeit zu besiegeln.", antwortete Ennis und zog Jack an der Hand durch die Tür.
Jack lachte. „Und das ist Arbeit?", fragte er. „Ich dachte, das wäre eine Freizeitbeschäftigung."
„Cowboy, lass uns einfach sagen, dass ich dich heute Nacht voll und ganz bearbeiten werde…", sagte Ennis, schloss die Vordertür und ging die Treppe hinauf, mit Jack und dem Champagner im Schlepptau.
Hoffe, euch hat das Kapitel gefallen! Danke für die tollen Reviews. Ich bin immer froh darüber!
