A.N.: Es gibt keine Entschuldigung für das, was ich euch allen angetan habe. Aber ich hoffe ihr versteht, dass ich meine Schreibschübe nicht kontrollieren kann und wenn ich einfach so versuche, etwas zu schreiben, dann ist das Ergebnis grauenhaft :-)

Vielen Dank an alle, die trotzdem weiterlesen und mir Reviews hinterlassen!!!

9. Die Wahrheit

In diesem Moment wollte ich Edward nicht nur töten, ich wollte ihn ihn Stücke reißen und sein Blut trinken. Ich wollte es mit jeder Faser meines Daseins, nichts bedeutete mir mehr.

Das Monster in mir erwachte und ging langsam auf seine Beute zu, immer den Blick auf das gerichtete, was es sich ersehnte.

Blut.

Bei jedem leichtfüßigen Schritt den ich tat knirschte der Sand unter meinen Füßen. Meine steinharte Haut glänzte wie Marmor im Mondlicht und meine dunklen Haare wehten im Wind. Das beständige Rauschen der Wellen komponierte eine Sinfonie voller Schönheit und machte die scheinbare Idylle perfekt, wäre da nicht das Blut, welches von meinen Händen tropfte.

Das dunkle Rot hinterließ Spuren im weißen Sand; ein unwillkürliches Muster ohne jeglichen Sinn.

Als ich auf meine Beute zutrat, versuchte ich mich an etwas zu erinnern. Doch der Versuch scheiterte, denn die neblige Wand der Blutlust erfüllte und umgab mich. Ich erinnerte mich nicht mehr an meinen Namen, noch an den meines Opfers, dessen grüne Augen mich verzweifelt anstarrten.

Das einzige, was in diesem Moment zählte, war das Blut, das ihm unaufhörlich aus seiner Wunde floss und so viel besser roch als das an meinen Händen.

Ich würde mich nicht beeilen müssen. Ich könnte jede einzelne Sekunde, in der das köstliche Blut meine brennende Kehle hinablief, genießen.

Meine menschliche Beute zitterte, als ich mich neben sie in den Sand kniete und ihm die bronze-farbenen Haare aus der Stirn strich. Ich erschauerte, als meine Hand das warme Blut berührte. Hätte ich nicht gewusst, dass ich meinen unbändigen Durst würde befriedigen können, wäre allein die Berührung mit seinem Blut sein Ende gewesen.

Doch da ich mir meiner Sache vollkommen sicher war, verlor ich meine Beherrschung selbst dann nicht, als ich das erste Mal sein Blut kostete. Vorsichtig leckte ich meine Finger ab und schmeckte die Nahrung meiner Existenz.

Der unbeschreibliche Genuss menschlichen Blutes schien alle meine inneren Qualen zu ersticken. Die unerträgliche Blutlust, die unsereins ständig in sich trägt, wurde endlich gestillt. Ich schloss meine Augen und genoss den einen Augenblick der Erfüllung. Doch lange währte dieser Moment nicht, das das Monster nach mehr Blut verlangte.

Langsam öffnete ich meine Augen wieder und betrachtete ein letztes Mal mein Opfer.

Ich blickte in seine Augen und mit einem Mal hatte ich das Gefühl, das an der ganzen Sache etwas nicht stimmte. Irgendetwas sagte mir, dass ich diesen Jungen nicht töten durfte.

Doch selbst dieses Gefühl kam nicht gegen die undurchdringliche Wand der Blutlust an.

Vorsichtig, fast zaghaft, lehnte ich mich zu ihm herüber. Mit der einen Hand zog ich seinen Kopf sanft in meine Richtung. Langsam bewegten sich meine Lippen zu seinem Hals und trafen schließlich auf seine heiße Haut. Ich spürte das Pochen des Blutes in seiner Halsschlagader und öffnete leicht meinen Mund.

Gänzlich im Blutrausch versunken, holte mich urplötzlich eine Stimme mit einem Schlag in die Realität zurück. Es war die Stimme eines Engels, der meinen Namen Flüsterte und damit durch die Barriere der Blutlust drang. Sofort wurde mir alles wieder klar.

Ich war Bella, doch das Monster in mir hatte sie verdrängt und war kurz davor gewesen, Edward in Stücke zu reißen. Es hatte sich nur vom köstlichen Duft des Blutes leiten lassen und die wirkliche Bella unterdrückt.

Dabei hatte ich nie ein Monster sein wollen.

Ich blickte auf und sah nicht in die Augen meiner Beute, sondern in die meines Engels. Sie schimmerten trotz der Dunkelheit grünlich und besaßen einen verängstigten und verwirrten Ausdruck.

Der Selbsthass übermannte mich. Wie hatte ich ihn je einer so großen Gefahr aussetzen können? Wie hatte ich je denken können, dass ich ihm nicht gefährlich war oder dass ich mich beherrschen könnte?

Ich wusste augenblicklich, dass es nun nur zwei Möglichkeiten gab.

Entweder ich würde von hier verschwinden und Edward zurücklassen. Ich würde Forks verlassen und nie wieder zurückkommen. Ich würde darauf vertrauen müssen, dass man Edward´s Geschichte keinen Glauben schenken würde.

Oder ich könnte Edward alles erklären. Doch das war nicht möglich. Wie ich ihn dort zitternd im Sand sitzen sah, brachte ich es nicht über mich, ihm noch mehr Angst zu machen.

Ich hatte schon genug angerichtet. Wenn ich einfach verschwand, würde er mich schnell vergessen und ein glückliches Leben führen können.

Vorsichtig setzte ich mich auf. In der Zwischenzeit schien Edward sich beruhigt zu haben.

Ich konnte zwar noch immer etwas Angst in seien Augen sehen, doch plötzlich war da noch was anderes in seinem Blick.

Es war, als wüsste er, was ich vorgehabt hatte und was ich nun im Begriff war zu tun.

Seine Erkenntnis schlug in Schmerz um, als ich flüsterte: „Es tut mir unendlich Leid. Lebe wohl, Edward. Ich liebe dich."

Für einen kurzen Augenblick geriet mein Entschluss ins Wanken, aber dann fegte ein weiterer Windstoß, der den Blutgeruch in meine Richtung wehte, über uns hinweg und ich drehte mich um.

Ohne mich umzuschauen rannte ich davon. Lautlos schluchzend lief ich immer weiter, während der Mond hinter der Wolkendecke verschwand und alles ins dunkle Schwarz der Nacht gehüllt war.

Edward´s verletztes Gesicht immer vor meinen Augen, brach ich schließlich am nächstgelegenen Waldrand zusammen.

Das Rauschen der Wellen wurde von einer Stimme durchbrochen.

Vom anderen Ende des Strandes hörte ich Edward rufen: „Bella! Bella!? Nein! Geh nicht! Ich lieb dich doch. Bella?!"

Ich verschwand im Wald und hüllte mich selbst in Dunkelheit, um dem pochenden Schmerz in meinem Herzen zu entkommen.