Und hier geht es weiter...liest noch wer mit?


- Was wäre wenn….? -

Ja, was wäre, wenn ich hier Infos an Personen gab, die sich nur verstellten. Was wusste ich denn schon über die Welt, in der ich mich befand? Die Leute sahen anders aus als erwartet, - na und? kann passieren - sie benahmen sich anders, - ist auch kein Beweis – spielte sich plötzlich meine innere Stimme zum Anwalt auf.

Nun gut, trotzdem noch ein ABER – und hier kam ich an den Punkt, der mich wirklich sehr nachdenklich machte.

Waren sie denn charakterlich überhaupt auch nur annähernd so gut oder böse, wie ich sie in meiner Naivität einteilte?

Ich kannte sie doch eigentlich gar nicht? Sie hielten mich weitgehend aus ihrem Umfeld fern. Morgens war ich bei den Eulen, nachmittags lief ich durch endlose Gänge, damit ich hier langsam eine gewisse Orientierung bekam, und abends nach der Märchenstunde ging ich brav in mein Bettchen.

Sogar bei den gemeinsamen Essen hatten sie mich strategisch gut zwischen den beiden Labertaschen Sybill und Hagrid platziert, die mich ausreichend bespaßten. Eigentlich hatte ich sonst mit keinem anderen Mitglied dieser Welt auch nur ansatzweise ein ausführlicheres Gespräch geführt.

Woher sollte ich also wissen, wie sie waren? Weil Albus Dumbledore hier auch Albus Dumbledore hieß und ebenfalls Direktor eines Internats namens Hogwarts war, hieß das doch noch lange nicht, dass er der liebe gute Zauberer war, wie ich es bisher vorausgesetzt hatte – oder? Sybill war schließlich auch nicht blöd und die Gouvernante hatte nach wie vor eher Ähnlichkeit mit Fräulein Rottenmeier aus „Heidi" als der lieben Hausmutter der Gryffindors. Woher wollte ich wissen, ob Snape meine Geschichten nicht wortgenau sofort an Voldi weitergab oder ihn sogar telepathisch an unseren Treffen teilnehmen ließ?

Sie hatten meine Geschichten mit keinem Wort kommentiert oder Dinge dementiert. Sie ließen mich reden, bedankten sich dann und entließen mich.

Ich beschloss, bevor ich heute meine Märchenstunde fortsetzte, erst einmal einige Fragen los zu werden. Wenn keine Antworten folgten, sollte die sich die Bücher von Frau Rowling selber kaufen und ich würde hier stumm meine Zeit absitzen, zur Not zwischen den Eulen im Außengehege.

Nachdem ich diesen Entschluss gefasst hatte, fühlte ich mich etwas besser und beschloss Sybill einen kleinen Besuch abzustatten. Sie war ja ziemlich mitteilungsfreudig. Und auch wenn es nicht die feine englische Art war, beschloss ich einige private Informationen über die Personen hier aus ihr heraus zu kitzeln. Ich wühlte in meinen Einkäufen, in die ich auch heimlich zwei Flaschen Wein geschmuggelt hatte, schnappte mir eine davon und machte mich auf die Suche nach Sybill.

Ich fand sie in einem Korridor zu den Klassenräumen und nachdem sie mir freudig mitteilte, dass sie heute keinen Unterricht mehr hatte, beschlossen wir einen Mädels-Nachmittag einzulegen und sie lud mich erfreut in ihre Räume ein.

Als wir das erste Glas Wein getrunken hatten und ich ihre Fragen um meinen neuen Job, und wie ich mich fühle, beantwortet hatte, brachte ich das Gespräch auf ihre Kollegen. Es dauerte nicht lange und sie plauderte aus dem Nähkästchen. Leider nicht die Dinge, die mich wirklich interessierten. Es war mir mehr als egal, ob Lupin einmal im Schlamm vor allen ausgerutscht war, oder Gouvernantchen bei einem Feueralarm mit wehenden Haaren schreiend hysterisch den Flur entlang gerannt war, weil sie mit nackten Füßen auf einen „Squyrrol?, was immer das auch sein mochte, getreten war.

Mich interessierten andere Dinge und so begann ich vorsichtig nachzuhaken.

- Charlie, Du bist ein Schwein – sie ist Deine Freundin – Du benutzt sie – sie hat Dir Stiefel gekauft! – Lass es – das ist abgrundtief gemein – beschimpfte mich mein Moralempfinden, aber ich ignorierte es.

„Weißt Du Sybill, ich habe irgendwie das Gefühl, dass Minerva mich nicht mag. Sie ist immer so ernst und verschlossen. Wie kommen denn die Kinder mit ihr aus? Vielleicht liegt es ja an mir?"

„Aber nein. Es liegt nicht an Dir, Charlie. Minerva ist ein Stockfisch, entschuldige, aber ich kenne keinen besseren Ausdruck. Sie steht direkt hinter Dumbledore und wird bestimmt auch die nächste Direktorin der Schule."

„Aber sie hat doch auch eine Vertrauensposition, oder nicht?" hakte ich nach.

- Charlie, das ist so hinterhältig und intrigant -

Ich ignorierte meine innere Stimme weiter und erfuhr so, dass Gouvernantchen auch zu den Kindern ziemlich streng aber gerecht war. Sie legte hohe Maßstäbe bei den Leistungen ihrer Schützlinge an, aber wurde sowohl bei den Schülern als auch innerhalb der Lehrerschaft mit Respekt betrachtet. Sie galt als ein wenig neugierig und manch einer tuschelte, sie würde hier als eigentliche Führungskraft fungieren.

Das war nun wirklich nicht DIE Minerva, die ich mir vorstellte, aber es waren auch keine negativen Eigenschaften. Sie war vielleicht wirklich eine alte Gouvernante.

Nun brachte ich das Thema auf Lupin, indem ich so tat, als fände ich ihn ganz interessant.

- Hi hi – aber sicher doch - der Traum Deiner schlaflosen Nächte – wer soll denn das glauben? – SCHNAUZE INNENLEBEN! ich muss mich hier konzentrieren!

Aber er schien so harmlos zu sein wie er aussah. Ob die Werwolfgeschichte stimmte, erfuhr ich leider nicht. Aber ich konnte auch nicht mit dier Frage einfach so herausplatzen. Insgesamt wusste Sybill nicht viel über ihn, er war wohl nicht gerade eine Stimmungskanone und blieb lieber für sich.

Als Sybill ihrerseits begann mich über mein Privatleben auszufragen, beendete ich mein Verhör, da ich nicht auffallen wollte. Ich würde eben nochmal einen gemütlichen Nachmittag mit ihr verbringen. Und so drehte sich das Gespräch nach kurzer Zeit um reinen Weiberkram, Mode, Schminke, Kerle usw. Ich merkte, dass ich Sybill immer mehr mochte. Sie war zwar eine schreckliche Tratschtante, aber sie war offen, ehrlich und hatte ein goldenes Herz und ihr fehlte ganz klar eine Freundin, mit der sie einmal nach Herzenslust lästern konnte. Aber sie würde niemanden hintergehen, da traute ich meiner Menschenkenntnis uneingeschränkt und fühlte mich somit doch ziemlich mies, weil ich sie ausgenutzt hatte und weiter ausnutzen wollte.

Da Sybill und ich das Mittagessen hatten ausfallen lassen, griff ich beim Abendessen wieder herzhaft zu. Wenn die Verpflegung hier so weiter ging, würde ich mir bald Zeltstoff bestellen und meine Kleider selber nähen müssen, dachte ich wehmütig, als ich mir selber verbot noch ein köstliches Schnitzel auf meinen Teller zu schaufeln. Ein Platz neben mir blieb leer und ich vermutete, dass Hagrid bereits auf dem Weg zum Bahnhof war.

Nach dem Essen teilte Stockfisch-Minerva mir kurz mit, dass wir uns am selben Ort wie gestern treffen würden und so hatte ich gerade noch Zeit eine Sekunde vor die Tür zu gehen um schnell Fang sein Futter und Wasser zu bringen. Der kleine Hund tat mir leid, weil er nicht verstand, wieso er plötzlich alleine war und ich überlegte ihn nach meiner Märchenstunde mit in mein Zimmer zu nehmen, immerhin war er noch fast ein Baby. Ich verwarf den Gedanken aber schnell wieder, er war nun nicht mehr sooo klein und er würde es auch lernen müssen, schließlich war ich bald wieder weg. - Hoffentlich! -

Ich rannte den Gang zu dem Büro, in dem ich weiter den Inhalt der Potter-Bücher verkünden sollte, hinunter und öffnete ohne Anklopfen die Tür, weil ich mal wieder etwas spät dran war. Die Anderen waren natürlich schon da, aber ich hatte das Gefühl als sei ich in eine Besprechung hineingeplatzt, die nicht für meine Ohren bestimmt war. Alle sahen mich irgendwie sonderbar an und es war sicher nicht, weil ich die kleine Höflichkeit des Anklopfens schlicht und ergreifend vergessen hatte.

„Ach, Charlie, da sind Sie ja" sagte Dumbledore eine Spur zu laut und jovial, und das machte mir die Situation noch unglaubwürdiger.

Ich hüpfte also zwischen der Zettelwirtschaft, die auch heute auf dem Boden herrschte, Richtung Schreibtisch, verzichtete aber darauf mich zu setzen, sondern blickte Dumbledore ernst an und sagte: „Ich werde heute erst selber ein paar Fragen stellen. Ich denke ich habe ein Recht ebenfalls Informationen von Ihnen zu erhalten, wenn ich im Gegenzug mein Wissen zur Verfügung stelle. Ich frage mich, aus welchem Grund Sie nicht selber in der Lage sind einfach in meine Welt zu gehen und sich die Infos zu selber zu holen, wenn dieser Riss zwischen unseren Welten existiert. Ich konnte zu Ihnen in die Vergangenheit, da müssen Sie auch zu mir in die Zukunft können. Ich traue Ihnen nicht." Ich sah jeden einzeln an. „Und ich finde ich sollte, nein ich muss, für mich Gewissheit haben, dass ich hier keine Veränderungen hervorrufen werde, unter der kommende Generationen leiden werden und die ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann."

- Klasse – Charlie! Das saß! Die sehen aus, als habe sie der Blitz getroffen – meine innere Stimme applaudierte mir? Ganz neue Seite – aber sehr angenehm.

Ich sah die Runde erwartungsvoll an. Nichts. Keine Antwort. Keine Regung. Gar Nichts.

- O.k. – wer nicht will, der hat schon –