So ihr Süßen, wie ihr sicherlich mit bekommen habt, ist bei Mia und mir gerade Ausnahmezustand und wir haben kaum Zeit zu posten oder ins Forum zum Antworten eurer FB zu kommen. Bitte verzeiht, wir freuen uns dennoch über jede Zeile und jeden Leser, auch wenn wir es gerade nicht so zeigen können, wie wir wollen *hugs*

Ich hoffe, wir bekommen das die nächsten Tage etwas besser hin, aber die Hölle scheint wirklich gerade auf Erden ;) und wir mitten drin *seufs*

Damit ihr aber ein klein bisschen was zu ‚naschen' habt, hier das nächste Türchen … jaaaa, es ist eines mit Sam ;)

Wir grüßen euch alle ganz lieb und hoffen, dass am Wochenende mehr Zeit für alles ist.

Eure Schreiberlinge …


~s~

Türchen zehn

~s~

Sam ließ seinen Zeigefinger als Lesezeichen zwischen den Seiten ruhen, während er zu dem Bild zurückblätterte. Sein Kopf war heiß, fühlte sich schwer an.

Diesmal war weder fehlende Helligkeit noch etwas anderes daran Schuld, dass er nur Umrisse sah – nur die Tränen in seinen Augen, die sich versuchten über den Damm zu kämpfen.

Familie.

Dean musste das hier vor dem letzten Weihnachtsfest geschrieben haben. Vor seinem Tod. Vor seiner Zeit in der Hölle. Als die Welt noch halbwegs in Ordnung war und er – Sam – ihm einfach sagen konnte, dass er sich seinen Bruder wieder wünschte.

Der Wunsch war nie verschwunden. Sam hatte gespürt, wie sehr Dean mit sich selbst zu kämpfen hatte nach seiner Rückkehr und er kam nicht mehr an ihn heran. Aus Frust über diese Distanz hatte er den einfacheren Weg gewählt und sich selbst eingeredet, dass es an der Zeit war, loszulassen, seine eigenen Schritte zu machen und sich nicht dem Rückschritt zu ergeben, den ein wieder aufgetauchter großer Bruder bedeutete.

Jetzt wusste er, dass man sich Monatelang etwas einreden und am Ende hier sitzen konnte, um es zu bereuen.

Er bereute die vergeudete Zeit. All das Misstrauen und die Streitereien, seine Fehlentscheidungen und die Zeit, die sie getrennt verbracht hatten. Es war keine Stärke, sich von seiner Familie loszusagen und rücksichtslos voran zu gehen.

Es wäre Stärke gewesen, zu Dean zu stehen und zu akzeptieren, dass sich manche Dinge nie änderten, einfach, weil sie fest in ihnen verankert waren. Sie hätten an den Problemen arbeiten müssen, statt davonzulaufen.

Es gab keine „andere Familie" mehr, kein „nicht alleine". Bobby und Dean waren die einzigen beiden Menschen, die ihm nach der Tragödie noch geblieben waren. Nach einem sinnlosen Tod – und er war drauf und dran, sie auch zu verlieren.

„Bist du okay, Junge?", hörte er die brummige Stimme von der Tür her und nickte hastig, ohne aufzusehen. Die Räder setzten sich quietschend in Bewegung, tauchten am Rande seines Sichtfeldes auf und Sam wandte sich ab.

Er legte den Arm auf die Rückenlehne, stützte das Kinn in seine Ellenbeuge und schloss die brennenden Augen. „… bin okay", murmelte er undeutlich.

Bobby nahm es kommentarlos hin, rollte noch etwas näher und streckte die Hand aus, bis er Sams Schulter erreichte. „Du solltest schlafen."

„Nein … ich …" Seine Stimme brach und sein Magen machte einen Purzelbaum.

„Von Selbstvorwürfen wird es nicht besser, Sam. Versuch zu schlafen und rede morgen mit ihm."

„Und wenn er mich nicht sehen will? Wir haben uns … Dinge an den Kopf geworfen …"

„Weil ihr beide verletzt seid. Es würde mich wundern, wenn alles in Ordnung wäre, nach dem-„ Bobby unterbrach sich selbst und seine Hand drückte kaum merklich Sams Arm. „Gib nicht auf. Das hier" – Bobby schlug sacht auf das Buch – „ist der beste Beweis dafür, dass es nicht zu spät ist für euch zwei Sturköpfe."

Sam nickte, biss sich auf die Lippe und vergrub die glühenden Wangen etwas tiefer in den Falten seines Pullovers. Er redete sich ein, es wäre nur das Fieber, das ihn so überreagieren ließ, aber sich selbst etwas vorzumachen, war schwer … vor allem, wenn man Minuten vorher noch genau darüber nachgedacht hatte, welche Auswirkungen so etwas hatte.

Diesmal leise, entfernten sich die Räder auf dem Parkett und eine Tür wurde ins Schloss gedrückt.

Alleine mit seinen Gedanken rollte Sam sich zitternd auf der Couch ein, das Buch in den Armen wie einen Schatz. Tränen sammelten sich in dem kleinen Winkel neben der Nasenwurzel, überwanden den Hügel und tropften auf das Kissen.

Er hatte es so satt, den starken, unabhängigen Winchester zu spielen, der niemanden brauchte.

~s~