Der abgetrennte Zopf

Kapitel 9 „Frauen, Priester und andere böse Dinge!"

Ich hatte erneut am Wachfeuer gesessen und musste an diesem Abend wohl schon zum fünften Mal die Geschichte meines Kampfes mit dem Assassinen erläutern. Dieser lag nun mehrere Tage zurück und ich war es leid, jeden Abend davon berichten zu müssen.
Dass Fürst Karzheim mich zu sich riefen ließ, war mir eine willkommene Ablenkung.

„Nein Herr, ich kenne Robert de Sable nicht", meinte ich, und Fürst Wilhelm nickte und ließ uns Wein nachschenken.

„Er ist das Oberhaupt der Templer und hat uns beide für morgen Vormittag in seine Residenz im südlichen Teil Akkons eingeladen. Es wäre gut, wenn du dich ein wenig herausputzt, also lass deine Rüstung und deinen Waffenrock reinigen und tue uns einfach allen einen Gefallen und nimm ein Bad!"

Peinlich berührt befolgte ich den Befehl und gab meinen Waffenrock und Rüstung den Weibern zum Waschen ab. Diese lächelten und zwinkerten mir zu und eine leckte sich verführerisch über die Lippen.

Angewidert nahm ich eine neue Leinenhose und eine dickes, graues Hemd entgegen und verließ diesen Ort so schnell es mir möglich war.

Diese Weiber waren so merkwürdig... sie rannten hinter jedem Soldaten her, aber keiner wollte die heiraten. Ich fragte mich immer warum. Es war doch besser, eine Frau zu Hause zu haben, anstatt die Dirnen bezahlen zu müssen.

Aber ich dachte mir schon, dass dies wohl eine der Männer-Sachen sei, die ich nie verstehen würde.

Ich ging zu später Stunde noch in das Badehaus und ließ mir einen Zuber mit Wasser vorbereiten. Den Raum schloss ich ab, indem ich mein Schwert gegen die Tür stemmte. Nun konnte man sie nicht ohne weiteres von außen öffnen und ich lief nicht Gefahr, enttarnt zu werden.

Denn ohne meine Rüstung sah man mittlerweile sehr wohl, dass ich eine Frau war.

Ich wurde mir meines Busens erst bewusst, als ich von einer vollbusigen Dirne mit dem Gesicht voran in ihre hochgesteckten Brüste gepresst wurde. Das hatte mich so verwirrt, dass ich das bald bei mir selbst überprüfte. Natürlich war mein Busen eher recht klein und man konnte ihn auch nicht so hochstecken. Aber es war nicht zu leugnen, dass es sich hierbei um eine weibliche Brust handelte.

Ich seufzte wohlig auf, als ich mich in den Zuber mit dem kühlen Wasser setzte und mich mit einer rauen Bürste abschrubbte, anschließend mit einem kleinen Klumpen Seife einseifte und mir noch die Haare wusch.

Als ich dann sicher war, dass ich richtig sauber war, zog ich meine frische Hose und das Hemd an und legte mir das Schwert um.

Barfuß ging ich in die Waschküche zurück und ließ mir meinen noch feuchten Waffenrock aushändigen.

Ich musste noch einen Moment lang warten bis ich das Kettenhemd ausgehändigt bekam. Die Frau spitzte die Lippen und schloss die Augen, doch ich ließ sie einfach stehen und ging.

Ich hängte meinen nun sauberen Waffenrock über meinem Schlafplatz auf und legte mich dann ebenfalls zur Ruhe. Ich war viel zu müde von diesem Tag und wollte nur noch schlafen.

Man musste mich wecken und zu allem Übel war mein Waffenrock noch leicht klamm.

Das war aber nicht so schlimm, denn die heißen Temperaturen, die draußen bereits wieder herrschten, ließen den Waffenrock noch trocknen, ehe wir zu De Sables Residenz im Franzosen-Viertel kamen.

Die Residenz war ein grobes, aus grauem Stein erbautes, zweistöckiges Haus. Es war kühl darin und recht dunkel. Der Ort, wo De Sable uns empfing, war eine Terrasse im zweiten Stockwerk. Von unten war sie auf Pfählen gestützt. De Sable selbst war ein großer, kahlköpfiger Franzose, breit und stämmig. Eine Narbe zierte seinen Kopf und ich war mir sicher, dass viel Gewalt und Boshaftigkeit in diesem Mann steckten.

Er begrüßte uns mit unverkennbarem, französischem Akzent und ließ uns an seiner reichlich bedeckten Tafel Platz nehmen.
Ich habe in meinem Leben noch nie soviel zu essen gesehen! Unglaublich!

Mir lief das Wasser im Mund zusammen, als ich die ganzen Speisen betrachtete.

Ich war so darauf fixiert, nicht zu sabbern, dass ich gar nicht bemerkte, wie sie zu uns trat und sich mir gegenüber setzte.

Sie war Roberts Schwester, aber ich konnte mir nicht erklären, warum sie in diesem Land verweilte.

Ihr Name war Alicia.

Sie hatte lange, blonde Locken und strahlend blaue Augen. Ihr Körper war ein Sinnbild der Weiblichkeit und immer wieder, wenn sich unsere Blicke trafen, lächelte sie kokett und zwinkerte.
Dies ließ mich unwillkürlich an die Frauen an den Waschbrettern denken und ich lächelte verschmitzt vor mich hin.

Doch dann brach Robert De Sable die Stille, indem er mich ansprach.

„Adrian", sagte er und ich sah zu ihm auf. Er sprach den Namen Adrion aus, was sich in meinen Ohren völlig falsch anhörte, aber natürlich wagte ich es nicht, den Franzosen zu verbessern, und schluckte meinen kleinen Ärger herunter.

„Wie ich hörte, habt Ihr vor wenigen Tagen einen ganz hervorragenden Streich gegen einen Assassinen ausgeführt. Ich bin mir sicher, dass Ihr Al Mualim empfindlich getroffen habt!"

Al Mualim... wie lange habe ich nun nicht mehr an diesen hageren, graubärtigen Berserker denken müssen! Ich spürte, wie meine Gesichtszüge sich unwillkürlich anspannten und mein Rücken verdächtig zwickte.

„Ja, ich hoffe, dass er das spürt", murmelte ich nur und der Franzose lächelte ein wenig.

„Ihr kennt Al Mualim?", fragte er und ich lehnte mich ein wenig vom Tisch zurück und nickte.

„In der Tat, Herr, das tue ich!"

„Dann wisst Ihr vielleicht auch etwas über den Edensplitter aus Salomons Tempel?", fragte er weiter und ich schüttelte den Kopf.

„Tut mir leid, darüber weiß ich nichts. Was soll das sein?"

De Sable trank einen Schluck Wein.

„Eine Reliquie, die ich bergen wollte. Sie wurde mir von Al Mualims Leuten gestohlen. Dies geschah vor ungefähr zwei Jahren!", meinte er und ich sah zu ihm auf.

Vor zwei Jahren wurde ich auch angegriffen und von Altair hieß es, er sei tot.

„Eine Reliquie?", fragte Wilhelm und De Sable nickte.

„Ganz recht, Fürst Wilhelm. Ähnlich der Speerspitze des Soldaten, der Jesus den Todesstoß versetzt hatte! Ein machtvolles Artefakt, und es befindet sich in den falschen Händen."

Robert De Sable lächelte dumpf und trank noch ein wenig Wein.

„Adrian, mein Junge. Mit diesem Streich, den Ihr gegen die Assassinen geführt habt, seid Ihr hier in Akkon ein Held. Aber ich fürchte, dass Al Mualim bereits hat nach Euch schicken lassen. Ihr tätet gut daran, Schatten zu meiden, und nie allein unterwegs zu sein. Ich fürchte um Euer Wohl!"

Ich schluckte.

Er hatte Recht. Das verhinderte Attentat machte mich höchstwahrscheinlich selbst zu einem Ziel. Ich hatte zwar verlauten lassen, dass ich es darauf ankommen lassen wollte, aber der Gedanke, dass nun in jeder Ecke ein Assassine auf mich lauern würde, gefiel mir dann doch nicht.

„Nun, ich mache mir um Adrian weniger Sorgen! Der Sprung von der Mauer hat mir gezeigt, dass Gott seine Hand schützend über ihn hält. Außerdem reiten wir in wenigen Tagen nach Jerusalem. Die Assassinen werden es nicht wagen, ein ganzes Heer anzugreifen", meinte mein Lehnsherr nun und ich spürte, wie mich seine Worte ein wenig erleichterten.

Ja, ich durfte nicht vergessen! Ich war nicht mehr allein seit ich Soldat in Karzheims Truppen war.

„Sicherlich. Aber vergesst nicht, Assassinen sind feige, durchtriebene Ratten. Leider wissen sie viel über das Töten. Aber auch ich glaube, dass sie unser Heer nicht angreifen würden. Wie Ihr wisst, führt auch mein Weg mich demnächst nach Jerusalem. Lasst uns zusammen reisen, Fürst Karzheim. Ich würde mich wohler fühlen, einen tapferen Recken in meiner Nähe zu wissen, der scheinbar der geborene Assassinen-Mörder ist!"

Roberts Worte schmeichelten mir und ich errötete ein wenig. Aber dazu blieb mir keine Zeit.

Alicia war aufgestanden und hatte meine Hand ergriffen.
„Ihr Männer seid alle gleich!", sprach sie mit sanfter, lieblicher Stimme.

„Denkt immer nur ans Töten. Kommt, Adrian (auch sie sprach es Adrion aus...)! Ich zeige Euch unseren herrlichen Garten!"

Ich hatte nicht die Gelegenheit, etwas zu erwidern. Unglaublich kräftig zog sie mich hinter sich her und ich bedauerte es sogleich nicht noch mehr gegessen zu haben, als sie mich durch die Tür von der Terrasse zog.

Sie zog mich durch die zwielichtigen Gänge ehe wir durch einen Torbogen ins Freie gelangten.

Der Garten erinnerte mich an eine der gepflegten Grünanlagen in Jerusalem.

Es wuchs sattes, grünes Gras und Wege waren verlegt worden, damit man nicht auf den zarten Pflanzen herumtrampeln musste.

Ebenfalls stand dort eine Art Altar. Ein Kreuz aus Stein gemeißelt. Einige Priester knieten in ihren weißen Gewändern davor und waren in ein Gebet vertieft.

„Gefällt es Euch, Adrian?", fragte Alicia und riss mich somit aus meinem Tagtraum heraus.

„Ja", murmelte ich nur verlegen und die blonde Schönheit kicherte vergnügt.

„Ich liebe diesen Ort", sagte sie und drehte sich mit ausgestreckten Armen umher.

„Er erinnert mich sehr an zu Hause. Ich bin jeden Tag hier!"

Alicia hakte sich unter meinem Arm ein und gemeinsam gingen wir auf diesem schönen Flecken Erde spazieren.

Der Anblick dieses Gartens ließ mich für kurze Zeit die Ereignisse der jüngsten Zeit vergessen.

Ich schwieg und genoss einfach diesen Augenblick des trügerischen Friedens.

Schließlich kamen wir unter einem schattigen Baum zum Stehen und Alicia ergriff beide meiner Hände.
„Oh Adrian, Ihr seid so ein höflicher, hübscher junger Mann. Ich möchte Euch küssen!", meinte die unbeschwerte Französin lächelnd.

Es war keine Bitte, sondern eine Tatsache!

Ich konnte nicht schnell genug reagieren. Sie hatte sich schon nach vorn gebeugt und ihre vollen Lippen auf meine gelegt.

Vor Schreck blieb mir der Atem weg und ich war nicht fähig, mich zu rühren. Ich stand wie angewurzelt an Ort und Stelle und errötete heftig.

Sie trat noch einen Schritt näher an mich heran und ich erkannte, dass ihre Lippen mehr forderten, doch so sehr ich auch diese Maskerade spielen wollte, ich konnte es nicht.
Denn ihr Kuss war es, der die letzten, schlimmen Wunden meiner Seele erneut aufriss und die Erinnerung schmerzte schlimmer, als die tiefste Wunde, die ich jemals erlitten hatte.

//Erinnerungsabschnitt:

Ich werde dich jetzt küssen, Elessa", sagte er leise.

Mir stockte der Atem. Er wollte was? Röte schoss mir ins Gesicht und mir wurde heiß und kalt zugleich.

Altair war mir so nahe, wie nie zuvor, doch nun überwand er die letzte, kleine Distanz.

Ich wollte etwas sagen, setzte zum Sprechen an, doch sein leichtes Kopfschütteln ließ mich verstummen und ich hielt unabsichtlich die Luft an.

Während sein Gesicht näher kam, zog ich meinen Kopf zurück. Doch irgendwann konnte ich nicht weiter zurück und Altair legte sanft seine Lippen auf meine. Seine Lippen waren fest und rau und sein leichter Bart kitzelte meine Haut.

Ich schmeckte Kümmel und das Gewürzöl, welches Memeth für seine Fladen nutzte, und Altairs Hand fuhr um meinen Hinterkopf herum und zog mich näher zu sich.

Er ließ nicht von mir ab, sondern fuhr langsam mit seiner Zunge über meine Unterlippe. Immer wieder schlossen sich seine Lippen um meine und erst, als ich dachte, ich müsste ersticken, ließ er von mir ab.

Du kannst dabei ruhig atmen", flüsterte er belustigt als ich scharf einatmete.

//Erinnerungsabschnitt beendet.

Alicia bemerkte es und unterbrach sanft den Kuss.

„Tut mir leid", flüsterte sie leise und betreten, als sie mein unglückliches Gesicht sah.

„Ich hatte die Hoffnung, Ihr wärt für mich frei, Adrian. Aber so, wie es aussieht, hat bereits jemand Anderes Euer Herz für sich beansprucht!"

Mein Zögern hatte mich nun verraten. Ich musste das Beste daraus machen, schließlich war sie Robert de Sables Schwester, und ich wollte es mir mit dem Templer nicht verscherzen.

Ich ergriff sanft ihre zierlichen Hände.
„Verzeiht mir, Alicia. Ihr irrt. Es gibt längst niemanden mehr, der mein Herz beansprucht!", beeilte ich mich zu sagen, doch die Blonde lächelte traurig und schüttelte sanft den Kopf.

„Welch Tragödie, Adrian. Aber ich spüre, dass dieser Mensch Euer Herz mitgenommen hat und Ihr noch kein Neues habt, um es wieder zu verschenken. Es dauert sehr lange, bis ein gebrochenes Herz heilt. Dabei kann Euch niemand helfen. Aber wenn es soweit ist, dann wisst mich hier!"

Alicia küsste mir sanft die Stirn ehe sie sich von mir löste und durch den Garten davoneilte.

Es traf einen erdrückende Stille ein und ich setzte mich seufzend auf einen steinernen Sockel.

Alles kam mir vor wie ein merkwürdiger Traum, aus dem ich einfach nicht erwachen konnte.

Wie so oft wünschte ich mir einfach, in meinem Lager am Fluss aufzuwachen, Liakun wiehern zu hören und Altair... Altair...

Da war sie!

Die fürchterliche Erinnerung, die Alicias Kuss in mir geweckt hatte.

Eine Erinnerung, die ich nicht mehr wollte und so tapfer verdrängt hatte. Nun war sie wieder da und quälte mich, erweckte in mir die fürchterliche Sehnsucht nach der alten Zeit. Eine Zeit, die nie wiederkehren würde, das wusste ich genau.

Und wenn sie wieder kommen würde, wenn die Vergangenheit mich nun einholen würde, wie es mir Robert de Sable prophezeite, dann würde sie nur Leid und Kampf über mich bringen, aber längst keine Geborgenheit mehr, und erst Recht keine Liebe.

„Was betrübt Euch, mein Sohn?"

Ich zuckte zusammen, als diese tiefe und ruhige Stimme neben mir erklang.

Ein Priester war zu mir getreten und verneigte sich leicht, als ich zu ihm aufsah.

„Nichts", flüsterte ich leise und wandte meinen Blick wieder ab. Mit einem Pfaffen über meine Probleme reden... dann konnte ich auch gleich Fürst Karzheim und seiner gesamten Armee beichten, dass ich eine Frau war... Priester waren auch nicht frei von Laster.

„Euch bekleidet nun ein düsterer Ruf, Adrian. Es ist, als hättet Ihr etwas am Hafen verloren. Seid Ihr sicher, dass Ihr nicht zu sprechen wünscht?"

Ich sah zu dem Priester auf und erkannte ihn nun. Er war deutlich breiter und größer als die anderen. Es war der, der mir am Hafen allein mit seiner bloßen Anwesenheit hilfreich beiseite gestanden hatte.

„Oh, Ihr seid es, Vater. Verzeiht meine harten Worte", meinte ich nur dumpf und der Priester lächelte und setzte sich neben mich.

„Es ist selten, dass ein Soldat den Arm einer Lady ablehnt. Durch diese Hochzeit könntet Ihr in den Ritterstand erhoben werden", meinte der Priester und ich schnaubte erneut.

„Das will ich gar nicht", erwiderte ich und sah zum Ausgang, durch den Alicia gerade noch verschwunden war.

„Als einfacher Soldat bin ich recht zufrieden."

„Nun ja, auch als einfacher Soldat ist man wohl fähig Großes zu leisten. Ihr und Euer Lehnsherr wart die einzigen, die sich dem Assassinen entgegenstellten, während Ritter Sibrand schreiend die Flucht ergriff. Da sieht man, dass Adel nicht immer etwas mit Mut und Besonnenheit zu tun haben", meinte der Priester und ich lächelte amüsiert.
„Vater, seid vorsichtig. Sibrand hat fürchterliche Angst vor weißen Kutten. Und wenn ihm noch zu Ohren kommen würde, dass Ihr so schadhaft über ihn redet, dann könnte es unangenehm für Euch werden. Und glaubt mir, mit einer ganzen Armee kann ich mich nicht anlegen. Ich bin nur ein Soldat", meinte ich und grinste, als der Priester leise lachte.

„Hm, Sibrand ist sicherlich ein unangenehmer Zeitgenosse. Aber auch er muss sich irgendwann dem göttlichen Urteil stellen. Da kann er noch so viele Absolutionsbriefe schreiben. Die sorgen lediglich dafür, dass ich jeden Abend eine Mahlzeit habe", meinte er und ich lachte auf.

Nicht ohne Laster! Ich sagte es doch.

„Danke Vater, mir geht es schon wieder besser. Seht Ihr, und das ganz ohne Beichte!", meinte ich und der Priester lächelte sanft. Es war auch lediglich nur das Lächeln, was ich sehen konnte, denn der Rest seines Gesichts war in Schatten gehüllt.

Aber so sahen die Priester alle aus.

Ich schmunzelte noch eine Weile vor mich hin und es war wieder der Priester, der die Stille brach.

„Ich glaube, dass auch eine Beichte Euer schweres Herz nicht erleichtern kann, Adrian", sagte er und sah mich nun von der Seite an.

Ich spürte, wie ein Schatten über mein Gesicht huschte. Dieses Gespräch ging nun in eine Richtung, die ich nicht mochte.

„Was meint Ihr?", fragte ich dennoch und wandte ihm nun mein Gesicht zu.

„Ganz einfach. Wie Alicia schon sagte, hat man Euer Herz mitgenommen. Um diese Leere zu füllen, muss man Euch Euer Herz wieder zurückgeben."

Ich wandte mein Gesicht wieder ab.
„Das wird nicht geschehen", flüsterte ich leise und ich spürte, wie scheinbar eine unsichtbare Hand meine Brust ergriff und fest zudrückte. Mir stockte fast der Atem und da war er wieder, der innere Schmerz, für den es keine Heilung gab.

Der Priester stand auf und legte mir seine Hand auf die Schulter.

„Vielleicht kommt noch einmal so eine Gelegenheit, Adrian. Könntet Ihr mir bitte den Weg zum Hafen beschreiben?", fragte er und ich nickte und stand auf.

„Ich begleite Euch ein Stück, Vater. Der Hafen ist schwer bewacht. Vielleicht solltet Ihr es lieber sein lassen", meinte ich, doch der Priester schüttelte den Kopf.

„Dringende Angelegenheiten warten dort auf mich. Bitte zeigt mir den Weg, Herr", sagte er und ich nickte erneut und ging voraus.

„Adrian?"

Fürst Karzheim trat zu mir ehe ich das Grundstück verlassen konnte.
„Wo willst du hin?"

„Oh, der Priester fragte nach dem Weg zum Hafen. Ich zeige ihm die Richtung", meinte ich und der blonde Lehnsherr verneigte sich vor dem Priester.
„Pax tecum, Vater", murmelte er und der Priester führte seine flache Hand in Kreuzform vor sich und segnete meinen Lehnsherren.

Dieser klopfte mir dann auf die Schulter. „In Ordnung Adrian. Geh nur. Melde dich dann bei Markus. Ihr solltet möglichst nur noch zu zweit Wache halten. Die Assassinen machen mich ein wenig nervös. Ich möchte es nicht darauf anlegen, vor der Schlacht in Arsur alle meine brauchbaren Männer zu verlieren."

Ich nickte und verneigte mich. „Ja, Herr."

Ich führte den Priester durch Akkons belebte Straßen.

Zwei Bettlerinnen stellten sich uns in den Weg, doch ich stieß die eine kräftig beiseite und ergriff den Knauf meines Schwertes. Die andere verstand sofort und zog sich zurück, während die erste meinen Waffenrock packte und sich vor mich hinkniete.
„Herr, bitte! Ihr versteht nicht! Ich habe nichts! Meine Familie ist sehr krank!"

„Am Hafen gibt es genug Arbeit für deine ganze Familie!", grollte ich und zog nun mein Schwert.
„Lass mich los! Oder ich bringe dich dazu!"

Die Frau presste ihr Gesicht an den groben Stoff meines Waffenrocks und weinte bitterlich.
„Herr! Bitte! Habt Gnade!", schrie sie. Doch die schrille Stimme hatte einen anderen Effekt. Es machte mich aggressiv. Ich hob meinen Arm und wollte gerade zuschlagen, als sich eine kräftige Hand um mein Handgelenk schloss.

Der Priester hielt sie fest ohne mich anzusehen.
„Herr, bitte habt Mitleid mit ihr. Sie hat doch nur Hunger. Ihr wisst selbst, wie es ihr ergeht!", flüsterte er leise, sodass nur ich ihn verstand.

Ich nickte, zog meinen Arm aus seinem Griff und steckte das Schwert weg.
„Hier, nehmt das, und wagt es nie wieder, mich zu behelligen. Demnächst könnte es sein, dass dieser Priester nicht in der Nähe ist, um eure wertlose Haut zu retten!", grollte ich und gab der Frau zwei Münzen.
„Habt Dank, Herr. Möge Gott Euch beschützen!", rief sie, sprang auf und rannte davon. Die andere folgte ihr nun.

Mein Blick strafte den Priester tausend Sünden.
„Ich sollte Euch hängen lassen, elender Pfaffe!", knurrte ich und ging weiter.

„Und Ihr solltet Erbarmen in Euer Herz lassen, Adrian. Vielleicht ist es das, was Ihr am Hafen zurückgelassen habt?"

„Halt die Klappe!"

Ich begleitete den Priester durch die schwer bewachten Tore des Hafens.

Dort fand gerade ein Tumult statt. Sibrand befand sich von Zuschauern umringt. Er schrie einen Priester an und beschuldigte ihn, ein Assassine zu sein.

Aber das sah ja selbst ich, dass es sich bei diesem alten, harmlosen Mann nicht um einen Assassinen handelte.

Aber selbst wenn ich ihm hätte helfen wollen, kam ich zu spät. Sibrand streckte den armen Mönch nieder und ließ ihn als Warnung ins Wasser werfen ehe er sich mit seiner Delegation über die Stege davonmachte.

Ich drehte mich zu dem Priester um, der die Hände erneut zum Gebet gefaltet hatte und den Kopf senkte.
„Seid Ihr sicher... Ich kann Euch ab hier nicht mehr helfen, Vater. Ich bin in Sorge um Euch", sagte ich und er Priester lächelte sanft.
„Das braucht Ihr nicht, Herr Adrian. Habt Dank!"
Er ging an mir vorbei und wollte den Weg zu den Stegen einschlagen.

„Aber Sibrand..."

Der Mann drehte sich um und hob die rechte Hand.
„Ich fürchte Sibrand nicht, kleiner Soldat", raunte er leise und ging weiter.

Nun, scheinbar konnte ich auch diesem Mann nicht helfen. Ich sah ihm noch einen Moment nach bis er in der Menge verschwand ehe ich mich selbst anschickte, den Hafen zu verlassen und mich zur Wache einteilen zu lassen.

Ich war noch nicht weit vom Hafen entfernt, als ich auch schon das Läuten der Glocken hörte.

Verwundert drehte ich mich herum und ging ein Stück zurück. Dort kam mir auch schon ein Trupp Soldaten entgegen. „Assassine!!!", schrien sie einstimmig und dies war der Moment, als es mir wie Schuppen von den Augen fiel.

Er war damals am Hafen aus dem Nichts heraus erschienen...

Ich dachte immer, er war gut genährt, aber in Wahrheit war er wesentlich größer und stämmiger gebaut, als sämtliche Priester in Akkon.

Nach Montferrats tot... war er durch mich durch die Tore gelangt. Ich hatte ihm somit eine Flucht aus Akkon ermöglicht, ohne zu bemerken, dass es sich bei ihm nicht um einen Priester handelte.

Und nun war er auch durch mich zum Hafen gelangt, in Sibrands Nähe, dessen Attentat vor wenigen Tagen durch mich gescheitert war.

Herr Gott, ich hatte mich zu einer Marionette machen lassen!

Meine Naivität und Blindheit hatten mich meinen Feinden ausgeliefert! Sie hatten mich benutzt, wie ein gutes Werkzeug.

Spätestens bei den letzten Worte den Priesters hätte ich es merken müssen.

Ich fürchte Sibrand nicht, kleiner Soldat…"

Kleiner Soldat!

Das hatte man schon einmal zu mir gesagt.

„Um mich zu fangen, kleiner Soldat, musst du fliegen lernen!"

Dieser Assassine war derselbe, der Garnier getötet hatte, Montferrat... und nun auch Sibrand.

Und dieser Tod, obgleich ich ihn für ein paar Tage hinausgezögert hatte, ging nun auf mein Kerbholz.

Ohne noch lange zu überlegen, rannte ich nun Sibrands Soldaten hinterher.

Es waren ebenfalls Deutschritter, gute Kämpfer, geschult in Kraft und Schnelligkeit.

Ich folgte den Soldaten durch die Straßen und entdeckte, dass sie den Assassinen festgesetzt hatte.

Der Mann hatte sich seiner priesterlichen Kutte entledigt und stand breitbeinig mit dem Rücken zur Wand an der Stadtmauer.

In seiner Hand hatte er ein Schwert mit einer relativ schmalen Klinge. Immer und immer wieder griff man ihn an, doch er parierte und konterte mit tödlichen Schlägen. Seine Bewegungen waren elegant und gezielt und ich sah gleich, dass dieser Assassine nicht mit dem vorherigen verglichen werden durfte.

Dieser hier war sehr ruhig und lauernd in seiner Körperhaltung. Seine Bewegungen waren grazil und dennoch schnell und kraftvoll.

Er verfehlte seine Angreifer nicht ein einziges Mal und einer nach dem anderen sank tödlich verletzt zu Boden.

Es gelang dem Assassinen, seine Angreifer zu zerstreuen und er flüchtete sofort auf die umliegenden Dächer.

Ich setzte ihm nach und hängte bald die schwer gerüsteten Männer von Sibrand ab. Sie kamen gar nicht hinterher. Lediglich die Bogenschützen auf den Dächern folgten dem Assassinen, so schnell es ihnen möglich war und verwickelten ihn in kurzen Kämpfen. Das waren jedes Mal die Gelegenheiten für mich, um zu ihm aufzuschließen. Doch meistens kosteten sie zugleich den tapferen Soldaten das Leben.

Ich verlor ihn wieder, nachdem er eine große Distanz übersprang und dabei nicht das andere Dach erreichte und in einen kleinen Laden krachte, der Öl in Tonkrügen verkaufte.

Ich war über und über von Öl besudelt und glitt auch noch auf der Straße aus, als ich versuchte, wieder auf die Beine zu kommen.

Dennoch gelang es mir schließlich und die staubige Straße bedeckte die Schmiere an meinen Stiefeln, sodass ich bald wieder normal laufen konnte.
Ich bemerkte, dass ich mich in der Nähe des östlichen Tors befand und ich beschloss einfach dort hinzueilen, in der Hoffnung, den Assassinen dort noch einmal stellen zu können.

Meine Rechnung ging auf. Er befand sich wirklich dort und lieferte sich einen kurzen Kampf mit drei Wachen ehe er nach draußen eilte und auf ein Pferd stieg.

Ich zögerte nicht, sondern packte einen Händler und zog den verdutzten Mann von seinem Pferd.

„He!", brüllte dieser, doch ich ignorierte ihn, schwang mich in den Sattel des Rappen und folgte dem Assassinen in einem wilden Galopp.

Meine mit Öl durchtränkte Kleidung machte es mir fast unmöglich, fest im Sattel zu sitzen. Ich versuchte, so gut wie möglich das Rutschen immer wieder auszugleichen und mein Gleichgewicht zu halten. Ich stemmte mich so fest es nur ging in die Steigbügel und trieb das Pferd zu Höchstleistung an.

Bald war ich mit dem Assassinen auf gleicher Höhe und wollte erneut mein Schwert ziehen, doch ich griff ins Leere.

Ich musste es am Laden verloren haben.

„Verdammt!", brüllte ich vor Zorn und ergriff das Kurzschwert auf meinem Rücken und holte nach dem Mann aus, der sich lediglich zur Seite neigte. Mein Herz hämmerte in meiner Brust und mir schmerzte der Kopf. Ich war so aufgebracht und raste förmlich. Es war schwer für mich, einen klaren Gedanken zu fassen.

Nein! So würde das nichts werden! Das Kurzschwert verschwand wieder auf meinem Rücken.

Ich trieb das Tier dichter heran und sprang dann aus dem Sattel und krallte mich in die weiße Robe meines Gegners.

Dieser verlor den Halt und fiel mit mir gemeinsam zu Boden.

Wir rollten beide über den sandigen Boden und ich war der Erste, der wieder auf die Beine kam. Durch das Öl war ich nun über und über mit Sand bedeckt. Es klebte mir in den Haaren, im Gesicht und an meinen Händen.

Ich sprang auf den Assassinen und ergriff seinen linken Arm, um dieses fürchterliche Mordwerkzeug von mir fernzuhalten. Doch der Assassine quittierte dies nur mit einem kräftigen Tritt in meinen Magen!

„Urgh!"

Ich landete rückwärts am Boden und nun war es der Assassine, der sich auf mich stürzte und beide meiner Hände packte und über meinen Kopf festnagelte.

Sein Gewicht presste mir die Luft aus den Lungen und ich spürte eine bleierne Schwere in meinen Gliedern.

„Wie ich sehe, hast du fliegen gelernt, kleiner Soldat", seine Stimme klang rau und gefährlich, „Ich bin beeindruckt, Adrian." Wie ein bedrohlicher, finsterer Schleier legte sie sich auf mich und drohte mich ebenso wie sein massiger Körper zu erdrücken.

Doch diese Bedrohung stachelte mich nur noch mehr an, ließ mich vor Wut ausrasten, schreien und ich spürte, wie mir die Kontrolle über mein Handeln entglitt.

Voller Wut spuckte ich ihm ins Gesicht.

„Fahr zur Hölle, dreckiger Heide!", brüllte ich und der Assassine lächelte und wischte sich mit einer Hand meine Spucke weg ehe er Daumen und Zeigefinger seitlich an meiner Kehle anbrachte.

„Du steckst in einer misslichen Lage, Adrian, und ich denke du solltest eine Runde schlafen, kleiner Soldat. Wir treffen noch früh genug aufeinander, keine Sorge", murmelte er und drückte nun zu. Ich wehrte mich noch kurz und doch ergriff schnell die schwere Bewusstlosigkeit von mir Besitz und beförderte mich in die schwarze Tiefe des Schlafs.

POV

Der Assassine zog den jungen Soldaten zur Seite, hin in den Schatten. Das Kurzschwert nahm er samt Ledergürtel an sich ehe er Adrians Pferd in seiner Nähe festband und auf dem eigenen Pferd aufsaß und sich auf seinen Weg machte.

Adrian wurde wenig später immer noch bewusstlos von Frank und Alexander gefunden. Sie konnten ihn ohne weitere Mühe wecken und halfen dem benommenen Jüngling auf sein Pferd.

Vor den Toren Akkons kam der Händler auf den jungen Soldaten zu und schimpfte ihn einen Dieb. Es war schließlich Alexander, der dem fluchenden, schreienden Mann ein Ende bereitete und Adrian so zu einem eigenen Pferd verhalf. Doch der junge Soldat war noch viel zu benommen, um das alles zu registrieren.

Erst als Fürst Karzheim ihn schüttelte und ohrfeigte kam er wieder zu sich.

POV

„Tut mir leid, Herr, er ist mir entwischt!"
„Ja und du bist ihm scheinbar auch entwischt. Du könntest tot sein, Adrian, ist dir das bewusst?"
„Natürlich, Herr", murmelte ich betreten und nahm mein Schwert entgegen, dass man für mich gesucht hatte.
„So eine Sauerei!", meinte der Fürst und wischte sich seine öligen Hände an meinem schmutzigen Waffenrock ab.
„Geh baden und lass dir neue Kleider geben. Wir brechen in drei Tagen nach Jerusalem auf. Und bis dahin... mach einfach keinen Ärger und halte dich von diesen Assassinen fern! Deinen Mut in allen Ehren, aber du musst nicht immer mit der Nase vorne dran stehen! Und jetzt, geh mir aus den Augen!"

Die Rüge meines Lehnsherrn war mir genug.

Wie ein geprügelter Hund schlich ich mich zur Waschküche, ignorierte die Weiber dort, ließ mir einen Stoß neuer Kleidung geben und ging dann erneut das Badehaus aufsuchen.

Erst dort bemerkte ich, dass mein Kurzschwert weg war.

„Dieser verdammte Dieb!", grollte ich wütend. Ich konnte es nicht verloren haben. Die Gürtel waren fest und selbst beim Sturz hätte ich sie nicht verlieren können. Er musste es an sich genommen haben!
Meine... einzige Erinnerung...

Altair...

Ich schrubbte so frustriert meine Haut, dass sie am Ende rot wurde.

Ich bekam das Öl kaum ab und ich verbrachte Stunden damit, mich zu waschen. Selbst die Seife half nur wenig.

„Was soll ich mit dem dämlichen Gaul? Ich mag keine Pferde!"

Nun kam das noch dazu.
Ich konnte mich kaum daran erinnern, dass ein Händler mir sein Pferd überlassen haben sollte.
Trotz des Reitunterrichts als Knappe vermied ich die Nähe von diesen Biestern. Sie mochten mich nicht und ich mochte sie nicht. Das hielt sich die Waage.

Nun war es Alexander, der mir die Zügel eines stattlichen und gut genährten Rappen in die Hand drückte.
„Es ist ein Geschenk, weil du dich so mutig dem Assassinen in den Weg gestellt hast, Adrian. Sei doch froh. Dann musst du wenigstens nicht nach Jerusalem laufen. Er ist ein braver Hengst. Er versteht jedes Wort! Ein Pferd, das scheinbar nur auf dich gewartet hat! Probiere ihn doch wenigstens aus! Hier. Ich hab dir extra einen guten Sattel besorgt, damit du deine Waffen befestigen kannst und nicht so schnell abgeworfen wirst, wenn es mal brenzlig wird!"

Ich sah das Pferd an.
Es war schwarz und hatte nur eine kleine weiße Blässe ein Stück über der Oberlippe. Seine Mähne war lang und stattlich und auch der Schweif wirkte erhaben und gut gepflegt. Seine Muskulatur war imposant und wirkte geschmeidig und fast... königlich.

Es war recht groß und ich fragte mich jetzt, wie ich es gestern geschafft hatte, auf ihn aufzusitzen. Normalerweise brauchte ich ewig, um ein so großes Tier zu erklimmen.

„Wie heißt es?", fragte ich und Alexander zuckte mit den Schultern.
„Der Händler hat keinen Namen genannt. Ich schätze, es ist an dir, ihm einen zu geben!"

Dieses Tier war sehr schnell und ausdauernd. Wahrscheinlich hatte es eine lange Reise hinter sich, als ich es mir gestern aneignete. Und dennoch folgte es dem anderen Pferd, das ausgeruht zu sein schien, so schnell wie der Wind.

Wind... das war es.

„Yel", meinte ich und Alexander legte den Kopf schief.
Ich lächelte.
„Das Wort beschreibt den Wind. Dieses Pferd ist schnell wie der Wind, also warum nicht einfach danach benennen?", fragte ich und er nickte.
„Der Name ist wirklich treffend, Adrian. Möge dein Reittier dir treu sein und Glück bringen. Wenn du willst, zeig ich dir, wie dein Sattel funktioniert!"

Alexander hatte recht.
Es war ein genügsames und braves Tier, und dennoch stolz und erhaben.

Yel warf bei jeder Gelegenheit den Kopf in den Nacken und stolzierte so vorzugsweise an Stuten vorbei.

Ich würde fast behaupten, dass Pferd war arrogant.

Aber solange es nicht nach mir biss und trat, war es mir egal. Das Einzige, was der Hengst tat, war, dass er bei jeder Gelegenheit um meine Aufmerksamkeit buhlte.
Wenn ich den Stall verließ, rief er stundenlang nach mir.

Wenn ich bei ihm stand, knabberte er an meinem Waffenrock, oder rieb seine weichen Lippen an meinen Haaren.

Und nach nur wenigen Tagen gestand ich mir ein, dass dieses Tier mir sympathisch geworden war.

Drei Tage später:

„Einen sehr charismatischen Hengst hast du da, Adrian", meinte Fürst Wilhelm und ich lächelte.
„Danke, Herr. Er ist auch ein sehr braves Tier!"

„Dann verlierst du durch ihn vielleicht auch mal deine Angst vor Pferden", sagte der Blondhaarige lächelnd und ich schnaubte verlegen.

Wir ritten gemeinsam nebeneinander her und sprachen über Belangloses. Um uns herum befanden sich ungefähr 600 Soldaten, jeweils aus unserem und dem französischen Lager. Wir waren auf dem Weg nach Jerusalem, um von dort aus nach Arsur weiterzureiten.

Robert De Sable ritt einige Meter vor uns mit seinen Vasallen. Er hatte mich vor dem Ritt freundlich gegrüßt, aber kein Wort über meinen misslungenen Kampf verloren.

Langsam glaubte ich daran, dass der siegreiche Kampf gegen den Assassinen nur reines Glück war, und dass Al Mualim mich längst auf die Liste der zu tötenden Gegner gesetzt hatte.

Der Assassine hatte ja gesagt, dass wir uns wieder treffen würden.
Eine Aussicht, die mir ganz und gar nicht gefiel. Und noch dazu war mein Kurzschwert nun fort. Ich hatte noch einmal außerhalb der Stadt danach gesucht, doch keine Spur davon entdeckt.
Er musste es mir einfach gestohlen haben während ich bewusstlos war.

Elender Dieb...

Ende Kapitel 9