Wie der Juli ist auch der August einem römischen Staatsmann gewidmet – in diesem Fall dem Kaiser Augustus, der in diesem Monat sein erstes Konsulat begann.
Kapitel 8 - August
Die Ärztin, Dr. Allan, war erstaunt über seinen sich verbessernden Gesundheitszustand, aber Jonathan hatte ja nun auch einige gute Gründe schnell gesund zu werden. Vom offensichtlichen Grund der Ernte mal abgesehen, gab es natürlich auf der anderen Seite noch Lana.
Lana, die jeden Tag nach Metropolis kam, auch wenn er sie gebeten hatte es nicht zu tun. Lana, die ihm Blumen mitbrachte, als müsste er umworben werden. Lana, die zuerst die Gänge mit ihm auf und abgegangen war und jetzt im Park mit ihm spazieren ging. Die Ratgeber lass über die Zeit nach dem Herzinfarkt, die sie dann wie zufällig abends auf seinem Nachttisch vergaß.
Lana mit ihrem strahlenden Lächeln und ihren sanften Händen. Anfangs hatte sie nur seine Hand gehalten, inzwischen saß sie neben ihm auf dem Bett, vorsichtig an seine Seite geschmiegt. Immer so vorsichtig mit ihm, weil die Narbe auf seinem Brustkorb nach wie vor weh tat.
Er hatte aufgehört so zu tun als sei er ungerührt von ihr. Er war sich ziemlich sicher das er, was sie anging, ein ständig lächelnder Idiot war.
Nachdem sie mit Kenny dafür gesorgt hatte das die Ernte mit Hilfe von Kennys Söhnen und ein paar Erntehelfern eingebracht wurde, war er noch mehr hin und weg von ihr. Allein die Tatsache das sie daran gedacht hatte…
Überhaupt managte sie alles mit erstaunlicher Leichtigkeit. Sie führte Gespräche über Facetime mit ihren Kellnerinnen, tätigte Bestellungen vom Handy aus, schrieb Emails, Machte ihre Buchhaltung in seinem Zimmer. Manchmal arbeitete sie dann für ein oder zwei Stunden, während er seine Untersuchungen oder Visite hatte.
Ja, er hatte gute Gründe so schnell es ging wieder nach Hause zu kommen und sein Leben auf die Reihe zu bekommen.
Die Ärztin sah ihn zufrieden an. Clark stand aufmerksam zuhörend neben seinem Bett. Lana war im Gästebereich der Station und telefonierte.
"Von unserer Seite aus spricht nichts gegen ihre morgige Entlassung. Sie sollten sich allerdings die nächsten Wochen schonen. Keine zu anstrengenden Dinge in Angriff nehmen. In ein, zwei Wochen können sie dann mit Physiotherapie anfangen."
"Ich bin Farmer. Ich kann kaum untätig herumsitzen. Auf einer Farm ist immer etwas zu tun."
"Gemäßigt arbeiten ist kein Problem. Anstrengungen die gleichzusetzen sind mit einem flotten Spaziergang oder ein bis zwei Etagen Treppensteigen sind vollkommen in Ordnung. Selbst Sex ist kein Pro—"
"Sex?" fragte Clark verwirrt.
Die Ärztin stockte und sah ihn fragend an. Sie hatte ihren Faden verloren.
"Ja, eine sehr häufig gestellte Frage ist ob—"
"Mein Vater hat keinen Sex." Clark hüstelte und hatte den Anstand zu erröten. Jonathan seufzte und schüttelte den Kopf. Leider hatte Clark recht. Aber wenn er ehrlich war hoffte er das sich dies bald ändern würde.
Die Ärztin sah den jüngeren Mann mit einer Mischung aus Erstaunen und Unglauben an.
"Sohn," meinte Jonathan geduldig. ",nur weil du adoptiert bist, heißt das nicht das deine Mutter und ich es nicht oft genug probiert hätten."
"Dad—"
Er verdrehte die Augen, als wolle er sagen Kinder und bedeutete der Ärztin fortzufahren.
"Okay, gut das wir das geklärt haben. Ich dachte ich müsste ihren Sohn noch schnell aufklären."
"Falls sie das noch tun wollen, dann bitte draußen. Das ist kein Gespräch das ich ein zweites Mal führen muss."
"Oh Dad," stöhnte Clark augenrollend. ",stell dir mal vor wie das für mich war!"
"Zumindest bist du nicht von deinem Großvater aufgeklärt worden."
Clark lachte bei der Vorstellung. "Gab es etwa Anlass zu diesem Gespräch? Ich dachte immer du wärst ein Chorknabe gewesen?"
"Ja, ich war im Chor. Davon abgesehen war ich natürlich ein anständiger junger Mann der niemals etwas getan hat was gegen die Regeln ging."
Clark gab ein Schnauben von sich.
"Nell hat da aber was anderes erzählt." Alle Augen richteten sich nun auf Lana, die an die Tür gelehnt stand. Sie trug Jeans und T-Shirt, das Haar locker zurück gebunden. Sein Herz schlug schneller bei ihrem Anblick. Zumindest wusste er dank ihr das sein Herz noch funktionierte.
"Du solltest nicht meine Autorität untergraben." warnte Jonathan gut gelaunt. Dr. Allan sah belustigt zwischen ihnen hin und her.
"Nun, wenn sie keine Frage mehr haben, zu Medikation oder anderen Bereichen…"
"Ich hätte noch ein paar Fragen." Lana kam zu seiner anderen Seite und nahm seine Hand. Dann sagte sie in Clarks Richtung: "Vielleicht solltest du gehen."
Sein Sohn wurde rot, verdrehte die Augen und fragte: "Echt jetzt?"
"Wie ich eben schon mal sagte," begann Dr. Allan nun. ",ist Sex vollkommen in Ordnung—"
"Zeit für mich zu gehen, Dad. Ich hol' dich morgen früh ab, ok?" verabschiedete er sich mit einem Seitenblick auf Lana.
"Ja, das habe ich auch gelesen," sagte Lana und nickte. Sie sah hinab auf ihre verschlungenen Hände, die Wangen leicht gerötet. ",aber das bezog sich alles auf Paare die bereits vor dem Infarkt zusammen waren. Und gerade wenn man…" Sie holte tief Luft. "Wenn man frisch verliebt ist, wird es ja manchmal etwas… Ähmm… Etwas…" Sie biss sich auf die Unterlippe. Jonathan spürte wie er sich noch etwas mehr in sie verliebte. Sie hatte seinen Sohn raus geschickt um seine Ärztin zum Thema Sex auszufragen.
Die Ärztin grinste. Sie war nur einige Jahre älter als Lana. "Wilder?"
"Lassen sie es einfacher etwas langsamer angehen. Sie müssen ja nicht gleich die ganzen 9 Yards nehmen." Sie zwinkerte Lana zu. "Machen sie es wie die Teenager."
"Wie die Teenager?"
Die Ärztin nickte, offensichtlich zufrieden mit ihrem Rat.
"Wie zu seiner oder zu unserer Zeit?" Lana zeigte von Jonathan zu sich selbst und dann zu Dr. Allan. Die beiden Frauen sahen sich einen Augenblick lang an, bevor Dr. Allans Gesicht einen Moment entglitt, als dachte sie an all die Sachen die sie als Teenager gemacht hatte. Sie ruderte schnell zurück.
"Wie zu Mr. Kents Zeit." Dr. Allan wandte sich an ihn. "Da er ja schon gerade etabliert hat das er ein außergewöhnlich verantwortungsbewusster junger Mann gewesen ist."
Die beiden Frauen schienen beruhigt, hatten offensichtlich keine Ahnung was eine Zeit die späten 70er gewesen waren. Jonathan schwieg wie ein Gentleman.
Clark fuhr ihn nach Hause. Sie redeten über oberflächliches Zeug oder schwiegen, aber zumindest fühlte es sich nicht so schwer an wie in den letzten Monaten. Er hatte nach dem Gespräch mit der Ärztin nicht noch einmal versucht das Thema Lana anzuschneiden, doch Jonathan wusste das sein Sohn es nicht gut hieß.
Jonathan war sich klar darüber das es dauern würde bis Clark es akzeptieren würde. Bei seinem Onkel Jack, war er enttäuscht gewesen, hatte es aber irgendwann hingenommen. Bei seinem Vater aber war es eine andere Geschichte, vielleicht weil Jonathan so strenge Werte hatte.
Doch Lana hatte alles geändert.
Clark und er verbrachten einen ruhigen Tag miteinander. Es war seltsam den Jungen hier zu haben, morgens aufzuwachen und ihn in der Küche vorzufinden wie er Kaffee kochte. Er öffnete den Küchenschrank und griff nach Lanas Apfeltasse.
Jonathan tauschte die Tasse ohne große Erklärung aus.
Sie verbrachten den Tag draußen und arbeiten nebeneinander her. Es fiel Jonathan wirklich noch schwer. Er würde sich daran gewöhnen müssen am Anfang kürzer zu treten.
Als Clark sich los machte fragte er ob Lois und er Jonathan an seinem Geburtstag im September besuchen könnten. Jonathan stimmte erfreute zu. Natürlich würde er sich freuen seinen Sohn und seine Schwiegertochter für ein paar Tage bei sich zu haben.
Für einen Moment dachte er Clark würde noch etwas wegen Lana sagen, doch er verabschiedete sich lediglich mit einem etwas verkniffenen Lächeln und schloss seinen Vater dann in die Arme. Jonathan stand noch einige Zeit am Zaun und sah Clark nach. Erst als er außer Sichtweite war ging er hinein und dachte an morgen.
Und Lana.
"Mr. Kent."
Lanas Stimme war leiser als sonst, doch er schien sie trotzdem zu hören. Er stand auf der anderen Seite der Veranda und sah sie geduldig an. Er trug seine übliche Kluft bestehend aus Blue Jeans und Flanellhemd. Es tat ihr gut ihn hier wieder zu sehen. In den Wänden des Krankenhauses hatte er deplatziert gewirkt. Hier in der Sonne, sah er fast wieder wie er selbst aus.
Doch die letzten zwei Wochen hatten Spuren hinterlassen auf seinem Gesicht. Er war hagerer, hatte im Krankenhaus Gewicht verloren. Seine Kleidung saß nicht so gut wie sonst. Trotzdem spürte sie die selbe Anziehung.
Sie wollte das er hereinkam und sich setzte, sie wollte ihm Cookies backen und ihn umsorgen, wollte sich an ihn kuscheln und seinen Geruch einatmen. Ihn endlich hier zu haben war einfach alles was sie die letzten Wochen gewollt hatte.
Stirnrunzelnd fiel ihr ein das Cookies wohl nicht die beste Idee waren. Was hatte der Arzt gesagt? Er würde seinen Lebenswandel verändern müssen. Weniger Zucker und Fett, mehr Sport und weniger Stress.
Etwas abwesend bemerkte sie den Strauß Blumen den er in der Hand hielt. Wann hatte sie das letzte Mal Blumen bekommen?
"Lana." Ihr Name erinnerte sie daran das er immer noch darauf wartete das sie ihn hereinbat. Etwas befangen trat sie von der Tür weg, so dass er eintreten konnte.
Einen Moment standen sie unschlüssig im Wohnzimmer. Lana sah ihn an und dachte nur und nun? Sie kaute aufgeregt auf ihrer Unterlippe. Er war hier. Er war hier, die zwei Wochen waren rum und sie konnte an nichts anderes denken als das sie seine Arme um sich spüren wollte. Sie wollte nicht reden. Sie wollte einfach nur sein Herz schlagen hören.
"Ich habe dir etwas mitgebracht." Er reichte ihr den eingepackten Blumenstrauß. Als sie das Papier aufriss kam ein Strauß magentafarbener Chrysanthemen hervor, sie sahen aus als hätte man sie in Farbe getaucht, so strahlend waren die Farben. Sie waren wunderschön. Lana lächelte. Chrysanthemen… bedeuteten das dass Herz des Gebenden frei war.
Lana blickte auf. Er beobachtete sie sehr genau.
"Danke, sie sind wunderschön. Ich— Ich werde sie gleich ins Wasser stellen…" sie wandte sich ab und ging in Richtung Küche.
"Möchten Sie etwas trinken?" rief sie ihm zu.
"Ja, Kaffee."
Die Stimme kam von hinter ihr. Lana holte eine Vase und stellte die Blumen dann auf den Küchentisch. Innerlich dachte sie immer noch an alles was er an jenem Tag im Krankenhaus gesagt hatte. Lana fummelte mit dem Kaffeefilter herum, ihre Hände waren zittrig. Ohne etwas zu sagen trat er hinter sie und faltete das Papier, häufte das Kaffeepulver herein und schaltete dann die Maschine an. Er trat nicht von ihr fort. Seine Nähe war ein Balsam für sie und sie wollte sich gegen ihn lehnen-
Lana drehte sich zu ihm, die Anrichte presste hart gegen ihr Steißbein.
"Du zitterst ja." Seine Stimme klang verwundert. Vorsichtig nahm er ihre Hände in seine und hielt sie zwischen ihnen. "Etwa wegen dem was ich im Krankenhaus gesagt habe? Hast du dich… Entschieden?"
Das Auflachen war unwillkürlich. Er hatte wirklich keine Ahnung wie es um ihr Herz stand, oder? Sie schüttelte den Kopf.
"Mr. Kent" begann sie etwas oberlehrerhaft. "Ich bin jeden Tag nach Metropolis gekommen. Habe ihnen Blumen gebracht. Mich mit Clark herumgeärgert. Unzählige Bücher gelesen. Eine Ärztin wegen Sex ausgefragt… Ist das wirklich eine Frage Wert? Ist die Antwort nicht schon längst klar?"
Sein sanftes Lächeln war zurück. Das, welches nur den rechten Mundwinkel umspielte und ihn ein bisschen verwegen aussehen ließ.
"Ich möchte es von dir hören, Lana."
"Ja." brachte sie hervor und dann mit stärker Stimme: "Ja, ich will es mit ihnen versuchen. Könnten Sie mich jetzt bitte in den Arm nehmen."
Er tat was sie sagte und zog sie näher.
Lana stellte fest das es wirklich keinen Grund gab aufgeregt zu sein, dachte sie. Sie war genau da wo sie hingehörte. Plötzlich wusste sie es ganz genau. Auch wenn er sich nicht traute daran zu glauben, weil er an all diese anderen, realistischen, praktischen Dinge dachte: Sie wollte bei ihm bleiben. Sie würde bei ihm bleiben.
Es war an ihr zu fragen: "Haben Sie sich auch entschieden?"
"Ja, das habe ich. Ich möchte mit dir zusammen sein. Sehr, sehr gerne sogar."
"Keine Versuche mich mehr umzustimmen?" Sie konnte sich den Kommentar nicht verkneifen. Lana wusste, sie würde es ihm nicht immer so leicht machen.
Seine Antwort hingegen war ernst: "Nein, die einzige Überzeugungsarbeit die ich noch leisten werde ist, das du für eine hoffentlich lange Zeit bei mir bleibst."
Er kam näher. Sie vergaß zu denken. Mr. Kent stand nun direkt vor ihr. Er ließ ihre Hand los und schob diese dann unter ihr Kinn so dass sie ihn ansehen musste. Sie hatte immer gedacht das nur Männer im Film so etwas taten. Offensichtlich lag sie falsch.
Sie hatte mit so vielem falsch gelegen.
"Ich würde dich jetzt gerne küssen."
Es war nicht wirklich eine Frage und es gab keine andere Antwort außer 'Ja' für Lana. Schon seit einiger Zeit gab es keine andere Antwort außer 'Ja', wenn es um Jonathan Kent ging. Sie öffnete den Mund um zu antworten, doch fand das sie nicht dazu in der Lage war. Sie war zu sehr damit beschäftigt ihn anzusehen, mit dem Gefühl ihm so nahe zu sein, wie ihr Körper auf seine Nähe reagierte ohne das sie sich berührten.
Sie fanden zusammen. Lana reckte sich ihm entgegen, er beugte sich herunter zu ihr. Sein Atem berührte ihr Gesicht, doch sie konnte nicht die Augen schließen bis sie wirklich seinen Mund auf ihrem spürte.
Bevor er es sich anders überlegen konnte, schlang sie ihre Arme fest um seinen Nacken. Abwesend bemerkte sie das ihre Zehenspitzen nicht länger den Boden berührte. Sie hatte im wahrsten Sinne den Boden unter den Füßen verloren.
Sein Mund war warm und hart, doch gerade war er sehr zärtlich mit ihr. Sein Kuss war langsam und ernstgemeint. Ihre Knie waren weich, ihr Innerstes honigzäh. Bis er von ihr abließ war sie atemlos und froh das er sie festhielt.
Sie fragte sich was ihr Untergang sein würde, seine Zärtlichkeit oder wenn er die Zügel loslassen würde und sich vergaß. Lana konnte es nicht erwarten es herauszufinden.
Seine azurblauen Augen sagten ihr alles was sie wissen musste. Ihn anzusehen, seinen Blick ungestraft und offen erwidern zu können und das er es ebenso sehr zu ließ, war wie heim kommen.
Nun lächelte er sie an, sie erwiderte es.
Unwillkürlich dachte sie an das Hochzeitsbild in seinem Wohnzimmer das Martha und ihn glücklich und lächelnd zeigte. Es war dieses Bild gewesen das es ihr unmöglich gemacht hatte Marthas Wunsch abzulehnen.
So möchte ich angelächelt werden, hatte sie gedacht, verwirrt und naiv. Oh, sie war so naiv gewesen. Sie hatte immer gedacht sie wollte das was Jonathan und Martha verbunden hatte.
Wie hatte sie das Offensichtliche nur nicht sehen können?
Sie hatte nicht nur haben wollen was sie teilten, sie hatte ihn haben wollen! Lana hatte Mr. Kent gewollt.
Er zog sie wieder zu sich, als wäre es jetzt unmöglich für ihn darauf zu verzichten und sie schmiegte ihr Gesicht an seine Brust. Als er wieder sprach konnte sie seine Stimme unter sich vibrieren spüren:
„Es wird Zeit für dich mich Jonathan zu nennen."
Lana war froh das er sie hielt, sie war so erleichtert, so glücklich.
Benommen nickte sie und sagte:
„Ja, Jonathan."
THE END "Lilac Wine, Redux"
