Chapter 9 - Der Morgen
„Professer" brachte Ginny gerade noch schockiert herraus.
Draco schluckte „Also, ähm Professor Snape, ich.."
Snape grinste etwas höhnisch. „Warum so förmlich? Wir sind doch unter uns, und meinen Vornamen werdet ihr wohl auch nicht vergessen haben."
Ginny und Draco sahen ihn noch immer schockiert, aber mindestens genauso verblüfft an.
Das Grinsen wurde immer breiter
„Na, da sollte man meinen ICH sollte erstaunt sein, meinen Patensohn mit meiner Lieblingsschülerin morgens früh am Waldrand kuschelnd vorzufinden, aber EURE Gesichter sind Gold wert."
Ginny und Draco sahen sich, dann wieder den ungewohnt fröhlichen Mann vor ihnen an.
Ginny war höchst verwirrt. Nur bei den als Nachsitzen getarnten Privatstunden, nicht mal wenn sie ihm bei Treffen des Ordens über den Weg lief, duzten sie sich seit ca. eineinhalb Jahren, immer bedacht, dass Niemand etwas von ihrer Symphatie füreinander mitbekam. Jetzt störte es ihren heimlichen Lieblingslehrer und Mentor nicht mal, dass es einer seiner Slytherinschüler, der auch noch sein Patensohn war, was sie gerade zum ersten Mal hörte, mitbekam. Natürlich wusste sie, dass er Draco immer bevorzugte, aber dem hatte sie eigentlich immer andere Gründe beigemessen, als das was sie da gerade erfuhr.
Auch Draco begriff nicht ganz. Normalerweise war sein sein sonst so mürrischer Pate, sehr darauf bedacht, dass niemand in Hogwarts von dieser Patenschaft erfuhr. Wieso stand genau dieser, grinsend hier rum, stand scheinbar vor einer Griffindorschülerin dazu, dass er sein Pate war und ließ sich auch noch von ihr mit Vornamen ansprechen. Fehlte nur noch, dass dass er Brötchen in der Hand gehabt hätte.
Draco überlegte, gerade was er sagen sollte, als Ginny ihm in zickigem Ton, mit funkelnden Augen zuvor kam „Würdest DU dich dann bitte umdrehen. Ich möchte mich nämlich anziehen, und ich möchte nun wirklich nicht vor meinem Lehrer halbnackt durch die Gegend hüpfen."
XXX
Neville saß einige Zeit zuvor beim Frühstück und sah sich um. Ginny war nicht da. Jetzt war er sicher, sie hatte es definitiv nicht herein geschafft, Malfoy war auch nicht da. Doch wo blieben die. Vielleicht hätte er Ginny doch nicht einfach so mit Malfoy allein lassen sollen. Zu allem Übel fühlte er sich auch noch beobachtet, wusste aber nicht genau von wo.
Neville sah, dass auch Harry wartend zur Tür sah. Er konnte es nicht erklären, aber etwas in Harrys Blick gefiel ihm nicht. Eigentlich sah er aus wie immer, nur dass er wartete, aber da war auch noch etwas anderes, ungewöhnliches in den Augen, was Neville nicht kannte.
„Hermine, kannst du vielleicht mal nachsehen wo sie bleibt? Langsam mache ich mir Gedanken." riss Harry Neville aus seinen Überlegungen
„Ich glaube Ginny wollte heute Morgen noch schnell zur Krankenstation. Jedenfalls sagte sie was von Halsschmerzen." schoss es plötzlich aus Neville, ohne dass er selbst so ganz wusste, warum. Es war als hätte eine innere Stimme aufgeschrien, Ginny nicht zu verraten. Harry sah ihn nur kurz an, zuckte dann aber mit den Schultern. „Na, dann werd ich sie wohl spätestens beim Mittagessen sehen."
Noch einmal sah Neville sich um und sein Blick blieb an Snape hängen, der ihn starr ansah. Nun stand dieser auf und ging. Neville schluckte, irgendetwas stimmte da ganz und gar nicht. Hatte das etwas mit Ginny zu tun? Hätte er eben doch etwas sagen sollen?
„Du Harry, ist eigentlich alles in Ordnung bei dir und Ginny?"
Harry sah ihn fragend an und eine kaum wahrnehmbare Spur Misstrauen lag in seiner Stimme. „Natürlich. Was sollte denn nicht in Ordnung sein?"
„Nichts, ich hab nur festgestellt, dass ich euch in letzter Zeit seltener zusammen gesehen habe als sonst." Das war schließlich nicht gelogen, daher musste Neville auch kein schlechtes Gewissen bei der Antwort haben.
Harry lächelte nun wieder fröhlich. „Na ja, wenn man dauernd aufeinander hängt, dann schläft die Beziehung nur ein, und wir sind ja nun schon eine ganze Weile zusammen."
Neville nickte verstehend, verstand aber in Wirklichkeit immer weniger.
XXX
Ginny und Draco waren schnell angezogen, dann fiel Draco etwas ein „Woher wusstest du, wo wir sind?"
Ich habe euch gestern Abend am oder besser gesagt im See gesehen und dann seid ihr weg gegangen und da ihr wohl nicht mehr rein kamt, musstet ihr hier sein." antwortete Snape
„Und warum hast du uns draußen schlafen lassen?" kam es völlig verblüfft von Ginny.
Das wäre auch Dracos zweite Frage gewesen. Etwas anderes irritierte ihn mehr. „Und warum konnten wir NUR HIER sein?"
Snape grinste erneut. „Glaubt ihr ich renne spät abends noch durch die Gegend? Ich war müde..., außerdem scheint die Nacht doch ganz angenehm gewesen zu sein."
Ginny und Draco wurden rot und Snape ging zu der Antwort auf Dracos Frage über. „Das Stück hier gehört schon zum verbotenen Wald, ist aber die wahrscheinlich sicherste Ecke in der magischen Welt. Hierher findet man nur wenn man schwere seelische Schmerzen hat, oder man schon mal an diesem Ort war. Und jetzt kommt, es wird nicht früher."
Ginny und Draco gingen nicht weiter darauf ein, wann und wieso er diesen Ort gefunden hatte, oder woher er sich so sicher war, dass sie diesen Ort auch gefunden hatten.
Als sie gerade los wollten, blieb Ginny stehen. „Ich kann nicht", sagte sie traurig und ängstlich zugleich. Sie sah zu Draco „Er wird irgendwas schreckliches mit ihm anstellen, wenn wir jetzt zusammen zum Schloss kommen."
Snape blieb stehen und überlegte kurz, es war klar wen sie meinte und vielleicht hatte sie Recht. „Draco, du gehst alleine vor. Benutz aber für alle Fälle den Desillusio, bis du im Schloss bist, dann geh zum Unterricht. Ich komme mit Ginny ein paar Minuten später, ebenfalls unsichtbar, nach." Draco nickte. Bevor er aber verschwand ging er nochmal kurz zu Ginny, streichelte sie über die Wange und gab ihr noch einen letzten liebevollen Kuss. Es war ihm egal, dass sein Pate zusah, es war vielleicht die letzte Gelegenheit für einen Kuss überhaupt. Dann sprach Draco den Zauber und verschwand.
„Grins nicht so dumm." fuhr Ginny Snape an als sie alleine waren, und der wurde auch tatsächlich wieder ernst.„Ich muss sowieso noch kurz mit dir reden."
Ginny sah ihn fragend an und er fuhr fort. „Nun du solltest vielleicht wissen, dass Longbottom euch gestern Abend ebenfalls gesehen hat."
Ginny guckte nun völlig erschrocken, warum sagte er das denn jetzt erst. Er hätte Draco auf keinen Fall zurückschicken dürfen. Snape schien ihre Gedanken erraten zu können und winkte beruhigend ab. „Er hat deinen Freunden nichts verraten. Frag mich nicht warum. Is vielleicht doch nicht ganz so vertrottelt. Er hat sogar gemeint, dass er mitbekommen hätte, dass du wohl heute morgen wegen Halsschmerzen zur Krankenstation gewollt hättest. Ich denke nur, du solltest mit ihm reden und überlegen, was du ihm sagen willst."
Ginny blies Luft aus, da musste sie sich echt was einfallen lassen.
Um die verbleibende Zeit zu überbrücken setzte Snape erneut mit hämischem Grinsen an. „Freut mich zu sehen, dass dein Männergeschmack besser wird, Weasley. Ich muss zugeben du überrascht mich immer aufs neue."
Ginny ging nicht auf die Provokation ein sondern antwortete gefühllos und trocken. „Wir werden uns nicht wieder treffen." Etwas trauriger sagte sie dann „Das ist zu gefährlich."
Snape und Ginny sprachen die restlichen Minuten nicht mehr.
Das Mittagessen war vorbei und Ginny war auf dem Weg zum Quidditchfeld, als Neville vor ihr stand. Na ja, irgendwann musste sie dieses Gespräch ja kommen, wollte sie nicht, dass er sie doch noch verriet. Sie hatte nur keinen blassen Schimmer ob er ihr glauben würde.
„Ginny, wo warst du letzte Nacht?"
„Na im Bett, wo sonst?" antwortete Ginny ahnungslos
„Das ist seltsam, ich bin mir nämlich sicher, dass du die ganze Nacht draußen warst, mit Malfoy." Neville klang leicht gereitzt
„Wie kommst du denn darauf?" Ginny sah ihn überrascht an.
Neville erzählte ihr, was er gestern Abend gesehen hatte und sah sie nun erwartungsvoll an
„Neville glaub mir, du hast dich geirrt. Ich war die ganze Nacht in meinem Bett. Frag doch die anderen aus meinem Schlafsaal."
Das hatte Snape noch für sie erledigt. Alle würden dies einwandfrei bestätigen, denn genau das dachten sie. Zum Glück, denn selbst wenn Neville sie doch noch verraten würde, hätte sie wenigstens ein Alibi, das den Gegenteil beweisen würde.
Es tat ihr ja leid, Neville an zu lügen, vor allem da er sie auch noch geschützt hatte, aber die Wahrheit konnte sie ihm einfach nicht sagen.
Natürlich blieb Neville skeptisch, sagte aber nichts mehr dazu. Vorerst wollte er den Mund halten. Irgend etwas stimmte hier ganz und gar nicht.
