10: Zwei

„Seht mal, wer wieder da ist!" Cortez zog wieder seine Show ab. Aeren stand neben ihm, und versuchte, den Lärm um ihn zu ignorieren. Er war müde; er hatte nicht besonders gut geschlafen. Orthan hatte ihn in seinen Träumen heimgesucht, und er hatte ihren Kampf immer und immer wieder durchlebt: wie er ihm die Kehle durchschnitt, wie er da lag und so aussah, als könnte er das Schicksal nicht begreifen, das ihn ereilt hatte. Einmal hatte Aeren sich übergeben müssen, aber Sabato hatte wohl damit gerechnet, und einen Eimer neben der Pritsche platziert, auf der Aeren die Nacht verbracht hatte. Und nun war er wieder hier, zurück in diesem Alptraum, in dem Frieden und Ordnung keinen Platz hatten. Er sah hinunter in die Grube. Der dunkle Fleck, der den Ort von Orthans Ableben markierte, war immer noch da.

„Es ist kein Geringerer als der junge Herr Mallory, der just gestern hier zum Mann wurde! Und schon wieder lechzt er nach Blut!" Pfiffe und Jubel. Aber dann erhob sich eine einzelne Stimme, die auf die Stimmung wirkte wie ein unerwarteter Eimer kalten Wassers. „Cortez! Hier, ich kämpfe gegen ihn." Aeren hielt nach der Quelle Ausschau und erblickte Otho, der sich bereits seinen Weg über die Ränge nach unten bahnte. Thron, dachte der Junge. Er ist auf Rache aus.

Cortez richtete seinen Zeigefinger auf ihn. „Und da haben wir auch schon den nächsten Freiwilligen! Ein hoch auf Otho!" Die Leute ließen sich nicht zweimal bitten. Als Otho sie erreichte, bedachte er Aeren mit einem seltsamen Blick. Nicht so sehr Zorn, sondern… Verzweiflung? Er musste so um die vierzig sein, ein dünner Mann, das Haar kurz geschnitten. Aeren dachte bei sich, dass er nicht sehr gefährlich aussah.

„Okay, ihr beide wisst, wie das läuft", sagte Cortez. „Aeren wählt die Waffe."

„Messer", sagte der Junge, während er seine Waffe zog auf Armeslänge vor sich hielt. Otho nickte, und holte seine eigene Klinge hervor. Es ist die gleiche, die Orthan benutzt hat, dachte Aeren. Er nimmt es wirklich persönlich.

Cortez nickte bekräftigend. „Gut, und jetzt eure letzten Worte." Otho nahm sich Zeit, um seine Gedanken zu ordnen, während er Aeren fixierte. „Als mein Junge dich herausgefordert hat, war ich so stolz auf ihn. Ich dachte, er würde zu einem Mann werden. Aber als du ihn getötet hast, wurde mein Stolz zu Asche."

„Es war seine Entscheidung", sagte Aeren. „Er wusste, was auf dem Spiel stand." Otho nickte. „Ja, und es war ein würdiger Tod. Er ist jetzt in Khornes Reich. Aber ich denke, er muss so einsam sein in der anderen Welt." Otho wandte seinen Kopf für einen Augenblick zur Seite, und sah dann wieder Aeren an. Seine Augen füllten sich mit Tränen, aber zugleich lächelte er. „Ich muss dich zu ihm schicken; damit er einen Gefährten hat, wenn er die gebrochenen Lande durchquert auf dem Weg zur Messingzitadelle, wo Khorne seine Auserwählten um sich schart. Ich hoffe du kannst das verstehen." Otho wischte seine Tränen weg. „Ich schätze, was ich eigentlich nur sagen will ist: hasse mich nicht für das hier." Aeren runzelte die Stirn. „Dir ist aber schon klar, dass du verlieren könntest." Otho schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht verlieren. Ich darf nicht verlieren. Ich muss das tun, für meinen Sohn." Na, der hat 'n Rad ab, dachte Aeren.

„Okay, das war… aufschlussreich", sagte Cortez, bemüht, weitere Abschweifungen zu unterbinden. Er wandte sich an den Jungen. „Aeren?" Ein Kopfschütteln war die einzige Antwort.

Sie standen sich in der Grube gegenüber. Aeren kam die ganze Situation surreal vor; die Eindrücke des vorigen Kampfes waren noch frisch in seinem Gedächtnis, und er hatte ein starkes déjà vu. Nun sollte er also gegen diesen Mann kämpfen, den Vater, der offensichtlich vor Trauer den Verstand verloren hatte. Was mache ich hier? Dachte er. Später. Konzentrier' dich jetzt aufs Überleben.

Als Cortez das Signal gab, griff Otho sofort an; Aeren wich aus. Der ältere Mann ließ nicht nach, und drängte Aeren zurück, der sich in der Defensive sah. Der Vater war langsamer als der Sohn, aber er benutzte das Messer mit größerem Geschick, und seine Angriffe hatten die höhere Reichweite; Aeren stand auf jeden Fall einem ebenbürtigen Gegner gegenüber. Er bemerkte, dass er nicht an Otho herankommen konnte. Also tat er das Nächstbeste, und konzentrierte sich auf die Waffenhand seines Widersachers. Er duckte sich unter einem weit ausholenden Schwinger hinweg, und erwischte die Innenseite von Othos Unterarm; er legte so viel Kraft in den Schnitt, wie er konnte.

Otho keuchte. Seine Sehnen waren durchtrennt, ebenso wie seinen Adern, und er konnte das Messer nicht länger festhalten. Es viel auf den Sand, der sich bereits mit seinem Blut tränkte. Aeren, der sich bei seinem Angriff zu weit vorgelehnt und die Balance verloren hatte, beeilte sich, wieder auf die Beine zu kommen. Er fühlte Triumph. Er hatte den Kampf zu seinen Gunsten gewendet. Nun musste er nur noch… Othos linke Faust traf ihn seitlich am Kopf, und seine Lichter gingen aus.


Als er wieder zu sich kam, lag er auf dem Rücken; Otho war über ihm, und nagelte die Arme des Jungen mit seinen Knien auf den Boden. Er war blass und atmete schwer, und er schien Schwierigkeiten zu haben, die Augen offen zu halten. Er hatte versucht, seinen Arm mit seinem Hemd zu verbinden, doch es war bereits durchtränkt. In seiner linken hielt er Aerens Messer.

„Wieder wach?" atmete er, ein friedliches Lächeln auf dem Gesicht. „Gut. Bald ist es vorbei." Er atmete ein, alle Kräfte mobilisierend und schrie, während er den Kopf zurückwarf und seine Arme ausbreitete: „KHORNE! Nimm diesen Jungen zu dir!" Aeren, mit seinem unmittelbar bevorstehen Tod konfrontiert, fühlte sich von seinen letzten Kraftreserven durchflutet. Er hob seine Beine, und in dem er sie von hinten um Othos Kopf schlang, gelang es ihm, das unwillkommene Gewicht von sich zu ziehen.

Othos war völlig überrascht und verlor die Balance; Aeren, darum bemüht, ihn unten zu halten, griff nach dem Messer, das Otho zuvor fallen gelassen hatte, und das er mit einem kurzen Umsehen nahe seiner rechten Hand entdeckte. Mit aller Kraft stach er Otho in den Schritt und wurden mit einem schmerzerfüllten Schrei belohnt. Tretend und sich windend befreite Aeren sich und stand auf. Otho blieb liegen, stöhnend, und krümmte sich zusammen, während er die Hände auf seinen blutigen Schritt presste. Aeren zitterte vor Erschöpfung und der Erkenntnis, wie nahe er dem Tod wirklich gekommen war, als er in die Grube stieg. Das Messer bereit und die Augen immer auf seinen Gegner gerichtet, ging er langsam in die Knie, um seine eigene Waffe aufzunehmen.

Was jetzt? Otho lebte noch, machte aber keine Anstalten, den Kampf fortzusetzen. Er öffnete die Augen und fixierte Aeren, um Atem ringend; er sah sehr müde aus, lächelte aber trotz alledem. „Gut gekämpft, junger Krieger. Sieht so aus, als würde ich mich heute zu meinem Sohn auf der anderen Seite gesellen. Wir werden auf dich warten." Und damit verging sein Atem, und seine Augen blickten ins Leere.

Aeren, vollkommen erschöpft, ließ sich aus der Grube ziehen.


Während Endymion ihn zurück zu seinem Zimmer begleitete, hatte er das Gefühl, auf den Beinen einzuschlafen. „Weisst du, es ist lächerlich", lallte er. „Wie viele Kämpfe denkst kann ich noch überstehen? Diese Typen sind stärker als ich, sie haben die höhere Reichweite und mehr Kampferfahrung. Die ersten beiden Male hatte ich einfach nur Glück, dass ist alles."

Endymion hatte ausnahmsweise kein Mitleid mit ihm. „Wenn du das nicht durchstehst, warst du von vornherein als Astartes ungeeignet. Um einer von uns zu werden, reicht es nicht, einfach nur gut zu sein; du musst exzellent sein. Du hast bewiesen, dass du dich in einem Kampf behaupten kannst. Jetzt musst du uns beeindrucken."

Einmal mehr fühlte Aeren Verzweiflung in sich aufsteigen, und bittere Tränen füllten seine Augen. „Aber ich bin nur ein Junge." Diesmal war die Stimme des Astartes sanfter. „Ich fürchte, das kümmert niemanden einen Scheißdreck, am allerwenigsten den alten Mann." Sie gingen ein paar Schritte schweigend. „Er hat dich gewarnt, das der Weg schwer würde. Jetzt ist es an dir, ob du die Kraft hast, ihn zu Ende zu gehen."

Aeren schniefte. „Was ist mit diesem Khorne?" Endymion schüttelte den Kopf. „Das kann man nicht in fünf Minuten erklären, und außerdem denke ich, dass Errake dich selbst über diesen ganzen Kram aufklären will."

Sie waren vor Aerens Zimmer angekommen, und Endymion legte ihm eine Hand auf die Schulter, und sah mit einem freundlichen Lächeln herab zu ihm. „Ruh dich aus. Morgen wartet ein weiterer Kampf auf dich, und die Welt sieht nach einer ordentlichen Portion Schlaf wieder ganz anders aus." Aeren runzelte die Stirn. „Das klingt nach einem Haufen Bullshit." Und damit betrat er sein Zimmer und ließ den perplexen Marine zurück.


Am nächsten Morgen erwachte Aeren mit einer großen Leere in sich. Ist es das, was ich will? Ich will den Menschen helfen, aber wenn dutzende von ihnen umbringe bis ich soweit bin, was nützt das? Das ist Bullshit. Er setzte sich auf. Aber was ist die Alternative? Nichts tun. Liegen bleiben. Jemand anderes wird an meiner Stelle ein Astartes. Vielleicht jemand, dem wirklich alles egal ist. Wäre das nicht noch schlimmer? Und was heißt das für mich? Bin ich bereit, all diese Leute zu opfern? Das ist doch die eigentliche Frage, nicht wahr.

Er zog sein Messer aus der Scheide. Die Klinge war fast bis zum Handschutz mit Flecken getrockneten Blutes bedeckt; nur der halbe Adler war zu sehen. Er ging zum Waschbecken und reinigte es, so gut er konnte. Ich muss mir mal einen Wetzstein und Öl besorgen. Bald strahlte der Stahl wieder, aber immer noch saßen dunkle Reste an den schwer zu erreichenden Stellen. Es gibt einen Ausweg, schien die Klinge zu sagen. Du weißt, wie man mit einem Messer tötet. Du könntest dieses Wissen bei dir selbst anwenden. Lass diese ganze Scheiße hinter dir. Lass andere versuchen, ihr elendes Leben in dieser verkommenen Welt zu gestalten. Es kann dir egal sein. Aeren schüttelte den Kopf. Er würde sich nicht selbst töten. Jedenfalls noch nicht. Dieser Weg würde ihm schließen immer noch offen stehen, sollte alles den Bach runtergehen. Und außerdem, die die ich bis jetzt getötet habe sind aus freien Stücken in die Grube gestiegen. Weil sie glauben, dass dieser Khorne sie belohnt oder so. Es ist nicht meine Schuld, dass sie verloren haben. Also so lange sich diese Idioten in mein Messer stürzen, warum sollte ich mich deswegen beschissen fühlen? Aeren nickte entschlossen. Also ist mein Ziel noch unbefleckt. Ich kann den Weg weitergehen, zumindest für eine Weile.


Am Abend fand er sich wieder im Tumult der Arena ein, stirnrunzelnd und mit verschränkten Armen, und wartete darauf, wer ihn diesmal herausfordern würde. Er war sich bewusst, dass dies sein letzter Kampf sein mochte; wie er zu Endymion gesagt hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bevor jemand seine Glückssträhne beendete. Aber er hatte sich entschlossen, den Weg zu gehen; und das hier gehörte nun mal dazu.

„Hier, ich kämpfe gegen ihn!", schrie jemand. „Nein, lass' mich! Ich stech' ihn ab!" Noch einer. Es gab einigen Tumult; noch etwas mehr als sonst. Jemand bahnte sich mit Stößen und Schlägen seinen Weg durch die Menge. Als die Person in den vorderen Reihen sichtbar wurde, erkannte Aeren, dass es sich um eine Frau handelte; drahtig und muskulös, und ebenso vernarbt wie alle um sie herum.

Cortez pfiff leise. „Sei auf der Hut, Kleiner. Die ist zäh." Aeren beobachtete sie, während sie langsam näherkam. Ihr schwarzes Haar war kurz geschnitten und unordentlich. Sie hat es selbst gemacht, dachte er. Da war etwas ungewöhnliches an ihrem Gesicht, etwas, dass ihm auf seltsame Weise falsch vorkam, und das er jedoch nicht eindeutig bestimmen konnte. Was immer es war, Cortez schien es nicht zu bemerken, oder es war ihm egal. Er begrüßte sie mit einer einladenden Geste.

„Seht mal her, Leute, wer uns nach lange Abwesenheit wieder in der Grube beehrt: die fantastische, die einzigartige, die großartige Liz Cordeau!" Einmal mehr gab die Menge ein tiefes Ooooh von sich, und jemand rief: „Jetzt steckst du ganz schön in der Scheiße, Kleiner!"

Liz nahm ihren Platz zu Cortez' Linken ein und blickte verächtlich zu Aeren herab. „Bereit zu sterben, Junge?" Aeren zuckte mit den Schultern. „Was ist mit dir?"

„Ach weißt du, ich mach' mir nicht allzu viele Sorgen."

„Okay, Okay, Ihr habt nachher noch genug Gelegenheit, euch zu dissen", schaltete Cortez sich ein. „Andererseits, vielleicht auch nicht! Wie dem auch sei, womit werdet ihr beide heute Abend kämpfen?"

Aeren holte sein Messer hervor und schnippte gegen die Klinge. Liz zog ihres ebenfalls. Dann fletschte sie die Zähne, und zog die Schneide über ihre Zungenspitze.

„Nun seht euch dieses verrückte Miststück an!", rief Cortez. „Ich denke, uns steht ganz schön was bevor, Leute! Okay, sprecht eure letzten Worte!"

Liz spuckte Blut auf den Boden. „Ich werd' dich ausweiden, du kleiner Scheißer!"

Aeren gab sich verächtlich. „Versuchs nur." Die Menge johlte. Liz und Aeren sprangen in die Grube.

„Kämpft!", rief Cortez. Aeren begann, sich auf Liz zuzubewegen, die keine Anstalten machten, eine defensive Haltung einzunehmen; stattdessen sah sie ihn weiterhin höhnisch an. Selbst als Aeren sie schon fast erreicht hatte, stand sie nur grinsend da. „Komm schon, Junge!"

Aeren legte den Kopf schief. „Okay, wollen mal sehen, was du drauf hast." Er stürzte auf sie zu und zielte auf ihre Seite; doch wie eine Schlange schnellte sie ihm entgegen, und bewegte sich, an seinem Angriff vorbei, unmittelbar vor ihn. Für den Bruchteil einer Sekunde schwebte ihr Gesicht vor dem seinen. In diesem Augenblick erschien es ihm, als sehe er nicht länger die Frau; vielmehr schien er in sie hineinzusehen, oder durch sie hindurch, und etwas gewahrte etwas völlig fremdartiges: die verzerrte Parodie eines Gesichtes, mit einem Mund voller dünner, dolchartiger Zähne und Augen, die sich ihn ihn bohrten; wie Kohlen waren sie, die in einem eisigen, weißen Feuer brannten.

Und dann spürte er, wie die Spitze ihres Messers in seinen Mund eindrang, und sie kratzte über seine Zähne, als sie ihm Mundwinkel und Wange aufschlitzte. Während Aerens Gesicht noch mit siedend heißem Schmerz explodierte, gab sie ihm einen Kopfstoß, der seine Nase brach und ihn zu Boden warf.

Aeren, von heißem Adrenalin durchflutet, krabbelte rückwärts weg von ihr; sie folgte ihm nicht. Blut strömte in seinen Mund und füllte ihn mit metallischem Geschmack, während die beiden Hälften seiner zerschnittenen Wange kraftlos hin und her flatterten. Ein furchterfülltes Stöhnen entrann seiner Kehle. „Wad tchur Hölle?", krächzte er. Die abscheuliche Vision war allerdings verschwunden; jetzt war es wieder Liz, die dort stand und sich über ihn lustig machte. „Stimmt was nicht, Junge? Gefällt's dir nicht auf der anderen Seite des Messers?"

Aeren antwortete nicht, sondern stand auf, während er Blut spuckte. Das Messer zitterte in seiner Hand als er es vor sich hielt, eine hilflose und rein instinktive Geste der Abwehr. Liz hob eine Augenbraue.

„Wenigsten hast du die Eier, wieder aufzustehen. Ich glaube, wir beide werden viel Spaß miteinander haben."

Und diesmal griff sie an. Mit einem Schrei schoss sie vor, kaum mehr als ein verschwommener Schemen. Aeren stach verzweifelt in ihre ungefähre Richtung, doch sie drehte sich um seine linke Seite und stach auf seine rückwärtige Hand ein. Die Klinge durchbohrte sie vom Handrücken aus. Wie sie nun zu seiner Linken stand, drückte sie ihr Messer herunter, und zwang Aeren damit auf die Knie. Während er herabsank, wandte er sich zu ihr und Stieß erneut zu. Sie fing sein Handgelenk in einem eisernen Griff. Jetzt kniete er vor ihr, beide Hände gefangen. Mit Tränen des Schmerzes in den Augen sah er zu ihr hoch, während sich sein Mund erneut mit Blut füllte. Liz drehte die Klinge, die in seiner Linken steckte, und lockte damit eine weiteres Stöhnen hervor. Dann beugte sie sich zu ihm herab und lächelte. „Tut weh, oder?"

Aeren spuckte ihr das Blut ins Gesicht; sie fuhr zurück, und ihre Hand ließ die seine los. Er warf sich zurück, und zog gleichzeitig seine durchbohrte Hand von ihrer Klinge. Doch noch während seines Rückzugs führte er einen grausamen Streich gegen ihren Oberschenkel und hinterließ einen langen Schnitt auf der Außenseite.

Sie schrie, laut und hoch; doch binnen eines Augenblicks veränderte sich das Geräusch, das sie ausstieß, wurde zu einem Zischen: tief und gurgelnd. Und wieder veränderte sich ihr Gesicht: ihre Augen, schwarzes Löcher, in denen Funken aus Eis mit einem entsetzlichen Feuer brannten; ihr Mund, eine Höhle, gefüllt mit gekrümmten Reißzähnen. Eine tödliche Kälte ging von ihr aus, und Aeren wurde von eine Welle reinen, absoluten Schreckens überrollt.

Bevor er noch etwas tun konnte, stürzte sie sich erneut auf ihn, und schwarze, glänzende Klauen wuchsen aus ihren Fingerspitzen. Mit einem Fauchen schlug sie nach seinem Gesicht. Der Junge konnte nicht reagieren; er war von der tiefsten Furcht ergriffen, die er jemals gekannt hatte. Er fühlte, wie ihre Klauen durch Muskeln, Knochen und Sehnen harkten; von purem Instinkt getrieben, zog er sein Gesicht zurück, versuchte, es von dem Schmerz wegzudrehen, der sich wie Eisscherben in seinen Kopf bohrte. Aus dem Augenwinkel sah er, wie eine riesige Gestalt von oben auf das Ding herabstürzte: Errake. Das war das letzte, was er wahrnahm; danach überkam ihn Dunkelheit.


Danke für's Lesen : )