Have fun ;-)
LG
Serafine
Langsam rollte der Sportwagen in den Wagon des Eurostars. Draco stellte den Motor ab und lehnte sich zurück. Müde schloss er kurz die Augen. Die Fahrt durch den Eurotunnel würde 35 Minuten dauern. Minuten die er gut gebrauchen konnte. Danach waren es noch mal rund drei Stunden bis Paris. Er war fix und fertig. Hinter ihm ertönte ein helles Bellen und Hermione kicherte leise. Langsam öffnete er die Augen und drehte sich um. Die junge Hexe saß hinter ihm auf dem Rücksitz neben dem Karton mit den Welpen. Draco hatte den unteren Teil des Kartons in eine Decke verwandelt und Hermione hatte im Restaurant noch eine Flasche Wasser für die Kleinen gekauft. Gerade hatte sie den kleinen dunklen Welpen auf dem Schoss und spielte mit ihm. Dem nervigen Sicherheitsmann am Schalter hatte er zum Glück alle Papiere vorweisen können um die beiden mitnehmen zu können. Gut das seine Verlobte ihm früh genug erklärt hatte was sie brauchten, sodass er noch zwei Bögen Pergament entsprechend hatte verzaubern können. Er hatte das Gefühl, dass sie ein wenig sauer auf ihn war und ihm schwante warum. Aber er würde einen Teufel tun und sie darauf ansprechen und einen Streit zu provozieren. Der Zug ruckte an und die Fahrt durch den Eurotunnel begann.
Todmüde schloss Hermione ihre Wohnungstür auf und justierte den Welpen auf ihrem Arm. Der kleine weiße Racker guckte sich neugierig um, als die junge Hexe in die Wohnung trat und ins Wohnzimmer ging. Hinter ihr schloss Draco die Tür und setzte den kleinen grau blauen Welpen auf den Boden. Augenblicklich wuselte der Welpe los und schnüffelte an allem was er in seine Reichweite bekam. Der blonde Zauberer ließ seine Tasche neben der Wohnzimmertür fallen und ließ sich mit einem tiefen Seufzer auf die Couch fallen. Seine Verlobte setzte den weißen Welpen auf den Boden und setzte sich zu Draco auf die Couch. Die kleinen Hunde wuselten durch das Wohnzimmer und erkundeten ihr neues Zuhause. Ein Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus, als die beiden sich trafen und anfingen zu balgen. „Wie willst du die beiden nennen?", fragte Draco in einem dunklen schläfrigen Ton von der Seite und Hermione sah zu ihm rüber. Ihr Verlobter hatte den Kopf zurück gelehnt und die Augen geschlossen. „Ich weiß nicht", antwortete sie leise und sah abermals zu den Welpen hinüber. „Wieso beobachten wir die beiden nicht ein wenig und entscheiden später?" Ein undefinierbares Brummen antwortete ihr. „Malfoy?" Vorsichtig streckte sie ihre Hand aus und rüttelte an seinem Oberarm. Schläfrig öffnete der Blonde ein Auge und sah sie an. „Geh hoch ins Bett. Ich habe auf der Autofahrt geschlafen", schlug sie sanft vor. Normalerweise hätte Draco nun argumentiert, dass die Couch vollkommen in Ordnung wäre und das er nicht noch weiter in ihren persönlichen Raum vordringen wollte, doch er war einfach zu müde. Mit halb geschlossenen Augen erhob er sich und schluffte an den beiden tollenden Welpen vorbei zur Wendetreppe. Hermione verfolgte seine Schritte mit einem amüsierten Gesichtsausdruck. Sie konnte ihm einfach nicht mehr böse sein nachdem sie die beiden Welpen auf ihrem Teppich hatte spielen sehen. So sehr sie es wollte, sie konnte es einfach nicht. Leise erhob sie sich von der Couch und animierte die zwei Hunde ihr zu folgen. Darauf bedacht Draco nicht zu stören schloss sie die Wohnzimmertür und lief zu ihrem Arbeitszimmer. Wollte sie doch mal sehen, ob sie nicht im Internet Informationen über ihre neuen Mitbewohner finden würde.
„Die hier?" Hermione hielt eine rosa Leine mit Herzchen hoch. Draco hob lediglich eine Augenbraue. Kommentarlos und ohne den Blickkontakt zu unterbrechen hob er seine Hand in der er feingearbeitete Lederleinen hielt. Kurz versuchte Hermione ernst zu bleiben und so zu tun, als fände sie diese schreckliche rosa Leine besser, ehe sie kicherte und nickte. Seit gut einer halben Stunde shoppten die beiden schon in diesem Stil und brachten die Verkäuferin damit an den Rand der Verzweiflung. Es war ein ruhiger Tag in ihrem kleinen Heimtierlädchen gewesen und sie hatte sich schon damit abgefunden heute nicht viel Umsatz zu machen, als dieser Adonis von Mann eingetreten war. Sie war so gefangen von seinem Anblick gewesen, dass sie im ersten Moment gar nicht verstanden hatte was er damit meinte als er sagte: „Alles was die Lady und ich aussuchen bitte auf meine Rechnung." Sie musste ausgesehen haben wie ein Fisch auf dem Trockenen als sie von seinem perfekten Gesicht zu seiner Kreditkarte und zurück geschaut hatte, ehe sie die Karte genommen und die Frau neben ihm bemerkt hatte. Ihre Tagträume waren wie eine Blase zerplatzt als sie die Ringe an den Fingern der beiden entdeckt hatte. Schnell war sie zu ihrem professionellen Gesicht gewechselt und versuchte nun auszumachen, was „die Lady" denn nun wirklich haben wollte und was nur spaß war. Die beiden schienen eine gedankliche Verbindung zu haben, denn er schien kein Problem damit zu haben zu dechiffrieren was sie nun wollte und was nicht. Halsbänder, Leinen, Langlaufleinen, Bürsten, Bälle, Quietschknochen, Seile, Geschirre fürs Auto, Körbchen, Decken, Futter, Leckerchen nebst allen Büchern die ihr Laden zum Thema Hund bieten konnte landeten in einem Wagen. Gebannt beobachtete die Besitzerin des Heimtiergeschäftes wie der Berg immer größer wurde und erschrak als der Mann sie ansprach. „Können sie die Beschläge auf den Halsbändern und Leinen gravieren?", fragte er und sah sie mit seinen grauen Augen an, sodass sie das Gefühl hatte er würde versuchen ihre Gedanken lesen zu wollen. Zögerlich nickte sie. „Gut. Bitte gravieren sie auf diese Leinen und Halsbänder Isis Malfoy und auf diese Osiris Malfoy", verlangte er und legte ihr alles passend hin. Gerade als er sich umdrehte und die Verkäuferin mit ihrer Arbeit beginnen wollte, hielt er noch einmal inne. „Ach und, setzten sie zwei Sets dieser rosa Leinen mit Herzchen mit auf die Rechnung. Die arme Frau nickte nur und wand sich ihrer Arbeit zu. Sie verstand dieses Pärchen einfach nicht. Das war ihr alles zu hoch.
Mit einem lauten Klacken schloss Hermione den Kofferraum von Dracos Sportwagen. Mit einem Seufzer sah sie hinauf in den Himmel. In etwas mehr als vierundzwanzig Stunden würde sie nicht mehr nur so tun als wäre sie eine Malfoy, sie würde es sein. Es war ein komisches Gefühl. Früher in der Schule hatte sie nur den Namen Malfoy hören müssen, um ihren Unmut aufwallen zu lassen und das Gemeinste zu erwarten. Nach dem Sieg war ihr der Name gleichgültig geworden. In jüngster Vergangenheit war er ihr Schutzschild geworden. Die Mauer, die sie vor ihrem alten Leben schützte und ihr den Heldentaumel ersparte. Er war ihr sicherer Hafen geworden. Ab morgen würde der Name die Wiedervereinigung ihrer Leben symbolisieren. Die Hexe Hermione Granger und die normale Muggelfrau Jean Malfoy würden vereinigt werden in Hermione Jean Malfoy, die beides sein würde. Die intelligenteste Hexe ihrer Generation und die sportliche junge Frau. Auch wenn sie weiterhin nicht dazu bereit war Magie zu verwenden, so wollte sie dennoch Draco helfen und war bereit wieder in Teile der magischen Welt zu gehen und ihr Wissen zu nutzen sowie zu erweitern. Sie würde sogar zulassen, dass Draco in ihrer Gegenwart Magie benutzte. Als Kind hatte sie geglaubt, dass Magie gut war, weiß wie die Reinheit. Dann hatte sie die dunklen Seiten der Magie im Krieg gesehen und musste sich eingestehen, dass Magie auch schwarz sein konnte. Nun war sie sich gewahr geworden, dass Magie grau war. Grau wie sie, grau wie vieles. Magie war nicht rein böse und gut. Es gab angehende dunkle Zauber, die richtig genutzt Gutes bewirken konnten und umgekehrt. Drei Jahre war sie von einem Teil ihrer Persönlichkeit geflohen, weil sie nicht damit umgehen konnte, dass es grau war. Sie hatte ihr Leben lang in schwarz und weiß gelebt und hatte erst durch Draco gelernt, dass grau sein in Ordnung war. Als sie an jenem Morgen zugestimmt hatte sich mit ihm zu treffen hatte sie es rein aus Neugierde getan. Neugierde, Verzweiflung, Furcht und Hoffnung. Hermione war schon immer neugierig gewesen. Die Verzweiflung war hingegen zusammen mit der Hoffnung der Hauptgrund ihrer Zusage gewesen. Sie mochte ihr neues Leben, aber sie verzweifelte irgendwo an sich selbst. Sie war einfach nicht mehr sie selbst gewesen. So war an die Antwort die Hoffnung gebunden gewesen etwas zu ändern. Sie wollte etwas Unnatürliches für ihr neues Leben machen um sich daran zu erinnern wer sie war und vielleicht eine Erkenntnis zu erlangen, die sie aus ihrer Verzweiflung zog. Die Furcht vor dem Erkannt werden und dem Ungewissen, war zwar da gewesen, aber eher klein im Vergleich zur Hoffnung.
Ein lautes Bellen holte sie aus ihren Gedanken. Automatisch sah sie neben sich Richtung Boden. Geduldig wartend saßen dort Osiris und Isis. Die weiße Hündin wedelte unablässig mit ihrem kurzen Schwanz über den Asphalt. Osiris hingegen legte den Kopf schief und musterte sein Frauchen aus seinen dunklen Augen. „Entschuldigt ihr beiden, ich war in Gedanken. Na los, fahren wir zu eurem Herrchen", sagte sie lächelnd und öffnete die Fahrertür des Sportwagens. Brav hopsten die zwei zehn Wochen alten Welpen mit Hermiones Hilfe auf den Rücksitz. Gewissenhaft schnallte Hermione die beiden Hunde mit ihren Geschirren an, ehe sie den Sitz wieder zurück klappte und sich auf den Fahrersitz fallen ließ. Mit einem letzten Blick in den Rückspiegel vergewisserte sie sich, dass Osiris und Isis ruhig saßen und fest angeschnallt waren. Auf dem Beifahrersitz hatte sein ein Care Paket für die Fahrt, die höllisch lange Autofahrt nach Wiltshire. Aber gut, eine andere Möglichkeit hatte es nicht gegeben. Im Zug waren keine Tiere erlaubt und Fliegen wäre einfach zu umständlich gewesen. Gut das Draco anscheinend mehrere Autos besaß und ihr den Sportwagen damals da gelassen hatte. Noch einmal nickte sich Hermione selbst zu, ehe sie den Motor startete und losfuhr.
Mit einem leisen Pop erschien Draco vor den Toren seines Manors. Mit einem gebieterischen Schwung seiner Hand schwang ein Flügel des Tores auf. Er tat nicht mehr als einen Schritt nach vorne ehe er sich duckte und entlang der alles umgebenden Mauer nach rechts schlich, darauf bedacht immer außer Sichtweite des Manors zu bleiben. Nicht auszudenken, wenn seine Mutter ihn hier erwischen würde. Er war gerade erst ein paar Schritte weit gekommen, als die Tore erneut aufschwangen und Pansy eintrat. Hektisch kauerte sich der Malfoy Erbe neben einem Buchsbaumbusch zusammen. Die junge Hexe schritt galant die Zufahrt hinauf zur Eingangspforte. Draco wartete mit nahezu angehaltenem Atem, ehe er weiter huschte. Hinter dem Rücken seiner Mutter hatte er eine alte Stallung neben dem Manor zu einer Garage umgebaut und dort seine neuen Schätze versteckt. Jetzt hieß es nur gleich seinen Kombi aus der Garage holen und ungesehen die Zufahrt hinter sich bringen. Als er letztens ein Auto vom Manor hatte holen müssen, war seine Mutter bereits Schlafen gewesen. Das Schlafzimmer seiner Mutter lag weit entfernt im Ostflügel des Manors, welcher weit auf die Ländereien hinter dem Manor herausragte. Jetzt war es jedoch helllichter Tag und seine Mutter würde sich ohne Besuch wahrscheinlich im Greenroom in der zweiten Etage des Mittelteils des Hauses aufhalten um irgendetwas zu planen oder zu lesen. Mit Besuch würde sie bei dem schönen Wetter wahrscheinlich im Rosengarten sitzen. Von dort aus würde sie das Auto maximal hören können, aber wozu gab es denn Stillezauber. Mit einem leisen Klicken schloss Draco die Seitentür zur Garage. Ordentlich standen dort mehrere Autos. Eigentlich hatte er seinen Kombi nehmen wollen, doch wo er so in der Garage stand viel sein Blick auf seinen schwarzen Mercedes ML. Der Wagen war brandneu und er hatte noch keine Möglichkeit gehabt ihn wirklich zu fahren. Kurz entschlossen griff er den entsprechenden Schlüssel und ein paar Zauber später war er bereits auf dem Weg.
Hermione stellte mit einem tiefen Seufzer das Auto auf dem kleinen Parkplatz irgendwo in der Nähe des Manors ab. Ein Blick auf ihre Armbanduhr verriet ihr, dass sie noch gut zwanzig Minuten Zeit hatte ehe Draco kommen würde. Sie war nur froh, dass er von hier an weiterfahren würde. Ihre Sonnenbrille justierend stieg die junge Frau aus und streckte sich. Ein anklagendes Bellen klang aus dem Wageninneren zu ihr und Hermione grinste. „Ja, ich lasse euch ja jetzt raus", erwiderte sie und griff in die Fahrertür nach den Leinen. Rosa Leinen mit roten Herzchen. Kopfschüttelnd leinte die Hexe die Hundewelpen an und ließ sie aus dem Wagen. Was Draco sich bei diesem Kauf gedacht hatte konnte sie sich einfach nicht erklären. Nach dem Einkauf im Laden waren sie damals zu einem Park gefahren, wo sie mit den Kleinen zum ersten Mal Gassi gegangen waren. Dort hatte er die ganz normalen Leinen gehabt, doch daheim hatte er ihr diese rosa Dinger in den Wandschrank gehangen. Leider hatte sie das erst nach seiner Abreise am Abend bemerkt. Er war nach dem kleinen Nickerchen am Morgen und dem Shoppingtrip doch noch direkt nach England gefahren. Warum wusste sie nicht. Seit dem hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Klar hatte sie in den vergangenen zwei Wochen telefoniert und sich SMS geschrieben, allerdings hauptsächlich wegen der Hundewelpen. Osiris und Isis waren Rabauken wie sie im Buche standen. Nichts war vor den Welpen sicher. Nicht mal Deimos, Dracos Sakerfalke. Der arme Kerl war wie immer in ihr Wohnzimmer geflogen, um Hermione die Stammbäume der Malfoys zu bringen die Draco aus dem Manor gestohlen hatte, nur um von den Welpen gejagt zu werden. Das laute Gebelle und das Gekreische von Deimos hatten die junge Hexe aus der Dusche geholt und es war ein heilloses durcheinander im Wohnzimmer gewesen. Die Welpen waren unbeholfen über die Couch gesprungen und hatten Kissen runter gerissen, die Vase auf dem Esstisch war heruntergefallen und überall lagen Federn von Deimos. Sie hatten den Falken schlussendlich auf ihrem Kleiderschrank entdeckt und die beiden Unsäglichen waren an der Treppe gescheitert. Ein Lächeln schlich sich auf Hermiones Züge als sie an den Vorfall dachte. Gott hatte sie Draco am Telefon zusammengeschrien. Er hätte sie warnen müssen, dass Deimos kam und so weiter. Der junge Quidditchspieler hatte gar nicht gewusst wie ihm geschah, da er extra sein Training unterbrochen und sich im Klo eingeschlossen hatte um ihren Anruf anzunehmen. Zu allem Überfluss war auch noch einer seiner Spieler ins Bad gekommen um die unverhoffte Pause zu nutzen und hatte dumm gefragt was los sei, da Draco so vor sich hin gemurmelt hatte.
Hermione sah ihre Welpen an, welche eifrig durch das hohe Gras am Parkplatzrand liefen und schnüffelten. Ja, die beiden sorgten schon für ganz schöne Aufregung. Nicht einmal mehr backen konnte Hermione ohne Sicherheitsmaßnahmen. Das letzte Mal war ihr Mehl in der gesamten Wohnung verteilt gewesen, durch einen nicht mehr blauen sondern dann weißen Osiris. Anscheinend hatte er sich seiner Schwester anpassen wollen. Ein weiteres Problem war aufgekommen, als die junge Hexe von einem anstrengenden Trainingstag nach Hause kam und feststellen musste, dass ihren neuen Zöglingen langweilig geworden war und sie sich entschieden hatten an den Teppichen zu kauen und um zu dekorieren, was zu einem erneuten Anruf bei Draco geführt hatte. Dieser hatte ihr daraufhin nicht nur die Teppiche ersetzt sondern auch Gitter besorgt. Seit dem musste Hermione immer bevor sie das Haus verließ einen überdimensionierten Laufstall errichten, der sich zwischen der Couch bis zum Esstisch ausbreitete und damit gute 20qm beinhaltete. Es gab noch einen extra Boden der unter den Gittern verlegt wurde und in diesen Laufstall warf sie dann immer alles was die Hunde brauchten während sie weg war. Spielzeug, Futter und Wasser, sowie mehrere Decken und Körbchen. Zudem kam Draco an jedem seiner Trainingsfreien Tage vorbei, selbst wenn er nur wenige Stunden bleiben konnte um mit den Kleinen zu spielen, während sie alle Tage verkürzt hatte an denen er nicht kommen konnte. So sahen die beiden sich zwar nie, aber die Welpen waren bestens versorgt. „Granger?", sagte eine Stimme recht nah bei ihr und die junge Hexe schreckte zusammen. Sie war so in ihren Erinnerungen an die letzten Wochen gefangen gewesen, dass sie überhaupt nicht mitbekommen hatte, das Draco angekommen war. Er stand direkt hinter ihr. „Da bist du ja", begrüßte sie ihn und die beiden Fellbälle sprangen auch sofort auf ihr Herrchen zu. Er schenkte ihr ein kurzes Lächeln ehe er in die Hocke ging. „Na ihr beiden? Wart ihr schön brav zu eurer Mama? Habt ihr den Teppich ganz gelassen?", sprach er zu den Dobermännern und kraulte sie. In diesem Ton ging es noch ein paar Minuten weiter, bevor er sich wieder aufrichtete und nun seine Aufmerksamkeit seiner Braut zu wand. „Wie war die Fahrt?", fragte er und musterte die junge Frau. Sie sah müde aus, noch dünner als er sie in Erinnerung hatte. „Gut, erstaunlich gut. Diesmal haben die gar nicht wirklich auf die Papiere von Osiris und Isis geschaut", erwiderte sie und verschränkte unbewusst die Arme vor der Brust. Ihre freie Hand strich langsam über ihren nackten Arm, als wäre ihr kalt an diesem doch recht warmen Frühlingstag. Draco beobachtete sie und zog leicht eine Augenbraue hoch. „Alles in Ordnung, Granger?", fragte er vorsichtig. Augenblicklich ließ die junge Frau ihre Arme sinken, zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht und nickte. „Ja, alles bestens. Können wir? Ich möchte pünktlich zum Dinner in Falmouth sein", antwortete sie und zupfte an den Leinen der Hunde um anzuzeigen, dass es wieder zum Auto zurück ging. Der junge Zauberer blieb noch einen Moment stehen und sah ihr zu wie sie zum Auto ging und anfing das Gepäck von ihrem Sportwagen in seinen Geländewagen umzuladen. Irgendetwas lag in der Luft, das spürte er. Was es war wusste er nicht, aber er würde es herausfinden. Langsam machte er sich auf den Weg zu ihr und begann ihr zu helfen. Sie schwieg die ganze Zeit, auch als sie bereits auf halben Weg nach Falmouth waren hatte sie noch nichts zu ihm gesagt. Ab und an sah er zu ihr rüber um sicher zu gehen, dass sie noch wach war, und sie war es. Die junge Frau hingegen beachtete ihn nicht. Den Blick starr aus dem Seitenfenster gerichtet hing sie ihren Gedanken nach. Mama. Er hatte sie Mama genannt, als er mit den Welpen gesprochen hatte. Sie hatte auch eine Mutter. Eine Mutter, die nichts von ihr wusste und das war ihre Schuld. Den Gedächniszauber hätte sie schon längst aufheben können. Geld und Zeit waren keine Ausrede dafür, dass sie in den letzten Jahren nicht nach Australien geflogen war, denn davon hatte sie wahrlich genug. Ihre Angst vor ihrer Vergangenheit hatte sie aufgehalten. Ihre Angst, die sie mit ihrer Hochzeit besiegen würde – so hoffte sie zumindest. Einer Hochzeit ohne ihre Eltern. Alles wegen Angst. Angst die ihr Leben diktierte. „Granger, wenn du mir nicht sofort sagst was los ist, setze ich dich hier auf dem Parkplatz aus", drang die angesäuerte Stimme ihres Verlobten zu ihr durch. Erschrocken fuhr sie zusammen und bemerkte jetzt erst, dass sie angehalten hatten. Draco saß auch nicht neben ihr, sondern stand an der Fahrertür mit den Welpen an der Leine, welche ihr Frauchen erwartungsvoll mit wedelnden Schwänzen ansahen. Langsam schüttelte sie den Kopf und sah ihrem Schulfeind in die Augen. „Erinnerungen, nichts weiter", sagte sie beinahe schon monoton, aber bestimmt. Zweifelnd sah der Blonde zu während sie sich abschnallte und aus dem Wagen stieg. „Wirklich, ich war nur in Gedanken. Lass uns ein paar Schritte gehen und etwas Trinken", versicherte sie ihm und versuchte seine Gedanken auf etwas anderes zu lenken. Ihr Partner nickte und reichte ihr Isis Leine. Die kleine weiße Hündin hopste, begeistert aus dem Auto zu sein, unentwegt herum. Schweigend lief das Paar ein paar Schritte. „Hast du bedenken wegen morgen?", fragte Draco zögerlich und beobachtete Osiris der mit großem Interesse eine Pusteblume beschnüffelte. „Nein, wirklich nicht. Ich war vorhin wirklich nur in Erinnerungen gefangen. Nichts weiter. Mach dir keine Gedanken, Draco", erwiderte Hermione und zupfte Isis von einer Schlammpütze weg, ehe das Energiebündel hineinspringen konnte. „Wirklich?" „Wirklich."
