Viel Spaß beim Lesen dieses Kapitels.

9. Kapitel: Nächtliche Besuche

Es war zwei Uhr nachts, als es an der Tür zu Severus Snapes Privaträumen klopfte. Zuerst ganz leise und dann, als Severus schon glaubte sich verhört zu haben etwas lauter. Verwundert, wer ihn um diese Uhrzeit noch aufsuchen sollte, ging er zur Tür und öffnete sie. Noch seltsamer wurde ihm zu Mute, als er niemanden in dem dunklen Kerkergang erkennen konnte.

Müde rieb er sich die Augen //Ist wohl doch schon etwas spät!//, schloss die Tür wieder und beinahe setzte im nächsten Augenblick sein Herz aus, als er von zwei unschuldig dreinblickenden Gesichtern, die frei in der Luft zu schweben schienen, angeschaut wurde. Entsetzt machte er einen Satz nach hinten und stieß sich dabei den Ellebogen am Türrahmen, dabei ließ er es sich nicht nehmen sein Gesicht schmerzhaft zu verziehen. (( jeder weiß ja, wie weh das tun kann)) Die beiden Gestalten fühlten sich nun doch etwas schuldig und sahen Severus um Verzeihung heischend an.

„Könntet ihr mir sagen, was, beim Barte Merlins, ihr hier macht, und dann auch noch um zwei Uhr nachts, wo ihr doch in euren Schlafsälen sein solltet? Harry? Draco?"

„Wir haben dich vermisst, Onkel Severus!"

Draco machte ein Gesicht, das gar keinen anderen Schluss zuließ. Harry hatte wenigstens noch den Anstand, betroffen auszusehen, Severus um diese Zeit noch zu behelligen.

„Ja, ja. Und nenn mich nicht Onkel, da fühl ich mich immer älter, als ich in Wahrheit bin."

Grummelte Severus in seinen nichtvorhandenen Bart.

„Setzt euch wenigstens irgendwo hin. Hat euch auch keiner gesehen? Mich würde nicht wundern, wenn diese neue Lehrerin hier herumschleichen würde."

„Das ist eine seltsame Frau, nicht wahr? Sie erschien schon beim Fest so merkwürdig. Was hältst du von dem Lied des Hutes, Sev?"

Harry, der das Sofa in Beschlag genommen hatte, blickte nun fragend zu Severus herüber, der sich ein Glas Feuerwhiskey eingegossen hatte und sich nun wieder zu den zwei Nachtschwärmern gesellte. Ohne viel zu überlegen setzte er sich zu Harry auf das Sofa.

„Nun, die Worte waren ja relativ klar, und auch die Warnung lässt sich nicht viel anders deuten, als als das, was sie ist, nämlich eine Warnung. Was ich nun davon halte? Fragt mich was Leichteres. Ihr hättet vorhin Dumbledore bei unserem Treffen danach sehen sollen. Er hatte nicht den leisesten Schimmer, was er damit anfangen sollte, und das will schon was heißen.

Aber eine ganz andere Sache. Harry, dein Freund Ron scheint bei deiner Hauslehrerin geplaudert zu haben. Meinte wohl, du seiest von irgendeinem dunklen Zauber besessen. Geh mit ihm lieber vorsichtig um."

„Warum glaubt jeder, ich sei nicht mehr richtig im Kopf? Na gut, ich habe einen Schwarzen Mann, der hinter mir her ist und habe gerade zwei der abscheulichsten Slytherins als Freunden gefunden, aber sonst bin ich doch normal, oder?"

Harry versuchte sich selbst in bessere Stimmung zu bringen. Das gerade Ron zum Verräter an seinem Freund werden sollte, dass wollte ihm nicht in den Kopf hinein. Na klar war Ron neidisch auf ihn gewesen, im letzten Jahr hatte sich das ja nur zu deutlich gezeigt, aber hatte sie diese Streitigkeiten nicht begraben?

„Haha," bemerkte Severus trocken. „Dumbledore versucht außerdem noch heraus zu bekommen, wo du den Sommer über warst. Anscheinend haben einige der Mitglieder des Ordens nachgeschaut, was du so treibst, und als sie dich nicht gefunden haben, wurde Albus alarmiert."

„Orden?"

Harry hatte noch nie etwas von einem Orden gehört, dem der Schulleiter angehörte.

„Hatte ich vergessen das zu erwähnen? Der ‚Orden des Phönix'. Wenn du so willst, dann auch Dumbledores kleine Privatarmee. Der Orden hat schon im ersten Krieg existiert. Vorrangig um Todesser zu eliminieren und den Dunklen Lord zu besiegen. Nach dem der Lord im letzten Jahr . . . zurückgekehrt ist, wurde der Orden wieder zusammengerufen. Alle Hauslehrer sind Mitglieder, die Weasley Seniors, Moody, einige andere, die euch nicht bekannt sein dürften und auch Remus und dein . . . Pate."

Das letzte Wort stieß Severus mit solchem Hass aus, dass es Harry schon fast mit der Angst bekam. Er wusste warum Severus Sirius so sehr hasste. Er hatte es ihm während der Ferien erzählt, als Harry nicht locker lassen wollte. Was er erfahren hatte, hatte seine Verehrung für seinen Paten deutlich gedämpft, um nicht zu sagen, er war enttäuscht von Sirius Niederträchtigkeit.

Auch hatte er bisher nichts mehr von Sirius gehört. Seit er diesen unfreundlichen Brief von ihm erhalten hatte, zu Beginn der Ferien, als er die Veränderungen an sich bemerkte, war kein einziger Brief von seinem Paten bei ihm angekommen. Nicht das er ein paar nette Worte für ihn übrig gehabt hätte, aber er wollte immerhin die Chance haben und ihn zu beschimpfen.

Um vom Thema abzulenken, da er wusste, wie ungern Severus von Harrys Paten sprach, und welchen Hass ihn bei diesen Gelegenheiten, sollten sie dann doch auftreten, durchfuhr, sprach Draco das an, was ihm schon seit einiger Zeit im Kopf herum geisterte.

„Was sollen wir eigentlich mit den anderen ‚Erben' machen. Ich meine jetzt kommen auch noch drei Weasleys dazu. Sollen wir ihnen sagen was wir wissen?"

„Nein, wir warten erst einmal ab. Zusammen sind wir jetzt zu sechst. Das heißt, nach dem was ich gelesen habe, sind jetzt genau die Hälfte der ‚Erben' versammelt. Wir warten noch. Vielleicht werden es noch mehr."

Severus klang so bestimmt, dass keiner der beiden Schüler widersprechen wollte. Alle drei wurden von einem lauten Klopfen an der Tür aus ihren Gedanken gerissen. Panisch sprang Severus auf und scheuchte sie auf eine Tür zu, wobei sich herausstellte, dass sie zum Schlafzimmer des Zaubertrankmeisters führte. Dort angekommen setzten sie sich auf das große Himmelbett, welches in dunklen Blau bezogen war und warteten still, auf das was geschehen würde.

Severus war unterdessen an die Tür herangetreten, die zum Kerkergang hinaus führte und wartete einen kurzen Augenblick, ehe er sie öffnete. Davor stand niemand anderes als die neue Lehrerin in Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Als sie ihn erblickte ‚hmmm'te sie vor sich hin. Severus der schon von ihrem Anblick genervt war, verdrehte die Augen.

„War irgendetwas?"

„Ich dächte, ich hätte irgendetwas gehört."

„Das ist ja schön für sie, und was betriff das nun mich?"

„Ich dächte, ich hätte irgendetwas aus ihren Räumen gehört."

Krampfhaft versuchte sich Severus daran zu erinnern, ob er schon zu Beginn des Schuljahres neue Schweigezauber über seine Räume gelegt hatte. Anscheinend war das nicht der Fall.

„Es sind ja schließlich meine Privaträume, in denen ich mich aufhalte und in denen ich so viel Lärm machen kann, wie ich will, oder etwa nicht?"

Ohne ein weiteres Wort zu verschwenden, schlug er ihr die Tür vor der Nase zu. Was fiel diese Frau eigentlich ein???

Nach kurzer Zeit, um sicher zu gehen, dass diese Frau nicht mehr vor seiner Tür stand, schaute er noch einmal hinaus, ehe er zu Harry und Draco zurück ins Schlafzimmer sing. Draco blickte ihm fragend entgegen. Harry war eingeschlafen.

Um ihn nicht zu wecken, schlichen sie zurück ins Wohnzimmer und setzten sich noch kurz an den Kamin. Beide waren sie augenblicklich in Gedanken versunken.

„Harry ist etwas besonderes, nicht wahr?"

Severus zuckte beim Klang von Dracos Stimme zusammen und war irritiert von dessen Frage.

„Du hast ihn gehasst vorher und doch hat es nicht einmal mehrere Wochen gebraucht, um euch zusammen zu schweißen. Wenn ich euch beiden beobachte, ist es wie als würdet nur ihr beiden zusammen ein Ganzes ergeben, komisch nicht?"

Severus wusste nicht worauf Draco hinauswollte und blieb deswegen stumm. Natürlich war Harry etwas besonderes, dass brauchte man ihm nicht erst zu sagen. Er hatte es gespürt, schon als ihm Harry buchstäblich in die Arme gefallen war, als er ihn aus dem Haus seiner Verwandten geholt hatte. In diesem Augenblick war ihm einfach klar geworden, dass Harry nicht das verwöhnte Kind gewesen war, für das er ihn immerzu gehalten hatte.

Harry war nicht wie James. Auch wenn er ihm einst so ähnlich gesehen hatte, so war dennoch sein Wesen anders.

Draco beobachtete den Wechsel der Emotionen in Severus' Gesicht. Auch wenn es die beiden, Harry und Severus, noch nicht bemerkt hatten, oder es sich noch nicht wahr haben wollten, so würden sie früher oder später erkennen, dass sie zusammen gehörten. Draco war sich da vollkommen sich. Es würde dauern, ihm klar war, dass Severus nicht gegen seine Überzeugung handeln würde. Harry war noch lange nicht volljährig und Severus würde nie vorher eine Beziehung mit ihm anfangen, aber die Aussichten für die beiden standen sehr gut.

In sich hinein lächelnd stand Draco auf und machte sich auf den Weg zum Gemeinschaftsraum der Slytherins. Kurz davor fiel ihm eine schluchzende Hermine Granger in die Arme.

oOOOo

Zuvor im Gryffindor Gemeinschaftsraum . . .

„ . . . und ich sage dir, Hermine, Harry muss übergeschnappt sein, sich mit diesem miesen Frettchen abzugeben."

Bis auf Ron und Hermine war niemand mehr im Gemeinschaftsraum der Gryffindors anzutreffen. Es lagen schon mehrere Stunden hinter Mitternacht und Ron hatte sich immer noch nicht von Hermine beruhigen lassen können. Er lief aufgebracht vor dem Kamin hin und her und trieb Hermine damit beinahe zur Weißglut.

„Ron! Harry ist vollkommen in Ordnung. Es ist doch gut, wenn er sich endlich mit Draco Malfoy versteht. Ich habe es satt mich ständig mit ihm über irgendwelche Kleinlichkeiten zu streiten."

„Kleinlichkeiten?! Hermine . . . vielleicht erinnerst du dich, Malfoy hat dich Schlammblut genannt, und das bestimmt nicht nur einmal. Mich hat er immer aufgrund der finanziellen Lage meiner Familie runter gemacht, als wäre die irgendwie wichtig. Und das nennst du Kleinlichkeiten???"

„Nun hör aber auf Ron! Wenn er uns jetzt seine Freundschaft anbietet, dann sollten wir sie annehmen. Draco hat sich geändert."

„Menschen wie Malfoy ändern sich nie! Glaub doch den Schwachsinn nicht, den Harry und sein neuer Freund dir erzählen. Malfoys kann man nicht trauen. Spätestens dann, wenn du ihnen den Rücken zudreht, verraten sie dich an Du-weist-schon-wen. Glaub mir, nicht anders wird es kommen."

„Warum vertraust du Harry denn nicht in seinem Urteil? Wenn er der Meinung ist, in Draco einen Freund, der seiner würdig ist gefunden zu haben, dann sollten wir das doch unterstützen."

Hermine war jetzt aufgestanden, um Ron endlich zu stehen zu bringen. Sie konnte nicht verstehen, warum er so außer sich war.

„So, so, der sich seiner würdig erwiesen hat? Muss man sich Prinz Harry also würdig erweißen? Du glaubst doch nicht wirklich, dass Harry jetzt, da er mit Malfoy abhenkt, mit uns noch etwas zu tun haben will? Er wird genauso ein Snob werden und genauso auf uns herabsehen. Das nötige Kleingeld hat er doch schon dazu."

„Sag mir jetzt bloß nicht, dass du hier die ganze Show abziehst, weil du neidisch auf Harry bist?! Wir bleiben doch dennoch seine Freunde, wir gehören zu ihm . . ."

Ron verlor nun endgültig die Beherrschung. Er griff nach Hermines Schultern und drückte sie an die nächstbeste Wand.

„Wir gehören zu Harry? Wir gehören Harry? Nein, Hermine, nein."

Rons Stimme war ganz ruhig geworden, aber das machte Hermine noch mehr angst, als sie wegen Rons Ausbruch sowieso schon hatte. Es machte ihr nicht nur angst, es machte sie panisch. Wild blickte sie sich um und versuchte von Ron loszukommen, aber er schien stärker zu sein, als sie bisher geglaubt hatte.

„Wir gehören nicht zu Harry. Schon lange nicht mehr. Ich nicht und du auch nicht. Du gehörst nicht zu ihm, du gehörst zu mir. Du gehörst mir!"

Er versuchte sie auf den Mund zu küssen, aber Hermine wehrte sich gegen ihn.

„Nimm deine Pfoten von mir! Du bist ja verrückt geworden! Lass mich los!"

Gewaltsam riss sich Hermine von ihm los und versuchte sich in ihren Schlafsaal zu retten, aber Ron war schneller. Sie versuchte an ihm vorbei zu kommen, doch er schlug nach ihr, was sie zurücktaumeln ließ. Unglücklicherweise stolperte Hermine herumliegendes Buch, fiel nach hinten und schlug sich den Kopf an der Wand hinter ihr auf.

//Ich muss weg, einfach nur weg hier!//, waren die einzigen Gedanken, die Hermine in diesem Moment noch denken konnte. Benommen rappelte sie sich auf und lief schwankend aus dem Gemeinschaftsraum, ohne zu wissen, wohin. Hinter sich hörte sie Ron noch rufen, dass sie ruhig zu Draco rennen und sich bei ihm ausheulen sollte.

Ihre Beine trugen sie zu keinem bestimmten Ziel, aber als sie durch ihre Tränen aufblickte, sah sie Draco plötzlich vor ihr stehen. Heulens warf sie sich in seine Arme.

oOOOo

Nun klopfte es schon zum dritten Mal in kurzer Zeit in dieser Nacht an seine Tür. Langsam bekam Severus schlechte Laune. Wer immer ihn jetzt noch stören sollte, würde es mit dem Leben büßen. Wüten riss er die Tür auf und wollte die Person, die davor stand schon anfahren, als er Draco mit einer am Boden zerstörten Hermine vor sich stehen sah. Augenblicklich war er hellwach.

„Was zum Teufel . . ."

Draco zuckte nur mit den schultern, führte Hermine in Severus' Wohnzimmer und legte sie auf das Sofa. Inzwischen war Harry, der im Bett seines Lehrers geschlafen hatte, aufgewacht und kam ebenfalls zu den Anwesenden hinzu. Sofort war er Hermines Seite.

„Hermine, was ist los? Du blutest ja am Kopf! Wer hat dir das angetan?"

Schluchzend berichtete Hermine, was vorgefallen war. Harry konnte es nicht fassen.

„Du sagst, Ron war das?"

Hermine nickte nur. Harrys Gesicht verdunkelte, als ihn die blanke Wut packte. Er sprang auf und wollte aus Severus Wohnräumen stürzen.

„Dafür wird es büßen! Ich bringe ihn um. Ich bring ihn um!"

Noch ehe Draco und Hermine überhaupt reagieren konnten, hatte Severus seinen Zauberstab gezückt.

„Stupor!"

Ehe er etwas dummes tun konnte, fiel Harry betäubt um. Bevor er auf den Boden aufschlug, fing Severus Harry auf und hob ihn hoch.

„Wir gehen in den Krankenflügel. Draco, nimm du Ms. Granger und ich kümmere mich um Harry."

TBC...

A/N: Ich hoffe es hat euch gefallen. Ich musste Ron einfach etwas daneben darstellen. Ich mag ihn nämlich überhaupt nicht. Bitte schreibt mir auch weiterhin Kommis. Danke.

A/N: Ich suche unbedingt einen Beta für das nächste Kapitel meiner Story „Against the Wall", das schon seit Ewigkeiten auf meinem Computer rumdümpelt. Bitte jemand, der schon mal beta-gelesen hat. Danke.

A/N: Auch vielen, vielen Dank an alle, die mir immer Kommis hinterlassen. :)