Kapitel 10: Die Zeit vergeht...
Edward:
Wir waren jetzt schon seit vier Wochen zu Hause in Forks. Unsere Umzugsvorbereitungen liefen auf Hochtouren. Es war gar nicht schwer gewesen, unsere Eltern zu überzeugen, denn sie vermissten Emmet genauso wie wir. Und Carlisle konnte auch nicht länger als Richter in Port Angeles arbeiten. Die Leute wunderten sich sicher schon, dass er nicht einen Tag älter aussah als vor vier Jahren, als er die Stelle als Jugendrichter annahm.
Wir hatten ein wunderschönes großes Haus gefunden, und die Lage war einfach perfekt. Es war auf der anderen Seite des Waldes, bei dem auch Tanya wohnte. Also eigentlich war es jetzt genau so, dass Marie´s Haus zwischen unseren Häusern stand. Das Schicksal meinte es wirklich gut mit mir.
Immer wenn ich an Marie dachte, kribbelte es so seltsam in meinem Bauch. Es war ein so neues und unbekanntes Gefühl für mich. Aber ich fühlte mich gut. Sie war, glaube ich, das, wonach ich in der ganzen Zeit gesucht hatte.
Ich sehnte den Tag entgegen, wenn wir endlich wieder in Alaska wären. Zwei Mal hatte ich versucht, Marie anzurufen. Alice hatte ja ihre Nummer. Die beiden standen in ständigem Telefonkontakt. Hier hatte sich so etwas wie eine richtige Freundschaft entwickelt. Aber jedes Mal, wenn ich ihre bezaubernde Stimme hörte, brachte ich kein Wort heraus. Ich fühlte mich wie so ein kleiner Schuljunge. Schnell hatte ich dann wieder aufgelegt.
Da ich einfach zu feige war, mit ihr zu sprechen, liess ich ihr über Alice immer wieder liebe Grüße ausrichten. Und wenn ich Alice´s Andeutungen richtig verstand, freute sich Marie immer darüber. Manchmal konnte ich es mir nicht verkneifen und belauschte die Telefonate der beiden. Aber, als ob sie es merken würden, sprachen sie nie über mich. Dafür erfuhr ich aber, dass sich Marie schon sehr gut eingelebt hatte. Sie hatte einige neue Freunde gefunden, spielte immer noch täglich mit Emmet Fußball und war schon zwei Mal mit Tanya shoppen.
Die ersten Tage, als wir wieder zu Hause waren, war irgendwie komisch für mich. Mir fehlte etwas. Ich hatte das Gefühl, ich hatte etwas zurück gelassen. Alice half mir dann irgendwann auf die Sprünge, dass man das Verliebtsein nennt. Und wie Alice halt war, posaunte sie es durch das ganze Haus. Zwangsläufig bekamen es natürlich meine Eltern mit, und ich musste Rede und Antwort stehen. An das Gespräch kann ich mich leider nur zu gut erinnern.
„Edward, wer ist sie?" fragte mich Carlisle neugierig.
„Sie ist das tollste Wesen, das ich je getroffen habe. Sie ist wunderschön, auch wenn ich persönlich finde, dass ihr blond nicht steht. Sie riecht unglaublich gut. Ihr Lachen läßt mein Herz hüpfen. Wenn sie weint, fühle ich mich so schlecht. In ihrer Nähe habe ich das Gefühl, vollkommen zu sein. Sie ist eine Kämpferin und spielt verdammt gut Fußball." Das Lachen meiner Eltern unterbrach mich in meiner Rede. „Aha, sie spielt also Fußball. Na, kein Wunder, dass du dein Herz an sie verloren hast", meinte Esme. Aber sie sahen mir wohl an, dass ich irgendwas wichtiges noch nicht gesagt hatte. Unsicher schaute ich die beiden an. Carlisle schaute mich aufmunternd an und sagte: „Los, raus mit der Sprache, irgendwas verschweigst du uns noch!"
Ich holte nochmals tief Luft. Es war zwar unnötig, da wir ja nicht atmen mussten, aber es verschaffte mir ein bisschen Zeit. Wie sollte ich es ihnen nur sagen? Scheinbar interessiert musterte ich die Maserung unseres Küchentisches.
„Nun ja, also, es ist so....sie ist keine von uns. Sie ist....ein Mensch!" stotterte ich vor mir her. Ich stotterte? Wie konnte mich ein Mädchen nur so unsicher werden lassen? Meine Gefühle hatten mich eindeutig im Griff. Ich wollte, dass meine Eltern sie mögen und sie akzeptierten, so etwas war noch nie vorgekommen. Und dann war eine Stille im Raum. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können.
Unsicher blickte ich vom Tisch auf in die Gesichter meiner Eltern, und was ich sah, liess mich erstarren. Sie waren schockiert, entsetzt, ungläubig. Ich wusste nicht, wie ich diesen Blick deuten sollte.
„Edward....." hörte ich Carlisle in ruhigem Ton sagen, „sie ist ein Mensch. Du weißt, dass du eine Gefahr für sie bist. Auch wenn wir gegen Menschenblut immun sind, kann es dennoch passieren, dass irgendwann das Monster in uns durchbricht. Du könntest sie verletzen, sogar töten. Wenn du dich nur eine Milisekunde nicht unter Kontrolle hast, könnte sie sterben. Ich gehe mal nicht davon aus, dass sie weiß, was wir sind. Wie willst du ihr es erklären? Sie wird es merken, je näher du sie an dich heran läßt. Bist du dir sicher, dass du diese ganzen Risiken auf dich nehmen willst?"
Ich hatte gehofft, sie würden sich mit mir freuen. Aber sie hatten Recht. Wir waren gefährlich. Aber ich brauchte sie. Sie machte mich vollständig, glücklich und gab mir das Gefühl, was besonderes zu sein. Sie war einfach mein Leben.
„Sie ist mein Leben!" war meine einzige Antwort darauf. Ich hielt dem Blick meiner Eltern stand. Sie sollten sehen, wie Ernst es mir war. Für dieses Mädchen würde ich alles tun.
Esme´s Blick ruhte liebevoll auf mir: „Schatz, wenn sie das ist, was du immer gesucht hast, dann akzeptieren wir das. Sie ist jederzeit bei uns willkommen. Wir werden deinem Glück sicher nicht im Wege stehen."
Ich konnte nicht anders, ich musste sie umarmen. Ich hatte den Segen meiner Eltern. Jetzt musste ich nur noch Marie davon überzeugen, dass ich sie liebte. Auf nach Alaska, dachte ich übermütig.
