Kapitel 10, Oya

Ort: Ardossystem,

Oberfläche Trümmerplanet Varl

Zeit: 6. Imperiales Standardjahr

„Lasst uns einfach die Überreste zusammen kehren, den Sack zuschnüren, dem Jedi in die Hand drücken, und unsere Credits kassieren. Unser Auftrag ist erledigt. Was geht es uns an, welche Spielchen das Imperium oder Vader mit diesen Rebellen treiben?", schlug Broos nüchtern vor. „Nicht ganz", antwortete Sul.

„Ein Corellianer fehlt allerdings. Und den Gesprächen der zurückgebliebenen Wachmannschaft konnte ich entnehmen, dass es wohl mindestens zwei Hochsicherheitstransporte in den letzten Tagen von hier zum Sternenzerstörer gab. Die Frage ist also, was haben die Imps hier ausgebuddelt?", warf Larc ein. „Nicht ganz", antwortete Sul.

„Was soll das jetzt heißen – nicht ganz – ? Poodookacke, hier sind die gesuchten Männer, einer mehr oder weniger spielt keine Rolle. Und eine Zusicherung, dass wir diese Narren lebend zurück bringen, hast du dem Jedi doch wohl sicher nicht gegeben, Sul, oder?", fragte Peak ärgerlich. „Nicht ganz", antwortete Sul wieder.
„Sul'ika, Bruder, ich liebe dich, aber wenn du noch einmal `nicht ganz` sagst, steck ich dir eigenhändig meinen Blaster in den Hals!" Peaks dunkle Augen fixierten Sul, tödlichen Dolchen gleich.

Nachdem Broos und Peak in der Höhle angekommen, und von ihren beiden Kameraden kurz über die Lage informiert worden waren, war unter den ehemaligen Alpha Arcs eine heftige Diskussion aufgeflammt. Während sich Broos, Larc und Peak darüber stritten, wie sie nun weiter vorgehen sollten, hatte sich Sul jedoch ungewöhnlich einsilbig aus dem Diskurs rausgehalten.

Nun sahen alle drei auffordernd zu dem Anführer ihres Teams und erwarteten seine Erklärung. Jetzt war für Sul der Augenblick gekommen, seine Kampfgefährten in die Details des Planes vollständig ein zu weihen. Während seiner Ausführungen herrschte vollkommene Stille, der Trümmerplanet selbst, die Geister der Toten schienen den Atem in diesem Augenblick anzuhalten. Kaum hatte er seinen Bericht beendet, brach der Tumult von neuem los.

„Bist du übergeschnappt, Sul? Sich verkleidet als Sturmtruppen in eine kleine Blitzereinheit ein zu schleichen, nachdem der Großteil des Truppenkontingents abgerückt ist, war schon ein dämlicher Plan, aber das?" Peaks Stimme überschlug sich beinahe, während Broos und Larc ihren Anführer entsetzt ansahen. „Wer denkt sich denn so einen Wahnsinn aus?" Doch noch bevor Sul den Mund öffnen konnte, beantwortete Peak seine Frage selber. „Der Jedi! Kaysh mirshsolus!*", fluchte Peak lauthals los.

* Er ist ein Idiot, wörtlich: „Seine Gehirnzelle ist einsam"

Entspannt lehnte sich derweil Sul an die Höhlenwand hinter ihm, und wartete ab, bis sich die Wut und das Fluchen seiner Kameraden langsam legte. Nach einander nahm er jeden seiner Kameraden in den Blick. „Seid ihr tatsächlich zufrieden mit dem Leben, das ihr jetzt führt? Kopfgeldjäger für das Huttenkartell, Sicherheitsberater für großspurige Magnaten, oder Bauer auf Mandalore, der seinen Hintern vor dem Herd seiner Frau wärmt?" Die Herablassung und der Spott trieften förmlich von Suls Worten auf sie nieder. „Hat Jango Fett dafür seine Alpha Arcs ausgebildet? Um als schlecht bezahlte Dienstboten ihr Leben zu fristen?

Mich dürstet es nach den ganzen Jahren nach der einen, wahren Herausforderung. Nach einem Kampf, den es würdig ist zu führen. Eine Aufgabe, ein Gegner, der mir Ehre bereitet. Ich bin es Leid, ein nichtsagendes Leben zu führen. Ich bin ein Alpha Arc! Und ich nahm an, ihr wäret es auch."

Bedrückende Stille breitete sich in der riesigen Höhle aus. Sul konnte sehen, wie jeder einzelne der Männer in sich ging, seine Worte, ihre Chancen und die Realitäten abwägten.

Erstaunlicherweise war Peak derjenige, der als Erster zu Sul trat. Er, der am meisten seit ihrem ersten Zusammentreffen bis zu diesem Punkt ihres Einsatzes, Suls Pläne niedergeschrieen hatte, stellte sich stumm an seine Seite. Mit einem kurzen Kopfnicken, begrüßte er die Entscheidung seines Kampfgefährten, um im Anschluss wieder die restlichen Alpha Arcs vor ihm, mit seinem durchdringenden Blick zu fixieren.

„Ach, was soll's. Ohne meine goldenen Hände würdet ihr beiden Shibuit nicht mal einen Druckluftschacht öffnen können. Und Jango prophezeite mir schon während meines Trainings, dass mich meine Neugierde einmal umbringen würde", erwiderte Larc mit einem breiten Grinsen. Somit blieb allein Broos stumm vor ihnen stehen. Nachdenklich rieb er seinen breiten Nacken. Er erinnerte sich genau, wie Sul vor einigen Tagen zu ihm kam, nach Mandalore, in sein Haus, das er zusammen mit seiner Frau aufgebaut hatte, genauso wie ihre Farm. Er hatte von Credits gesprochen, vielen Credits, die ihnen helfen würden, ihre Schulden und Kredite zu begleichen. Und von wenigen Risiken und Gefahren bei diesem Auftrag, so dass er seiner Frau zusichern konnte, gesund zurück zu kommen. Er hatte sich im Laufe seines Lebens in vieles gewandelt, Alpha Arc, Mandalorianer, Farmer, Ehemann, aber eines würde er immer sein, bis zu seinem Lebensende, war er sich mit einem Blick zu Sul und den anderen auf einmal sicher: ein Freund, ein Bruder für diese drei Männer vor ihm. Dann zog er seine schweren DLC-Blaster.

„Oya! Ke nu'jurkadir sha Mando'ade – Leg dich nicht mit Mandalorianer an!", ließ Broos den Schlachtruf erklingen und stieß seine Waffen in die Luft. „Oya!", wiederholten seine Brüder enthusiastisch.

Tief in seine Meditation versunken kniete Obi-Wan Kenobi auf dem nackten Boden seiner Unterkunft im Rebellenstützpunkt Jalvid und besann sich auf das Mantra des Jedi-Kodex. Sein Bewusstsein trieb in der Macht auf einem ruhigen See der Gelassenheit, dessen Oberfläche von keiner Welle gestört wurde.
Es gibt keine Gefühle, es gibt Frieden.

Es gibt keine Unwissenheit, es gibt Wissen.

Es gibt keine Leidenschaft, es gibt Gelassenheit.

Es gibt kein Chaos, es gibt Harmonie.

Es gibt keinen Tod, es gibt nur die Macht

Ein Gefühl tiefster Zufriedenheit durchströmte Obi-Wan Kenobi, als sein Geist diesen Jahrtausenden alten Sätzen folgte. Für diesen Moment fielen seine Schuldgefühle und seine Unsicherheit wie tonnenschwere Steine von ihm ab. Die Macht würde seine Wege leiten, auch in diesen dunklen Zeiten.

Und dann berührte ein leises Wimmern durch die Macht seinen Geist. Brennender Schmerz, dumpfe Hoffnungslosigkeit, und eine unendlich reichende Einsamkeit schienen ihn tief in einen grauen Nebel zu ziehen. Wie in einem fernen Echo wiederholte eine im Entsetzen gefangene leise Stimme die Worte des Gesetzes, doch so sehr er sich bemühte, er konnte ihren Sinn nicht erfassen.

Und noch während er in der Macht nach der Antwort suchte, entglitt Obi-Wan die Verbindung. Allein ein Gefühl der Dringlichkeit blieb zurück.

Wenige Augenblicke bevor das Komlink mit einem Piepsen die eintreffende Nachricht melden konnte, hatte der Jedi sich bereits erhoben und sein Quartier Richtung Kommunikationszentrale verlassen. In dem leeren Zimmer wartete niemand mehr, als die Meldung eintraf.

Erschrocken fuhren die beiden Komoffiziere zusammen, als Obi-Wan unbemerkt hinter sie trat. „Meister Jedi … wir … wir versuchen gerade, Sie über ihr Komlink zu erreichen", stotterte einer der jungen Männer, sichtlich irritiert. „Ich weiß. Eine Nachricht von den Alpha Arcs ist eingetroffen. Öffnen Sie die gesicherte Übertragungsfrequenz", erwiderte Obi-Wan gelassen. Mit einem blauen Flimmern erwachte der Holoemitter zum Leben und zeigte das scharfkantige Gesicht Sul's.

„Wir haben einen Teil des Teams gefunden, Kenobi, tot. Jedoch gibt es keine Spur der Informationen, die sie bei sich haben sollten. Ihr lagt richtig mit eurer Vermutung, dass die Imperialen alle Hinweise bereits entfernt haben."

„Sie und ihr Team werden also weiter, wie besprochen, vorgehen, Sul?" Obi-Wan war sich nach seiner Meditation sicher, dass dies nicht der Fall sein würde - nicht ganz. Von daher war dies nur eine Höflichkeitsfrage.

„Nun, wir werden den Plan leicht abändern müssen, Jedi."

Ein kleines spöttisches Lächeln umspielte Obi-Wans Lippen. „Ich habe es schon vermutet."

Nachdenklich musterte Sul sein Gegenüber, bevor er fortfuhr: „Wir benötigen vier Mann für die Durchführung, allerdings wird uns einer meiner Männer nicht begleiten können. Er ..." Sul's Hologramm drehte sich zur Seite und warf einen belustigten Blick auf jemanden außerhalb der Aufnahmereichweite des Projektors. „Nun sagen wir, er entspricht nicht mehr ganz den körperlichen Attributen, um eine imperiale Standardrüstung tragen zu können." Sul wandte sich wieder Obi-Wan zu und maß ihn mit einem herausfordernden Blick.

„Daher haben wir entschieden, dass ihr uns begleiten werdet Jedi. Wir werden zusammen als Sturmtruppler auf Lord Vaders Flaggschiff, die EXECUTOR, gehen – oder gar nicht!"